[Werbung] Mit der richtigen Vorbereitung stirbt man besser

Der Artikel ist eine Werbe-Kooperation mit CosmosDirekt

Risikolebensversicherung
Der Ruheforst, in dem ich beerdigt werde, soll gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sein // Foto: valiunic @pixabay

Der Tod gehört zum Leben dazu. Das übersieht man sehr gerne und den meisten geht es vermutlich wie mir: wenn er plötzlich wirklich da ist, ist man komplett gelähmt.

Bis Mitte 30 gab es keinen Tod in meinem Leben. Dann plötzlich fangen die Menschen mit dem Sterben an. Sie sterben unvorhergesehen bei Unfällen, in wenigen Wochen an schweren Krankheiten oder einfach aus dem Nichts heraus. Alle mein Alter – um die dreißig/vierzig. Einfach so. Weg.

Zurück bleiben Angehörige, die sich, obwohl sie eigentlich Ruhe brauchen und trauern wollen, um Formalitäten kümmern müssen.

Mir hat das zu denken gegeben. Was wäre, wenn ich sterbe? Wer muss sich um meine Angelegenheiten kümmern? Wie finden sie all die relevanten Unterlagen? Sind meine Kinder dann abgesichert?

Testament oldschool – am besten handschriftlich

Und was ist eigentlich mit einem Testament?

(Ich habe mir die nachfolgenden Informationen zusammengegoogelt. Sie stellen lediglich einen Serviervorschlag dar und sind nicht durch einen Bestatter oder Notar abgesegnet.)

Hat man bestimmte Wünsche, die vom gesetzlichen Standardvorgehen abweichen, lohnt es sich, ein Testament aufzusetzen.

Zum Beispiel: Meine Tagebücher aus Teenagerzeiten sind mit meinem Ableben bitte umgehend und ungelesen zu verbrennen. Sie hatten eigentlich den Zweck mir als alte Frau vor Augen zu halten, wie schön mein derzeitiges Leben im Gegensatz zu der frühen Adoleszenz ist.

Das muss man handschriftlich (ja wirklich, so mit Stift und so!) machen oder wenn man Lust hat, einem Notar ein bisschen Geld in den Rachen zu werfen, dafür dass er ein Standardvordruck aus seiner Schublade holt, dann bei einem Notar. Aber im Ernst: je nach Konstellation ist es tatsächlich sinnvoll einen Notar miteinzubeziehen.

Also – das Testament ist im günstigsten Fall:

  • handschriftlich verfasst,
  • klar formuliert,
  • und mit Datum und Ort unterschrieben.

Übersichtliche Listen erleichtern so einiges

Alles andere ist reine Fleißarbeit und wer Excel-Tabellen[1] wie ich liebt, der wird sogar Spaß haben, seinen Tod vorzubereiten.

Dort kann man fein säuberlich eintragen:

  • Versicherungen, die im Todesfall Geld auszahlen. Extra-Fleißbienchen, wenn man gleich Ansprechpartner und Versicherungsnummer dazu schreibt
  • Konten
  • laufende Verträge (das ist eine Menge! Strom, Gas, Internet, Telefon, Rundfunkbeitrag, Haftpflicht, Hausrat, Kreditverträge, Krankenkasse, Kranken- und Pflegezusatzversicherungen etc. pp.)

Zu der Excel-Tabelle sollte man griffbereit legen:

  • Geburtsurkunde,
  • Familienbuch, ggf. Scheidungsurkunde,
  • sowie Info, wo der Personalausweis sich normalerweise befindet.

Am Ende könnt ihr netterweise eine Checkliste von einer der zahlreichen Bestatter-Websites runterladen und ausdrucken.

Da steht drin was unmittelbar nach Eintreten des Todes und was innerhalb der ersten 36 Stunden zu tun ist. Dazu gehören zum Beispiel Infos an die Krankenkasse, die Rentenversicherung, die Lebens- und oder Unfallversicherungen sowie den Arbeitgeber. Es gibt tatsächlich Versicherungen, die nicht zahlen, wenn man nicht fristgerecht meldet! Auch nach der Beerdigung gibt es noch viel zu tun: dazu gehören ToDos wie laufende Zahlungen abbrechen, indem Verträge, Mitgliedschaften, Miete, Abos, Strom, Telefon etc. gekündigt werden.

Denkt auch an die Ausstellung einer Vorsorgevoll­macht. Wenn man nicht verheiratet ist und/oder die eigenen Eltern sich nicht kümmern können oder wollen, dann muss man einer anderen erwachsenen Person eine Vollmacht ausstellen, damit diese auf Konten oder andere Dinge zugreifen kann.

(Wenn ihr schon dabei seid, schreibt vielleicht auch auf, was mit euren Organen passieren soll, sofern die noch tippitoppi sind und weiterverwendet werden können.)

Vergesst nicht der Person, die am Ende die ganze Arbeit hat, ein fröhliches Goodie mit in die Unterlagen zu legen. Auch wenn man alles schön aufgearbeitet hat, ist es noch sehr aufwendig sich um alles zu kümmern.

Ohne Passwort kein Zugriff

In Zeiten des Internets sollte man auch nicht vergessen sich Gedanken um den digitalen Nachlass zu machen. Was soll mit Mail, Cloud-Inhalten, Blog, Instagram, Twitter, Facebook & Co. passieren? Wie kommen die Angehörigen eigentlich an all die Sachen ran? Hinterlegt Wünsche und Passworte.

Ich kann empfehlen, sich den Rechtsbelehrungspodcast zum Thema Digitaler Nachlass anzuhören.

Bei mir ist am Ende ein ganzer Ordner zusammengekommen. Den kann man übrigens wunderbar an den- oder diejenige übergeben, der/die sich im Fall der Fälle kümmern soll. Dann muss der/die nicht suchen und meistens hat die Übergabe den Effekt, dass diese Person sich ein bisschen freut, dass man noch lebt und das z.B. durch eine Einladung zu einer Pizza zum Ausdruck bringt.

Finanzielle Absicherung ist eine Überlegung wert

Abgesehen von all den Formalitäten ist es außerdem eine Überlegung wert, ob man zu Lebenszeiten eine Risikolebensversicherung abschließen möchte. Ich habe das schon vor einigen Jahren gemacht, schließlich habe ich Kinder, die nicht in finanzielle Not kommen sollen, wenn ein Elternteil stirbt.

CosmosDirekt bietet entsprechende Produkte an.

Besonders empfehlenswert ist der Abschluss einer Risikolebensversicherung übrigens wenn nur ein Elternteil arbeitet. Das ist in Deutschland nach wie vor ein gern gewähltes Versorgungsmodell. Beim Wegfall des Alleinverdieners ist mit Witwen- und Halbwaisenrente wirklich kein Blumentopf zu holen. Erst recht nicht, wenn man sich noch Eigentum zugelegt hat und deswegen verschuldet ist. Da ist der Tod des Alleinverdieners wirklich absolutes Worst-Case-Szenario.

Ich empfehle deswegen ganz generell sich da mal Gedanken über das Lebensmodell sowie die Absicherung zu machen. In Sachen Risikolebensversicherung könnt ihr auf den Seiten von CosmosDirekt mal ausrechnen, was euch das im Monat kosten würde. Ich bin dort selbst nicht Kundin, Focus Money (Ausgabe 19/2017) bescheinigt aber „Besten Risikoschutz“.

Die Stiftung Warentest empfiehlt z.B. als Summe das drei- bis fünffache des Bruttojahreseinkommens abzusichern.

Ich hab beim Zusammenstellen der Unterlagen ein bisschen geweint. Ich fände es ja schade jetzt schon zu sterben. Andererseits ist es doch ein gutes Gefühl meine Angehörigen nicht alleine mit all den Pflichten zu lassen und natürlich konnte ich noch ein paar Superwitze in die Unterlagen einarbeiten.

Welche Hashtags bei meiner Beerdigung zu verwenden sind, habe ich im Artikel „Mein analoger Tod“ zusammengestellt.

Empfehlenswert ganz allgemein zum Thema Tod und Bestattung übrigens das Bestatterweblog und der YouTube-Kanal „Sarggeschichten„.


[1] Gnumeric und Calc geht auch!

Lieblingstweets 10/17

Und am Ende – die gute Nachricht des Tages:

[Anzeige] Let’s talk – Augmented und Virtual Reality

Virtual Reality Augmented Reality
HammerandTusk @Pixabay

Gemeinsam mit SCHAU HIN! habe ich eine kleine Serie zum Thema Kinder und digitale Medien gestartet.

Im Zentrum meiner Serie sollen die Chancen, die (neue) Medien mit sich bringen, stehen und ich will beschreiben, wie wir als Familie im Alltag damit umgehen und gerne auch von Euch hören, wie ihr den Alltag mit Kindern und digitalen Medien gestaltet.

Risiken und Gefahren werden durch Kulturpessimisten aller Ausrichtungen zu genüge beklagt. Viele Eltern reagieren mit Unsicherheit und statt sich mit den einzelnen Themen auseinanderzusetzen, wird schnell mal ein Verbot verhängt.

Ich bin jedoch der festen Überzeugung, dass Verbote in Sachen Medienkonsum nichts bringen. Deswegen versuche ich mit meinen Kindern im Gespräch zu bleiben und Lösungen zu erarbeiten, die für uns beide alle passen. Das ist auch der Grund warum ich die Serie Let’s talk nenne.

Im sechsten Teil geht es um: Augmented und Virtual Reality

Was issn das schon wieder? Augmented und Virtual Reality

Während Messenger in der Zwischenzeit schon so mainstream sind, dass auch Großeltern sie auf ihren Smartphones benutzen – sind Augmented und Virtual Reality noch Technologien, die ein Randdasein fristen.

Vielleicht zum Einstieg eine kleine Definition:

Augmented Reality lässt sich als „erweiterte Realität“ übersetzen – was soviel bedeutet wie, dass die Realität durch zusätzliche, virtuelle Elemente angereichert wird.

Als Hardware benötigt man z.B. ein Smartphone mit Kamera und GPS, so dass Spielelemente direkt in die Umgebung projiziert werden können.

Bekannteste Software- bzw. App-Beispiel sind sicherlich Spiele wie Ingress und Pokémon GO. Ich würde aber auch die Filter bei Snapchat und auf Instagram zu Augmented Reality zählen. Immerhin nehmen sie etwas aus der Realität und verändern es.

Virtual Reality auf der anderen Seite, erschafft mithilfe einer Datenbrille ein 360-Grad-3D-Bild vor den Augen des Betrachters. Um mit dieser virtuell geschaffenen Realität interagieren zu können, braucht man zusätzlich Controller.

Im Gegensatz zur Augmented Reality braucht man für die Virual Reality also tatsächlich Extra-Ausstattung wie z.B. die Oculus Rift, Sony Playstation VR oder die HTC Vive.

VR Technologie gibt es schon Jahrzehnte und mit der neuen (für Privathaushalte theoretisch bezahlbaren) Hardwaregeneration wird die letzten beiden Jahre prophezeit, dass nun endlich die großen VR Zeiten über uns hereinbrechen.

Persönlich halte ich das v.a. für einen künstlichen Hype. Nach wie vor haben die allerwenigsten Menschen sowas zuhause rumstehen.

Die mangelnde Verfügbarkeit macht es einem ein bisschen schwer, einzuschätzen, ob die jeweilige VR Technologie bzw. das Spiel kindertauglich ist oder nicht.

Meine persönlichen Erfahrungen mit AR und VR

Virtual Reality und Augmented Reality
Dank AR sehe ich ziemlich große Ratten, die sonst niemand sieht.

Augmented Reality kenne ich v.a. von Wikitude und Pokémon GO (und den erfolglosen Versuchen Sternenbilder am wolkenverhangenen Stadthimmel mit Star Chart zu sehen). AR übt auf mich eine kindliche Faszination aus. Durch AR kann ich geheime Parallelwelten sehen. Dinge, die andere nicht sehen können. Dinge, die mich zum Teil eines Geheimbundes machen. AR versetzt mich in meine Kindheit zurück, in der ich mir vorgestellt habe, allwissende Detektivin und Vorsitzende eines Geheimclubs zu sein.

Wie lustig waren die Zeiten als Pokémon GO ganz neu war und sich plötzlich zahlreiche Menschen an öffentlichen Plätzen eingefunden haben, weil dort ein Lockmodul aktiv war. Und ICH wußte warum sich alle so seltsam verhalten.

Mir gefällt sowas und ich habe keinerlei Bedenken Kinder damit spielen zu lassen.

Wie mit allen Ablenkungen gilt hier die Regel: Sicherheit vor Spiel.

Meine Kinder müssen z.B. immer das Handy in die Tasche stecken bevor sie eine Straße überqueren und dürfen Pokémon GO auch nur an Orten spielen, an denen es ungefährlich ist auf ein für andere Menschen unsichtbares Pokémon fokussiert zu sein – auf großen Plätzen, im Park, auf dem Spielplatz.

Installiert euch selber mal eine AR App. Wikitude ist gut, wenn man Städtreisen macht und wers geheimnisvoller mag, der probiert es mal mit der WallaMe, mit der man an beliebigen Stellen Geheimbotschaften (z.B. an Wänden und Spiegeln) für andere hinterlassen kann.

Im Gegensatz zu AR, hat mich VR bislang noch nicht überzeugt.

Die VR Spiele, die ich kenne, sind mir entweder zu gruselig (Bsp. Resident Evil 7 – wobei ich eben auch sehr schreckhaft bin und dem Horror- und Gruselgenre absolut nichts abgewinnen kann und das Spiel ab 18 ist) oder zu langweilig (Bsp. Job Simulator)

Sehr viele VR Spiele sind so, dass man etwas machen muss, auf das man eigentlich schon im alltäglichen Leben keine Lust hat: Kochen zum Beispiel und das auch noch schnell und viele Gerichte gleichzeitig oder Auto reparieren (und das wiederum total schwachsinnig, weil man einfach irgendwelche Flüssigkeiten direkt in den Motor schüttet oder Reifen wechselt, indem man sie auf die Felgen wirft).

Meine Kinder teilen diese Meinung übrigens nicht. Die fanden kochen und Auto reparieren toll.

Toll finde ich VR dann, wenn das Körpergefühl (also das echte) miteinbezogen wird. VR Achterbahn fahren finde ich sensationell, selbst wenn es eine Kinderachterbahn ist, bei der man von einem fliegenden Einhorn durch einen Zauberwald gezogen wird.

Punktuell gibt es ganz schöne VR-Umsetzungen. Wir haben neulich das Spiel „Keep talking and nobody explodes“ gespielt, von dem es auch eine VR Variante gibt:

Auch sind VR Spiele, die man im Sitzen spielen kann (Autorennen, Raumschiffe fliegen) tendenziell glaubhafter für das Körpergefühl als Spiele, bei denen man eigentlich den ganzen Körper einsetzen muss, es aber ja nicht wirklich kann, weil man im Großen und Ganzen auf der Stelle stehen bleibt.

Insgesamt sind die VR-Anwendungen in meinen Augen noch zu unausgereift – v.a. wenn man bedenkt was sie kosten (die Hardware in jedem Fall mehrere hundert bis fast tausend Euro).

Ausprobieren kann man VR auf jeden Fall mal – am besten gemeinsam mit den interessierten Kindern. In größeren Städten gibt es dafür zahlreiche Möglichkeiten. In Berlin gibt es z.B. eine VR Lounge, diverse Exit-Game-Anbieter, die VR im Programm haben und  Lasertag-Anbieter, die das ebenfalls mit VR Erweiterungen machen[1].

Fazit

Virtual Reality
Schräg ist, dass man sich in der VR Achterbahn gar nicht sieht.

VR-Technologien sind bislang noch wenig verbreitet. Eine hervorragende Chance das mit euren Kindern gemeinsam von Anfang an zu erforschen. Dafür muss man sich aber nicht gleich das überteuerte Equipment zulegen. Statt Kino mal in einem VR Spielecenter Erfahrungen sammeln, reicht erstmal.

Es ist auch möglich sich VR Brillen monatsweise zu mieten (zumindest in Berlin). Eine tolle Beschäftigung für die Ferien. Einige Spielempfehlungen für Kinder findet man z.B. bei Coding Kids.

Was die Alterstauglichkeit angeht – da würde ich mich an dem orientieren, was Kinder beim fernsehen oder im Kino „verkraften“. Meine Kinder sind sehr sensibel. Deswegen richte ich mich ohnehin nach Altersempfehlungen und packe da eher noch ein, zwei Jahre drauf bzw. tatsächlich verschaffe ich mir selbst erst einen Eindruck, bevor ich die Kinder spielen lasse.

VR halte ich bei jüngeren Kindern auch für schwieriger als AR. VR bedeutet ja, dass man selbst als Person in einer anderen Realität aufgeht – was auch mal beängstigend sein kann.

AR bedeutet letztendlich immer, dass man selbst fest in seiner eigenen Realität steht und diese nur verändert wird.

Das finde ich immer spannend – aber nie beängstigend (jedenfalls so lange die Technologie nicht so weit entwickelt ist, wie z.B. in der 3. Staffel Black Mirror, 2. Folge „Erlebnishunger“).

Wie sind eure VR und AR-Erfahrungen? Kennt ihr Spiele, die besonders Spaß machen? Kennt ihr Anwendungen außerhalb der Spielewelt, die für Kinder relevant sind? Glaubt ihr, dass VR bald in den Alltag einziehen wird?

Kommentiert einfach hier, teilt eure Medienmomente auf Instagram, bloggt selbst darüber, twittert oder schreibt auf Facebook. Wenn ihr eure Beiträge mit dem Hashtag #medienmomente markiert, können sie später eingesammelt und geteilt werden.

Weiterführende Links

Teil 1 von Let’s talk: Nicht wie lange sondern was
Teil 2 von Let’s talk: Messenger
Teil 3 von Let’s talk: Computerspiele
Teil 4 von Let’s talk: YouTube
Teil 5 von Let’s talk: Fernsehen und Streaming-Dienste
Teil 6 von Let’s talk: Hörwelten

 

[1] Ich habe keinen der Anbieter selbst ausprobiert. Das sind nur gegoogelte Vorschläge, wo man VR man selbst ausprobieren kann, um sich ein Bild davon zu machen.

**PRODUKTEMPFEHLUNG**

foxifixautomat @pixabay

Käme das Kind nach Hause und würde mir sagen: „Ich brauche einen Stift, den man wieder wegmachen kann.“ Ich würde einen kaufen. Vielleicht einen Füller mit einem Tintenkiller, vielleicht einen Bleistift und einen Radiergummi, vielleicht einen radierbaren Kugelschreiber. Beschwert hätte ich mich nicht.

Das Kind kommt aber nicht nach Hause und braucht irgendwas Allgemeines. Es braucht bestimmte Produkte. Weil der Lehrer Produkte empfiehlt. Einen Pilot Frixion Ball.

Dieser Stift kostet 2,50 Euro (günstigstenfalls) und ist gefühlt alle zwei Wochen leer.

Pelikan Wasserfarben, sollen es dann sein. Ein „Hausaufgabenheft für Faule“ bitteschön. Knete! Unbedingt brauchen Erstklässler von Habichvergessen Knete. Der ergonomische Tintenroller – STABILO EASYoriginal soll es für die Kleinen sein.

Ich finde das einfach nur ätzend. Trotzdem kaufe ich den ganzen Mist, weil es nämlich das Kind abbekommt, wenn ich es wage mich zu widersetzen.

„Warum hat die Mami denn nicht xy gekauft? Hast Du das der Mami nicht gesagt? Das ist aber nicht schön. Ich habe doch xy empfohlen.“

Es gab sogar Kritik weil das jüngste Kind das Lesebuch des Geschwisterkindes nochmal benutzt hat: „Das ist aber nicht so gut. Warum hast du denn kein eigenes bekommen?“

WEIL DAS FUCKING VERSCHWENDUNG IST??!!

„Wir benutzen Silbenstifte. Es ist nämlich nicht so schön für ihr Kind, wenn es beim Schreiben den Stift wechseln muss.“

Altes T-Shirt zum Malen? Faber-Castell hat doch Malschürzen! Wasserbecher? Einen aus Plastik, den man über hat? Nenenenene! Entschuldigung? Es gibt doch extrateure Pinselbecher.

Ich übertreibe jetzt ein wenig. Aber die Hälfte ist wahr und v.a. ist wahr, dass wann immer ich nicht mache, was der Lehrer sagt, das Kind subtil angemeckert wird.

Das Kind möchte es dem Lehrer aber perfekt recht machen und quält sich deswegen sehr, wenn sich die reaktante Mutter weigert, ebenjene tollen Superprodukte zu kaufen und anstatt dessen andere, billigere Alternativprodukte kauft.

Meine Reaktanz geht soweit, dass ich dieses Jahr sogar Dinge ge-bastelt! habe.

Nachdem ALLE Kinder nach der ersten Klasse die scheißteure Markenknete unbenutzt und leicht vertrocknet wieder nach Hause gebracht haben, war ich verleitet beim jüngsten Kind einfach farbige Fakewürste in die Knetpackung zu legen.

Und ja, ich rege mich aus Prinzip auf. Leisten kann ich mir das Zeug. ABER EIGENTLICH WILL ICH NICHT. Eben auch, weil es nicht für jede Familie einfach ist, Schulsachen im Wert mehrerer hundert Euro zu kaufen.

Ich will v.a. nicht, dass eine Autoritätsperson (ja, die Lehrerinnen und Lehrer sind für die Kinder Halbgötter, sie wollen ihnen immer alles recht machen, niemand darf sie anzweifeln, auch wenn die Englischlehrerin sagt es heisst „My best book is Harry Potter“ und nicht „My favorite book is Harry Potter“.) meinen Kindern eintrichtert, dass man immer teure Markenprodukte kaufen muss.

Aber wenn ich so eine Diskussion am Elternabend anfange, dann muss das mein Kind ausbaden. Also halte ich die Klappe.

[Anzeige] Kinderrechte im digitalen Raum

Kinderrechte
Möchtet ihr eure eigenen Kinderfotos im Netz haben?

Instagram ist für mich eine seltsame Plattform. Ich schaue mir da meist Dinge an, die ich gruselig finde. Diese Kurzvideos, die zeigen wie man Hornhaut von den Füßen abzieht, wie Mitesser ausgedrückt werden und wie Kinder anderer Menschen in allen erdenklich demütigenden Posen fotografiert werden. Beim Pipi machen z.B., beim Wickeln, wenn Sie beim Arzt untersucht werden, wenn es ihnen augenscheinlich schlecht geht und sie im Krankenhaus sind oder während eines Gefühlsausbruchs.

Auch wenn ich Fotos schlafender Kinder sehe, grusele ich mich. Ich stelle mir dann vor, wie mein Partner mich während ich schlafe, fotografiert und dann das Foto ohne mein Wissen ins Netz stellt. Weil er es halt so süß findet.

Ich habe schon öfter über Kinderfotos im Netz geschrieben und im Laufe der Zeit, angeregt durch einen konstruktiven Diskurs, meine harte Position „gar keine Fotos auf denen man die Kinder erkennen kann ins Netz“ zu „Kinderfotos ins Netz – wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind“ geändert – denn schließlich gehören Kinder zur Gesellschaft und das Netz sollte ein Abbild der Gesellschaft sein und nicht ein kinderfreier Raum.

Es geht eben um die Art der Fotos und ob man immer frontal drauf hält oder ob man wirklich Fotos von Situationen ins Netz stellen muss, die einem selbst peinlich oder unangenehm wären oder das Kind irgendwie lächerlich machen.

Es gibt Kinderrechte. Das scheint schnell vergessen zu sein und es gibt Eltern, die alles, was sie eben niedlich finden, ins Netz stellen.

Manchmal habe ich den Impuls unter jedes Foto, das irgendwie ungefragt Intimitäten eines Kindes preisgibt, einen vortragsähnlichen Kommentar zu posten:

„Hast Du schonmal darüber nachgedacht, dass das Foto, das Du gepostet hast, aus kinderrechtlicher Sicht in vielerlei Hinsicht bedenklich ist?
Es verletzt zu allererst die Privatsphäre Deines Kindes und sehr wahrscheinlich hast Du das Foto ohne das Einverständnis Deines Kindes gepostet. Das widerspricht dem Recht auf Beteiligung und auch Schutzrechte sind in Gefahr. Dabei muss man nicht gleich an Pädophile denken. Mir reicht die Erfahrung, die ich als Teenager gemacht habe, als jemand meinen Kopf auf ein Pornobild retuschiert hat. Ein harmloser Spaß fand derjenige, der es gemacht hat. Ich hab ein halbes Trauma davon getragen.“

Bringen würde das aller Wahrscheinlichkeit nach rein gar nichts.

Dabei ist es wirklich einfach mal die Kinder zu fragen: „Welche Fotos soll ich von Dir nicht ins Internet stellen?“

Mein jüngstes Kind hat dazu eine einfache Antwort: „Wenn ich das nicht weiß, finde ich das immer doof. Nie sollst Du zum Beispiel Fotos ins Netz stellen, die zeigen, wie Du mich knuddelst oder andere Sachen, die nur für mich sind.“

Wie sollen Kinder außerdem Medienkompetenz erlangen, wenn wir Erwachsene ihnen so ein schlechtes Vorbild sind?

Stellt euch die lustigen Fotos von Teenagern vor, die ungefragt ihre Eltern ins Netz stellen:

Hihi, Mama leicht angetrunken am Silvesterabend // So sieht Papa aus, wenn er sich halb tot gekotzt hat, weil er Magen-Darm-Grippe hat, der Arme! // Seht ihr es? LOL! Mama hängt ein Popel aus der Nase // Hier, Oma, total verpennt. Wusste gar nicht, dass sie noch mehr Falten haben kann.

Wenn ich mir die durchdokumentierte Kindheit einiger Kinder vor Augen führe, hätten sie jedes Recht solche Fotos in zehn bis fünfzehn Jahren zu posten.

Das Deutsche Kinderhilfswerk e.V. startet heute eine Kampagne, die Eltern für dieses Thema sensibilisieren soll.

Ich unterstütze die Kampagne gerne, denn in meiner Wahrnehmung gehen immer noch ein großer Teil Erwachsener nicht achtsam genug mit den Fotos ihrer Kinder im Netz um und beachten die Kinderrechte nicht.

Die Haltung, die das Deutsche Kinderhilfswerk e.V. u.a. in ihrem Internetguide vertritt, finde ich gut.

Sie verteufeln digitale Medien nicht, weil sie ohnehin aus dem Alltag nicht wegzudenken sind. Sie fordern Eltern aber auf, ihre Kinder darin unterstützen, verantwortlich mit entsprechenden Postings umzugehen. Medienkompetenz statt Verbote!

Und Medienkompetenz müssen auch Eltern sich aneignen.

Es wäre schön, wenn die Kinderfotos-im-Netz-Debatte konstruktiv geführt werden könnte. Es gibt einen Mittelweg zwischen Kinderfotos gehören nicht ins Netz und Alles, was ich niedlich finde, poste ich auch ohne mein Kind zu fragen. Schaut euch deswegen die Kampagne mal an.

Wie haltet ihr es mit Kinderfotos und warum?

Unter allen Kommentaren lose ich bis zum 16.11.2017 ein kleines Medien-Paket des Deutschen Kinderhilfswerks e.V. aus.

Kinderrechte

Was ihr tun müsst, um zu gewinnen

    • verlost wird ein Set bestehend aus (siehe Foto):

– Internet Guide für Kids
– Der Internet Guide für Eltern
– Der Handy Guide für Kinder und Eltern
– Das Kinderrechte-Wimmelplakat
– Kinderrechte-Plakat
– 3 Pixi Bücher zum Thema Kinderrechte (Wir bestimmen mit, Alle sind dabei, Niemand darf uns weh tun)
– Flyer „Ausgewählte Kinderrechte“
– Broschüre „Kinderrechte. Kinder fragen – Experten antworten“
– Kinderrechte-Broschüre „Hier steht nichts drin…, was Du nicht über Kinderrechte wissen musst“
– Kinderrechte-Zeitschrift „Heldinnen- und Heldenheft“
–  Aufkleber, Armbändchen und Pins „Leo und Lupe“

  • das Set wird verlost unter allen Kommentaren im Blog – beantwortet mir folgende Frage: Wie haltet ihr es mit Kinderfotos und warum? (Wer es schafft, dabei sachlich zu bleiben, bekommt ein Extralos)
  • mitmachen können alle volljährigen natürlichen Personen mit Wohnort Deutschland
  • die Verlosung läuft bis zum 16. November 2017 23.59 Uhr
  • der/die Gewinner/in wird ausgelost und per Mail benachrichtigt
  • der Rechtsweg ist ausgeschlossen
  • eine Barauszahlung des Gewinns ist ausgeschlossen
  • erhalte ich innerhalb einer Woche keine Rückmeldung auf die Gewinnbenachrichtigung, verfällt der Gewinn

Gesucht: Das Spiel für eine Nacht

marionberaudias @pixabay

Computerspiele und ich, wir haben uns aufgrund unseres Lebenswandels etwas auseinander gelebt.

Angefangen hat unsere Beziehung noch bevor es das Internet gab. Wir haben uns kennengelent und wurden schnell unzertrennlich – für viele Jahre.

Nach der Schule habe ich Hausaufgaben gemacht und dann gespielt.

An manche Spiele habe ich lebhafte Erinnerungen. Wir haben versucht unsere Joysticks irgendwie stabiler zu machen, um sie nicht bei den Summer Games und später bei den Winter Games kaputt zu rütteln.

Und dann gab es diese Ego-Shooter, bei denen man Ende der 80er von keinem Gegner überrascht werden konnte, weil brr brrrr brrrrrt der Computer erstmal nachladen musste. Erinnert ihr euch?

Unvergessen auch die Nächte, die ich vor LucasArts Spielen verbracht habe, weil ich einfach nicht weiter gekommen bin und es eben kein fucking Internet gab, wo man das hätte nachschauen können.

NEEEIN! Damals musste ich warten bis die Freunde wach waren und man dort ANRUFEN konnte, hoffnungsvoll, dass sie am Abend weiter gekommen waren als man selbst!

Das war schön damals.

Bis zum Nintendo 64 hab ich es noch geschafft, aber dann musste ich Diplom machen, mir einen Job suchen und Kinder bekommen und plötzlich hatte ich keine Zeit mehr zum Spielen.

Eine intensive Affäre hatte ich schließlich mit der wii. War sie doch immer für zwischendurch mal zu haben.

Für eine bestimmte Art Spiel hatte und habe ich allerdings keine Zeit mehr.

Spiele, die sich über Tage und Wochen erstrecken z.B. oder Spiele deren Steuerung so kompliziert ist, dass man erstmal zwei Wochen spielen muss, um die einzelnen Funktionen des Controllers so automatisiert zu haben, dass man nicht mehr hinschauen muss.

Im Grunde bin ich ohnehin eher Typ Mühle als Typ Schach. Geduld ist und war nie meins.

Ich brauche also Spiele, die

  • leicht zu bedienen sind
  • so kurze Runden haben, dass es sich lohnt mal einem Abend zu spielen
  • man im Idealfall mit anderen spielt.

Wie ich schon an anderer Stelle schrieb: Tricky Towers ist für mich Musterbeispiel.

Das Spielprinzip ist leicht verständlich, die Bedienung ist in fünf Minuten gelernt und verinnerlicht, man kann das Spiel mit mehreren Spielern spielen.

Ähnlich toll fand ich auf der Switch die 1-2-Switch Serie und vorgestern durchgespielt: die Snipperclips.

Bestimmt gibts irgendeinen Genre-Namen, den ich nicht kenne. Eigentlich zählt alles, was auf der wii erschienen ist, zu dieser Art Spiele, die ich meine. Allein was die Rayman Raving Rabbids Spaß gemacht haben!

Weil ich wirklich gerne wieder mehr Spielen würde (Serien sind aus), brauche ich eure Tipps. Wie lauten eure Empfehlungen?

(Und bitte nichts kompliziertes! Wenn Eure Oma das spielen könnte, ist es die richtige Empfehlung. Wenn es sowas wie Helldivers* ist: ist es falsch.)

Nochmal die Kriterien:

  • leicht verständliches Spielprinzip
  • leicht erlernbare Bedienung
  • im Idealfall an einem Abend fertig spielbar oder so in Runden unterteilt, dass ich auch nach drei Wochen Pause gleich wieder ins Spiel finde
  • gerne für zwei oder mehr SpielerInnen
  • kein Autorennen – ich liebe Kartfahren – aber Autorennen am Computer – please NOOOOOOO!
  • Plattform übrigens egal. Wir haben alles.

*„Hey! Lass uns Helldivers spielen! Ich koche heute und du spielst das Tutorial durch. Wir essen und danach spielen wir zusammen.“, sagte der Freund.
Top Plan! Ich setze mich also an die PlayStation, schaue den Controller an und starte das Tutorial.
Eine dreiviertel Stunde später ist der Freund fertig mit dem Kochen und ich mit den Nerven.
Ich habe ca. 15% des Tutorials geschafft, bin sehr, sehr oft gestorben und kann mir immer noch nicht merken, was die Tasten X, Kreis, Dreieck, Viereck, R1, R2 sowie L1 und L2 bedeuten.

Nebenbei

Buch: Das Versagen der Kleinfamilie

Versagen der Kleinfamilie Mariam Tazi-Preve
Rezensionsexemplar „Das Versagen der Kleinfamilie“ von Mariam Tazi-Preve

Vor einigen Wochen wurde ich gefragt, ob ich das Buch „Das Versagen der Kleinfamilie“ von Mariam Tazi-Preve lesen möchte. Wie immer in solchen Fällen, habe ich mir die Kurzzusammenfassung durchgelesen und dann, weil es mich tatsächlich interessierte, geschrieben: „Gerne lese ich das Buch, ich kann allerdings nicht garantieren, dass das zeitnah geschieht oder dass ich das tatsächlich schaffe, zu verschriftlichen. Wenn das OK ist, dann schicken Sie mir gerne das Buch zu.“

Tatsächlich habe ich das Buch in einem Rutsch durchgelesen. Sehr stark komplexitätsreduziert geht es um die Feststellung, dass es in der Klischeefamilie der industrialisierten Welt Vater-Mutter-Kind fast unmöglich ist, ohne Burnout oder sonstige Schäden Kinder groß zu ziehen.

Frau Tazi-Preve geht ausführlich auf die Gründe ein und zeigt alternative Lebensformen in anderen Gesellschaften, die besser funktionieren als die landläufigen Klischees des Westens.

Beim Lesen habe ich immer wieder an Susanne Mieraus Ansatz des Online-Clans gedacht, den sie schon 2014 ausführlich geschildert hat. Tatsächlich hat mir mein Leben auch gezeigt: Ohne Hilfe geht es nicht. Vollzeitjob und Kinder miteinander zu vereinigen, ohne eine zweite, dritte, vierte und manchmal sogar fünfte erwachsene Person, funktioniert nicht.

Dabei geht es nicht nur ums organisatorische – wer holt die Kinder ab, wer bringt sie in Kindergarten und Schule, wer kauft ein, wer kocht, wer bringt sie ins Bett – sondern eben um all die Lebenszeit, die man miteinander verbringt jenseits der morgen- und abendlichen Abfertigung, in der man kuschelt, vorliest, sich unterhält, zusammen spielt und Lebenzeit miteinander teilt.

Ganz nebenbei bin ich übrigens auch der festen Überzeugung, dass es für die Seele der Kinder wichtig ist, dass sie nicht ausschließlich die Mutter als erwachsene Bezugsperson haben.

(Ich schreibe hier absichtlich die Mutter, denn im klassischen Versorgermodell, gibt es zwar Väter, die sind aber aufgrund ihrer starken Erwerbszentriertheit leider oft nur mittelmäßiger Ersatz, wenn es um das Thema Bezugsperson geht (vgl. „Liebe in Worten oder die Schönwettervaterschaft“ und „Ich liebe meine Kinder vom Büro aus„)

Ich kann jedenfalls jedes Wort von Tazi-Preve unterschreiben, da ich an der Kleinfamilie grandios gescheitert bin.

In meinem Alltag waren keine Großeltern, keine Geschwister und auch sonst niemand, den ich einbinden konnte UND wollte. (Sich helfen lassen, musste ich auch erst lernen).

Seit einigen Jahren läuft es anders. Neben der gleichberechtigten Partnerschaft, habe ich liebe Freunde und Freundinnen, die z.B. regelmäßig am Nachmittag oder abends die Kinder betreuen, die uns zur Seite stehen, die uns schon eingekauft haben oder sogar Essen vorgekocht haben und uns zum Einfrieren vorbei gebracht haben, die vorlesen, malen, basteln.

Auch hierzu kann ich einen weiteren Blogbeitrag von Susanne Mierau empfehlen: Unterstützung (anbieten) – ohne um Hilfe bitten zu müssen.

Genau diesen Gedanken hatte ich nach dem Zuklappen von Tazi-Preves Buch: Wie kann ich meinen Freundinnen helfen?

Tatsächlich fällt einem schnell etwas ein, das man anbieten kann.

Ein ausführliches Interview mit Frau Tazi-Preve findet ihr bei Mama arbeitet und in der Süddeutschen.

Dort geht es außerdem ausführlich um den Aspekt wie absurd es ist, dass die romantische Liebe und das sichere Aufwachsen von Kindern so eng miteinander verknüpft werden und die Kleinfamilie als Ort der alleinigen Glückseligkeit gesehen wird.

Sehr beschäftigt hat mich auch der Punkt wie entgegengesetzt Arbeits- und Familienleben konnotiert sind. Im Job geht es um Konkurrenzdenken, Kosten-Nutzen-Logik und Profitmaximierung. Im Familienleben hingegen um emotionale Zuwendung und Empathie wichtig.

Das Buch hat in mir vieles zusammengebracht, was mir im Kopf schon lange herumschwirrte:

  • Familie als selbstgewählte Beziehungen sehen (und nicht als Geburts- und Genkonstellation)
  • Hilfe zulassen und selbst anbieten
  • den Kindern zusätzliche Herzensbezugspersonen schenken
  • im Arbeitsleben auch auf Empathie und Beziehungen setzen
  • Konsum reduzieren und kleiner denken (wer keine riesige Wohnung, keinen teuren Urlaub, keine Designermöbel und -klamotten braucht, braucht weniger Geld, muss weniger Arbeiten, hat mehr Zeit etc.)
  • Beziehungen leben (sich Zeit nehmen, nicht auf morgen verschieben, etc.)

Die einzelnen Aspekte auszuformulieren, würde am Ende wahrscheinlich ein weiteres Buch entstehen lassen. Deswegen am Ende nur die Empfehlung: Das Buch lesen und schauen, wo die Stellhebel im eigenen Leben sind.

Buch: Muttergefühle II

Foto: Rike Drust, Stickerei auch

Das neue Buch Muttergefühle. Zwei (Amazon Werbelink) von Rike Drust habe ich auch gelesen – besser gesagt: durchgekichert.

Im ersten Teil, Muttergefühle. Gesamtausgabe (Amazon Werbelink), geht es um den lustigen Gap zwischen dem Leben ohne Kinder und dem mit Kindern und all den Absurditäten, die einem vorher keiner sagt.

Muttergefühle. Zwei beschäftigt sich im Wesentlichen mit der Frage, warum man – nachdem man nach dem ersten Kind weiß was auf einen zukommt – dennoch ein weiteres Kind möchte.

Rike schreibt wirklich wahnsinnig lustig, schon am Anfang habe ich mich über folgende Passage schlapp gelacht:

[Die Entscheidung zum ersten Kind] fühlte sich nach Freiheit à la Hollywood an: Als wenn man mit einem Cabriolet bei perfektem Wetter einen amerikanischen Highway runterfährt, aufsteht und voller Glück und Abenteuerlust die Arme hochreißt. Beim zweiten Kind würde man lieber sitzen bleiben, weil man inzwischen weiß, dass einem sonst nur Insekten in den Mund fliegen, dass die Wangen vom Fahrtweg unvorteilhaft flattern und es nichts mit sexy zu tun hat, wenn man krampfhaft versucht, sein Gleichgewicht zu halten, wenn das Cabriolet zu schnell um die Kurve braust.

Es ist aber nicht nur der Humor, der das Buch so lesenswert macht. Viel wichtiger sind die dahinter liegenden Fragen. Denn Muttergefühle. Zwei beleuchtet all das, was man geistig zu bewältigen hat:

  • Bin ich jetzt nur noch Mutter? Darf ich eigene Bedürfnisse und Ambitionen haben?
  • Wie ändert sich die Partnerschaft, welche Rolle spielt der Partner, wie findet man sich als (Eltern)paar (neu)?
  • Wie bewahre ich die Nerven, die Geduld, die Liebe? Wie schaffe ich es zu lachen statt durchzudrehen?
  • Wie wirkt eigentlich Politik, wie Werbung auf das Familiensystem, wieso ist Familie nicht Privatsache?
  • Warum soll Feminismus uns kümmern?

Das wunderbare – sie schreibt es im Buch selbst:

Ich lese eigentlich gern in anderen Blogs, aber viele Texte nicht bis zum Schluss. Ich bin nämlich sofort raus, wenn es zu belehrend oder unterschwellig anklagend wird.

– das Ganze funktioniert ohne Zeigefinger und schaut-wie-toll-wir-hier-das-geregelt-bekommen und ist deswegen so lesenswert.

Deswegen: Bitte kauft dieses Buch, verschenkt es damit es verfilmt werden kann. Aber ihr müsst sehr, sehr viele Bücher kaufen, sonst reicht das Verfilmungsbudget nur für Veronica Ferres und Til Schweiger und dessen Kinder und nicht für Elisabeth Moss und Josh Thomas in den Hauptrollen.

Serie: Stranger Things II

Seit 27.10. ist auf Netflix Stranger Things II zu sehen. Ich bin noch nicht ganz durch, aber im Grunde ist Stranger Things II wie Stranger Things I. Ein gigantisches Where’s Waldo der 80er.

Die Story ist ein bißchen egal, zentral ist die Kulisse, die Optik und die musikalische Begleitung und die ist wirklich phänomenal.

Aus jeder Folge könnte man einzelne Standbilder aufarbeiten und dann daraus eines dieser statischen Computerspiele machen, wo man Zeug suchen muss: Finde die David Bowie Schallplatte, finde die Goonies-Referenz, finde das River Phoenix Double, klick, klick, klick, bing, bing bing, Highscore.

Nach drei Folgen will ich mir blonde Strähnchen machen, Lockenwickler ins Haar drehen, die Haare toupieren, zwei Kilo Haarspray reinsprühen, meine alte Zahnspange in den Mund legen, gleichzeitig Kaugummi dabei kauen und noch einmal die Liebe spüren, die ich zu Morten Harket gespürt habe, als ich mit leichter Erregung darauf wartete, ob bei Formel 1 das Take on me Video gespielt wird*.

Das reicht mir für diese Serie schon.

Stranger Things II Mad Max
Wobei ich auch die Mädchen-Charaktere der Serie mag

Serie: The Fall, 3. Staffel

Die ersten beiden Staffeln von The Fall (imdb 8,2) gibts auf Netflix und ich habe mich unter beinahe körperlichen Schmerzen durchgeschaut.

Der Plot ist im Grunde einfach: Es gibt einen Serienmörder, Peter Spector (gespielt von Jamie Dornan**), der von einer Polizistin, Stella Gibson, (gespielt von Gillian Anderson) zu Fall gebracht werden soll.

Das Faszinierende – im Grunde weiß man ab Szene 1 wer der Mörder ist. Ähnliche Serien basieren ja auf der Enthüllung, dem Ungewissen, dem Hin- und Her.

The Fall bezieht seine ganze Spannung aus der Gewissheit und dem Charakterspiel der beiden Hauptprotagonisten.

Und dafür nimmt sich die Serie viel, viel Zeit. Das Erzähltempo ist so langsam, so detailreich, so realistisch, dass es stellenweise nur schwer zu ertragen ist.

Wo andere Serien Spannung durch 543 Schnitte, Verfolgungsjagden und Explosionen erzeugen, nimmt sich The Fall die Zeit das Zucken einer Augenbraue oder das Atmen durch die Nase zu filmen.

Was vielleicht langweilig klingt, erzeugt wirklich unfassbare Spannung, drei Staffeln hindurch, bis in die letzte Einstellung.

Demogorgon
Der Demogorgon ist im Vergleich zu Peter Spector ein liebenswerter Zeitgeselle

*Zugegebenermaßen will ich auch eine Zigarette nach der anderen rauchen und grummelig wie Chief Jim Hopper Donuts essen und ein bisschen mit meinem Revolver rumballern.

**Wenn man zuerst The Fall schaut und dann Fifty Shades of Grey, ist Fifty Shades of Grey beunruhigend beängstigend.

[Anzeige] Let’s talk – Hörwelten

Hörspiele
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Gemeinsam mit SCHAU HIN! habe ich eine kleine Serie zum Thema Kinder und digitale Medien gestartet.

Im Zentrum meiner Serie sollen die Chancen, die (neue) Medien mit sich bringen, stehen und ich will beschreiben, wie wir als Familie im Alltag damit umgehen und gerne auch von Euch hören, wie ihr den Alltag mit Kindern und digitalen Medien gestaltet.

Risiken und Gefahren werden durch Kulturpessimisten aller Ausrichtungen zu genüge beklagt. Viele Eltern reagieren mit Unsicherheit und statt sich mit den einzelnen Themen auseinanderzusetzen, wird schnell mal ein Verbot verhängt.

Ich bin jedoch der festen Überzeugung, dass Verbote in Sachen Medienkonsum nichts bringen. Deswegen versuche ich mit meinen Kindern im Gespräch zu bleiben und Lösungen zu erarbeiten, die für uns beide alle passen. Das ist auch der Grund warum ich die Serie Let’s talk nenne.

Im sechsten Teil geht es um: Hörspiele und Podcasts

Mit Hörspielen sind wir aufgewachsen

In Sachen Hörspiele und Co. habe ich tatsächlich noch nie Eltern gehört, die sich bei ihren Kindern um irgendwas Sorgen machen. Erstaunlich, oder?

Meine Hypothese lautet, dass die Elterngeneration mit Hörspielen aufgewachsen ist. Kassetten und Schallplatten hatten vermutlich fast alle – und das was man kennt, kann man beurteilen und dann bleiben auch die Ängste und Zeigefinger weg.

Ich habe noch lebhafte Erinnerungen an all die spannenden Jan Tenner Folgen, die ich rauf und runter gehört habe. Damals schon hochmodern auf Kassette. Ebenso nostalgisch erinnere ich mich an die Schallplatten, die wir hatten, wie ich sie vorsichtig aus der Hülle nehme, auf den Schallplattenspieler lege und langsam die Nadel sinken lasse. Wie manche Platten sich auf und ab bewegen, wie manche hängen bleiben und wie sie auch irgendwann anfingen zu leiern. Am liebsten habe ich meine Märchensammlung gehört, auf der auch das Lied „Der König in Thule“ war, das ich immer und immer und immer wieder gehört habe – einfach weil es so wunderbar traurig war.

Die Möglichkeiten sind heute nahezu unüberschaubar

Früher war es schon viel, wenn man zehn Kassetten und Schallplatten hatte. Über so eine Beschränkung kann man heute nur lachen. Es gibt zahlreiche Plattformen, deren Angebot so groß ist, dass man niemals alles hören kann.

Gemeint sind Sportify, Audible, Deezer, Amazon Prime Music, um nur einige Anbieter zu nennen.

Wir sind auch dankbare Konsumenten von Ohrka (wieder online ab 1.11.) und Vorleser und besuchen regelmäßig die Bibliothek, um uns dort Hörspiele auszuleihen.

Dass die Vielfalt zugenommen hat und dass es nicht mehr nötig ist, Kassetten, CDs und Platten zu besitzen, hat Eltern große Erleichterung gebracht.

Ende der 80er konnte mich meine jüngere Schwester noch foltern, indem sie ihre Bibi Blocksberg Sammlung immer und immer wieder gehört hat. Selbst das erste Kind unserer Familie, hat tagein, tagaus die selben Hörspiele gehört, bis wir Eltern letztendlich wimmernd um Gnade bitten mussten.

Das hat, wie gesagt, endlich ein Ende. Natürlich lieben Kinder immer noch Wiederholungen – dennoch kann man als Eltern viel einfacher die ein oder andere Alternative anbieten.

Hörspiele
kaboompics @pixabay

Worauf achten, wenn man Kinder eigenständig Hörprogramm auswählen lässt

Ich mag ja selbständige Kinder und von daher finde ich das Thema Audio-Plattformen gar nicht so untrivial. Für Kinder, die nicht sicher lesen können, ist es letztendlich ziemlich schwierig sich etwas auszusuchen.

Sie müssen ggf. die Browseradresse kennen und eingeben können und dann aus dem Angebot wählen.

Meines Wissens nach haben die meisten der genannten Plattformen keinen Altersfilter. Ohne Begleitung rutschen die Kinder da leicht in Formate, die ihnen vielleicht Angst machen oder sie beunruhigen.

Ich weiß nur von Deezer, dass man dort ein Altersprofil einstellen kann und die Inhalte entsprechend gefiltert werden. Korrigiert mich, wenn die anderen Plattformen das in der Zwischenzeit auch haben.

Ein bisschen einfacher wird es für die Kinder, wenn sie (eigene) Endgeräte haben, auf denen sie Apps benutzen können, da dort die grafische Darstellung und die Bedienart die Auswahl des gewünschten Programms erleichtern.

Eine weiteres Universum: Podcasts

Ich höre mit meinen Kindern tatsächlich oft Podcasts. Sie wollen lieber bestimmte Informationen anhören als komplette Hörspiel(serien) verfolgen. Wenn sie was über Raubkatzen oder Orkane wissen wollen, werden wir bei den Podcasts viel schneller fündig.

Dafür gibt es Suchmaschinen wie fyyd und Podfilter oder man steuert seiten wie Kidspods an, die extra für und von Kindern gemacht sind.

In Deutschland ist es noch sehr, sehr unüblich Werbung in Podcasts einzubauen. Das schätze ich im Moment noch sehr. Insbesondere das Privatradio macht mich in dieser Hinsicht irre. Was die Kinder dort für einen Quatsch hören müssen, ist wirklich zum Kopf auf den Tisch hauen. Leider betrifft das oft nicht nur die Werbung sondern auch die Sequenzen dazwischen (die ich kaum „Programm“ nennen mag).

Wenn Radio für Kinder, dann bitte so etwas wie Kakadu.

Hörspiele
snsforyou @pixabay

Altersgemäß bereitstellen

Für mich ist hier, je nach Alter, das Begleiten und Mitauswählen zentral. Kindern bis in die ca. 2. oder 3. Klasse würde ich eher ein eingeschränktes Angebot überlassen.

Am besten sind da noch die CDs. Die können die Kleinen anhand des Covers auswählen und dann selbst in den CD-Player legen und anhören.

Wie gesagt, Kinder lieben Wiederholungen und am Ende reicht da ein überschaubares Kontingent an Olchis, Conni, Bobo Siebenschläfer und Co.

Erst wenn die Kinder älter sind und tatsächlich gut lesen können, würde ich sie auf das größere Angebot loslassen. Wie gesagt, auch da finde ich Altersfilter gut.

Erst ab 12 bis 13 Jahre würde ich mir dann keine Sorgen mehr machen, dass ein Kind nicht auch für sich selbst beurteilen kann, was ihm gut tut und was nicht.

Fazit: auch hier begleiten

Ich finde es wichtig, die Kinder auch in Sachen Hörwelten zu begleiten. Es ist schon ein bisschen bizarr, dass hier wenig Diskussion unter Eltern stattfindet. Während man 30 min Computerspielen teilweise für bedenklich hält, sind 8 Stunden Radio oder Hörspiele als Dauerbeschallung im Hintergrund als anderes Extrem anscheinend kein Thema.

Wie ist das bei Euch? Was hören Eure Kinder? Was sind Eure Empfehlungen? Begrenzt ihr Hörzeiten? Welche Formate findet ihr gut und warum?

Kommentiert einfach hier, teilt eure Medienmomente auf Instagram, bloggt selbst darüber, twittert oder schreibt darüber auf Facebook. Wenn ihr euren Beiträge mit dem Hashtag #medienmomente markiert, können sie später eingesammelt und geteilt werden.

Weiterführende Links:

Teil 1 von Let’s talk: Nicht wie lange sondern was
Teil 2 von Let’s talk: Messenger
Teil 3 von Let’s talk: Computerspiele
Teil 4 von Let’s talk: YouTube
Teil 5 von Let’s talk: Fernsehen und Streaming-Dienste