Kinderkino

asi24 @pixabay

Mein Freund ist so unbescholten wie Maria zum Kinde gekommen.

Wenn man selbst aktiv Kinder bekommt, sich also wirklich entscheidet: Jetzt will ich ein Kind, dann weiß man zwar nicht mehr oder ist irgendwie besser qualifiziert als jemand anders – aber ich denke mir oft – man hat sich wenigstens bewußt entschieden und wächst so langsam rein in die Sache.

Das Reinwachsen wird außerdem durch Hormone begünstigt und durch den stetigen Schlafmangel ist man ja auch leicht verblödet, so dass man vieles zu Beginn gar nicht so richtig registriert.

Mein Freund allerdings, der ist irgendwie in diese Sache reingeraten und manchmal beobachte ich ihn und habe ein bißchen Angst, dass er sich fragt: Was mache ich hier eigentlich und warum zur Hölle?

Neulich zum Beispiel waren wir mit den Kindern im Kino.

Nachmittagsvorstellung in einem Kleinstadtkino. Es sei schon ziemlich voll, sagt die Ticketverkäuferin, ob wir Popcorn wollen. Ach! Was kostet die Welt, denke ich, wir haben Ferien, na klar wollen wir Popcorn.

Wie groß soll die Packung sein? Mittel? Ich stimme zu. 43 Euro mit den Eintrittskarten.

43 Euro!

DREIUNDVIERZIG EURO? Na klar. HAHAHAHAHa.

Aber es sind ja Ferien.

Das eine Kind muss jetzt noch dringend pullern, dem anderen reiche ich die gigantische Packung Popcorn. Wollte man ein Baby mit in den Kinosaal schmuggeln, die mittlere Packung Popcorn böte eine hervorragende Möglichkeit.

Ich reiche also den Umzugskarton Popcorn an das andere Kind weiter, hier, ups, nicht aufgepasst, das Popcorn fällt auf den Boden. Überall Popcorn. Popcorn! Knirsch. Hier, da, überall, knirsch, knirsch.

Ich weiß nicht, wie ich jetzt all das Popcorn aufheben soll, das andere Kind derweil: ICH MUSS JETZT ABER WIRKLICH PULLERN.

Knirsch, knirsch, wir laufen durchs Popcorn, der Freund winkt mir aufmunternd zu. Ich glaube, das soll heißen, er kümmert sich.

Im Klo dann das Kind voller Panik, der Film könne schon anfangen – für Händewaschen sei da wirklich keine Zeit. Doch, nein, doch!

Tatsächlich ist das Popcorn am Rückweg bereits zum größten Teil verschwunden.

Wir laufen die Treppe hoch. Kinosaal 4.

Es ist wirklich voll. Wir setzen uns auf unsere reservierten Plätze. Hinter uns sitzen Kinder, die auf eine gefühlt 3 cm lange Ablage Popcorn (die GROSSE PACKUNG!), Nachos mit Käsesoße und 0,5 l Softdrinks abgestellt haben.

Ich schaue auf die Leinwand. Sehr klein. Erst als nach der Werbung der Vorhang aufgezogen wird, ist die Leinwand so groß wie beim Freund in der Wohnung.

Überall raschelt und knistert es. Kind 3.0 weint, weil der Freund es wagt vom verbliebenen Kubikmeter Popcorn drei Popkörnchen essen zu wollen.

„Nein! Man wartet bis der Film anfängt! Nicht vorher essen!!!“

Da! Der Film beginnt.

„Ist das deren Ernst?“, fragt der Freund zweifelnd. Der Ton, er ist zugegebenermaßen ein wenig sehr leise.

„Die machen das wegen der Kinder ein bisschen leiser als sonst“, versuche ich zu erklären.

„Ein wenig leiser, das ist OK, aber die Soundanlage AN-machen könnten sie doch, oder?“

Hinter uns knuspern die Kinder Nachos, schlürfen durch die Strohhalme nicht enden wollende Softdrinkmassen, knabbern Chips und Popcorn. Die Kinder unterhalten sich in Zimmerlautstärke und machen sowas wie Audiodeskription für Gehörlose: „Jetzt fährt er über den Platz und gibt richtig Gas. Man sieht das am Tacho. Tacho ist die Anzeige da vorne, Mama!“

Einige haben den Film schon gesehen und schreien jede Szene, die einen überraschen könnte, vorher schon eine Inhaltsangabe: „DER IST NICHT TOT!“ „DER BÖSE GEWINNT NICHT!“ „GLEICH KOMMEN DIE RETTER UM DIE ECKE.“

Ich stelle mir einen Raum voller sensibler Twitterer vor und dann diese Kinder, die jede Szene bei Game of Thrones spoilern. Da wär‘ aber was los hier!

Im Augenwinkel betrachte ich meinen Freund. Er hat sich nach vorne gebeugt. Er muss synchronisierte Filme schauen, er bekommt ständig von rechts und links das Popcorn weggenommen und hat gerade wirklich viel Geld gezahlt, um auf eine Leinwand zu schauen, die kleiner als seine eigene ist. Dabei sind die Umgebungsgeräusche ein bisschen lauter als der Film selbst.

Dennoch wirkt er entspannt. Ich weiß nicht warum, doch ich versuche das nicht zu hinterfragen.

Eine lustige Szene. Alle Kinder im Saal grölen. Einige springen auf. So z.B. die hinter uns mit dem Eimer Limo auf der 3cm Ablagefläche. Das Getränk schwankt, es wackelt, neinneinennein, doch, leider doch, es kippt nach vorne auf meinen Freund.

Der reagiert sehr gelassen. Langsam werde ich skeptisch. Der nimmt ja wohl hoffentlich keine Drogen, wenn wir mit den Kindern unterwegs sind?

Vor mir in der Bank eine leere Tüte Chips. Probeweise raschle ich mit dem Silberpapier. Ah, doch, eine Reaktion. Er hat doch noch Reaktionen. Alles gut. Ich schaue liebevoll in seine blutunterlaufenen Augen.

Es ist mir rätselhaft. Vor den eigenen Kindern darf man ja nicht weglaufen, auch wenn man es manchmal gerne täte (man darf das schreiben, die Kinder würden ja auch manchmal gerne vor den eigenen Eltern weglaufen und man tut es jeweils nicht, weil man doch familiär gebunden ist), warum jemand, der ganz einfach weglaufen könnte, nicht läuft, es ist mysteriös.

Ich halte seine Hand. Morgen soll er als Zeichen meiner Dankbarkeit bis 7.45 Uhr ausschlafen dürfen. Das hat er sich mit seiner stoischen Gelassenheit allemal verdient.

Italienisch Essen gehen in Polen

Dieses Jahr fahren wir nicht ans Meer. Dieses Jahr fahren wir Richtung Osten. So weit in den Osten, dass der östlichste Punkt Deutschlands ganz in unserer Nähe ist.

Kind 3.0 ist seit Wochen aufgeregt. Sein bester Freund hat polnische Wurzeln und so will es unbedingt „auf“ Polen gehen. Mit dem Boot fahren wir die Neiße entlang und jeder Grenzpfahl muss fotografiert werden.

Weil wir nicht so recht wissen, wie wir das Boot festmachen sollen, können wir auf der polnischen Seite nicht halten und Kind 3.0 muss noch einige Tage warten bis wir abends in Görlitz sind.

Über eine Brücke laufen wir nach Zgorzelec und Kind 3.0 wird ganz beschwingt: „Ich weiß nicht warum, aber ich fühle mich ganz, ganz glücklich auf Polen zu sein. Ich muss das Bartosz unbedingt sagen.“

Während Kind 3.0 so glücklich ist, bin ich auch glücklich. Es ist ein lauer Sommerabend, die Neiße schlängelt sich durch die Altstadt, die Straßenlaternen sind mit Petunien geschmückt, die prächtig blühen, wir gehen in ein italienisches Restaurant gleich hinter der Grenze und ich freue mich, dass es Europa gibt.

Die Kinder waren noch nie außerhalb der Eurozone. Dass hier auf der Karte Preise in einer anderen Währung stehen, können sie nur schwer verstehen.

Wir haben eine Reihe alter Münzen zuhause. Die Kinder benutzen sie für ihren Kaufladen. Peseten, Lire, Franc… Bislang war ihnen gar nicht klar, aus welcher Zeit diese Münzen stammen und warum es sie nicht mehr gibt.

Es gibt viel zu erklären. Warum ist es gleich hinter der Grenze so viel billiger als nur wenige Meter in die andere Richtung? Ist das, was uns hier auf der Speisekarte günstig erscheint, wirklich günstig? Können hier auch polnische Familien essen gehen?

Warum gibt es Grenzen? Wieso wird an manchen kontrolliert und an anderen nicht?

Wie kommt es, dass in den Grenzregionen so viele Polen perfekt deutsch sprechen, die allermeisten Deutschen aber kaum polnisch?

Wir warten lange auf unser Essen, doch unsere Geduld wird belohnt. So gut italienisch wie in Zgorzelec habe ich lange schon nicht mehr gegessen. Ich komme mir vor wie die kleine Raupe Nimmersatt: Am Montag essen wir Vitello tonnato, am Dienstag Bruscetta, am Mittwoch Antipasti, am Donnerstag Pizza, am Freitag Saltimbocca alla romana, am Samstag Spaghetti aglio olio und am Sonntag Profiteroles und Tartufo.

Nur dass sich keiner in einen Schmetterling verwandelt. Wir werden einfach nur runder.

Die Kinder sind begeistert. Die beste Pizza ihres Lebens. Polen ist toll!

Wir sitzen draußen auf der Veranda und mit der Dämmerung kommen die Mücken und ein bisschen später ein paar große, schwarze Spinnen. Guten Appetit auch sie bekommen jetzt Abendbrot.

Auf der Rückfahrt fahren wir durch Dörfer, die zum größten Teil mit NPD Plakaten gepflastert sind.  Ganz selten sieht man mal ein Plakat der SPD.

Ich frage mich, haben die anderen Parteien diese Landstriche schon aufgegeben oder warum hängen sie nicht auch ihre Wahlwerbung auf?

Die Kinder fragen: Was ist die NPD und was will sie?

Ich erkläre so gut ich kann. Und die SPD, was will die? Und Frau Merkel? Das ist doch die von der SPD? Nein, das ist die von der CDU. Und was will die CDU. Ich kann die Unterschiede nicht gut rausarbeiten.

Wie findest Du Frau Merkel? Willst Du, dass sie wieder Bundeskanzlerin wird.

„Männer können auch Bundeskanzlerin sein!“, weiß Kind 3.0. Gibt es überhaupt andere Kandidaten? Martin Schulz? Nie gehört.

Die Grünen? Gibt es die hier? In Berlin gibt es die doch, oder? Und die Linke? Wenn es eine Linke gibt, wieso gibt es dann keine Rechte? Was ist links, was ist rechts?

Was ist die Partei? Gibt es die hier auch?

Wir fahren durch ein Land ohne Internetverbindung. Alles, was ich erzähle, muss ich aus meinem Kopf erzählen. Nichts kann ich googeln. Wie anstrengend das ist. Wie wenig ich weiß.

Wieso gibt es noch ganze Landstriche ohne Internet?

Ich bin erschöpft. Ich weiß nur eines: ich wünsche meinen Kindern, dass sie auch in ihrer Zukunft einfach so über Grenzen laufen können und dass es Europa dann noch gibt. Als Länderverbund, als Währungsunion, als Nationalität.

[Anzeige] Let’s talk – Hilfe, mein Kind spielt Computerspiele!

Computerspiele
Olichel @pixabay

Gemeinsam mit SCHAU HIN! habe ich eine kleine Serie zum Thema Kinder und digitale Medien gestartet.

Im Zentrum meiner Serie sollen die Chancen, die (neue) Medien mit sich bringen, stehen und ich will beschreiben, wie wir als Familie im Alltag damit umgehen und gerne auch von Euch hören, wie ihr den Alltag mit Kindern und digitalen Medien gestaltet.

Risiken und Gefahren werden durch Kulturpessimisten aller Ausrichtungen zu genüge beklagt. Viele Eltern reagieren mit Unsicherheit und statt sich mit den einzelnen Themen auseinanderzusetzen, wird schnell mal ein Verbot verhängt.

Ich bin jedoch der festen Überzeugung, dass Verbote in Sachen Medienkonsum nichts bringen. Deswegen versuche ich mit meinen Kindern im Gespräch zu bleiben und Lösungen zu erarbeiten, die für uns beide alle passen. Das ist auch der Grund warum ich die Serie Let’s talk nenne.

Im dritten Teil geht es um: Computerspiele

Seit ungefähr 15 Jahren spiele ich keine Computerspiele mehr – oder besser gesagt: ich spiele wirklich nur sehr sporadisch.
Mein Partner hingegen spielt relativ häufig und weil ich dem Spielen auch gar nicht abgeneigt bin, haben wir mehrere Male versucht miteinander zu spielen.

ptra @pixabay – Früher war alles besser!

Die Idee war einfach:
„Hey! Lass uns Helldivers spielen! Ich koche heute und du spielst das Tutorial durch. Wir essen und danach spielen wir zusammen.“, sagte der Freund.
Top Plan! Ich setze mich also an die PlayStation, schaue den Controller an und starte das Tutorial.
Eine dreiviertel Stunde später ist der Freund fertig mit dem Kochen und ich mit den Nerven.
Ich habe ca. 15% des Tutorials geschafft, bin sehr, sehr oft gestorben und kann mir immer noch nicht merken, was die Tasten X, Kreis, Dreieck, Viereck, R1, R2 sowie L1 und L2 bedeuten.

Ähnliche Erfahrungen habe ich mit Injustice gemacht und das obwohl ich früher wirklich großen Spaß an Street Fighter und Mortal Kombat hatte. Vor, vor, zurück, irgendwas Super Combo!!!

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich spiele einfach zu wenig, um die Bedienung der einzelnen Controller so automatisiert zu haben, um mich auf das Spiel konzentrieren können und selbst wenn ich das im Ansatz schaffe – mein Skill ist einfach so schlecht, dass ich überall runterfalle, daneben springe, versehentlich reinspringe (Lava, Sägen, Säure) oder von jedem Gegner sofort getötet werde, so dass ich seltenst in den Genuss komme, dass mir Spiele Spaß machen.

Lediglich wenn Spiele so angelegt sind, dass man gar nichts können muss, habe ich Freude.
Die Zweiterspiele der Switch sind ein Beispiel. Beim wetttelefonieren, melken und Bart rasieren hab ich echt gut Chancen.
Auch sowas wie Tricky Towers (spielt das, erinnert an Tetris, nur dass die Linien nicht verschwinden) macht mir großen Spaß.

Was ich eigentlich sagen will: Schaut man sich z.B. den Jahresreport der Computer- und Videospielbranche in Deutschland 2016 an, stellt man fest: fast die Hälfte der Deutschen – unabhängig vom Alter (!) spielt (S. 30 ff.) – das bedeutet aber auch, dass die andere Hälfte nicht spielt.

Wie aber soll ich als Elternteil beurteilen, ob das, was die Kinder spielen, „gute“ Spiele sind? Wie soll ich zum Teil völlig unerfahren einschätzen lernen, was ein vernünftiger Umgang mit Computerspielen ist und wie viel Zeit man dafür einräumen soll, damit die Kinder Spaß haben und gleichzeitig nicht  … ja – was eigentlich? Verrohen? Verdummen?

Die Vorurteile gegenüber Spielern (und da mal bewusst die männliche Form) in unserer Gesellschaft sind ausgeprägt.
Wenn man nichts mit Spielen zu tun hat, dann hört man v.a. das: Spiele machen süchtig! Spiele machen aggressiv! Kinder, die zu viel spielen, vereinsamen und werden dick.

Nicht ganz verwunderlich, wenn die meisten Eltern da aus Angst einfach alles verbieten und das Thema Comuterspiele zum Zankapfel wird. Ich schrieb vor einiger Zeit mal über entsprechende Vorbehalte.

Und selbst wenn Eltern nicht alles verbieten – Unwissenheit führt oft auch zu (Kinder)Frust. Ein wunderbares Beispiel zum Thema Savepoints habe ich neulich auf Twitter gelesen (es lohnt auf den Tweet zu klicken und alles zu #momvsffxv zu lesen):

Also: Was sind meine Tipps zum Computerspielethema? Wie gehen wir in unserem Haushalt damit um?

1. Redet mit euren Kindern.

Was spielen sie, warum spielen sie es, spielen sie es alleine? In einer Gruppe mit Freundinnen und Freunden? Gibt es Level? Gibt es irgendwelche günstigen Ausstiegspunkte (z.B. wenn man zeitliche Grenzen setzen will)? Wie fühlen sie sich nach dem Spielen und warum?
Es gibt eine Menge Fragen, die man stellen kann.
Fragt doch mal, ob ihr zuschauen dürft und lasst euch die Spiele erklären.
Je jünger das Kind, desto erklärfreundiger würde ich wetten.
Irgendwann kommt man bestimmt in das Thema pupertäre Rückzugsräume – da muss man vielleicht nicht neben dem Kind sitzen und rumnerven, aber wenn man grob erklärt bekommt, um was es geht, kann man sich ja vielleicht ein Let’s Play anschauen, um einen Eindruck von der Spielmechanik zu bekommen (dafür einfach „Let’s Play <Spielename>“ in die YouTube Suche eingeben).

2. Schaut, ob es Kriterien gibt, die ihr für euch zur Bewertung von Spielen entwickeln könnt.

Ich finde z.B. gut wenn Spiele endlich sind. Man hat dann einen vorgegeneen Spannungsbogen, den man erfolgreich und befriedigend abarbeiten kann. Endlosspiele (World of Warcraft, League of Legends ) finde ich anstrengend und die machen mir auch ein ungutes Gefühl, wenn die Kinder sie spielen. Denn es gibt – egal wie lange man spielt immer noch diese eine Gegend zu erkunden, diese eine Waffe zu ergattern, diesen einen Kampf zu bestehen

Ich mag Spiele, die einfach funktionieren, ohne dass man was dazu kaufen muss. Also ohne sogenannte In-App Purchases.

Ich bevorzuge Spiele, in denen es divers zugeht und die keine Klischees bedienen (wenigstens nicht allzu stark).

Spiele, in denen man etwas erschaffen kann (Paradebeispiel Minecraft), gefallen mir auch.

Es gibt Spiele, die weiterlaufen, auch wenn man nicht spielt. Das übt Druck auf die Kinder aus. Deswegen finde ich Spiele besser, die da stoppen, wo man aussteigt und einen dort auch wieder einsteigen lassen.

Idle Clicker Games sind die Pest.

3. Baut euch eine Games-Filterbubble.

Holt euch das Thema Spiele bewusst in euer Leben. Wenn ihr auf Twitter seid, folgt Leuten die spielen und davon Ahnung haben.
Mir fallen da spontan Rainer Sigl, Christian Huberts und Marcus Richter ein.

Ich habe außerdem aus Empfehlungen, die ich bekommen habe, eine Twitterliste mit Frauen zusammengestellt, die sich ebenfalls mit Computerspielen auskennen (z.B. Linda BreitlauchJana Reinhardt, Sabine Hahn oder Rae Grimm). Und falls euch das nicht genügt, schaut euch mal die Liste der Top 50 Frauen der deutschen Games-Branche an.

Ihr seid nicht auf Twitter? Abonniert zB bei piqd den Games-Kanal* und lasst euch Artikel empfehlen.

Ihr hört lieber Radio? Hört euch doch z.B bei Deutschlandfunk Kultur Kompressor die Games-Rubrik „Vorgespielt“ an.

Abonniert Podcasts zu dem Thema.

Schaut euch Voträge zum Thema an:

Geht mit euren Kindern zu eSports Events. Wirklich physisch zu einem Event hingehen – nicht nur den Videostream anschauen. Oder wagt es mal die gamescom zu besuchen.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich so eine Menge Vorurteile und Ängste abbauen lassen und ihr überraschende Erkenntnisse gewinnen könnt.

4. Gebt den Kindern Geld für werbefreie Spiele.

Die grässlichsten Spiele sind die, die mit Werbung zugeknallt sind. Unerträglich. Hier ist es ähnlich wie beim Thema Messenger. Durch irgendwelche Hintertürchen werden Nutzerdaten gesammelt – ganz abgesehen davon wird das Spiel ständig durch irgendwelche Grütz-Werbung, deren Inhalt ihr ja auch nicht bestimmen könnt, unterbrochen.

Für jemanden, der ein eigenes Einkommen hat, ist es vielleicht kein Problem zwei bis fünf Euro (z.B. bei Handyspielen) auszugeben. Wenn man zwei bis fünf Euro Taschengeld pro Woche bekommt, tut man sich da schon wesentlich schwerer.
Geld für Spiele ausgeben, ist eine gute Idee. Auch SpielentwicklerInnen wollen Geld verdienen und Qualität hat eben einen Preis.

5. Wenn ihr mit bestimmten Spielen Probleme habt, bietet den Kindern Alternativen.

Weil ihr Punkt 3 beherzigt habt, kennt ihr jetzt nämlich einige Spiele, die interessant klingen, oder?

Apropos Alternativen. Das hört man ja auch so oft. Die Kinder sollen mal raus an die frische Luft! Sport machen!

Dazu bitte an die eigene Nase fassen. Kinderfreier Abend – ihr könnt machen, was ihr wollt! Naaa? Sechs Folgen eurer Lieblingsserie binchwatchen oder äh Sport?

Mal abgesehen davon, glaube ich, dass das Alternativen-Thema schon Jahre vorher gelegt wird. Wenn die Kinder nicht schon im Kleinkindalter regelmäßig auf den Spielplatz gehen oder im Schulalter mit Sport beginnen, dann stellt sich Bewegungslust im Teenageralter nicht von Zauberhand ein.

Wenn man als Eltern also Wert auf Bewegung, Sport, Bücher lesen etc. (was auch immer ihr für eine wertvolle Alternative haltet) legt, dann muss man das von klein auf fördern und mit gutem Vorbild voran gehen. Da muss man dann eben mit auf den Spielplatz, muss mit den Kindern in den Wald, zum See, ins Schwimmbad. Nehmt die Kinder mit auf die Yoga-Matte, lasst sie neben her Fahrrad fahren, wenn ihr joggen geht, fahrt gemeinsam Fahrrad – was auch immer

Und ganz am Ende: Vergesst nicht wie ihr als Kinder und Teenager wart.
Ich glaube nach wie vor, dass es eine Lebensphase gibt, in der man enthusiastisch in Themen versinkt. Ich habe wie irre gelesen, mir Stunden und Tage mit Point-and-Click-Adventures um die Ohren gehauen und ich möchte nicht wissen, wie viele Stunden ich vor Trash TV wie Big Brother und Popstars verbracht habe.

Anekdotische Evidenz: ABER AUS MIR IST TROTZDEM WAS GEWORDEN


Wie geht ihr mit dem Wunsch eurer Kinder um Computerspiele zu spielen? Habt ihr Vorurteile? Wenn ja, hinterfragt ihr die und zu welchen Erkenntnissen seid ihr dabei gekommen?

Gibt es für euch gute und schlechte Spiele? Habt ihr Empfehlungen?

Kommentiert einfach hier, teilt eure Medienmomente auf Instagram, bloggt selbst darüber, twittert oder schreibt darüber auf Facebook. Wenn ihr euren Beiträge mit dem Hashtag #medienmomente markiert, können sie später eingesammelt und geteilt werden.


Wen es interessiert, wie andere Familien mit der Computerspiellust ihrer Kinder umgehen, der liest das im Blog von Heiko Bielinski nach: sehr lesenswert

Weiterführende Links:

Teil 1 von Let’s talk: Nicht wie lange sondern was
Teil 2 von Let’s talk: Messenger


*Der Games-Kanal ist seit kurzem in den Fundstücke-Kanal integriert (was ich persönlich sehr schade finde). Die URL leitet um.

6. August 2017

Gelb
elektrosmart @pixabay

Menschen, die tot sind, hören scheinbar nicht auf zu fehlen. Das eigene Gefühl zu diesem Verlust verändert sich etwas. Es dämpft sich langsam ab. Wie ein Abend, der dämmert.

Am Anfang war ich v.a. wütend über die Ungerechtigkeit des Lebens und verzweifelt, dass man nicht einfach die Zeit zurückdrehen kann, nur um zehn Sekunden, nur um einen Augenblick, nur um einen Zufall.

Es sind jetzt drei Jahre und immer noch steckst Du im Alltag. In meinem Milchschäumer, den ich nach jedem Kaffee ordentlich auswasche, weil der in der Arbeit immer einbrannte und Du ihn für alle anderen geschrubbt hast.

Du bist in allen Frauen, die die Farbe gelb tragen, die, die schulterfrei tragen und die, die auf gewagt hohen Absätzen ohne Gewackel und dafür umso zielstrebiger laufen können.

Wenn ich mir beim Backen mal die Finger verbrenne – was gar nicht so selten passiert – dann ist das wie ein kleines Hallo von Dir. Du warst in allem schnell und temperamentvoll, da war einfach manchmal keine Zeit für Topflappen.

Du bist nie 40 geworden. Wie gerne würde ich mit Dir Auto fahren und darüber jammern wie ätzend es ist immer älter zu werden.

Ich habe Fotos von Dir, deswegen werde ich wohl nie vergessen, wie Du aussiehst. Ich kann mich gut an Deine Lachfalten erinnern, an die Form Deiner Augenbrauen, nur bei Deiner Haarfarbe bin ich mir manchmal nicht sicher, ich hab Dich schwarzhaarig gesehen, ich hab Dich blond gesehen.

Deine Stimme verblasst langsam aus meiner Erinnerung. Ich weiß, dass sie manchmal rauh klang, so als hättest Du eine Reizung im Hals – manchmal dachte ich, wenn wir sprachen, wenn Du Dich jetzt räusperst, dann klingt sie wieder weich.

Du warst wirklich eine Anpackerin. Keine Zeit zu klagen, keine Zeit stundenlang zu planen, erstmal machen, das wird schon.

V.a. aber warst Du immer für mich da und Du warst mir immer eine verlässliche Freundin – hast auch Sachen angesprochen, die unangenehm waren.

Über die Jahre Deines Fehlens hatte ich irgendwann große Sorge, dass ich Dir nie gesagt habe, wie viel Du mir bedeutest. Ich habe Tage damit verbracht unsere ausgetauschten Nachrichten nachzulesen und zwischen dem Alltag unsere Freundschaft heraus zu lesen.

Zu meiner großen Erleichterung hab ich nicht nur gefühlt, dass Du wichtig  bist, sondern es Dir auch gesagt. Wenigstens manchmal. Wahrscheinlich nicht oft genug.

Zurückdrehen kann man nichts. Ich kann es nur versuchen besser zu machen mit meinen anderen Freundinnen und ich halte Dich weiter im Herzen.

Du fehlst. Für immer.

Erwachsene lügen nie

Lügen
Bilderjet @pixabay

Ab heute will ich nicht mehr lügen. Ehrlich!

Es ist nämlich so: Manchmal schiebe ich die Kinder vor.
Man hört davon ja allenthalben: Kinder sind oft krank, manche sind sehr anhänglich und werden nicht gerne fremdbetreut, Babysitter sind teuer und schwer zu bekommen.

Mein „Problem“ ist nun folgendes: Meine Kinder sind so gut wie nie krank. Die haben ein Bombenimmunsystem. Pro Kind vier Kranketage auf zehn Jahre. Sie hatten mal Fieber, allerdings dabei weiterhin sehr gute Laune. Im Krankheitsfall sagt das mittlere Kind: „Ich bin etwas erschöpft.“ und geht freiwillig schlafen. Das jüngste Kind musste mal brechen: „Oh, guck mal, ganz lila“ (vom Traubensaft) hat es sich gefreut und dann war es wieder gesund.

Dank der Praktikantinnen im Kindergarten haben wir auch genug Babysitter. Die mögen so gerne Kinder, die würden glatt kostenlos auf die Kinder aufpassen.

Auch mit Fremdbetreuung gibt es bei uns kein Problem. Gefühlt war nach „Mama“ der erste Zweiwortsatz „Tsüss, Mama!“ – mit sehr fröhlicher Stimme gesprochen.
Wann immer die Eltern gegen einen dauervorlesenden und spielenden Kindersitter ausgetauscht werden konnten, hatten die Kinder beste Laune.

Im Vorschulalter haben die Kinder sogar immer mal wieder vorgeschlagen: „Wollt ihr nicht mal wieder ausgehen? Hm?“

Und ja, ich würde total gerne ausgehen. Wirklich. Zumindest Montag bis Freitag wenn ich zwischen 10 Uhr morgens und 16 Uhr nachmittags ans Weggehen denke. Toll wäre das! Mal richtig Party machen! Was erleben! Was so tolles erleben, dass ich davon berichten kann. Monatelang womöglich. Endlich mal wieder eine „Erinnerst du dich damals als wir“ Geschichte erleben.

Deswegen verabrede ich mich auch. Freitags zum Beispiel. Aber pünktlich um 17 Uhr überkommt mich eine bleierne Müdigkeit. Alle Energie weicht aus meinem Körper und ich will nur noch eines: eine Bestellpizza und mein Sofa und dass mir irgendwer eine Serie anmacht. Ja, ich bin tatsächlich am Ende der Woche so erschöpft, dass ich es nicht mal selbst schaffe meinen Fernseher anzustellen.

Also sage ich meine Freitagsverabredung ab.
„Olle Langweilerin.“ „Och nööö! Komm schon! Reiss dich mal zusammen!“ wird dann genölt.

Die meisten Freundinnen haben kein Verständnis. Ich gebe ihnen ja Recht. Ich hätte ja früher absagen können. Theoretisch. Praktisch ging das aber nicht, weil ich ja bis Freitag 16 Uhr total Lust hatte, auszugehen.

Und jetzt bin ich wieder die Party-Pupe.

Es gibt auch noch das Alternativszenario, dass ich auf eine langweilige Party eingeladen bin. Da weiß ich eigentlich schon vorher, dass ich gar nicht kommen mag. Da sitzt man so semigesittet rum, isst Eiersalat und lässt sich von irgendeinem Klaus-Peter erzählen, wie wahnsinnig erfolgreich der beruflich ist.
Oder Elli erzählt vom Hausbau. Was für schöne Kacheln sie sich im Bad ausgesucht haben. Was die auch kosten! Aber es ist ja was für die Ewigkeit…
Auf solchen Partys sitze ich rum und bereue, dass ich aufgehört habe zu rauchen. Denn dann könnte ich solchen Gesprächen entfliehen, indem ich mal auf den Balkon gehe.

Tja und dann kommt wieder so eine Einladung und ich könnte ja mal ehrlich sein und sagen: „Du, sorry, ich hab mich das letzte Mal so tierisch gelangweilt, dieses Mal würde ich lieber nicht kommen.“

Bringe ich aber nicht übers Herz.
Ich will niemanden enttäuschen und ganz ehrlich, dann bin ich doch wieder die Langweilerin. Couchpotato.

Also habe ich irgendwann damit angefangen zu behaupten, die Kinder seien überraschend krank geworden oder die Babysitterin hätte abgesagt.

Was dann passiert, ist folgendes: Die Freundinnen sind einfühlsam, es wird nicht gemeckert, man schaut mich verständnisvoll an und ich höre Sätze wie: „Ja, so ist das manchmal mit Kindern. Es wird bestimmt wieder eine Zeit kommen in der du auf Partys gehen kannst.“ Dann wird meine Schulter getätschelt und wir haben beide ein gutes Gefühl.

Die Freunde weil sie großzügig sind und ich weil ich mit meiner Pizza aufs Sofa kann.


Der Artikel ist nicht vom nuf. Der ist von einer Freundin vom nuf. Ehrlich! Ganz, ganz ehrlich! Echt jetzt!

[Werbung] Wir haben jetzt Haustiere nach meinem Geschmack: Dash und Dot Roboter

Dash und Dot
Das sind die neuen Haustiere Dash und Dot. Seltsamerweise haben sie die Stimmen meiner Kinder.

An unterschiedlichen Stellen habe ich bereits darüber geschrieben, dass ich von strenger Regulierung der Medienzeit nicht viel halte. Alternativ versuche ich anzuregen, dass meine Kinder ein ausgewogenes Verhältnis von reinem Medienkonsum (egal ob nun Internet oder z.B. „Fernsehen“[1]) und kreativen Erschaffen von Inhalten haben.

Dabei ist schnell klar geworden, dass meine Kinder nicht immer toll finden, was ich toll finde.

Zum Girls‘ Day bei meinem alten Arbeitgeber, haben wir mit den Mädchen beispielsweise mit Scratch gearbeitet – was großen Anklang fand. Es schien mir daher naheliegend, dass Scratch auch meine Kinder begeistern könnte.

Das war aber ganz und gar nicht so. Erstens muss man für Scratch sicher lesen können und zweitens fehlte zumindest dem mittleren Kind irgendwie die Haptik. Es lernt tatsächlich sehr über das wörtliche begreifen.

Als ich bei Béa Beste den Dash Roboter sah, war mein Interesse deswegen sofort geweckt und ich habe mich sehr gefreut, dass wir den Dash Roboter ebenfalls zur Verfügung gestellt bekommen haben.

Ich hab den Kindern die beiden Roboter (Dash und Dot) gemeinsam mit einem Tablet und den entsprechenden Apps überlassen und mir mal angeschaut, was sie damit machen.

Mit Blockly kann man die Roboter einfach steuern

Das große Kind hat sich über die App Wonder erstmal an das Programmiersystem rangetastet.

Blockly für Dash
Blockly ist ziemlich leicht zu verstehen – v.a. wenn man die Entsprechung der Befehle direkt beim Roboter sehen kann

Kind 2.0 war eigentlich den Rest des Tages nicht mehr ansprechbar, da es völlig versunken alle Funktionen und Einzelschritte ausprobierte und dann nach sechs (!) Stunden völlig erschöpft zu mir kam. Ich fragte: „Na, wie isses?“

Kind 2.0 trocken: „Langweilig“

Gut – etwas, das sechs Stunden problemlos beschäftigt, kann soooo langweilig nicht sein.

Tatsächlich saß das Kind am nächsten Tag sofort wieder mit den Robotern und probierte neue Dinge aus.

Die Art und Weise wie die Programmierung von Dash und Dot funktioniert (Blockly), ist übrigens Scratch sehr ähnlich. Allerdings sind die Zusammenhänge für Kind 2.0 offenbar viel klarer, wenn sich nicht ein Kreis über den Bildschirm sondern ein Roboter über den Boden bewegt.

Alles in allem ist es wirklich erstaunlich wie schnell ein Kind hier die Grundelemente von Programmierung lernen kann. Ohne Eltern übrigens. Ich liebe ja Spielzeuge, die ohne die Unterstützung von Erwachsenen funktionieren.

Die Puzzle-Programmierung funktioniert sogar ohne stabile Lesekenntnisse

Kind 3.0 (das noch keine große Ausdauer im Lesen hat), hatte auch Spaß an den Robotern und experimentierte mit den Programmierelementen, die visuell orientiert sind.

Es hatte ebenfalls große Freude mit den Robotern selbst, hatte dann aber schnell keine Lust mehr feste Bewergungsabläufe zu planen und in der Programmierung zu hinterlegen.

Als ich eine halbe Stunde später in den Raum kam, hatte es die Programmiersprache zu einem Raumschifferzeugungsformat umfunktioniert. Es bastelte aus den Steuerelementen und Verbindungen visuell Raumschiffe.

Dash mit Puzzle-App
Seht ihr das Raumschiff? Kind 3.0 hält sich nicht so oft an Regeln und dann entstehen tolle Sachen

Alles in allem waren die Kinder einige Wochenenden mit den Robotern beschäftigt. Ich bin allerdings gespannt, wie der Langzeittest ausfallen wird und ob sich die Begeisterung dauerhaft hält. Die Roboter stehen jedenfalls frei verfügbar im Kinderzimmer und ich habe kein Limit für die Benutzung gesetzt.

Am meisten Spaß hatten die Kinder übrigens mit der Aufnahmefunktion der Roboter. Ein Roboter, der reden kann, übt wohl einen besonderen Reiz aus.

An die Privatsphäre ist jedoch gedacht. Die Aufzeichnungen landen nämlich nicht auf den Servern des Herstellers sondern verbleiben auf dem Tablet.

Einziger Kritikpunkt von meiner Seite sind die Deutschen Übersetzungen, die an einigen Stellen für Kinder nicht hundertprozentig zu verstehen sind.

Und ich sorge mich manchmal ein wenig über die Robustheit der beiden Roboter bzw. Kind 3.0 geht doch noch oft sehr ruppig mit den beiden um und ich bin überrascht, dass noch nichts abgebrochen ist – wobei mir Dash zugesichert hat, dass man in der Bauweise auch extra an die temperamentvollen Kinder gedacht hat.

Weitere Einschätzungen zu Dash könnt ihr gerne bei Susanne von geborgen wachsen und Sarah von Mamas Kind nachlesen.

Unser Fazit: Wenn man spielerisch erste Ansätze des Programmierens lernen möchte, sind Dash und Dot ein toller Einstieg. Funktioniert ab Grundschulalter und ohne Elterneinsatz.

Schafft Dash eine neue Generation Software-EntwicklerInnen?

Apropos Programmieren – unter einen meiner Artikel zum Thema spielerisch Programmieren lernen, wurde mal kommentiert:

Ich hab‘ beruflich sehr viel mit Software anderer Leute zu tun: Projekte wie die geschilderten tragen dazu bei, das noch mehr Leute denken sie könnten Software schreiben. Während sie in Wirklichkeit nur anderer Leute Vorlagen nachvollziehen und vielleicht mal links und rechts ein paar Daten umtauschen. Ich bin sehr für einen kreativen und unbelasteten Umgang mit Technik, um den Talenten einen Einstieg zu ermöglichen. Eine Generation Profi-Programmierer werden wir damit nicht erschaffen.

Das möchte ich thematisch nochmal aufgreifen, denn die Zielstellung solcher Spielzeuge ist meiner Auffassung ganz und gar nicht ein Heer an Programmiererinnen und Programmierer zu erschaffen.

Mir geht es v.a. darum, dass Medienzeit nicht leicht apathisch und passiv vor dem Rechner verbracht wird, sondern dass die Kreativität und der Phantasie angeregt werden und das nebenher eine Technikaffinität entsteht, die im späteren Leben hilft up-to-date zu bleiben und von all den Vorteilen, die die Digitalisierung birgt, zu profitieren und v.a. auch so viel Einsicht und Verständnis zu haben, sich kritisch mit Neuerungen auseinanderzusetzen und diese nicht aus Unwissenheit und Unsicherheit zu verteufeln.

Viele reagieren so ängstlich und ablehnend weil bestimmte Geräte oder Plattformen für sie undurchschaubar sind. Spielzeug wie Dash helfen, die wichtige Grenze zwischen „Da steht eine Blackbox, die magisch Dinge tut“ und „Das ist eine Maschine, die Befehle befolgt“ aufzulösen und ein Grundverständnis für das Konzept Algorithmus zu vermitteln.

Schulen können diese Kompetenzen meiner Erfahrung nach nicht im Ansatz vermitteln. Alles, was ich bislang unter dem Deckmantel „Computerunterricht“ gesehen habe, sind im Grunde Windows Produkt Schulungen.

Die Kinder lernen Shortcuts von Windows, zeichnen in Paint und lernen Word-Funktionen kennen und das soll dann für die Zukunft wappnen und Medienkompetenz vermitteln.

Das lässt mich wirklich immer wieder ratlos zurück.

Ich finde deswegen Spielzeuge wie Dash und Co. gehören in die Kinderzimmer, denn die machen so viel Spaß, dass sie das leidige Thema Computerunterricht in der Schule wirklich gut kompensieren.

Apropos Kinderzimmer – in euer Kinderzimmer kann Dash auch einziehen. Ich freue mich einen Dash verlosen zu können!

Die Sommerferien haben begonnen und vielleicht hilft Dash die endlosen und (für mich als Kind waren sie endlos) zu überbrücken.

Verlosung! Was ihr tun müsst, um zu gewinnen:

  • verlost wird ein Dash Roboter von Wonder Workshop [Amazon Werbelink]
  • das Roboter-Set wird verlost unter allen Kommentaren im Blog – beantwortet mir folgende Frage: Wie vermittelt ihr euren Kindern Medienkompetenz und technisches Grundverständnis?
  • mitmachen können alle volljährigen natürlichen Personen
  • die Verlosung läuft bis zum 04. August 2017 um 23 Uhr
  • die GewinnerInnen werden ausgelost und per Mail benachrichtigt
  • der Rechtsweg ist ausgeschlossen
  • eine Barauszahlung des Gewinns ist ausgeschlossen
  • erhalte ich innerhalb einer Woche keine Rückmeldung auf die Gewinnbenachrichtigung, verfällt der Gewinn

[1] Einen Fernseher besitzen wir seit mehreren Jahren nicht und seit DVB-T auf DVB-T2 HD umgestellt worden ist, konsumieren wir auch nichts mehr aus dem laufenden TV Programm.

Twitterlieblinge 07/17

Aus gegebenem Anlass:



Quelle: Honest Toddler

[Anzeige] Let’s talk – about Messenger

Ist WhatsApp wirklich alternativlos? Foto Webster2703 @Pixabay

Gemeinsam mit SCHAU HIN! habe ich Ende Juni eine kleine Serie zum Thema Kinder und digitale Medien gestartet. 

Im Zentrum meiner Serie sollen die Chancen, die (neue) Medien mit sich bringen, stehen und ich will beschreiben, wie wir als Familie im Alltag damit umgehen und gerne auch von Euch hören, wie ihr den Alltag mit Kindern und digitalen Medien gestaltet.

Risiken und Gefahren werden durch Kulturpessimisten aller Ausrichtungen zu genüge beklagt. Viele Eltern reagieren mit Unsicherheit und statt sich mit den einzelnen Themen auseinanderzusetzen. 

Ich versuche mit meinen Kindern im Gespräch zu bleiben und Lösungen zu erarbeiten, die für uns alle passen. Das ist auch der Grund warum ich die Serie Let’s talk nenne.

Im zweiten Teil geht es um: Messenger-Apps

Segen Messenger-Apps

Ich liebe es zu chatten. Nie war es einfacher in Verbindung zu bleiben. Sei es mit dem Partner, den Kindern, lieben Freundinnen oder Kolleginnen. Beim Stillen, während langweiliger Pflichtveranstaltungen (Tante Friedel wird 77) oder mitten in der Nacht wenn der Geburtstagskuchen, in den man bereits Stunden investiert hat, leider gerade eingefallen ist.

Mir haben Chats immer sehr geholfen mich nicht alleine zu fühlen. Egal wo ich bin und was ich mache. Gerade neu umgezogen, alleine im Urlaub, verzweifelt seit Stunden wartend beim Kinderarzt – egal – in meinem Handy wartet Trost und Zuversicht.

Genauso freue ich mich für meine Kinder, dass auch sie unkompliziert Kontakt zu ihren Freundinnen und Freunden Kontakt halten können.

Für mich waren die Sommerferien ein Graus früher. Sieben Wochen ohne Freundinnen, weil alle irgendwo waren. Oder Umzüge! Zog die geliebte Freundin ein Dorf weiter, war sie quasi für immer verloren. Oder das unendliche Auslandsjahr!

Das ist heutzutage total anders. Selbst wenn die Freundin in Vietnam ist, kann man weiterhin in Kontakt bleiben.

Kindern das Chatten zu verbieten, wäre für mich deswegen bizarr. Nur die Wahl der richtigen App ist leider ziemlich kompliziert.

Welche ist die richtige Messenger-App?

Elternabend in der Schule: Kurz vor Ende kündigt die Lehrerin an: „Zum nächsten Termin können wir darüber sprechen, ob wir einen WhatsApp-Chat machen oder nicht.“

In mir steigt sofort die Empörung hoch und ich melde mich – wohlwissend wie es andere Eltern empfinden, wenn sich eine Mutter am Ende des Elternabends nochmal schnell mit hochrotem Kopf meldet: „Ich hätte gerne, dass wir eine Stufe vorher mit der Diskussion anfangen und dann darüber sprechen, ob es ein WhatsApp-Chat sein muss oder ob vielleicht eine andere App nicht geeigneter wäre.“

Der Blick der Lehrerin sagt Whatever und der Mund sagt: „Ja, natürlich.“ Die Blicke der Eltern sagen: „Bitte, bitte, wir wollen nach Hause, nerv‘ doch nicht.“

Ich atme leise durch die Ohren aus. WhatsApp wird leider meistens als völlig alternativlos als gesetzt gesehen.


Ein kleiner Exkurs.

Im Mai habe ich über Sprachnachrichten geschrieben und einen nachgebildeten (!) Screenshot aus dem WhatsApp Messenger benutzt.

Der Tweet dazu wurde oft geteilt und der Artikel fast zehntausend Mal aufgerufen. Das habe ich sehr bereut – eben wegen der Verbreitung des besagten WhatsApp-Screenshots.

Tatsächlich benutze ich WhatsApp – aber nur bei Freundinnen und Freunden, die wirklich nur dort zu erreichen sind.

Ich habe durchgezählt: das sind lediglich fünf von ca. fünfzig Menschen mit denen ich mehr oder minder regelmäßig chatte. Alle anderen sind bei mir entweder auf Threema oder auf iMessage.

Werbung für die Verwendung von WhatsApp wollte ich nie machen. Im Gegenteil.

WhatsApp – na und? Benutzen doch alle!

Warum glaube ich, dass es ein Unterschied macht, welchen Messenger man verwendet?

Messenger sind unterschiedlich sicher und sie gehen unterschiedlich mit unseren Daten um.

Viele wissen vermutlich, dass WhatsApp seit April 2016 die Daten Ende-zu-Ende verschlüsselt. Diese Verschlüsselung schützt jedoch nicht vor der Weitergabe und Auswertung von Metadaten.

Metadaten sind alle Daten, die neben den eigentlichen Nachrichten anfallen. Dazu gehören z.B. Informationen wann man wie oft von wo mit wem chattet.

Aus diesen Daten kann eine Menge (fehl)geschlossen werden. (Ich habe an anderer Stelle mal versucht mehr oder weniger lustig darzustellen, wie ein Ausschnitt bestimmter Informationen einige ziemlich unpassende Fehlschlüsse zulässt.)

WhatsApp sammelt die Metadaten und gibt sie an den Mutterkonzern Facebook weiter. Dort werden sie verwendet um von den einzelnen Nutzerinnen und Nutzern Profile zu erstellen, damit auf Facebook passgenaue Werbung angezeigt werden kann.

Wer seine Privatsphäre liebt, kann das nicht gutheißen.

Ausführlicher kann man die Argumente, die gegen die Verwendung von WhatsApp sprechen, hier und hier nachlesen. Die Details würden den Rahmen meines Artikels sprengen.

Wichtig auf jeden Fall noch: In den Systemeinstellungen eures Endgeräts selbst, könnt ihr WhatsApp ziemlich viele Rechte entziehen:

Ich möchte im Zusammenhang mit WhatsApp und Kindern zwei andere Argumente beleuchten:

WhatsApp hat weltweit über eine Milliarde Nutzerinnen und Nutzer. Wenn ich mit anderen über WhatsApp spreche, höre ich v.a. zwei Argumente.

1.) Oma, Karl, Silke und Thorsten sind halt schon bei WhatsApp…

und

2.) WhatsApp ist kostenlos!

An Punkt 2.) möchte ich gleich anknüpfen. WhatsApp bezahlt man tatsächlich nicht in Euro sondern eben – wie oben geschildert – mit Daten.

Das Unangenehme: Ihr zahlt nicht nur mit euren Daten, sondern gebt auch alle Daten aus eurem Telefonbuch (also die Daten anderer) weiter.

Es ist übrigens möglich bei Installation der App dieser Verknüpfung zu widersprechen – die Chats sehen dann aber wie in dem Screenshot unten aus und sind, wenn es beispielsweise um Gruppenchats geht, unübersichtlich, weil man nicht einfach zuordnen kann, wer was schreibt:

WhatsApp
Ist das Telefonbuch nicht verknüpft, sieht man nur Profilbild und Telefonnummer – keinen Namen (und ja, ich sehe, dass da eine Telefonnummer im Screenshot zu sehen ist)

Geschäftsmodelle hinterfragen ist Teil von Medienkompetenz

Gerade das Geld-Argument ist übrigens ein sehr starkes für die Wahl von WhatsApp bei Kindern.

Als Eltern könnt ihr dem relativ leicht entgegenwirken

  1. gebt den Kindern einfach das Geld um sich eine datensensible App zu kaufen
  2. und sprecht mit euren Kindern über Geschäftsmodelle. Selbst Kindern leuchtet das relativ einfach ein: Stellt die Frage, wie eine Firma Geld verdient. Auch Kinder können sich vorstellen, dass Menschen, die für ein Unternehmen arbeiten, irgendwie Geld bekommen müssen und dass es unterschiedliche Wege für Unternehmen gibt, Geld zu generieren.

Wer diese Frage kennt und sie auf neue Dienste anwendet, hat schon viel über Medienkompetenz gelernt.

Dem ersten der oben genannten Argumente könnt ihr schlecht entgegenwirken – bestenfalls wenn man das Thema schon sehr früh diskutiert und auch bei anderen Eltern in die Diskussion einbringt. Wenn eure Kinder die ersten mit alternativen Messenger sind, ist es vielleicht leichter, andere zu überzeugen, ebenfalls von der Nutzung von WhatsApp abzusehen.

Gleiches gilt übrigens für Aufklärungsarbeit am Elternabend. Ich möchte behaupten, dass 80% der Eltern sich noch nie mit diesem Thema auseinandergesetzt haben.

Meine Empfehlung: Threema

Meine Empfehlung für eine sichere App, die ordentlich mit euren Daten umgeht, ist Threema.  Threema kostet 3,49 Euro im iTunes Store und 2,99 Euro im Google Play-Store). Test.de schätzt das ähnlich ein.

Alle anderen Alternativen (beispielsweise Telegram und Signal) möchten ebenfalls Daten aus dem Telefonbuch laden. Man kann das so wie bei WhatsApp unterbinden – Chats sind dann so unübersichtlich wie in der Abbildung oben.

Auf dem Desktop sieht man schön meine Inkonsequenz *seufz*

Mehr Argumentationshilfe gegen WhatsApp gibt es übrigens bei Netzpolitik unter z.B. Abschied von WhatsApp: Fünf gute Gründe, den Messenger zu wechseln (Wer die Nerven hat, sollte sich auch mit dem Thema Open Source Software auseinandersetzen – auch eine Sache, die als Bewertungskriterium bei allen Arten von Software gilt).

Am Ende muss man sich entscheiden:

  • WhatsApp gar nicht verwenden und damit auf unkomplizierte Kontaktmöglichkeiten zu bestimmten Menschen komplett verzichten
  • WhatsApp für einen Teil der Kontakte benutzen – aber die Verknüpfung zum Telefonbuch sperren und mehr oder minder kryptische Chats und die Weitergabe der Metadaten akzeptieren
  • oder WhatsApp „normal“ benutzen, die Daten aus dem Telefonbuch hochladen und Metadaten dem Facebook-Konzern überlassen.

Eine weitere WhatsApp-Plage sind „Ketten-Briefe“

Übrigens ein weiteres Argument gegen WhatsApp ist für mich als Mutter das Thema Ketten-Briefe (eigentlich Ketten-Nachrichten). Da gibt es wirklich unsägliche Dinge. Ich habe noch nie gehört, dass über Threema ähnlicher Mist an die Kinder gelangte.

oder

Je nach Alter setzen solche Nachrichten Kinder wahnsinnig unter Druck.

Fragt eure Kinder mal, ob sie bereits ähnliche Nachrichten erhalten haben. Viele Kinder erzählen aus Angst gar nicht erst darüber. Sprecht mit euren Kindern über diese Ängste und kontaktiert ggf. das versendende Kind und deren Eltern, um dort auch ins Gespräch zu kommen.

Erst kürzlich ging eine noch drastischere Audionachricht herum, die seit 2013 auf WhatsApp kursiert. Sie droht den Kindern mit dem eigenen Tod und dem der Mutter, sofern die Nachricht nicht in kürzester Zeit an zwanzig weitere Empfänger verschickt wird.

Weitere Tipps zum Umgang mit diesen Ketten-Briefen z.B. unter „Wenn Kinder Morddrohungen per WhatsApp bekommen.

Am Ende muss man sich für oder gegen WhatsApp entscheiden

Zurück zum Thema Wahl des Messengers – meine persönliche, zähneknirschende Entscheidung: Beides erlauben, schauen, ob man mit WhatsApp klar kommt, wenn man die App nicht mit dem Telefonbuch verknüpft ist und immer wieder Diskussionen anzetteln.

Ich halte es da wie mit allen Nachhaltigkeitsthemen: Ich weiß, dass ich nicht alles restlos perfekt machen kann, also erlaube ich mir Ausnahmen.

Jetzt da ich mich wieder ausführlich mit dem Thema auseindergesetzt habe, habe ich erneut ein sehr schlechtes Gefühl mit meiner Inkonsequenz…

Einmal hochgeladene und freigegebene Daten des Telefonbuchs sind eben nicht mehr löschbar.

Dass das Thema Datenweitergabe durchaus relevant ist, zeigt übrigens das (juristisch umstrittene) „WhatsApp Urteil von Bad Hersfeld„: In dem Urteil hat der zuständige Richter einer Mutter auferlegt, schriftliche Einverständniserklärungen aller WhatsApp-Kontakte ihres Sohnes einzuholen und diese dem Gericht vorzulegen – andernfalls dürfe das Kind die App nicht weiter nutzen.

Von der Nachricht wie der Staatstrojaner Daten (u.a.) aus WhatsApp abziehen möchte, fange ich gar nicht erst an…

Es ist und bleibt sehr kompliziert mit diesem Thema.


Wie geht ihr damit um? Was sind eure Empfehlungen und wie wichtig ist euch Datenschutz und Privatsphäre?

Kommentiert einfach hier, teilt eure Medienmomente auf Instagram, bloggt selbst darüber, twittert oder schreibt darüber auf Facebook. Wenn ihr euren Beiträge mit dem Hashtag #medienmomente markiert, können sie später eingesammelt und geteilt werden.


Wen auch die rechtlichen Rahmenbedingungen interessieren, dem empfehle ich die aktuelle Rechtsbelehrung zum Thema „WhatsApp, Messenger und Abmahnungen“ reinzuhören.

Weiterführende Links:

Teil 1 von Let’s talk: Nicht wie lange sondern was