12 von 12 im März

Ich bin seit 6.50 Uhr wach. Leider habe ich den Kindern gesagt, dass wir ausschlafen möchten und sie uns nicht vor 9.30 Uhr wecken sollen. Es ist verrückt, seit dem letzten Urlaub klappt das. Ich hab einfach eine Regel aufgestellt und sie halten sich (wenngleich immer unter Protest und mit Augen verdrehen) dran. Vor 9.30 Uhr aufzustehen, wäre jetzt natürlich fatal. Ich lese also ein wenig im Internet, dann kommentiere ich noch ein bisschen und endlich ist es 9.00 Uhr. Dann gebe ich auf und gehe in die Küche. Mein Freund versteht nicht, was so hart am Ausschlafen ist.

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Natürlich wären die Kinder schon lange verhungert. Zum Ausschlaf-Deal gehört, dass sie selbst bis mindestens 8.00 Uhr in ihrem Zimmer bleiben und dann Schoko-Müsli essen dürfen. Erziehung durch Bestechung heißt das, glaube ich.

Es gibt bei uns fast nie süßes Frühstück. Keine Marmelade und allerhöchstens am Wochenende sowas wie Nutella. Ich rede mir ein, dass das deswegen OK ist.

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Dann stehe ich mit meinem Freund auf. Wir frühstücken erstmal. Meine Frühstückskultur hat sich durch das Internet total verändert. Früher gabs eine lieblose Stulle und fertig. Durch die ganzen Fotos von Frühstückstischen, habe ich jetzt andere Bedürfnisse. Vor allem nach Schnickschnack. Avocado! Frische Paprika! Körnerbrötchen! Würden wir nicht gleich zu einem Brunch gehen, wäre da noch viel mehr. Und diese Schüsselchen! Ich liebe sie.

Ich bin sogar so weit, dass ich oft eine Kerze anmache. Heute nicht. Man muss ja nicht übertreiben.

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Mein Freund geht arbeiten und ich gehe mit den Kindern zu Freunden, die ein Baby erwarten. Was dort aufgetischt ist, ist irre. Diese Torte. Oft sehen Torten ja geil aus und schmecken dann nach nichts, v.a. weil alles, was Deko ist, aus Fondant besteht. Das hier ist Marzipan, mit Schokolade, Buttercreme und Himbeeren. Das schmeckt so gut, dass ich meine Obstphobie ignoriere und ohne pulen alles aufesse.

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Teil des Party „Programms“ sind Henna-Tattoos, die sich alle machen lassen können. Ich überlege schon lange, ob ich doch ein Tattoo brauche. Ein Motiv hätte ich schon – das Problem ist nur, dass ich große Angst vor allem habe, das irgendwie „für immer“ gedacht ist.

Ich bin gespannt, wie lange das hält. Die Dame, die das gemacht hat, ist wirklich sehr handfertig. Ich bewundere solche Talente.

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Auf der Party war es total entspannt. Ich bin dort sehr gerne. Alles unhektisch, irgendwie kuschlig und es gibt hervorragenden Kaffee. Was kann man mehr wollen? Die Kinder sind ebenfalls sehr, sehr gerne dort. Auf dem Weg nach Hause schlagen sie mir vor, dass ich einfach alles in unserer Wohnung mache, wie es bei unseren Freunden ist. Ich könnte ja fragen, wie es geht. SO schwer ist das bestimmt nicht.

Ich würde den Tag gerne gemütlich ausklingen lassen – nur leider habe ich es die letzten beiden Wochen vor Arbeit und kranken Kindern nicht geschafft, den Lieferdienst rechtzeitig zu beauftragen.

Wir fahren mit der Tram zum Freund, der dann mit uns gemeinsam einkaufen geht.

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Im Einkaufsland ist alles wie Mordor. Ich bin schlecht gelaunt, meine Kinder sind schlecht gelaunt, die Regale verstecken die Artikel, die wir eigentlich kaufen wollen. Hass. Hass. Hass.

Der Lieferdienst ist wirklich jeden Cent wert. Ich weiß, das ist großer Luxus, aber es ist echt irre, was das an Stress spart. Abends am Rechner eine Einkaufsliste durchzuklicken, ist eben was anderes als mit zwei Kindern durch absurd riesige Supermärkte zu irren, genervt an Kassen zu stehen und den ganzen Mist dann nach Hause in den 4. Stock ohne Aufzug zu schleppen. Ich bin so sauer auf mich, dass ich es diesmal nicht auf die Reihe bekommen habe.

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Draußen dann wieder eine „Hunde-Situation“. Im Moment bin ich total abgenervt von rücksichtslosen HundebesitzerInnen. Ich verstehe es nicht. Dieses auf Straßen kacken lassen – in Parkanlagen frei rumlaufen lassen – zur Krönung auf Spielplätze scheißen lassen und wie hier – mit langer Leine in den Eingang stellen.

Ich habe da schlimme Fantasien, was ich gerne alles machen würde. Dann denke ich an den Film Muxmäuschenstill und atme tief durch.

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Mein Freund hat wohl gemerkt, dass ich GRROOAAARRRRR ein bisschen genervt bin. Statt selbst kochen, schlägt er Burger essen gehen vor. Nach einigem Abwägen, entscheide ich mich für YOLO.

Im Burgerladen dann: kein Platz.

Also Pizza! Im Pizzaladen: kein Platz!

GEHEN WIR HALT GOTTVERDAMMTE FLAMMKUCHEN ESSEN.

Und dann geschieht ein Wunder: Wir bekommen einen Platz und das Essen ist wirklich sehr, sehr gut. Die Kinder essen alles auf. Wir lassen der Köchin unsere Glückwünsche übermitteln. Mein Flammkuchen mit Ziegenkäse, Cocktailtomaten und Oliven, sowie einem Hauch von Rucola, ist ebenfalls hervorragend.

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Kind 3.0 ist sehr zappelig und steht unterm Essen immer wieder auf, um zu tanzen. Wie ermahnen abwechselnd wie ein Metronom (30 BPM): „Hinsetzen – leise – hinsetzen – leise“

Mein Freund bekommt dabei eine weitere Einsicht in die Elternschaft:

Wir entscheiden uns (natürlich) für Nachtisch.

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Die Kinder wünschen sich statt Geschichte vorlesen, Trailer für Kinderfilme anschauen. Über Zoomania und Pets müssen wir sehr lachen. Dann kuscheln wir noch und die Kinder schlafen ein.

Es ist für mich ein Ritual geworden, abends noch eine Tasse Tee zu trinken. Ich fürchte, ich besitze so 20 Sorten Tee und trinke dann doch fast immer den selben.

Interessant finde ich übrigens, dass viel über überteuerten Kaffee geschimpft wird und kaum über bekloppt teuren Tee. Der Tee aus dem Bio-Laden kostet pro Tasse rund 18 Cent.

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Den Rest des Abends schauen wir Serien. Aktuell Limitless und neu Lucifer, einer Neil Gaiman Verfilmung, deren Pilot ganz unterhaltend ist. It’s all very British.

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Autorin: dasnuf

Aha! Google doch "dasnuf" Muhahahahaha!

27 Reaktionen zu „12 von 12 im März“

  1. Korrektur: Frische Paprika zum Frühstück ist kein Schnickschnack, sondern ein Grundnahrungsmittel. Tee trinke ich ebenso gerne wie Sie und bin neugierig: Schwarzer oder grüner? Aus Sicht der Kosten ist grüner besser, weil man da mehrere Aufgüsse machen kann, gesünder soll er auch sein. Und dass er besser schmeckt, kann man sich zumindest einreden.

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    1. Ich finde Süßigkeiten zum Frühstück als Standard ebenso seltsam wie grundsätzlich Nachtisch zu essen. Entspricht nicht meiner persönlichen Auffassung von gesunder Ernährung.
      Vielleicht aber nur Gewohnheit. Gab es bei mir nie als Kind, habe ich nie als Erwachsene aufgetischt.

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  2. Ob online einkaufen Luxus ist, hängt schwer vom Land ab. Im UK ist das vollkommen normal, und wenn man dann wieder auf den Kontinent umzieht, kann man gar nicht verstehen, wieso Supermärkte so blöd sind und diesen riesigen Wettberwerbsvorteil nicht voll ausreizen.

    (Vor allem in D, wo Kinder im Supermarkt von anderen Shoppern so gern gesehen sind…)

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