Experimente des Alltags

Links im Bild: Basilikum autoritär und konsequent erzogen. Schläft seit dem ersten ersten Keimblatt im eigenen Zimmer.
Rechts: Basilikum mit Liebe erzogen. Wurde mit Spucke gegossen und schläft im Elternbett.

Links im Bild: Basilikum autoritär und konsequent erzogen. Schläft seit dem ersten ersten Keimblatt im eigenen Zimmer.
Rechts: Basilikum mit Liebe erzogen. Wurde mit Spucke gegossen und schläft im Elternbett.
In unserem Viertel hängen Aufkleber mit seltsamen Botschaften. Weil sie niemand verstand, wurde nochmal nachgeklebt. “Latte Macchiato 4 Euro, Bier 4 Euro, Kreuzberg 2010″, das verstehe ich im Gegensatz zu “Spree ohne Ufer” sehr gut.
Ich bin auch ganz niedergeschlagen ob des Verfalls unserer Gesellschaft. Als ich gestern im 27. Biomarkt unseres Kiezes einkaufen ging, begegnete mir doch tatsächlich eine Horde Punks, die ihr Bier dort kauften und sich dann grölend und stinkend in den Eingangsbereich setzten, um es dort zu trinken.
Furchtbar sowas!
Falls es demnächst keine neuen Einträge mehr gibt, hier die Erklärung.
Nuf steht nichtsahnend auf der Straße. Ein ca. vierjähriges Kind reißt sich von der Hand des Vaters los und läuft zu Nuf.
- Hallo, sagt es.
- Hallo, sagt Nuf.
- Du musst bald sterben.
Kind lächelt und geht wieder zum Papa.
Stellen Sie sich vor, wie man sich fühlen würde, wäre man abergläubisch.
Bin ich aber gar nicht. Sicherheitshalber habe ich die Zunge im Mund verdreht, den Daumen zwischen Zeige- und Mittelfinger gesteckt und ein Paar Gläser zerworfen.
Kind A: Hallo Thommi, wo warstn Du in Urlaub?
Kind B: Israel. Kennste das?
Kind A: Ja klar!
Kurze Denkpause.
Kind A: Habt ihr auch andere Tiere zuhause?
Etwas später die Kindergärtnerin: Welche Länder kennt ihr denn?
- Deutschland!
- Ostsee.
- Spidermanland.
- Dienstag!
Nicht nur die Sorgen sondern auch die Ausgaben werden mit dem Heranwachsen der Kinder größer. Wenn das 30jährige Kind, meist ganzkörpertätowiert und wie eine glitzernde Offenbarung mit Piercings geschmückt, das 7. Studium abbricht, wird man noch die Tage loben, an denen Blähungen ein ernsthaftes Problem darstellten.
Einen ersten Vorgeschmack auf die bevorstehenden Investitionen bekommt man beim Kauf der ersten Schuhe.
Kostspielige Hausschuhe kann man glücklicherweise vermeiden indem man das Barfußlaufen von Anfang an fördert.
Sobald das Kind jedoch außerhalb des Eigenheims lauffähig ist, kommt man an Straßenschuhen leider nicht vorbei. Alte Autoreifen aufschneiden und um die Füße binden, so sagt der Kinderarzt, sind keine Alternative.
Umso besser versteht man die Nöte eines Vaters, den ich gestern am Spielplatz beobachtete.
„Lutz, sag mir jetzt SOFORT, wo Du Deinen Schuh vergraben hast!“
Lutz lacht
„Lutz, das ist nicht lustig, sag mir, wo der Schuh ist!“
Während der Vater den Sohn mit verzweifeltem Gesichtsausdruck über den Platz zerrt, folgen ihm mitfühlende Blicke.
Keiner der Erwachsenen sieht amüsiert aus. Ich nutze die emotionale Verbundenheit und gehe mit dem Sonnenhut meines Kindes Spenden einsammeln.
Lutz dreht sich währenddessen unnachgiebig auf dem Stehkreisel. Sein Rumpelstilzchenlachen wabert in Wellen an meine Ohren. So ein böses Kind!