Der Katzenveit von Tripstrille
KĂŒrzlich war unsere italienische Verwandtschaft zu Besuch und es dauerte keine 60 Minuten bis die Kinder mit einem leuchtenden, blinkenden und melodienleiernden Spielzeug ausgestattet waren.
Wenn man liest, man habe Gefangene mit Popsongs von Britney Spears und Metallica gefoltert, dann ist es leicht vorstellbar, dass auch diese Art Spielzeug eingesetzt wurde.
Die Melodie ist eingÀngig und schon ein sechs Monate altes Kind kann sie problemlos nachahmen. Von sprechfÀhigen und schulpflichtigen Kindern ganz zu schweigen.
So dudelt und rollt das automatische GefĂ€hrt seit einer Woche fröhlich durch die Wohnung. Wenn die Kinder nicht da sind, versteckt es sich hinter dem WĂ€schekorb oder in der SpĂŒlmaschine und fĂ€hrt unerwartet aus seinem Versteck hervor und versetzt uns Erwachsene in Angst und Schrecken.
Einmal saĂ es sogar in der KloschĂŒssel und griff jĂ€h beim morgendlichen urinieren an.
TagsĂŒber wenn die Kinder wach sind, fĂ€hrt und tutet es wie von Geisterhand gesteuert durch die Wohnung und die Kinder laufen fröhlich singend hinterher. Der Melodienzug fĂ€hrt durch den Flur, durchs Wohnzimmer und zurĂŒck ins Bad und die Kinder klatschen dazu im Takt.
In einem nĂ€chtlichen Traum höre ich genau die selbe Melodie auf einer menschenleeren StraĂe. Der Dudelzug fĂ€hrt durch Berlin und die 7.976 Kinder unseres Bezirks folgen ihm die Tonfolge leise murmelnd. Als ich aus dem Fenster sehe, erkenne ich im fahlen Licht der Laternen in drei groĂen Lettern G E Z am Wagenstand. Die ZimmertĂŒr der Kinderstube öffnet sich leise knarrend und unser Baby schĂŒttelt traurig den Kopf: Kulturzeit, Mama.
Gert Scobel sagt das gröĂere Kind, dann laufen auch sie auf die StraĂe hinaus zum GEZZug. Schluchzend rufe ich in die Nacht: Abba isch abbe gar keine FĂ€rnsĂ€ha!

















