Das Nuf Advanced

Das Nuf 1.0 war gestern

Gibt es ein Kinoleben mit Kind?

Die Antwort lautet “ja” und heißt Kinderwagenkino.
Alle, die nur ein Kind haben und beim Stillen noch auf Ruhe und Abgeschiedenheit achten, dürfen sich im Anschluss furchtbar echauffieren. Allen anderen, sei das Kinderwagenkino empfohlen.
Die Theorie des Anbieters besagt: Man kommt hin, das Baby schläft, man parkt es, der Film beginnt, man genießt den Film, der Film ist zuende, das Baby erwacht, man geht nach Hause.
Die Realität sieht ein klitzekleines bisschen anders aus. Die Babys schlafen nämlich genau bis der Film beginnt, dann werden sie wach und brabbeln, krakeelen, krabbeln, schütteln ihre Rasseln und quietschen ihre Entchen. Es wird geredet, gestillt, gefüttert, hinterhergekrabbelt, gewackelt, aufgestanden, rumgelaufen, gewiegt, gelegentlich rausgegangen und gewickelt.
Die Lautstärke des Films ist so weit runter geregelt, dass die Geräuschkulisse auch für Babys zu vertreten ist. Für die Erwachsenen Zuschauer bedeutet das: Flüstern, leises oder bedächtiges Sprechen der Filmfiguren ist leider nicht zu vernehmen, auch der Umstand dass man gelegentlich abgelenkt ist, weil man z.B. Spielzeug unter den Sitzen sucht, führt dazu, dass die Handlung im Wesentlichen aus dem Gesehenen und weniger aus dem Gehörten erschlossen werden muss. Magnolia oder Memento führt man sich also besser nicht zu Gemüte. Sehr geeignet sind inhaltslose Actionthriller sowie David Lynch Filme, da man hier auch mit guten Ohren und ohne Unterbrechungen ohnehin nichts versteht.
Richtig klasse ist der Umstand, dass die Sitzreihen soweit auseinander stehen, dass man ohne Probleme mit dem Kinderwagen rein kommt. Es gibt darüber hinaus eine Wickelkommode auf der Behindertentoilette und einen ebenerdigen Eingang im hinteren Bereich des Kinos.
Die Eintrittspreise sind in Kombination einer IKEA Family Card ein Traum und es gibt sehr leckeren (auch entkoffeinierten) Milchkaffee. Brownies, Birchermüsli und ähnliche Kohlenhydratbomben werden zu elterngeldfreundlichen Preisen angeboten.
So bekommt das Kino 98 von 100 möglichen Punkten. Die fehlenden zwei Punkte könnte sich das Kino verdienen, indem es auch bei Überlänge auf Pausen verzichtet bzw. die auf ein Minimum reduziert und direkt nach dem Film – also noch während des Abspanns – das Licht wieder anmacht. Alles in allem sehr empfehlenswert!

Level: Babyleben, Experimente — dasnuf at 8:47 am on Thursday, March 18, 2010

Mein Beitrag zum Weltfrauentag

Emanzipation heißt im 21. Jahrhundert bekannterweise, dass man als Frau arbeiten geht und sich parallel um Haushalt und Kinder kümmert. Wenn es irgendwie geht, repariert man auch das Auto und ist kompetenter Ansprechpartner wenn es um den Hausbau geht. Persönlich macht mir das nichts aus, denn ich habe einen Weg gefunden, die kosmische Balance der Gleichstellung zu erhalten, indem ich fest definiere was Frauen- und was Männerarbeit ist.
Da ich quantitativ mehr Aufgaben unseres gemeinsamen Lebens übernehme, feile ich seit Jahren an den qualitativen Dimensionen der wenigen, verbleibenden männlichen Domänen. So wie ich beispielsweise niemals den Müll runterbringe, gehe ich auch niemals in den Keller. Denn in den Keller gehen und Sachen hoch bringen, ist reine Männerarbeit.
Die Kellergestaltung hingegen ist ausschließlich meine Aufgabe.
Am Anfang hatten wir viel zu wenig Zeug – aber ein frei zugänglicher Keller ist einfach kein echter Keller. Also habe ich heimlich Kisten und Umverpackungen geholt und diese in den Keller gestellt. Besonders Spaß machen mir dabei waghalsige Konstruktionen. Ich stelle beispielsweise eine große Kiste mit einem Amboss auf einen wackeligen Stapel leerer, kleiner Kisten.
Darüber hinaus ist es so, dass man durchaus die meisten im Keller aufbewahrten Dinge einfach wegwerfen könnte. Mit dem Hinweis auf ebay, Flohmärkte oder Erinnerungsstücke erschleiche ich mir jedoch die Legitimation so gut wie alles im Keller zu horten. Auch lasse ich gerne bestimmte Dinge, die ich regelmäßig benötige, in den Keller bringen. Ich stecke sie dafür in Kisten, die unter keinen Umständen irgendeinen Hinweis auf ihren Inhalt geben dürfen (z.B. den Föhn in die Originalverpackung des CD-Players legen) und bitte meinen Mann möglichst wenn er mitten im Monatsabschluss steckt und erst gegen 22 Uhr nach Hause kommt, dass er sie wieder aus dem Keller holt.
Jeden 15. des Monats gehe ich runter und verteile Spinnweben, Öl und Zigarettenasche im Kellerraum. Alle zwei Monate zerschlage ich die Glühbirne, die für Licht sorgen soll und eine ebenfalls lohnenswerte Arbeit ist das Umsortieren von Kisten, die mein Mann selbst eingeräumt hat.
Etwas aus dem Keller zu holen kostet meinen Mann in zehn Minuten so viel Nerven als würde auch er 30 Stunden arbeiten gehen, sich um die Kinder kümmern und gleichzeitig den Haushalt schmeißen und schon sind wir gleichgestellt.

Level: Experimente, Sachen über die ich mich kaputt lachen kann — dasnuf at 10:26 am on Monday, March 8, 2010