Alles außer Conni

Jeden Abend bettle ich darum, die Bücher vorlesen zu dürfen, die ICH toll finde. Meistens war ich aber nicht lieb genug und muss lesen, was die Kinder wollen.

Ganz ehrlich, wenn es Conni ist, hab ich noch Glück gehabt. Denn meistens wollen die Kinder, dass ich aus einem Lexikon vorlese oder Foreneinträge zu bestimmten Fragen, die sie haben.

„Wie wird Glas gemacht?“

Dann kommen in den Erklärungen Worte wie Kalknatronglas vor oder Natriumcarbonat und Pottasche. Und dann muss ich natürlich Pottasche erklären und dann steht da als Beschreibung, dass Pottasche Kaliumcarbonat ist und dann… naja, Sie verstehen schon. Eine unendliche Kette von Fragen. Wenn ich dann denke, dass die Kinder endlich schlafen, kräht Kind 3.0 plötzlich aus dem Bett: „KARBO-WIE HEISST DAS NOCHMAL???“.

Ab und an, wenn die Kinder sehr gütig eingestellt sind (z.B. weil ich Geburtstag habe), dann holen sie Bücher, die ich richtig gerne lese.

Das ist mir neulich wieder aufgefallen.

IMG_7878

Ich liebe z.B. Wanda, das Tanzschwein (Amazon Werbelink).
.
Wanda ist ein Schwein, das gerne tanzen möchte. In der Ballettschule wird ihr gesagt, dass sie nicht der Körpernorm entspricht und deswegen gleich wieder abdampfen kann.

Wanda ist todunglücklich und weint. Ein Pinguin hat Mitgefühl und spricht sie an. Es stellt sich heraus, dass er einen Verwandten hat, der Stepptänzer ist. Dieser nimmt sich Wanda an und sie stellen fest, dass sie großes Talent hat.

Wanda lernt u.a. auch noch Flamenco und Bauchtanz. Alle haben Spaß und es wird immer deutlicher: Wanda ist das größte Tanzschwein der Welt!

IMG_7879

Auch sehr wunderbar finde ich Berta, die Baggerfahrerin (Amazon Werbelink).

Da geht es um eine Frau, die gerne Bagger fährt und durch ihr Talent das Geschäft von Peter Buddel rettet.

Das Buch ist so schön, weil es so viele hübsche Details hat. Zum einen natürlich die Baggerfahrerin und dann auch dass sie ihren Namen vor den Namen von Peter Buddel schreibt als sie Partnerin wird und das Geschäft dann „Berta & Buddel GmbH“ heisst. Schließlich rettet sie ihn vom Bankrott.

FullSizeRender

Sehr herzerwärmend Die Grille und der Maulwurf (Amazon Werbelink) von Janosch. Ein Mini-Büchlein gegen den Turbokapitalismus* (wenn ich mal sehr überinterpretiere).

Eine kleine Grille hat den ganzen Sommer über für andere Tiere gefiedelt und sich nicht um ihre Wintervorräte gekümmert. Als der Schnee kommt, will sie niemand aufnehmen, schließlich hat sie ja nichts geleistet. Selbst die Tiere, die viel mehr haben, als sie selbst brauchen, wollen nicht teilen.

Nur der Maulwurf, der sich gut an sie erinnert, weil er aufgrund seiner Fehlsichtigkeit ihre Musik besonders zu schätzen weiß. Er bittet sie bei ihm zu bleiben und sie teilen, was sie haben. Die Grille und er machen „sich ein schönes, warmes Leben zusammen“. Sie lesen Waldzeitung und trinken Blauweerwein und kochen sich Krautsuppe und zwei Erbsen mit Speck.

Ich bin jedes Mal richtig gerührt, wenn ich das Buch lese und möchte mit meinem Freund auch wie Maulwurf und Grille leben.

Leider sind die Büchlein schon älter und nur gebraucht zu haben (Ursprünglich kosten sie jeweils 99 Cent, weil sie eben sehr klein sind). Aber mit etwas Glück, vielleicht mal am Flohmarkt, fallen sie euch vielleicht in die Hände!


*Wie ironisch, dass es das Buch nur zum 12 fachen Preis gibt derzeit :'(

Autor: dasnuf

Aha! Google doch "dasnuf" Muhahahahaha!

68 Gedanken zu „Alles außer Conni“

  1. Die Geschichte mit der Grille ruft bei mir Erinnerungen an ein herzerwärmendes Buch meiner Kindheit wach, das ich schon fast vergessen hatte. Dein Blogartikel hat mich daran erinnert:

    „Frederick“ von Leo Lionni.
    Es geht um eine Maus die nicht mithilft beim sammeln von Vorräten für den Winter, sondern „Sonne sammelt“. Sie gilt als faul, aber am Ende erzählt sie IIRC den ganzen Winter lang erwärmende Geschichten im Mäusebau, und allen wird warm und sie kommen gut durch den Winter. Sowas in der Art. Ist laaange her dass ich das Buch gelesen habe.

    https://www.amazon.de/Frederick-Leo-Lionni/dp/3787691405

    Danke für die Gedächtnisstütze. Ich mag Deinen Blog sehr. :)

    Gruß
    Aginor

       1 likes

  2. Weiss gar nicht was gegen Sachbücher spricht (ausser die drölftausend Querverweise bei Wikipedia natürlich :D ), habe als Kind sowas liebend gerne gelesen. Gibt es Was ist Was-Bücher noch? Die hab ich geliebt ^^

       0 likes

    1. Die zungenbrecherischen Fachterminologien. Ich lese einfach gerne eine Geschichte mit Handlungsbogen. Was ist was gibt es noch. Ich finde, das sind eher Bücher zum Selbstlesen…

         0 likes

  3. Yay! Ich mag Conny-Begrenzungen im Kinderzimmer. Unser Deal: ich lese jedes einmal vor, dann nicht mehr. Was ich dagegen habe? Conny kann zu viel zu schnell und ist nie so richtig wütend, traurig oder hat Streit. Lieber: die Jan und Julia Reihe von Margret Rettich (gibt’s auch auf dem Flohmarkt). Die „große Conni“-Reihe von Julia Böhme allerdings ist ganz okay, die liest die Große jetzt aber selber. Auch wunderbar von Margret Rettich: Zinnober in der grauen Stadt, über einen Buntmaler in einer Stadt, in der es nur grau gibt (unsers ist noch echt alt, vielleicht auch Flohmarkt oder Antiquariat?), und neuer und ganz anders wunderschön und sehr ruhig: Hannas Nacht, von Komako Sakai.

       0 likes

  4. Alles Gute zum Geburtstag!
    Die Bücher klingen toll, schade, dass es sie nicht mehr gibt. An die Grille kann ich mich noch aus meiner Kindheit erinnern.
    Ich liebe es ja, zu beobachten wenn Kinder soviel fragen und wissen wollen.
    Conni lese ich jetzt auch nicht so gerne vor, finde sie aber schon ok – die Hörspiele mit der größeren Conni find ich da schlimmer, da ist sie teilweise echt herablassend ihrem kleineren Bruder gegenüber. Da les ich dann lieber selber vor und mildere das etwas ab.
    Für alle, deren Kinder gerne Conni lieben, wären vielleicht auch die Bücher von Max was – die sind moderner und gleichzeitig sind es ähnliche Alltagsgeschichten wie bei Conni.
    Viele Grüße
    Nadine

       0 likes

      1. Malwine ist sooo großartig und ein optisches Fest! War mein Liebling damals in den frühen 80ern, aber ich meine es hätte mal eine (nicht mehr ganz so hübsche) Neuauflage gegeben.

           0 likes

  5. Das Lexika-Problem haben wir hier auch. Ich möchte den Kindern so gerne Geschichten vorlesen. Stattdessen gibt es hier: Sachbücher. Ich weiß Dinge über Wale, Haie und LKWs, die ich nie wissen wollte…

       0 likes

  6. Was haben eigentlich immer alle gegen Conni?
    Beim ersten Buch, dass der Zwerg aus dem Wühltisch zog, dachte ich auch noch: Oh Gott, fängt das hier jetzt auch an?
    Aber ganz ehrlich: Ich mag Conni. Wir haben mittlerweile schon eine ganze Latte dieser Bücher. Ich lese sie immer wieder gerne vor. (Tipp: mit genügend Abwechslung wirds nicht ganz so öde. Manchmal weigere ich mich einfach, ein Buch zweimal in Folge vorzulesen.)
    Viel schlimmer sind so konservative Schmonzetten wie Leo Lausemaus. Da grausts mich so, dass ich mich weigere ein zweites zu kaufen. Normalerweise lasse ich den Zwerg aber selbst wählen, was neu dazukommt.

       0 likes

  7. Von „Wanda“ gibt es auch Fortsetzungen, zumindest eine: „Wanda die Mode Prinzessin“. Gleiche Geschichte, nur mit Mode, Wanda, das berühmte Tanzschwein, findet sich super, wird aber (in Paris auf der Modenschau) gehänselt, weil sie klein und dick ist und entwirft dann selber Mode für sich, elvira Elefant und nabila Nilpferd. Es wird viel gefeiert und gelacht und alle finden sich super! Gibt’s als pixie für 99 Cent.

       0 likes

    1. Es gibt auch noch „Wanda tanzt auf dem Eis“ – die waren, wenn ich mich recht erinnere, alle in den letzten Jahren im Pixi-Adventskalender. Bei einem Buch wurden blöderweise die Namen geändert, da ändere ich beim Vorlesen dann immer zurück.

      Ich mag Conni übrigens auch – weil die Geschichten eben so alltäglich sind, ebenso wie Max.

         0 likes

  8. Super Tips! Wir haben da auch noch einen großartigen Pixi-Liebling: „Anna auf dem Campingplatz“. Die gruselig realistische (und dabei vor allem für den Vorleser unfassbar witzige) Schilderung eines Campingausflugs dreier Väter mit ihren Kindern – Einpackstreß, mißglückter Zeltaufbau und allerhand Diskussionen. Währenddessen haben die Kinder Ihren Spaß. Und nein, ich finde nicht, daß dieses Buch in Richtung „Idiot Dad“ geht.

       0 likes

  9. @grille…. und ich fand es schade, dass niemand anerkennen wollte, dass Fiedeln auch wertvolle Arbeit ist und die arme Grille anscheinend nicht von ihrer Arbeit leben konnte geschweige denn sie sich etwas für harte Zeiten hätte aufsparen können.

    Komisch, jetzt wo ich das schreibe, habe ich das Gefühl, dass mir die Situtation irgendwie bekannt vorkommt *grübel*

       0 likes

    1. Wenn ich auf Ebay nach Baggerfahrerin suche, kriege ich 3 offene Stellen angeboten. Ich glaub ich les erstmal das Buch. ???

         2 likes

  10. Oh, wie bin ich gerührt. Wegen der „Grille“. Unter diesem Namen gab es die Geschichte auch im Kinderbuchverlag der DDR und meine Oma hatte dies zu Hause und mir unendlich oft vorgelesen. Witzig (oder auch nicht), dass ich noch heute weiß, dass ich unendlich Mitgefühl hatte für die hungrige Grille, aber mir stets als Moral der Geschichte weisgemacht wurde, dass man erst fleißig sein muss und dann Zeit zum Fiedeln ist. Erwachsenenscheiß eben.

       1 likes

    via facebook.com

  11. Zum Glück ist der Conni-Kelch an uns vorbeigegangen (wir haben zwar ein oder zwei Pixis, aber die will keines der Kind hören). Die stehen mehr auf Geschichten, deren Protagonisten ihre Namen tragen („Frieda, das Abenteuer beginnt“ oder irgendwas mit Fressdrache Oskar).

       1 likes

    via facebook.com

  12. Ich bin wahrscheinlich die einzige Person auf der Welt, die solche Bücher, wie deine Kinder sie bekommen, schon so gut wie immer selbst gelesen hat (und das meist verbotenerweise unter der Bettdecke, sodass ich heute kurzsichtig bin…).

       0 likes

    1. Dann bist du aber mit schönen Geschichten aufgewachsen.
      Ich bin so eine Flohmarktgängerin … von dort stammen die meisten Bücher, die wir haben. Auch Willi Wiberg und Co. sind ja schon älter – aber ich liebe sie einfach (ohne sie selbst aus meiner Kindheit zu kennen).

         1 likes

    2. Meine Kinder sind schon lange aus dem Vorlesealter raus. Aber erst heute habe ich mich mit meinem Sohn (13) darüber unterhalten, dass einige seiner liebsten Kinderbücher, die er immer wieder mal zur Hand nimmt und heiß und innig liebt, die sind, die ich selbst auch schon als Kind toll fand und ebenfalls heute noch liebe: vor allem die Klassiker von Tomi Ungerer: Zeraldas Riese, Das Biest des Monsieur Racine, Crictor, die gute Schlange, Kein Kuss für Mutter, der Hut. Lesen, Vorlesen, Anschauen, Lieben!

         0 likes

Mentions

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sie möchten einen Kommentar hinterlassen, wissen aber nicht, was sie schreiben sollen? Dann nutzen Sie den KOMMENTAROMAT! Ein Klick auf einen der Buttons unten trägt automatisch die gewählte Reaktion in das Kommentarfeld ein. Sie müssen nur noch die Pflichtfelder "Name" und "E-Mail" ausfüllen und den Kommentar abschicken