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Packt eure Töchter und ab in „The Force Awakens“

Im Rahmen meiner selbst gestellten Aufgabe endlich mal „Star Wars“ zu schauen, bin ich im aktuellen 7. Teil der Saga „The Force Awakens“ gelandet und habe ich mich königlich amüsiert. Neben all dem, was Popcornkino sonst noch so braucht, hat mich der Film nach 135 Minuten mit einem Gefühl zurückgelassen, das da lautete: Ich möchte SOFORT mit meiner Tochter ins Kino gehen. (Naja, würde ich wollen, wenn sie das geeignete Alter hätte…)

Wer den Film noch nicht gesehen hat und spoilerempfindlich ist: den Blogbeitrag nicht weiterlesen. Ich werde mir keine Mühe geben, nicht zu spoilern.

Also: Warum sollte man seine Tochter unbedingt in „The Force Awakens“ schleppen? Die Antwortet hat drei Buchstaben und lautet „Rey“. Rey ist die Hauptdarstellerin. Sie ist nicht eine der Hauptdarstellerinnen, sie ist DIE Hauptdarstellerin. Ich habe versucht zu recherchieren, wie alt sie im Film sein soll. Da ich keiner Recherchetätigkeit länger als drei Minuten nachgehe und nichts gefunden habe, habe ich mich damit begnügt sie auf etwa zwanzig zu schätzen. Die Darstellerin selbst ist Anfang zwanzig, das haut dann vielleicht hin.

Jedenfalls: „The Force Awakens“ wird getragen durch Rey. Rey ist großartig. Sie ist ein völlig unabhängiger Charakter. Sie stellt sich (und das ist immer alles gemeint im Vergleich zu der archetypischen Durchschnittsfrauenrolle) selbst nie in Frage. Sie handelt einfach und zwar unabhängig von der Legitimation von Männern, ohne deren explizite Erlaubnis und trifft Entscheidungen ohne männliche Berater zu konsultieren. Sie ist Pilotin (und zwar eine mit sehr hohem Skill, sie fliegt den Millennium Falcon durch das Wrack eines Sternenzerstörers), sie ist findige Mechanikerin und ist trotz ihrer Zartheit und Weiblichkeit niemanden physisch unterlegen. Sie ist eine Anführerin und zwar eine, die sich diese Position nicht erkämpft, sondern eine, der diese Position einfach inne wohnt.

Sie verfolgt keinerlei romantische Interessen und sie hat – im Gegensatz zu z.B. Padmé – nur einen Kostümwechsel.

Sie macht sogar Fehler (wie z.B. Monster aus Versehen frei zu lassen) und kann diese wieder gerade biegen.

Sehr faszinierend ist auch, dass sie im Zweikampf mit Kylo Ren gefährlich aussieht, weil sie eine entschlossene und ernstzunehmende Kämpferin ist (normalerweise ist es Frauen in Filmen nur gestattet gefährlich auszusehen, wenn sie auf irgendeine Art verrückt sind…).

Das alles hat mich sehr fasziniert und das Schöne ist: Sie agiert nicht in einer gleichberechtigten, fortschrittlichen Zukunftsgesellschaft, nein, sie lebt in der alt bekannten patriarchalisch geprägten Gesellschaft.

Das kommt an mehreren Stellen im Film deutlich heraus, z.B. als sie mit Finn fliehen muss. Instinktiv nimmt Finn sie beim Weglaufen an die Hand und sie fragt (sinngemäß): Was soll das? Er antwortet: Wir müssen fliehen! und sie darauf: I know how to run without you holding my hand!

Er lässt ihre Hand los und greift sie bei der nächsten Explosion wieder. Worauf sie nur schreit „Stop taking my hand!“ und sich befreit.

Ähnliche Szene während der Flucht im Millenium Falcon als sich die Frage stellt, wer ihn fliegen könnte. Man schaut sich suchend um, die anwesenden Männer sind keine Piloten und dann ist da nur noch eine Frau. Schade. Kein Pilot also. Jedenfalls nicht bis sie sagt: „Hier, ich!“ und sich ins Cockpit setzt.

[Ich hab diese Denkmuster übrigens selbst, so sehr ich mich dafür hasse, aber als Kylo Ren sagt, dass Vader sein Großvater ist, dachte ich: Hä? Aber Luke hat doch gar keinen Sohn?! Klar, die Force ist in meinem Kopf nur stark mit den Männern. Auf Leia bin ich erst gar nicht gekommen…]

Rey ist einfach ein großartiges weibliches Vorbild und es gibt so wenig gute Vorbilder, finde ich. Ich würde mir jedenfalls wünschen, dass meine Tochter eine solche Frau vor Augen hat, wenn sie in ihrer Fantasie Abenteuer ausmalt oder noch besser: ihre eigne Zukunft.

Ich finde das folgende Gif deswegen so wundervoll. Durch Rey ist „Fight like a girl“ keine Beleidigung oder Herabsetzung mehr.
https://twitter.com/dasnuf/status/686554422940426240

Ich mochte übrigens auch Leia und Padmé. Das sind auch tolle Frauen, aber sie sind lediglich die weiblichen Ausnahmen unter allen Männern.

Wobei, man sollte da nicht ungerecht sein. Die Leia von 1977 ist für damalige Verhältnisse unfassbar fortschrittlich. Sie trägt flache Schuhe, wird von der Geretteten zur Retterin, schießt und kämpft selbst und geht selbst mit Han Solos Machosprüchen souverän um.

Dennoch, wie ich twitterte:

https://twitter.com/dasnuf/status/686244508628062208

Darauf antworteten viele: Welche anderen Frauen?
Ja, man hat sie nicht wirklich direkt auf dem Schirm… in Folge 4-6 Lukes Tante Beru, Senatorin Mon Mothma, die Nachtclubsängerin Sy Snootles und die Sklavon Oola.
In Folge 1-3 gibt es neben Padmé noch einige Zofen, Shmi und die Kopfgeldjägerin Zam Wessell sowie deutlich mehr Hintergrund Pilotinnen, weibliche Jedi und auch weibliche Protokolldroidinnen.

Sie alle sind Hintergrund und bestenfalls „Frau an der Seite von“ und damit mäßig gut geeignete Vorbilder.

„The Force Awakens“ ist da nicht nur wegen Rey anders.
Irgendwo (leider finde ich es nicht mehr) habe ich gelesen: Es passiert etwas wunderbares. Aus Prinzessin Leia wurde Generalin Leia und noch erstaunlicher: Man hat dem Charakter gestattet zu altern.

Es deutet sich auch für die folgenden Filme an, dass es eine Mentorin für Rey geben wird: Maz Kanata
Ich meine, mit dem Dialog zwischen Maz und Rey besteht „The Force Awakens“ sogar den Bechdel Test, weil sie über Reys Zukunft und nicht direkt über Luke sprechen.

Ich weiß, der Bechdel Test ist umstritten. Er trifft am Ende keine qualitative Aussage. Ein Film mit zwei Frauen, die sich 90 Minuten über Designerschuhe unterhalten würde den Bechdel Test bestehen – Alien mit Sigourney Weaver nicht. Ich habe dazu was Gutes im philosophie Magazin Sonderausgabe Star Wars gelesen:

„Der Bechdel Test weist auf verschiedene Probleme hin. Er führt vor Augen, dass Frauen in Filmen offensichtlich noch stärker marginalisiert werden als in der gesellschaftlichen Realität. Und diese Abwesenheit von Frauen […] bedeutet, dass [Frauen] schwer Identifikationsfiguren jenseits der Rolle der „Frau an seiner Seite“ finden. [Selbst da wo einzelne Frauen zu sehen sind …] legt das implizit nahe, dass es immer nur eine Frau in der Riege der männlichen Helden geben kann.“ (S. 67)

In diesem Sinne: Rey!

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Mama, Mama, bist du so groß wie Prinzessin Leia?

Mein Handywecker klingelt. Neben mir liegt Kind 3.0. Mit rauer Stimme fragt es: „Was ist ein Großmoff?“ Moff? Keine Ahnung wovon das Kind spricht. Vermutlich redet es im Schlaf.

Ich streife die Decke zur Seite, setze einen Fuß auf den kalten Fußboden, Kind 3.0: „Wie ist Wilhuff Tarkin eigentlich Großmoff geworden?“ Ich brauche erstmal Kaffee.

„Kinder! Frühstück ist fertig!“
Kind 2.0: „Mama, Du bist kleiner als Aayla Secura“
„Ich äh ja, ich bin ja nicht besonders groß.“
Kind 3.0: „Und du lebst. Aayla Secura ist tot.“
„Oh“
Kind 2.0: „Ja, sie starb während der Klon-Kriege bei der Ausführung der Order 66.“
„Ich, äh, iss dein Brot.“

„ZÄHNEPUTZEN!“
Kind 2.0: „Kind 3.0 ist größer als R2D2.“
Kind 3.0: „Und isch kann schießen. PePeng! Peng! R2D2 ist ein Reparaturroboter, der kann nisch schießen.“
(R2D2 endlich mal jemand, den ich kenne…)
„Ja, ja, Kinder. Jetzt bitte Zähneputzen.“

„So, es ist Zeit sich anzuziehen. Warm anziehen. Es ist sehr kalt geworden.“
Kind 3.0: „Isch zieh misch nisch an. Isch bin ein Wookiee.“
„Auch Wookiees müssen sich anziehen…“
Kind 3.0, empört: „Gar nisch!“
„Was ist denn ein Wookiee? Ist das ein Ewok?“
Kind 2.0 verdreht schweigend die Augen.
„Is mir jetzt auch egal. ANZIEHEN!“

Am Nachmittag. Stimmen aus dem Kinderzimmer. Geschrei. Handgemenge.
Kind 2.0: „MAMAAAAA! Kind 3.0 hat gesagt, ich stinke wie die Gedärme eines Tauntauns!!!“
„Kind 3.0! Kind 2.0 stinkt nicht!“
Kind 3.0: „Wohl! Tauntaun-büüüäähhh!“
(Ich überlege kurz, ob eine erzieherische Intervention notwendig ist, dann wechsle ich lieber das Thema.)
„Wohin wollen wir dieses Jahr in den Urlaub fahren?“
Die Kinder im Chor: „Tatooine! Krayt-Drachen-Skelette anschauen:“
„Die gibts doch nicht echt.“
„Wohl.“
„Nein!“
„Doch, Mama!“
„Jetzt ist aber Schluss!“ Ich schlappe ins Bad und schließe die Tür.

Ich sitze am Klo.
„Mamaaaa????“
„Ist es ein Notfall? Ihr wisst – die Regel lautet: Nur wenn Blut fließt oder ein anderer Notfall eintritt, darf man mich stören…“
„NOTFALL MAMA!!!“
„Hmpf“
Ich wasche meine Hände. Gehe ins Kinderzimmer: „Was ist denn?“
Kind 3.0: „Wie schwer ist eigentlich Darth Vader?“

So geht das. Seit Wochen und ich habe keine Ahnung, wovon die Kinder sprechen und das faszinierende: Sie haben noch nie einen Star Wars Film gesehen. Aber sie wissen alles. Die Kinder in der Schule und im Kindergarten erzählen sich alle Details und flüstern die Legenden. Nur ich, ich hab keine Ahnung.

Deswegen habe ich die ganzen Star Wars Filme in Machete Order geschaut: IV, V, II, III, VI und I muss man nicht schauen.

Was ich gelernt habe:

  • Die Skywalkers schlagen sich gerne gegenseitig die Hände ab. Überhaupt Hand ab, Bein ab (auch bei AT-ATs) und Kopf ab, ist ein großes Ding bei Star Wars.
  • Einen Wookiee als Freund zu haben, ist eine gute Sache.
  • Wenn man als Frau ordentlich kämpfen will, trägt man flache Schuhe. Wenn man keine Schuhe trägt, dann braucht man wenigstens eine Kette um unliebsame Hutts zu erwürgen (Hutt ist nicht der Nachname von Jabba. Jabba ist ein Hutt. Sein korrekter Name ist Jabba Desilijic Tiure. Yoda hingegen ist der Nachname von Yoda. Der heißt nämlich Minch mit Vornamen und zu welcher Spezies er gehört, weiß man nicht so genau.)
  • Ob gut oder böse, erkennt man an der Farbe des Lichtschwerts. Wenn humanoide Lebensformen kein Lichtschwert tragen, ist es relativ schwer herauszufinden, ob sie böse (also „Sith“) sind. Man kann dann ein philosophisches Magazin mit der Frage „War Heidegger ein Sith Lord?“ befüllen.
  • Freundschaft und Liebe tragen jeden Film. Special Effects und Kostüme nicht.
  • Der erste Teil von Star Wars hieß ganz zu Beginn schlicht „Star Wars“. Erst als er ein Erfolg war, kam Episode V „The Empire Strikes Back“ ins Kino und aus dem ersten Teil wurde „Star Wars Episode IV: A New Hope“. Episode VI hieß übrigens eine kurze Zeit „The Revenge Of The Jedi“ und wurde unbenannt in „The Return Of The Jedi“. Da bereits Merchandise produziert und verkauft wurde, ist jeder, der irgendwas mit „Star Wars – The Revenge Of The Jedi“ besitzt jetzt sehr wohlhabend.
  • Apropos: Gerüchte besagen dass es ohne Star Wars Merchandise heute kein Lego mehr gäbe. Das ist einer intensiven 3 minütigen Recherche zufolge Unsinn.

Ich bin während der fünf Filme mehr als sieben mal eingeschlafen. Aber ich bin hart geblieben. Ich habe immer weiter gemacht. An Episode II und III kann ich mich trotzdem nicht erinnern. Seelenloser Müll. Um sich die ganzen Details zu merken, die die Kinder kennen, musste ich die Filme insgesamt 37 Mal stoppen und googeln.

Jetzt weiß ich alles und möchte ein Ewok-Baby adoptieren und es Han Solo nennen. Auch wenn es ein Mädchen ist.

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Mühsam ernährt sich das Einhörnchen

Es soll sie ja geben, diese Reizthemen bei Eltern: stillen, impfen, Familienbett.
Schon lange nichts mehr darüber geschrieben…

Viele Jahre war ich große Freundin des Familienbetts. In der Zwischenzeit sind die Kinder relativ groß. Das Jüngste, Kind 3.0, ist mittlerweile schulreif. Dennoch schläft es immer noch gerne in meinem Bett.

[caption id="attachment_7131" align="alignnone" width="745"]fambett2011 Die Hälfte des Familienbetts 2013[/caption] [caption id="attachment_7129" align="alignnone" width="640"]fambett2015 Fast kein Familienbett mehr 2015[/caption]

Ich habe an sich nichts gegen das gemeinsame Schlafen… es hat nur einen klitzekleinen Nachteil: Ich kann so nicht (mehr) schlafen. Zu Baby- und Kleinkindzeiten war das kein Problem. Ich war entweder dermaßen erschöpft oder ich war irgendwie hormonell anders eingestellt, genau weiß ich es nicht, jedenfalls, ich konnte ganz OK schlafen, obwohl Kind 3.0 schon immer viel gezappelt hat (wohingegen Kind 2.0 wie eine Mumie schläft).

Wir haben also die ersten Jahre gemeinsam in einem großen Bett geschlafen. Wobei ich ehrlich sagen muss, wie groß das Bett ist, ist letztendlich egal, das Kind sucht ja die elterliche Nähe und ob man da 2 Meter Matratze hat oder 90 Zentimeter – am Ende liegt das Kind quasi auf einem oder quer im Bett und man selbst auf der äußersten Kante (Hierzu unbedingt, wer es noch nicht kennt, die Baby Sleep Positions anschauen).
Im Kindergartenalter haben wir es dann mit eigenen Kinderbetten versucht. Das Schlafzimmer war direkt neben dem Kinderzimmer, die Tür immer geöffnet und viele Nächte schlüpfte Kind 3.0 dann doch wieder ins Elternbett.

Vor zwei Jahren dann, habe ich mich von meinem Mann getrennt und deswegen natürlich erstmal nicht an dem Thema „Ich würde gerne alleine schlafen“ gearbeitet. Als ich nach einem halben Jahr das Gefühl hatte, der neue Familienzustand hat sich gut eingependelt, habe ich versucht, Kind 3.0 schrittweise auszulagern.

Bei einer Freundin hatte ich beobachtet, wie schwierig es wird, wenn das Kind das Elternbett für das eigene Gebiet hält und dann doch eines Tages ein neuer Partner dazu kommt. Diesen Konflikt wollte ich unbedingt vermeiden. Ich hab also gut ein Jahr alleine in meinem Bett geschlafen und Kind 3.0 kontinuierlich wieder ins Kinderbett getragen und morgens, nachdem der Wecker geklingelt hat, wieder zu mir geholt, um das gewünschte Schmusen nachzuholen.
Das hat eigentlich ganz gut geklappt.

Die Zeit der Trennung hat aber einige Nebeneffekte für mich gehabt. Ich habe mein eigenes Leben wiederentdeckt. Ich war plötzlich nicht mehr die Muttermaschine, die alles abwickelt, immer für andere da ist und abends totmüde und erschöpft in die Bettdecke sank.
An den kinderfreien Wochenenden konnte ich „ausschlafen“ (bis 8.30 Uhr!!1!), einfach gar nichts tun und meinen eigenen Interessen nachgehen. Selbst wenn ich Haushaltsaufgaben erledigt habe, ging das ungefähr drei Mal so schnell. Ich wurde wieder ein eigenständiger Mensch.

Ich hab mich in meinem symbiotischen Zustand vorher nicht schlecht gefühlt und nichts vermisst, aber nach und nach hab ich ein anderes Gefühl bekommen und damit verbunden ist der Wunsch gewachsen mich etwas abzugrenzen.

Das Familienbett war bis dahin eigentlich eine Art Matratzenlager. Matratzen auf Lattenrosten in Bodennähe. Ich bin dann irgendwann vom Matratzenlager zum eigenen Bett gewechselt. Das war ein unglaublicher Luxus. Ein eigenes Bett und nicht mehr in Bodennähe schlafen. Toll!

Es hat nochmal drei Monate gedauert und dann habe ich für mich beschlossen, dass es OK ist, meine Schlafzimmertür zu schließen. Wieder einige Monate später habe ich mich entschlossen in ein anderes Zimmer zu ziehen.
Am Anfang war das für mich gewöhnungsbedürftig. Es hat sich angefühlt, als sei ich von meinen Kindern weg, in eine andere Wohnung, gezogen.

Kind 3.0 wandert nun Nacht für Nacht durch die Wohnung und kriecht wieder in mein Bett. Manchmal bin ich wach genug, freundlich zu bitten, dass es in sein Bett zurück geht (was oft klappt) – manchmal bin ich aber so müde, dass ich nicht merke, dass es unter meine Bettdecke schlüpft – andere Male wache ich, sobald es da ist, (gefühlt) im 20 Minuten Takt auf und bin morgens völlig gerädert.

Es wird noch eine Zeit dauern bis mein Kind nicht mehr zu mir kommt. Aber ich merke, dass ich mir wünsche jetzt doch endlich wieder durchschlafen zu können. Diese Superkraft habe ich mir mühsam wieder angeeignet.
Gerne können morgens alle Kinder in mein Bett hüpfen, gerne können sie auch in meinem Bett einschlafen, aber am Ende möchte ich die Nacht doch für mich haben und schlafen.

Wenn ich Kind 3.0 wegschicke, dann komme ich mir manchmal grausam vor. Andererseits denke ich, dass ich ein Recht auf meine Privatsphäre habe. Es gibt jetzt tatsächlich einen anderen Erwachsenen, mit dem ich mein Bett teilen möchte und da ist ein Kind, das quer zwischen uns liegt, nicht unbedingt der Idealzustand.

Ich versuche mir dann zu sagen, dass es in dem Alter vielleicht doch OK ist.
Die anderen beiden Kinder haben sich schon in der Kindergartenzeit von alleine entschlossen nicht mehr im elterlichen Bett zu schlafen. Wann das jüngste Kind soweit ist… es bleibt spannend.

Oh, jetzt hab ich vergessen das Empörungspotential zum Thema auszuschöpfen! Also Kurzfassung: Auch wenn mein schlechtes Gewissen mich plagt, aber aus rein egoistischen Gründen möchte ich, dass die Tage des Familienbetts gezählt sind.

Bitte duelliert euch nun mit Kommentaren pro und contra Familienbett und zählt bitte nochmal die Orte auf, an denen man außer im eigenen Bett Sex haben kann. Das gehört zu jedem guten Familienbettartikel, oder nicht?

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12 von 12 im September

Der 12. fällt auf einen Samstag. An Samstagen übe ich im Bett bleiben und zwar bis mindestens 8.30 Uhr! Den Kindern habe ich Müsli in die Küche gestellt. Jedenfalls habe ich das versprochen. Punkt 6 Uhr schreit Kind 3.0 deswegen: „Wo is das Müsli, Maaaammmaaaa???“

Tja. Hätte ich das mal lieber am Abend rausgestellt. Bis 7 Uhr wälze ich mich noch im Bett hin und her, dann hole ich mir einen Kaffee. (Weil so oft gefragt wurde, die hübschen Rules-Tassen kann man sich bestellen).

01

Wir fahren heute Mittag mit dem Berliner Familienpass zum Märkischen Lamahof in Mittenwalde. Die Fahrt dorthin ist theoretisch nicht so weit. Auch wenn ich immer mit Navi fahre, schaue ich mir vorher die Strecke an. Das würde Manfred Spitzer so wollen.

02

Leider sind Theorie und Praxis zwei unterschiedliche Dinge. Die tatsächliche Fahrt ist ein Höllenritt durch alle Verkehrsknotenpunkte Berlins, weil die Warschauer Straße gesperrt ist und ich nicht über den Plänterwald raus auf die Autobahn fahren kann.

Ich habe meinen Führerschein seit ich 18 bin, aber ich bin nie zur leidenschaftlichen Autofahrerin geworden. Ich fahre wenn ich fahren muss. V.a. aber weil Kind 2.0 mal fragte: „Mama, dürfen Frauen in Deutschland eigentlich auch Autofahren?“.

04

Wir haben genug Puffer eingeplant und stehen jetzt ein bisschen am Parkplatz rum und schauen uns Frösche am Wegesrand an.

05

Dann gehts los! Die ganze Gruppe, sieben Familien laufen zur Lama und Alpaka-Weide. Die Alpakas sehen aus wie überdimensionierte Pudel. Wenn sie rennen, wackeln ihre Puschel.

06

Je nach Größe des jüngsten Kindes werden einem ein Lama (größer) oder ein Alpaka (kleiner) zugeteilt. Wir bekommen Mogwli, einen 13 jährigen Mischling.

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Die Kinder führen die Tiere selbst. Wir machen eine kleine Wanderung und ein Gruppenbild.

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Die Gegend dort ist wunderschön. Nächsten Sommer kommen wir zum Schwimmen her.

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Nach vier Stunden sind wir zurück. Ich bin total unterzuckert. Wir springen ins Auto und rasen nach Berlin, um dort Pizza essen zu gehen.

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Danach gehen die Kinder ganz Alpaka beseelt ins Bett und wir spielen noch eine Runde Playstation. Das Spiel wurde uns ziemlich oft empfohlen. Ich finde es bislang eher langweilig. Wie lange muss man spielen, bis es los geht? Kommt da mehr als Teenieklischeehorror?

12

 

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Gestern habe ich Abitur gemacht

Gestern habe ich mein Abitur geschafft. Notendurchschnitt 2,0 nur – aber immerhin. Ich war reich und sehr gesund und bis zum Ende meines Lebens musste ich kein einziges Mal arbeiten. Ich hatte eine Luxuswohnung und einen Mann, der fast Bürgermeister geworden wäre. Die Flitterwochen auf der Insel waren, naja – nicht so wie ich es mir vorgestellt hatte, denn man musste Elche abschießen – dafür hab ich mich aber tätowieren lassen. Ich war übrigens Wahlhelferin und Sie werden es nicht glauben, aber in der Chefetage wird geraucht, man trinkt Martini und im Hintergrund laufen asiatische Pornos, während man darüber diskutiert in was man die Steuergelder investiert.

Keine Sorge, ich bin nicht verrückt geworden, ich habe nur „Das Spiel des Lebens“ gespielt. (Wer denken könnte, dass das Spass macht, bitte nicht weiterlesen, am Ende werden Sie mich hassen, es sind nämlich alle Vorstellungen bereits ausverkauft).

Foto 1 (1)

Es ist Samstag Abend, 19h, ich bin etwas aufgeregt. Gleich werde ich geboren. Die Tür ist eine pinkfarbene Vagina. Da muss ich erstmal durch. Auf der anderen Seite stehen zwei Leute und begrüßen mich: „Hallo! Herzlichen Glückwunsch zu Deiner Geburt!“ Ich bin ein bisschen erleichtert, denn als ich durch die Vagina schritt, hatte ich Angst, dass ich womöglich mit einem Eimer glibbrigen, roten Schmodder überschüttet werde – für die Authentizität des Erlebnisses. Anstatt dessen darf ich mir ein Kärtchen ziehen, es wird ein Foto gemacht und man stellt mir die alles entscheidende Frage: „Wer willst du sein?“ PANIK, ICH MUSS JETZT WITZIG UND KREATIV SEIN. Hinter mir warten 29 andere Menschen gespannt auf ihre Geburt. „Patricia!“, platzt es aus mir. Herzlichen Glückwunsch, du bist so kreativ wie ein Käsebrötchen und zwar mit Butterkäse!1!!, denke ich mir.

Foto 1

Ich schreibe den Namen auf mein Identitätskärtchen, es wird ein Foto von mir gemacht. Auf meinem Kärtchen steht, dass ich reich bin und vermutlich gesund, denn der Wert hinter dem Arztköfferchen beträgt 75. Bei der Sonne steht „0“. Gemeinsam mit den anderen frisch Geborenen beschließen wir, dass es um Karma geht, dass wir erst sammeln müssen. Die anderen Buchstabenkombinationen sagen mir nichts. Wir warten gemeinsam auf die Einschulung.

Foto 2

Als alle MitspielerInnen geboren sind, geht die erste Tür auf. Über der Tür steht „Schule“. Unsere Lehrerin begrüßt uns und führt uns in einen kargen Raum mit Schulbänken. Die Fenster sind geschmückt mit selbstgebastelten Papierchen. Auf den Tischen sind Sprüche gekritzelt. Wir werden nach Status geordnet. Ich komme zu den Reichen ans Fenster. Die Armen – es sind viel mehr – teilen sich den knappen Platz auf der anderen Zimmerseite. Nach ein wenig Vorgeplänkel müssen wir den Abschlusstest machen. Wir erhalten einen Doppelbogen mit Aufgaben. Wir Reichen dürfen beginnen. Die armen Kinder fangen erst später an und müssen früher aufhören. Ich bin aufgeregt. Ich habe 15 Aufgaben zu lösen. Ich schaue mir zuerst die Bepunktung an und entscheide welche Aufgaben ich zuerst löse. Manche Fragestellungen verstehe ich nicht. Ich schreibe bei meinem Sitznachbarn ab. Der ist empört, aber was solls, es geht hier schließlich um meinen Abschluss.

13,5 Punkte habe ich am Ende. Das ist Abi mit Note 2,0. Ich bin peinlich berührt. Einige der armen Kinder haben bessere Noten, obwohl sie viel weniger Zeit hatten. Hoffentlich reicht das. Für was eigentlich?, der Referendar, der mir mein Abi überreicht, empfiehlt mir die Uni. Wir werden entlassen und dürfen in den nächsten Raum. Ich steuere auf die Uni zu. Ich sehe eine Bühne, eine Bar, viele verschlossene Räume: Amt, Bank, Fitnessraum, Nest, Krankenhaus, Raum der Stille, Chefetage…

In der Uni suche ich mir einen Studiengang. Endlich kann ich tun, was ich im echten Leben hätte tun sollen: ich strebe eine Karriere im Öffentlichen Dienst an. Dafür muss ich eine Liste auswendig lernen. Neben mir tippt einer auf der Schreibmaschine einen Text ab. Ein anderer schreit „Lass den Hass raus“. Zwei Menschen mit Schwimmärmchen steigen auf eine Leiter und singen. Es ist chaotisch. Egal, ich muss das nicht verstehen, ich muss diese Liste auswendig lernen. Zehn Minuten später bin ich so weit. Vorsichtshalber kritzele ich mir ein Akronym der Liste als Spickzettel auf meinen Handrücken. Es dauert ziemlich lange bis ich die Aufmerksamkeit der Leiterin der Uni auf mich ziehen kann. Ich werde immer aufgeregter. Was wenn ich den Test nicht bestehe?

„So, jetzt bitte auf die Leiter steigen! Ich bin jetzt bereit Ihre Prüfung abzunehmen“, sagt die Dame. Ich klettere die Leiter hoch. YES! Ich bestehe auf jeden Fall, oben kann die Professorin nicht sehen, wenn ich spicke, freue ich mich. Ich bin immer noch zittrig. „Welchen Tag haben wir heute?“, fragt die Professorin. „Samstag?“, antworte ich zögerlich. „Super, Sie können runter kommen, Sie haben bestanden!“ Ich bin empört! Aber die Liste! „Ich habe doch extra diese Liste auswendig gelernt?“ Die Professorin winkt ab: „Ach was! Für den öffentlichen Dienst muss man doch nichts können. Sie haben eine 1+ und 1.000 Karmapunkte extra.“ Sie scannt meine Identitätskarte und gibt irgendwas ein.

„Und jetzt?“, frage ich. „Ab zum Amt!“

Foto 2 (1)

Ich laufe also zurück und klopfe zögerlich an die Tür auf der „Amt“ steht. Der Vorraum ist laut. Ich höre nicht, ob innen jemand antwortet und öffne zögerlich die Tür. Ich sehe: NICHTS. Gleißendes Licht blendet mich von vorne, der Raum ist mit Fäden verspannt, eine Stimme vom anderen Ende ruft: „Bitte erst eintreten, wenn Sie aufgerufen werden.“

Ich gehe wieder raus. Wenige Sekunden später kommt jemand aus dem Raum. Ich öffne die Tür und krieche unter den Fäden nach vorne. Eine streng dreinblickende Dame begrüßt mich. „Wie kann ich Ihnen helfen?“ „Ich möchte eine Karriere im Öffentlichen Dienst anstreben.“ „So, so, zeigen Sie mal ihr Kärtchen“ Ich zeige mein Kärtchen, es wird wieder gescannt. „OHA!“ Die Dame ist angetan. „Sehr gut! Sie haben einen Abschluss mit eins, zwei, drei, vier, fünf, … zwölf Sternchen! Respekt!“ Ich bin etwas stolz. Öffentlicher Dienst, das war ja eigentlich schon immer mein Traum. Wir unterhalten uns wie schön und bereichernd es ist im Amt zu arbeiten. Schlussendlich bekomme ich eine Aufgabe. Ich erhalte eine laminierte Karte und soll draußen Leuten auf französisch erklären mit welcher Ausbildung sie an welchen Job kommen. „Ich kenne mich aus! Ich habe die ganze Liste auswenig gelernt!“, prahle ich. „Wirklich?“ Die Dame vom Amt strahlt mich an „Lassen Sie mal hören!“ Ich sage brav meine Liste auf – ohne spicken! Ich habs noch drauf, wie damals im echten Leben in der Schule. Ich bin die größte Auswendiglernerin sinnloser Fakten ever! Gut gelaunt krieche ich aus dem Zimmer. Draußen hab ich dann aber keine Lust zu arbeiten und setze mich erst mal an die Bar. Ich bin durstig und bestelle ein Wasser. Ein junger Mann setzt sich neben mich. „Hallo, ich bin Paul.“ Wir stellen uns vor, er lädt mich zu einem Bier ein. Paul will Bürgermeister werden. Ich soll seine Wahlhelferin sein. Ich denke an The Good Wife. Gerade hat sich die Staffel damit beschäftigt, Alicia zum States Attorney zu machen. Ich glaube, ich bin optimal für den Job vorbereitet. Ich willige ein. Ich werde Paul unterstützen. Stimmen für ihn sammeln. Ich bekomme dafür eine Luxuswohnung, das verspricht er mir. Paul sieht vertrauenswürdig aus. Per Handschlag bestätigen wir unseren Deal. Ich trinke mein Bier aus und krieche ins Amt zurück. Die Dame und ich sind bereits so gut befreundet, dass ihr gar nicht auffällt, dass ich faul war. Sie schenkt mir eine ihrer beiden Halsschleifen. Wir sind jetzt quasi Schwestern.

Foto 3

Die Luxuswohnung hab ich schon mal in Aussicht, um in die Chefetage zu kommen, muss ich noch heiraten, erfahre ich. Also ab zum Speeddating. Während ich die Macarons, die da auf dem Tisch stehen, in mich rein schaufle, stelle ich meinem Gegenüber Fragen, die in kleinen rosafarbenen Umschlägen vor mir liegen. Der Typ scheint in Ordnung zu sein. Ich kann mir eine Hochzeit vorstellen (mal angesehen davon, die anderen Tische sind gerade leer, es gibt im Moment nur den einen und ich habe Karriereziele!).

Foto 4

Wir stellen uns jeweils drei Fragen, dann ist klar, wir werden heiraten und zwar noch an Ort und Stelle. Diesmal sogar mit Goldringen. Das hat im echten Leben ja nicht geklappt. Die Zeremonie ist kurz, aber sehr romantisch. Wir müssen wieder zum Amt, um unser Dokument zu holen. Vor uns eine lange Schlange, als sich die Tür öffnet, greift mich mein Mann und zieht mich an der Schlange vorbei in den Raum. Hinter uns lauter Protest: „Hey! Wir warten viel länger!“ Mein Mann, er heißt übrigens Manfred, hat sich auf den Boden geworfen und robbt wie ein Soldat Richtung Amtsdame, ich staksel ihm würdevoll hinter her. Wir nehmen gemeinsam auf dem einen Stuhl, der da steht, Platz und erläutern unser Anliegen. Unsere Karten werden gescannt. „Jetzt noch das Ehegattensplitting“ stellt die Dame vom Amt fest und ich denke „Verdammte Scheiße! Schon wieder! Schon wieder nicht an dieses ******** Ehegattensplitting gedacht.“ Immerhin bin ICH reich und keine Ahnung was Manfred ist. Am Ende hab ich Glück, Manfred hat 100 Geld mehr als ich. Die Hochzeit macht mich also wenigstens nicht ärmer. Die Dame vom Amt bewirft uns mit Reis. „Herzlichen Glückwunsch. Sie können jetzt gehen!“ Wir kriechen wieder aus dem Amt.

Dann geht alles ganz schnell: Wir kaufen gemeinsam eine Luxuswohnung. Meinen Anteil des Geldes bekomme ich von Paul. Er hat es wirklich geschafft und ist Bürgermeister geworden. Die nächste Legislaturperiode kandidiert Manfred auch zum Bürgermeister und verliert knapp. Ich drücke ihn, das hat er nicht verdient. Der Arme! Auf der Bühne war er großartig. Wir entschließen uns erstmal Flitterwochen zu machen. Geld genug haben wir, wir wählen den Luxusurlaub. Wir kommen in einen Raum mit Sand am Boden, trinken scheußlichen Erdbeerprosecco und lassen uns Partnertattoos machen. Manfred ist ein echter Romantiker.

Im Grunde wars das – mein Leben. Zeit für Kinder hatte ich nicht. Als ich mal am „Nest“ klopfe, bin ich schon 45. Zu spät dafür. Manfred wird zwischenzeitlich krank und verschwindet ziemlich lange. Ich nutze die Zeit und schaffe es in die Chefetage. Wenn schon keine Kinder, dann Karriere. Dort setze ich mich für Bildung und eine bessere medizinische Versorgung ein.

Draußen setzt laute Musik ein. Es geht aufs Ende zu. Wir werden bald alle sterben, schreit es aus den Lautsprechern. Ich bekomme Panik. Ich war noch gar nicht im Kunstraum oder der Fabrik. Hab keinen Sport gemacht. Überhaupt! Ich hab so viel verpasst, mir zu viel Zeit gelassen! Ich irre unentschlossen hin und her. Eine Frau mit großer Brille kommt auf mich zu, scannt meine Identitätskarte: „Sie müssen dringend arbeiten, es ist fast kein Geld mehr da!“ Was? Jetzt arbeiten? Ich bin doch schon im Rentenalter!, denke ich und setze mich an die Bar. Da taucht auch Manfred wieder auf.

Jetzt ist es soweit. Ich schaue auf die Uhr, fast 24h, wir sterben gleich alle. Wenigstens nicht alleine. Ich hab Manfred an meiner Seite und die anderen SpielerInnen sind auch da. Wir dürfen am Ende entscheiden, ob es im Leben Gewinner und Verlierer gibt oder ob wir alle einfach gemeinsam zu Asche werden. Die Mehrheit entscheidet sich für das klassenlose zu Asche werden. Wir sterben. D.h. die anderen sterben, ich hab eine Tür mit der Aufschrift „Unsterblichkeit“ gefunden, durch die gehe ich.

Foto 5


Mehr zum Spiel des Lebens, hier auch als Radiobeitrag und als Video.

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Aufzughonks

Es gibt Dinge, die sind unsichtbar bis man Kinder bekommt. Ein bisschen kennt man das aus der Fahrschulzeit. Wenn man den Führerschein macht, fahren plötzlich überall Fahrschulautos herum. Vorher gab es die gar nicht und nach ein paar Jahren sieht man sie auch nur noch selten.

Jedenfalls. Fahrschulautos gibt es natürlich auch schon die 17 Lebensjahre bevor sie einem auffallen. Genauso wie abgesenkte Bordsteine und rücksichtslose Idioten, die ihr Auto genau dort abstellen. So dass man z.B. mit Rollstuhl oder Kinderwagen nicht richtig durchkommt.

Hachja. Sie merken. Mein Adrenalinpegel ist immer noch erhöht.

Jedenfalls: Was echt auch nervt: Aufzughonks

Das sind Menschen, die zwei gesunde Beine haben, die aber trotzdem unbedingt Aufzüge benutzen müssen. Ich denke, es sind vielleicht Menschen – man will ihnen ja nichts Böses unterstellen, die einfach nicht wissen, dass bestimmte Personengruppen auf das Benutzen von Aufzügen angewiesen sind und nicht wählen können, so wie sie es theoretisch könnten.

In Einkaufszentren z.B. die diese liebevollen Sperrpoller an den Rolltreppen haben, damit man diese nicht mit Kinderwagen benutzen kann. Oder in U- und S-Bahnen, auf deren Gleis man gar nicht erst kommt, wenn man mit dem Kinderwagen nicht den Aufzug benutzt.

Dass diese Menschen die Aufzüge verstopfen ist eine Sache. Leider korreliert mit der Eigenschaft „Aufzug verstopfen“ leider auch noch die Eigenschaft „Kann Aufzüge nicht benutzen“.

Im Grunde ist das sehr einfach. Es gibt ein Knöpfchen für „rauf“ und eines für „runter“. Wenn man rauf möchte, drückt man das … RICHTIG … Knöpfchen „rauf“. Wenn man runter möchte, Sie ahnen es? … das Knöpfchen „runter“. Nun passiert folgendes: Wenn der Aufzug kommt und nach oben fährt, erlischt das Knöpfchen „rauf“. Fährt er nach dem Stopp nach unten, bleibt das Knöpfchen „rauf“ beleuchtet. Dann muss man noch nicht einsteigen obwohl die Aufzugtüren sich öffnen. Weil man möchte ja rauf und nicht runter. Man wartet einfach. Der Aufzug kommt wieder, versprochen!

Ich schildere das selbe Szenario jetzt nicht für „Ich möchte eine Etage tiefer“.

Also was lernen wir daraus? Wenn man rauf will und man fährt dann runter, um gleich wieder rauf zu fahren, verstopft man den Aufzug doppelt. Für die, die runter fahren wollen und für die, die von unten rauf fahren wollen.

Außerdem ist daraus zu lernen: Wenn man rauf möchte, drückt man nicht „rauf“ UND „runter“. Das kann man machen wenn man zwei oder drei Jahre alt ist, da ist das völlig in Ordnung – aber ab – sagen wir 25 – sollte man das verinnerlicht haben.  Es ist immer eine ODER-Korrelation. Man möchte rauf oder runter.

(Wenn man wirklich runter – rauf – runter – rauf möchte, dann sollte man vielleicht über die Anschaffung eines Privataufzugs nachdenken mit dem man diese Lust richtig ausleben kann.)

Please repeat after me:

Wenn es keinen zwingenden Grund gibt, den Aufzug zu benutzen, dann benutze ich ihn nicht. Ich nehme die Treppe oder die Rolltreppe.

Wenn ich einen Aufzug benutze, überlege ich vorher, ob ich rauf oder runter möchte. Wenn ich rauf möchte, fahre ich nur rauf. Nicht runter und rauf. Ich fahre nur rauf. Wenn ich runter möchte, fahre ich nur runter. Nicht rauf und dann erst runter.

Ich drücke nicht alle Knöpfchen.

Alles gemerkt? Super. Schlagartig werden Sie von geschätzen 6,3 Mio Menschen lieb gehabt, die täglich auf die Benutzung von Aufzügen angewiesen sind.

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Wer joggt, liebt Podcaster

Weil ich vollmundig versprochen habe, beim nächsten Firmenlauf mitzumachen, gehe ich jetzt alle drei bis vier Tage laufen. Wer in meinem Blogarchiv die Worte „Joggen“ oder „Sport“ eingibt, wird feststellen, dass ich bislang nur Hohn für diese Art Freizeitgestaltung übrig hatte.
In der Zwischenzeit schaffe ich 5 km – aber entgegen aller Voraussagen, stellt sich nichts ein, das unter Spaß zu subsumieren wäre. Vom sagenumwobenen Runners-High gar nicht erst zu sprechen.  Im Großen und Ganzen bleibt es ätzende Quälerei.
Was mir am Laufen gefällt, ist die Flexibilität. Ich kann laufen wann ich will, ich kann die Kinder mitnehmen, ich kann laufen wo ich will. Und dass ich Podcasts hören kann, finde ich großartig. Im Alltag komme ich fast nie dazu oder die Kinder sind so laut, dass ich die Hälfte nicht verstehe.
Also lade ich mir vor dem Laufen einen Podcast runter und dann laufe ich los.
Während ich also so laufe, fiel mir meine Diplomarbeit ein. Ich habe über Liebe geschrieben.
Ein ganz interessanter Aspekt war für mich, dass völlig unspektakuläre Dinge beim Prozess des Verliebens eine Rolle spielen. Ein wichtiger Faktor ist zum Beispiel die räumliche Nähe. Ist ja auch einleuchtend. Die Wahrscheinlichkeit sich in den Nachbarn im Studentenwohnheim zu verlieben, ist ungleich höher als sich in den Freund vom Freund zu verlieben, der in Stockholm wohnt.

Auch gibt es Untersuchungsreihen die nahe liegen, dass Verlieben eigentlich etwas ist wie eine Fehlinterpretation von physiologischer Erregung.
Der Mensch versucht offensichtlich körperliche Zustände auf seelische Zustände zu attribuieren. Wenn man also merkt, dass das Herz stärker klopft oder das Blut in Wallung ist, dann sucht man unbewusst nach dem nächsten naheliegenden Grund. Hat man also gerade Kaffee getrunken, „weiß“ man: Ah, das Herzklopfen kommt vom Kaffee.
Leider irren sich solche Mechanismen gelegentlich oder sie funktionieren unsauber.
So sind Experimentalpsychologen auf die Idee gekommen, Männer über eine schwindelerregend hohe, klapprige Hängebrücke laufen zu lassen. Auf der Hälfte der Brücke stand eine attraktive Mitarbeiterin, die vorgab den Ablauf des Experiments zu prüfen. Sie bot den Männern ihre Telefonnummer an, falls es nachher noch Fragen gebe.

Das selbe hat man mit einer soliden Brücke gemacht. Siehe da. Die erste Gruppe rief signifikant öfter bei der Mitarbeiterin an und versuchte sich mit ihr zu verabreden. Sie hatten ihre körperliche Erregung misinterpretiert. Quasi derart „ah mein Herz klopft, dann muss ich diese Person sehr attraktiv finden“.

Daran musste ich neulich beim Laufen denken. Physiologisch bin ich nämlich höchst enerviert beim Laufen. Das Blut wallt, die Lunge bläht und transportiert Sauerstoff wie irre, mein Kopf ist auch nach dem Joggen zwei Stunden puterrot.

Ich frage mich also, ob das Langzeitauswirkungen hat. Also ob ich irgendwann zarte Verliebtheitszustände erleide, wenn ich die Stimmen der Podcaster höre, während ich fröhlich vor mich hinjogge.

Erschwerend kommt hinzu, dass ich kluge und gebildete Männer wirklich wahnsinnig toll finde. Der Podcaster als solches bietet außerdem ein verzerrtes Bild seiner selbst. Logischerweise referiert er über seine Spezial- und Interessensgebiete. Oft hat er ungeheures Fachwissen in einer beneidenswerten Tiefe zu seinen Themen vorzuweisen. Wenn er also in einem Podcast spricht, erscheint er viel klüger und viel gebildeter als er vermutlich in seiner Gesamtheit ist. Und ich denke mir dann: Ach so ein gebildeter Mensch! Wenn der zum Thema Kuhreiher schon so viel weiß! Meine Güte! Was weiß er dann zu generellen Themen alles! Und bestimmt viel mehr als ich! SO KLUG! Ahhh! <3! <3! <3!

Ähm ja und wenn ich es mir so überlege,  joggen ist doch ziemlich toll.

 

Update:

Podcast-Sammlung (Was nicht im Blog ist, ist nie mehr auffindbar)

SozioPod
Einschlafen-Podcast
Opa Harald erzählt
This American Life
Radiolab
Cocktailpodcast
Filmcast
Filmspotting
Kontroversum
Fireberg & Iceberg
Penaddict
Roderick On The Line
Geek Friday
One Bad Mother
Wer redet ist nicht tot

Über weitere Empfehlungen freue ich mich.

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Doppelter Blindversuch

Nachdem unser erster Versuch ein Dunkelrestaurant zu besuchen nicht sooo prickelnd war, hatte uns die Konkurrenz der unsicht-Bar – das Nocti Vagus – eingeladen, die beiden Restaurants zu vergleichen.

Mir wurde angeboten, dass wir einen Hauptgang sowie die Veranstaltung als solches kostenlos bekommen und lediglich die Getränke zu zahlen hätten. Weil ich zur Zeit nicht Bundespräsidentin bin und mir ausreichend Objektivität (trotz Einladung) zutraute, habe ich mich gefreut und das Angebot letzten Freitag angenommen. Die Kurzzusammenfassung lautet: Wenn man ein Dinner in the Dark erleben möchte, dann im Nocti Vagus und nicht in der unsicht-Bar.

Fangen wir mit den Dingen an, die eindeutig besser waren: Zu aller erst ist das Essen zu nennen. Es gibt ein vegetarisches Menü und ein Menü mit Rind, sowie ein Überraschungsmenü. Die beiden ersten sind komplett ausformuliert auf der Karte zu lesen – d.h. im Gegensatz zur unsicht-Bar weiß man, was man bekommt. Sollte einem das zu langweilig sein, kann man das Überraschungsmenü wählen. Mein Mann hat sich für das  Menü mit Rind, ich für das vegetarische Menü entschieden. Wir fanden es beide sehr lecker. Ich weiß nicht, ob das objektiv an der Zubereitung lag oder tatsächlich daran, dass wir schon wußten, was auf dem Teller liegen würde und die einzelnen Bestandteile lediglich identifizieren mussten – jedenfalls hat es wirklich hervorragend geschmeckt. Einen kleinen Schock haben mir lediglich die Salbeiblätter versetzt. Als ich sie auf der Zunge liegen hatte, hatte ich das Gefühl ein kleines, haariges Tier abzulecken. Nachdem mein Mann freundlicherweise ebenfalls an dem Tierchen leckte (das ich wieder aus dem Mund rausgeholt hatte) und sie als Salbeiblätter identifizierte, konnte ich sie problemlos essen und mich ihres Geschmacks erfreuen. Wie gesagt, ich fand mein Gericht sehr lecker – muss aber sagen, dass das Gericht meines Mannes nochmal köstlicher war. Da ich bereits im Dunkelrestaurant gegessen hatte, konnte ich die Situation für mich ausnutzen und mich umbemerkt vom Teller meines Mannes bedienen.

Übrigens wurden wir nebeneinander platziert (im ersten Dunkelrestaurant gegenüber). Das Nebeneinandersitzen hat mir deutlich besser gefallen muss ich sagen. Irgendwie fühlte ich mich nicht so alleine in der Menge. Apropos Menge. Das Nocti Vagus ist deutlich kleiner als die unsicht-Bar. Wenn ich es richtig verstanden habe, waren an dem Abend an dem wir dort waren rund 50 der 70 Plätze besetzt. Laut und stickig fand ich es dennoch. Ich denke, das liegt wahrscheinlich wirklich an der Situation, dass man weniger Sinne als gewohnt zur Verfügung hat. Allerdings haben sich die Gäste deutlich besser verhalten. Es gab kein Gepfeife, Gezische und andere Störgeräusche. Die Leute haben sich lediglich unterhalten.

In der Dunkelheit scheint das Gehirn den meisten jedoch etwas vorzugaukeln, was laut dem The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy Weltraummonstern ebenfalls zu schaffen macht: Einige glauben, man könne sie nicht hören, weil sie sich selbst nicht sehen können und plaudern deswegen völlig ungehemmt laut über ihr (Liebes)leben. An unserem Tisch gegenüber saß zum Beispiel ein ca. 25 Jahre alter Mann, der seiner Bekanntschaft sein komplettes Vorleben berichtete. Ich war kurz davor unter den Tisch zu krabbeln und seiner Begleitung zuzuraunen, dass sie doch einfach unbemerkt in der Dunkelheit verschwinden könne. Dem aufgeblasenen Typ (längste Beziehung 5 Monate wow! leider hätten ihn alle Frauen immer so gelangweilt) wäre das bestimmt erst in ein bis zwei Stunden aufgefallen.

Unsere Bedienung war übrigens tatsächlich unsichtbar. Sie hat es z.B. geschafft den Tisch abzuräumen ohne das wir etwas gemerkt haben. Außerdem war sie sehr freundlich und hat uns eingewiesen. Genau so wie der Kellner im Bereich des Restaurants in dem man noch sehen kann. Es wurde wirklich viel und genau erklärt und das gibt in der Dunkelheit selbst ein viel besseres Gefühl. (Da ich auf der Gästeliste stand, weiß ich natürlich nicht, ob es da einen Vermerk gab à la „Vorsicht bloggender Gast, bitte freundlich sein!“)

Gut gefallen hat mir der schön gedeckte Tisch. Zu ertasten war eine Tischdecke, eine Stoffserviette und das Besteck. Das fand ich viel schöner als den nackten Holztisch der Konkurrenz. Die Sitze waren gepolstert und sehr sauber. Hier konnte ich keine verkrusteten Essensreste ertasten.

Highlight des Abends war das Theaterstück in der Dunkelheit (Krimi Dinner). Das war wirklich kurzweilig und spannend – teilweise musste ich mich sogar ein bisschen gruseln und mich an meinen Mann drücken, weil beispielsweise plötzlich leuchtende Augen vor mir auftauchten oder in einer Szene, die in der Pathologie spielte, ein buckliger (?) Verrückter von Tisch zu Tisch „sprang“.

Weil wir keinen Nachtisch hatten, ließen wir uns nach dem Theaterstück von unserer Bedienung wieder nach draußen bringen. Oben wurde man erstmal freundlich gefragt, ob man einen schönen Abend gehabt hätte und ob man noch etwas für uns tun könne – erst dann wurde man gefragt, ob man zahlen wolle.

Mein Fazit: Wenn man mal etwas mit „Event-Charakter“ unternehmen möchte, dann kann man gut in das Nocti Vagus gehen. In der unsicht-Bar hatte ich das Gefühl, dass wir wie Kühe durch eine herzlose Event-Maschinerie getrieben wurden, um am Ende gemolken zu werden. So war das im Nocti Vagus gar nicht. Wir wurden freundlich und kompetent behandelt, das Essen war gut, das Theaterstück spannend und dass es laut und stickig ist, scheint in der Natur der Sache zu liegen.

Außerdem ist das Nocti Vagus deutlich billiger. Wenn man ein 3-Gänge-Menü ohne Event bucht, ist man mit rund 35 Euro dabei. Mit Event zahlt man rund 60 Euro plus Getränke (was dem Dinner in the Dark ohne Theaterstück in der unsicht-Bar entspricht).

Ach, die unsicht-Bar behauptet ja 32% dunkler als alle anderen Dunkelrestaurants zu sein. Tatsächlich hatten wir zumindest den Eindruck, dass es in der unsicht-Bar wirklich dunkler war. Meinem Mann und mir hat das Gehirn zumindest im Nocti Vagus graue Schemen vorgegaukelt – obwohl man gleichzeitig den Eindruck hatte, dass es stockfinster war.

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