Wunderbarer Winterurlaub

Winterurlaub
Winterurlaub an der Ostee: zu perfekt

Mein Partner, der relativ viel mit Computerspiele zu tun hat, hat es vermutlich geschafft uns alle k.o. zu schlagen und VR-Brillen aufzusetzen, ohne dass wir es gemerkt haben.

Das ist jedenfalls die naheliegendste Erklärung für den Umstand, dass wir gerade ein freistehendes, bezahlbares Häuschen mit Kamin 50 Meter von einem Ostseestrand beziehen und es zu schneien beginnt.

Als ich mir die Inneneinrichtung und die Deko der Ferienwohnung anschaue, bin ich mir sicher: sowas gibt es nicht in echt. Man hat mir ein VR-Feriendings implantiert. In der Real World gibt es keine dezente und ansprechende Deko. Nie.

Winterurlaub
Deko im Ferienhaus, bei deren Anblick man nicht erbrechen muss: unrealistisch

Auch die Kinder sind verdächtig gut gelaunt. Sie gehen am folgenden Abend ohne Murren ins Bett, willigen sogar in die regelmäßige Durchführung von Körperhygiene ein und schlafen bis 8 Uhr.

Mein Freund, ich erwähnte an anderer Stelle, dass er gar nicht mal so dumm ist, weiß natürlich, dass ich weiß, dass eine allzu perfekte Winterferienumgebung verdächtig erscheinen würde. Das mit den dicken, herumwirbelnden Schneeflocken konnte er sich aber nicht verkneifen. Schließlich hatten wir bislang alle Winterferien im Schnee verbracht und Schnee am Meer ist besonders romantisch. Also hat er sich diverse andere Elemente ausgedacht, alle für sich höchst unperfekt, so dass ich ingesamt denken muss: „Hm, virtuelle Realität kann das nicht sein, da wäre alles wunderbar. Aber weil es eben nicht alles perfekt ist, haben wir dieses Jahr einfach nur Glück mit unserer Unterkunft, dem Wetter und der Lage.“

Naheliegend ist dieses Vorgehen, denn so weckt er keinen Verdacht, dass ich einem Fake-Urlaub aufsitze. Tatsächlich bin ich in Wirklichkeit wie in der Matrix nackt in einem Kasten voller Glibber an irgendwelche technischen Geräte angeschlossen.

Das erste Feature der Furchtbarkeit entdecke ich am Morgen. Es ist der Kaffee. Es gibt nur Filterkaffee und egal in welchem Verhältnis man Wasser und Pulverkaffee zusammensetzt, er schmeckt bitter und verbrannt. Im Abgang hat er einen leichtes Kotzearoma und wenn man zum Trinken ansetzt, erinnert der erste Geschmackseindruck, der eigentlich nur ein Geruch ist, an abgestandenen Aschenbecher.

Natürlich kann man auch nirgendwo guten Kaffee kaufen. Am Sonntag ohnehin nicht, außerhalb der Saison auch unter der Woche nur schwer und wenn, dann handelt es sich um Bäckerei-Kaffee aus Automaten, die einfach seit der Eröffnung der Traditionsbäckerei – also seit 1865 – laufen. Der Kaffee ist zu dünn, zu bitter, zu verbrannt, zu bah. Wenn man Cappuccino bestellt, wird auf den Kaffee einfach Sprühsahne gesprüht (mit Kakaopulver!) oder aber man erhitzt in einem Extragefäß liebevoll Magermilch auf 90 Grad (stellt dabei sicher, dass das letzte Bisschen Milchzucker abgetötet ist) und schüttet dann die viel zu heiße Milch wieder auf den eben erwähnten Bitterkaffee. Bei näherer Betrachtung der versifften Erhitzungsdüse bin ich sogar recht froh, dass alles ordentlich erhitzt wurde, so dass ich nicht an einer Bakterieninfektion sterben muss. Berliner Kaffeehipster schimpfe ich mich selbst. Es wird doch EINMAL eine Woche ohne Kaffee gehen, während ich google, ob es Koffeinkaugummis gibt, die ich übergangsweise kauen kann.

Als zweites Urlaubsechtheitsfeature hat er sich überlegt, dass sich die Kinder jeden Strandspaziergang nasse Füße machen. Das hat mich insofern überrascht als dass die Kinder eigentlich schon lange aus dem „Mama-hat-Wechselklamotten-dabei“-Alter heraus sind und gefütterte Gummistiefel tragen.

Den ersten Tag kommen wir 400 Meter weit bis es das erste Mal passiert. Ich ziehe bei -6 Grad meine Socken aus und reiche sie dem weinenden Kind, das die eigenen nassen Eissocken auszieht und gegen meine tauscht. Wir gehen zurück in die Ferienwohnung.

Am zweiten Tag kommen wir 800 Meter weit. Der Wind ist viel kälter als am Vortrag und ich bin eigentlich fast schon erleichtert, dass es passiert, denn dann haben wir einen Grund wieder zurück zu gehen.

Am dritten Tag scheint die Sonne und ich sage leichtfertig: „Ihr könnt gerne schwimmen gehen.“, worauf eines der Kinder enthusiastisch die Schuhe abstreift und im hohen Bogen ins Wasser wirft.

„Sehr, sehr witzig, mein Lieber.“ denke ich bei mir und wir gehen wieder nach Hause.

Auch das nächste Realitätsfeature hat mich überrascht. Musste auch so sein, denn zu dem Winterwonderland-Szenario verkündet der Freund: „Wir haben übrigens eine eigene Sauna.“ Hammer! In einer kaum einsehbaren Ecke des 1.000 Quadratmeter großen Gartens steht ein hübsches Saunahäuschen. Am Abend werfen wir also unsere Klamotten von uns und laufen in Bademänteln zum Saunahäuschen, das schon auf lauschige 90 Grad angeheizt ist.

Als wir uns auf unsere Handtücher setzen um zu entspannen, sagt der Freund: „So fangen eigentlich Horrorgeschichten an.“ Ich denke sofort an Funny Games und die Kinder, die nicht mal den Film kennen, fangen gleich an zu wimmern: „Was wenn uns jemand in der Sauna von außen einsperrt???“ Da haben sie Recht. Außen war ein Riegel, den man vorschieben kann. Was wenn den jemand vorschiebt, während wir hier drin sind? Wir werden dann über Stunden und Tage bei 90 Grad gedörrt wie in einem Dörrautomaten. Ja, selbst wenn wir es überleben, werden wir aussehen wie getrocknete Apfel- oder Mangoscheiben. Heldenhaft erläutere ich in einem fünfzehnminütigem Vortrag, wie ich dann eine der Scheiben mit meiner bloßen Hand einschlagen werde und meinen Körper wie eine Schlange durch die Scherben ins Freie schlängeln werde um uns alle zu retten. „Äh, Mama, die Fenster kann man auch einfach am Griff öffnen“, entgegnet eines der Kinder nachdem es geduldig meinen Schilderungen lauschte.

Ja, OK. Das geht auch. Aber die eigentliche Gefahr geht ja vom Psychopathen aus, der sich in der Zwischenzeit in unser leerstehendes Haus geschlichen hat und dort unter unseren Betten auf uns wartet, um uns mit den stumpfen Messern[1] aus der Ferienwohnung zu massakrieren. Ein sehr unangenehmer Gedanke. Ich hoffe inständig, er bringt sein eigenes Mordwerkzeug mit.

Plötzlich erscheint die Variante, dass ich Dörrobst werde, sehr attraktiv und ich beschließe die restlichen Tage in der Sauna zu verbringen. Vielleicht gibt es auch einfach einen Stromausfall oder mein Blutdruck geht so in die Höhe, dass der Freund mir den Beatmungsschlauch der Matrix aus dem Hals reißt. Es hätte so ein schöner Urlaub sein können.


[1] Ferienwohnungen verfügen NIE über scharfe Messer.

Ferienwohnungsfeatures öffneten mir die Augen (naja fast)

Dieses Mal habe ich mich überreden lassen und im Urlaub mehr als 50 Euro pro Nacht ausgegeben. Das Resultat lässt sich sehen: Eine geräumige Ferienwohnung mit zwei Bädern.

Wer Kinder hat, weiß, dass zwei Bäder wirklich höchster Luxus sind. Man kann einfach auf Toilette gehen und wenn (wie immer) genau in diesem Moment eines der Kinder schreiend vor der Tür steht und verkündet, es müsse auch superdringend, ein Aufschub wäre auf keinen Fall möglich, die sofortige Einpullerung drohe, dann kann man ganz entspannt schreien: „NIMM DAS ANDERE BAD *********!!11!“

Im Vergleich zu den Ferienunterkünften, die wir aber bislang hatten, gibt es weitere Luxusbotschafter.

Da wäre zum einen das Feature Deko.

Die Wohnung verfügt z.B. über eine Vitrine mit Innenbeleuchtung. Am Tag des Einzugs, habe ich voller Freude ausgerufen: „Oh, schaut! Eine Vitrine!“

Die Kinder kamen interessiert angerannt und fragten: „Vi-trin-e? Was ist das?“ und Kind 3.0 betätigte dann gefühlte zweihundert Mal den Lichtschalter für die Innenbeleuchtung, während ich erklärte was eine Vitrine ist.

Da wir hier keinen Internetempfang haben, musste ich übrigens ohne googeln erklären. Meine letzte Vitrine hatte ich Anfang der 90er im Haushalt meiner Eltern gesehen. Ein schwerer Mahagonischrank, der nach Holzpolitur roch und einige, sehr bunte und sehr hässliche Bleikristallgläser und das Hochzeitsgeschirr beherbergte.

(Sie sehen schon, man kommt aus dem Erklären gar nicht mehr raus. Bleikristallgläser und Hochzeitsgeschirr…)

Ich versuchte es also mit: Eine Vitrine ist ein einsehbarer Schrank, der bestimmte Gegenstände des Haushalts, die aus irgendeinem Grund besonders sind, zur Schau stellt.

Auch sonst ist die Wohnung mit zauberhaften Details ausgeschmückt, die ganz sicherlich zu dem etwas übertriebenen Mietpreis beigetragen haben:

dekotraum
Die Ferienwohnung ist ein einziger Dekotraum

Kunstblumen, Vorhänge aus Kunstfasern, Klimbimbehängung an den Fenstern und aparte Skulpturen.

Die ersten Tage unseres Aufenthalts habe ich darüber nachgedacht, ob die Menschen, die diese Dinge erworben haben, tatsächlich finden, dass diese Gegenstände schön im Sinne von ästhetisch sind.

Ich gelangte dann aber zu der Einsicht, dass das unmöglich der Fall sein kann. Niemand kann diese Art Schmuck schön finden.

Was wäre aber die Alternative?

Kein Schmuck? Ok. Das ginge. Die meisten Anbieter von Ferienwohnungen, die weniger als 50 Euro pro Nacht kosten, verzichten vollständig auf Dekoration.

Nur – so schrieb ich ja schon zu Beginn – kostete diese Wohnung eben etwas mehr und der gehobene Anspruch braucht offensichtlich mehr als nur zwei Bäder.

Also schöne Deko kaufen?

Natürlich nicht. Man stelle sich die Diebstahlquote vor. Eine Ferienwohnung mit ausgesprochen ansehnlicher Deko ist ein fortwährendes Finanzrisiko.

Kaum hat man etwas schönes gekauft, zieht ein Ferienwohnungsgast ein, der nicht an sich halten kann und ein oder zwei Stücke der schönen Deko beim Auszug einsteckt und so tut als hätte es besagten Gegenstand nie gegeben.

Die Vermietenden müssten ständig nachkaufen.

Bei einer Saison von Mai bis September (5 Monate a 4 Mieterwechsel) und jeweils zwei entwendeten Gegenständen im Wert von 15 Euro beläuft sich der Schaden schon auf 600 Euro.

Würde man nun ständig die Deko nachrüsten, so schlüge sich das langfristig sicherlich auf den Mietpreis nieder, was dann aber bedeuten würde, dass man im Grunde mehr Deko kaufen muss, um den teureren Preis zu rechtfertigen und schwups befindet man sich ein einer Mietpreisspirale an der niemanden gelegen sein kann.

Also verzichtet man auf schöne Deko, kauft preisfreundliche Baumarktdeko und sorgt somit dennoch für kuschelige Ferienwohnungsatmosphäre.

Ganz einfach.

(Wie gesagt, hab ich durch anstarren der Deko in nur vier Tagen durch Nachdenken rausgefunden. Ich sag den Kindern ja immer, dass Nachdenken wirklich bei fast allen Problemen hilft. Es lohnt sich!)

Jedenfalls: Zwei Bäder und etwas Deko machen einen Mietpreis natürlich auch noch nicht fett.

Als weiteres Luxusfeautuere verfügt die Wohnung über Fernsehempfangsgeräte in jedem Zimmer. Wirklich in jedem Zimmer.

Die Kinder waren so begeistert, dass im Kinderzimmer ebenfalls ein Fernseher steht, dass sie die ersten Tage fasziniert den schwarzen Bildschirm anstarrten. Erst als die erste Woche fast vergangen war, fragten sie, ob sie das Gerät mal anschalten könnten.

Im Urlaub soll man ja alle fünfe mal gerade sein lassen und bekanntermaßen kann erfolgreiche Medienerziehung nur dann stattfinden, wenn der Umgang mit dem Medium erlernt wird. Das wiederum ist nur möglich, wenn man nicht verbietet sondern kontrolliert konsumiert.

Also an dem Tag im August an dem Bodenfrost angesagt war, sagte ich zu den Kindern: „Heute müsst ihr nicht schwimmen gehen, heute schauen wir fern!“

Erwartungsfroh schalteten wir also das Gerät an und schauten irgendwas. Ehrlich gesagt, kann ich mich wirklich nicht erinnern – denn das eigentlich interessante ist nämlich gar nicht das Programm sondern das sind – Sie ahnen es – die Werbepausen dazwischen.

Werbepausen sind ungemein faszinierend. Erstens sind sie unfassbar lang. Kind 3.0 lies sich in der ersten Werbepause (es war ja ahnungslos) wimmernd über die Bettkante fallen, es wollte doch sooo gerne weiter schauen, aber als die Geduld zu Ende war, war leider die Werbepause immer noch nicht am Ende… einfühlsam erklärte ich dass Werbepausen manchmal sehr, sehr lange gingen, dass das Kind aber tapfer durchhalten müsse, wenn es das Fernsehprogramm bis zum Ende schauen wolle.

Kind 3.0 gab sich einen Ruck, ging eine Runde im hauseigenen Schwimmbad schwimmen und kehrte pünktlich zum Ende der ersten Werbepause wieder.

Nach wenigen Stunden, also direkt am Ende des Zeichentrickfilms, den wir anschauten, schauten mich die Kinder verstört an.

„Mama, du bist alt. Warum tust du nichts dagegen? “

Kind 2.0 war bereits ins Bad geeilt und untersuchte meine Cremevorräte (also die eine Tube, die ich mitgenommen hatte).

„Keine Cremes mit Hyaluron? Nichts mit Repair-Komplex, kein Collagen-Boost? Nicht mal Skin Recovery oder Smoothing Effekt?“, stellte es mit leicht zitternder Stimme fest.

Kind 3.0 rollten schon wieder die Tränen über das Gesicht: „Aber Mama! Die sieben Zeichen der Hautalterung?“

Jetzt war ich auch alarmiert!

  • Trockenheit!
  • Große Poren!
  • Fältchen!
  • Pigmentflecken!
  • Schlaffheit!
  • Verlust an Lipiden! (OMG! WOHIN GEHEN DIE LIPIDE???)
  • Verlust an Collagenen (auch sie… einfach fort?)

Die Kinder kontrollierten mein Gesicht. Zumindest fünf Zeichen waren eindeutig identifizierbar. Wobei man bei den Pigmentflecken ja sagen muss, in meinem Alter weiß man eben nicht so genau, ob es sich um jugendliche Sommersprossen oder älterliche Altersflecken handelt – deswegen ist Pigmentfleck ein sehr klug gewählter Begriff. Sowas hat ganz bestimmt jede/r.

 

7 zeichen
Mit 7 Zeichen der Hautalterung ist man noch harmlos dabei, wie Google beweist

Da saßen wir bedröppelt und besorgt.

Nicht nur, dass mir bis vor einigen Tagen gar nicht klar war, wie es um mich und meine Haut steht, weil ich lieber Pokémon Go gespielt habe, als mich um meine Makel zu kümmern – nein – wir haben das alles als völlig normal hingenommen.

Ich dachte: ich bin jetzt über vierzig. Da hat man das ein oder andere Fältchen. Das Doppelkinn erschlaffft langsam, die Nasolabialfalte wird tiefer.

Ich war sozusagen einfach so im Reinen mit mir.

Ein bisschen zu viel Speck am Bauch, Falten im Gesicht, gelegentlich glanzloses Haar.

Hingenommen habe ich diese Veränderung.

Naja ICH – WIR alle haben das.

Wir dachten, es gäbe einen Unterschied zwischen Kindheit, Jugend, Adoleszenz und Alter, der sich auch in unterschiedlichem Aussehen niederschlägt.

Die Werbung hat uns aber glücklicherweise die Augen geöffnet und zwar gründlich.

Ich bin ein einziger Makel. Eine Schande. Der Archetyp von Unperfektion.

NATÜRLICH geht das nicht. NATÜRLICH kann ich nicht einfach altern und gar Übergewicht bekommen. Was hab ich mir nur dabei gedacht! Ich kann doch Eiweißshakes trinken, hungern, Bodyshapeunterwäsche tragen, ergraute Haare färben, Falten wegcremen und meinen Teint mit Makeup perfektionieren!

Ich verschwinde dann mal kurz im … Moment! Eines der Kinder ruft. Oh? Hier gibt es ein Pikachu! Oh wie toll! Boah! Mit 354 WP!

Packt eure Töchter und ab in „The Force Awakens“

Im Rahmen meiner selbst gestellten Aufgabe endlich mal „Star Wars“ zu schauen, bin ich im aktuellen 7. Teil der Saga „The Force Awakens“ gelandet und habe ich mich königlich amüsiert. Neben all dem, was Popcornkino sonst noch so braucht, hat mich der Film nach 135 Minuten mit einem Gefühl zurückgelassen, das da lautete: Ich möchte SOFORT mit meiner Tochter ins Kino gehen. (Naja, würde ich wollen, wenn sie das geeignete Alter hätte…)

Wer den Film noch nicht gesehen hat und spoilerempfindlich ist: den Blogbeitrag nicht weiterlesen. Ich werde mir keine Mühe geben, nicht zu spoilern.

Also: Warum sollte man seine Tochter unbedingt in „The Force Awakens“ schleppen? Die Antwortet hat drei Buchstaben und lautet „Rey“. Rey ist die Hauptdarstellerin. Sie ist nicht eine der Hauptdarstellerinnen, sie ist DIE Hauptdarstellerin. Ich habe versucht zu recherchieren, wie alt sie im Film sein soll. Da ich keiner Recherchetätigkeit länger als drei Minuten nachgehe und nichts gefunden habe, habe ich mich damit begnügt sie auf etwa zwanzig zu schätzen. Die Darstellerin selbst ist Anfang zwanzig, das haut dann vielleicht hin.

Jedenfalls: „The Force Awakens“ wird getragen durch Rey. Rey ist großartig. Sie ist ein völlig unabhängiger Charakter. Sie stellt sich (und das ist immer alles gemeint im Vergleich zu der archetypischen Durchschnittsfrauenrolle) selbst nie in Frage. Sie handelt einfach und zwar unabhängig von der Legitimation von Männern, ohne deren explizite Erlaubnis und trifft Entscheidungen ohne männliche Berater zu konsultieren. Sie ist Pilotin (und zwar eine mit sehr hohem Skill, sie fliegt den Millennium Falcon durch das Wrack eines Sternenzerstörers), sie ist findige Mechanikerin und ist trotz ihrer Zartheit und Weiblichkeit niemanden physisch unterlegen. Sie ist eine Anführerin und zwar eine, die sich diese Position nicht erkämpft, sondern eine, der diese Position einfach inne wohnt.

Sie verfolgt keinerlei romantische Interessen und sie hat – im Gegensatz zu z.B. Padmé – nur einen Kostümwechsel.

Sie macht sogar Fehler (wie z.B. Monster aus Versehen frei zu lassen) und kann diese wieder gerade biegen.

Sehr faszinierend ist auch, dass sie im Zweikampf mit Kylo Ren gefährlich aussieht, weil sie eine entschlossene und ernstzunehmende Kämpferin ist (normalerweise ist es Frauen in Filmen nur gestattet gefährlich auszusehen, wenn sie auf irgendeine Art verrückt sind…).

Das alles hat mich sehr fasziniert und das Schöne ist: Sie agiert nicht in einer gleichberechtigten, fortschrittlichen Zukunftsgesellschaft, nein, sie lebt in der alt bekannten patriarchalisch geprägten Gesellschaft.

Das kommt an mehreren Stellen im Film deutlich heraus, z.B. als sie mit Finn fliehen muss. Instinktiv nimmt Finn sie beim Weglaufen an die Hand und sie fragt (sinngemäß): Was soll das? Er antwortet: Wir müssen fliehen! und sie darauf: I know how to run without you holding my hand!

Er lässt ihre Hand los und greift sie bei der nächsten Explosion wieder. Worauf sie nur schreit „Stop taking my hand!“ und sich befreit.

Ähnliche Szene während der Flucht im Millenium Falcon als sich die Frage stellt, wer ihn fliegen könnte. Man schaut sich suchend um, die anwesenden Männer sind keine Piloten und dann ist da nur noch eine Frau. Schade. Kein Pilot also. Jedenfalls nicht bis sie sagt: „Hier, ich!“ und sich ins Cockpit setzt.

[Ich hab diese Denkmuster übrigens selbst, so sehr ich mich dafür hasse, aber als Kylo Ren sagt, dass Vader sein Großvater ist, dachte ich: Hä? Aber Luke hat doch gar keinen Sohn?! Klar, die Force ist in meinem Kopf nur stark mit den Männern. Auf Leia bin ich erst gar nicht gekommen…]

Rey ist einfach ein großartiges weibliches Vorbild und es gibt so wenig gute Vorbilder, finde ich. Ich würde mir jedenfalls wünschen, dass meine Tochter eine solche Frau vor Augen hat, wenn sie in ihrer Fantasie Abenteuer ausmalt oder noch besser: ihre eigne Zukunft.

Ich finde das folgende Gif deswegen so wundervoll. Durch Rey ist „Fight like a girl“ keine Beleidigung oder Herabsetzung mehr.

Ich mochte übrigens auch Leia und Padmé. Das sind auch tolle Frauen, aber sie sind lediglich die weiblichen Ausnahmen unter allen Männern.

Wobei, man sollte da nicht ungerecht sein. Die Leia von 1977 ist für damalige Verhältnisse unfassbar fortschrittlich. Sie trägt flache Schuhe, wird von der Geretteten zur Retterin, schießt und kämpft selbst und geht selbst mit Han Solos Machosprüchen souverän um.

Dennoch, wie ich twitterte:

Darauf antworteten viele: Welche anderen Frauen?
Ja, man hat sie nicht wirklich direkt auf dem Schirm… in Folge 4-6 Lukes Tante Beru, Senatorin Mon Mothma, die Nachtclubsängerin Sy Snootles und die Sklavon Oola.
In Folge 1-3 gibt es neben Padmé noch einige Zofen, Shmi und die Kopfgeldjägerin Zam Wessell sowie deutlich mehr Hintergrund Pilotinnen, weibliche Jedi und auch weibliche Protokolldroidinnen.

Sie alle sind Hintergrund und bestenfalls „Frau an der Seite von“ und damit mäßig gut geeignete Vorbilder.

„The Force Awakens“ ist da nicht nur wegen Rey anders.
Irgendwo (leider finde ich es nicht mehr) habe ich gelesen: Es passiert etwas wunderbares. Aus Prinzessin Leia wurde Generalin Leia und noch erstaunlicher: Man hat dem Charakter gestattet zu altern.

Es deutet sich auch für die folgenden Filme an, dass es eine Mentorin für Rey geben wird: Maz Kanata
Ich meine, mit dem Dialog zwischen Maz und Rey besteht „The Force Awakens“ sogar den Bechdel Test, weil sie über Reys Zukunft und nicht direkt über Luke sprechen.

Ich weiß, der Bechdel Test ist umstritten. Er trifft am Ende keine qualitative Aussage. Ein Film mit zwei Frauen, die sich 90 Minuten über Designerschuhe unterhalten würde den Bechdel Test bestehen – Alien mit Sigourney Weaver nicht. Ich habe dazu was Gutes im philosophie Magazin Sonderausgabe Star Wars gelesen:

„Der Bechdel Test weist auf verschiedene Probleme hin. Er führt vor Augen, dass Frauen in Filmen offensichtlich noch stärker marginalisiert werden als in der gesellschaftlichen Realität. Und diese Abwesenheit von Frauen […] bedeutet, dass [Frauen] schwer Identifikationsfiguren jenseits der Rolle der „Frau an seiner Seite“ finden. [Selbst da wo einzelne Frauen zu sehen sind …] legt das implizit nahe, dass es immer nur eine Frau in der Riege der männlichen Helden geben kann.“ (S. 67)

In diesem Sinne: Rey!

Mama, Mama, bist du so groß wie Prinzessin Leia?

Mein Handywecker klingelt. Neben mir liegt Kind 3.0. Mit rauer Stimme fragt es: „Was ist ein Großmoff?“ Moff? Keine Ahnung wovon das Kind spricht. Vermutlich redet es im Schlaf.

Ich streife die Decke zur Seite, setze einen Fuß auf den kalten Fußboden, Kind 3.0: „Wie ist Wilhuff Tarkin eigentlich Großmoff geworden?“ Ich brauche erstmal Kaffee.

„Kinder! Frühstück ist fertig!“
Kind 2.0: „Mama, Du bist kleiner als Aayla Secura“
„Ich äh ja, ich bin ja nicht besonders groß.“
Kind 3.0: „Und du lebst. Aayla Secura ist tot.“
„Oh“
Kind 2.0: „Ja, sie starb während der Klon-Kriege bei der Ausführung der Order 66.“
„Ich, äh, iss dein Brot.“

„ZÄHNEPUTZEN!“
Kind 2.0: „Kind 3.0 ist größer als R2D2.“
Kind 3.0: „Und isch kann schießen. PePeng! Peng! R2D2 ist ein Reparaturroboter, der kann nisch schießen.“
(R2D2 endlich mal jemand, den ich kenne…)
„Ja, ja, Kinder. Jetzt bitte Zähneputzen.“

„So, es ist Zeit sich anzuziehen. Warm anziehen. Es ist sehr kalt geworden.“
Kind 3.0: „Isch zieh misch nisch an. Isch bin ein Wookiee.“
„Auch Wookiees müssen sich anziehen…“
Kind 3.0, empört: „Gar nisch!“
„Was ist denn ein Wookiee? Ist das ein Ewok?“
Kind 2.0 verdreht schweigend die Augen.
„Is mir jetzt auch egal. ANZIEHEN!“

Am Nachmittag. Stimmen aus dem Kinderzimmer. Geschrei. Handgemenge.
Kind 2.0: „MAMAAAAA! Kind 3.0 hat gesagt, ich stinke wie die Gedärme eines Tauntauns!!!“
„Kind 3.0! Kind 2.0 stinkt nicht!“
Kind 3.0: „Wohl! Tauntaun-büüüäähhh!“
(Ich überlege kurz, ob eine erzieherische Intervention notwendig ist, dann wechsle ich lieber das Thema.)
„Wohin wollen wir dieses Jahr in den Urlaub fahren?“
Die Kinder im Chor: „Tatooine! Krayt-Drachen-Skelette anschauen:“
„Die gibts doch nicht echt.“
„Wohl.“
„Nein!“
„Doch, Mama!“
„Jetzt ist aber Schluss!“ Ich schlappe ins Bad und schließe die Tür.

Ich sitze am Klo.
„Mamaaaa????“
„Ist es ein Notfall? Ihr wisst – die Regel lautet: Nur wenn Blut fließt oder ein anderer Notfall eintritt, darf man mich stören…“
„NOTFALL MAMA!!!“
„Hmpf“
Ich wasche meine Hände. Gehe ins Kinderzimmer: „Was ist denn?“
Kind 3.0: „Wie schwer ist eigentlich Darth Vader?“

So geht das. Seit Wochen und ich habe keine Ahnung, wovon die Kinder sprechen und das faszinierende: Sie haben noch nie einen Star Wars Film gesehen. Aber sie wissen alles. Die Kinder in der Schule und im Kindergarten erzählen sich alle Details und flüstern die Legenden. Nur ich, ich hab keine Ahnung.

Deswegen habe ich die ganzen Star Wars Filme in Machete Order geschaut: IV, V, II, III, VI und I muss man nicht schauen.

Was ich gelernt habe:

  • Die Skywalkers schlagen sich gerne gegenseitig die Hände ab. Überhaupt Hand ab, Bein ab (auch bei AT-ATs) und Kopf ab, ist ein großes Ding bei Star Wars.
  • Einen Wookiee als Freund zu haben, ist eine gute Sache.
  • Wenn man als Frau ordentlich kämpfen will, trägt man flache Schuhe. Wenn man keine Schuhe trägt, dann braucht man wenigstens eine Kette um unliebsame Hutts zu erwürgen (Hutt ist nicht der Nachname von Jabba. Jabba ist ein Hutt. Sein korrekter Name ist Jabba Desilijic Tiure. Yoda hingegen ist der Nachname von Yoda. Der heißt nämlich Minch mit Vornamen und zu welcher Spezies er gehört, weiß man nicht so genau.)
  • Ob gut oder böse, erkennt man an der Farbe des Lichtschwerts. Wenn humanoide Lebensformen kein Lichtschwert tragen, ist es relativ schwer herauszufinden, ob sie böse (also „Sith“) sind. Man kann dann ein philosophisches Magazin mit der Frage „War Heidegger ein Sith Lord?“ befüllen.
  • Freundschaft und Liebe tragen jeden Film. Special Effects und Kostüme nicht.
  • Der erste Teil von Star Wars hieß ganz zu Beginn schlicht „Star Wars“. Erst als er ein Erfolg war, kam Episode V „The Empire Strikes Back“ ins Kino und aus dem ersten Teil wurde „Star Wars Episode IV: A New Hope“. Episode VI hieß übrigens eine kurze Zeit „The Revenge Of The Jedi“ und wurde unbenannt in „The Return Of The Jedi“. Da bereits Merchandise produziert und verkauft wurde, ist jeder, der irgendwas mit „Star Wars – The Revenge Of The Jedi“ besitzt jetzt sehr wohlhabend.
  • Apropos: Gerüchte besagen dass es ohne Star Wars Merchandise heute kein Lego mehr gäbe. Das ist einer intensiven 3 minütigen Recherche zufolge Unsinn.

Ich bin während der fünf Filme mehr als sieben mal eingeschlafen. Aber ich bin hart geblieben. Ich habe immer weiter gemacht. An Episode II und III kann ich mich trotzdem nicht erinnern. Seelenloser Müll. Um sich die ganzen Details zu merken, die die Kinder kennen, musste ich die Filme insgesamt 37 Mal stoppen und googeln.

Jetzt weiß ich alles und möchte ein Ewok-Baby adoptieren und es Han Solo nennen. Auch wenn es ein Mädchen ist.

Mühsam ernährt sich das Einhörnchen

Es soll sie ja geben, diese Reizthemen bei Eltern: stillen, impfen, Familienbett.
Schon lange nichts mehr darüber geschrieben…

Viele Jahre war ich große Freundin des Familienbetts. In der Zwischenzeit sind die Kinder relativ groß. Das Jüngste, Kind 3.0, ist mittlerweile schulreif. Dennoch schläft es immer noch gerne in meinem Bett.

fambett2011
Die Hälfte des Familienbetts 2013
fambett2015
Fast kein Familienbett mehr 2015

Ich habe an sich nichts gegen das gemeinsame Schlafen… es hat nur einen klitzekleinen Nachteil: Ich kann so nicht (mehr) schlafen. Zu Baby- und Kleinkindzeiten war das kein Problem. Ich war entweder dermaßen erschöpft oder ich war irgendwie hormonell anders eingestellt, genau weiß ich es nicht, jedenfalls, ich konnte ganz OK schlafen, obwohl Kind 3.0 schon immer viel gezappelt hat (wohingegen Kind 2.0 wie eine Mumie schläft).

Wir haben also die ersten Jahre gemeinsam in einem großen Bett geschlafen. Wobei ich ehrlich sagen muss, wie groß das Bett ist, ist letztendlich egal, das Kind sucht ja die elterliche Nähe und ob man da 2 Meter Matratze hat oder 90 Zentimeter – am Ende liegt das Kind quasi auf einem oder quer im Bett und man selbst auf der äußersten Kante (Hierzu unbedingt, wer es noch nicht kennt, die Baby Sleep Positions anschauen).
Im Kindergartenalter haben wir es dann mit eigenen Kinderbetten versucht. Das Schlafzimmer war direkt neben dem Kinderzimmer, die Tür immer geöffnet und viele Nächte schlüpfte Kind 3.0 dann doch wieder ins Elternbett.

Vor zwei Jahren dann, habe ich mich von meinem Mann getrennt und deswegen natürlich erstmal nicht an dem Thema „Ich würde gerne alleine schlafen“ gearbeitet. Als ich nach einem halben Jahr das Gefühl hatte, der neue Familienzustand hat sich gut eingependelt, habe ich versucht, Kind 3.0 schrittweise auszulagern.

Bei einer Freundin hatte ich beobachtet, wie schwierig es wird, wenn das Kind das Elternbett für das eigene Gebiet hält und dann doch eines Tages ein neuer Partner dazu kommt. Diesen Konflikt wollte ich unbedingt vermeiden. Ich hab also gut ein Jahr alleine in meinem Bett geschlafen und Kind 3.0 kontinuierlich wieder ins Kinderbett getragen und morgens, nachdem der Wecker geklingelt hat, wieder zu mir geholt, um das gewünschte Schmusen nachzuholen.
Das hat eigentlich ganz gut geklappt.

Die Zeit der Trennung hat aber einige Nebeneffekte für mich gehabt. Ich habe mein eigenes Leben wiederentdeckt. Ich war plötzlich nicht mehr die Muttermaschine, die alles abwickelt, immer für andere da ist und abends totmüde und erschöpft in die Bettdecke sank.
An den kinderfreien Wochenenden konnte ich „ausschlafen“ (bis 8.30 Uhr!!1!), einfach gar nichts tun und meinen eigenen Interessen nachgehen. Selbst wenn ich Haushaltsaufgaben erledigt habe, ging das ungefähr drei Mal so schnell. Ich wurde wieder ein eigenständiger Mensch.

Ich hab mich in meinem symbiotischen Zustand vorher nicht schlecht gefühlt und nichts vermisst, aber nach und nach hab ich ein anderes Gefühl bekommen und damit verbunden ist der Wunsch gewachsen mich etwas abzugrenzen.

Das Familienbett war bis dahin eigentlich eine Art Matratzenlager. Matratzen auf Lattenrosten in Bodennähe. Ich bin dann irgendwann vom Matratzenlager zum eigenen Bett gewechselt. Das war ein unglaublicher Luxus. Ein eigenes Bett und nicht mehr in Bodennähe schlafen. Toll!

Es hat nochmal drei Monate gedauert und dann habe ich für mich beschlossen, dass es OK ist, meine Schlafzimmertür zu schließen. Wieder einige Monate später habe ich mich entschlossen in ein anderes Zimmer zu ziehen.
Am Anfang war das für mich gewöhnungsbedürftig. Es hat sich angefühlt, als sei ich von meinen Kindern weg, in eine andere Wohnung, gezogen.

Kind 3.0 wandert nun Nacht für Nacht durch die Wohnung und kriecht wieder in mein Bett. Manchmal bin ich wach genug, freundlich zu bitten, dass es in sein Bett zurück geht (was oft klappt) – manchmal bin ich aber so müde, dass ich nicht merke, dass es unter meine Bettdecke schlüpft – andere Male wache ich, sobald es da ist, (gefühlt) im 20 Minuten Takt auf und bin morgens völlig gerädert.

Es wird noch eine Zeit dauern bis mein Kind nicht mehr zu mir kommt. Aber ich merke, dass ich mir wünsche jetzt doch endlich wieder durchschlafen zu können. Diese Superkraft habe ich mir mühsam wieder angeeignet.
Gerne können morgens alle Kinder in mein Bett hüpfen, gerne können sie auch in meinem Bett einschlafen, aber am Ende möchte ich die Nacht doch für mich haben und schlafen.

Wenn ich Kind 3.0 wegschicke, dann komme ich mir manchmal grausam vor. Andererseits denke ich, dass ich ein Recht auf meine Privatsphäre habe. Es gibt jetzt tatsächlich einen anderen Erwachsenen, mit dem ich mein Bett teilen möchte und da ist ein Kind, das quer zwischen uns liegt, nicht unbedingt der Idealzustand.

Ich versuche mir dann zu sagen, dass es in dem Alter vielleicht doch OK ist.
Die anderen beiden Kinder haben sich schon in der Kindergartenzeit von alleine entschlossen nicht mehr im elterlichen Bett zu schlafen. Wann das jüngste Kind soweit ist… es bleibt spannend.

Oh, jetzt hab ich vergessen das Empörungspotential zum Thema auszuschöpfen! Also Kurzfassung: Auch wenn mein schlechtes Gewissen mich plagt, aber aus rein egoistischen Gründen möchte ich, dass die Tage des Familienbetts gezählt sind.

Bitte duelliert euch nun mit Kommentaren pro und contra Familienbett und zählt bitte nochmal die Orte auf, an denen man außer im eigenen Bett Sex haben kann. Das gehört zu jedem guten Familienbettartikel, oder nicht?

12 von 12 im September

Der 12. fällt auf einen Samstag. An Samstagen übe ich im Bett bleiben und zwar bis mindestens 8.30 Uhr! Den Kindern habe ich Müsli in die Küche gestellt. Jedenfalls habe ich das versprochen. Punkt 6 Uhr schreit Kind 3.0 deswegen: „Wo is das Müsli, Maaaammmaaaa???“

Tja. Hätte ich das mal lieber am Abend rausgestellt. Bis 7 Uhr wälze ich mich noch im Bett hin und her, dann hole ich mir einen Kaffee. (Weil so oft gefragt wurde, die hübschen Rules-Tassen kann man sich bestellen).

01

Wir fahren heute Mittag mit dem Berliner Familienpass zum Märkischen Lamahof in Mittenwalde. Die Fahrt dorthin ist theoretisch nicht so weit. Auch wenn ich immer mit Navi fahre, schaue ich mir vorher die Strecke an. Das würde Manfred Spitzer so wollen.

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Leider sind Theorie und Praxis zwei unterschiedliche Dinge. Die tatsächliche Fahrt ist ein Höllenritt durch alle Verkehrsknotenpunkte Berlins, weil die Warschauer Straße gesperrt ist und ich nicht über den Plänterwald raus auf die Autobahn fahren kann.

Ich habe meinen Führerschein seit ich 18 bin, aber ich bin nie zur leidenschaftlichen Autofahrerin geworden. Ich fahre wenn ich fahren muss. V.a. aber weil Kind 2.0 mal fragte: „Mama, dürfen Frauen in Deutschland eigentlich auch Autofahren?“.

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Wir haben genug Puffer eingeplant und stehen jetzt ein bisschen am Parkplatz rum und schauen uns Frösche am Wegesrand an.

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Dann gehts los! Die ganze Gruppe, sieben Familien laufen zur Lama und Alpaka-Weide. Die Alpakas sehen aus wie überdimensionierte Pudel. Wenn sie rennen, wackeln ihre Puschel.

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Je nach Größe des jüngsten Kindes werden einem ein Lama (größer) oder ein Alpaka (kleiner) zugeteilt. Wir bekommen Mogwli, einen 13 jährigen Mischling.

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Die Kinder führen die Tiere selbst. Wir machen eine kleine Wanderung und ein Gruppenbild.

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Die Gegend dort ist wunderschön. Nächsten Sommer kommen wir zum Schwimmen her.

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Nach vier Stunden sind wir zurück. Ich bin total unterzuckert. Wir springen ins Auto und rasen nach Berlin, um dort Pizza essen zu gehen.

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Danach gehen die Kinder ganz Alpaka beseelt ins Bett und wir spielen noch eine Runde Playstation. Das Spiel wurde uns ziemlich oft empfohlen. Ich finde es bislang eher langweilig. Wie lange muss man spielen, bis es los geht? Kommt da mehr als Teenieklischeehorror?

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Gestern habe ich Abitur gemacht

Gestern habe ich mein Abitur geschafft. Notendurchschnitt 2,0 nur – aber immerhin. Ich war reich und sehr gesund und bis zum Ende meines Lebens musste ich kein einziges Mal arbeiten. Ich hatte eine Luxuswohnung und einen Mann, der fast Bürgermeister geworden wäre. Die Flitterwochen auf der Insel waren, naja – nicht so wie ich es mir vorgestellt hatte, denn man musste Elche abschießen – dafür hab ich mich aber tätowieren lassen. Ich war übrigens Wahlhelferin und Sie werden es nicht glauben, aber in der Chefetage wird geraucht, man trinkt Martini und im Hintergrund laufen asiatische Pornos, während man darüber diskutiert in was man die Steuergelder investiert.

Keine Sorge, ich bin nicht verrückt geworden, ich habe nur „Das Spiel des Lebens“ gespielt. (Wer denken könnte, dass das Spass macht, bitte nicht weiterlesen, am Ende werden Sie mich hassen, es sind nämlich alle Vorstellungen bereits ausverkauft).

Foto 1 (1)

Es ist Samstag Abend, 19h, ich bin etwas aufgeregt. Gleich werde ich geboren. Die Tür ist eine pinkfarbene Vagina. Da muss ich erstmal durch. Auf der anderen Seite stehen zwei Leute und begrüßen mich: „Hallo! Herzlichen Glückwunsch zu Deiner Geburt!“ Ich bin ein bisschen erleichtert, denn als ich durch die Vagina schritt, hatte ich Angst, dass ich womöglich mit einem Eimer glibbrigen, roten Schmodder überschüttet werde – für die Authentizität des Erlebnisses. Anstatt dessen darf ich mir ein Kärtchen ziehen, es wird ein Foto gemacht und man stellt mir die alles entscheidende Frage: „Wer willst du sein?“ PANIK, ICH MUSS JETZT WITZIG UND KREATIV SEIN. Hinter mir warten 29 andere Menschen gespannt auf ihre Geburt. „Patricia!“, platzt es aus mir. Herzlichen Glückwunsch, du bist so kreativ wie ein Käsebrötchen und zwar mit Butterkäse!1!!, denke ich mir.

Foto 1

Ich schreibe den Namen auf mein Identitätskärtchen, es wird ein Foto von mir gemacht. Auf meinem Kärtchen steht, dass ich reich bin und vermutlich gesund, denn der Wert hinter dem Arztköfferchen beträgt 75. Bei der Sonne steht „0“. Gemeinsam mit den anderen frisch Geborenen beschließen wir, dass es um Karma geht, dass wir erst sammeln müssen. Die anderen Buchstabenkombinationen sagen mir nichts. Wir warten gemeinsam auf die Einschulung.

Foto 2

Als alle MitspielerInnen geboren sind, geht die erste Tür auf. Über der Tür steht „Schule“. Unsere Lehrerin begrüßt uns und führt uns in einen kargen Raum mit Schulbänken. Die Fenster sind geschmückt mit selbstgebastelten Papierchen. Auf den Tischen sind Sprüche gekritzelt. Wir werden nach Status geordnet. Ich komme zu den Reichen ans Fenster. Die Armen – es sind viel mehr – teilen sich den knappen Platz auf der anderen Zimmerseite. Nach ein wenig Vorgeplänkel müssen wir den Abschlusstest machen. Wir erhalten einen Doppelbogen mit Aufgaben. Wir Reichen dürfen beginnen. Die armen Kinder fangen erst später an und müssen früher aufhören. Ich bin aufgeregt. Ich habe 15 Aufgaben zu lösen. Ich schaue mir zuerst die Bepunktung an und entscheide welche Aufgaben ich zuerst löse. Manche Fragestellungen verstehe ich nicht. Ich schreibe bei meinem Sitznachbarn ab. Der ist empört, aber was solls, es geht hier schließlich um meinen Abschluss.

13,5 Punkte habe ich am Ende. Das ist Abi mit Note 2,0. Ich bin peinlich berührt. Einige der armen Kinder haben bessere Noten, obwohl sie viel weniger Zeit hatten. Hoffentlich reicht das. Für was eigentlich?, der Referendar, der mir mein Abi überreicht, empfiehlt mir die Uni. Wir werden entlassen und dürfen in den nächsten Raum. Ich steuere auf die Uni zu. Ich sehe eine Bühne, eine Bar, viele verschlossene Räume: Amt, Bank, Fitnessraum, Nest, Krankenhaus, Raum der Stille, Chefetage…

In der Uni suche ich mir einen Studiengang. Endlich kann ich tun, was ich im echten Leben hätte tun sollen: ich strebe eine Karriere im Öffentlichen Dienst an. Dafür muss ich eine Liste auswendig lernen. Neben mir tippt einer auf der Schreibmaschine einen Text ab. Ein anderer schreit „Lass den Hass raus“. Zwei Menschen mit Schwimmärmchen steigen auf eine Leiter und singen. Es ist chaotisch. Egal, ich muss das nicht verstehen, ich muss diese Liste auswendig lernen. Zehn Minuten später bin ich so weit. Vorsichtshalber kritzele ich mir ein Akronym der Liste als Spickzettel auf meinen Handrücken. Es dauert ziemlich lange bis ich die Aufmerksamkeit der Leiterin der Uni auf mich ziehen kann. Ich werde immer aufgeregter. Was wenn ich den Test nicht bestehe?

„So, jetzt bitte auf die Leiter steigen! Ich bin jetzt bereit Ihre Prüfung abzunehmen“, sagt die Dame. Ich klettere die Leiter hoch. YES! Ich bestehe auf jeden Fall, oben kann die Professorin nicht sehen, wenn ich spicke, freue ich mich. Ich bin immer noch zittrig. „Welchen Tag haben wir heute?“, fragt die Professorin. „Samstag?“, antworte ich zögerlich. „Super, Sie können runter kommen, Sie haben bestanden!“ Ich bin empört! Aber die Liste! „Ich habe doch extra diese Liste auswendig gelernt?“ Die Professorin winkt ab: „Ach was! Für den öffentlichen Dienst muss man doch nichts können. Sie haben eine 1+ und 1.000 Karmapunkte extra.“ Sie scannt meine Identitätskarte und gibt irgendwas ein.

„Und jetzt?“, frage ich. „Ab zum Amt!“

Foto 2 (1)

Ich laufe also zurück und klopfe zögerlich an die Tür auf der „Amt“ steht. Der Vorraum ist laut. Ich höre nicht, ob innen jemand antwortet und öffne zögerlich die Tür. Ich sehe: NICHTS. Gleißendes Licht blendet mich von vorne, der Raum ist mit Fäden verspannt, eine Stimme vom anderen Ende ruft: „Bitte erst eintreten, wenn Sie aufgerufen werden.“

Ich gehe wieder raus. Wenige Sekunden später kommt jemand aus dem Raum. Ich öffne die Tür und krieche unter den Fäden nach vorne. Eine streng dreinblickende Dame begrüßt mich. „Wie kann ich Ihnen helfen?“ „Ich möchte eine Karriere im Öffentlichen Dienst anstreben.“ „So, so, zeigen Sie mal ihr Kärtchen“ Ich zeige mein Kärtchen, es wird wieder gescannt. „OHA!“ Die Dame ist angetan. „Sehr gut! Sie haben einen Abschluss mit eins, zwei, drei, vier, fünf, … zwölf Sternchen! Respekt!“ Ich bin etwas stolz. Öffentlicher Dienst, das war ja eigentlich schon immer mein Traum. Wir unterhalten uns wie schön und bereichernd es ist im Amt zu arbeiten. Schlussendlich bekomme ich eine Aufgabe. Ich erhalte eine laminierte Karte und soll draußen Leuten auf französisch erklären mit welcher Ausbildung sie an welchen Job kommen. „Ich kenne mich aus! Ich habe die ganze Liste auswenig gelernt!“, prahle ich. „Wirklich?“ Die Dame vom Amt strahlt mich an „Lassen Sie mal hören!“ Ich sage brav meine Liste auf – ohne spicken! Ich habs noch drauf, wie damals im echten Leben in der Schule. Ich bin die größte Auswendiglernerin sinnloser Fakten ever! Gut gelaunt krieche ich aus dem Zimmer. Draußen hab ich dann aber keine Lust zu arbeiten und setze mich erst mal an die Bar. Ich bin durstig und bestelle ein Wasser. Ein junger Mann setzt sich neben mich. „Hallo, ich bin Paul.“ Wir stellen uns vor, er lädt mich zu einem Bier ein. Paul will Bürgermeister werden. Ich soll seine Wahlhelferin sein. Ich denke an The Good Wife. Gerade hat sich die Staffel damit beschäftigt, Alicia zum States Attorney zu machen. Ich glaube, ich bin optimal für den Job vorbereitet. Ich willige ein. Ich werde Paul unterstützen. Stimmen für ihn sammeln. Ich bekomme dafür eine Luxuswohnung, das verspricht er mir. Paul sieht vertrauenswürdig aus. Per Handschlag bestätigen wir unseren Deal. Ich trinke mein Bier aus und krieche ins Amt zurück. Die Dame und ich sind bereits so gut befreundet, dass ihr gar nicht auffällt, dass ich faul war. Sie schenkt mir eine ihrer beiden Halsschleifen. Wir sind jetzt quasi Schwestern.

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Die Luxuswohnung hab ich schon mal in Aussicht, um in die Chefetage zu kommen, muss ich noch heiraten, erfahre ich. Also ab zum Speeddating. Während ich die Macarons, die da auf dem Tisch stehen, in mich rein schaufle, stelle ich meinem Gegenüber Fragen, die in kleinen rosafarbenen Umschlägen vor mir liegen. Der Typ scheint in Ordnung zu sein. Ich kann mir eine Hochzeit vorstellen (mal angesehen davon, die anderen Tische sind gerade leer, es gibt im Moment nur den einen und ich habe Karriereziele!).

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Wir stellen uns jeweils drei Fragen, dann ist klar, wir werden heiraten und zwar noch an Ort und Stelle. Diesmal sogar mit Goldringen. Das hat im echten Leben ja nicht geklappt. Die Zeremonie ist kurz, aber sehr romantisch. Wir müssen wieder zum Amt, um unser Dokument zu holen. Vor uns eine lange Schlange, als sich die Tür öffnet, greift mich mein Mann und zieht mich an der Schlange vorbei in den Raum. Hinter uns lauter Protest: „Hey! Wir warten viel länger!“ Mein Mann, er heißt übrigens Manfred, hat sich auf den Boden geworfen und robbt wie ein Soldat Richtung Amtsdame, ich staksel ihm würdevoll hinter her. Wir nehmen gemeinsam auf dem einen Stuhl, der da steht, Platz und erläutern unser Anliegen. Unsere Karten werden gescannt. „Jetzt noch das Ehegattensplitting“ stellt die Dame vom Amt fest und ich denke „Verdammte Scheiße! Schon wieder! Schon wieder nicht an dieses ******** Ehegattensplitting gedacht.“ Immerhin bin ICH reich und keine Ahnung was Manfred ist. Am Ende hab ich Glück, Manfred hat 100 Geld mehr als ich. Die Hochzeit macht mich also wenigstens nicht ärmer. Die Dame vom Amt bewirft uns mit Reis. „Herzlichen Glückwunsch. Sie können jetzt gehen!“ Wir kriechen wieder aus dem Amt.

Dann geht alles ganz schnell: Wir kaufen gemeinsam eine Luxuswohnung. Meinen Anteil des Geldes bekomme ich von Paul. Er hat es wirklich geschafft und ist Bürgermeister geworden. Die nächste Legislaturperiode kandidiert Manfred auch zum Bürgermeister und verliert knapp. Ich drücke ihn, das hat er nicht verdient. Der Arme! Auf der Bühne war er großartig. Wir entschließen uns erstmal Flitterwochen zu machen. Geld genug haben wir, wir wählen den Luxusurlaub. Wir kommen in einen Raum mit Sand am Boden, trinken scheußlichen Erdbeerprosecco und lassen uns Partnertattoos machen. Manfred ist ein echter Romantiker.

Im Grunde wars das – mein Leben. Zeit für Kinder hatte ich nicht. Als ich mal am „Nest“ klopfe, bin ich schon 45. Zu spät dafür. Manfred wird zwischenzeitlich krank und verschwindet ziemlich lange. Ich nutze die Zeit und schaffe es in die Chefetage. Wenn schon keine Kinder, dann Karriere. Dort setze ich mich für Bildung und eine bessere medizinische Versorgung ein.

Draußen setzt laute Musik ein. Es geht aufs Ende zu. Wir werden bald alle sterben, schreit es aus den Lautsprechern. Ich bekomme Panik. Ich war noch gar nicht im Kunstraum oder der Fabrik. Hab keinen Sport gemacht. Überhaupt! Ich hab so viel verpasst, mir zu viel Zeit gelassen! Ich irre unentschlossen hin und her. Eine Frau mit großer Brille kommt auf mich zu, scannt meine Identitätskarte: „Sie müssen dringend arbeiten, es ist fast kein Geld mehr da!“ Was? Jetzt arbeiten? Ich bin doch schon im Rentenalter!, denke ich und setze mich an die Bar. Da taucht auch Manfred wieder auf.

Jetzt ist es soweit. Ich schaue auf die Uhr, fast 24h, wir sterben gleich alle. Wenigstens nicht alleine. Ich hab Manfred an meiner Seite und die anderen SpielerInnen sind auch da. Wir dürfen am Ende entscheiden, ob es im Leben Gewinner und Verlierer gibt oder ob wir alle einfach gemeinsam zu Asche werden. Die Mehrheit entscheidet sich für das klassenlose zu Asche werden. Wir sterben. D.h. die anderen sterben, ich hab eine Tür mit der Aufschrift „Unsterblichkeit“ gefunden, durch die gehe ich.

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Mehr zum Spiel des Lebens, hier auch als Radiobeitrag und als Video.

Aufzughonks

Es gibt Dinge, die sind unsichtbar bis man Kinder bekommt. Ein bisschen kennt man das aus der Fahrschulzeit. Wenn man den Führerschein macht, fahren plötzlich überall Fahrschulautos herum. Vorher gab es die gar nicht und nach ein paar Jahren sieht man sie auch nur noch selten.

Jedenfalls. Fahrschulautos gibt es natürlich auch schon die 17 Lebensjahre bevor sie einem auffallen. Genauso wie abgesenkte Bordsteine und rücksichtslose Idioten, die ihr Auto genau dort abstellen. So dass man z.B. mit Rollstuhl oder Kinderwagen nicht richtig durchkommt.

Hachja. Sie merken. Mein Adrenalinpegel ist immer noch erhöht.

Jedenfalls: Was echt auch nervt: Aufzughonks

Das sind Menschen, die zwei gesunde Beine haben, die aber trotzdem unbedingt Aufzüge benutzen müssen. Ich denke, es sind vielleicht Menschen – man will ihnen ja nichts Böses unterstellen, die einfach nicht wissen, dass bestimmte Personengruppen auf das Benutzen von Aufzügen angewiesen sind und nicht wählen können, so wie sie es theoretisch könnten.

In Einkaufszentren z.B. die diese liebevollen Sperrpoller an den Rolltreppen haben, damit man diese nicht mit Kinderwagen benutzen kann. Oder in U- und S-Bahnen, auf deren Gleis man gar nicht erst kommt, wenn man mit dem Kinderwagen nicht den Aufzug benutzt.

Dass diese Menschen die Aufzüge verstopfen ist eine Sache. Leider korreliert mit der Eigenschaft „Aufzug verstopfen“ leider auch noch die Eigenschaft „Kann Aufzüge nicht benutzen“.

Im Grunde ist das sehr einfach. Es gibt ein Knöpfchen für „rauf“ und eines für „runter“. Wenn man rauf möchte, drückt man das … RICHTIG … Knöpfchen „rauf“. Wenn man runter möchte, Sie ahnen es? … das Knöpfchen „runter“. Nun passiert folgendes: Wenn der Aufzug kommt und nach oben fährt, erlischt das Knöpfchen „rauf“. Fährt er nach dem Stopp nach unten, bleibt das Knöpfchen „rauf“ beleuchtet. Dann muss man noch nicht einsteigen obwohl die Aufzugtüren sich öffnen. Weil man möchte ja rauf und nicht runter. Man wartet einfach. Der Aufzug kommt wieder, versprochen!

Ich schildere das selbe Szenario jetzt nicht für „Ich möchte eine Etage tiefer“.

Also was lernen wir daraus? Wenn man rauf will und man fährt dann runter, um gleich wieder rauf zu fahren, verstopft man den Aufzug doppelt. Für die, die runter fahren wollen und für die, die von unten rauf fahren wollen.

Außerdem ist daraus zu lernen: Wenn man rauf möchte, drückt man nicht „rauf“ UND „runter“. Das kann man machen wenn man zwei oder drei Jahre alt ist, da ist das völlig in Ordnung – aber ab – sagen wir 25 – sollte man das verinnerlicht haben.  Es ist immer eine ODER-Korrelation. Man möchte rauf oder runter.

(Wenn man wirklich runter – rauf – runter – rauf möchte, dann sollte man vielleicht über die Anschaffung eines Privataufzugs nachdenken mit dem man diese Lust richtig ausleben kann.)

Please repeat after me:

Wenn es keinen zwingenden Grund gibt, den Aufzug zu benutzen, dann benutze ich ihn nicht. Ich nehme die Treppe oder die Rolltreppe.

Wenn ich einen Aufzug benutze, überlege ich vorher, ob ich rauf oder runter möchte. Wenn ich rauf möchte, fahre ich nur rauf. Nicht runter und rauf. Ich fahre nur rauf. Wenn ich runter möchte, fahre ich nur runter. Nicht rauf und dann erst runter.

Ich drücke nicht alle Knöpfchen.

Alles gemerkt? Super. Schlagartig werden Sie von geschätzen 6,3 Mio Menschen lieb gehabt, die täglich auf die Benutzung von Aufzügen angewiesen sind.