[Anzeige] Let’s talk – YouTube der Jugend liebste Internetplattform

YouTube
rifkiedr @pixabay

Gemeinsam mit SCHAU HIN! habe ich eine kleine Serie zum Thema Kinder und digitale Medien gestartet.

Im Zentrum meiner Serie sollen die Chancen, die (neue) Medien mit sich bringen, stehen und ich will beschreiben, wie wir als Familie im Alltag damit umgehen und gerne auch von Euch hören, wie ihr den Alltag mit Kindern und digitalen Medien gestaltet.

Risiken und Gefahren werden durch Kulturpessimisten aller Ausrichtungen zu genüge beklagt. Viele Eltern reagieren mit Unsicherheit und statt sich mit den einzelnen Themen auseinanderzusetzen, wird schnell mal ein Verbot verhängt.

Ich bin jedoch der festen Überzeugung, dass Verbote in Sachen Medienkonsum nichts bringen. Deswegen versuche ich mit meinen Kindern im Gespräch zu bleiben und Lösungen zu erarbeiten, die für uns beide alle passen. Das ist auch der Grund warum ich die Serie Let’s talk nenne.

Im dritten Teil geht es um: YouTube

YouTube – eine „junge“ Plattform

81 Prozent der 12 bis 19jährigen schauen sich mehrmals pro Woche Videos und Clips auf YouTube an. Drei Stunden verbringt diese Altersgruppe im Schnitt täglich im Internet – den Großteil davon auf YouTube (Quelle: JIM-Studie 2015).

Würde ich gefragt werden, über welches neue Medium ich gerne krückstockwedelnd schimpfen möchte, käme die Antwort wie aus der Pistole geschossen: YouTube!

Allerdings habe ich mir ja vorgenommen über die Chancen der einzelnen Plattformen und Medien zu sprechen und mich nicht in die Reihe der spitzerischen Kulturpessimisten einzureihen.

Damit mir das gelingt, musste ich erstmal der Frage nachgehen, warum ich mich mit YouTube so unwohl fühle.

Die erste Teilantwort ist ganz einfach. YouTube ist nicht meine Plattform. Ich bin zu alt.

Mit Computerspielen, Messengern, Chats und Blogs bin ich aufgewachsen. YouTube  gibt es seit 2005, doch selbst 12 Jahre später habe ich noch nie selbst was auf dieser Plattform gemacht, folge niemanden und schaue lediglich sporadisch kurze Clips. Aktuelle Entwicklungen bekomme ich von alleine nicht mit.

Der Zugang ist bildlich gesprochen so, dass ich zeitungslesend im Ohrensessel sitze und dort lese, dass YouTuberIn XY gerade sehr angesagt ist, weil er oder sie drei Phantastillionen Follower hat.

Das war zumindest bis 2014 so. 2014 ist das Jahr in dem Simon Unge sein YouTube-Netzwerk „Mediakraft Networks“ verließ und das für unser ältestes Kind plötzlich etwas war, das ein ernstzunehmendes Ereignis im Lebensalltag darstellte.

Mir wurde da erst klar, dass YouTube-Stars große Vorbildwirkung haben und auch in unserer Familie regelmäßig deren Inhalte konsumiert werden.

Also hab ich gemacht, was ich regelmäßig empfehle: Gefragt, was Kind 1.0 sonst noch so schaut und warum es das gerne tut.

Danach habe ich mich stichprobenartig durch die Videos ge…quält und mich unendlich alt gefühlt.

Was reden die da? Warum reden die so schnell? Wieso blinkt und wackelt alles und muss man wirklich alle drei Sekunden einen Schnitt machen?


Unschöne Reproduktion von Rollenstereotypien

Engagiert wie ich bin, habe ich dann mal geschaut, welches die YouTuber mit der größten Reichweite sind und mir exemplarisch deren Beiträge zu Gemüte geführt und mich plötzlich in längst überwunden geglaubten Klischeewelten wiedergefunden.

Frauen reden über Lifestyle, gehen shoppen, zeigen dann was sie eingekauft haben, geben Schmink- und Stylingtipps und reden darüber wie man die Boys klar macht, ohne zu bitchy rüberzukommen.

Große Teile der Jugendsprache musste Oma Nuf im Urbandictionary nachschlagen.

Die Jungs auf der anderen Seite, erzählen ihre Heldengeschichten, stellen sich irgendwelchen haarsträubenden Herausforderungen (Challenges), verarschen sich gegenseitig (Pranks!) oder unterhalten sich darüber was an Mädchen nervt oder wie kurz der Rock sein darf.

Plötzlich wurde mir klar: die großen YouTube-Kanäle transportieren inhaltlich eigentlich nichts anderes als früher Bravo Girl! oder Zeitschriften wie Mädchen, nämlich widersprüchliche Botschaften („So kaschierst du deine Problemzonen“, „10 Regeln, damit ER dich wahrnimmt“ und „Sei ganz Du selbst“) und widerliche Körperbilder („Mit dieser Diät zum Beach-Body“, „Diese 5 Tricks lassen Deine Cellulite verschwinden“).

Jetzt mit über 40 weiß ich natürlich, was das alles für ein Unsinn ist. Mit 13 war das anders. Da war ich unsicher und empfänglich für solche Botschaften. Am Ende blieb ein Gefühl: Ich bin auf jeden Fall falsch. Zu aktiv, zu passiv, zu dick, Nase zu groß, Haare zu zottelig, Style kacke.

Die nächsten anderthalb Jahrzehnte habe ich damit verbracht diese Komplexe zu überwinden.

In diesem Rahmen hat es mir sehr geholfen keine Mädchen/Frauenmagazine mehr zu lesen und den Fernseher abzuschaffen. Denn auch dort wird genau das vermittelt: Für Frauen zählt v.a. das Aussehen und wenn das nicht perfekt ist, hilft es vielleicht noch gut kochen zu können und ansonsten sind Hopfen und Malz verloren.

Allein die Werbung im Fernsehen! Letztes Jahr im Urlaub habe ich nach Jahren mal wieder einige Zeit vor dem Fernseher verbracht und mir die sieben Zeichen der Hautalterung (Check! Check! Check! Check! Check! Check! Check!) erläutern lassen.

Screenshot mit Vorschlagsalgorithmus nachdem ich einige große YouTube-Kanäle angesehen habe

Und genau da habe ich verstanden: YouTube ist nichts anderes als Fernsehen, Rückkehr der Mädchenmagazine, Untergang des Abendlandes!

(Deswegen finden auf der anderen Seite wahrscheinlich die meisten Erwachsenen, die noch aktiv Analogfernsehen schauen, YouTube gar nicht so schlimm und sorgen sich eher um computerspielende Kinder.)

Doch Moment! Hat da etwa wieder Manfred Spitzer Besitz von mir ergriffen?

Ich fürchte ja. Denn natürlich ist YouTube nicht gleichzusetzen mit den zehn allerseits bekannten Spitzen-YouTuberinnen und YouTuber.

Selbst unter denen, gibt es (sagt man das so?) Broadcaster wie LeFloid, die genau diese Entwicklungen durchaus reflektieren. Sogar top aktuell in einem Beitrag, der „Schw*nze, Är*che & Geld… SO WIDERLICH SIND DIE YOUTUBE-TRENDS & was sonst noch so abgeht..“ heißt.

Einen wirklich, wirklich hörenswerten Beitrag zum Thema Rollenklischees auf YouTube haben Almut Schnerring und Sascha Verlan für den Deutschlandfunk gemacht: „10 Dinge, die an Mädchen nerven. Geschlechterklischees in der YouTube-Szene“ – hört ihn Euch unbedingt an. Hier werden auch Gegenbeispiele genannt und das Thema wird wunderbar differenziert angegangen.

kinkate @pixabay

Denn tatsächlich ist das Thema Reproduktion von Geschlechterklischees ein Thema über das sich Eltern mal Gedanken machen und für die sie auch ihre Kinder sensibilisieren sollten, so dass die diese nicht einfach hinnehmen sondern hinterfragen.

Für alle Eltern, die sich noch nicht damit auseinandergesetzt haben und sich immer noch fragen, was eigentlich so problematisch ist, wenn Mädchen rosa mögen, hier die Kurzfassung:

Natürlich ist es gar kein Problem wenn Mädchen die Farbe rosa, Barbies und Prinzessinnenkleider mögen. Das Problem liegt in den Konnotationen, die diese Dinge transportieren (süß, niedlich, hübsch, zart, sensibel, passiv) und dass diese gegenüber den typisch männlichen Eigenschaften (durchsetzungsstark, mutig, cool, aktiv) weniger wertvoll bewertet werden.

Wer dem widersprechen möchte, dem sei das Gedankenexperiment ans Herz gelegt: Wie begegnen in der Regel Menschen einem vierjährigen Jungen, der als Fee verkleidet Nagellack tragen will und wie finden die selben Menschen es, wenn ein Mädchen sich als Astronaut, Feuerwehrfrau oder Polistin verkleiden will?

Der Junge wird abgewertet durch die Übernahme eines weiblichen Klischees (Oh Gott! Wie unmännlich! Verweichlicht gar? Ist das normal?), das Mädchen wird aufgewertet (Du bist ja cool! Das ist ja eine ganz Aufgeweckte!).

Hier erstmal ein Schnitt zum Thema Geschlechterklischees – denn – oh Wunder, so wie es nicht DAS Computerspiel gibt, gibt es auch nicht DAS YouTube.

Es gibt nicht DAS YouTube

YouTube ist unendlich vielseitig.

Meine Kinder googeln z.B. keine Probleme bzw. deren Lösungen – sie geben ihre Fragen in YouTube ein und bekommen Antworten in Form von Videotutorials – die v.a. was komplexe Inhalte angeht unendlich hilfreicher sind als eine bloße Textbeschreibung.

Es gibt wirklich Tutorials zu jeder Fragestellung und zu jedem Hype. Was hätte ich bloß zu den Hochzeiten der Loom-Gummis oder der Fidget-Spinner ohne YouTube gemacht?

Wie würde ich mich ohne YouTube über neue Computerspiele informieren? Wer hätte mir die ganzen Pokémon Go Tricks verraten?

Genauso hilfreich finde ich Kanäle, die mir bei spannenden, komplexen Serien mit mehreren Staffeln (an deren Inhalt ich mich kaum erinnere) Plot-Theorien erläutern.

Viele Serien wie Game of Thrones, The Leftovers oder Lost hätte ich ohne YouTube nicht ansatzweise verstanden.

Nicht zu vergessen die ganzen lustigen Katzenvideos! Was wäre die Welt ohne niedliche Tiervideos? Faultiere, Pandas und skateboardfahrende Hunde. Dagegen kann man nun wirklich nichts haben.

Beim Thema YouTube hilft also auch Differenzierung. YouTube ist nicht nur das Reproduzieren von Geschlechterklischees mit shoppenden jungen Frauen (sogenannte Hauls) und Schminktipps.

Auch wenn ihr selbst nicht viel YouTube konsumiert – lasst euch zeigen, was eure Kinder schauen – sprecht mit ihnen darüber, wie ihr das findet und begründet warum ihr evtl. Bedenken habt.

Zur Schonung der Kinder sollte man das nicht allzu penetrant machen und ab einem gewissen Alter auch darauf vertrauen, dass die vielen Jahre vorangehende Erziehung, die hoffentlich das kritische Denken gefördert haben, bereits Wirkung zeigen und dass das Schauen der Videos nicht unbedingt heisst, dass alles kritiklos hingenommen wird.

Schön illustriert z.B. von Lilith, die auf der Tincon etwas zu dem Thema Rollenklischees erzählt und z.B. Honigball, Simone Giertz oder Liza Koshy als Alternativen empfiehlt.

Authentizität und Wirtschaftlichkeit

Im Jahr 2015 sollen die YouTube-Umsätze nach Schätzungen von Evercore ISI bereits bei 9,0 Milliarden Dollar gelegen haben.

Best bezahlter YouTuber ist aktuell „PewDiePie“ mit 50 Millionen Abonnenten. Laut Forbes war er im vergangenen Jahr mit 15 Millionen Dollar der bestbezahlte YouTuber (Quelle: Börse ARD).

Dabei kommt nur ein vergleichsweise geringer Teil direkt von YouTube. Haupteinnahmequelle sind die Sponsorings, Produktwerbungen und das Merchendising.

Auch in Deutschland verdienen die Top 10 in der Zwischenzeit mindestens im sechsstelligen Bereich.

Sensibilisiert eure Kinder deswegen auch für das Thema Authentizität. Die bei den reichweitenstarken YouTubern vermutlich irgendwann nur noch zu einem gewissen Maße vorhanden ist.

Wo viel Geld fließt – und das ist ab einer gewissen Followerzahl beinahe zwangsläufig der Fall – da stehen die Chancen nicht schlecht, dass die Authentizität abnimmt, da die dahinterstehende Vermarktungsmaschine eigene Interessen verfolgt.

Ich habe lange überlegt, warum es für mich gefühlt nicht soooo schlimm ist, wenn bestimmte Computerspiele Geschlechterklischees reproduzieren (der starke, handelnde Actionheld und die zu rettende sexy Frau, die nicht redet), ich aber ein ganz anderes Gefühl habe, wenn es um YouTube geht.

Meine Antwort war, dass ich (auch als Kind und Jugendliche) bei Computerspielen einen ganz anderen Abstand zu den Charakteren habe, dass mir immer voll und ganz bewusst ist, dass es sich um Fiktion handelt.

Anders sieht es bei den nahbar erscheinenden YouTube-Stars aus. Das sind am Ende einfache Menschen, die (vorgeblich) authentisch über ihr Leben berichten. Sie haben ein ganz anderes Identifikationspotenzial und es gibt so etwas wie „Nähe“.

Auch im oben erwähnten Deutschlandfunk-Feature von Almut Schnerring und Sascha Verlan geht es um das Thema Authentizität:

„YouTube verspricht Authentizität. Das echte Leben im Gegensatz zur Drehbuchrealität, zur Scripted Reality des Fernsehens. Und viele Videos verdanken ihren Erfolg allein diesem Authentizitäts-Versprechen.

Angeblich thematisieren und zeigen die Videos, was jemand wirklich denkt und tut. Allerdings investiert das Unternehmen Millionen in die Förderung und Beratung seiner aktuellen und zukünftigen Stars und richtet weltweit YouTube-Spaces ein mit Büros, Studios, Video-Schnittplätzen und kostenlosen Fortbildungsangeboten, in denen Interessierte lernen können, wie man erfolgreiche Videos dreht.“

Dass die Sache mit der Authentizität am Ende eine Illusion ist, ist vielleicht nicht jedem Fan/Follower klar.

Wenn aber diese Differenzierung getroffen wurde und auch das Wissen um den Wirtschaftsfaktor, der hinter den großen Formaten steht, vorhanden ist, dann ist YouTube wie alle anderen digitalen Medien natürlich kein Teufelszeug mehr und auch ich kann dann meinen Krückstock wieder einpacken.

Abschließend noch einige Empfehlungen aus meiner Followerschaft. Schaut mal rein:

Eine sehr umfangreiche, phantastische Liste an Empfehlungen hat Steve Rueckwardt zusammengestellt. Unbedingt mal reinschauen.

Von ihm kam auch der Tipp, dass gestern YouTube Kids gestartet ist.


Was schauen eure Kinder und wie fühlt ihr euch damit? Gibt es YouTube Kanäle, die ihr empfehlen würdet? Habt ihr auch ein schlechtes Gefühl mit YouTube und was tut ihr dagegen?

Kommentiert einfach hier, teilt eure Medienmomente auf Instagram, bloggt selbst darüber, twittert oder schreibt darüber auf Facebook. Wenn ihr euren Beiträge mit dem Hashtag #medienmomente markiert, können sie später eingesammelt und geteilt werden.

Weiterführende Links:

Teil 1 von Let’s talk: Nicht wie lange sondern was
Teil 2 von Let’s talk: Messenger
Teil 3 von Let’s talk: Computerspiele

[Anzeige] Let’s talk – Hilfe, mein Kind spielt Computerspiele!

Computerspiele
Olichel @pixabay

Gemeinsam mit SCHAU HIN! habe ich eine kleine Serie zum Thema Kinder und digitale Medien gestartet.

Im Zentrum meiner Serie sollen die Chancen, die (neue) Medien mit sich bringen, stehen und ich will beschreiben, wie wir als Familie im Alltag damit umgehen und gerne auch von Euch hören, wie ihr den Alltag mit Kindern und digitalen Medien gestaltet.

Risiken und Gefahren werden durch Kulturpessimisten aller Ausrichtungen zu genüge beklagt. Viele Eltern reagieren mit Unsicherheit und statt sich mit den einzelnen Themen auseinanderzusetzen, wird schnell mal ein Verbot verhängt.

Ich bin jedoch der festen Überzeugung, dass Verbote in Sachen Medienkonsum nichts bringen. Deswegen versuche ich mit meinen Kindern im Gespräch zu bleiben und Lösungen zu erarbeiten, die für uns beide alle passen. Das ist auch der Grund warum ich die Serie Let’s talk nenne.

Im dritten Teil geht es um: Computerspiele

Seit ungefähr 15 Jahren spiele ich keine Computerspiele mehr – oder besser gesagt: ich spiele wirklich nur sehr sporadisch.
Mein Partner hingegen spielt relativ häufig und weil ich dem Spielen auch gar nicht abgeneigt bin, haben wir mehrere Male versucht miteinander zu spielen.

ptra @pixabay – Früher war alles besser!

Die Idee war einfach:
„Hey! Lass uns Helldivers spielen! Ich koche heute und du spielst das Tutorial durch. Wir essen und danach spielen wir zusammen.“, sagte der Freund.
Top Plan! Ich setze mich also an die PlayStation, schaue den Controller an und starte das Tutorial.
Eine dreiviertel Stunde später ist der Freund fertig mit dem Kochen und ich mit den Nerven.
Ich habe ca. 15% des Tutorials geschafft, bin sehr, sehr oft gestorben und kann mir immer noch nicht merken, was die Tasten X, Kreis, Dreieck, Viereck, R1, R2 sowie L1 und L2 bedeuten.

Ähnliche Erfahrungen habe ich mit Injustice gemacht und das obwohl ich früher wirklich großen Spaß an Street Fighter und Mortal Kombat hatte. Vor, vor, zurück, irgendwas Super Combo!!!

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich spiele einfach zu wenig, um die Bedienung der einzelnen Controller so automatisiert zu haben, um mich auf das Spiel konzentrieren können und selbst wenn ich das im Ansatz schaffe – mein Skill ist einfach so schlecht, dass ich überall runterfalle, daneben springe, versehentlich reinspringe (Lava, Sägen, Säure) oder von jedem Gegner sofort getötet werde, so dass ich seltenst in den Genuss komme, dass mir Spiele Spaß machen.

Lediglich wenn Spiele so angelegt sind, dass man gar nichts können muss, habe ich Freude.
Die Zweiterspiele der Switch sind ein Beispiel. Beim wetttelefonieren, melken und Bart rasieren hab ich echt gut Chancen.
Auch sowas wie Tricky Towers (spielt das, erinnert an Tetris, nur dass die Linien nicht verschwinden) macht mir großen Spaß.

Was ich eigentlich sagen will: Schaut man sich z.B. den Jahresreport der Computer- und Videospielbranche in Deutschland 2016 an, stellt man fest: fast die Hälfte der Deutschen – unabhängig vom Alter (!) spielt (S. 30 ff.) – das bedeutet aber auch, dass die andere Hälfte nicht spielt.

Wie aber soll ich als Elternteil beurteilen, ob das, was die Kinder spielen, „gute“ Spiele sind? Wie soll ich zum Teil völlig unerfahren einschätzen lernen, was ein vernünftiger Umgang mit Computerspielen ist und wie viel Zeit man dafür einräumen soll, damit die Kinder Spaß haben und gleichzeitig nicht  … ja – was eigentlich? Verrohen? Verdummen?

Die Vorurteile gegenüber Spielern (und da mal bewusst die männliche Form) in unserer Gesellschaft sind ausgeprägt.
Wenn man nichts mit Spielen zu tun hat, dann hört man v.a. das: Spiele machen süchtig! Spiele machen aggressiv! Kinder, die zu viel spielen, vereinsamen und werden dick.

Nicht ganz verwunderlich, wenn die meisten Eltern da aus Angst einfach alles verbieten und das Thema Comuterspiele zum Zankapfel wird. Ich schrieb vor einiger Zeit mal über entsprechende Vorbehalte.

Und selbst wenn Eltern nicht alles verbieten – Unwissenheit führt oft auch zu (Kinder)Frust. Ein wunderbares Beispiel zum Thema Savepoints habe ich neulich auf Twitter gelesen (es lohnt auf den Tweet zu klicken und alles zu #momvsffxv zu lesen):

Also: Was sind meine Tipps zum Computerspielethema? Wie gehen wir in unserem Haushalt damit um?

1. Redet mit euren Kindern.

Was spielen sie, warum spielen sie es, spielen sie es alleine? In einer Gruppe mit Freundinnen und Freunden? Gibt es Level? Gibt es irgendwelche günstigen Ausstiegspunkte (z.B. wenn man zeitliche Grenzen setzen will)? Wie fühlen sie sich nach dem Spielen und warum?
Es gibt eine Menge Fragen, die man stellen kann.
Fragt doch mal, ob ihr zuschauen dürft und lasst euch die Spiele erklären.
Je jünger das Kind, desto erklärfreundiger würde ich wetten.
Irgendwann kommt man bestimmt in das Thema pupertäre Rückzugsräume – da muss man vielleicht nicht neben dem Kind sitzen und rumnerven, aber wenn man grob erklärt bekommt, um was es geht, kann man sich ja vielleicht ein Let’s Play anschauen, um einen Eindruck von der Spielmechanik zu bekommen (dafür einfach „Let’s Play <Spielename>“ in die YouTube Suche eingeben).

2. Schaut, ob es Kriterien gibt, die ihr für euch zur Bewertung von Spielen entwickeln könnt.

Ich finde z.B. gut wenn Spiele endlich sind. Man hat dann einen vorgegeneen Spannungsbogen, den man erfolgreich und befriedigend abarbeiten kann. Endlosspiele (World of Warcraft, League of Legends ) finde ich anstrengend und die machen mir auch ein ungutes Gefühl, wenn die Kinder sie spielen. Denn es gibt – egal wie lange man spielt immer noch diese eine Gegend zu erkunden, diese eine Waffe zu ergattern, diesen einen Kampf zu bestehen

Ich mag Spiele, die einfach funktionieren, ohne dass man was dazu kaufen muss. Also ohne sogenannte In-App Purchases.

Ich bevorzuge Spiele, in denen es divers zugeht und die keine Klischees bedienen (wenigstens nicht allzu stark).

Spiele, in denen man etwas erschaffen kann (Paradebeispiel Minecraft), gefallen mir auch.

Es gibt Spiele, die weiterlaufen, auch wenn man nicht spielt. Das übt Druck auf die Kinder aus. Deswegen finde ich Spiele besser, die da stoppen, wo man aussteigt und einen dort auch wieder einsteigen lassen.

Idle Clicker Games sind die Pest.

3. Baut euch eine Games-Filterbubble.

Holt euch das Thema Spiele bewusst in euer Leben. Wenn ihr auf Twitter seid, folgt Leuten die spielen und davon Ahnung haben.
Mir fallen da spontan Rainer Sigl, Christian Huberts und Marcus Richter ein.

Ich habe außerdem aus Empfehlungen, die ich bekommen habe, eine Twitterliste mit Frauen zusammengestellt, die sich ebenfalls mit Computerspielen auskennen (z.B. Linda BreitlauchJana Reinhardt, Sabine Hahn oder Rae Grimm). Und falls euch das nicht genügt, schaut euch mal die Liste der Top 50 Frauen der deutschen Games-Branche an.

Ihr seid nicht auf Twitter? Abonniert zB bei piqd den Games-Kanal* und lasst euch Artikel empfehlen.

Ihr hört lieber Radio? Hört euch doch z.B bei Deutschlandfunk Kultur Kompressor die Games-Rubrik „Vorgespielt“ an.

Abonniert Podcasts zu dem Thema.

Schaut euch Voträge zum Thema an:

Geht mit euren Kindern zu eSports Events. Wirklich physisch zu einem Event hingehen – nicht nur den Videostream anschauen. Oder wagt es mal die gamescom zu besuchen.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich so eine Menge Vorurteile und Ängste abbauen lassen und ihr überraschende Erkenntnisse gewinnen könnt.

4. Gebt den Kindern Geld für werbefreie Spiele.

Die grässlichsten Spiele sind die, die mit Werbung zugeknallt sind. Unerträglich. Hier ist es ähnlich wie beim Thema Messenger. Durch irgendwelche Hintertürchen werden Nutzerdaten gesammelt – ganz abgesehen davon wird das Spiel ständig durch irgendwelche Grütz-Werbung, deren Inhalt ihr ja auch nicht bestimmen könnt, unterbrochen.

Für jemanden, der ein eigenes Einkommen hat, ist es vielleicht kein Problem zwei bis fünf Euro (z.B. bei Handyspielen) auszugeben. Wenn man zwei bis fünf Euro Taschengeld pro Woche bekommt, tut man sich da schon wesentlich schwerer.
Geld für Spiele ausgeben, ist eine gute Idee. Auch SpielentwicklerInnen wollen Geld verdienen und Qualität hat eben einen Preis.

5. Wenn ihr mit bestimmten Spielen Probleme habt, bietet den Kindern Alternativen.

Weil ihr Punkt 3 beherzigt habt, kennt ihr jetzt nämlich einige Spiele, die interessant klingen, oder?

Apropos Alternativen. Das hört man ja auch so oft. Die Kinder sollen mal raus an die frische Luft! Sport machen!

Dazu bitte an die eigene Nase fassen. Kinderfreier Abend – ihr könnt machen, was ihr wollt! Naaa? Sechs Folgen eurer Lieblingsserie binchwatchen oder äh Sport?

Mal abgesehen davon, glaube ich, dass das Alternativen-Thema schon Jahre vorher gelegt wird. Wenn die Kinder nicht schon im Kleinkindalter regelmäßig auf den Spielplatz gehen oder im Schulalter mit Sport beginnen, dann stellt sich Bewegungslust im Teenageralter nicht von Zauberhand ein.

Wenn man als Eltern also Wert auf Bewegung, Sport, Bücher lesen etc. (was auch immer ihr für eine wertvolle Alternative haltet) legt, dann muss man das von klein auf fördern und mit gutem Vorbild voran gehen. Da muss man dann eben mit auf den Spielplatz, muss mit den Kindern in den Wald, zum See, ins Schwimmbad. Nehmt die Kinder mit auf die Yoga-Matte, lasst sie neben her Fahrrad fahren, wenn ihr joggen geht, fahrt gemeinsam Fahrrad – was auch immer

Und ganz am Ende: Vergesst nicht wie ihr als Kinder und Teenager wart.
Ich glaube nach wie vor, dass es eine Lebensphase gibt, in der man enthusiastisch in Themen versinkt. Ich habe wie irre gelesen, mir Stunden und Tage mit Point-and-Click-Adventures um die Ohren gehauen und ich möchte nicht wissen, wie viele Stunden ich vor Trash TV wie Big Brother und Popstars verbracht habe.

Anekdotische Evidenz: ABER AUS MIR IST TROTZDEM WAS GEWORDEN


Wie geht ihr mit dem Wunsch eurer Kinder um Computerspiele zu spielen? Habt ihr Vorurteile? Wenn ja, hinterfragt ihr die und zu welchen Erkenntnissen seid ihr dabei gekommen?

Gibt es für euch gute und schlechte Spiele? Habt ihr Empfehlungen?

Kommentiert einfach hier, teilt eure Medienmomente auf Instagram, bloggt selbst darüber, twittert oder schreibt darüber auf Facebook. Wenn ihr euren Beiträge mit dem Hashtag #medienmomente markiert, können sie später eingesammelt und geteilt werden.


Wen es interessiert, wie andere Familien mit der Computerspiellust ihrer Kinder umgehen, der liest das im Blog von Heiko Bielinski nach: sehr lesenswert

Weiterführende Links:

Teil 1 von Let’s talk: Nicht wie lange sondern was
Teil 2 von Let’s talk: Messenger


*Der Games-Kanal ist seit kurzem in den Fundstücke-Kanal integriert (was ich persönlich sehr schade finde). Die URL leitet um.

[Anzeige] Let’s talk – about Messenger

Ist WhatsApp wirklich alternativlos? Foto Webster2703 @Pixabay

Gemeinsam mit SCHAU HIN! habe ich Ende Juni eine kleine Serie zum Thema Kinder und digitale Medien gestartet. 

Im Zentrum meiner Serie sollen die Chancen, die (neue) Medien mit sich bringen, stehen und ich will beschreiben, wie wir als Familie im Alltag damit umgehen und gerne auch von Euch hören, wie ihr den Alltag mit Kindern und digitalen Medien gestaltet.

Risiken und Gefahren werden durch Kulturpessimisten aller Ausrichtungen zu genüge beklagt. Viele Eltern reagieren mit Unsicherheit und statt sich mit den einzelnen Themen auseinanderzusetzen. 

Ich versuche mit meinen Kindern im Gespräch zu bleiben und Lösungen zu erarbeiten, die für uns alle passen. Das ist auch der Grund warum ich die Serie Let’s talk nenne.

Im zweiten Teil geht es um: Messenger-Apps

Segen Messenger-Apps

Ich liebe es zu chatten. Nie war es einfacher in Verbindung zu bleiben. Sei es mit dem Partner, den Kindern, lieben Freundinnen oder Kolleginnen. Beim Stillen, während langweiliger Pflichtveranstaltungen (Tante Friedel wird 77) oder mitten in der Nacht wenn der Geburtstagskuchen, in den man bereits Stunden investiert hat, leider gerade eingefallen ist.

Mir haben Chats immer sehr geholfen mich nicht alleine zu fühlen. Egal wo ich bin und was ich mache. Gerade neu umgezogen, alleine im Urlaub, verzweifelt seit Stunden wartend beim Kinderarzt – egal – in meinem Handy wartet Trost und Zuversicht.

Genauso freue ich mich für meine Kinder, dass auch sie unkompliziert Kontakt zu ihren Freundinnen und Freunden Kontakt halten können.

Für mich waren die Sommerferien ein Graus früher. Sieben Wochen ohne Freundinnen, weil alle irgendwo waren. Oder Umzüge! Zog die geliebte Freundin ein Dorf weiter, war sie quasi für immer verloren. Oder das unendliche Auslandsjahr!

Das ist heutzutage total anders. Selbst wenn die Freundin in Vietnam ist, kann man weiterhin in Kontakt bleiben.

Kindern das Chatten zu verbieten, wäre für mich deswegen bizarr. Nur die Wahl der richtigen App ist leider ziemlich kompliziert.

Welche ist die richtige Messenger-App?

Elternabend in der Schule: Kurz vor Ende kündigt die Lehrerin an: „Zum nächsten Termin können wir darüber sprechen, ob wir einen WhatsApp-Chat machen oder nicht.“

In mir steigt sofort die Empörung hoch und ich melde mich – wohlwissend wie es andere Eltern empfinden, wenn sich eine Mutter am Ende des Elternabends nochmal schnell mit hochrotem Kopf meldet: „Ich hätte gerne, dass wir eine Stufe vorher mit der Diskussion anfangen und dann darüber sprechen, ob es ein WhatsApp-Chat sein muss oder ob vielleicht eine andere App nicht geeigneter wäre.“

Der Blick der Lehrerin sagt Whatever und der Mund sagt: „Ja, natürlich.“ Die Blicke der Eltern sagen: „Bitte, bitte, wir wollen nach Hause, nerv‘ doch nicht.“

Ich atme leise durch die Ohren aus. WhatsApp wird leider meistens als völlig alternativlos als gesetzt gesehen.


Ein kleiner Exkurs.

Im Mai habe ich über Sprachnachrichten geschrieben und einen nachgebildeten (!) Screenshot aus dem WhatsApp Messenger benutzt.

Der Tweet dazu wurde oft geteilt und der Artikel fast zehntausend Mal aufgerufen. Das habe ich sehr bereut – eben wegen der Verbreitung des besagten WhatsApp-Screenshots.

Tatsächlich benutze ich WhatsApp – aber nur bei Freundinnen und Freunden, die wirklich nur dort zu erreichen sind.

Ich habe durchgezählt: das sind lediglich fünf von ca. fünfzig Menschen mit denen ich mehr oder minder regelmäßig chatte. Alle anderen sind bei mir entweder auf Threema oder auf iMessage.

Werbung für die Verwendung von WhatsApp wollte ich nie machen. Im Gegenteil.

WhatsApp – na und? Benutzen doch alle!

Warum glaube ich, dass es ein Unterschied macht, welchen Messenger man verwendet?

Messenger sind unterschiedlich sicher und sie gehen unterschiedlich mit unseren Daten um.

Viele wissen vermutlich, dass WhatsApp seit April 2016 die Daten Ende-zu-Ende verschlüsselt. Diese Verschlüsselung schützt jedoch nicht vor der Weitergabe und Auswertung von Metadaten.

Metadaten sind alle Daten, die neben den eigentlichen Nachrichten anfallen. Dazu gehören z.B. Informationen wann man wie oft von wo mit wem chattet.

Aus diesen Daten kann eine Menge (fehl)geschlossen werden. (Ich habe an anderer Stelle mal versucht mehr oder weniger lustig darzustellen, wie ein Ausschnitt bestimmter Informationen einige ziemlich unpassende Fehlschlüsse zulässt.)

WhatsApp sammelt die Metadaten und gibt sie an den Mutterkonzern Facebook weiter. Dort werden sie verwendet um von den einzelnen Nutzerinnen und Nutzern Profile zu erstellen, damit auf Facebook passgenaue Werbung angezeigt werden kann.

Wer seine Privatsphäre liebt, kann das nicht gutheißen.

Ausführlicher kann man die Argumente, die gegen die Verwendung von WhatsApp sprechen, hier und hier nachlesen. Die Details würden den Rahmen meines Artikels sprengen.

Wichtig auf jeden Fall noch: In den Systemeinstellungen eures Endgeräts selbst, könnt ihr WhatsApp ziemlich viele Rechte entziehen:

Ich möchte im Zusammenhang mit WhatsApp und Kindern zwei andere Argumente beleuchten:

WhatsApp hat weltweit über eine Milliarde Nutzerinnen und Nutzer. Wenn ich mit anderen über WhatsApp spreche, höre ich v.a. zwei Argumente.

1.) Oma, Karl, Silke und Thorsten sind halt schon bei WhatsApp…

und

2.) WhatsApp ist kostenlos!

An Punkt 2.) möchte ich gleich anknüpfen. WhatsApp bezahlt man tatsächlich nicht in Euro sondern eben – wie oben geschildert – mit Daten.

Das Unangenehme: Ihr zahlt nicht nur mit euren Daten, sondern gebt auch alle Daten aus eurem Telefonbuch (also die Daten anderer) weiter.

Es ist übrigens möglich bei Installation der App dieser Verknüpfung zu widersprechen – die Chats sehen dann aber wie in dem Screenshot unten aus und sind, wenn es beispielsweise um Gruppenchats geht, unübersichtlich, weil man nicht einfach zuordnen kann, wer was schreibt:

WhatsApp
Ist das Telefonbuch nicht verknüpft, sieht man nur Profilbild und Telefonnummer – keinen Namen (und ja, ich sehe, dass da eine Telefonnummer im Screenshot zu sehen ist)

Geschäftsmodelle hinterfragen ist Teil von Medienkompetenz

Gerade das Geld-Argument ist übrigens ein sehr starkes für die Wahl von WhatsApp bei Kindern.

Als Eltern könnt ihr dem relativ leicht entgegenwirken

  1. gebt den Kindern einfach das Geld um sich eine datensensible App zu kaufen
  2. und sprecht mit euren Kindern über Geschäftsmodelle. Selbst Kindern leuchtet das relativ einfach ein: Stellt die Frage, wie eine Firma Geld verdient. Auch Kinder können sich vorstellen, dass Menschen, die für ein Unternehmen arbeiten, irgendwie Geld bekommen müssen und dass es unterschiedliche Wege für Unternehmen gibt, Geld zu generieren.

Wer diese Frage kennt und sie auf neue Dienste anwendet, hat schon viel über Medienkompetenz gelernt.

Dem ersten der oben genannten Argumente könnt ihr schlecht entgegenwirken – bestenfalls wenn man das Thema schon sehr früh diskutiert und auch bei anderen Eltern in die Diskussion einbringt. Wenn eure Kinder die ersten mit alternativen Messenger sind, ist es vielleicht leichter, andere zu überzeugen, ebenfalls von der Nutzung von WhatsApp abzusehen.

Gleiches gilt übrigens für Aufklärungsarbeit am Elternabend. Ich möchte behaupten, dass 80% der Eltern sich noch nie mit diesem Thema auseinandergesetzt haben.

Meine Empfehlung: Threema

Meine Empfehlung für eine sichere App, die ordentlich mit euren Daten umgeht, ist Threema.  Threema kostet 3,49 Euro im iTunes Store und 2,99 Euro im Google Play-Store). Test.de schätzt das ähnlich ein.

Alle anderen Alternativen (beispielsweise Telegram und Signal) möchten ebenfalls Daten aus dem Telefonbuch laden. Man kann das so wie bei WhatsApp unterbinden – Chats sind dann so unübersichtlich wie in der Abbildung oben.

Auf dem Desktop sieht man schön meine Inkonsequenz *seufz*

Mehr Argumentationshilfe gegen WhatsApp gibt es übrigens bei Netzpolitik unter z.B. Abschied von WhatsApp: Fünf gute Gründe, den Messenger zu wechseln (Wer die Nerven hat, sollte sich auch mit dem Thema Open Source Software auseinandersetzen – auch eine Sache, die als Bewertungskriterium bei allen Arten von Software gilt).

Am Ende muss man sich entscheiden:

  • WhatsApp gar nicht verwenden und damit auf unkomplizierte Kontaktmöglichkeiten zu bestimmten Menschen komplett verzichten
  • WhatsApp für einen Teil der Kontakte benutzen – aber die Verknüpfung zum Telefonbuch sperren und mehr oder minder kryptische Chats und die Weitergabe der Metadaten akzeptieren
  • oder WhatsApp „normal“ benutzen, die Daten aus dem Telefonbuch hochladen und Metadaten dem Facebook-Konzern überlassen.

Eine weitere WhatsApp-Plage sind „Ketten-Briefe“

Übrigens ein weiteres Argument gegen WhatsApp ist für mich als Mutter das Thema Ketten-Briefe (eigentlich Ketten-Nachrichten). Da gibt es wirklich unsägliche Dinge. Ich habe noch nie gehört, dass über Threema ähnlicher Mist an die Kinder gelangte.

oder

Je nach Alter setzen solche Nachrichten Kinder wahnsinnig unter Druck.

Fragt eure Kinder mal, ob sie bereits ähnliche Nachrichten erhalten haben. Viele Kinder erzählen aus Angst gar nicht erst darüber. Sprecht mit euren Kindern über diese Ängste und kontaktiert ggf. das versendende Kind und deren Eltern, um dort auch ins Gespräch zu kommen.

Erst kürzlich ging eine noch drastischere Audionachricht herum, die seit 2013 auf WhatsApp kursiert. Sie droht den Kindern mit dem eigenen Tod und dem der Mutter, sofern die Nachricht nicht in kürzester Zeit an zwanzig weitere Empfänger verschickt wird.

Weitere Tipps zum Umgang mit diesen Ketten-Briefen z.B. unter „Wenn Kinder Morddrohungen per WhatsApp bekommen.

Am Ende muss man sich für oder gegen WhatsApp entscheiden

Zurück zum Thema Wahl des Messengers – meine persönliche, zähneknirschende Entscheidung: Beides erlauben, schauen, ob man mit WhatsApp klar kommt, wenn man die App nicht mit dem Telefonbuch verknüpft ist und immer wieder Diskussionen anzetteln.

Ich halte es da wie mit allen Nachhaltigkeitsthemen: Ich weiß, dass ich nicht alles restlos perfekt machen kann, also erlaube ich mir Ausnahmen.

Jetzt da ich mich wieder ausführlich mit dem Thema auseindergesetzt habe, habe ich erneut ein sehr schlechtes Gefühl mit meiner Inkonsequenz…

Einmal hochgeladene und freigegebene Daten des Telefonbuchs sind eben nicht mehr löschbar.

Dass das Thema Datenweitergabe durchaus relevant ist, zeigt übrigens das (juristisch umstrittene) „WhatsApp Urteil von Bad Hersfeld„: In dem Urteil hat der zuständige Richter einer Mutter auferlegt, schriftliche Einverständniserklärungen aller WhatsApp-Kontakte ihres Sohnes einzuholen und diese dem Gericht vorzulegen – andernfalls dürfe das Kind die App nicht weiter nutzen.

Von der Nachricht wie der Staatstrojaner Daten (u.a.) aus WhatsApp abziehen möchte, fange ich gar nicht erst an…

Es ist und bleibt sehr kompliziert mit diesem Thema.


Wie geht ihr damit um? Was sind eure Empfehlungen und wie wichtig ist euch Datenschutz und Privatsphäre?

Kommentiert einfach hier, teilt eure Medienmomente auf Instagram, bloggt selbst darüber, twittert oder schreibt darüber auf Facebook. Wenn ihr euren Beiträge mit dem Hashtag #medienmomente markiert, können sie später eingesammelt und geteilt werden.


Wen auch die rechtlichen Rahmenbedingungen interessieren, dem empfehle ich die aktuelle Rechtsbelehrung zum Thema „WhatsApp, Messenger und Abmahnungen“ reinzuhören.

Weiterführende Links:

Teil 1 von Let’s talk: Nicht wie lange sondern was

[Anzeige] Let’s talk – neue Serie zum Thema digitale Medien und Kinder

digitale MedienGemeinsam mit SCHAU HIN! starte ich eine kleine Serie zum Thema Kinder und digitale Medien.

Im Zentrum meiner Serie sollen die Chancen, die (neue) Medien mit sich bringen, stehen und ich will beschreiben, wie wir als Familie im Alltag damit umgehen und gerne auch von Euch hören, wie ihr den Alltag mit Kindern und digitalen Medien gestaltet.

Risiken und Gefahren werden durch Kulturpessimisten aller Ausrichtungen zu genüge beklagt. Viele Eltern reagieren mit Unsicherheit und statt sich mit den einzelnen Themen auseinanderzusetzen, wird schnell mal ein Verbot verhängt.

Ich bin jedoch der festen Überzeugung, dass Verbote in Sachen Medienkonsum nichts bringen. Deswegen versuche ich mit meinen Kindern im Gespräch zu bleiben und Lösungen zu erarbeiten, die für uns beide alle passen. Das ist auch der Grund warum ich die Serie Let’s talk nenne.

Im ersten Teil geht es um: Medienkonsum

Wie lange ist genug?

Die erste Frage, die besorgte Eltern auf Veranstaltungen zum Thema „Digitale Medien“ oft stellen, lautet: Wie viel Medienzeit sollte man einem Kind gestatten?

In den allermeisten Fällen wird anschließend ausgiebig diskutiert, ob 15, 30 oder 60 Minuten das richtige Maß sind. Ich sitze dann oft etwas ratlos daneben und frage mich: Wie sollen denn 30 Minuten zum Beispiel beim Computerspielen genügen?

Ich bin für gar keine oder weiche Begrenzungen. Stellt euch doch mal vor, ihr lest gerade ein Buch. Nach 30 Minuten kommt jemand dazu, der darauf besteht, dass ihr jetzt SOFORT aufhört. Ist es nicht naheliegend – gerade wenn das Buch besonders spannend ist – darum zu bitten, beispielsweise das Kapitel beenden zu dürfen? Je nach Buch und Lesegeschwindigkeit dauert das aber nochmal 20 Minuten.

Was nun? Buch aus der Hand nehmen? Oder zuende lesen lassen?

Für mich ist die Frage „Wie lange sollen Kinder mit Computerspielen/im Internet verbringen dürfen?“ kaum zu beantworten.

Die wichtigere Frage ist was und nicht wie lange

Die eigentlich Antwort auf diese Frage, liegt an einer ganz anderen Stelle.

Warum fühle ich mich unwohl, wenn das Kind stundenlang auf Facebook verbringt, nicht aber, wenn es Lego spielt. Warum finde ich es nervig, wenn Kinder Stunden vor YouTube verbringen, nicht aber, wenn sie malen?

Nie käme ich auf die Idee, ins Kinderzimmer zu gehen und zu rufen: „Du spielst jetzt schon seit zwei Stunden Lego! Jetzt ist aber endlich Schluß!“

Der Unterschied liegt darin, dass im einen Fall konsumiert, im anderen Fall erschaffen wird.

Das ist der Grund warum ich versuche, meine Kinder mit allem was mit Internet und neue Medien zu tun hat, zu ermutigen, den Anteil des reinen Konsumierens möglichst gering zu halten und den Anteil, in dem erschaffen wird, eher auszudehnen und fast gar nicht zu begrenzen.

Was meine ich genau damit?

Hier einige Beispiele: Kind 3.0 malt von Herzen gerne. Es lässt sich auch gerne zum Malen inspirieren. Es schaut in Kinderbücher, es schaut sich Blumen an, es betrachtet Bauwerke und dann malt es, was es gesehen hat.

Es bittet mich ununterbrochen in der Google-Bildsuche nach Dingen zu schauen. Wie sehen Suffolk-Schafe aus, welche Arten von Wölfen gibt es, existieren bunte Würmer?

Kind 3.0 ist noch zu jung (und kann noch nicht sicher genug schreiben), um diese Antworten selbst zu recherchieren – ich auf der anderen Seite, habe nicht ausreichend Zeit und Nerven all diesen Fragen nachzugehen.

Instagram, Minecraft, Scratch und Calliope

Ich bin deswegen irgendwann auf die Idee gekommen, dass ein Instagram-Account eine gute Kompromisslösung sein könnte. Der Plan ist sich gemeinsam hinzusetzen und Interessensgebiete abzuklappern. Es gibt hunderte von wunderbaren Illustratorinnen und Illustratoren, die ihre Arbeiten (und v.a. auch ihre einzelnen Arbeitsschritte) auf Instagram festhalten. Genauso viele Tierfotografinnen und -fotografen gibt es und es gibt auch eine ganze Reihe Accounts, die eine tolle Mischung zwischen Landschaften, Tieren und Menschen zeigen – so wie z.B. National Geographic.

Den Account lege ich an und in Absprache mit mir, kann das Kind auch eigene Kunstwerke hochladen.

Als Nebeneffekt können wir über Bildrechte sprechen. Was und wer darf fotografiert werden und was und wer nicht und warum?

Ähnlich ist es bei uns mit Minecraft. Es ist wahnsinnig faszinierend, wie sehr solche Spiele die Kinder motivieren zu lernen. Was gibt es für Bauelemente? Haben sie Sonderfunktionen? Was kann man damit bauen?

Minecraft erklärt wenig und es muss alles selbst gelernt werden. Alles, was entsteht, erwächst der Phantasie und Kreativität des Kindes. Ist der Forschungsdrang erstmal geweckt, gibt es kaum ein Halten.

Falls ihr Minecraft noch nicht kennt, einen schönen, erklärenden Test, gibt es z.B. beim Spieleratgeber NRW. Natürlich bietet auch SCHAU HIN! Infos zu Minecraft.

Es gibt noch viele andere Beispiele, was Kinder machen können, um eher zu erschaffen als ausschließlich zu konsumieren. Es gibt beispielsweise bloggende Kinder wie die Johnny und Jojo Buddenbohm. Warum die Kinder nicht ermutigen zu bloggen?

Ein ganz eigenes Kapitel könnte das Kapitel Kinder programmieren sein. Ich habe eine zeitlang bei einem IT-Dienstleister gearbeitet und zum Girls‘ Day haben wir den Mädchen Scratch nahegebracht. Scratch ist eine visuelle Programmiersprache, die wirklich sehr schnell so zu erlernen ist, dass sich eigene Ideen umsetzen lassen. Für den Einstieg gibt es sehr viele anschauliche Tutorials.

Für die letzt genannten Beispiele – bloggen und programmieren – sollten die Kinder allerdings schon sicher lesen und schreiben können. Minecraft und instagram funktionieren auch ohne diese Fähigkeiten.

Unabhängig von den Fähigkeiten kommt es für mich sehr auf das Alter der Kinder an, ob ich sie völlig autark machen lasse oder ob ich noch dabei bin und das Kind bei den Aktivitäten begleite. Manche Dienste haben ohnehin eigene Altersbeschränkungen.

Um es kurz zu machen: Ich bin der Frage nachgegangen warum und wann genau ich mich mit exzessiven Medienkonsum meiner Kinder unwohl fühle. Dabei habe ich festgestellt, dass ich mich v.a. mit den Dingen unwohl fühle, die über das reine Konsumieren nicht hinaus gehen.

Produzieren statt Konsumieren

Bei allem, was näher am Produzieren und Erschaffen ist, verlässt mich das ungute Gefühl. Am wohlsten fühle ich mich dann, wenn ich denke, die Kinder lernen nebenher etwas und ihre Projekte werden sogar ausserhalb des Internets sichtbar.

digitale Medien

Gerade was das Programmieren angeht, gibt es in der Zwischenzeit schier unendliche Möglichkeiten. Ein aktuelles Beispiel, das hoffentlich bald breite Verwendung findet, ist der Calliope mini, der sich zur Mission gemacht hat, jedem Schulkind in Deutschland ab der 3. Klasse einen spielerischen Zugang zur digitalen Welt zu ermöglichen.

Als ich neun war, habe ich einen C16 mit Datasette und ein BASIC-Buch bekommen. Es hat nicht lange gedauert, bis mir das Spielen langweilig wurde und ich angefangen habe, mir selbst kleinere Sachen zu programmieren. Ich kann mich nicht erinnern, dass meine Eltern jemals den Satz gesagt haben: „Jetzt ist aber Schluß! Dreißig Minuten am Computer haben wir vereinbart!“.

Das Tolle ist, wenn die Kinder erstmal Feuer gefangen haben an diesen Themen, gibt es unendliche Möglichkeiten, wo sie andere Kinder treffen können und dort mit ihnen weiter arbeiten. Exemplarisch seien hier nur Jugend hackt und die Coder Dojos genannt.

Und spätestens dann wenn die Kinder die eigenen vier Wände verlassen, um mit anderen Kindern gemeinsam Projekte umzusetzen, sind doch alle Elternängste verflogen, oder?

Manchmal dauert es eine Weile, bis man das Richtige für die eigenen Kinder findet. Während die Girls‘ Day Mädchen durchweg von Scratch begeistert waren, hat sich Kind 2.0 tot gelangweilt. Dann beim Junghackertag des CCC hat es zum Thema Löten Feuer gefangen. Es ist offenbar eher hands-on.

In jedem Fall lohnt es sich aber gemeinsam mit den Kindern zu schauen: Für was interessieren sie sich, warum interessieren sie sich dafür und wie kann man das Verhältnis vom Konsumieren zum Produzieren verschieben.


Wie geht es euch mit dem Medienkonsum eurer Kinder? Was gefällt euch und was nicht und warum? Habt ihr empfehlenswerte Beispiele, die ihr anderen Eltern ans Herz legen wollt?

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