Is mir egal – über Body-Egalness

Body-Egalness
Schönstes Zitat im Film: Selbst die Models sind nicht so perfekt wie die Models

Gestern Abend habe ich den Film „Embrace“ gesehen, der noch bis 17.04. in der ARTE Mediathek verfügbar ist.

„In ihrem Dokumentarfilm „Embrace – Du bist schön“ begibt sich die australische Fotografin Taryn Brumfitt auf eine Reise um den Globus, um herauszufinden, warum so viele Frauen ihren Körper nicht so mögen, wie er ist. Sie trifft auf Frauen, die ihre ganz eigenen Erfahrungen mit Bodyshaming und Körperwahrnehmung haben. […] Taryns Botschaft lautet: Liebe deinen Körper wie er ist, er ist der einzige, den Du hast!“

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Allein, allein

Alleine Urlaub machen
Optimistisch stimmende Natur

Früher war es sehr einfach alleine zu sein

Ich kann sehr super alleine sein. Seit rund 15 Jahren bin ich es aber nicht mehr. Meistens nicht mal am Klo. Ich glaube, das nennt sich Familie.

Meine Kindheit habe ich mit einem sehr verständnisvollen Hund und sehr vielen Kaulquappen verbracht. Meine Jugend halb schlafend, halb lesend und wenn ich zwischendrin mal wach war, hab ich mich kurz verliebt. Dann kam das Studium und es wurde aufgrund der äußeren Rahmenbedingungen schwieriger alleine zu sein. Ich wollte Wissenschaftlerin werden, am liebsten eine mit weißem Kittel und dicker Brille, weil der dauerhafte Blick durchs Mikroskop die Augen so belastet. Eines Tages hätte ich dann einen anderen Wissenschaftler mit einem Nachnamen, der mindestens 17 Buchstaben hat (Peter Kunkeladelwandsteiner z.B.), kennengelernt und wir hätten geheiratet und der Nachwelt in den Lehrbüchern unsere wichtigen Hypothesen unter dem Namen Cammarata-Kunkeladelwandsteiner-Hypothese zum performativen Kronkanzteleportionszyklus hinterlassen. Statt Kinder eben.

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Gendern ist schon auch sehr anstrengend…

Genderwahn Symbolfoto – Foto https://twitter.com/hauptstadtfoto

Ich stehe mit fünf anderen Frauen in einer Bäckerei an und warte, dass ich dran bin. Zwei Verkäuferinnen bedienen und die eine von ihnen ruft: „Der Nächste bitte!“. Für den Bruchteil einer Sekunde bin ich verwirrt. Es stehen doch nur Frauen hier, wer ist der Nächste? Achso, jaja, ich bin gemeint. Ich bin der Nächste. So weit ist es mit mir gekommen. Wenn weit und breit nur Frauen zu sehen sind, fühle ich mich mit der männlichen Ansprache tatsächlich nicht mehr mitgemeint. Sprachlich völlig verdorben – zumindest seit ich mich mit dem Thema der gendergerechten Sprache auseinandersetze.

Ich erinnere mich gut, dass ich vor vielleicht zwanzig Jahren eine ähnliche Szene erlebt habe. Ich stehe mit einer Frau an der Wursttheke an und die Verkäuferin sagt: „Der Nächste bitte!“ Die Frau vor mir korrigiert: „Die Nächste.“ und bestellt Aufschnitt. Ich habe damals die Augen verdreht und gedacht: „Meine Güte, was ist das denn für eine, die weiß doch, was gemeint ist, soll sich mal nicht extra blöd stellen.“ Stolz habe ich damals für mich beschlossen, dass ich nie so anstrengend sein werde und auf sowas so sinnloses wie die explizit weibliche Form bestehen werde – schließlich bin ich selbstbewußt genug.

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Ferienjobs

Ferienjobs
Nägel musste man bei der Baumarktinventur zum Glück nicht zählen. Die konnte man wiegen.

Wie lange können bzw. sollen für die Kinder Ferien Ferien sein? Das habe ich mich schon sehr oft gefragt, denn schon in der Grundschule fanden die Lehrerinnen es eine gute Idee, den Kindern (meist freundlicherweise auf der persönlichen Schiene, ohne Eintrag ins Hausaufgabenheft) Aufgaben mit in die Ferien zu geben. Teilweise in absurdem Ausmaß. Ich habe mich bislang beharrlich geweigert die Kinder in der Grundschule umfangreiche Ferienhausaufgaben machen zu lassen.

Schon da habe ich mich gefragt, ob a) ich jetzt komplett Hippie geworden bin oder ich b) die Kinder verweichliche.

Brennender wird die Frage je älter die Kinder werden, da sie irgendwann in ein Alter kommen, in dem sich die Frage stellt, ob sie nicht mal den ein oder anderen Ferienjob machen könnten.

Ich selbst habe ab dem Grundschulalter regelmäßig Aufgaben erledigt, für die ich bezahlt wurde. Ich hab zum Beispiel das Treppenhaus des Mietshauses von oben bis unten durchgeputzt und dafür zwei Mark bekommen. Später habe ich Zeitungen ausgetragen und dann neben der Schule (nicht nur in den Ferien) regelmäßig gearbeitet. Ich musste. Zum einen, weil meine Eltern das wollten und zum anderen, weil es die einzige Möglichkeit für mich war an Geld zu kommen.

Ich habe so viele Jobs gemacht, ich kann mich gar nicht an alle erinnern. Die, die ich im Gedächtnis habe, habe ich aus Gründen im Kopf. So z.B. Inventuren in Baumärkten, bei denen ich ohne Handschuhe Sägeblätter gezählt habe, bis meine Finger blutig waren (Hey! Immerhin 15 Mark gab das pro Stunde. Irre. Wenn man da einfach 10 Stunden durchgearbeitet hat, war man reich!). Ich habe lange Zeit in einer Kneipe gekellnert, wo ich gelernt habe, wie man Schimmel abkratzt und Typen abwehrt, die einem Mal gerne die Gegend im Auto zeigen wollen, weil man nicht den typischen Lokaldialekt gesprochen hat: „Na, bist ned von hier, gell? Soll I dir amol die Gegend im Audo zeigen, hm?“

Ich habe nachts in Call-Centern gearbeitet, ich habe gebabysittet, ich habe Straßenumfragen gemacht, ich habe Nachhilfe gegeben, ich habe tagelang per Hand Tausende von Briefen eingetütet, ich habe VHS händisch digitalisiert, ich habe Lochkarten in einen Auswertungsautomaten eingespeist, ich habe komische Chipkarten eingelesen und irgendwelche Daten in großen Aktenschränken hinterlegt, die man über mehrere Etagen heranholen konnte und an Rechnern gearbeitet, die einen grünen Bildschirm und noch keine Maus hatten. Ich habe als Hiwi Forschungsarbeiten begleitet und in Kantinen gearbeitet, in denen ich morgens um 8 erstmal 150 halbe Brötchen mit Mett beschmiert habe.

Am grauenhaftesten war ein Ferienjob in einem Kleidungsversand, in dem man große Pakete öffnen und dann die einzelnen Kleidungsstücke für Boutiquen neu zusammenpacken musste. Ich erinnere mich noch ganz genau, dass man optisch nichts auseinander halten konnte: Mausgraue Pullover, steingraue, anthrazitfarbene, hellgraue, betongraue und dann rindenbraune, erdbraune, dunkelbraune, ebenholzfarbige, kaffeebraune, umbrafarbene und zimtfarbige. Schwarze, nachtschwarze, tiefschwarze, schwarzgraue, lackschwarze und zur Abwechslung purpurrote, tomatenrote, rubinrote, verkehrsrote, orientrote, braunrote und oxitrote Oberteile.

Mit einem großen Teppichmesser wurden die Kartons aufgeschlitzt und dann hat man sich die Bestelllisten geholt, die Teile durchgezählt, die richtige Paketgröße besorgt und anschließend wurden die Kleidungsstücke einsortiert. Man musste alles gebückt machen. Es war schrecklich anstrengend und unsäglich monoton. Glücklicherweise hab ich diesen Job mit meiner damaligen Teenagerfreundin gemacht, so dass wir wenigstens gackern konnten. Tatsächlich haben wir irgendwann so einen Unsinn veranstaltet, dass wir gefeuert wurden. Allerdings haben sie uns zwei Tage später wieder angerufen, ob wir nicht doch wieder arbeiten wollten, denn sie hatten niemanden gefunden, der in der Hochsaison aushelfen konnte. Und ja, wir gingen wieder hin. Immerhin gab es 12 DM die Stunde.

Mich haben diese Jobs sehr demütig gemacht. Ich wußte bei jedem Teil wie viele Stunden, Minuten, ja Sekunden ich dafür arbeiten musste. Eine Nacht Inventur im Baumarkt entsprach einer Diesel Jeans. Unglaublich teuer war die, aber ich wollte unbedingt eine schwarze mit weit ausgestellten Beinen.

Darüberhinaus haben mich die Jobs für die Schule motiviert. Viele der Leute, mit denen ich gearbeitet habe, haben diese Arbeiten als Festanstellung gemacht. Tagein, tagaus. Mir wurde ein guter Schulabschluss immer wichtiger. Um jeden Preis wollte ich nach dem Abitur die freie Auswahl, kein NC sollte mich an einem Studium hindern.

Mein Studium hätte ich ohne diese Jobs nicht geschafft. Manchmal hatte ich die letzten Tage vor Monatsende keinen Pfennig mehr und auch nichts zu essen. Ich hab mich dann einfach immer in WGs eingeladen und dort Nudeln gegessen oder bei Freundinnen und Freunden, die noch bei ihren Eltern wohnten und von den Eltern bekochen lassen.

All diese Erinnerungen haben in mir den Wunsch geweckt, dass meine Kinder so lange es geht ihre Ferien genießen können sollen. Ich wünsche mir, dass sie eine entspannte Zeit haben und dass sie sich bestenfalls auch mal tierisch langweilen.

Ich weiß nicht, ob ich ihnen dadurch etwas schenke oder im Gegenteil etwas nehme. Ich hab durch meine Jobs sehr viel gelernt. Die Praktika in meinem Studium waren nicht meine einzige Berufserfahrung, die ich dann bei Bewerbungen einbringen konnte.

Bis heute weiß ich, wie lange ich für welchen Gegenstand arbeiten muss. Oft rechne ich auch aus, was es kostet meine neu gekauften Schuhe zu tragen bzw. wie oft ich sie tragen muss, damit einmal Schuhe tragen weniger als einen Euro kostet und ich frage mich bevor ich in sie schlüpfe, ob ich den Betrag X jetzt in eine Schuhausleihstation einwerfen würde, wenn ich müsste.

Manchmal wird mir auch klar, dass ich jetzt ohne Probleme für eine Nacht in einem Hotel so viel ausgebe, wie ich für einen Monat in meinem Zimmer als Studentin Miete gezahlt habe. Ich weiß nicht, ob man das je vergißt und ich weiß auch nicht, ob das hilfreich ist.

Deswegen weiß ich auch nicht, ob ich den Kindern irgendwann mal sagen sollte: So, jetzt seid ihr alt genug, jetzt könnt ihr auch mal arbeiten gehen.

Früher hätte ich auch hier gesagt: Geschadet hat es mir nicht. In der Zwischenzeit denke ich – doch hat es. Es hat mich hart gemacht, auch hart mir selbst gegenüber und ich habe v.a. gelernt: egal wie scheiße ein Job ist, du machst ihn jetzt und du meckerst nicht rum.

Baden

Ich beim Baden.

Oft habe ich schreckliche Badesehnsucht. Das ist, mag man denken, da ich eine Badewanne besitze, vielleicht gar nicht so ein großes Problem. Ist es aber doch. Ich hasse es nämlich nass zu sein.

Ich warte deswegen schon seit Jahrzehnten auf die Zukunft in der man in Ermangelung von Wasser endlich Schall- oder meinetwegen auch Sandduschen kann, denn auch das tägliche Duschen ist mir eigentlich zu wider. V.a. morgens. Aufstehen und nass werden. Wer will denn sowas? Abends finde ich es noch halbwegs erträglich. Nasswerden und dann in ein warmes Bett – OK – aber morgens nass in die kalte Welt? Nein.

Am Wochenende packt mich dann plötzlich Badesehnsucht. Ich denke dann: „Nanu? Was ist los mit mir? Baden hat doch ziemlich viel mit Wasser zu tun!“ Dann gehe ich in mich, denn ich kenne den Ablauf des Badens an einem kinderfreien Tag ganz genau:

Ich gehe ins Badezimmer und heize. Dann lasse ich das Wasser ein. Sodann verspüre ich das Bedürfnis einen Badezusatz beizumischen. Da habe ich die Wahl zwischen „stinkt ekelerregend nach irgendeiner künstlichen Blüte“ (da ich kein Insekt bin, spricht mich das geruchlich nicht an) oder „riecht nach Medizinprodukt“. Meistens entscheide ich mich für letzteres. Riecht nach Medizinprodukt gibt es wiederum in drei Varianten:

Variante 1) Schaumbad. Die Beigabe des Badezusatzes produziert drei Kubikmeter Schaum. Schaum, den man hinterher sogar abduschen muss – was erneuten Wasserkontakt nach sich zieht.
Variante 2) Ölbad. Das bedeutet man hat nach einem zwanzig minütigen Bad so etwas wie ölige Höhenlinien an seinem Körper: zwei um die Knie und eine um den Oberkörper.
Variante 3) Salzkristalle. Die schüttet man in die Badewanne, aber egal wie man rührt, sie lösen sich nicht vollständig auf, man muss sich also auf mittelgroße Salzkristalle setzen, die einen die volle Länge des Bades piksen.

Alles sehr unbefriedigend, aber einfach ins Wasser legen, das geht nicht, das ist irgendwie unzivilisiert. Also entscheide ich mich durchpermutiert für eine der Varianten und gleite in das meist viel zu heiße Wasser.

Zwanzig bis dreißig Minuten soll man baden. Verständlich, die 150 Liter Wasser, die man da gerade eingefüllt hat, sollen sich schließlich lohnen. Bei einem Preis von 0,5 Cent pro Liter (Abwassergebühr und Steuern inklusive!) plus Energiekosten für die Erwärmung ist man schnell bei verschwenderischen 1,50 Euro (so viel wie 30 mal Toilette spülen oder 6.818 Eiswürfel!) pro Wanne. Da sitze ich meine Zeit ab. Obwohl es eben sehr heiß ist am Anfang. Dann fange ich an im Wasser zu schwitzen, was mir ganz und gar nicht gefällt. Die Haare werden strähnig, der Kopf rot, Schweiß rinnt mir in die Augen, das brennt, ich versuche mir mit Wasser die Augen auszuspülen, das brennt noch mehr, schließlich ist da irgendein Badezusatz im Wasser, den man nicht in die Augen reiben soll.

So laufen die ersten fünf Minuten ab. Ab Minute sechs langweile ich mich. Ich meine, ich habe schließlich seit fünf Minuten nichts gemacht (also außer mir brennende Seife in die Auge zu reiben). FÜNF MINUTEN!

Was man da alles hätte machen können! Völlig verschwendete Zeit. Ich ärgere mich also, dass ich wieder vergessen habe die Bluetooth-Lautsprecher aufzuladen, denn dann hätte ich wenigstens Podcasts hören können. Wobei – die Podcasts, die ich regelmäßig höre, habe ich meistens auf dem Weg zur Arbeit und zurück schon lange aufgebraucht. Hätte ich also die Lautsprecher aufgeladen (oder die Powerbank, um die Lautsprecher aufzuladen), dann könnte ich mir von der Sprachausgabe Blogtexte vorlesen lassen.

Das mache ich manchmal. Allerdings hat das den seltsamen Effekt, dass mir die Verfasserinnen und Verfasser von Texten, an denen eigentlich nichts zu bemängeln ist, sehr unsympathisch erscheinen. Schließlich liest die Sprachausgabe sehr monoton und emotionslos, was eben zu den meisten Texten ganz und gar nicht passt. Also lasse ich das auch lieber und langweile mich weiter.

Immerhin schon sieben Minuten vergangen. Den Rest der Zeit kann ich der Frage auf den Grund gehen, wieso sich das Badebedürfnis überhaupt regelmäßig regt.

Ich glaube, es hat irgendwas mit dem Wunsch nach ultimativer Entspannung zu tun. Theoretisch kann sich schließlich der Körper in der Wärme und der Geist im Nichtstun entspannen. Theoretisch. Praktisch kann ich mich seit 12 Jahren nicht mehr entspannen. Da habe ich nämlich aufgehört zu rauchen. Die zehn Jahre davor habe ich mir hart antrainiert beim Rauchen zu entspannen. Das hat hervorragend geklappt. Leider hat sich da ein stabiles Engramm in meinem Gehirn gebildet, das offenbar nie wieder überschrieben werden kann. Also funkt nur entkoppelt das Bedürfnis: „Hallo! Du könntest mal wieder entspannen!“ und findet keine Erfüllung. Nie mehr.

Stattdessen bin ich nur nass und mir ist zu heiß und ich frage mich wie viel Kilo Kirschkerne man brauchte um eine Badewanne damit zu füllen und wie ich es schaffen könnte, all diese Kirschkerne gleichzeitig zu erwärmen, so dass es angenehm sein könnte in ihnen zu baden.

Ich muss einfach eine Lösung finden. Effizient funktionierende Schallduschen werden erst 2270 erfunden. Selbst Astronauten begnügen sich derzeit mit Wasser. Vielleicht fange ich auch einfach wieder das Rauchen an, dann muss ich nicht baden wollen.

Euch ist ja nichts gut genug!

Im Zusammenhang mit meinen Gedanken zum Thema Gleichstellung, höre ich oft: „Euch ist ja nichts gut genug. Egal wie man sich anstrengt, es reicht nicht.“

Deswegen teile ich mal einen Werbevideospot, der mich wirklich bewegt hat, weil ich finde, dass er im Rahmen seiner Möglichkeiten (Werbung, Fokus Waschmittel) alles richtig macht.

Zuerst: Der Gedanke ist #ShareTheLoad und nicht #HelpYourWife

Ihr erinnert euch an „You should have asked, wo es um den Mentalload geht? und an meinen Evergreen von Katjaberlin:

Es wird ausserdem auf die übliche Heldenmetapher verzichtet. D.h. oft ist es ja so, dass wenn Männer sich am Haushalt oder an der Erziehungsarbeit beteiligen, dass es nicht geht ohne irgendeine Daddy-Hero-Metapher und dass es dann schnell kompetitiv wird. Väter sind dann plötzlich die besseren Mütter und auch im Haushalt einfach männlich strukturiert und zielgerichtet.

Der Vater sagt: Ich werde bestimmt nicht mehr König der Küche, aber mit der Wäsche kann ich jetzt ja mal anfangen.

Die Worte des Vaters wirken reflektiert, er hat festgestellt, dass er selbst ein schlechtes Vorbild war und er sagt, dass der am Sofa sitzende Ehemann wahrscheinlich einfach auch keine guten Vorbilder hatte.

Darauf könnte man sich ausruhen. Ist halt so. Mann und Frau – so ist die Aufteilung – seit Hunderten von Jahren.

Oder was ja auch gerne gesagt wird: Maternal Gatekeeping (vgl. „Ein Rant zum Begriff Maternal Gatekeeping„). Die Frauen bestehen ja darauf ihre Kompetenzgebiete zu beherrschen, sie WOLLEN nichts abgeben.

Nun, auch diesen Quatsch umschifft die Werbung. Die Ehefrau des älteren Herrn ist kurz irritiert. 40 Jahre hat sie die Wäsche gemacht. Entsprechend selbstverständlich will sie den Koffer auspacken und die Wäsche waschen.

Er sagt: All die Jahre lag ich falsch, aber jetzt ist es Zeit die Dinge besser zu machen und nimmt sich einfach die Wäsche.

Dieser Zeitpunkt sich einzuklinken, ist nämlich immer. Man kann immer was ändern.

So und dieser Spot ist für mich ein wunderbares Beispiel. Es ist ein Spot einer Waschmittelmarke für den indischen (!) Markt, nicht etwa für den Wir-brauchen-keinen-Feminismus-mehr-europäischen-Markt.

Es ist der Spot eines Millionenkonzerns, der jahrzehntelang die tüchtige Hausfrau vor weiße Wäscheberge platziert hat.

Das ist ein Anfang.

In meiner Partnerschaft würde mir das nicht reichen, aber im genannten Kontext ist es eine löbliche und begrüßenswerte Ausnahme, ein erster Schritt.

Wir verstehen uns ohne Worte

Beziehungsverträge
Beziehungsverträge aushandeln und schriftlich festhalten. Wäre das nicht sehr unromantisch?

Neulich schrieb Sue Reindke in ihrem Newsletter (den ich so sehr liebe, dass ich ihn oft nicht sofort lese, sondern mir aufspare für einen ruhigen Moment, in dem ich ihn langsam und mit Genuss lesen kann) über Beziehungsverträge, die im BDSM-Bereich wohl durchaus üblich sind.

Sie spielt mit dem Gedanken wie es wäre, wenn man einfach den Modus Operandi einer jeden Beziehung gemeinsam aushandeln würde?

Tatsächlich kenne ich kein Paar, das sowas macht.

Warum eigentlich nicht, habe ich mich heute früh beim Spaziergang zum Bäcker gefragt.

Zum einen steht dem natürlich das romantische Ideal der Liebe entgegen. Ganze Armaden von Kalendersprüchen verweigern sich Aushandeln und Liebe in einen Zusammenhang zu bringen.

Wer sich liebt, versteht sich ohne Worte. Man ist sich so nahe, dass der andere stets die Bedürfnisse des Partners kennt und weil man sich schließlich liebt, versucht man alles, um diese zu erfüllen.

Klar.

Funktioniert in Paarbeziehungen hervorragend. So zwei Wochen. Manchmal vielleicht auch einige Monate. Kommt auf die hormonelle Verblendung an. Menschen sind da ja unterschiedlich anfällig.

Hormonell verblendet (oder wie andere sagen: frisch verliebt) ist alles toll. Alles klappt, es ist unkompliziert, man schenkt sich Blumen, bringt dem Partner Kaffee ans Bett und dann naja… kommt der Alltag.

Bei genügsamen Menschen funktioniert es wortlos bestimmt auch noch länger – doch spätestens wenn ein Kind in die Beziehung kommt, sollte man doch zur Verhandlung übergehen.

Und nicht nur das. Man sollte in Verhandlung bleiben. Denn egal wie mühsam man Dinge ausgehandelt hat, das Leben ändert sich, die Rahmenbedingungen ändern sich und – auch das kommt vor – man hat sich (selbst) falsch eingeschätzt und wünscht sich vielleicht doch was anderes als gedacht.

Das Aushandeln ist unendlich anstrengend.

Meine ersten Beziehungen habe ich nicht gehandelt. Da haben wir uns auf Annahmen ausgeruht. Das Resultat war am Ende immer unendlicher Frust und dann irgendwann Trennung.

Beziehungsverträge aushandeln – darauf wäre ich früher nie gekommen.

Auch jetzt habe ich keinen Beziehungsvertrag, aber wir haben eine Wochenbesprechung. Die dient zum einen der konkreten Planung der Woche, aber wir nehmen auch Punkte auf die Agenda, die uns sonst im Beziehung- und Familienleben wichtig erscheinen. Wir nehmen auch immer wieder Entscheidungen der Vergangenheit mit auf unsere Gesprächsliste: „Wir hatten ausgemacht, dass du die kleinen Einkäufe direkt nach der Arbeit erledigst, wie fühlst du dich damit?“

So versuchen wir sicher zu stellen, dass sich bestimmte Vereinbarungen nicht zur Bürde entwickeln, weil man vielleicht im Alltag gar nicht genug Zeit hat zu reflektieren, ob man sich wirklich wohl mit dieser Entscheidung fühlt.

Tatsächlich nutzen wir auch diverse Tools, um uns zu koordinieren und Vereinbarungen und ToDos festzuhalten. Eine Wunderlist z.B. für die täglichen Einkäufe, eine für die Großeinkäufe, eine mit Gerichten, die wir kochen können, eine mit wiederkehrenden ToDos (z.B. Essenplan der Schule ausfüllen) und eine mit unregelmäßig auftretenden ToDos (z.B. Geschenk für Kindergeburstagseinladung besorgen).

Wir benutzen Trello für die konkreten Wochentage (wer übernimmt was, wer arbeitet wann wie lange) und haben einen geteilten Kalender (online) und einen Kalender an der Wand, wo auch die Kinder eintragen, wo sie so sind und wann sie nach Hause kommen.

Das klingt aufwändig – ist es tatsächlich auch, aber es hat wirklich mehrere Vorteile. Viele Aufgaben, die vorher jahrelang unsichtbar waren, sind jetzt sichtbar. Da jede/r Zugang zu den Inhalten hat, kann man sich auch einfach Aufgaben nehmen (Halbe Stunde bis zum nächsten Termin? Dann gehe ich noch schnell den Klebestift besorgen… die Pushnachricht beim Abhaken der Aufgabe benachrichtigt den Partner darüber, dass etwas erledigt wurde) und Aufgaben eintragen, die neu dazu kommen.

Perfekt ist das System dennoch nicht. Es gibt immer wieder Frust und wir vergessen auch Sachen. Es ist ein stetiger Lernprozess.

Und das ist übrigens was für mich Liebe ausmacht. Nicht das wortlose verstehen sondern die Bereitschaft zu teilen und zu kommunizieren.

(Naja und das Interesse am langfristigen Wohlergehen des Partners.)

Das alles fiel mir wieder ein, als letzte Woche mehrere Male der Emma-Comic „You should have asked“ durch meine Timeline ging. Da wird erklärt wie es dazu kommen kann, dass Frauen an ihren alltäglichen Familienaufgaben, die unsichtbar nebenher laufen, kaputt gehen können – obwohl sie doch angeblich so unterstützungsbereite Partner haben, die durchaus mithelfen würden, wenn man sie nur darum bitten würde.

Emma bringt den Begriff „mental load“ auf. Ich kannte den Begriff vorher nicht, aber ich würde sagen, dass mein „mental load“ der Vergangenheit mich kurz vor den Burnout gebracht hat.

Ich war irgendwann so weit, dass ich so erschöpft war, dass ich mit dem Gedanken gespielt habe, mich einfach auf die Straße zu legen und mich dort auf dem Asphalt ein wenig auszuruhen.

Ich war so fertig, dass mein Körper wirklich einfach nur noch liegen wollte. Egal wo. Es war für mich unendlich schwer, dem nicht nachzugehen und stattdessen einfach einen Fuß vor den anderen zu setzen und dann weiter ins Büro zu gehen.

Wenn man das nicht erlebt hat, kann man sich wirklich nur schwer vorstellen, dass es anstrengend sein kann und Kraft kostet, einfach nur zu gehen (von allen anderen Tätigkeiten mal abgesehen).

Zurück zum Comic – die Autorin erklärt dort sehr gut, wie es dazu kommt, dass dieser Typ Mann („Natürlich helfe ich, wenn meine Frau mich darum bittet!“) so verbreitet ist. Sozialisation und tradierte Rollenbildern, die in Werbung und Medien ständig reproduziert werden.

Das Comic bleibt beschreibend und erklärend.

Und vielleicht wurde es deswegen so gerne und zahlreich geteilt.

Ich würde unterstellen, dass viele Männer diese Beschreibung als eine Art Absolution empfinden. In der Art „Schaut her, wir können nichts dafür, wir wurden so erzogen, wir sind herzensgut und gewillt zu unterstützen. An uns liegt es nicht, die Gesellschaft ist schuld. Wir können die unsichtbaren Sachen einfach nicht sehen. So sorry!“

Leider macht mich das wütend.

Schaut euch das Comic nochmal an.

Die Anfangsszene, die beschrieben ist, zeigt für mich v.a. eines: Man(n) muss schon wirklich ignorant sein, um nicht zu sehen, dass Unterstützung notwendig wäre.

(Jetzt schreibe ich „Unterstützung“… was natürlich falsch ist, denn wenn man das Leben teilt, dann ist nicht die Frau die Managerin und der Mann der auf freiwilliger Basis Zuarbeitende!).

Jedenfalls – um es mal als frustrierte Emanze in deutliche Worte zu packen – Mann muss schon ignorant, faul und doof sein, in solchen und ähnlichen Situationen unbeteiligt rumzusitzen und darauf warten, gefragt zu werden, ob man denn bitte mal helfen kann.

Die Sozialisation kann man sich da gerne an den Hut stecken.

Da geht es für mich schlichtweg ums WOLLEN bzw. eben ums Nichtwollen.

Denn natürlich ist Teilen anstrengend. Wenn mein Partner in der Küche hantiert, kocht, Tisch deckt und nebenher aufräumt und ich in einem anderen Zimmer vorm Rechner sitze, dann ist das Gefühl in mir sehr stark sitzen bleiben zu wollen und nicht nach den Schultaschen zu schauen, die Brotdosen auszupacken, die Elternhefte zu kontrollieren oder die Wäsche, die gerade fertig geworden ist, aufzuhängen.

Die Verlockung sich keinen Schritt zu bewegen, ist sehr groß. Ich weiß nämlich, dass mein Partner das auch alles noch machen würde und sich zumindest heute nicht beschweren würde. Vielleicht auch morgen nicht und wie schön wäre es da, wenn ich auf meinem bequemen Schreibtischstuhl sitzen bliebe und ein wenig Twitter läse?

Und dann, wenn er nach einer Woche meines Nichtstun sagen würde: „Patricia, Du könntest vielleicht auch mal was im Haushalt machen?“ zu sagen: „Warum ist denn Dein Ton so gereizt? Du musst mir doch nur sagen was ich tun soll. Warum hast du denn nicht früher gefragt? Du weisst doch, dass ich immer helfe, wenn du mich darum bittest!“

Ich übernehme also nicht eigenaktiv meine Hälfte sondern lasse mich alle drei Tage auffordern. D.h. ich arbeite nur ein Drittel meiner Hälfte ab und muss somit nicht mal 17% aller Aufgaben erledigen.

PLUS: Ich bin noch total nett. Denn immerhin unterstütze ich IMMER wenn mein Partner mich fragt. Ich sage schließlich nie nein.

Also: Was ich sagen will – im Familienalltag all das nicht zu sehen, das ist keine unglückliche Sozialisation sondern Ignoranz. Fertig.

Und: Auf der anderen Seite davon auszugehen, dass sich alles von alleine gerecht aufteilt, ist leider auch sehr naiv.

Beziehungen sind Arbeit und vielleicht wäre es gar nicht so doof wirklich Beziehungsverträge auszuhandeln. Man lernt sich und den Partner dadurch besser kennen. Und wenn man den Beziehungsvertrag regelmäßig neu bespricht, dann bleibt man auch UpToDate was die Lebensumstände, die Tagesform und die aktuelle Belastbarkeit angeht.

Also weg mit den dämlichen Liebesidealen und hin zu einer Kultur des Austauschs – denn natürlich wäre es schön, wenn wir uns ohne Worte verstünden, nur leider sind wir keine Betazoiden.


Auch Melanie von glücklich scheitern hat sich Gedanken zu dem Comic gemacht und sagt auch „Familienmanagement“ ist Teamwork.

Muttertag 365 Tage im Jahr

Muttertag - ein Träumchen
So liege ich den ganzen Tag im Bett. Auch am Muttertag. NICHT./Quelle: Pixabay jill111

Muttertag. Mir geht das Abhassen auf den Muttertag auf die Nerven.

Warum ist es immer entweder oder? Warum kann ich den Muttertag und die Geschenke nicht behalten UND politische Forderungen haben?

Ich verstehe. Wut. Wut über die unhaltbaren Bedingungen. Wut v.a. weil Kinder ein Armutsrisiko darstellen. Berechtigte Wut aller Alleinerziehenden (aber nicht nur).

Wut ist ja eigentlich total mein Ding (auch wenn ich nicht so aussehe).

Aber in dem Fall sträubt sich alles in mir gegen die Idee, dass ich nicht gleichzeitig Feministin sein UND Selbstgebasteltes von meinen Kindern entgegen nehmen kann.

Oder – der Einwand kommt ja schnell – von meinem Partner, der das vielleicht stellvertretend für die Kinder macht, weil die noch zu klein sind.

Weder die Kinder – noch die Partner sind der Feind. Und ich finde es feindselig gegen die Geschenke, die man zum Muttertag bekommt, zu wettern (oder differenzierter gesagt – sie abzulehnen).

Man stelle sich das mal in real vor, nicht nur metaphorisch: Da springen meine Kinder morgens mit einem Büschel selbstgepflückte Blumen in mein Bett (natürlich um 6 Uhr und nicht wenn ich finde, dass ich ausgeschlafen habe) und dann nehme ich die Blumen und werfe sie gleich aus dem Fenster.

Macht natürlich niemand.

Ich habe schon auf Twitter gesagt, dass diese Dramaturgie „Ich will nicht <Geschenk> sondern <wichtige politische Forderung>“ mir ein ungutes Gefühl macht und habe einiges an Gegenwind erfahren und einige Menschen, die ich sehr gerne in meiner Timeline habe, sind mir gleich entfolgt.

Wahrscheinlich folge ich dem falschen Feminismus (welche Richtung ist das dann eigentlich? Bekiffter Flausch-Feminismus?).

Ihr hört mich seufzen.

Ich weiß es wirklich nicht. Es gibt ja diese bizarre Richtung Glamour-Konsum-Feminismus – zu sehen auf den Kleiderständern diverser Modeketten – zu erkennen am flotten, glitzernden Fun-Feminismus-Spruch auf dem Shirt (nur 6,99 Euro!).

Bin ich da angekommen? Bin ich kurz vor Ivanka Trumps Bullshit-Feminimus?

Wie gesagt: Ich unterstütze vollumfänglich die Forderungen (ich bin nicht mal bereit bescheiden Wünsche zu sagen, weil es ist an der Zeit, dass diese Dinge Realität werden. Da hilft vielleicht ein leises „Ich hätte gerne…“ nicht mehr, da muss man vielleicht auch mal „Ich will…“ sagen).

Lest bitte weiter bei der geschätzten Mama arbeitet, bei Mutterseelesonnig und auch bei Journelle, die zu Recht gegen die furchtbaren Muttermythen abhasst oder schaut euch das Hashtag #Muttertagswunsch auf Twitter einfach selbst an.

Ich sehe mich wirklich ganz und gar nicht im Gegensatz oder Widerstreit dieser Personen und/oder der Aktion Muttertagswunsch.

Mich erschreckt nur die Wut (in dem Fall, vielleicht, wie gesagt, weil ich so hormon-schnulli-weichgespült bin). Ich möchte in der selben Demo mitlaufen und ich möchte noch mehr Frauen und Männer mitnehmen und die Kinder gleich auch.

Natürlich sollen die lernen, dass es nicht nur einen Tag im Jahr gibt, an dem man die Eltern alibimäßig wertschätzt.

Und zuletzt wünsche ich mir, dass auch Väter Muttertagswünsche haben. Das irrwitzige ist nämlich, dass diese Wünsche alle so klingen als seien sie Aufgaben/Probleme/Verantwortung der Mütter. Sind sie auf eine Weise natürlich. Sollen sie aber nicht sein. Also bitte – es gibt ja keinen Elterntag – dann lasst mal ein paar Vatertagswünsche hören.