Schöne Kinderbücher

Gerne lasse ich mich ausführlich darüber aus wie schrecklich ich die meisten Kinderbuchserien finde. Allen voran Conni. Conni das Mädchen, das mich zu Tode langweilt. Conni, Conni, mit der Sch****e im Haar! Kind 3.0 liebte Conni. Ich musste alle Conni-Bücher immer und immer wieder vorlesen.

Ich hab mich immer damit aufgebaut, dass es der Kinderseele gut tut völlig vorhersehbare Geschichten in Dauerschleife vorgelesen zu bekommen. Sie lernen ja erst wie die Welt funktioniert. Wenn sie dann selbst Vorhersagen über die Zukunft, zumindest im Rahmen der Vorlesegeschichte machen können, wenn sie sich also einen stabilen Erwartungshorizont bilden können und dann wirklich eintritt, was sie vorausdenken, dann stabilisiert das das Selbstbewusstsein.

Wie glücklich und dankbar bin ich deswegen, wenn uns Kinderbücher in die Hände kommen, die nicht nur den Kindern beim Vorlesen Freude bereiten. (Eine zuverlässige Quelle für Inspirationen beim Kinderbuchkauf sind übrigens die Empfehlungen von Rike Drust. )

Erst kürzlich wurde uns „Das große Buch vom Räuber Grapsch“ (Amazon Werbelink) geschenkt und dazu muss ich jetzt unbedingt schreiben. Räuber Grapsch, das sind eigentlich mehrere Bücher, geschrieben von Gudrun Pausewang. Ein Kinderbuchklassiker, wie mir gesagt wurde. Offensichtlich einer, den ich komplett verpasst habe – auch als Kind.

Gudrun Pausewang war mir zumindest ein Begriff als Autorin. Von ihr stammt auch das Buch „Die Wolke„, das ich damals in der Schule gelesen habe und das mich sehr stark beeindruckt und emotional mitgenommen hat.

Zurück zum Räuber Grapsch. Als ich das Inhaltsverzeichnis gelesen habe, bin ich davon ausgegangen, dass mich eine Geschichte nach Art Räuber Hotzenplotz erwartet:

„Der Räuber Grapsch mit seinen zwei Metern Länge und dem struppigen Bart sieht wirklich zum Fürchten aus. Besonders klug ist er nicht, aber dafür sehr stark. Weder Fledermausdreck in der Suppe noch Eiszapfen in seiner Räuberhöhle können ihn aus der Ruhe bringen. Und wenn er Stiefel braucht, dann raubt er sie sogar dem Polizeihauptmann persönlich! Alle Leute haben vor ihm Angst, bis sich eines Tages Olli in seinen Wald verirrt – und sich keineswegs vor ihm fürchtet. Sie wird sogar seine Räuberfrau. Dazu muss er sich aber erst mal bei Ollis Tante vorstellen, was gar nicht gut läuft … Die witzig-skurrilen Geschichten über den furchtlosen Räuber, von Rolf Rettich mit viel Detailfreude illustriert, sind längst ein Klassiker geworden.“

Dass ich ein großartiges Buch über die Liebe, Freundschaft, Verlust und Tod in den Händen halte, das zudem noch sehr, sehr lustig ist, hätte ich nicht gedacht.

Wenn mich Bücher begeistern, dann möchte ich sie gerne anderen Familien schenken. Ich steuerte deswegen Amazon an und bin über eine Rezension gestolpert, die mich sehr amüsiert hat:

anfangs war ich etwas genervt von der heteronormativen darstellung der frau olli, die kaum in der höhle sämtliche hausarbeiten an sich reißt, aber nach und nach wird doch ein bild entworfen von einer sehr ausgewogenen beziehung zwischen den beiden. kein heiteiteibuch, sondern irgendwie erfrischend lebensnah.

Denn genau das trifft auch meine Empfindung. Ohne ein paar Jahre Twitterbeschallung, wäre mir der Begriff heteronormativ um Zusammenhang mit einem Räuberbuch vermutlich nicht in den Sinn gekommen, aber jetzt passt es einfach.

Denn das Räuberbuch dreht sich in großen Teilen um die Beziehung von Räuber Grapsch und einer sehr kleinen Frau namens Olli. Olli ist fasziniert vom großen, wilden und starken Räuber Grapsch. Oberflächlich gesehen erfüllt er alle Männlichkeitsklischees, die man sich denken kann.

Grapsch führt ein freies Räuberleben, jenseits gesellschaftlicher Strukturen und lebt in den Sümpfen in einer Höhle im Wald. Olli ist gefrustet von ihrem gutbürgerlichen Leben, in dem sie als Fabrikarbeiterin tagein tagaus Sparschweinchen bepinselt. Als sie durch Zufall den Räuber Grapsch kennenlernt, fühlt sie sich zu ihm hingezogen, denn er besitzt alles, was sie nicht hat: grenzenlose Freiheit.

Kaum sind die beiden ein Paar, zieht sie zu ihm in die Räuberhöhle und plötzlich muss aufgeräumt werden, die Fledermäuse stören und der Räuber soll bitteschön seinen Beruf an den Nagel hängen und rechtschaffen werden. Wie zu erwarten durchleben die beiden viele Konflikte. Doch was sie beide verbindet ist eine tiefe Liebe, die ihnen ermöglicht die schönsten Kompromisse auszuhandeln.

„Aber Fledermäuse und Sauberkeit, das verträgt sich nicht“, sagte [Olli] eigensinnig.

„Du bist hier nicht mehr bei deiner Etepetete-Tante“, rief [Räuber Grapsch]. „Du lebst jetzt in einer Räuberhöhle!“
„Und warum solles ncht auch saubere Räuberhöhlen geben?“, fragte sie. „Ich will jeenfalls keinen Fledermausdreck in meiner Suppe haben.“
„Dann iss du draußen“, brummte er. „Ich esse drin. Und die Fledermäuse bleiben in der Höhle.“
Es regnete. Olli konnte die Suppe nicht vor der Höhle löffeln. Trotzdem fiel ihr kein Dreck in den Teller, denn sie spannte ein Tuch unter den Fledermäusen aus, genau über dem Tisch. Da konnte nichts mehr fallen. Und sie versöhnten sich wieder

S 50/51

Oh, es klingt so kitschig und spießig, aber es hat mir wirklich das Herz erwärmt wie die beiden immer wieder erkennen, dass sie sich gegenseitig so lieben, weil sie sind, wie sie sind und dass sie versuchen aufeinander zuzugehen, so dass es beiden gut geht. Sie handeln ihre Beziehung aus und wachsen miteinander. Sie lernen ihre Beziehung zu pflegen und wertzuschätzen und überwinden so alle Hindernisse, die das Leben ihnen in den Weg stellt.

Ich mochte auch die Botschaft, dass es nie die EINE richtige Lösung gibt, sondern dass es immer viele Lösungen gibt, auf die man ohne das miteinander reden nie gekommen wäre.

Würde ich jetzt Kind 3.0 fragen, um was es bei Räuber Grapsch geht, würde mir das bestimmt nicht sagen: „Top Beziehungsratgeber!“. Es war einfach amüsiert und gespannt, was der Räuber so erlebt, ob ihn die Polizei schnappt und konnte einige Male einwenden, dass der Grapsch wohl gar nichts von ordentlicher Kindererziehung wisse.

Zugleich kann ich aber versichern, dass sowohl Kind 3.0 als auch ich mehrere Male laut gelacht haben beim Lesen.

[Olli und Grapsch brauchen eine Säge]
„Du, ich hab eine Säge!“
„Geraubt, was?“ sagte sie, ohne sich umzudrehen.
„Was sonst?“, fragte er gereizt. „Es ist sogar eine Motorsäge. Allerdings hängt ein Waldarbeiter dran. Er will die Säge nicht hergeben, was machen wir mit ihm?“
Olli warf einen Blick hinter sich. Tatsächlich zerrte ein finster dreinblickender Mann an der Säge, die Grapsch in den Fäusten hielt. „Ganz einfach“, sagte sie. „Zeig ihm die Bäume, die er fällen soll [und dann lass ihn wieder laufen.] Samt der Säge.

S. 158

Auch der Fäkalhumor kommt nicht zu kurz und selbst das Männlichkeitsklischee wird nach und nach aufgelöst. Denn der Räuber wird Vater und bekommt Gefühle:

Als Max Kartoffeln und Rührei auf Grapschs Teller häufte, winkte der Räuber traurig ab und wischte sich mit seinem Bart über die Augen.
„Du hast keinen Hunger?“, rief Max bestürzt. „Dann geht’s dir schlecht. Erzähle! Kratz dir’s von der Seele, Mann!“
Da geschah etwas Unglaubliches: Grapsch, der riesige, haarige Kerl fing an zu weinen. Er weinte so heftig, dass sein Bart troff und das Rührei vom Tisch geschwemmt wurde. Vor Rührung weinte Max mit.“

S. 207/208

Kind 3.0 hat lediglich kritisiert, dass Olli und Grapsch ständig Kinder bekommen, ohne dass ausführlich Sexszenen beschrieben werden. Das sei irritierend, man wird schließlich nicht einfach so schwanger.

Also langer Rede kurzer Sinn: Wer den Räuber Grapsch noch nicht kennt, der sollte ihn kennenlernen.

The Orville

Ich bin mit Star Trek groß geworden. Star Trek war für mich nie Science-Fiction im engeren Sinne sondern eine Serie, die alle wichtigen Fragen des Lebens aufwirft und beantwortet. So eine Art Framework für mein Leben.

Die ganzen Serien waren stetige Lebensbegleitung. Ich bin kein Star Trek Nerd. Natürlich kenne ich alle Charaktere und die meisten Lebensformen, ich kenne Bräuche und gängige Konflikte und ein paar Running Gags – mehr aber auch nicht.

Deep Space Nine hab ich ein paar Mal komplett durchgeschaut und würde sagen, dass die Serie mich am meisten geprägt hat. Durch Voyager habe ich mich pflichtbewußt durchgequält. Enterprise habe ich als Fleißaufgabe erledigt. (Alles vor DS9 habe ich geliebt).

Wie groß war meine Freude als ich letztes Jahr hörte, dass es mit Star Trek Discovery eine neue Serie im Star Trek Universum geben würde. Die Trailer waren verheißungsvoll – sollte es sogar weibliche Hauptrollen geben (und sogar eine Darstellerin in Kleidergröße M – so viel Diversität!1!!)!

Entsprechend groß war schließlich die Enttäuschung als ich Discovery tatsächlich anschaute. Ein klitzekleines bisschen unterhalten hat mich die Folge mit den Zeitsprüngen. Das wars dann aber auch schon.

Dabei wäre ich so ein leichtes Opfer gewesen. Ich bin relativ undifferenziert begeisterungsfähig für alles, was irgendwie auch nur so ein bisschen star- trekkig ist. Den Vorspann z.B. kann ich mir stundenlang reinziehen. Musikalisch fast so erhebend wie das Next Generation Theme.

Unvorstellbar toll war das damals. In einer Zeit des analogen Fernsehens, als ich nachts als Studentin nach Hause kam, das Fernsehgerät einschaltete und dann meine Welt hinter mir lassen konnte.

Und dann als nächstes diese Beleidigung des Enterprise Themes! Wer singt das eigentlich? Jon Bon Jovi[1]? Enterprise lief in den 2000ern, Kinder – nicht in den 90ern und selbst wenn! Selbst Jon Bon Jovis beste Zeiten waren Mitte der 90er auch schon vorbei. Wer macht denn sowas und v.a. warum? Wer hat da Wettschulden eingelöst? Anders kann ich mir diese musikalische Beleidigung nicht erklären. Zu Voyager hätte das noch gepasst. Da war sowieso alles beknackt – aber Enterprise?

Wie dem auch sei. Der Discovery Titelsong hat mich milde gestimmt und auch die Ästhetik ist wunderbar.

Der Rest der Serie: Mäh.

Irgendwer hat mir auf mein öffentliches Gejammer gesagt: Dann schau doch The Orville.

Also habe ich mir beim Weihnachtsmann The Orville gewünscht und der hat mir dann die ganze Staffel auf VHS per Post zugeschickt!

Mit großen Erwartungen schob ich die Kassette in mein Abspielgerät und war in den ersten zwanzig Sekunden Feuer und Flamme. Alles stimmte. Musik, Optik, die Zukunft. Weitere zwanzig Sekunden später war ich verwirrt. Der Kopf eines blauen Aliens war explodiert. Langsam schwante mir: es handelte sich um Science-Fiction Comedy.

Dem geneigten Leser mögen sich nun alle Haare aufstellen. Comedy?

Comedy.

Ja, ich war auch überrascht. Aber The Orville ist dennoch wundervoll. Außerdem genau mein Humor.

Die Zusammenfassung der Handlung liest sich jetzt nicht soooo aufregend: „Im Jahr 2417 übernimmt Ed Mercer das Kommando des Forschungsraumschiffs Orville. Mit seiner aus Menschen und Außerirdischen bestehenden Crew soll er nun verschiedene Abenteuer bestehen. Für Mercer, der gerade eine Scheidung hinter sich hat, ist dies ein vielversprechender Neuanfang, doch dann wird ihm ausgerechnet seine Ex-Frau als erster Offizier zugeteilt.“

Aber wie würde wohl eine DS9 Zusammenfassung klingen?

Mein absoluter Lieblingscharakter ist Lt. Commander Bortus. Er gehört einer „all-male“ Spezies an. Zu den Highlights der Serie gehört die Folge, in der er ein Ei ausbrütet sowie alle Auseinandersetzungen, die er mit seinem Lebenspartner hat. Ich möchte jeden Satz, den er sagt auswendig lernen und nie mehr lächeln. Nie mehr. Ich will als Bortus in Business-Meetings sitzen und alle mit meinem lebendigen Wesen erfreuen.

Ach. Und so viel Liebe für den „can you open this jar of pickles for me“-Running Gag!

The Orville hat wirklich alles, was mein armes, altes Star Trek Herz gebraucht hat. Liebevoll gezeichnete Charaktere, schnittige Raumschiffe, laute Explosionen im Weltall [2], Beziehungsdramen und ständige Übertretungen  der Ersten Direktive.

The Orville ist übrigens von Family Guy-Schöpfer Seth MacFarlane (der zufällig auch die Hauptrolle spielt), der sich selbst als leidenschaftlicher Trekkie bezeichnet. Irgendwie scheint er in diesem Zusammenhang alles extrahiert zu haben, was Star Trek für mich so wichtig und groß gemacht hat.

Ich kann selbst den Finger nicht genau drauf legen. Aber The Orville steht für mich hundert mal mehr im Geiste von Star Trek als die hochwertig produzierte Discovery Serie.

Bei meinen Recherchen, warum Dicovery so enttäuschend für mich ist, bin ich auf dieses Zitat gestoßen:

„When it was announced that Star Trek was coming back, I was excited simply because this meant that we would get a continuance of the optimistic future where mankind is striving to better themselves.  Unfortunately the series we were presented was one that was depicting a war with a very pessimistic view of the future.“

Quelle

Und vielleicht ist es genau das. Felix schrieb neulich was ähnliches über Black Mirror:

black mirror ist nicht dumm, im gegenteil, aber misantrop, anthropophob, frustriert und sarkastisch. liebe steckt bei black mirror lediglich in der produktion. die ist enorm aufwändig und detailverliebt; für jede einzelne folge werden plakatmotive produziert, dutzende anspielungen ins drehbuch und die kulissen gedrechselt und die besetzung ist stets a-list. black mirror ist eigentlich die perfekte serie, konsequent von vorne bis hinten durchdacht, voller grandioser kleiner (und grosser) ideen, perfekt inszeniert und produziert — aber sie glaubt nicht an das gute im menschen.“

Diese Grundtendenz sehe ich bei Dicovery auch und das macht die Serie so seelenlos und für mich so weit entfernt von den Star Trek Utopien.

The Orville auf der anderen Seite packt all den Optimimis, die Tiefsinnigkeit und die Liebe für die vergangenen Star Trek Welten in eine neue Serie.

Ganz zufällig sind die Assoziationen zum Star Trek Universum nicht:

„The series features many connections to Star Trek; Penny Johnson Jerald (Kasidy Yates on Star Trek: Deep Space Nine) plays Doctor Claire Finn and fellow Star Trek alumni Brannon Braga, Robert Duncan McNeill, David A. Goodman, James Conway and Jonathan Frakes are involved behind the scenes. Several actors from various Trek series have also made guest or cameo appearances.“

Quelle
Die Serie war übrigens so erfolgreich, dass eine 2. Staffel bestellt ist. Ich freue mich drauf!


[1] Ja, Mama. Das ist nicht Bon Jovi, das ist Russell Watson. Aber vielleicht ist das doch ein und die selbe Person. So lange die nicht im Duett singen, glaube ich nicht daran, dass es zwei Menschen sind.

[2] Ja, Mama, ich weiß. Weltall und Schall…

Die Hackfleischbesprechungen, Teil 11, Schweden

Hackschweden

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine freundliche Leserin hat mir eine Hackfleischabbildung aus Schweden zugeschickt. Schon auf den ersten Blick springt die Andersartigkeit der Inszenierung ins Auge. Diversität ist hier das Stichwort. Wenn in Deutschland Hackfleisch gerne als einheitliches Gemenge in Szene gesetzt wird, bestenfalls mit ein wenig Grünzeug aufgepeppt, so ist auf der schwedischen Darstellung völlig klar: Hackfleisch kommt auf viele Arten in unser Leben. Sorgfältig verpackt, frei und doch in kompakter Form, zerteilt im Verhältnis des goldenen Schnittes oder gar als Hackbällchen – Köttbullar, wer kennt sie nicht… Symbol der schwedischen Seele.

Das Foto gibt jeder Hackfleischform seinen Platz, seine Existenzberechtigung im Leben.

Auch die Dekoration weicht stark von den deutschen Sehgewohnheiten ab. Dekoriert ist das Hack mit 3 Stangen glatter Petersilie, ein wenig frisch gemahlenem Pfeffer, einer dunklen Pfeffermühle, einem abgerundeten aber robusten Messer und einer Zwiebel, teils gewürfelt, teils halbiert. Auch hier lohnt ein zweiter Blick. Die Zwiebel – genauer gesagt – die anderthalb Zwiebeln sind einmal quer und einmal längs geteilt. Das intakte Wurzelende zerfällt in viele feine Würfel.

Jetzt könnte man sagen: typisch schwedisch und man hätte sogar Recht. Es geht um die ausgeglichene Darstellung aller Hackfleischelemente. Für alles ist Platz: für alle Formen, für Gewürze UND Kräuter, kein entweder oder, kein „nein, das bringen wir nicht auch noch unter“. Es wird einfach Platz gemacht. Die Vielfalt wird selbstbewusst in Szene gesetzt.

In Deutschland will man von alle dem nichts wissen. Die Hackfleischinszenierungen sind alle mehr oder weniger gleich. Das Hack als kompakter Klumpen immer im Vordergrund, keine Lockerheit, keine Offenheit, Hack ist Hack und nur so! So ist es schon immer gewesen, so soll es für immer sein.

Ganz anders die lockeren Schweden.

Und das nicht ohne sozialkritisch zu sein. Natürlich gibt es eine Aufteilung von arm und reich. Reich, symbolisiert durch den kleinen, weißen Zwiebelanteil am oberen linken Rand des Bildes. Der Rest, die Peripherie, arm. Eine Anspielung auf die Wohnverhältnisse in der Hauptstadt, in Stockholm. Die Stockholmer Innenstadt ist für geringere Gehaltsklassen unerschwinglich. Stockholm hat die Armut, seine Geringverdiener und Immigranten erfolgreich in der Peripherie untergebracht. Die Innenstadt ist weiß (die Zwiebel!), wohlhabend, sauber und ordentlich. Eine quasi segregierte Stadt (Quelle).

Wem das zu feingeistig ist – das Messer zeigt es nochmal etwas plumper. Schweden ist trotz all seiner Schönheit ein geteiltes Land. Reich und arm. Reich der kleinere, abgetrennte, zwiebelnahe Teil. Arm der größere Teil. Wir erinnern uns an die Statistik: Jedes 3. Kind in Malmö lebt in Armut. Das Bild ruft uns das schmerzhaft in Erinnerung.


Lesen Sie auch: Die Hackfleischbesprechungen, Teil 10

Die Hackfleischbesprechungen, Teil 10

Ihr habt nur sieben Jahre gewartet. Jetzt ist er da, der 10. Teil der #Hackfleischbesprechungen. Ihr erinnert euch?

Es gibt viele missachtete Kunstformen. Einer möchte ich in meinem Blog angemessen huldigen: Fotos von Hackfleisch in Werbeprospekten. 2008 habe ich mit dieser Serie angefangen, aber dann gingen mir die Darstellungen von Hackfleisch in Werbeprospekten aus. Ich hatte alles gedeutet, was es zu deuten gab. Jahrelang wurde Hackfleisch nicht neu inszeniert. Jetzt endlich fiel mir neues Material in die Hand. Sehr interessant und aufschlussreich der Vergleich 2008 zu heute:

Wir beginnen mit

Teil 10

REICHELT, „Premios“ Hackfleisch gemischt, zum Braten, SB verpackt

Die Supermarktkette Reichelt präsentiert das Hackfleisch auf den ersten Blick etwas chaotisch. Rind und Schwein gemischt, frisch aus dem Fleischwolf, etwas in Form gebracht, sieben Stängel Schnittlauch scheinbar zufällig auf der oberen Seite des Hackfleischquaders fallen gelassen. Erst wenn man näher an das Bild heranrückt, sieht man ganz rechts im Bild einige in Würfel geschnittene Zwiebeln. Sie fallen kaum auf. Was aber auffällt, statt der gewöhnlichen Weißzwiebel hat man sich für die mildere, rote Variante entschieden. Ganz vorne im Bild ein einziges Minzblättchen. Zweifelsohne eine leise Referenz zu dem Fressgelage von Monty Pythons „The Meaning of Life“ (Triggerwarnung für den Link). Eine 500 Gramm Packung, so wird angedeutet, die ist so gerade noch alleine zu verspeisen. Mehr sollte es nicht werden, wenn man nicht wie der werte Herr in „The Meaning of Life“ enden möchte.

Und da kommen wir schon zum Clou der Hackfleischinszenierung! Bei der Betrachtung des Bildes entsteht im Inneren eine leichte Spannung und man weiß sie erst zu deuten, wenn man den Blick nach links oben lenkt. Fast unbemerkt wird dort der ehemals freie, etwas unsortierte Hackfleischquader, der das Hauptelement des Bildes zu sein scheint, in einer Plastikverpackung gebändigt – ja regelrecht eingesperrt. Hat sich der Blick erstmal festgesetzt am oberen SB verpackten Premios-Produkt, so möchte man wild werden. Die Verpackung von Hand aufreißen, das Hack befreien. Und kaum hat man diesen Gedanken angedacht, so spürt man regelrecht das Hack zwischen den Fingern. Weich, frei, zügellos und deutlich kälter als die eigene Hand, ganz so, wie wenn man Frikadellen knetet. Das befreite Hack möchte man wieder ablegen, so wie den ursprünglichen Hackquader. Friedlich auf eine zugegebenermaßen nicht ganz so hygienisch erscheinende Holzplatte, länglich, nach hinten unscharf verwischt, scheinbar ins Unendliche reichend.

Man muss schon sehr genau hinschauen, um zu verstehen was der Künstler hier zum Ausdruck bringen möchte. Das Minzblättchen weist die Spur. Der biblisch geschulte Blick weiß sofort: es geht um Völlerei! Es geht um die sechste der sieben Todsünden. Der rote Preis des Pfundes bestätigt das. Zwei Mal 2,99, das sind aufgerundet sechs (!) Euro. Und ist das erstmal klar, so ergibt auch der Schnittlauchbund plötzlich einen Sinn. Auch er weist den Weg mahnend gen Todsünden. Sieben Stängel! Sieben Todsünden! Grün und unschuldig erinnert der Kräuterbund: Mäßigt euch! Werdet Herr über euer ungezügeltes Leben! Bringt alles in Ordnung, grenzt euch ab gegenüber der Maßlosigkeit, bleibt dennoch transparent. Werdet einer SB Verpackung gleich! Widersteht dem Drang aus dieser züchtigen Form auszubrechen und euch wird am Ende die Unendlichkeit, die Freiheit zuteil.



 

Wenn ihr weitere Hackfleischinszenierungen kennt, sendet mir per Mail ein Foto an dienuf(@)gmail.com unter Angabe der Quelle und ich werde die tiefere Bedeutung des Bildes ergründen.

Natur(tor)tour

Einmal um den See, das kann nicht so anstrengend sein. Knapp 15 km, zu heiß ist es auch nicht. Macht bestimmt Spaß, sagt er. Mountainbikes sollen wir lieber nehmen, sagt der Verleiher. Wegen des Wurzelwerks. Ja, ja, denke ich. Wurzeln. So schlimm ist es nun auch wieder nicht. Gestern waren wir dort spazieren. Klar, waren da Bäume, ist ja auch ein Wald. Dann sind da auch Wurzeln, aber gleich die 5 Euro teureren Mountainbikes? Ich weiß ja nicht. Aber immer die Spaßbremse sein, will ich nun auch nicht.

(Man leiht sich Mountainbikes)

Hui! Das wiegt ja höchstens ein Zehntel von dem was mein Fahrrad zuhause wiegt. Ich will es in die Luft schleudern! Oho! Und es bremst. Upsi. Fast runtergefallen. Nichts anmerken lassen.

(Das war das Stück Asphalt)

Oh. RRRrrrrRRRRrrrRRRRrrr. Ganz schön holprig. Hätte ich ja nicht gedacht. Orrr. Meine Güte. Ok, ok, ganz langsam! Sind ja doch mehr Wurzeln als gedacht. Merkt man beim Spazieren gehen gar nicht so.

(Das war das erste Stück Wald)

Wo ist der Weg? Ich sehe keinen Weg! Wo ist der Typ? Ich … muss … schneller … RRRrrrrRRRRrrrRRRRrrr … fahren. Bei den meisten Sportarten ist es ja so, dass schneller besser geht. (tritt in die Pedale, Blätter und Äste spritzen zur Seite). RRRrrrrRRRRrrrRRRRrrr

(Die ersten 500 Meter sind geschafft)

Macht gar nicht mal so viel Spaß, stelle ich langsam fest. Immer dieses Gewackel. Ok, ich muss hart sein, darf jetzt bloß nicht rumjammern. War bestimmt noch kein Kilometer. Ab wann kann ich wohl anfangen zu jammern? Was da wohl angemessen wäre? Und v.a. wie merke ich das? Nicht dass der denkt, dass wir das morgen wieder machen…

(Der erste Kilometer wurde bezwungen)

1 3 2HAHAHAHA. Nur noch 13 Mal die selbe Strecke. Also ungefähr. Falls es jetzt nicht auch noch bergauf geht. Oh, Mann. Fahrradfahren! Wieso keine Elektrobikes? Ich bin doch jetzt in dem Alter eigentlich? Nur weil der jünger ist… man sieht auch gar nix von der Landschaft oder von dem See. Welcher See eigentlich. Achso, dahinten rechts. Man muss ja immerzu auf diese ***** Wurzeln starren. Ich hasse Wurzeln. Warum können die das hier nicht asphaltieren?

Mir wird langsam heiß.

Boaaaahhh! Wenn man schneller fährt und mit dem Lenker immer so ein bisschen hin und her wackelt, dann macht es doch Spaß. Ganz schön cool. Also ich jetzt meine ich. Ok, vielleicht nächstes Mal nicht im Kleid und in Wandersandalen. Optisch geht da noch was, aber sonst also für mein Alter RRRrrrrRRRRrrrRRRRrrr ganz schön *ächts* cool!

Ich glaube, ich verdurste. Doch. Ich glaube, ich muss sterben. Hier im Wald, am Fahrrad. Wie da wohl die Schlagzeile lautet? Erfolgsautorin kippt tot vom Fahrrad. Klingt ja auch doof. Ne, dann sterbe ich jetzt doch nicht.

Oh, Mann, warum gibt es denn hier keine ordentliche Infrastruktur. Schon 10 km mindestens und kein einziges Café. Moooaaaahhhh. Jetzt ein kühles Getränk. Aber ne, ist ja Naturschutzgebiet. Ich hasse Natur. Die ganzen Bäume da, die versperren doch die schöne Sicht. Die könnte man doch adrett abholzen. Da hätten doch alle was von.

ALTER! Ich schwitze! Ich will nicht mehr. Wie lange dauert das denn noch? Und das Geholpere ist kein Stück besser geworden. Jetzt dreht er sich auch noch um und fragt, obs mir gefällt.

„JA, SEHR TOLL HIER SCHATZ! HMJA, DIE NATUR! WUNDERSCHÖN! JAJA!“

Oh Gott, wie ich das hasse. Die ganzen Spinnennetze hier. Die Mücken. Orrrr! Hoffentlich sagt er jetzt nicht, dass er ein Häuschen am Land haben möchte.

„JAAA! EIN HÄUSCHEN AM LAND, DAS WÄRE ECHT VOLL SCHÖN, SCHATZ!“

Nur Edge. Nicht mal Internet gibt’s hier. Es ist echt die Pest. Apropos Pest, was stinkt hier denn so widerlich? Das ist dieses verrottende Holz überall. Naturbelassen. Furchtbar. Einfach furchtbar. Da riecht ja das Ostkreuz besser.

„SCHWIMMEN? JETZT HIER SCHWIMMEN? KLAR! GANZ TOLLE IDEE!“

Das ist bestimmt saukalt. Und Algen gibt es bestimmt massig. Das ist ja ekelhaft. Man kann bis auf den Grund schauen, da sieht man das ganze Getier und Geschmodder. OHGOTTOHGOTT! Kalt ist ja gar kein Ausdruck. Ich glaube, ich sterbe. Bloggerin erstarrt zur Eissäule. Ne, das mache ich jetzt auch nicht. Will kein Naturdenkmal werden.

WEITERFAHREN? JA, DAS KLINGT GROSSARTIG!

Dann hat die ganze ******* hoffentlich bald ein Ende. Das Fahrrad muss schließlich wieder abgegeben werden.

„Und, hatten sie Spaß?“

 

Schlagzeile: Urlauberin explodiert unerwartet

 

#Beamtenfilme

Manche Mems mag ich einfach. So wie die #informatikfilme oder Conni – das Mem.
Dieses Wochenende hat mich belustigt: #beamtenfilme

https://twitter.com/awittymind/status/513339748480724992


https://twitter.com/b_m_zimmermann/status/513298912300789760
https://twitter.com/Der711er/status/513295843043332097

Conni – das Mem

Im Rahmen von Conni möchte ich nochmal auf zwei Artikel hinweisen:

  1. Die „heile“ Welt von Janosch, Conni & Co
  2. Conni kann alles und ist immer lustig

Ansonsten fehlen in der Reihe, z.B.

blackmetal

groko

tattoo

 

Regeln Nachschlag

Ja, mir ist zur Zeit sehr nach Nachschlag.

Wer diese wirklich lustige und treffende Aufzählung von Adam Fletcher noch nicht kennt:

#8 Obey the red man

I think the often exaggerated stereotype that Germans love to follow the rules all comes down to one little illuminated red man. Guardian and God of the crossing pedestrian. To dare challenge his authority and step gingerly out into a completely empty road when he is still red, is to take great personal risk.

Not of getting run over, the road is completely empty after all. Bar being struck by an invisible car, you’re safe.

No, what you really risk is the scorn, the tutting and the shouts of “Halt!” from nearby Germans. Who will now consider you an irresponsible, possibly suicidal, social renegade.

Halt! Await the green Ampelmännchen. Consider it an elaborate exercise in self-control. You’ll need all that self-control not to freak out and start shooting the first time you visit the Ausländerbehörde and find out they don’t speak English.

Quelle: How to be German in 20 easy steps

Sehr amüsant auch das dazugehörige German Quiz (I love the Ausdruck Hugshake in Question 10 und ich bin 8% deutscher als der deutsche Durchschnitt! – so viel zu den anarchistischen Tendenzen, die mir in den Kommentaren unterstellt wurden.)