[Anzeige] Let’s talk – Hörwelten

Hörspiele
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Gemeinsam mit SCHAU HIN! habe ich eine kleine Serie zum Thema Kinder und digitale Medien gestartet.

Im Zentrum meiner Serie sollen die Chancen, die (neue) Medien mit sich bringen, stehen und ich will beschreiben, wie wir als Familie im Alltag damit umgehen und gerne auch von Euch hören, wie ihr den Alltag mit Kindern und digitalen Medien gestaltet.

Risiken und Gefahren werden durch Kulturpessimisten aller Ausrichtungen zu genüge beklagt. Viele Eltern reagieren mit Unsicherheit und statt sich mit den einzelnen Themen auseinanderzusetzen, wird schnell mal ein Verbot verhängt.

Ich bin jedoch der festen Überzeugung, dass Verbote in Sachen Medienkonsum nichts bringen. Deswegen versuche ich mit meinen Kindern im Gespräch zu bleiben und Lösungen zu erarbeiten, die für uns beide alle passen. Das ist auch der Grund warum ich die Serie Let’s talk nenne.

Im sechsten Teil geht es um: Hörspiele und Podcasts

Mit Hörspielen sind wir aufgewachsen

In Sachen Hörspiele und Co. habe ich tatsächlich noch nie Eltern gehört, die sich bei ihren Kindern um irgendwas Sorgen machen. Erstaunlich, oder?

Meine Hypothese lautet, dass die Elterngeneration mit Hörspielen aufgewachsen ist. Kassetten und Schallplatten hatten vermutlich fast alle – und das was man kennt, kann man beurteilen und dann bleiben auch die Ängste und Zeigefinger weg.

Ich habe noch lebhafte Erinnerungen an all die spannenden Jan Tenner Folgen, die ich rauf und runter gehört habe. Damals schon hochmodern auf Kassette. Ebenso nostalgisch erinnere ich mich an die Schallplatten, die wir hatten, wie ich sie vorsichtig aus der Hülle nehme, auf den Schallplattenspieler lege und langsam die Nadel sinken lasse. Wie manche Platten sich auf und ab bewegen, wie manche hängen bleiben und wie sie auch irgendwann anfingen zu leiern. Am liebsten habe ich meine Märchensammlung gehört, auf der auch das Lied „Der König in Thule“ war, das ich immer und immer und immer wieder gehört habe – einfach weil es so wunderbar traurig war.

Die Möglichkeiten sind heute nahezu unüberschaubar

Früher war es schon viel, wenn man zehn Kassetten und Schallplatten hatte. Über so eine Beschränkung kann man heute nur lachen. Es gibt zahlreiche Plattformen, deren Angebot so groß ist, dass man niemals alles hören kann.

Gemeint sind Sportify, Audible, Deezer, Amazon Prime Music, um nur einige Anbieter zu nennen.

Wir sind auch dankbare Konsumenten von Ohrka (wieder online ab 1.11.) und Vorleser und besuchen regelmäßig die Bibliothek, um uns dort Hörspiele auszuleihen.

Dass die Vielfalt zugenommen hat und dass es nicht mehr nötig ist, Kassetten, CDs und Platten zu besitzen, hat Eltern große Erleichterung gebracht.

Ende der 80er konnte mich meine jüngere Schwester noch foltern, indem sie ihre Bibi Blocksberg Sammlung immer und immer wieder gehört hat. Selbst das erste Kind unserer Familie, hat tagein, tagaus die selben Hörspiele gehört, bis wir Eltern letztendlich wimmernd um Gnade bitten mussten.

Das hat, wie gesagt, endlich ein Ende. Natürlich lieben Kinder immer noch Wiederholungen – dennoch kann man als Eltern viel einfacher die ein oder andere Alternative anbieten.

Hörspiele
kaboompics @pixabay

Worauf achten, wenn man Kinder eigenständig Hörprogramm auswählen lässt

Ich mag ja selbständige Kinder und von daher finde ich das Thema Audio-Plattformen gar nicht so untrivial. Für Kinder, die nicht sicher lesen können, ist es letztendlich ziemlich schwierig sich etwas auszusuchen.

Sie müssen ggf. die Browseradresse kennen und eingeben können und dann aus dem Angebot wählen.

Meines Wissens nach haben die meisten der genannten Plattformen keinen Altersfilter. Ohne Begleitung rutschen die Kinder da leicht in Formate, die ihnen vielleicht Angst machen oder sie beunruhigen.

Ich weiß nur von Deezer, dass man dort ein Altersprofil einstellen kann und die Inhalte entsprechend gefiltert werden. Korrigiert mich, wenn die anderen Plattformen das in der Zwischenzeit auch haben.

Ein bisschen einfacher wird es für die Kinder, wenn sie (eigene) Endgeräte haben, auf denen sie Apps benutzen können, da dort die grafische Darstellung und die Bedienart die Auswahl des gewünschten Programms erleichtern.

Eine weiteres Universum: Podcasts

Ich höre mit meinen Kindern tatsächlich oft Podcasts. Sie wollen lieber bestimmte Informationen anhören als komplette Hörspiel(serien) verfolgen. Wenn sie was über Raubkatzen oder Orkane wissen wollen, werden wir bei den Podcasts viel schneller fündig.

Dafür gibt es Suchmaschinen wie fyyd und Podfilter oder man steuert seiten wie Kidspods an, die extra für und von Kindern gemacht sind.

In Deutschland ist es noch sehr, sehr unüblich Werbung in Podcasts einzubauen. Das schätze ich im Moment noch sehr. Insbesondere das Privatradio macht mich in dieser Hinsicht irre. Was die Kinder dort für einen Quatsch hören müssen, ist wirklich zum Kopf auf den Tisch hauen. Leider betrifft das oft nicht nur die Werbung sondern auch die Sequenzen dazwischen (die ich kaum „Programm“ nennen mag).

Wenn Radio für Kinder, dann bitte so etwas wie Kakadu.

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Altersgemäß bereitstellen

Für mich ist hier, je nach Alter, das Begleiten und Mitauswählen zentral. Kindern bis in die ca. 2. oder 3. Klasse würde ich eher ein eingeschränktes Angebot überlassen.

Am besten sind da noch die CDs. Die können die Kleinen anhand des Covers auswählen und dann selbst in den CD-Player legen und anhören.

Wie gesagt, Kinder lieben Wiederholungen und am Ende reicht da ein überschaubares Kontingent an Olchis, Conni, Bobo Siebenschläfer und Co.

Erst wenn die Kinder älter sind und tatsächlich gut lesen können, würde ich sie auf das größere Angebot loslassen. Wie gesagt, auch da finde ich Altersfilter gut.

Erst ab 12 bis 13 Jahre würde ich mir dann keine Sorgen mehr machen, dass ein Kind nicht auch für sich selbst beurteilen kann, was ihm gut tut und was nicht.

Fazit: auch hier begleiten

Ich finde es wichtig, die Kinder auch in Sachen Hörwelten zu begleiten. Es ist schon ein bisschen bizarr, dass hier wenig Diskussion unter Eltern stattfindet. Während man 30 min Computerspielen teilweise für bedenklich hält, sind 8 Stunden Radio oder Hörspiele als Dauerbeschallung im Hintergrund als anderes Extrem anscheinend kein Thema.

Wie ist das bei Euch? Was hören Eure Kinder? Was sind Eure Empfehlungen? Begrenzt ihr Hörzeiten? Welche Formate findet ihr gut und warum?

Kommentiert einfach hier, teilt eure Medienmomente auf Instagram, bloggt selbst darüber, twittert oder schreibt darüber auf Facebook. Wenn ihr euren Beiträge mit dem Hashtag #medienmomente markiert, können sie später eingesammelt und geteilt werden.

Weiterführende Links

Weitere Themen der Serie

Teil 1 von Let’s talk: Nicht wie lange sondern was
Teil 2 von Let’s talk: Messenger
Teil 3 von Let’s talk: Computerspiele
Teil 4 von Let’s talk: YouTube
Teil 5 von Let’s talk: Fernsehen und Streaming-Dienste
Teil 7 von Let’s talk: Augmented Reality und Virtual Reality
Teil 8 von Let’s talk: Programmieren lernen

[Werbung] Wir haben jetzt Haustiere nach meinem Geschmack: Dash und Dot Roboter

Dash und Dot
Das sind die neuen Haustiere Dash und Dot. Seltsamerweise haben sie die Stimmen meiner Kinder.

An unterschiedlichen Stellen habe ich bereits darüber geschrieben, dass ich von strenger Regulierung der Medienzeit nicht viel halte. Alternativ versuche ich anzuregen, dass meine Kinder ein ausgewogenes Verhältnis von reinem Medienkonsum (egal ob nun Internet oder z.B. „Fernsehen“[1]) und kreativen Erschaffen von Inhalten haben.

Dabei ist schnell klar geworden, dass meine Kinder nicht immer toll finden, was ich toll finde.

Zum Girls‘ Day bei meinem alten Arbeitgeber, haben wir mit den Mädchen beispielsweise mit Scratch gearbeitet – was großen Anklang fand. Es schien mir daher naheliegend, dass Scratch auch meine Kinder begeistern könnte.

Das war aber ganz und gar nicht so. Erstens muss man für Scratch sicher lesen können und zweitens fehlte zumindest dem mittleren Kind irgendwie die Haptik. Es lernt tatsächlich sehr über das wörtliche begreifen.

Als ich bei Béa Beste den Dash Roboter sah, war mein Interesse deswegen sofort geweckt und ich habe mich sehr gefreut, dass wir den Dash Roboter ebenfalls zur Verfügung gestellt bekommen haben.

Ich hab den Kindern die beiden Roboter (Dash und Dot) gemeinsam mit einem Tablet und den entsprechenden Apps überlassen und mir mal angeschaut, was sie damit machen.

Mit Blockly kann man die Roboter einfach steuern

Das große Kind hat sich über die App Wonder erstmal an das Programmiersystem rangetastet.

Blockly für Dash
Blockly ist ziemlich leicht zu verstehen – v.a. wenn man die Entsprechung der Befehle direkt beim Roboter sehen kann

Kind 2.0 war eigentlich den Rest des Tages nicht mehr ansprechbar, da es völlig versunken alle Funktionen und Einzelschritte ausprobierte und dann nach sechs (!) Stunden völlig erschöpft zu mir kam. Ich fragte: „Na, wie isses?“

Kind 2.0 trocken: „Langweilig“

Gut – etwas, das sechs Stunden problemlos beschäftigt, kann soooo langweilig nicht sein.

Tatsächlich saß das Kind am nächsten Tag sofort wieder mit den Robotern und probierte neue Dinge aus.

Die Art und Weise wie die Programmierung von Dash und Dot funktioniert (Blockly), ist übrigens Scratch sehr ähnlich. Allerdings sind die Zusammenhänge für Kind 2.0 offenbar viel klarer, wenn sich nicht ein Kreis über den Bildschirm sondern ein Roboter über den Boden bewegt.

Alles in allem ist es wirklich erstaunlich wie schnell ein Kind hier die Grundelemente von Programmierung lernen kann. Ohne Eltern übrigens. Ich liebe ja Spielzeuge, die ohne die Unterstützung von Erwachsenen funktionieren.

Die Puzzle-Programmierung funktioniert sogar ohne stabile Lesekenntnisse

Kind 3.0 (das noch keine große Ausdauer im Lesen hat), hatte auch Spaß an den Robotern und experimentierte mit den Programmierelementen, die visuell orientiert sind.

Es hatte ebenfalls große Freude mit den Robotern selbst, hatte dann aber schnell keine Lust mehr feste Bewergungsabläufe zu planen und in der Programmierung zu hinterlegen.

Als ich eine halbe Stunde später in den Raum kam, hatte es die Programmiersprache zu einem Raumschifferzeugungsformat umfunktioniert. Es bastelte aus den Steuerelementen und Verbindungen visuell Raumschiffe.

Dash mit Puzzle-App
Seht ihr das Raumschiff? Kind 3.0 hält sich nicht so oft an Regeln und dann entstehen tolle Sachen

Alles in allem waren die Kinder einige Wochenenden mit den Robotern beschäftigt. Ich bin allerdings gespannt, wie der Langzeittest ausfallen wird und ob sich die Begeisterung dauerhaft hält. Die Roboter stehen jedenfalls frei verfügbar im Kinderzimmer und ich habe kein Limit für die Benutzung gesetzt.

Am meisten Spaß hatten die Kinder übrigens mit der Aufnahmefunktion der Roboter. Ein Roboter, der reden kann, übt wohl einen besonderen Reiz aus.

An die Privatsphäre ist jedoch gedacht. Die Aufzeichnungen landen nämlich nicht auf den Servern des Herstellers sondern verbleiben auf dem Tablet.

Einziger Kritikpunkt von meiner Seite sind die Deutschen Übersetzungen, die an einigen Stellen für Kinder nicht hundertprozentig zu verstehen sind.

Und ich sorge mich manchmal ein wenig über die Robustheit der beiden Roboter bzw. Kind 3.0 geht doch noch oft sehr ruppig mit den beiden um und ich bin überrascht, dass noch nichts abgebrochen ist – wobei mir Dash zugesichert hat, dass man in der Bauweise auch extra an die temperamentvollen Kinder gedacht hat.

Weitere Einschätzungen zu Dash könnt ihr gerne bei Susanne von geborgen wachsen und Sarah von Mamas Kind nachlesen.

Unser Fazit: Wenn man spielerisch erste Ansätze des Programmierens lernen möchte, sind Dash und Dot ein toller Einstieg. Funktioniert ab Grundschulalter und ohne Elterneinsatz.

Schafft Dash eine neue Generation Software-EntwicklerInnen?

Apropos Programmieren – unter einen meiner Artikel zum Thema spielerisch Programmieren lernen, wurde mal kommentiert:

Ich hab‘ beruflich sehr viel mit Software anderer Leute zu tun: Projekte wie die geschilderten tragen dazu bei, das noch mehr Leute denken sie könnten Software schreiben. Während sie in Wirklichkeit nur anderer Leute Vorlagen nachvollziehen und vielleicht mal links und rechts ein paar Daten umtauschen. Ich bin sehr für einen kreativen und unbelasteten Umgang mit Technik, um den Talenten einen Einstieg zu ermöglichen. Eine Generation Profi-Programmierer werden wir damit nicht erschaffen.

Das möchte ich thematisch nochmal aufgreifen, denn die Zielstellung solcher Spielzeuge ist meiner Auffassung ganz und gar nicht ein Heer an Programmiererinnen und Programmierer zu erschaffen.

Mir geht es v.a. darum, dass Medienzeit nicht leicht apathisch und passiv vor dem Rechner verbracht wird, sondern dass die Kreativität und der Phantasie angeregt werden und das nebenher eine Technikaffinität entsteht, die im späteren Leben hilft up-to-date zu bleiben und von all den Vorteilen, die die Digitalisierung birgt, zu profitieren und v.a. auch so viel Einsicht und Verständnis zu haben, sich kritisch mit Neuerungen auseinanderzusetzen und diese nicht aus Unwissenheit und Unsicherheit zu verteufeln.

Viele reagieren so ängstlich und ablehnend weil bestimmte Geräte oder Plattformen für sie undurchschaubar sind. Spielzeug wie Dash helfen, die wichtige Grenze zwischen „Da steht eine Blackbox, die magisch Dinge tut“ und „Das ist eine Maschine, die Befehle befolgt“ aufzulösen und ein Grundverständnis für das Konzept Algorithmus zu vermitteln.

Schulen können diese Kompetenzen meiner Erfahrung nach nicht im Ansatz vermitteln. Alles, was ich bislang unter dem Deckmantel „Computerunterricht“ gesehen habe, sind im Grunde Windows Produkt Schulungen.

Die Kinder lernen Shortcuts von Windows, zeichnen in Paint und lernen Word-Funktionen kennen und das soll dann für die Zukunft wappnen und Medienkompetenz vermitteln.

Das lässt mich wirklich immer wieder ratlos zurück.

Ich finde deswegen Spielzeuge wie Dash und Co. gehören in die Kinderzimmer, denn die machen so viel Spaß, dass sie das leidige Thema Computerunterricht in der Schule wirklich gut kompensieren.

Apropos Kinderzimmer – in euer Kinderzimmer kann Dash auch einziehen. Ich freue mich einen Dash verlosen zu können!

Die Sommerferien haben begonnen und vielleicht hilft Dash die endlosen und (für mich als Kind waren sie endlos) zu überbrücken.

Verlosung! Was ihr tun müsst, um zu gewinnen:

  • verlost wird ein Dash Roboter von Wonder Workshop [Amazon Werbelink]
  • das Roboter-Set wird verlost unter allen Kommentaren im Blog – beantwortet mir folgende Frage: Wie vermittelt ihr euren Kindern Medienkompetenz und technisches Grundverständnis?
  • mitmachen können alle volljährigen natürlichen Personen
  • die Verlosung läuft bis zum 04. August 2017 um 23 Uhr
  • die GewinnerInnen werden ausgelost und per Mail benachrichtigt
  • der Rechtsweg ist ausgeschlossen
  • eine Barauszahlung des Gewinns ist ausgeschlossen
  • erhalte ich innerhalb einer Woche keine Rückmeldung auf die Gewinnbenachrichtigung, verfällt der Gewinn

[1] Einen Fernseher besitzen wir seit mehreren Jahren nicht und seit DVB-T auf DVB-T2 HD umgestellt worden ist, konsumieren wir auch nichts mehr aus dem laufenden TV Programm.

[Anzeige] Let’s talk – about Messenger

Ist WhatsApp wirklich alternativlos? Foto Webster2703 @Pixabay

Gemeinsam mit SCHAU HIN! habe ich Ende Juni eine kleine Serie zum Thema Kinder und digitale Medien gestartet. 

Im Zentrum meiner Serie sollen die Chancen, die (neue) Medien mit sich bringen, stehen und ich will beschreiben, wie wir als Familie im Alltag damit umgehen und gerne auch von Euch hören, wie ihr den Alltag mit Kindern und digitalen Medien gestaltet.

Risiken und Gefahren werden durch Kulturpessimisten aller Ausrichtungen zu genüge beklagt. Viele Eltern reagieren mit Unsicherheit und statt sich mit den einzelnen Themen auseinanderzusetzen. 

Ich versuche mit meinen Kindern im Gespräch zu bleiben und Lösungen zu erarbeiten, die für uns alle passen. Das ist auch der Grund warum ich die Serie Let’s talk nenne.

Im zweiten Teil geht es um: Messenger-Apps

Segen Messenger-Apps

Ich liebe es zu chatten. Nie war es einfacher in Verbindung zu bleiben. Sei es mit dem Partner, den Kindern, lieben Freundinnen oder Kolleginnen. Beim Stillen, während langweiliger Pflichtveranstaltungen (Tante Friedel wird 77) oder mitten in der Nacht wenn der Geburtstagskuchen, in den man bereits Stunden investiert hat, leider gerade eingefallen ist.

Mir haben Chats immer sehr geholfen mich nicht alleine zu fühlen. Egal wo ich bin und was ich mache. Gerade neu umgezogen, alleine im Urlaub, verzweifelt seit Stunden wartend beim Kinderarzt – egal – in meinem Handy wartet Trost und Zuversicht.

Genauso freue ich mich für meine Kinder, dass auch sie unkompliziert Kontakt zu ihren Freundinnen und Freunden Kontakt halten können.

Für mich waren die Sommerferien ein Graus früher. Sieben Wochen ohne Freundinnen, weil alle irgendwo waren. Oder Umzüge! Zog die geliebte Freundin ein Dorf weiter, war sie quasi für immer verloren. Oder das unendliche Auslandsjahr!

Das ist heutzutage total anders. Selbst wenn die Freundin in Vietnam ist, kann man weiterhin in Kontakt bleiben.

Kindern das Chatten zu verbieten, wäre für mich deswegen bizarr. Nur die Wahl der richtigen App ist leider ziemlich kompliziert.

Welche ist die richtige Messenger-App?

Elternabend in der Schule: Kurz vor Ende kündigt die Lehrerin an: „Zum nächsten Termin können wir darüber sprechen, ob wir einen WhatsApp-Chat machen oder nicht.“

In mir steigt sofort die Empörung hoch und ich melde mich – wohlwissend wie es andere Eltern empfinden, wenn sich eine Mutter am Ende des Elternabends nochmal schnell mit hochrotem Kopf meldet: „Ich hätte gerne, dass wir eine Stufe vorher mit der Diskussion anfangen und dann darüber sprechen, ob es ein WhatsApp-Chat sein muss oder ob vielleicht eine andere App nicht geeigneter wäre.“

Der Blick der Lehrerin sagt Whatever und der Mund sagt: „Ja, natürlich.“ Die Blicke der Eltern sagen: „Bitte, bitte, wir wollen nach Hause, nerv‘ doch nicht.“

Ich atme leise durch die Ohren aus. WhatsApp wird leider meistens als völlig alternativlos als gesetzt gesehen.


Ein kleiner Exkurs.

Im Mai habe ich über Sprachnachrichten geschrieben und einen nachgebildeten (!) Screenshot aus dem WhatsApp Messenger benutzt.

Der Tweet dazu wurde oft geteilt und der Artikel fast zehntausend Mal aufgerufen. Das habe ich sehr bereut – eben wegen der Verbreitung des besagten WhatsApp-Screenshots.

Tatsächlich benutze ich WhatsApp – aber nur bei Freundinnen und Freunden, die wirklich nur dort zu erreichen sind.

Ich habe durchgezählt: das sind lediglich fünf von ca. fünfzig Menschen mit denen ich mehr oder minder regelmäßig chatte. Alle anderen sind bei mir entweder auf Threema oder auf iMessage.

Werbung für die Verwendung von WhatsApp wollte ich nie machen. Im Gegenteil.

WhatsApp – na und? Benutzen doch alle!

Warum glaube ich, dass es ein Unterschied macht, welchen Messenger man verwendet?

Messenger sind unterschiedlich sicher und sie gehen unterschiedlich mit unseren Daten um.

Viele wissen vermutlich, dass WhatsApp seit April 2016 die Daten Ende-zu-Ende verschlüsselt. Diese Verschlüsselung schützt jedoch nicht vor der Weitergabe und Auswertung von Metadaten.

Metadaten sind alle Daten, die neben den eigentlichen Nachrichten anfallen. Dazu gehören z.B. Informationen wann man wie oft von wo mit wem chattet.

Aus diesen Daten kann eine Menge (fehl)geschlossen werden. (Ich habe an anderer Stelle mal versucht mehr oder weniger lustig darzustellen, wie ein Ausschnitt bestimmter Informationen einige ziemlich unpassende Fehlschlüsse zulässt.)

WhatsApp sammelt die Metadaten und gibt sie an den Mutterkonzern Facebook weiter. Dort werden sie verwendet um von den einzelnen Nutzerinnen und Nutzern Profile zu erstellen, damit auf Facebook passgenaue Werbung angezeigt werden kann.

Wer seine Privatsphäre liebt, kann das nicht gutheißen.

Ausführlicher kann man die Argumente, die gegen die Verwendung von WhatsApp sprechen, hier und hier nachlesen. Die Details würden den Rahmen meines Artikels sprengen.

Wichtig auf jeden Fall noch: In den Systemeinstellungen eures Endgeräts selbst, könnt ihr WhatsApp ziemlich viele Rechte entziehen:

Ich möchte im Zusammenhang mit WhatsApp und Kindern zwei andere Argumente beleuchten:

WhatsApp hat weltweit über eine Milliarde Nutzerinnen und Nutzer. Wenn ich mit anderen über WhatsApp spreche, höre ich v.a. zwei Argumente.

1.) Oma, Karl, Silke und Thorsten sind halt schon bei WhatsApp…

und

2.) WhatsApp ist kostenlos!

An Punkt 2.) möchte ich gleich anknüpfen. WhatsApp bezahlt man tatsächlich nicht in Euro sondern eben – wie oben geschildert – mit Daten.

Das Unangenehme: Ihr zahlt nicht nur mit euren Daten, sondern gebt auch alle Daten aus eurem Telefonbuch (also die Daten anderer) weiter.

Es ist übrigens möglich bei Installation der App dieser Verknüpfung zu widersprechen – die Chats sehen dann aber wie in dem Screenshot unten aus und sind, wenn es beispielsweise um Gruppenchats geht, unübersichtlich, weil man nicht einfach zuordnen kann, wer was schreibt:

WhatsApp
Ist das Telefonbuch nicht verknüpft, sieht man nur Profilbild und Telefonnummer – keinen Namen (und ja, ich sehe, dass da eine Telefonnummer im Screenshot zu sehen ist)

Geschäftsmodelle hinterfragen ist Teil von Medienkompetenz

Gerade das Geld-Argument ist übrigens ein sehr starkes für die Wahl von WhatsApp bei Kindern.

Als Eltern könnt ihr dem relativ leicht entgegenwirken

  1. gebt den Kindern einfach das Geld um sich eine datensensible App zu kaufen
  2. und sprecht mit euren Kindern über Geschäftsmodelle. Selbst Kindern leuchtet das relativ einfach ein: Stellt die Frage, wie eine Firma Geld verdient. Auch Kinder können sich vorstellen, dass Menschen, die für ein Unternehmen arbeiten, irgendwie Geld bekommen müssen und dass es unterschiedliche Wege für Unternehmen gibt, Geld zu generieren.

Wer diese Frage kennt und sie auf neue Dienste anwendet, hat schon viel über Medienkompetenz gelernt.

Dem ersten der oben genannten Argumente könnt ihr schlecht entgegenwirken – bestenfalls wenn man das Thema schon sehr früh diskutiert und auch bei anderen Eltern in die Diskussion einbringt. Wenn eure Kinder die ersten mit alternativen Messenger sind, ist es vielleicht leichter, andere zu überzeugen, ebenfalls von der Nutzung von WhatsApp abzusehen.

Gleiches gilt übrigens für Aufklärungsarbeit am Elternabend. Ich möchte behaupten, dass 80% der Eltern sich noch nie mit diesem Thema auseinandergesetzt haben.

Meine Empfehlung: Threema

Meine Empfehlung für eine sichere App, die ordentlich mit euren Daten umgeht, ist Threema.  Threema kostet 3,49 Euro im iTunes Store und 2,99 Euro im Google Play-Store). Test.de schätzt das ähnlich ein.

Alle anderen Alternativen (beispielsweise Telegram und Signal) möchten ebenfalls Daten aus dem Telefonbuch laden. Man kann das so wie bei WhatsApp unterbinden – Chats sind dann so unübersichtlich wie in der Abbildung oben.

Auf dem Desktop sieht man schön meine Inkonsequenz *seufz*

Mehr Argumentationshilfe gegen WhatsApp gibt es übrigens bei Netzpolitik unter z.B. Abschied von WhatsApp: Fünf gute Gründe, den Messenger zu wechseln (Wer die Nerven hat, sollte sich auch mit dem Thema Open Source Software auseinandersetzen – auch eine Sache, die als Bewertungskriterium bei allen Arten von Software gilt).

Am Ende muss man sich entscheiden:

  • WhatsApp gar nicht verwenden und damit auf unkomplizierte Kontaktmöglichkeiten zu bestimmten Menschen komplett verzichten
  • WhatsApp für einen Teil der Kontakte benutzen – aber die Verknüpfung zum Telefonbuch sperren und mehr oder minder kryptische Chats und die Weitergabe der Metadaten akzeptieren
  • oder WhatsApp „normal“ benutzen, die Daten aus dem Telefonbuch hochladen und Metadaten dem Facebook-Konzern überlassen.

Eine weitere WhatsApp-Plage sind „Ketten-Briefe“

Übrigens ein weiteres Argument gegen WhatsApp ist für mich als Mutter das Thema Ketten-Briefe (eigentlich Ketten-Nachrichten). Da gibt es wirklich unsägliche Dinge. Ich habe noch nie gehört, dass über Threema ähnlicher Mist an die Kinder gelangte.

oder

Je nach Alter setzen solche Nachrichten Kinder wahnsinnig unter Druck.

Fragt eure Kinder mal, ob sie bereits ähnliche Nachrichten erhalten haben. Viele Kinder erzählen aus Angst gar nicht erst darüber. Sprecht mit euren Kindern über diese Ängste und kontaktiert ggf. das versendende Kind und deren Eltern, um dort auch ins Gespräch zu kommen.

Erst kürzlich ging eine noch drastischere Audionachricht herum, die seit 2013 auf WhatsApp kursiert. Sie droht den Kindern mit dem eigenen Tod und dem der Mutter, sofern die Nachricht nicht in kürzester Zeit an zwanzig weitere Empfänger verschickt wird.

Weitere Tipps zum Umgang mit diesen Ketten-Briefen z.B. unter „Wenn Kinder Morddrohungen per WhatsApp bekommen.

Am Ende muss man sich für oder gegen WhatsApp entscheiden

Zurück zum Thema Wahl des Messengers – meine persönliche, zähneknirschende Entscheidung: Beides erlauben, schauen, ob man mit WhatsApp klar kommt, wenn man die App nicht mit dem Telefonbuch verknüpft ist und immer wieder Diskussionen anzetteln.

Ich halte es da wie mit allen Nachhaltigkeitsthemen: Ich weiß, dass ich nicht alles restlos perfekt machen kann, also erlaube ich mir Ausnahmen.

Jetzt da ich mich wieder ausführlich mit dem Thema auseindergesetzt habe, habe ich erneut ein sehr schlechtes Gefühl mit meiner Inkonsequenz…

Einmal hochgeladene und freigegebene Daten des Telefonbuchs sind eben nicht mehr löschbar.

Dass das Thema Datenweitergabe durchaus relevant ist, zeigt übrigens das (juristisch umstrittene) „WhatsApp Urteil von Bad Hersfeld„: In dem Urteil hat der zuständige Richter einer Mutter auferlegt, schriftliche Einverständniserklärungen aller WhatsApp-Kontakte ihres Sohnes einzuholen und diese dem Gericht vorzulegen – andernfalls dürfe das Kind die App nicht weiter nutzen.

Von der Nachricht wie der Staatstrojaner Daten (u.a.) aus WhatsApp abziehen möchte, fange ich gar nicht erst an…

Es ist und bleibt sehr kompliziert mit diesem Thema.


Wie geht ihr damit um? Was sind eure Empfehlungen und wie wichtig ist euch Datenschutz und Privatsphäre?

Kommentiert einfach hier, teilt eure Medienmomente auf Instagram, bloggt selbst darüber, twittert oder schreibt darüber auf Facebook. Wenn ihr euren Beiträge mit dem Hashtag #medienmomente markiert, können sie später eingesammelt und geteilt werden.


Wen auch die rechtlichen Rahmenbedingungen interessieren, dem empfehle ich die aktuelle Rechtsbelehrung zum Thema „WhatsApp, Messenger und Abmahnungen“ reinzuhören.

Weiterführende Links

 

Weitere Themen der Serie

Teil 1 von Let’s talk: Nicht wie lange sondern was
Teil 3 von Let’s talk: Computerspiele
Teil 4 von Let’s talk: YouTube
Teil 5 von Let’s talk: Fernsehen und Streaming-Dienste
Teil 6 von Let’s talk: Hörwelten
Teil 7 von Let’s talk: Augmented Reality und Virtual Reality
Teil 8 von Let’s talk: Programmieren lernen

25 Frauen – 25 Vorbilder

Gestern Abend war die Preisverleihung des Edition F 25-Frauen-Awards im Kino International.

Ich bin jetzt mal sehr ehrlich: Ich bin hingegangen weil es eben an diesem Ort war. Ich liebe das Kino International sehr. Es gibt kein schöneres Kino in Berlin (wohlmöglich in der Welt) und im Gegensatz zu den großen Multiplex Kinos, kann man vor dem Film dort zu vernünftigen Preisen ein Getränk zu sich nehmen. Das nur vorweg. Sprich: Ich hatte an den Abend keine Erwartungen. Ich wollte einfach mit meiner lieben Freundin an einem schönen Ort ein bis zwei Getränke zu mir nehmen.

(Hier! Clickbait!) Doch dann kam alles ganz anders!

Am Ende des Abends kam ich nämlich total glücklich und inspiriert nach Hause. Die Verleihung des 25 Frauen Preises war eine großartige Gala mit außergewöhnlichen Frauen in bester Stimmung.

Aber vielleicht doch noch einen Schritt zurück. 25 Frauen: Was ist das eigentlich?

Der 25-Frauen-Award wurde ins Leben gerufen, um Frauen sichtbarer zu machen. Er wurde dieses Jahr bereits das 4. Mal vergeben und stand 2017 unter dem Motto „25 Frauen, deren Erfindungen unser Leben verändern.“

Aus 500 Nominierungen wurde eine Vorauswahl von 50 Frauen getroffen und eine Jury kürte am Ende 25 Frauen, die außergewöhnliches erfunden haben.

(Lest unbedingt die Details zu den Gewinnerinnen und ihren Erfindungen).

Wobei ehrlich gesagt, haben mich gar nicht so sehr die konkreten Erfindungen beeindruckt (wobei, dass man aus Milcheiweiß Textilfasern machen kann, finde ich doch sehr faszinierend oder dass man Plattenbaubeton recyceln kann… na gut und dass es ein System gibt, das Schall eines Lautsprechers um Hindernisse so umlenken kann, dass man direkt dahinter was hören kann, ist vielleicht auch ziemlich beeindruckend…so wie die Waschstraße für Menschen, die schnell und energiesparend dekontaminiert…), sondern die Frauen in ihrer Gesamtheit.

Ich war schon auf vielen, meist sehr, sehr männlich geprägten Veranstaltungen, wo irgendwelche Anzugträger auf der Bühne standen und sich beim Reden selbst gefallen haben, während sie von einem männlichen Moderator interviewt wurden, der sich selbst auch sehr toll fand.

Ich beschreibe hier ein Klischee, das ist wahr – aber eben eins, das oft zutrifft.

Der Abend im International war völlig anders. Die Moderatorinnen selbstbewusst, aber tiefenentspannt und selbst der obligatorischen Danksagung an die zahlreichen Sponsoren der Veranstaltung konnte man gut zuhören.

Die Gewinnerinnen hatten einen beeindruckenden Altersrange (v.a. die jungen Frauen hätte ich mir gerne gepackt und auf die Schulen verteilt, damit die Mädchen gerade für die MINT Themen so großartige Vorbilder haben) und hatten alle was zu sagen. Nicht nur blablablanlub und schaut mal wie toll ich bin.

Die Stimmung war hervorragend. Als z.B. Alice Merton auftrat, dachte ich noch: Mann, die armen Musikerinnen, die vor Sitzpublikum auftreten müssen und sich die Seele aus dem Leib singen und dann bewegt sich niemand. Aber neeee! Irgendwo kreischte und jubelte es und plötzlich tanzte und klatschte (liebes Mitpublikum, ich verzeihe euch das Mitklatschen auf 1 und 3) der ganze Saal.

Man kam total leicht mit anderen Frauen ins Gespräch (ich bin sonst die totale Smaltalkversagerin) und alle Gespräche waren von Wertschätzung und Offenheit geprägt.

Ich wurde einige Male für mein Blog angesprochen und war kurz davor in Tränen auszubrechen, weil ich das Gefühl hatte, ich Wurm zwischen all den unglaublich tollen Frauen und dann flattert mir eine Art Wertschätzung entgegen, die mir wirklich das Herz aufgehen ließ.

Es war einfach ein wunderbarer Abend für den ich mich wirklich bedanken möchte. Es fühlt sich so gut an zwischen all den phantastischen Frauen zu sein und zu denken: Ja! Das sind die Menschen, die ich sehen will, das sind die Menschen, die ich meinen Kindern zeigen will, ich will, dass sie sich inspiriert und ermutigt fühlen, dass sie auch denken: Meine Idee ist super, da setze ich mich jetzt einfach mal ein paar Nächte hin und bastle was und selbst wenn es nicht funktioniert, dann bin ich nicht gescheitert sondern dann habe ich eine Erfahrung gesammelt und neues Wissen aufgebaut, das mir später weiterhilft.

Ich habe körperlich gespürt, dass es etwas total anderes ist physisch zwischen so einer großer Menge Frauen zu sein als im Internet mal den ein oder anderen Artikel über inspirierende Frauen zu lesen.

Es braucht die Sichtbarkeit, es braucht die Vorbilder für die kommenden Generationen und auch für mich und meine Generation.

Es hilft nicht zu wissen, ah eine einzelne Frau im Vorstand, ah eine weibliche Ausnahmeerscheinung in der Techszene, ah eine Physikerin, die bahnbrechendes erfunden hat.

Man muss diese Frauen SEHEN! Im Alltag. In den Medien! Auf Podien. Man muss sie hören.

Wie gesagt: v.a. die jungen Frauen waren so toll in ihrer „einfach machen, wenn man da Bock drauf hat“-Attitüde. Mein Gott, habe ich da gemerkt wie alt ich bin. Was ich für eine elendige Bedenkenträgerin bin und wie ich mich manchmal auch selbst blockiere. All die ja-abers.

Es gab übrigens auch ziemlich fette Goodie-Bags. Und ich weiß natürlich geschenktes Gaul und so, aber damit ich ganz am Ende einen Verbesserungsvorschlag in all der Lobhudelei gemacht habe: Wie cool wäre denn zum Forscherinnen und Makerinnenthema, wenn da ein Sponsor dabei gewesen wäre, der sowas anbietet wie ein Hardwarehacking-Einstiegsset oder einen kleinen Chemieexperimentierbaukasten. Ich freue mich wirklich über schöne Lippenstifte (wirklich), aber kann es sein, dass es schon öfter Thema war, dass zu einem Tech/Mathe/Physik Event bestimmte Giveaways nicht noch besser passen würden?

Insgesamt großen Dank an das Team von Edition F und meinen Glückwunsch an die Gewinnerinnen:

Patricia Asemann,u.a. Jugend forscht Gewinnerin
Katrin Bermbach, Nora Blum, Farina Schurzfeld, Gründerinnen Selfapy
Melanie Blokesch, Grundlagenforscherin zu Cholera
Anke Domaske, Gründerin QMilk
Maria Driesel, Gründerin Inveox
Monika Fleischmann, Medienkünstlerin
Pia Frey, Mitgründerin Opinery
Susanne Friebel, Gründerin Phoneon
Marcella Hansch, Erfinderin von Pacific Garbage Screening
Sonja Jost, Mitgründerin DexLeChem
Seira Kerber, Erfinderin X-Wash
Sabine Kroh, Gründerin Call a Midwife
Linda Kruse, Co-Founder The Good Evil
Johanna Ludwig, Co-Founder Akvola
Konstanze Marx, Cybermobbingexpertin
Marion Merklein, Fertigungstechnologin
Angelika Mettke, Erfinderin des Plattenbaubetonrecyclings
Cordula Nussbaum, Coach
Mai Goth Olesen, Erfinderin Meal-Saver
Katrin Reuter, Erfinderin von Trackle
Heike Riel, IBM Fellow
Julia Schröder und Theresia Uhrlau, Entwicklerinnen von Yuma
Julia Shaw, Kriminalpsychologin
Judith Springer, Gründerin Fine-Deodorant
Lia Magdalena Weiler, Co-Founder Glow

Fidget Spinner – des Kindes Rosenkranz

Fidget Spinner
Early Adopter Kind 3.0 brachte den Fidget Spinner in unseren Haushalt

Wißt ihr noch? Damals die Loom Gummis? Einen nicht unbeträchtlichen Teil meiner Altersvorsorge habe ich in ca. 200.000 Loom Gummis angelegt    [1].

Nach den Loom Gummis zog über uns ein Star Wars Hype hinweg, dann bedeckte uns die Pokémon Karten Welle und nun sind es die Fidget Spinner.

(Fidget heißt übrigens „Zappelphilip“)

Vor ca. zwei Wochen kam Kind 3.0 zu mir und wollte einen Fidschuht Spinna. Ähnlich wie damals bei den Bauer Räinschan, habe ich einige Zeit gebraucht um herauszubekommen, was das sein könnte.

Der Weg wie diese Dinge in die Welt und dann zu Kind 3.0 finden, ist gleichermaßen mysteriös wie bemerkenswert.

Noch lange bevor das erste Kind einen Fidget Spinner hatte, erzählten sich die Kinder Legenden. Es gäbe welche, mit denen könne man Gemüse schneiden!

Ein sehr gutes Argument, um das Ding den Eltern schmackhaft zu machen: „Wenn Du mir eins kaufst, kann ich Dir helfen Zucchini zu schneiden. Auch Äpfel und Möhren sind kein Problem!“ versicherte mir Kind 3.0.

Wenig später kam das Kind von der Schule und berichtete von unglaublichen Kunststücken, die man mit den Fidget Spinnern machen könne. In A-M-E-R-I-K-A (!) gäbe es Kinder, die den Spinner drehend von einem Finger auf den anderen springen lassen könnten.

Zum Weltkindertag hatten dann plötzlich gefühlte 3/4 aller Kinder einen Fidget Spinner.

Da die Kinder bei uns zum Kindertag nichts bekommen, musste das arme Kind 3.0 sein gesamtes Taschengeld ausgeben, um sich einen eigenen Spinner zu kaufen: „Mama, Du weißt doch. Ich mag gerne die neuen Sachen ganz am Anfang mitmachen!“.

Early Adopter nennt man sowas wohl.

Wie es dann an Schulen mit allen Neuerungen und Dingen ist, die Kinder über die Maßen begeistern – schon am nächsten Tag waren die Spinner verboten [2].

Aber noch mal einen Schritt zurück.

Was ist ein Fidget Spinner?

Ein Fidget Spinner ist eine Art Kreisel, den man auf einem Finger balancieren kann. In der Mitte befindet sich ein Kugellager und außen – je nach Bauart – Flügel mit kleinen Gewichten. Der Spinner wird angedreht und dreht dann einige Sekunden (oder Minuten).

Wo kommt der Fidget Spinner her?

Die Urform wurde in den 90ern von Catherine Hettinger erfunden. Die Kosten für das Patent konnte sie aber nur acht Jahre tragen. Sie trat mit ihrer Idee an verschiedene Spielzeugfirmen und tatsächlich hat Hasbro das Spielzeug Anfang der 2000er mit einigen Kunden verprobt, da die Idee die Probekunden nicht überzeugte, nahm man jedoch Abstand von ihr.

Aufgrund der enormen Popularität versucht Catherine Hettinger nun auf Kickstarter ihre ursprüngliche Idee zu finanzieren.

Wieder aufgekommen ist die Idee vielleicht im Zusammenhang mit der Crowdfunding Kampagne um einen Fidget Cube. Dort wurden in kürzester Zeit 6,4 Millionen Dollar (Ziel waren 15.000 Dollar) für ein ähnliches Fingerbeschäftigungsspielzueg gesammelt.

Das Crowdfunding ging auf der Plattform als die 9. erfolgreichste Kampagne seit Gründung ein.

Wie dann der Kreisel in die amerikanischen Klassenzimmer gefunden hat, konnte ich nicht nachvollziehen. Forbes berichtet schon Dezember 2016 von dem Hype.

In den USA wurden die Fidget Spinner übrigens genauso schnell verurteilt wie in Deutschland (Kulturpessimismus folgt den selben Regeln). Ein Kind läuft auf den Finger Spinner fokussiert fast vor ein Auto. Klarer Fall von: Das Spielzeug ist vom Teufel. Die armen Kinder sind besessen! An nichts anderes können sie mehr denken. Sie spielen den ganzen Tag damit. Verbieten!

(Ich frage mich wirklich, wann irgendwer mal drauf kommt, dass es vielleicht ein völlig normaler Teil der Kindheit und Jugend ist, sich exzessiv mit DIngen zu beschäftigen und über die Maßen begeisterungsfähig zu sein… und sich dann im nächsten Schritt zu fragen, wie man das vielleicht nutzen könnte… )

Ich finde es jedenfalls faszinierend, was man alles damit machen kann.

Man kann sich auch welche selbst bauen:

(Bestimmt kommt da bald noch was besseres von Bea Beste)

Irre ist auch die Varianz der Fidget Spinners. Sie leuchten, glitzern, klingeln:

Deswegen to keep a long story short: Vielleicht mal mit den Kindern begeistern, statt zu rufen: Wasn Scheiß! Wie nutzlos! Gefährlich! Untergang des Abendlandes!


[1] Das sei den Skeptikern meines letzten Blogbeitrags zur Beruhigung gesagt. Ich habe eine Mischstrategie, was meine Altersvorsorge angeht: Riester Rente, Aktien, Häuser, Goldbarren, Loom Gummis und zwei Tonnen Schleichtiere.

[2] Wie ich diese Kultur hasse! Statt Dinge aufzunehmen, die Kinder begeistern: VERBOT!

Es gibt für alles eine technische Lösung

…oder?

Seit Jahren glaube ich daran, dass sich Familienleben durch die richtigen technischen Anwendungen besser organisieren lässt.

Hintergrund der Idee ist tatsächlich den Kleinkram sichtbar zu machen, (der gefühlt als Verantwortung auf meinen Schultern lastet) und besser zu verteilen.

Ich hab mich mal darüber ausgesponnen, dass man doch ein Ticketssystem verwenden könnte, um die ToDos festzuhalten. Denn sehr viele scheinbar einfache ToDos haben in meinem Kopf eine Anzahl an Unterschritten, die eigentlich mitzuerledigen sind – die aber oft liegen bleiben, bzw. an mich zurück gehen und sich dann still und heimlich anhäufen:

Ticket td543 Hol‘ bitte die Kinder ab beinhaltet im Grunde eine ganze Reihe unausgesprochener Teilschritte, die abzuarbeiten sind, bevor das Ticket geschlossen werden kann. […]. Zu den Unteraufgaben gehören beispielsweise td543a Ausflugkasse zahlen, td543b Wochenkalender checken, td543c Termine in den gemeinsamen Kalender übertragen, td543d Wechselsachenbeutel auf Vollständigkeit kontrollieren, td543e Kinder mit Sonnenschutz eincremen und td543f Toilettengang veranlassen.

Jetzt kann man natürlich die Hände über dem Kopf zusammen schlagen und sagen, eigentlich ist es ja auch OK, die Kinder einfach abzuholen. Das stimmt erstmal, bedeutet aber langfristig, dass die anderen Sachen nicht gemacht werden bzw. stillschweigend von der anderen Person nachgearbeitet werden.

Der Familienalltag ist aber voll von diesen unsichtbaren Aufgaben.

Ich würde diese Aufgaben gerne irgendwie sichtbar machen und besser verteilen. Deswegen habe ich heute morgen mal versucht das Ganze mit Trello abzubilden. Dabei merke ich schnell, dass mindestens noch ein Kalender fehlt.

In dem Moment, in dem ich aber zwei oder mehr Anwendungen befüllen muss, sehe ich das ganze Vorhaben schon wieder gescheitert.

Eine gemeinsame Einkaufsliste wäre ja auch noch ganz gut. Sind wir schon bei drei unterschiedlichen Anwendungen.

Natürlich kann und muss man zusätzlich kommunizieren. Ich hab aber das Gefühl, dass vieles einfach untergeht. Mündlich genauso wie per Threema und Co.

Deswegen glaube ich stur und fest, dass Technik (auch im Sinne der Dokumentierbarkeit und weil es dann evtl. nicht zehn Orte sondern einen Ort gibt, bei dem man nachschauen kann) helfen könnte.

Wie genau führt man solche Listen? Wie plant man Familienleben?

Einfache Aufgabe: Abendessen für die Woche.

Schreibt ihr am Wochenende auf, was es die kommende Woche zu essen geben soll? Leitet sich davon eine Einkaufsliste ab? Gibt es dann einen Großeinkauf oder mehrere kleine Einkäufe?

Wie geht ihr mit dem Kleinkram um (Geschenk für den Kindergeburtstag kaufen, Fahrkarten für den Schulausflug, neue Turnschuhe besorgen)?

Verteilt ihr solche ToDos wirklich namentlich oder gibt es eher stillschweigende Vereinbarungen und Gewohnheiten?

Haltet ihr nach (Was ist eigentlich mit XY? Bzw. meldet der eine Partner dem anderen Partner: ToDo XY ist jetzt erledigt)?

Wie wird mit den wiederkehrenden ToDos (Fingernägel schneiden, Elternheft kontrollieren, Essensplan der Schule ausfüllen) umgegangen?

Wie mit den offiziellen Terminen (z.B. Elternabend, Schulanmeldung, U-Untersuchung)?

Welche Apps benutzt ihr? Mit was seid ihr schon gescheitert und warum?

 

Einige Antworten habe ich schon in den Replys auf meinen Tweet bekommen (vielen Dank dafür), vielleicht hat der/die ein oder andere noch Lust die Erfahrungen in den Kommentaren etwas ausführlicher zu schildern. Ich würde mich freuen.

Genannt wurde z.B. Bring für Einkaufslisten, Workflowy, Google Notes, Google Keep und Wunderlist.

Endgegner Computerspiel

Dreißig Minuten am Tag müssen reichen
Computerspiele und Elternängste
Pixabay @StockSnap

„Wenn wir mal richtig großzügig sind, dann darf er 30 Minuten spielen. Meistens aber eher 20 Minuten am Tag.“

Es liegen rund 70 Minuten Vortrag über Computerspiele und mindestens acht Beiträge aus dem Publikum hinter mir, die v.a. eines zeigen: Ein Großteil der Eltern hat Angst vor Computerspielen.

Sie fühlen sich unwohl wenn ihre Kinder Interesse oder gar Spaß an Computerspielen haben. Am Besten man verbietet das ganz oder aber, man reglementiert so stark wie es geht.

Ich halte es nicht mehr aus. Ich bin jetzt alles andere als eine exzessive Computerspielerin – aber 20 Minuten? Ich glaube, Computerspiele ganz zu verbieten ist unterm Strich weniger frustrierend als sie täglich 20 Minuten zu erlauben.

In welchem Spiel kann man denn in dieser Zeitspanne irgendwas erreichen? Ein Level vollenden? Ein Rätsel lösen? Einem Handlungsstrang folgen? Seine Mitspieler zusammentrommeln? (Ausser in Idle Clickern, aber wollen die Eltern, dass die Kinder Idle Clicker spielen? Ok, Super Hexagon ginge auch – da sind 20 Minuten quasi unendlich lang…)

Ich drehe mich um und frage die Person, die sich eben gemeldet hat, um zu verkünden, dass ihr Kind 20 bis 30 Minuten am Tag spielen darf: „Ich verstehe wirklich ganz schlecht, wieso man Computerspiele so stark reglementiert. Würden sie auch sagen: 30 Minuten Lego spielen und dann ist aber Schluß? 30 Minuten lesen und dann Buch weg!

Das ist doch frustrierend fürs Kind. Das kennt man doch selbst. Da hat man vielleicht gerade angefangen zu lesen, steckt mitten im Kapitel, die Handlung wird gerade spannend und dann weg mit dem Buch.

So stelle ich mir das auch beim Computerspielen vor. Woher kommt denn ihre Angst? Was genau befürchten sie?“

„Lesen und Computerspiele kann man nicht vergleichen.“

„Warum nicht?“

„Das ist was ganz anderes. Lego auch!“

„Warum? Ich verstehe es wirklich nicht.“ In der Zwischenzeit bin ich rot angelaufen. Ich will nicht rumstänkern. Ich möchte das wirklich verstehen. Wir reden hier nicht von Kleinkindern, die die Welt vielleicht erstmal haptisch erfahren (be-greifen) sollen. Die Kinder, um die es hier geht, sind zehn Jahre und älter.

Die besorgte Person schaut mich mit einer Mischung aus Verduztheit und Überheblichkeit an. Wie kann es sein, dass ich mir diese Frage nicht selbst beantworten kann?

„Glauben sie, es werden verschiedene Fähigkeiten angesprochen, beim Lesen die Fantasie und beim Computerspielen… ?“

„Ja.“

Jetzt bin ich sprachlos. Die Diskussion geht mit anderen weiter. Ich merke, bis auf einen einzigen Vater, denken alle anderen Anwesenden, ich hab sie nicht mehr alle. Ich halte also meinen Mund.

Teufel Computerspiel

Der Vortrag hieß eigentlich „Phänomen Computerspiele: Fluch oder Segen?“. Wir sind mit dem Thema Sucht eingestiegen und da irgendwie hängen geblieben. Es geht v.a. um World of Warcraft.

Später versuche ich rauszubekommen, von wie viel Prozent Süchtiger wir überhaupt sprechen. Ich finde Zahlen zwischen 3 und 10% aller Jugendlichen in Deutschland. Meistens geht es in den Studien aber nicht nur um Computerspiele sondern auch um Onlinesucht.

Immer wieder begegnet mir die Studie, die sagt, das angeblich 560.000 Menschen in Deutschland internetsüchtig sind. Vor einigen Jahren hatte ich mir die Studie genauer angeschaut und festgestellt, dass es hier Kriterien gibt wie „beschäftigt sich x Stunden am Tag damit“ und auf der anderen Seite auch Internetradio oder Streaming mit erfasst wurde.

Interessehalber habe ich mich auch mit den Thesen von Manfred Spitzer befasst. Er geht so weit und verteufelt z.B. das Lesen von Büchern in eReadern.

In den Zahlen und Studien konnte ich unterm Strich nichts finden, das mich wirklich überzeugt hat, dass man Kinder von Computerspielen fern halten sollte oder dass es schlimmer ist, wenn sie Computer spielen als wenn sie lesen oder einfach nur chillen.

Ich glaube auch, dass die Zeit der Pubertät, die Zeit ist, in der generell exzessiv Hobbys betrieben werden. Von morgens bis abends lesen, Computer spielen, beim Pferd abhängen, Karate machen, Brettspiele spielen.

Früher war alles anders – oder?

Bei mir fing das so mit acht Jahren an. Ich hatte am Anfang selbst keinen Computer und verbrachte deswegen viel Zeit bei einem Schulfreund, der einen sehr großen Computer hatte (ich könnte schwören, es war ein Apple Lisa, was ich aber aufgrund des irrsinnigen Anschaffungspreises nicht glauben kann). Ich durfte den Computer nie selbst anfassen, ich durfte lediglich die 5¼-Zoll-Disketten anreichen und dann zuschauen, wie er spielte.

Die nächsten Jahre sah mein Alltag so aus: Schule bis Mittag, nach Hause gehen, mir Essen warm machen, Hausaufgaben machen, zum Schulfreund gehen und beim Computer spielen zuschauen.

Dann bekam ich selbst einen C16 mit Datasette und dazu eine BASIC-Kurs-Software inklusive BASIC-Buch (wenn ich mich richtig erinnere) und spielte alleine Zuhause. Mir wurde das Spielen irgendwann langweilig und ich fing an mir sehr einfache Spiele selbst zu programmieren.

(Nebenbei las ich genauso exzessiv Bücher von Wolfgang und Heike Hohlbein: Elfentanz, Heldenmutter, Drachenfeuer etc.)

Ich kann mich nicht erinnern, ob sich meine Eltern Sorgen gemacht haben. Tatsächlich kann ich mich nicht mal erinnern, dass sie gesagt haben: So. Heute aber nur eine Stunde Computer und dann aber Schluß.

Wahrscheinlich kann man das ohnehin nicht mit heute vergleichen. Ich durfte auch ohne Limit fernsehen, v.a. in den Schulferien.

Aber egal. Ich frage mich wirklich, warum Eltern so große Angst vor Computerspielen (und der Online-Welt) haben.

Wo liegt eigentlich der Angst-Hund begraben?

Zurück zum Computer-Spiele-Vortrag: Ein bisschen später meldet sich eine weitere Person und bittet den Referenten: „Halten Sie auch in Schulen Vorträge über die Gefahren? Es wäre doch gut, wenn nicht immer nur die Eltern warnen, sondern die Kinder auch mal von anderen Menschen hören, wie gefährlich das ist!“.

Ich atme.

Es bleibt mir ein Rätsel. Warum sind einige Eltern nicht bereit sich die Frage zu stellen warum sie Computerspiele so schlimm finden. Was genau sie für die Entwicklung ihrer Kinder befürchten. Warum sie das Digitale im weiteren Sinne so verteufeln. Warum sie glauben, dass exzessives Lesen gut, exzessives Computerspielen schlecht ist. Und v.a. „Computerspiele“ – ich möchte mal wissen, wie viele Eltern überhaupt wissen WAS ihre Kinder spielen (wollen) und was das für Spiele sind, um was es da geht oder was ihnen dabei Spaß macht. Wie viele ängstliche Eltern haben sich zum Beispiel schon mal auf YouTube ein Let’s play angesehen?

Ich glaube (so wie ich das bei dem Onlinethema auch glaube), die meisten Ängste kommen von Unwissenheit.

Gerade im Thema Computerspiele gibt es dann noch starke Vorurteile in der Gesellschaft, die unreflektiert von vielen Medien verbreitet werden. So glauben bestimmt eine nicht unwesentliche Anzahl an Eltern, dass Ego-Shooter Gewaltbereitschaft fördern und quasi der direkte Weg zum Amoklauf sind. Kein Wunder, wenn man sich dann große Sorgen macht…

Wenn man von Computerspielen in der Medienwelt lesen kann, dann v.a. selektiv. World of Warcraft ist wahrscheinlich genau wegen der Suchtthematik eines der wenigen Spiele, das vielen namentlich bekannt ist.

Was dringt sonst noch in den Mainstream? Bestenfalls die großen Blockbuster.

Interessant ist ja auch, was überhaupt als Computerspiel wahrgenommen wird und was nicht. Ein Großteil der ängstlichen Erwachsenen – eine Nachfrage hatte das zum Start des Vortrags ergeben – spielt selber diverse Handy- oder Facebookspiele (FarmVille, Candy Crush und Co.). Auf die Frage „Wer spielt selbst Computerspiele“ melden sich diese Leute nicht. Erst als der Referent nochmal konkret fragt: „Und auf dem Smartphone?“ gehen die Finger zögerlich nach oben.

Selbst schlau machen

Jedenfalls. Ich würde mir wirklich wünschen, dass Eltern sich mit dem beschäftigen, was Kinder beschäftigt. Sich erzählen lassen, was die Kinder machen, was die Faszination ausübt.

Mein Gefühl ist, dass v.a. die jüngeren Kinder ihre Eltern sogar gerne beim Spielen dabei hätten. Wenn ich Kind 3.0 zu Minecraft befrage, erzählt es so lange bis mir die Ohren bluten.

Bei den Älteren ist das vielleicht nicht mehr so – aber ich glaube, dass sie auch bereitwillig berichten, was die Faszination des Spiels ausmacht.

Würden Eltern sich selbst ein bisschen für die Neuerscheinungen auf dem Spielemarkt interessieren, dann könnte das sogar die Möglichkeit eröffnen  gelegentlich mit den Kindern gemeinsam zu spielen oder Spiele zu empfehlen.

Ich denke, es gibt für Erwachsene super Einsteigerspiele – Spiele, die Brettspielen gar nicht mal so unähnlich sind (Tricky Towers z.B.), für die man in dem Sinne keine besonderen Computerspiele Skills (auch nicht in der Bedienung der Konsole) braucht und die man auch gut und mit viel Spaß gemeinsam spielen kann.

Es ist immer wieder erstaunlich, was Kinder interessant finden. Wir haben z.B. im Urlaub mal The Witness gespielt – ein Spiel bei dem es v.a. um das Lösen von Logikrätseln geht. Als es irgendwann so absurd schwer und kaum mehr nachvollziehbar wurde, dass ich das Interesse verlor, waren die Kinder noch Feuer und Flamme und ehrgeizig bei der Sache. So viel Durchhaltevermögen kann ich wirklich nur bewundern.

Was ich sagen will: Wenn man selber spielt (oder sich mal ein paar Beiträge zu Spielen anhört oder den ein oder anderen Artikel dazu liest), hat man einen ganz anderen Zugang zu dem Thema und findet dann vielleicht auch zu einem anderen Umgang damit.

Am Ende geht es aber ja nicht darum die Spiele selbst zu spielen, sondern einen kompetenten Umgang damit zu vermitteln oder sich einen gemeinsam mit den Kindern zu erarbeiten und die eigenen Unsicherheiten abzubauen.

Der einfachste Weg dorthin ist das Gespräch – der Austausch. Das halte ich alles für zielführender als irgendwelche übertriebenen Reglementierungen oder gar Verbote.

Zum Abschluss noch ein Video, das die Frage beleuchtet, warum der Zugang zum Thema Computer/Videospiele so schwer ist und warum es dennoch wichtig ist, sich um „Basic Game Literacy“ zu bemühen.

Video gefunden bei Marcus Richter

Wo wir schon bei Marcus Richter sind: der kann ja eigentlich ganz gut erklären, was es so gibt und warum Menschen Computerspiele spielen:


Und P.S. Wäre ich meine Eltern gewesen, ich hätte mir nur in meiner frühen Adoleszenz Sorgen um mich machen müssen. Das war die Phase in der ich Sims gespielt habe. Dagegen ist DOOM ein fröhliches Alien-Spiel.

[Werbung] Huldigt den Erfindern der Waschmaschine

Waschmaschine
pixabay @bierfritze

Sie wissen es nicht, aber Sie sind einem Mann namens John Tizack sehr, sehr dankbar.

Glauben Sie nicht? Doch, doch. Das ist nämlich der Erfinder der Waschmaschine. Naja zumindest derjenige, der 1691 das Patent zur Grundform der heutigen Waschmaschine angemeldet hat.

Da war die Waschmaschine aber noch ein riesiger Holztrog mit einem Deckel. Der Deckel hatte ein Loch, durch das eine Holzstange führte, die durch Hin-und Herdrehen die Wäsche in der Seifenlauge bewegte.

Es dauerte dann nochmal rund hundert Jahre, bis die Maschine so klein und damit auch erschwinglich war, dass sie theoretisch in normalen Haushalten hätte eingesetzt werden können.

Hannover Waschmaschinenpioniersstadt

Erste Hinweise, dass das wundersame halbautomatisierte Waschgerät auch in Deutschland im Einsatz war, finden sich in den Geschichtschroniken der Stadt Hannover.
(Weiß Hannover das eigentlich? Hannover die Geburtswiege der deutschen Waschmaschinengeschichte! Gibt es entsprechende Museen? Stadtführungen? Gedenktafeln? )

Tatsächlich hat sich die Waschmaschine aber weitere 200 Jahre im Bereich der Privathaushalte nicht durchsetzen können.

Erst als 1951 die erste elektrische Trommelwaschmaschine auf den Markt kam und dann rund zwei Jahrzehnte später preislich erschwinglich wurde, fanden die Waschmaschinen ihren Weg in den Haushalt.

Wenn Wäsche waschen schnell geht, kann man öfter waschen

Für Hausfrauen bedeutete das eine große Zeitersparnis. Jedenfalls die ersten zwei bis drei Jahre nach Verbreitung der Waschmaschinen. Damit die Hausfrauen aber auf keine dumme Gedanken kamen und sich nicht langweilten, stiegen einfach die hygienischen und ästhetischen Ansprüche an die Sauberkeit von Wäsche. Demzufolge musste sie viel häufiger gewechselt und gewaschen werden. Die Hausfrauen waren also wieder genauso lange mit Wäschewaschen beschäftigt wie vorher.

Interessant fand ich übrigens auch zu lesen, dass bestimmte Tätigkeiten wie z.B. das Wäsche waschen an Flüssen oder in Waschhäusern (oder auch das Teppichklopfen im Hof – die Geschichte des Staubsaugers verläuft ganz ähnlich wie die der Waschmaschine) sehr anstrengende aber eben gesellige Tätigkeiten waren.

Mit dem Einzug der elektrischen Haushaltsgeräte wurden die Frauen, die ja traditionell diese Tätigkeiten verrichteten, sozial isoliert. Wäsche waschen und Staubsaugen fand fortan alleine in der eigenen Wohnung statt [1].

Die Waschmaschine im Familienhaushalt ist unverzichtbar
Wäscheberge
pixabay @mpkino

Wie dem auch sei. ICH bin dem Erfinder der Waschmaschine sehr, sehr dankbar. In unserem Mehrpersonenhaushalt fallen jede Woche rund vier Maschinen Wäsche an. Ich hab dabei sogar das Gefühl, dass wir sehr sparsam und pragmatisch waschen – was nicht komisch riecht oder sichtbare Flecken hat, wird nach dem Tragen ausgeschüttelt und wieder zusammengefaltet in den Schrank gelegt.

Ich erinnere mich, dass meine Mutter immer viel mit der Hand gewaschen hat. Erstaunlich oft geben das die Etiketten an Kleidungsstücken ja vor.
Ich wasche nichts mit der Hand. Dafür gibt es ja das Waschmaschinenprogramm „Handwäsche“ (was ich sehr, sehr lustig finde). Ich bin mir sicher, dass jedes Wäschestück, auf dem Handwäsche steht, in meiner Waschmaschine besser aufgehoben ist als in meinen Händen.
Ich habe einfach nicht den Nerv Wäschestücke zart durch vorher angesetzte Seifenlauge zu ziehen und sie dann stundenlang mit klarem Wasser zu spülen. Allein die Vorstellung! Man muss dann ja auch noch auf die Temperatur des Wassers achten etc. pp.
WER MACHT DENN SOWAS?

Ich merke gerade, das Thema Waschmaschine ist ein sehr dankbares philosophisches Thema. Neben der Frage, ob das maschinelle Wäscheprogramm Handwäsche schonender ist als die manuelle Handwäsche, frage ich mich auch oft, warum man bestimmte Kleidungsstücke kalt oder bei 30 Grad waschen soll.
Die Frage ist gar nicht so banal, denn wenn man es tun soll weil die Kleidungsstücke sonst schrumpfen, abfärben oder sonstwie leiden – wie kann es sein, dass sie einen schwitzigen Sommertag bei 30 Grad an meinem Körper überleben? Müssten sie dann nicht an meinem Körper das selbe tun, was das „bitte kalt Waschen“ Etikett für ihr Verhalten in der Waschmaschine andeutet?

Fragen über Fragen!

Ich möchte jedenfalls nicht mehr ohne eine Waschmaschine im eigenen Haushalt leben. Als Studentin hatte ich keine und musste regelmäßig in den Waschsalon. Das war anstrengend und langweilig. Ich weiß außerdem nicht was das für optimistische und nervenstarke Menschen waren, die ihre Wäsche im Waschsalon einfach unbeaufsichtigt waschen haben lassen. Da kann doch jederzeit jemand kommen und alles klauen!

Ich hab mich da vorsichtshalber immer mit Buch vor die Waschtrommel gesetzt.

Heute bin ich froh, dass ich es mir leisten kann, eine eigene Waschmaschine zu besitzen. Die größten Demutsmomente habe ich immer, wenn die Kinder die Kotzerei haben. Da hat man oft in einer Nacht drei Bettwäschesets und ebenso viele Schlafanzüge besudelt. Wie wunderbar wenn man den ganzen Mist einfach in die Waschmaschine stopfen kann und sich um nichts kümmern muss.

Also Danke John Tizack – und wollen wir genau sein – auch Alva J. Fisher, der die erste elektrische Trommelwaschmaschine erfunden hat.

Waschmaschinen online kaufen

Achso: Und falls ihr gerade eine neue Waschmaschine kaufen wollt, dann ab zu AO.
AO ein großer Onlineshop für Haushaltsgeräte. Schick ist z.B. die Suchmaske für Waschmaschinen, bei der man gleich eingrenzen kann, was genau man sucht und wie viel man ausgeben möchte. Es gibt dann, wie bei anderen Portalen auch üblich, eine Fünfsternebewertung für die Produkte selbst.
Zur eigentlichen Lieferung kann man, was für mich persönlich unverzichtbar ist, Deinstallation, Anschluss und Altgerätemitnahme als Service für 24,99 Euro hinzu buchen.


[1] Quelle: Geschichte der Konsumgesellschaft