Damals™ als alles noch besser war

1994 bin ich zuhause ausgezogen. Natürlich wollte ich in meiner neuen Wohnung ein Festnetztelefon haben. Also bin ich in den Telekomladen gegangen, habe einen Anschluss beantragt und vier Wochen später hatte ich einen.

So war das damals.

Ich musste nicht stundenlang im Internet die einzelnen Tarife der unterschiedlichen Telefongesellschaften vergleichen. Ich musste mich nicht fragen, ob es gar eine Kombination mit einem Internetdatentarif gäbe, der in Summe günstiger wäre als ein Festnetzanschluss und ein Mobilanschluss einzeln.

Und einmal entschieden, hatte ich den Anschluss die nächsten 10 Jahre.

So schön!

So ist das mit Monopolen. Und ja, manchmal wünsche ich mir die Einfachheit der Welt auch zurück. Eine Krankenversicherung (die der Eltern), eine Haftpflichtversicherung, ein Stromanbieter, ein Gasanbieter.

Im Grunde war das in allen Lebensbereichen so.

Papa arbeitet, Mama ist zuhause, natürlich sind meine Eltern miteinander verheiratet, ich gehe in die Schule (und zwar die eine, die es eben im Dorf gibt). So war das bei allen Kindern. Alles ist klar. Keine Fragen. Wir hatten (soweit ich mich erinnere) bis ins Gymnasium keine „Ausländer“ und keine behinderten Menschen. Nur ich bin die Tochter eines Spaghettifressers, Pizza-Patty, haha. Alles nicht so schlimm. Ist ja lustig gemeint. Italien ist schließlich ein Land in dem die anderen gerne Urlaub machen.

Schöne Welt. Lehrer, Ingenieure, Handwerker, Politiker, Verkäufer, Chefs. Frauen alle mitgemeint. Wir erzählen uns unlösbare Rätsel:

Ein Vater fährt mit seinem Sohn im Auto. Sie haben einen schweren Unfall, bei dem der Vater sofort stirbt. Der Sohn wird mit schweren Kopfverletzungen in ein Spezialklinik eingeflogen. Die Operation wird vorbereitet, alles ist fertig. Der Chef-Chirurg erscheint, wird plötzlich blass und sagt: „Ich kann nicht operieren, das ist mein Sohn!“.

Wie kann das sein?

Mein Gehirn hat damals keine Antwort ausgespuckt.

Es kommen die 90er. Die Mädchen werden rosa, die Jungs blau. Die Mamas (in Bayern am Land) weiterhin zuhause, die Papas machen Karriere.

Zur Geburt schenkt man einen rosa Strampler. So niedlich! Am besten dem Babymädchen gleich Ohrringe stechen lassen. Schließlich soll jeder wissen, dass es ein Mädchen ist.

Sowas verrücktes wie Elternzeit für Männer gibt es nicht. (Oder kaum, nur so krasse Alternative, die womöglich in WGs wohnen, machen sowas). Nichts muss diskutiert werden. Kein Chef gefragt werden. Wenn Frauen vor der Geburt eines Kindes arbeiten, dann halbtags (Bayern = wunderschönes Westdeutschland) und wenn dann ein Baby kommt, bleiben die Frauen zuhause. Natürlich. Es gibt wenig Kindergartenplätze, wenn überhaupt, dann ab drei. Um 9 Uhr kann man die Kinder hinbringen, um 14 Uhr (wir hatten einen Kindergarten, der lange geöffnet hatte!) holt man sie ab. Wenn das Kind krank ist, bleibt die Frau zuhause.

Wunderbar passt dazu die Passage aus dem sehr lesenswerten Text „Rosa ist scheiße„:

Wer gleichberechtigt Kinder erzieht, muss auch zu Hause jede Entscheidung aushandeln, muss ausdiskutieren, wer zum Impftermin geht und wer den Elternabend wahrnimmt. Wer die Rollen dagegen klar verteilt, mag nicht immer glücklich sein. Aber er hat seine Ruhe. Wir lassen uns in die alten Muster sinken wie in ein bequemes Sofa.

Das ist es nämlich: wenn alles so bleibt, wie es immer war, dann hat man seine Ruhe. Schön für die Privilegierten, denen es in dieser Position gut geht. Pech für die, die Minderheiten angehören, die Ansprüche jenseits des Immerschonsogewesenen haben.

Ich habe mich tatsächlich schon oft gefragt, wie das gewesen wäre für mich: Nehmen wir an, ich wäre aufgewachsen in einer Welt, in der mir die Wäsche gewaschen wird, sie in den Schrank zurückwandert, jemand zuverlässig für mich einkauft, kocht, die Küche aufräumt. Einer Welt in der ich sagen kann: „Tut mir leid, Schatz, ich hab einen wichtigen Termin. Ich würde ja gerne, aber ich denke, du musst auf das kranke Kind aufpassen. Du arbeitest doch nur Teilzeit, ich verdiene mehr Geld. Wir müssen das vernünftig sehen. Du weisst ja, mein Chef ist tolerant, aber wenn ich ständig wegen eines kranken Kindes ausfalle, das sieht er nicht gerne.“

Hätte ich jemals gesagt: „Stopp! Heute koche ich.“, „Lass bitte das dreckige Geschirr stehen, ich kümmere mich darum!“, „Den Kuchen für das Kindergartenbuffet backe ich, auch wenn es schon 22 Uhr ist.“, „Bitte, bleib liegen, ich stehe auf, das Baby weint.“

Hätte ich? Hätte ich das aushandeln wollen gegen die gewohnten Muster? Hätte ich mich dem Stress und den Nöten meines Partners stellen wollen? Alles ständig aushandeln? Jeden Tag neu?

So ist es doch schön, oder?

Das Kind hat Geburtstag. Leider weiß ich nichts über das Kind und seine Interessen. Ich muss nur in einen Laden gehen und jemand fragt mich: „Für Mädchen oder Jungs?“ Und ich sage: „Mädchen“ und schon führt man mich an das Regal mit den passenden Geschenken.

Ja, ja, ich vermische jetzt Äpfel mit Birnen. Kirschen mit Mangos und Papaya mit Pfirsichen.

Aber das Muster verstehen Sie, ja?

Wenn alles schwarz oder weiß ist, wenn es immer schon so gewesen ist und immer so sein wird – dann muss ich wirklich nicht viel denken. Mir keine Mühe geben. Mich nicht in andere reinversetzen. Die Welt ist überschaubar, Papa, Mama, Kind, alle weiß. So schön.

Nehmen Sie doch bitte Kersten Augustin* an die Hand. Er hat Angst vor der Welt im IKEA-Katalog, die diese neue Welt widerspiegelt:

Die meisten deiner Fotos zeigten früher Kleinfamilien: Vater, Mutter, Tochter, Sohn. Im neuen Katalog sieht man dieses Familienmodell auf einem einzigen Foto. Versteh mich nicht falsch: Ich freue mich, dass du in vielen Dingen deiner Zeit voraus warst. […] Aber jetzt übertreibst du.

Wenn man deinen Katalog betrachtet, bekommt man den Eindruck, dass Deutschland sich in den vergangenen zwanzig Jahren sehr verändert hat. Niemand wohnt mehr in Vorort-Reihenhäusern mit Garten, alle in der Großstadt, in Fabriklofts mit bodentiefen Fenstern. Fast nur Männer kochen, am besten selbst gefangene und ausgenommene Fische. Nicht mehr die homogene Kleinfamilie, sondern der möglichst heterogene Freundeskreis wird in Szene gesetzt, multiethnisch, multikulturell. Warum nennst du BILLY nicht gleich YUSSUF?

Quelle: Zeit Online „Lebst du noch oder überlegst du schon“

So ist es, Herr Augustin. Deutschland hat sich verändert, das macht nicht nur Ihnen Angst (sieht man ja an den Wahlergebnissen). Aber ich fürchte, Sie werden damit leben müssen.

Ein paar Jahrhunderte musste man sich als weißer Mann keine Sorgen machen, nichts aushandeln, alles war geregelt. Doch jetzt kann man nicht mal im Reihenhäuschen in Ruhe leben. Ständig muss man sich Fragen stellen. Ständig. Man muss nachdenken, Zusammenhänge begreifen, aushandeln, Rücksicht nehmen.

Denken, denken, denken, zuhören und überdenken.

Ja. Das ist scheißanstrengend. Finde ich auch. Aber so ist das jetzt.

Damals™ ist vorbei.


*Übrigens Geburtsjahr 1988 nicht 1950, was man beim Lesen des Textes ja denken könnte.

 

Senioren-Technik

„Können Sie mir sagen, ob es heute Abend stürmen wird?“
Die alte Dame auf der Seebrücke schaut mich fragend an. Ich warte auf die Kinder.
Die letzten Tage hab ich immer wieder in die Wetter App gestarrt und versucht herauszubekommen, wann es regnet und wann nicht und dabei festgestellt, dass das Wetter am Meer zu schnell wechselt als dass die Vorhersage wirklich zuverlässig wäre.
„Leider nein, ich habe es aufgegeben in die App zu schauen. Das ändert sich am Meer zu schnell.“
„Sie haben ja eigentlich Recht.“ Sie hält ein Handy nach oben, das aussieht wie eine Vergrößerung eines Handys. Lediglich das Display ist ungewöhnlich klein.
„Ich würde so gerne eine Wetter App haben. Aber ich kann mit meinem Seniorenhandy nur meine Kinder und die Taxizentrale anrufen. Nicht mal Fotos kann ich machen.“
Sie senkt das Telefon und zuckt mit den Schultern. „So ist das als Seniorin. Ich bin hier mit einer Seniorengruppe. Mitgehangen mitgefangen. Heute machen wir einen Ausflug nach Zingst. Morgen müssen wir Bingo spielen.“
Sie wirkt alles andere als vorfreudig.
„Ach, Bingo. Das kann Spaß machen. Und falsch machen kann man ja nichts. Die lesen Zahlen vor und wenn die Reihe voll ist, muss man laut schreien. In Berlin spielen das viele jungen Leute freiwillig.“
Sie seufzt. „Jedenfalls soll es heute Abend ordentlich stürmen, hab ich gehört.“
Wir schauen beide zum Himmel, der strahlend blau ist.
„Ach, das glaube ich nicht. Sieht doch richtig schön aus im Moment, oder?“

***

„Heutzutage schreibt doch keiner mehr Postkarten! Nur noch diese Emälz!“
Die elegante Dame am Nebentisch, die etwas übertrieben geschminkt ist, rümpft die Nase. „Total unpersönlich finde ich das.“
Ihr Begleiter, ein alter Herr um die 80 im Dreiteiler hebt die Schultern. „Ich kann keine mehr schreiben. Meine Schrift ist zu zittrig. Das kann niemand mehr lesen.“
„Schreibst du dann Emälz?“ Sie spricht das bei jedem Aussprechen mit der selben Verachtung aus.
„Ja, allerdings ist mir das Tippen zu anstrengend. Ich diktiere sie in Siri.“
„Wie bitte?“
„Siri.“
„Siri?“
„Ja, das ist ein Programm, da kann ich rein diktieren. Am Ende verbessere ich nur noch die Fehler.“
„Das geht einfach so?“
„Ja. Manchmal geht Siri auch einfach so an und fragt, ob sie helfen kann.“
Die beiden schweigen kurz.
„Siri?“ Fragt die Dame wieder.
„Ja. S – I – R – I.“
Die ältere Dame notiert sich die Buchstaben in einem kleinen Notizbuch mit Blättern, deren Rand vergoldet ist.
„Was ist Siri denn genau?“
„Ein Programm in meinem iPad. Ich stelle mein iPad in einen Leseständer und dann drücke ich zwei Mal die Taste „Fn“ und muss nur noch sprechen.“
Der Mann im Ausgehanzug spricht noch länger über Siri. Die Unpersönlichkeit von Emails ist kein Thema mehr.

***

„Ich brauche das alles nicht! Ich komme schon immer ohne diesen ganzen Schnickschnack zurecht. Das ist doch Lebenszeitverschwendung. Und dumm wird man dabei auch.“ Der alte Mann schüttelt den Kopf und pickt mit der Gabel ein Stück Torte auf.
Seine Gesprächspartnerin schaut ihn einen Moment prüfend an: „Ich komme mit dem Navi überall hin. Ich liebe das. Ausserdem ist das Internet ein Weg meiner Familie nahe zu sein. Meine Tochter schickt mir fast täglich Fotos. So viele schöne Bilder hätte ich früher nie zu Gesicht bekommen.“
Die Dame mit den rot gefärbten Haaren lächelt. Ihre Falten sind wunderschön

***

Seit ein paar Stunden sind wir mit unseren Rädern unterwegs. Ich bin total erschöpft. Das letzte Stück fahren wir auf dem Ostseeradwanderweg. Rechts von uns ist ein Campingplatz. Die Karawane stehen fein säuberlich in Reih und Glied. Ich trete angestrengt in die Pedale. Das mit dem Wind an der Ostsee ist ja auch kein Spaß.
Hinter mir ein Klingeln.
Ich fahre noch weiter rechts ran.
Ein Rentnerpärchen überholt mich.
Wwwwwwwwwwwww!
Ja. So ein E-Bike hätte ich echt auch gerne. Sehnsüchtig schaue ich den beiden hinterher.

Ferienwohnungsfeatures öffneten mir die Augen (naja fast)

Dieses Mal habe ich mich überreden lassen und im Urlaub mehr als 50 Euro pro Nacht ausgegeben. Das Resultat lässt sich sehen: Eine geräumige Ferienwohnung mit zwei Bädern.

Wer Kinder hat, weiß, dass zwei Bäder wirklich höchster Luxus sind. Man kann einfach auf Toilette gehen und wenn (wie immer) genau in diesem Moment eines der Kinder schreiend vor der Tür steht und verkündet, es müsse auch superdringend, ein Aufschub wäre auf keinen Fall möglich, die sofortige Einpullerung drohe, dann kann man ganz entspannt schreien: „NIMM DAS ANDERE BAD *********!!11!“

Im Vergleich zu den Ferienunterkünften, die wir aber bislang hatten, gibt es weitere Luxusbotschafter.

Da wäre zum einen das Feature Deko.

Die Wohnung verfügt z.B. über eine Vitrine mit Innenbeleuchtung. Am Tag des Einzugs, habe ich voller Freude ausgerufen: „Oh, schaut! Eine Vitrine!“

Die Kinder kamen interessiert angerannt und fragten: „Vi-trin-e? Was ist das?“ und Kind 3.0 betätigte dann gefühlte zweihundert Mal den Lichtschalter für die Innenbeleuchtung, während ich erklärte was eine Vitrine ist.

Da wir hier keinen Internetempfang haben, musste ich übrigens ohne googeln erklären. Meine letzte Vitrine hatte ich Anfang der 90er im Haushalt meiner Eltern gesehen. Ein schwerer Mahagonischrank, der nach Holzpolitur roch und einige, sehr bunte und sehr hässliche Bleikristallgläser und das Hochzeitsgeschirr beherbergte.

(Sie sehen schon, man kommt aus dem Erklären gar nicht mehr raus. Bleikristallgläser und Hochzeitsgeschirr…)

Ich versuchte es also mit: Eine Vitrine ist ein einsehbarer Schrank, der bestimmte Gegenstände des Haushalts, die aus irgendeinem Grund besonders sind, zur Schau stellt.

Auch sonst ist die Wohnung mit zauberhaften Details ausgeschmückt, die ganz sicherlich zu dem etwas übertriebenen Mietpreis beigetragen haben:

dekotraum
Die Ferienwohnung ist ein einziger Dekotraum

Kunstblumen, Vorhänge aus Kunstfasern, Klimbimbehängung an den Fenstern und aparte Skulpturen.

Die ersten Tage unseres Aufenthalts habe ich darüber nachgedacht, ob die Menschen, die diese Dinge erworben haben, tatsächlich finden, dass diese Gegenstände schön im Sinne von ästhetisch sind.

Ich gelangte dann aber zu der Einsicht, dass das unmöglich der Fall sein kann. Niemand kann diese Art Schmuck schön finden.

Was wäre aber die Alternative?

Kein Schmuck? Ok. Das ginge. Die meisten Anbieter von Ferienwohnungen, die weniger als 50 Euro pro Nacht kosten, verzichten vollständig auf Dekoration.

Nur – so schrieb ich ja schon zu Beginn – kostete diese Wohnung eben etwas mehr und der gehobene Anspruch braucht offensichtlich mehr als nur zwei Bäder.

Also schöne Deko kaufen?

Natürlich nicht. Man stelle sich die Diebstahlquote vor. Eine Ferienwohnung mit ausgesprochen ansehnlicher Deko ist ein fortwährendes Finanzrisiko.

Kaum hat man etwas schönes gekauft, zieht ein Ferienwohnungsgast ein, der nicht an sich halten kann und ein oder zwei Stücke der schönen Deko beim Auszug einsteckt und so tut als hätte es besagten Gegenstand nie gegeben.

Die Vermietenden müssten ständig nachkaufen.

Bei einer Saison von Mai bis September (5 Monate a 4 Mieterwechsel) und jeweils zwei entwendeten Gegenständen im Wert von 15 Euro beläuft sich der Schaden schon auf 600 Euro.

Würde man nun ständig die Deko nachrüsten, so schlüge sich das langfristig sicherlich auf den Mietpreis nieder, was dann aber bedeuten würde, dass man im Grunde mehr Deko kaufen muss, um den teureren Preis zu rechtfertigen und schwups befindet man sich ein einer Mietpreisspirale an der niemanden gelegen sein kann.

Also verzichtet man auf schöne Deko, kauft preisfreundliche Baumarktdeko und sorgt somit dennoch für kuschelige Ferienwohnungsatmosphäre.

Ganz einfach.

(Wie gesagt, hab ich durch anstarren der Deko in nur vier Tagen durch Nachdenken rausgefunden. Ich sag den Kindern ja immer, dass Nachdenken wirklich bei fast allen Problemen hilft. Es lohnt sich!)

Jedenfalls: Zwei Bäder und etwas Deko machen einen Mietpreis natürlich auch noch nicht fett.

Als weiteres Luxusfeautuere verfügt die Wohnung über Fernsehempfangsgeräte in jedem Zimmer. Wirklich in jedem Zimmer.

Die Kinder waren so begeistert, dass im Kinderzimmer ebenfalls ein Fernseher steht, dass sie die ersten Tage fasziniert den schwarzen Bildschirm anstarrten. Erst als die erste Woche fast vergangen war, fragten sie, ob sie das Gerät mal anschalten könnten.

Im Urlaub soll man ja alle fünfe mal gerade sein lassen und bekanntermaßen kann erfolgreiche Medienerziehung nur dann stattfinden, wenn der Umgang mit dem Medium erlernt wird. Das wiederum ist nur möglich, wenn man nicht verbietet sondern kontrolliert konsumiert.

Also an dem Tag im August an dem Bodenfrost angesagt war, sagte ich zu den Kindern: „Heute müsst ihr nicht schwimmen gehen, heute schauen wir fern!“

Erwartungsfroh schalteten wir also das Gerät an und schauten irgendwas. Ehrlich gesagt, kann ich mich wirklich nicht erinnern – denn das eigentlich interessante ist nämlich gar nicht das Programm sondern das sind – Sie ahnen es – die Werbepausen dazwischen.

Werbepausen sind ungemein faszinierend. Erstens sind sie unfassbar lang. Kind 3.0 lies sich in der ersten Werbepause (es war ja ahnungslos) wimmernd über die Bettkante fallen, es wollte doch sooo gerne weiter schauen, aber als die Geduld zu Ende war, war leider die Werbepause immer noch nicht am Ende… einfühlsam erklärte ich dass Werbepausen manchmal sehr, sehr lange gingen, dass das Kind aber tapfer durchhalten müsse, wenn es das Fernsehprogramm bis zum Ende schauen wolle.

Kind 3.0 gab sich einen Ruck, ging eine Runde im hauseigenen Schwimmbad schwimmen und kehrte pünktlich zum Ende der ersten Werbepause wieder.

Nach wenigen Stunden, also direkt am Ende des Zeichentrickfilms, den wir anschauten, schauten mich die Kinder verstört an.

„Mama, du bist alt. Warum tust du nichts dagegen? “

Kind 2.0 war bereits ins Bad geeilt und untersuchte meine Cremevorräte (also die eine Tube, die ich mitgenommen hatte).

„Keine Cremes mit Hyaluron? Nichts mit Repair-Komplex, kein Collagen-Boost? Nicht mal Skin Recovery oder Smoothing Effekt?“, stellte es mit leicht zitternder Stimme fest.

Kind 3.0 rollten schon wieder die Tränen über das Gesicht: „Aber Mama! Die sieben Zeichen der Hautalterung?“

Jetzt war ich auch alarmiert!

  • Trockenheit!
  • Große Poren!
  • Fältchen!
  • Pigmentflecken!
  • Schlaffheit!
  • Verlust an Lipiden! (OMG! WOHIN GEHEN DIE LIPIDE???)
  • Verlust an Collagenen (auch sie… einfach fort?)

Die Kinder kontrollierten mein Gesicht. Zumindest fünf Zeichen waren eindeutig identifizierbar. Wobei man bei den Pigmentflecken ja sagen muss, in meinem Alter weiß man eben nicht so genau, ob es sich um jugendliche Sommersprossen oder älterliche Altersflecken handelt – deswegen ist Pigmentfleck ein sehr klug gewählter Begriff. Sowas hat ganz bestimmt jede/r.

 

7 zeichen
Mit 7 Zeichen der Hautalterung ist man noch harmlos dabei, wie Google beweist

Da saßen wir bedröppelt und besorgt.

Nicht nur, dass mir bis vor einigen Tagen gar nicht klar war, wie es um mich und meine Haut steht, weil ich lieber Pokémon Go gespielt habe, als mich um meine Makel zu kümmern – nein – wir haben das alles als völlig normal hingenommen.

Ich dachte: ich bin jetzt über vierzig. Da hat man das ein oder andere Fältchen. Das Doppelkinn erschlaffft langsam, die Nasolabialfalte wird tiefer.

Ich war sozusagen einfach so im Reinen mit mir.

Ein bisschen zu viel Speck am Bauch, Falten im Gesicht, gelegentlich glanzloses Haar.

Hingenommen habe ich diese Veränderung.

Naja ICH – WIR alle haben das.

Wir dachten, es gäbe einen Unterschied zwischen Kindheit, Jugend, Adoleszenz und Alter, der sich auch in unterschiedlichem Aussehen niederschlägt.

Die Werbung hat uns aber glücklicherweise die Augen geöffnet und zwar gründlich.

Ich bin ein einziger Makel. Eine Schande. Der Archetyp von Unperfektion.

NATÜRLICH geht das nicht. NATÜRLICH kann ich nicht einfach altern und gar Übergewicht bekommen. Was hab ich mir nur dabei gedacht! Ich kann doch Eiweißshakes trinken, hungern, Bodyshapeunterwäsche tragen, ergraute Haare färben, Falten wegcremen und meinen Teint mit Makeup perfektionieren!

Ich verschwinde dann mal kurz im … Moment! Eines der Kinder ruft. Oh? Hier gibt es ein Pikachu! Oh wie toll! Boah! Mit 354 WP!

+++ Ich brauche keine Liveticker +++

Innehalten und abwarten
Unbeschwerte Kindheit trotz weltpolitischer Krisen

1995 habe ich Abitur gemacht. 1975 bin ich geboren.
Natürlich hatte ich in der Schule auch Geschichte und dadurch einen groben Plan, welche Krisen die Welt, welche Krisen Deutschland in meiner Kindheit und Jugend durchlebt hat.

Tatsächlich aber war ich bis in die 90er im Großen und Ganzen sorglos. Es gab nur wenig, das ich aktiv mitbekommen hatte. Tschernobyl (1986) zum Beispiel. Für mich als Kind bedeutete das eine zeitlang Spielplatzverbot und wir hörten auf Pilze zu sammeln, etwas, das ich als Kind sehr gerne mit meinen Eltern gemacht habe.

Ich bin in Bayern groß geworden und wir hatten einen Hund, was bedeutete, dass wir jeden Sonntag lange Spaziergänge im Wald gemacht haben.

In der Herbstzeit haben wir die Spaziergänge genutzt, um Pilze zu sammeln. Trompetenpilze, Steinpilze, Maronen hauptsächlich. Wir haben alle Pilze in einen Korb gepackt und sind dann zu einer alten Frau, die sich mit Pilzen sehr gut auskannte. Sie kam mir damals wie eine Hexe vor.

Ich erinnere mich an eine kleine, sehr faltige, gebeugte Frau, die uns an einem Steintor erwartete. Sie schaute sich an, was wir gesammelt hatten, sortierte die ungenießbaren Pilze aus, behielt einen kleinen Anteil für sich und dann gingen wir nach Hause, machten die Pilze sauber und kochten sie.

Mit Tschernobyl war das vorbei.

Dann in den 90ern, ich war schon im Gymnasium und hatte das Fach „Politik und Zeitgeschichte“ belegt, sorgten wir uns als der zweite Golfkrieg (1990) ausbrach.

Genau in diesem Sommer war ich mit meinen Eltern in Istanbul bei Freunden zu Besuch. Diese hatten große Angst vor möglichen Folgen und Eskalationen. Ich meine mich düster zu erinnern, dass sie sogar mit Gasmasken und anderen Sachen ausgestattet waren, um sich vor Biowaffen zu schützen. Sie baten uns Istanbul zu verlassen und zurück nach Deutschland zu gehen.

Sonst war meine Kindheit und Jugend völlig unbeschwert. Ich habe nichts mitbekommen.

Wie ging es damals meinen Eltern?

Heute, da ich selbst Mutter bin, frage ich mich, wie das damals für meine Eltern war. Haben sie sich ständig gesorgt? Waren sie geschockt von dem was passierte? Wie viel bekamen sie mit?

Vom Kalten Krieg (von der Nachkriegszeit bis 1989) hörte ich beispielsweise wirklich erst im Geschichtsunterricht.

Auch für den Deutschen Herbst (1977) war ich natürlich viel zu klein. Aber wie haben sich meine Eltern gefühlt?

Was will ich eigentlich sagen? Ich will sagen, ich bin voller Sorge. Ich weiß auch gar nicht, was mich am meisten sorgen soll. Die Aussicht auf einen Präsidenten Trump? Die Zustände in den „Flüchtlingsländern“? Der Terror, der langsam über Spanien und Frankreich nach Europa zieht? Dass Europa langsam zerbricht? Die Zustände in der Türkei? Schießereien in den USA? Amokläufe in Frankreich? In Deutschland?

Für mich bleibt auch die Frage „Darf ich mich weigern bestimmte Dinge sehen zu wollen„?

Den Putsch in der Türkei und den Amoklauf in Nizza und auch den in München habe ich auf Twitter mitbekommen. Ich wurde überflutet von Nachrichten und Fotos. Das Problem ist nur: die Nachrichten sind im Grunde alle inhaltslos. Die meisten Bilder sind verstörend, für die Menschen vor Ort vielleicht sogar gefährlich und ich kann ihren Wahrheitsgehalt nicht ausmachen. Trotzdem fällt es mir schwer nicht durch meine Timeline zu scrollen.

Das erste Mal war ich auch froh, dass Facebook diese „markiere, dass du dich in Sicherheit befindest“-Funktion hat. Denn ich habe sowohl Freunde in Nizza als auch in München.

Gestern habe ich mich gefragt, ob 2016 wirklich ein schlimmes Jahr ist oder ob einfach die Transparenz höher ist. Ob mich Nachrichten leichter erreichen.

Ich habe erst seit knapp zehn Jahren ein Smartphone und Accounts bei facebook, Twitter und Co.

Davor war alles ruhig. Ich hatte nicht mal einen Fernseher.

Durch Twitter wird jede Katastrophe zum 11. September

Mit Ausnahme des 11. Septembers 2001 habe ich nie etwas live mitbekommen. Wenn etwas passierte, dann habe ich das morgens in den Schlagzeilen der Zeitungen gelesen, die in den Kiosken auslagen.

Wie hypnotisiert saß ich am 11. September vor dem Fernseher eines Freundes. In Dauerschleife sah ich Flugzeuge in das World Trade Center fliegen. Immer und immer wieder. Stundenlang.

Dann sah ich irgendwann Menschen aus den Gebäuden springen. Kleine, schwarze Flecken. Diesen Anblick werde ich nie vergessen. Erst da habe ich den Fernseher abgeschaltet.

Durch Twitter sind quasi alle Katastrophen, alle Anschläge, alle Amokläufe so nah wie der 11. September. Das ist unerträglich und hilft niemanden.

Deswegen wünsche ich mir die Zeit zurück, in der mich Zeitungen am nächsten Morgen oder Tag erst informierten. Ich wünsche mir die Zeiten zurück in denen Journalisten nicht senden und posten sondern nachdenken und recherchieren dürfen.

Ich will mir nicht von einzelnen Tweets angetrieben in Panik Infos auf Wikipedia selbst zusammensuchen und versuchen zu erahnen wie sich Geschehnisse auswirken könnten.

Ich möchte, dass es weiterhin Experten gibt und zwar Experten, die sich jahrelang mit einem Thema beschäftigt haben, die Zusammenhänge und Akteure kennen, die über ihre Wortwahl nachdenken können. Die Durchatmen dürfen und sich überlegen, ob sie wirklich von Terror sprechen müssen, ob es wirklich hilfreich ist irgendein Land zu benennen, in dem womöglich die Eltern eines Täters geboren wurden.

Ich möchte keine Experten, die Experten werden, weil sie vor Ort ein Foto posten.

Kann Journalismus bitte wieder mehr sein als die schnellste Mutmaßung zu äußern und das erste Foto zu veröffentlichen?

Wirklich.

Die Liveticker, die Bilder, nichts davon ist hilfreich.

Ich werde deswegen in Zukunft das tun, was ich als Kind bei Löwenzahn gelernt habe – abschalten (und dann abwarten bis es fundiertere Analysen und Schilderungen gibt).


Nachträgliche Ergänzung:

„Die Zeitläufte sind leider so, dass öffentlich-rechtliche Sender mittlerweile fast im Monatsrhythmus an den Pranger gestellt werden, wenn sie nicht ohne Zögern und ohne Zeitbegrenzung „drauf gehen“. […]

Es ist niemandem geholfen, wenn die Öffentlich-Rechtlichen sich mit ihren traditionell ausgestrahlten Programmen auf ein Rattenrennen mit Social Media einlassen. Oder Netzfunde unreflektiert weitergeben.“

Quelle: Claus Kleber über Fernsehjournalismus

Auch interessant zu lesen:

Vereinbarkeit, Beziehungsaufbau und Smartphones

smartphone

Normalerweise bekomme ich sofort Reaktanz, wenn ich Texte lese, die das Smartphone als solches verteufeln. Interessanterweise nicht so bei dem Artikel von Jesper Juul „Smartphones haben auf der Familieninsel nichts zu suchen!

Im Gegenteil. Mich überkam der Impuls die am Ende vorgeschlagenen Tipps gleich umzusetzen. Einer davon lautet:

„Das gesamte Morgenritual ist telefonfreie Zone und die gleichen Regeln gelten für die Zeit von einer halben Stunde vor dem Abendessen bis zur Schlafenszeit der Kinder. Basteln Sie eine originelle Schachtel im Eingangsbereich, wo jeder sein Telefon während der telefonfreien Zeit deponieren und aufladen muss.“

Warum aber spricht mich der Artikel, der im Grunde für einen sehr minimierten Umgang mit dem Smartphone plädiert so an? Zeitgleich bin ich ja sehr begeistert von den Möglichkeiten der Technik (zuletzt z.B. von Pokémon Go).

Der Artikel hat als zentrales Thema wie sich exzessiver Smartphone Gebrauch auf Beziehungen auswirkt.

Auf Eltern-Kind-Beziehungen aber auch auf Paar-Beziehungen – und da hat’s mich erwischt quasi.

In meinen früheren Beziehungen hab ich gerne alles weiterhin alleine gemacht. Effizienz stand für mich im Vordergrund. Warum gemeinsam das Kind vom Kindergarten abholen, wenn doch der andere Partner zeitgleich einkaufen gehen kann – warum?

In meiner neuen Beziehung habe ich gelernt, dass es nicht immer um Logik und Zweckmäßigkeit geht, sondern eben auch um Beziehungspflege und gemeinsame Zeit.

Wir verbringen verhältnismäßig viel Zeit miteinander. Allerdings sind das auch Zeiten in denen Dinge einfach (immerhin gemeinsam aber dennoch) erledigt werden müssen: einkaufen, kochen, Wäsche aufhängen, falten, Kinder duschen, Zähne putzen, vorlesen, singen etc.

Diese Zeiten sind auch schön, allerdings eignen sie sich  zur Beziehungspflege eher wenig. Oft kann man keinen Satz vernünftig zu Ende bringen oder Gedanken zu Ende denken. Es bleibt quasi wohlwollend freundlich, aber der Tiefgang kommt erst wenn wir als Paar Zeit für uns haben.

Das selbe gilt übrigens für die Beziehung zu den Kindern.

Juul schreibt in dem oben erwähnten Text:

„Emotionale und intellektuelle Intimität braucht häufig zwei bis drei Stunden des Zusammenseins, um zu wachsen und zu erblühen. Dieser Aspekt einer Beziehung braucht die Art von Stille und Leere in welcher das «einander auf den neusten Stand bringen» von einem angenehmen Schweigen gefolgt wird“

Eine Leserin (ich finde den Kommentar leider nicht mehr) schrieb etwas ähnliches unter einen meiner Artikel zum Thema Vereinbarkeit. Grob lautete die Anmerkung in etwa: Wenn die Zeiten, die wir als Eltern mit den Kindern gemeinsam verbringen aufgrund der Arbeitszeiten einschrumpfen auf Abfertigungszeiten, sind wir alle unglücklich. Mit viel Druck wird ein Programm durchgezogen ohne dass da Platz für uns bleibt.

Ich dachte mir damals: Genau das!

Ich leide auch sehr darunter, wenn ich es erst schaffe gegen 17 Uhr Kind 3.0 von der Kita abzuholen, wir noch schnell einkaufen gehen müssen und dann zuhause auf ein Kind 2.0 treffen, dass noch ein paar Schulaufgaben zu erledigen hat, die wir dann zwischen Abendbrot zubereiten und essen quetschen bevor die Kinder sich um 19 Uhr bettfertig machen.

Deswegen versuche ich uns morgens immer eine halbe Stunde zu schenken und auch am Nachmittag und Abend sicherzustellen, dass wir Leerlauf haben.

Erst dann ist Familienleben schön. Erst dann haben wir die Gelegenheit über den Tag zu sprechen, uns zu erzählen, was uns bewegt und damit eben die besagte emotionale und Intellektualität aufzubauen.

Das gilt also sowohl für meine Kinder als auch für meinen Partner.

Seit einiger Zeit lege ich mein Telefon bewusst aus der Hand und versuche diese raren Zeiten nicht zu unterbrechen.

Juul schreibt weiter:

„Täglich und in den wenigen Stunden welche Kinder mit ihren Eltern verbringen, passiert immer öfter folgendes: Kinder möchten ihren Eltern eine Frage stellen, sie möchten ihnen etwas erzählen oder auf etwas antworten, was die Eltern gerade sagten, und die darauffolgende Antwort lautet: «Entschuldige Schatz, da muss ich rangehen»; «Entschuldige, aber ich habe soeben eine Nachricht von der Arbeit erhalten, die ich beantworten muss. Es dauert nicht mal eine Minute, versprochen»; «Kannst Du kurz eine Minute warten… ich muss…»“

Da habe ich mich doch sehr ertappt gefühlt und v.a. an das Gefühl erinnert, das ich manchmal habe, wenn mein Freund an seinem Telefon rumspielt und ich empört denke: „Hö? Ist das jetzt wirklich wichtig?“*

Juul schreibt, dass die Kinder anfangen, die Eltern zu vermissen, obwohl sie da sind und welche Folgen das auf die psychische Entwicklung der Kinder hat.

Ich kann empfehlen, den Artikel wirklich zu lesen und ihn auf sich wirken zu lassen.

Gleichzeitig denke ich aber auch, dass Juul einige Sachen übersieht. Tatsächlich ist das Smartphone auch ein Kommunikationsvehikel zwischen Eltern und Kindern.

Damit meine ich jetzt nicht, dass man sich gegenseitig Nachrichten schreibt (was ich auch sehr schön finde), sondern viel mehr, dass das Smartphone einfach eine Kamera, ein Lexikon, ein Fernseher etc. ist.

Ganz oft beschäftigt die Kinder etwas, das wir dann nachschlagen. Wie sieht die Flagge von Neuseeland aus? Wie groß ist das Land? Warum können Kiwis nicht fliegen?

Mithilfe des Smartphones beantworte ich diese Fragen und wir sitzen zusammen auf dem Sofa und verbringen eine entspannte Zeit. Im Gegensatz zu Spitzer denke ich nicht, dass es irgendwie hochwertiger ist, sich durch ein Printerzeugnis zu wälzen als etwas auf dem Smartphone nachzuschauen.

Ich glaube auch nicht, dass (meine) Kinder (meine) ständige und ungeteilte Aufmerksamkeit brauchen. Ich kann mit einer Freundin am Sonntag Kuchen essen und wir unterhalten uns und ich kann das selbe virtuell im Chat tun.

Allerdings finde ich es sehr einleuchtend, dass man das vielleicht nicht regelmäßig in den insgesamt 3-4 Stunden tun sollte, die man täglich wegen der Arbeit, als Familie verbringen kann.


*Ich bin mir sehr sicher, er denkt das ebenso oft von mir…

Pokémon Go – die Tweets und anderes

Ja, für alle, die sich nicht interessieren, ist es eine echte Plage. Mich hingegen amüsiert sowohl Pokémon Go als auch alles, was drumherum entsteht.

Da wären zum Beispiel die anderen SpielerInnen. Als ich am Nachmittag vom Arzt nach Hause komme, stehen da rund ein Duzend Menschen vor dem Turm des Frankfurter Tors.

Irgendwas passiert, einer hebt den Kopf und schnauzt einen Typen drei Meter neben ihm an: „Alter bist du gelb?“

„Ne, ich bin nich gelb.“

Ein ca. zwölfjähriges Mädchen grinst: „Ich bin gelb.“

Die anderen im Kanon: „Na toll!“

Offensichtlich hat das Mädchen, Team Gelb, soeben die Pokémon-Arena erobert. Ich grinse in mich hinein und laufe weiter.

Noch bevor Pokémon Go in Deutschland erhältlich ist, entsteht diese Seite: Pokewalk.

Ich nehme an, die Seite ist ein Fake. Hier wird angeboten, dass jemand das Handy abholt und dann je nach Bezahlung (2 km – 10 $, 5 km – 15 $, 10 km – 20 $) Pokéstops abfährt, Items einsammelt und Pokémon jagt.

So unwahrscheinlich sind solche Dienste tatsächlich am Ende nicht. Ich erinnere mich noch gut an die MoMA Ausstellung 2004 in der neuen Nationalgalerie.

Mit meiner Freundin, die extra aus Stuttgart angereist war, stellte ich mich zu Beginn der Ausstellungsperiode vier Stunden an, um rein zu kommen. VIER STUNDEN!

Ich redete mir ein, dass ich das aus Liebe zu meiner Freundin über mich ergehen hab lassen.

Tatsächlich war das kurze Zeit später die allerkürzeste Wartezeit von der mir anschließend berichtet wurde. Man konnte damals sogar Menschen auf ebay ersteigern, die sich für einen anstellten. Zehn, zwölf Stunden war da keine Seltenheit.

Warum also nicht Menschen dafür bezahlen, dass man Pokémons einsammelt?

Echte Nerds, so sagte man mir, würden ohnehin nicht selbst durch die Gegend rennen und Pokémon einsammeln sondern rausfinden, wie man das Spiel spielen kann ohne sich zu bewegen.

Genau 24 Stunden später taucht ein Video auf, das erklärt wie man Pokémon Go vom heimischen PC aus spielt.

Und dann sind da noch die ganzen Tweets, die irgendwie darüber berichten, wie das Spiel sich in wenigen Tagen in die Kohlenstoffwelt integriert hat:

Oder die Tweets, die schöne, neue Ideen präsentieren:

Am Ende muss nicht alles schlecht sein, was ein Hype ist:

Nöte, wie ein schnell leer laufender Akku, machen auch erfinderisch:

Richtig hip ist man sowieso erst, wenn man alle Hypes verbindet:

Dass da die Server nicht mithalten können, ist nicht verwunderlich:

[Und irgendwie hab ich jetzt einen Buzzfeed-Eintrag geschrieben, oder?]

Ziemlich bitter ist der Artikel Pokémon Go Could Be A Death Sentence For A Black Man

„The premise of Pokémon Go asks me to put my life in danger if I choose to play it as it is intended and with enthusiasm. Let’s just go ahead and add Pokémon Go to the extremely long list of things white people can do without fear of being killed, while Black people have to realistically be wary.

Honestly, I wish this was a joke post or satire of some sort. It isn’t. Something needs to change.“

Die Neu-Mama-Falle

Als Neu-Mama sollte man sich von Internetforen und Blogs fernhalten, die so tun als sei mit Kindern immer alles perfekt.

Neu-Mama
Wenns Montag Früh mal schnell gehen muss, frühstücken wir eben etwas einfacher als sonst. Mit 3 Kindern muss man auch mal pragmatisch sein


Manchmal bringen mich zwei Dinge, die eigentlich gar nichts miteinander zu tun haben, auf einen Gedanken.

So geschehen neulich mit der Anfrage von netmoms, ob ich nicht meine Artikel unbezahlt bei ihnen veröffentlichen wolle und das Lesen des Artikels zum Thema Perfektionismus in Blogs von Frau Kirsche.

Netmoms habe ich nach der Geburt meines ersten Kindes rund ein halbes Jahr intensiv genutzt.

Das Baby war geboren, ich war alleine und ALLES war neu. Ich wußte nichts und habe mich unsicher gefühlt. Das Kind hat erhöhte Temperatur – soll ich mich locker machen oder zum Arzt? Wenn ich nicht zum Arzt gehe, gefährde ich mein Kind? Wenn ich zum Arzt gehe, verstopfe ich unnötig das Wartezimmer und ernte einen doofen Kommentar?

Der Tag war gespickt mit solchen Fragen. Muss das Kind Mittagsschlaf machen? Wie bekomme ich es dazu? Muss das im Bett sein oder kann es in der Tragehilfe schlafen? Wie oft soll ich stillen? Darf ich das Kind mit in mein Bett nehmen? Wechselt man in einem bestimmten Takt die Windeln?

Meine Freundinnen hatten zu dem Zeitpunkt noch keine eigenen Kinder und aus meinem Verwandtenkreis war keine Hilfe zu erwarten. Auf jede Frage, wie das damals wohl war, kam mehr oder weniger ein: Ich erinnere mich kaum.

Also befragte ich das Internet und landete bei netmoms. Dort kann man Fragen stellen und bekommt auch Antworten. Allerdings sind die Kommentarstränge oft schlimmer als im heise-Forum. (Es wird auch nicht moderiert – zumindest war das mein Eindruck früher).

Etwas überzeichnet ist das Schema immer so gewesen:

Frage: Hat jemand die neuen Öko-Windeln von Drogerie A ausprobiert? Halten die über Nacht?

Antwort 1: Ja, bei mir halten die.

Antwort 2: Wirklich? Wie lange schläft dein Kind denn?

Antwort 3: 8 Stunden – wie lang denn sonst?

Antwort 4: 8 Stunden? Das ist ja Wahnsinn. Bei uns sind es nie mehr als 2 Stunden am Stück.

Antwort 5: Sorry, dann musst du dein Kind halt mal erziehen!

Antwort 6: Ich benutze nur die Öko-Windeln. Alles andere ist unverantwortlich!

Antwort 7: Außerdem: Drogerie A? Die beuten ihre Mitarbeiter voll aus. Wie kann man denn bitte da einkaufen gehen? Ich gehe deswegen ja nur zu Drogerie B.

Antwort 8: Ja, sorry. Wie kannst du bitte andere Windeln benutzen. Das ist direkt an der Haut deines Babys dran. Da lösen sich über Nacht die ganzen Schadstoffe und das verursacht Krebs.

Antwort 9: Überhaupt Einmalwindeln? Da kann man dem Kind auch gleich Zuckersirup als Hauptnahrung geben. Die Lebenserwartung verkürzt sich so dramatisch. Ist dann aber wohl auch egal, weil mit dem Müll, den du produzierst, ist die Umwelt in wenigen Jahren sowieso so verpestet, dass es keine Zukunft mehr gibt.

Am Ende hat man also keine echte Einschätzung, ist eine verantwortungslose Mutter und schadet Kind, Umwelt und Zukunft.

Ich habe also angefangen wie irre Bücher über Babys, Kleinkinder und Erziehung zu lesen. Da fiel es mir leichter, gräßliches einfach wegzulegen und zu sagen, das ist nichts für mich.

Noch später fing ich an Blogs zu lesen und bin dann langsam in die damals noch sehr dünne Elternblogszene gerutscht.

Das tat so gut! Jenseits der pausbackigen, strahlenden Werbebabys der Familienmagazine (auch da war alles sehr, sehr einheitlich – ist es ja jetzt noch) und der Fernsehwerbung und jenseits des Hyänen-Lochs der Mütter-Foren[1] endlich die anderen Mütter, die scheitern, unsicher waren, die mehr Fragen als Antworten hatten.

Sie haben ihren Alltag beschrieben und plötzlich gab es nicht nur Solidarität sondern lebenstaugliche Handlungsalternativen.

Seitdem ist fast ein Jahrzehnt vergangen.

Ich habe nicht mehr so viele Fragen – aber ich merke auch, wie die ehrliche Elternbubble schrumpft. Die Werbeindustrie hat erkannt, dass hier eine vertrauensvolle Zielgruppe wartet [2]. Doch statt die Blogs so zu nehmen wie sie sind, wollen Agenturen und Werbepartner sich in einem präsentablen Umfeld darstellen [3].

Den meisten geht es nämlich nur um Reichweite. Was der eigentliche Inhalt des Blogs, die Philosophie dahinter ist, wie die Autorin tickt – das interessiert gar nicht. Ein Blog ist lediglich eine Werbeplattform.

Also greifen die perfektesten, best-gestylten, SEO optimiertesten Blogs die Werbedeals ab. Und viele andere Blogs, die ebenfalls Geld verdienen wollen, passen sich an [4].

Für mich persönlich bedeutet das lediglich – ich lese diese Blogs nicht mehr. Denn genau diese polierte Kunstwelt gibt mir einfach nichts.

Für mich ist das egal. Ich hab in der Zwischenzeit meine Freundinnen mit Kind und meine geliebte (sehr selektierte) Online-Filterbubble, die mir hilft wenn ich Fragen habe.

Für Neu-Mütter sieht das vermutlich anders aus. Der Kommentar von RonjaMama unter dem Blogpost von Frau Kirsche trifft den Nagel auf den Kopf:

Besonders junge“Neumamas“ werden meiner Ansicht nach von den perfekten Bildern in die Illusion gerissen, es müsste bei ihnen auch so aussehen, so sein.

Denn plötzlich ist das Internet voll von wunderschön gedeckten Tischen, es ist immer Zeit für ein bisschen Deko. Die Wohnungen sind stets aufgeräumt. Die Kinder sauber und gekämmt. Die Mütter geschminkt und schlank. Sie haben abends sogar Zeit auszugehen und sich mit den Freundinnen zu fotografieren, wie sie mit einem Glas Aperol Spritz anstoßen, während ihre Zwillinge artig durchschlafen.

V.a. auf Plattformen wie instagram wird das meinem Empfinden nach immer extremer. Deswegen mag ich Hashtags wie #alltagsessen, #12von12, Kategorien wie „Dinge, die mein Kind kaputt gemacht hat“ und fotografiere gerne meinen unansehlichen Bürofraß.

Tatsächlich sind Eltern-Blogs, die sich professionalisieren wollen auch einem besonderen Druck ausgesetzt. Leitmedium hat dazu einen sehr treffenden Artikel geschrieben:

Aber man muss sich bewusst sein, dass das Betreiben eines professionellen Blogs kein Spaß ist. Es ist kein „ich schreibe schöne Texte und verdiene damit Geld“.

[…]

Wer vom Bloggen leben möchte, hat Stress wie in einer Agentur: Kunden müssen akquiriert und verarztet, Termine eingehalten und permanent kreativ gearbeitet werden.

[…]

Wer sich dafür entscheidet, mit Elterncontent unterwegs zu sein, zahlt dabei einen ungleich höheren Preis: Während ein Tech- oder Gamingblogger wahrscheinlich deutlich besser zwischen privater Entspannung und öffentlichem Auftreten unterscheiden kann, greift das Eltern- und Familienbloggen in den Alltag tief hinein.

Aber nochmal zurück zu den Neu-Eltern – ich gebe ja nicht oft „kluge“ Ratschläge, v.a. nicht im Bereich Kinder und Erziehung – aber hier mache ich mal eine Ausnahme:

Zum eigenen Seelenfrieden – haltet euch fern von den inszenierten Realitäten. Das Leben mit Kindern ist nicht so. Haltet euch fern von Orten, die euch das glauben machen wollen (besser: seid euch dessen bewusst) und sucht euch ein Umfeld, das euch gut tut. Lest nicht in Internetforen! Googelt keine Kinderkrankheiten.

Vertraut euch selbst.


 

[1] Und ja, ich meine Mütter, denn die Väter waren in meiner Filterbubble damals völlig unsichtbar und nicht präsent. Ich habe viele Babykurse gemacht, viele regelmäßige Babytreffen und Krabbelgruppen besucht – mit beiden Kindern – und es gab genau einen Vater! Einen. Und nein, ich hab meine Kinder nicht in den 70ern bekommen.

[2] Gegen Werbung habe ich bekanntermaßen rein gar nichts, sofern sie klar gekennzeichnet ist, was oft immer noch nicht der Fall ist. Ein mikroskopisch großes „entstanden in Zusammenarbeit mit“ am Ende eines Textes stellt für mich keine Kennzeichnung dar.

[3] Sehr eindrücklich beschreibt Heather Armstrong diese Entwicklung, die in den USA schon viel weiter ist als hier in Deutschland.

[4] Finde ich verständlich. Würde ich vielleicht auch machen, wenn ich darauf angewiesen wäre von den Blogeinnahmen zu leben.

Die Liebe in Worten oder die Schönwettervaterschaft

Jetzt muss ich eben doch.

Ich hatte bereits geschrieben, dass mich der Text „Ich liebe meine Kinder vom Büro aus“ bewegt hat. Denn ich teile die Meinung, dass die bloße Anwesenheit des Gefühls Liebe bei einer Person nicht ausreicht, um als Leistung (oder irgendwas) bei einer zweiten Person anerkannt werden zu können.

Der zitierte Text ist eine Antwort auf einen anderen Vater-Text, der im Grunde sowas sagt wie: Ich bin kein schlechter Mensch nur weil ich kaum Zeit mit meinen Kindern verbringe. Früher war das Standard, davon ist auch keiner gestorben. Die Väter haben ihre Kinder auch lieb gehabt!

Jetzt gibt es wieder eine Antwort auf die Antwort sozusagen, in der konkret steht:

Die Aussage, dass Liebe kein Kriterium für die Beurteilung der Leistung eines Vaters sein kann, ist für mich ebenso schwer nachvollziehbar und niveaulos, wie die Aussage, dass ein Mensch anderer Hautfarbe nicht mein Nachbar sein kann. [1]

Mal abgesehen davon, dass ich überhaupt nicht verstehe was der 2. Teil des Satzes mit dem ersten zu tun hat, möchte ich entschieden widersprechen.

Meiner Auffassung nach kann man sich das Wort Vater auch schenken und durch Mensch ersetzen.

Einem Freund, einem Vater, einem Partner, einer Freundin, einer Mutter, einer Partnerin, der/die sagt „Ich liebe dich“ und den Worten keine Taten folgen lässt, kann ich persönlich wenig abgewinnen.

Für solche Oberflächlichkeiten ist mein Leben zu kurz.

Wenn ich in meinem Leben zurück blicke, gibt es allerdings ausreichend Personen dieser Art. Aber waren sie da als ich sie brauchte? Nein.

Natürlich geht es nicht nur um die Einheit „Zeit verbringen“, natürlich ist das als bloßes Kriterium genauso dumm und wertlos wie die bloße Aussage „Ich liebe dich“.

Bin ich also nur ein guter Vater, wenn ich so viel Zeit wie möglich mit meinem Sohn verbringe? Egal wie? [1]

Ne, biste nicht. Genauso wenig wie der Vater, der jeden Tag bis 20 Uhr im Büro abhängt und am Telefon „Ich lieb dich“ zu den Kindern sagt, wie andere Leute „Tschüß“ sagen.

Und diese Diskussion um Leistung. Elternschaft sei schließlich keine Leistung oder etwas das man messen könne oder solle. Ist sie in meinen Augen doch (nicht nur, aber auch).

Care-Arbeit.

Am Anfang war mir dieses Wort fremd und ich hab mich gefragt, ob man wirklich für alles immer einen hippen Anglizismus braucht. In der Zwischenzeit denke ich: Ja, den braucht man. Weil der Begriff eben sehr gut beschreibt, was Elternschaft auch umfasst. Arbeit! Es wird organisiert, mitgedacht, geplant, geteilt, mitgetragen, gepflegt, es werden Opfer gebracht (die man auch gerne bringt, weil man das Kind ja liebt).

Aber ein hinreichend guter Vater – eine hinreichend gute Mutter ist man nicht, weil man es im Herzen sein will und für sich sagt: Ich liebe das Kind doch.

Ein hinreichend guter Vater – eine hinreichend gute Mutter ist man wenn man da ist, wenn man präsent ist, wenn man eine Stütze ist, wenn man einen Hafen bietet und im Notfall ein verlässlicher Kämpfer an der Seite des Kindes.

Wenn man sich verdammt nochmal einbringt und nicht nur ein Schönwettermensch ist. Verantwortung übernimmt. Wenn man auch da ist, wenn es schwer wird, wenn es anstrengend wird, wenn es an die eignen Grenzen geht.

Das regt mich so auf.

Im Text steht auch:

Ob sie ihren Kindern etwas mitgeben, ihren Kindern etwas beibringen, ihre Neugier wecken, ihnen Geduld schenken, etwas auszutüfteln und Herausforderungen selbst zu schaffen. Das geht schon beim Abknibbeln von Fußball-Klebebildchen los. Es geht meiner Meinung nach auch darum, den Kindern neue Horizonte zu bieten aber auch Grenzen aufzuzeigen. Und als Vater die damit verbundenen Konsequenzen auszuhalten. All das hat nichts mit Zeit, sondern mit Liebe zu tun.

Genau und es hat mit noch mehr Liebe zu tun Kotze aufzuwischen, Windeln zu wechseln, Nächte zu durchwachen, Seelennöte zu lindern.

Wenn meine Mutterschaft sich beschränkt auf Fußball-Klebebildchen abknibbeln, gemeinsam Sendung mit der Maus schauen und Achterbahnfahren, dann bin ich echt die tiefenentspannteste Mutter der Welt.

Aber die Frage ist: Wie fühlt sich mein Kind, wenn es krank ist und ich immer im Büro bin, weil es angeblich sein muss? Wie fühlt sich mein Kind, wenn es etwas Tolles erlebt und das Erlebnis nicht mit mir teilen kann, weil ich im Büro bin und erst nach Hause komme, wenn es schon schläft?

Ach, was rege ich mich auf. Ich gehe jetzt lieber Eis essen.

Lesen Sie auch „Neue Väter. Ein Abgesang„, da steht alles strukturierter.

Passt auch irgendwie „Eltern machen alles möglich bis es sie zerreisst„:

Mein Kind hatte einen angeknacksten Fuß, lag morgens im Bett und konnte nicht aufstehen. Das war die Situation: Mein Mann ist weg, ich muss zum Flughafen, das Taxi steht schon vor der Tür. Und da fange ich an, hektisch rumzutelefonieren, wer jetzt das Kind nehmen kann. Das Kind weint und klammert. Und ich sage nicht: So, mein Kind hat einen angeschwollenen Fuß, dies ist der Tag, an dem ich zu Hause bleiben werde. Ich hab das heulende Kind im Taxi bei der Kinderfrau vorbeigefahren und bin pflichtschuldigst zum Flughafen weitergerast. Und erst im Flugzeug hab ich gedacht: Was hast du denn da gerade gemacht? Welches Gefühl bleibt da beim Kind zurück? Egal, was mit mir ist: erste Prio hat Mamas Job?!

Denn an der Stelle spätestens kann man sich fragen, was die Liebe alleine in so einem Fall dem Kind bringt und ob man sich und dem Kind solche Situationen nicht ersparen möchte.


[1] Was macht einen guten Vater aus?