Was wir als Eltern nicht vergessen sollten, ist, dass es von uns selbst in der Regel auch keine Kinderbilder im Netz gibt. Es sei denn, wir haben sie als Erwachsene bewusst reingestellt. Ich hätte es ehrlich gesagt nicht in Ordnung gefunden, wenn meine Eltern Fotos von mir veröffentlicht hätten. (OK, in den 80ern gab es auch kaum Möglichkeiten dazu.)

Überhaupt ist es doch so schon manchmal nervig genug, wenn man bei einem Besuch daheim ungefragt die ganzen alten Kindheitsgeschichten wieder aufgetischt bekommt. Wenn alte Nachbarn, Verwandte oder Bekannte sagen: „Ich kann mich noch erinnern, als DU so klein warst, da hast du immer…“ Für unsere Kinder wird das später mal sicherlich spannend sein zu erfahren, was Mama und Papa so alles ausgefressen haben, als sie klein waren. Ansonsten aber geht das keinen was an, außer denen, die damals dabei waren und denen, denen ich im Nachhinein davon erzähle.

Ich habe es sehr genossen, als ich zum Studium von daheim auszog. Nicht weil ich mich mit meinen Eltern nicht verstanden oder ein schreckliche Kindheit gehabt hätte, sondern weil ich an einem fremden Ort einen gänzlich neuen Lebensabschnitt beginnen, mich quasi neu erfinden/ausprobieren konnte.Wo es kein „früher, da hast du doch“ gab, sondern ich nach dem beurteilt wurde, was ich im Hier und Jetzt tat.

Es ist ein schönes Gefühl ein unbeschriebenes Blatt zu sein und irgendwo anders ganz neu anfangen zu können. Unserer Tochter möchte ich diese Möglichkeit nicht verbauen. Deswegen muss, wer Babyfotos gucken will (und davon gibt es allein nach einem dreiviertel Jahr schon hunderte), bei uns daheim vorbeischauen. Ist doch auf gemütlicher so.

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