Ich hatte ein gut besuchtes „Nähmuttiblog“. Jahrelang habe ich nur meine Werke gezeigt. Irgendwann, mit steigender Followerzahl, wechselte ich meine Arbeitsweise und zeigte die Sachen an meinem Kind. Warum kann ich bis heute nicht beantworten. Die Followerzahlen und Klickzahlen stiegen. Ich bekam immer sehr nette Kommentare zu meinen tollen Fotos. Und auch ab und an zu meinem Kind. Was ich hier und da schon befremdlich fand. Ich machte trotzdem weiter.

Letztes Jahr hatte ich dann ein augenöffnendes Erlebnis. In einem Elternforum wurde bekannt, dass in einem sehr speziellen Forum Bilder der Kinder einer sehr bekannten „Nähbloggermutti“ auftauchten! Sie wurde informiert. Sie hat erwirkt, dass die Bilder dort gelöscht werden mussten. Leider hat sie bis heute ihre Medienpräsenz nicht genutzt, um das Thema Kinderbilder auf Pädophilenseiten zu thematisieren. Eine Frau in diesem Thread berichtete aus eigener Erfahrung, dass gerade Kinderbilder mit personenbezogenen Daten im Hintergrund, also die mit einer echten Geschichte – oft zu finden in Elternblogs oder Blogs der Nähszene – für viele Pädophile ein „gefundenes Fressen“ sind. Gerade die fehlende Anonymität macht diese Fotos erst für sie interessant. Sie können quasi an einem „echten“ Leben der Kinder teilhaben.

Für mich war sofort klar: Alle Fotos meines Kindes zu löschen!

Ich bereue es zutiefst, diese Grenze überschritten zu haben. Für was? Am Ende nur für meine Eitelkeit.

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