Ich verstehe die Haltung sehr gut und denke, dass ich es wahrscheinlich genauso sehen würde, wenn ich ein „normales“ Kind hätte. Eine Frage würde mich besonders beschäftigen: Wenn mein Sohn erwachsen wird/ist, möchte er dann, dass diese Bilder seiner Kindheit im Netz zu sehen sind? Und ich kenne auch diese Situation von gerahmten Bildern im Elternhaus, die einem peinlich sind.

Mit einem schwerstmehrfach behinderten Kind ist es für mich anders und dennoch ebenfalls schwer zu entscheiden. Ich habe mit diesem Thema immer wieder gerungen. Vor zehn Jahren hatte ich ganz am Anfang des Bloggens relativ oft Bilder meines Sohnes gezeigt. Dann habe ich es eine ganze Zeit nicht mehr gemacht. Nun habe ich vor kurzem ein Mutterinterview gegeben und doch auch wieder Fotos gezeigt – einfach weil ich dachte, dass sie die Entwicklung ganz gut visualisieren.

Ich würde also sagen, es ändert sich immer wieder und unsere Lage ist schon anders als die bei „normalen“ Kindern. Mein Sohn wird sein Leben lang schwerstmehrfach behindert ein. Selbst wenn er anfangen würde zu sprechen und viele Dinge zu verstehen, die er momentan nicht versteht, dann wäre das ein Wunder (und „Bilder im Internet“ wären dann ein unwichtiges Problem).

Mir geht es vor allem um Verständigung. Menschen, die nichts mit dem Thema Behinderung zu tun haben, kennen vieles nicht, haben (auch verständlicherweise) Berührungsängste etc. Ich sehe in der Kommunikation online schon auch die Möglichkeit, Grenzen zu überwinden und auf lange Sicht hoffentlich Teilhabe zu fördern. Bilder können dabei schon auch eine Rolle spielen.

Dennoch ist es nicht zu leugnen, dass ich die Erlaubnis meines Sohnes dafür nicht einholen kann und ich diese Entscheidung (wie so viele andere) für ihn mit treffe. Die Verantwortung ist mir bewusst. Die Antwort fiel bisher unterschiedlich aus.

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