Ein Geschenk, ein Geschenk

„Ich erinnere mich noch gut, wie dein Kind sich nicht gefreut hat weil ich gekauft habe, was du mir empfohlen hast.“
Ich habe ein unsägliches Händchen für Kindergeschenke. Ich denke oft, ich habe eine grandiose Idee und betreibe dann einen riesigen Aufwand, aber alles was meine Kinder mit den Geschenken lernen ist „wie verhalte ich mich sozial erwünscht.“
Es ist immer das selbe. Mit glänzenden Augen reißen sie das Geschenkpapier auf und entdecken dann das in Kinderaugen lahmste Geschenk der Welt. Sie schlucken, atmen einmal tief durch und dann schauen sie mich an und sagen artig „Danke, Mami.“ bevor sie das nächste Geschenk auspacken.
So ist das Jahr für Jahr. Kind für Kind. In manchen Albträumen sehe ich ihre enttäuschten Gesichter vor mir und im Kanon höre ich sie wie kleine Roboter sagen: „D a n k e M a m i, d a s i s t w u n d e r w u n d e r s c h ö n.“ Dabei sind sie seltsam farblos und manchmal rinnt ihnen leise eine Träne über das kleine Kindergesicht.

Im Laufe ihres Lebens hat jedes Kind eine ganz eigene Taktik herausgearbeitet, wie es mit meinen enttäuschenden Geschenken umgeht. Kind 1.0 ist dazu übergegangen mir Wochen vor den entsprechenden Schenkanlässen seine Wünsche in Konversationen geschickt nebensächlich einzubauen. „So ein Google Play Store Gutschein, das ist schon eine Sache über die sich eigentlich alle Jugendlichen freuen. Man bekommt die Gutscheine dafür heutzutage sogar im Supermarkt. Wusstest du das? Unglaublich oder?“
Ich nehme mir dann immer vor ganz brav in einen Laden zu gehen, einen entsprechenden Gutschein zu kaufen, aber dann geht es irgendwie mit mir durch und ich sehe ein TOTAL witziges T-shirt und naja, dann ist das Kind wieder nur so semibegeistert.
Kind 2.0 packt mein Geschenk immer als letztes aus. Dann sagt es sowas wie: „Oh! Ich habe SO viele Geschenke bekommen. Ich möchte, dass andere Kinder auch Geschenke haben. Deswegen möchte ich eines meiner Geschenke spenden. Ich wähle dieses hier (deutet auf meins).“
Ich meine, was soll ich da sagen? Rumschreien „JA GEHTS NOCH? DAS IST DOCH MEIN GESCHENK?! DAS KANNST DU DOCH NICHT SPENDEN!!!“
Kind 3.0 hat die Angelegenheit sehr pragmatisch geregelt. Entweder es fällt schon beim Auspacken auf mein Geschenk und zerstört es dabei oder es fährt zu einem späteren Zeitpunkt einmal beherzt mit dem Bobbycar drüber, hält an und entsorgt die Einzelteile pflichtbewusst im Müll.

Ich weiß einfach nicht warum das mit mir und den Geschenken so ist. Ich bin sonst ein ganz kreativer Mensch mit viel Feingefühl für die psychologische Charakterstruktur anderer.

Ich habe eine Freundin, die macht unglaubliche Geschenke. Wenn diese Geschenke ausgepackt werden, dann raunen alle „Ahhh!“ und „Ohhhh“ und „Wo hast du das denn nun wieder ergattert?“. Alle, die nicht Geburtstag haben, sind ein wenig neidisch und das nächste Mal ist meine Freundin garantiert zur Geburtstagsfeier eingeladen. ALLE wollen ihre Geschenke. Wenn sie sagt, wo sie das gekauft hat oder wie sie das gebastelt hat, dann zücken alle ihre Handys, tippen die wichtigsten Informationen in die Notizen oder machen gleich Videoaufnahmen.

Ich habe mich immer gefragt wie dieses Gefühl ist, wenn man etwas schenkt, was jemand anderen eine Freude macht und was soll ich sagen? Heute ist es mir gelungen. Ich habe Kind 3.0 ein Geschenk gemacht, das ihm gefallen hat. Zusammengerechnet mussten Patenkind und Geschwisterkinder beinahe drei Jahrzehnte dafür leiden. Aber ich bin zuversichtlich, dass ich es nochmal schaffen kann! Ich bin übersprühend vor Motivation! Zuversichtlich! Geschenkenthusiastisch gar.

Ach und wen es interessiert was ich geschenkt habe: Ich habe ein grünes T-Shirt mit einem aufgebügelten Fuchs geschenkt. Kind 3.0 ist nämlich der größte Füchse Berlin Handball Fan dieser Erde. Dieses Fantum überschattet all seine Urteilsfähigkeit. Alles was grün ist oder was einen Fuchs aufgedruckt hat, ist gut! Ich vermute, es hätte sich über einen mit Gras verzierten, in den Sand gemalten Fuchs gefreut.
Aber egal. Ich war sowas von glücklich, als das Kind das Geschenk aufriss. Erst sah es aus wie immer. Die Augen weiteten sich, die Unterlippe zitterte, das Kind entfaltete das T-Shirt. „Was ist das?“
„Ein T-Shirt mit einem Fuchs.“, sagte Kind 2.0 mitfühlend und Kind 1.0 stand bereit ein weinendes Geschwisterkind in die Arme zu nehmen.
„Ein Fuchs? EIN FUCHS? E I N F U C H S????“
Kind 3.0 juchzte und jubelte. Es rannte über die Wiese und kam wie einer dieser Fußballer auf den Knien rutschend wieder zum Stehen! „EIN FUCHS! JAAAA! JAAAHAAAAA!“
Es war außer sich vor Glück. Die Geschwister sprachlos. Und ich schwebe seitdem im Himmel der Menschen, die Geschenke machen können über die andere sich freuen.

13 Gedanken zu „Ein Geschenk, ein Geschenk“

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    Made my day
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  2. Wie schon erwähnt: Kindergeschenke müssen pädagogisch völlig wertlos sein, dann gefallen sie (vor allen in jungen Jahren) am meisten. Ich schenke Freundeskindern auch nur bunten Nippes. Was solls! Ich möchte auch nichts praktisches geschenkt bekommen.

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  3. Vielleicht als Trost: So, wie man sein ganzes Leben lang plötzlich und unvermittelt Allergien bekommen und wieder verlieren kann, verhält es sich auch mit der Schenkbegabung. Ich habe einen Menschen in engster Gen-Umgebung, der zu den besten Schenkern dieses Universums gehörte, mir über Jahrzehnte fast jedes Mal etwas schenkte, von dem ich erst in diesem Moment wusste, dass ich es unbedingt haben wollte. Seit einigen Jahren ist das komplett umgeschlagen – ich frage mich bei jedem Geschenk, wie um Himmels Willen er bloß darauf gekommen ist. Ich habe die Phase des artigen Dankens bereits hinter mir gelassen: In den vergangenen beiden Jahren habe ich bei 80% seiner Geschenke schlicht die Annahme verweigert. Will heißen: Vielleicht ist aus dir schlagartig die Superschenkerin geworden!

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  4. Gestern muss wohl im Wedding im Cantianstadion eine Veranstaltung der Füchse stattgefunden haben, denn ich kannte sie bisher nur als die Reinickendorfer Füchse vom Fußball her. Schnell ergoogelten wir die wahren Zusammenhänge. – Kind 3 wäre bestimmt schon beim Anblick der vielen Fankleidung mit Füchsen bei den Tausenden von Leuten glücklich gewesen.
    Weiterhin gute „Treffer“ wünsche ich!

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  5. Oh, das kenne ich. Ich schenke überlegt und wertvoll. Man bedankt sich verhalten, aber artig. Ich nehme an, die Bücher und Spiele werden sofort weiterverschenkt oder zerstört. Der Mann dagegen zieht einmal durch die Tanke oder den Raiffeisenmarkt, und die Kinderfreude danach hat starke akustische Komponenten. Nichten und Neffe hüpfen vor Freude.
    Habe gelernt, dass Kindergeschenke nicht in Pädagogenköpfen geboren werden.

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  6. Meine pädagogisch wertvollen und auch objektiv betrachtet sehr schönen Geschenke kommen ebenso bei uns nicht immer so gut an… Mein Mann sagt, geh in den Laden und finde die schrillsten, ekligsten und/oder seltsamsten Dinge, die du niiiiiee geschenkt bekommen möchtest. Das kauf und die Kinder sind überglücklich :-P. Und Recht hat er!

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  7. Das Wie-schaue-ich-bei-enttäuschenden-Geschenken-möglichst-nicht-enttäuscht-Gucken können Kinder angeblich schon mit drei. Ansonsten: Schön, dass du endlich nen Treffer gelandet hast!

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