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Das Nuf 1.0 war gestern

Experte fĂŒr alles Verbotene

Es besteht kein Zweifel daran, dass die meisten Erziehungstipps von kinderlosen stammen: “Wenn ihr Kind mit dem Telefon spielen will, machen Sie kein Machtspiel daraus – ĂŒberlassen Sie ihm ein ausgedientes Telefon. Es wird den Unterschied nicht merken.”
Von wegen. Kinder sind wie Diamantexperten. Denen gibt man auch kein StĂŒck geschliffenes Glas in die Hand und ĂŒberzeugt sie von dessen einzigartiger Schönheit.
So schön die Dinger auch glitzern mögen, an der Börse werden Swarovski-Steine nicht gehandelt.
Das selbe Expertentum kann man bei Babys beobachten, wenn es um teure digitale GerÀte geht.
Ich hab es in einer mehrstufigen Versuchsreihe ausprobiert. Erst lege ich ein Babytelefon und mein eigenes Handy vor das Kleinkind. Die Wahl fĂ€llt auf das Handy. Als nĂ€chstes lege ich mein aktuelles Handy und das Handy, das kĂŒrzlich seinen Geist aufgegeben hat, vor das Baby. Beide Telefone sind selbstverstĂ€ndlich ausgeschaltet.
Das Kind wĂ€hlt das funktionstĂŒchtige Exemplar.
Als letzte Verifizierung lege ich das sĂŒndhaft teure Handy meines Freundes und mein abgehalftertes Nulleuroteil vor das Baby.
Es wÀhlt, sie ahnen es, das Teurere.
Die letzte Wahl fiel ihm zugegebenermaßen schon etwas schwerer als die vorangehenden. Die Handys wurden zĂ€rtlich befĂŒhlt, ausfĂŒhrlich beleckt und dann probeweise mehrere Male auf den Boden geworfen.
Mein Expertentipp lautet deswegen: Ihr Kind kennt sich hervorragend mit Ihren teuren elektronischen Gadgets aus. Sie werden auf Falleigenschaften, Schwimm- und TauchfĂ€higkeiten sowie Flugverhalten getestet. Das ist so. WĂ€hlen Sie also ab der Geburt des Kindes nur das billigste und sparen sie zusĂ€tzlich indem sie dem kleinen Racker einfach gar kein Spielzeug kaufen. Daran ist er ohnehin nicht interessiert. Wenn Sie begeisterter Technikfreak sind und nicht auf ihren Luxus verzichten können, hilft nur eines. Kaufen Sie ein Babytelefon. Telefonieren Sie in Gegenwart des Kindes mehrere Male und sehr ausgiebig damit. Vergessen Sie nicht, vorher ein KlingelgerĂ€usch nachzuahmen, tippen Sie eine glaubhafte Anzahl von Nummern, wenn Sie selbst telefonieren wollen, fĂŒhren Sie sinnvolle GesprĂ€che (ein einziges HallohallobabytschĂŒss-GesprĂ€ch und ihre BemĂŒhungen sind futsch) und vergessen Sie nicht regelmĂ€ĂŸig NEIN zu rufen wenn das Baby nach dem Spieltelefon greift.
Wenn Sie das einen Monat durchhalten und alle echten GesprĂ€che nur heimlich flĂŒsternd auf der Toilette fĂŒhren, dann haben Sie – vielleicht – eine Chance.

Level: Babyleben, Experimente — dasnuf at 7:28 am on Friday, April 25, 2008

5 Comments »

Comment by Faustus

April 25, 2008 @ 8:17 am

Dieses Blog ist ein Genuss. Ich werde mich vermutlich irgendwann totlachen.

Comment by KleinesF

April 25, 2008 @ 9:45 am

“Mit dem Karton spielen – unbezahlbar” war also nur Werbung?

Comment by pk210

April 27, 2008 @ 7:43 pm

Kann dem nur voll und ganz zustimmen. Ich habe dasselbe bei meinen Neffen und Nichten schon mehrmals erlebt.

Comment by ixy

April 29, 2008 @ 7:09 am

Um hier unser Kindlein zu tÀuschen, hole ich mir bei meinem Telefondealer ab und zu ein Handydummy.

Die sehen original aus, wie ein echtes und sind auch so schwer.
Probier es aus. Es wird funktionieren.

Comment by Cat

April 29, 2008 @ 10:27 pm

Hallo ixy!

um es kurz zu machen: hatte auch so’n Dummy von ner Messe…und nope, meine SĂŒĂŸe ist nich drauf reingefallen…die riechen das wie Katzen den Tierarzt…

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