Fassaden

Das hier ist ein älterer, unveröffentlichter Beitrag aus dem Archiv. Er passte so schön auf die Nido-Debatte „Aggro oder normal?“

Manchmal vermischen sich die Gedanken. Zum Beispiel habe ich im Nachgang zur re:publica nochmal den Netzgemüse-Rant der Haeuslers  gelesen und besonders ist mir die Passage gleich zu Beginn hängen geblieben, die lautet:

„In einem Land, das Klopapier mit Blüten bedruckt,
es “Danke” und “Happy End” nennt,
schließen wir Jugendheime,
bauen eingezäunte und Kamera-überwachte Spielplätze,
Kamera-überwachte Schulen
kümmern uns um gerade Zähne, damit alle gleich aussehen.“

Quelle: Internet

An diese Zeilen musste ich denken, als ich im Kindergarten beim Entwicklungsgespräch saß. Unser Kindergarten ist nämlich das Gegenteil von all dem, was im Rant rund um Kinder und Gesellschaft (zu Recht!) beklagt wird. Als die Kindergärtnerin mich zum Anschluss des Gesprächs fragte, ob mir was auf dem Herzen läge, antwortete ich mit: „Nein, mir eigentlich nicht, aber mir wird öfter die Frage gestellt, ob das Kind vielleicht nicht unter ADHS leide…“

Mich macht diese Frage – nein allein schon die Andeutung der Frage – rasend. Kind 3.0 ist laut und temperamentvoll. Kind 3.0 ist aber v.a. eins: ein Kind! Ein dreijähriges Kind.

Das erste Mal wurde mir die Frage gestellt, als Kind 3.0 18 Monate alt war. Da konnte Kind 3.0 nämlich noch nicht still am Tisch sitzen. Jetzt ist es doppelt so alt und es kann immer noch nicht still am Tisch sitzen. Es kann aber laut schreien. Es kann sich auf den Boden werfen. Es kann weinen, dass die Tränen spritzen.

Wenn Kind 3.0 schon kein ADHS habe, vielleicht sei es dann schwerhörig? Es sei ja immer so wahnsinnig laut. Auch diese Frage wurde mir so lange gestellt, bis ich mal bei einer Beratungsstelle für schwerhörige Kinder angerufen habe. Widerstrebend.

Der Punkt ist, ICH halte das alles für Unsinn. Ich kenne mein Kind und ich kenne Kinder im Allgemeinen. Ich würde nie auf die Idee kommen, mein Kind als nicht normal einzuschätzen. Dennoch werde ich von meiner Umgebung immer wieder sanft gefragt, ob es vielleicht nicht doch Handlungsbedarf gäbe. Ob bei einer U-Untersuchung der Arzt nicht mal was gesagt hätte?

Am Ende frage ich also sicherheitshalber nach: „Gibt es irgendwelche Anzeichen?“ Die Erzieherin schaut mich erstaunt an. Nein, gar keine. Überhaupt nicht. Ein prächtig entwickeltes Kind, kreativ und phantasiebegabt.

Als Eltern ist man immer wieder diesem Druck ausgesetzt, zu prüfen, ob am Ende nicht doch was nicht in Ordnung ist. Kind 1.0 hat zur Einschulungsuntersuchung vor Aufregung gestottert. Besser, man ginge mal zum Logopäden. Das Kind habe offensichtlich Dyslalie. Wir sind nicht hingegangen. Anstattdessen hat Kind 1.0 brav in der Followup-Untersuchung auf die Frage, wie es ihm ginge mit „Vielen Dank, meine Dyslalie ist schon viel besser geworden“ geantwortet.

Völlig anderes Thema – aber irgendwie auch wieder nicht: Gerade habe ich einen sehr schönen Artikel mit dem Titel „Revolution der Dicken“ gelesen. Darin schreibt Hannah Wolf:

„Tatsächlich haben wir meistens das wohlige Gefühl, dass unsere Welt heute sehr liberal und offen ist. Unsere Freunde kommen aus allen Teilen dieser Erde, unsere Kanzlerin ist eine Frau, der Präsident von Amerika ein Schwarzer und unser Bürgermeister schwul. Die alten Diskriminierungen scheinen überwunden, wir haben aus Fehlern vorangegangener Generationen gelernt und sind stolz darauf, in einer immer individueller werdenden Gesellschaft zu leben. Irgendwo in diesem Prozess ist jedoch eine Gruppe Menschen unter den Tisch gefallen – nicht zuletzt, weil man sie selbst für ihre „Fehler“, ihr „Unglück“, verantwortlich macht: die Dicken.“

Auch hier geht es um „die Norm“ und die Abweichung davon und es geht darum, dass die ach so tolerante Gesellschaft genau diese Abweichungen offenbar nicht aushalten kann und dass deswegen dicke Menschen ausgeschlossen werden.

Es ist schon sehr seltsam. Da wollen alle individuell sein und am Ende ist in Wahrheit kein Platz für Abweichungen. Kein Platz für (laute) Kinder, kein Platz für dicke Menschen, nicht mal Platz für krumme Zähne gibt es. Alle sollen gleich sein. Am besten weiß, heterosexuell, schlank, angepasst. Bloß nicht auffallen.

Warum wird alle Energie in die Abweichler gesteckt? Lieber jahrelang jemanden therapieren, der stottert als den Menschen einfach beibringen mit Andersartigkeit umzugehen. Lieber alle ausschließen und gesondert behandeln als die Arme zu öffnen und zu sagen: Ja! Hallo! Hier! Wir haben Platz für Kinder, wir haben Platz für Stotterer, wir haben Platz für Mobilitätseingeschränkte, für Dicke, für Dünne, für Große, für Kleine, für wasauchimmer!

Ich verstehe es einfach nicht.

Autor: dasnuf

Aha! Google doch "dasnuf" Muhahahahaha!

31 Gedanken zu „Fassaden“

  1. Abweichler bedrohen die Sicherheit der „Normalen“. Normal in dem Sinn von: Menschen, die sich an Normen orientieren, oder an Durchschnitten, die als Begründung „das macht man so“ annehmen, anstatt sich ihre eigenen Motivationen und Ziele zu suchen.

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  2. Ich muss schon eine Weile über die schiefen Zähne nachdenken. Weil hier geht es eigentlich nicht ums gleich aussehen, sondern um den Erhalt des Gebisses. Deshalb bezahlt die Zahnspange (zumindest bei Kindern/Jugendlichen) auch die Krankenkasse. Inzwischen sterben wir eben nicht mehr, wenn unsere Zähne kaputt sind, sondern wir versuchen die Zähne über unsere Lebensdauer gesund zu halten. Schiefe Zähne lassen sich viel schlechter behandeln, d.h. es kann früher zum Verlust von Zähnen und Zahnersatz kommen. Außerdem können auch Zähne verloren gehen, wenn durch den Schiefstand der Gegendruck fehlt.

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  3. Also wenn man das Internet betrachtet gibts für weiße, heterosexuelle, schlanke aktuell keinen Platz mehr. Und männlich geht schon gar nicht…

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  4. @Julia wo ist das, und wie kann ich dorthin ziehen. tönt idyllisch. ich schreib auch keinen „block“, dann kann ich mich schon assimilieren. schweizerdeutsch ist ja auch guttural, wie bayrisch ;-)

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  5. ich wohne in einem kleinen oberbayerischen dorf miz einem kind in der schule und einem im letzten kigajahr. wir sind schon alleine deshalb verhaltensauffällig weil wir nicht aus bayern kommen und hochdeutsch sprechen. unsere kinder fallen sehr aus dem rahmen, sprechen ebenfalls kein bayerisch ubd kommen mit gesellschaftlichen kulturellen inhalten in kontakt wie eigentlich kein weiteres kind. internent zb („a block!? woasn des??“) ich schreibe das nur um die grundlage unseres lebens hier darzustellen:)) denn –

    sowohl in kiga ubd schule sind den pädagogen die begriffe adhs und legasthenie vertraut nur der umgang damit ist eher so „ah g! so a schmarrn!“ spzialpsychologische untersuchungen hat es meines wissens noch nie gegeben, jedes kind kommt mit seinen eigenheit unabgeklärt und undiagnostiziert in die schule „des wead scho! des braucht zeit!“ und siehe da: entspannte schüler, entspannte eltern, entspannte pädagogen.

    manchmal denke ich der zugzwang unter schulen, pädagogischem personal, städtischer gesellschaft auch ja alles zu beachten und abzuklären und einzutüten ist unerträglich in städt. räumen. hier auf dem land suche ich das vergebens.

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    1. @Julia
      Nun ja, man könnte das Ganze allerdings auch als programmatische Ignoranz auffassen …

      Im Übrigen sollte man in solchen Diskussionskreisen wie hier nicht übersehen, dass eh nur die Extreme [Ihre Vorzüge ebenso wie die städtischen Unausgewogenheiten] dokumentiert werden; ich z. B. wollte die Leserschaft nicht mit dem ruhigen und unauffälligen, wunderbaren Gelingen von Kind 1.0 [11] meiner besten Freundin oder der vorbildlichen Hinwendung eines Berliner Kolleg-Rektors zu meinen beiden erwachsenen Kindern, die beide spätentwicklerhaft den zweiten dornigen Bildungsweg beschreiten, langweilen.

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  6. Einerseits ein dickes Ja. Andererseits ein kleines Aber: So zentral wie mancherorts die Wünsche (nicht die Bedürfnisse) der Kinder gehandelt werden, ist es mir auch nicht recht. Da wird oft sehr schnell davon gesprochen, dass „Kinder nun einmal Kinder seien“, wenn Vierjährige ständig Gespräche unterbrechen, Vorschulkinder weder grüßen, noch aufstehen, und schon recht große Schulkinder irgendwann während einer längeren Mahlzeit einfach aufspringen, um grußlos zu verschwinden. Natürlich kann keiner von Kindern verlangen, was diese noch nicht können können. Aber das, was sie können, das sollen sie auch, finde ich, aus Höflichkeit und Rücksichtnahme auf ihre Umgebung.

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  7. Liebe Frau Nuf,
    danke. ich bin immer wieder dankbar, wie reflektiert sie die themen, die mir und meiner frau unter den nägeln brennen, aufnehmen und offen diskutieren. Kind 1.1 und 1.2 kommen nach den ferien in die schule, aber für den jungen hernn mussten wir eine sozialpsychologische abklärung machen lassen, weil er halt psychomotorisch nicht so weit ist wie seine zwillingsschwester. niemand aus der schulpflege oder dem kindergarten wollte den einschulungsentscheid vornehmen, alles was etwas aus der normalen mittelmässigkeit abweicht ist zur abklärung verdammt. notfalls hätte ich die einschulung auch erzwungen. und der klassenlehrer, der wurde dann schon vorgewarnt… elendige gleichmacherische schule, und mit der schulreform 21 (nur für die schweizer) wirds nicht besser. immer mehr formalismus und papierkrieg, immer weniger zeit und musse für die bedürfnisse der Kinder, und die sind halt nicht im lesen und schreiben lernen erschöpft.

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  8. ja, so ist das heute.

    Ein Kind das nicht der Norm entspricht wird nicht akzeptiert, nicht integriert und von einem Therapeuten zum nächsten geschleppt.
    Ich hab ein ADHS-Kind mit 20 von 20 Symptomen.

    Die Frage die mich am meisten getroffen hat: “ Wie können sie eigentlich so ein Kind lieben“.

    Aber das ist wohl heute einfach so.
    Ich hab mich damit abgefunden, Lösungen für alle gesucht damit es erträglich bleibt und ja, die einzige brauchbare Lösung war da Ritalin. Ich würde mir wünschen das es Schulen gibt die mit solchen Kindern zurecht kommen. Leider ist das ein Traum aber auch nicht mehr.

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  9. Und noch an die Vorredner, die auf den „lauten Kindern“ herumreiten: Ja, es gibt schrecklich laute, schrille, grenzüberschreitende Kinder. Die nicht selten schrecklich laute, schrille und grenzüberschreitende erwachsene Begleiter haben.
    Und es gibt diejenigen Eltern, die jede Abweichung vom bürgerlichen Normenkatalog als Hochbegabung ihres Nachwuchses interpretieren und sich daher jenseits jeder Regelungsnotwendigkeit sehen. Solche meine ich explizit nicht, wenn ich von „Etikettierwahn“ spreche.
    Dummerweise lassen sich solche Themen nicht kommentieren, ohne dass sich die Falschen angesprochen fühlen, so dass die eigentliche Botschaft von dasnufs Beitrag fast untergeht: nämlich der Schluss. Den ich gern dick und leuchtend unterstreichen will:
    „Lieber alle ausschließen und gesondert behandeln als die Arme zu öffnen und zu sagen: Ja! Hallo! Hier! Wir haben Platz für Kinder, wir haben Platz für Stotterer, wir haben Platz für Mobilitätseingeschränkte, für Dicke, für Dünne, für Große, für Kleine, für wasauchimmer!

    Ich verstehe es einfach nicht.“
    Ich auch nicht.

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  10. Für Kinder, die nicht gern am Tisch saßen (in einer mir gut bekannten Familie sind das 100% gewesen im erwähnten Alter), durften von Anfang an am Tisch stehen. Zuerst auf einer Kinderbank, später ohne. Irgendwann setzten sie sich von allein auf einen Stuhl und das wars.
    Dieser Etikettierwahn ist das pure Grauen.

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  11. „Kein Platz für (laute) Kinder, kein Platz für dicke Menschen, nicht mal Platz für krumme Zähne gibt es. Alle sollen gleich sein. Am besten weiß, heterosexuell, schlank, angepasst. Bloß nicht auffallen.“

    Mittlerweile fällt es mir schwer den ständig mäandernden Singsang von diesen ganzen schrecklichen kinderfeindlichen Menschen (in Deutschland) noch zu verstehen. Oftmals habe ich das Gefühl, der Tenor all dessen lautet: „Mein Kind ist laut, aber erst mal sind die anderen Schuld.“.
    Aus diesem Grund leistet die oben zitierte Pauschalisierung eher einen Bärendienst als das es der Sache hilft. Es beinhaltet nämlich den Vorwurf, jede Kritik an „(lauten) Kindern“ könne ja nur von Menschen kommen, die intolerant sind und unbedingte Konformität einfordern. Nee, is klar….

    Ich lese immer wieder, „es ist schließlich ein Kind“; „nein, ich will es nicht einschränken“; oder wie hier: „wenn es eben nicht am Tisch sitzen möchte“ etc. Dabei frage ich mich, ist es für die psychosoziale Entwicklung von Kindern tatsächlich negativ, wenn ihnen verbindliche Grenzen aufgezeigt werden? Wenn Eltern mal nicht lautes Verhalten grundsätzlich als Ausbruch einer wahnsinnig intellektuellen Phantasie werten?

    Meine persönliche Erfahrung ist, dass Kinder, die wenig Grenzen erfahren haben, häufig zu stark egozentrischen Persönlichkeiten heranwachsen. Einfach weil sie sich selten unterordnen, sich in andere Menschen hinein versetzen und auf andere Rücksicht nehmen mussten. Natürlich ist das kein deterministischer Prozess. Das heißt, m.E. steigt die Wahrscheinlichkeit ceteris paribus für egozentrisches Verhalten, wenn Eltern sich entscheiden Kindern sehr viel Freiraum für ihr zum Teil störendes Verhalten zu geben. Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass sich Kreativität und Phantasie durch Großzügigkeit in jeder Hinsicht (materiell und immateriell) entwickeln.
    Die Problematik, dass immer häufiger ADHS diagnostiziert und Ritalin verschrieben wird, hängt sicherlich von mehreren Faktoren ab (z.B. auch damit, dass es eine größere Sensibilität für pathologische Störungen gibt, welches eben nicht durch „härteres Durchgreifen“ der Eltern einfach abgestellt wird. In diesen Fällen ist Ritalin für die Betroffenen eine große Hilfe; das sollte nicht vergessen werden). Ein Faktor ist aber auch, dass immer mehr Kinder als Folge mangelnder Erziehung verhaltensauffällig sind. Dies wird dann leider teilweise als ADHS missinterpretiert und entsprechend rezeptiert.

    Verstehen Sie das bitte nicht falsch: Kinder sollen Kinder sein. Sie sollen spielen, schreien, singen, lachen und ihre Kreativität ausleben. Aber Eltern sollten einen Rahmen vorgeben. Müssen Kinder in einem Wohngebiet ab 6:30Uhr mit dem Bobbycar über Asphalt fahren? Kann man ihnen nicht erklären, dass wir bis um 8Uhr noch ein bisschen drin spielen müssen, weil andere Menschen gern länger schlafen, weil sie z.B. bis spät in die Nacht gearbeitet haben…. Und: Kann man mit einem dreijährigen nicht schrittweise üben, für z.B. einmal 5/10 oder 15 Minuten am Tisch zu sitzen? Wenn es dann nämlich mal drauf ankommt und es geht einfach nicht anders (weil man ein Behördengang machen etc.), dann ist es für das Kind meist ein leichtes auf die Mama zu hören und kurz einmal dabei zu sitzen, wenn die Erwachsenen ihren langweiligen Kram besprechen. Wenn es aber nie eingeübt wurde, erlebe ich oft, dass es in solchen Situationen für die Mama unmöglich ist, vom Kind zu verlangen still zu sitzen. Zurecht ist das Kind dann komplett verwirrt.

    Und damit wir es gleich geklärt haben: Nein, ich mag Kinder sehr gern. Nein, ich möchte nicht alle Menschen gleich machen. Und ja, ich schätze Ihren Blog außerordentlich! Aber manchmal ist man eben nicht einer Meinung :)

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    1. Ich finde auch, dass Kinder Grenzen lernen können. Die Frage ist nur: In welchem Rahmen.
      Es gibt in der Zwischenzeit nicht selten Erwachsene, die genervt schauen, wenn Kinder am Spielplatz laut sind.
      Ich bin wirklich keine Mutter, die ihren Kindern keine Grenzen setzt. Aber der Punkt ist, ich beobachte eine Übergeneralisierung. Es ist nämlich in meiner Wahrnehmung nicht so, dass die meisten Verständnis dafür haben, wenn Kinder z.B. zwischen 10 und 12 und 14 und 18 Uhr auf der Straße spielen, mit Bällen werfen, ihr Fahrrad mal hinwerfen, mit dem Bobby Car scheppern…
      Was die meisten wollen, sind Kinderautomaten, die artig Guten Tag und Auf Wiedersehen sagen und dazwischen möglichst leise malen und auch sonst nicht auffallen.

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  12. “Vielen Dank, meine Dyslalie ist schon viel besser geworden”
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    Made my day
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    Aber auch sonst.

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  13. ******************KOMMENTAROMAT**********************
    Genau!
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  14. A)
    Ich schätze die Familie Haeussler sehr. Aber das, was in dem Zitat zu Beginn des Textes miteinander in Verbindung gebracht wird, soll wohl so eine Art piefig-spießige Grundstimmung im Land bebildern?! Es sind aber doch immer konkrete Mütter und Väter, die Kameraüberwachung fordern, nicht eine allg. Gesellschaft*. Ebenso, wie konkrete Menschen Blümchen auf dem Toilettenpapier lieber haben als keine. Welche Stimmung soll das zum Ausdruck bringen? Muss ich beim nächsten Toilettenbesuch bei Freunden kritische Hinweise in die Runde streuen, weil das Toilettenpapier bedruckt ist?

    B)
    Nicht der Tramfahrer ist rücksichtslos, der den Anfahrvorgang für einen herbeirennenden Zuspätkommer nicht mehr unterbricht, um die Tür doch nocheinmal zu öffnen, denn er handelt im Interesse aller, die pünktlich zur Stelle waren und in der Bahn sind. Der Zuspätkommer ist rücksichtslos. Er erwartet, dass – in einer gut gefüllten Berufsverkehrstram – 100 Leute auf ihn warten. Das ist die Umkehrung der [Denk-]Verhältnisse, die zuweilen hinter solchen vermeintlich gleichmacherischen Mustern stecken.
    Ich kann es nicht unverständlich finden, dass es schwierig und langwierig ist, Mehrheiten davon zu überzeugen, das Potential von Minderheiten zu entdecken, bzw. erst einmal herauszufinden, welches „Potenzial“ im rücksichtslosen Herumbrüllen oder im destruktiven Stören überhaupt zu entdecken ist?!
    Große Systeme/Gesellschaften erfordern Grundübereinstimmungen, um funktionieren zu können. Eine Schulklasse mit nur zwei repsektlosen Störern gewinnt nichts. Eltern, die ihre Kinder in solchen Klassen hatten, wissen das. Und: Ich halte es ebensowenig für richtig, 25 Kinder in einer Klasse einem stotternden Kind zuhören zu lassen – und das Kind damit übrigens auch zu quälen – wie ich es für falsch halte, dem Knd nicht zu helfen mit der Attitüde, dies als gegeben und als freundliche Besonderheit hinzunehmen. Es nützt nichts, wie das Kaninchen auf die Kinder zu starren, die den Gesamtablauf behindern oder nicht selten gar unmöglich machen. Wenn gut ausgebildete Pädagogen [und natürlich Eltern, die sich eben schulterzuckend „das Kind ist eben so“ in die Elternabende setzen] es nicht zustandebringen, eine konstruktive Lernsituation zu schaffen, darf man das nicht den Kindern überlassen; wenngleich Kinder sehr oft ein erstaunliches Potenzial an Sozialkompetenz besitzen und anweden.
    Ich verweise hier – wegen des beispielhaften Herangehens – auf dieses wundervolle Unternehmen [http://www.auticon.de/Unser_Team.html], das Autisten großartige Arbeitsmöglichkeiten, die exakt ihren herausragenden Möglichkeiten entsprechen, schafft. Hier werden die Betroffenen ausdrücklich nicht „untergemischt“ und sind gerade deshalb froh und effektiv. Ich halte nichts davon, in ungeeigneten Sytemen vermeintlich wohlfeile Integrations-/Inklusuionsziele zu verfolgen und allen Beteiligten damit zu schaden oder wenigstens nicht zu helfen …

    * Es ist z. B. grundrichtig, nicht mehr zuzulassen, dass Kinderlärm mit Lärm allgemein gleichgesetzt wird. Zugleich ist die Sache damit nicht „erledigt“. Es ist ebenso geboten, Familien mit an den Wochenenden früh 6.30 Uhr im Hof lärmenden Kindern mit „in das Boot zu holen“, Verständnis auf beiden Seiten zu schaffen. Nur das ist tragfähig.

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  15. „ADHS“ ist vor allem eine Erfindung der Ärzte. Guck mal dieses Video von Gerald Hüther an:
    http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=A6vtFS_CwkA

    Und ansonsten:
    Ich habe ein Kind, das stottert und „fuchtelt“ bzw. „dirigiert“, aber zum Glück gehen meine beiden Kinder (das andere ist „unauffällig“) in eine Schule, wo sie sein dürfen, wie sie sind. Eine unserer Mütter berichtete z.B. letztens von einem Elterngespräch (die finden bei uns 2x im Jahr statt), in dem ihr erzählt wurde, ihre Tochter „entwickle Lautstärke“. Nicht „sie schreit rum“, nicht „sie nervt“ oder so. Keine Bewertung, nur eine Beobachtung.
    Und die Kinder an unserer Schule sind, so weit ich das beurteilen kann, alle sehr selbstbewusst.
    In Berlin gibt es scheinbar ähnliche Schulen, sie heißen http://www.aktivschule-charlottenburg.de/ und http://www.ting-schule.de.

    Herzliche Grüße
    Michaela

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  16. ADHS kann zuverlässig erst ab dem 6. Lebensjahr diagnostiziert werden. Bei Kindergartenkindern geht es mit einer gewissen Unsicherheit. Ganz sicher aber, kann man nicht bei einem 18-monate alten Kind ADHS diagnostizieren. Manchmal weiß ich nicht, ob in diesen dummen Fragen, ob das Kind AHDS hätte nicht eigentlich ein heimlicher Vorwurf steckt: „Hat Dein Kind ADHS oder hast Du es so schlecht erzogen?“
    Ja, es stimmt, dass Ritalin heute häufiger verschrieben wird als früher. Die Bundesärztekammer schreibt aber, dass ADHS an sich nicht zugenommen hat, lediglich die Anzahl derer, die dadurch psychosozial beeinträchtigt sind. Und das liegt dann daran, dass es eben mehr Druck gibt. Hier in BW, wo es bis neulich noch die verbindliche Grundschulempfehlung (also der Lehrer sagt, auf welche weiterfühernde Schule das Kind darf) gab, ist es nicht unüblich, dass schon Drittklässler ihre Nachmittage zuhause mit Lernen verbringen, damit sie es auch ja aufs Gymnasium schaffen. Weil jede andere Schulform indiskutabel ist, bzw. ein Hinweis aufs Versagen.

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  17. Danke für diesen Beitragund den Link zum anderen Artikel! :)
    Bisher wurde ich zwar noch nicht auf Herrn Baby angesprochen(der ist nämlich auch ein Wirbelwind), aber ich warte schon fast darauf. Wann ist eigentlich aus jedem aufgeweckten Kind ein ADHS-Kind geworden? Ich finde es schrecklich, dass immer sofort mit diesem Begriff um sich geworfen wird. Denn zum Einen stempelt man so zu unrecht viele lebhafte Kids ab und zum Anderen nimmt man die Kinder nicht ernst, die wirklich ein Problem haben. Ätzend!
    Aber ich kenne die andere Ecke auch, die der Dicken. Sitz mal als Moppelmama mit dem Kind auf dem Spielplatz und iss ein Eis mit ihm. Yay, das ist ein Spaß… (NICHT!) Ich verstehe auch nicht, warum man „Andersartigkeit“ nicht einfach mal akzeptieren kann. Leben und leben lassen ist wohl zu schwer. Leider.

    Mit moppeligem Gruß
    Nora

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  18. ******************KOMMENTAROMAT**********************
    Gerne gelesen! Genau!
    *****************/KOMMENTAROMAT**********************

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  19. Schön, solche Artikel zu lesen. Schön, dass es noch solche Kindergärten gibt – schön, dass du sie noch Kindergärtnerin nennst – hat sich ja auch dahingegend verschoben, dass sie „Erzieher“ genannt werden, als würden wir Eltern zu Hause nur faul auf der Haut liegen.
    Es ist bemerkenswert, um wie viel Prozent das Verschreiben von Ritalin angestiegen ist. Das kann nicht wirklich nur an den Kindern liegen, denn wir vergessen wirklich viel zu häufig, dass sie Kinder sind und nicht 1:1 Kopien von uns Großen.

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    1. Ich habe mit dem Begriff Erzieherin eigentlich gar kein Problem. Ich nenne sie, ehrlich gesagt, zu 90% Erzieherin. Ich denke, der Begriff bringt eine andere Wertschätzung zum Ausdruck als Kindergärtnerin. Vielleicht weil da mehr mitschwingt, dass es ein Ausbildungsberuf ist und gesellschaftlich gesehen, einer der wichtigsten Berufe, die wir haben.
      Ich empfehle in diesem Zusammenhang den Soziopod zum Thema Erziehung -> http://soziopod.de/2013/05/soziopod-029-erziehung-we-dont-need-no-education/

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  20. ******************KOMMENTAROMAT**********************
    Genau!
    *****************/KOMMENTAROMAT**********************

    Aufschlussreich finde ich in diesem Zusammenhang auch diesen Artikel von Antje Schrupp:

    Hier schlägt letztlich eine pervertierte Variante der demokratischen Parole von der „Gleichheit aller Menschen“ durch, kombiniert mit einer Elitenideologie, in der Mittelmäßigkeit keinen Platz mehr hat. Und vielleicht ist das das eigentliche Problem: dass uns die Option auf Mittelmäßigkeit als normale und akzeptierte Daseinsform verloren gegangen ist, während es doch gleichzeitig in der Natur der Sache liegt, dass die Mehrzahl der Menschen eben mittelmäßig sind, in so ziemlich allen Bereichen des Lebens.
    […]
    Diese Ideologie, wonach es nicht mehr genügt, mittelmäßig zu sein, sondern man zum Überleben Top sein muss, führt paradoxerweise gleichzeitig zu einer gesellschaftlichen Uniformierung. Denn nicht mehr die Einzigartigkeit zählt (die lässt sich nämlich nicht benchmarken), sondern die Vergleichbarkeit.

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