Ich will nicht überwacht werden, merkel Dir das

Ein (pathetischer) Gedanken-Mashup einer politisch Ungebildeten

Sich mit Freunden auf einer großen Demo zu verabreden, ist nicht einfach. Wir orten uns also. Mir ist dabei durchaus bewusst, dass diese Art der Verabredung für eine Anti-Überwachungsdemo einer gewissen Ironie nicht entbehrt.
Ich benutze außerdem nach wie vor WhatsApp und habe einen Facebook-Account. Täglich liefere ich der NSA außerdem allerhand Datenmaterial per Siri und meinen Google-Account.
Auf Twitter lese ich Sätze wie „Ach? Wie naiv seid ihr denn, dass ihr dachtet, verschlüsselte Daten seien sicher?“. Ja, gute Frage. Wie naiv bin ich eigentlich? Und welchen Ausweg gibt es aus dem Überwachungsdilemma? Gibt es überhaupt einen? Auf was muss ich verzichten? Auf alle Appledienste, auf alle Googledienste, auf Dienste wie WhatsApp, auf facebook, auf Twitter? Welchen SSL-Zertifikaten kann ich trauen? Wie kann ich recherchieren, wer Anbieter ist und welche Standards benutzt werden? Muss ich auf Online-Banking verzichten? Ebay? Paypal? Kann ich mein Leben überhaupt noch annähernd weiter so führen wie jetzt? Reicht es technologisch zurück in die 50er Jahre zu gehen oder doch besser in die Zeit vor Erfindung der Elektrizität. Immerhin leben derzeit 1,4 Mrd Menschen ohne Elektrizität…

Es häufen sich die Fragen und Antworten gibt es so gut wie keine. Unsere Regierung erklärt die NSA-Affäre für beendet. Immerhin hat die NSA entsprechende Dokumente zur Verfügung gestellt. Ein Großteil der Seiten sieht so aus und scheinbar handelt es sich wirklich um keinen Spitzenwitz sondern grausame Realität:

 

Damit wäre dann ja alles geklärt.

Ihr könnt mich auslachen, aber in der Nacht, in der ich den Zeitonline-Artikel über Bullrun las, hatte ich Alpträume. Mein innerliches Kopfschütteln, meine Empörung wandelte sich in Wut und Verzweiflung.

Ok, ich bin ein unwichtiger Wurm in diesem Staat, aber muss ich mir das gefallen lassen? Muss ich mir diese unsägliche Politikerarroganz gefallen lassen? In den allermeisten Fällen rede ich mit meinen unter sechsjährigen Kindern nicht so wie Herr Pofalla und erkläre Dinge ohne weitere Diskussion oder Aufklärung für beendet.

Kaum bin ich auf Twitter ist meine Welt wieder in Ordnung. Die Timeline ist voll von besorgten und empörten Menschen. Aber wenn ich Zeitung lese, wenn ich mir die Vorhersagen der Wahlergebnisse anschaue, dann wird mir klar: Die NSA Sache interessiert kein Schwein. Die allermeisten sehen keine Gefährdung ihrer Grundrechte. Man hat nichts zu verbergen und glaubt, mehr Überwachung bringt mehr Sicherheit.

Es ist mir ein Rätsel. Wie treffen Menschen ihre Wahlentscheidung? Was bewegt sie? Wer liest Wahlprogramme? Wer hört sich an, was die Kandidaten zu sagen haben, die man mit der ersten Stimme wählen kann? Offenbar der kleinste Teil der Bevölkerung. Man wählt vermutlich traditionell das was man schon immer gewählt hat, das was die Eltern gewählt haben. Keine Ahnung. KEINE VERDAMMTE AHNUNG. Anders kann man doch nicht erklären warum die CDU wieder und wieder und wieder gewählt wird. Egal was sie gelogen oder verbockt hat. Für mich persönlich gibt es spätestens seit der Wiedervereinigung keinen Grund schwarz zu wählen. Da hat man sich hingestellt und behauptet, die Wiedervereinigung würde aus der Portokasse bezahlt werden, kein Bürger müsse das finanziell ausbaden und dann? Kack egal. Sie werden wieder gewählt.
Warum? In Ermangelung von Alternativen?

Seit ich 18 bin, gehe ich wählen. Zu jedem Volksentscheid, zu jeder Landtagswahl, zu jedem Bundestag. Immer wußte ich, was ich wählen möchte. Dieses Jahr bin ich wirklich verzweifelt weil ich es immer noch nicht sicher weiß. Ich weiß nur sicher welche Parteien ich nicht wählen will. Ich versuche mir Schwerpunkte zu suchen. Familienpolitik. Umweltpolitik. Netzpolitik. Dann habe ich einigermaßen eine Entscheidung getroffen und lese in den Wahlprogrammen weiter, schaue mir an was meine KandidatInnen dazu sagen, aber dann lese ich wieder Artikel über einzelne VertreterInnen bestimmter Parteien und dann wird mir schlecht und ich denke, so eine Partei kannst du einfach nicht wählen. Egal was die für Ziele haben.

Dann liege ich in meinem Bett. Schlaflos. Denke über Demokratie nach und mir wird bewusst, wie weit das strahlende Vorbild von Demokratie und Freiheit – die USA – wie weit die von meiner Demokratieauffassung entfernt sind und wie sehr mir langsam der Glaube fehlt, dass in Deutschland in dieser Angelegenheit irgendwas besser oder anders ist.

Dann stelle ich mir vor, wie das Ganze aussieht, wenn meine Kinder groß sind, wenn doch irgendwelche 1984-Szenarien Alltag geworden sind und was mich meine Kinder dann fragen: Hast DU das gewusst damals? Warum habt ihr nichts getan?
Ich stelle mir das schrecklich vor. Und so bleibt mir in all meiner Ratlosigkeit nur an der ein oder anderen Demonstration teilzunehmen und weiter darüber zu grübeln, wen ich wählen könnte, damit sich endlich etwas ändert.

Heute auf der Freiheit statt Angst Demo hatte ich wenigstens vier Sekunden das Gefühl das Richtige zu tun. Da lief ich zufällig neben Jacob Appelbaum und er schaute erst auf mein Kind rechts an der Hand und dann auf mein Kind links an der Hand und dann lächelte er mich an. Vielleicht ist das der Kern von Demokratie. Politische Verantwortung zu übernehmen. Für sich und auch für die Zukunft der eigenen Kinder.

Autorin: dasnuf

Aha! Google doch "dasnuf" Muhahahahaha!

43 Reaktionen zu „Ich will nicht überwacht werden, merkel Dir das“

  1. Sehr guter Text. Leider unternehmen die Menschen nichts dagegen. Ich will euch mal nicht beeinflussen, aber die Piraten haben ein paar sehr gute Argumente im Kampf gegen die Überwachung. ;-)

    Wenn wir jetzt nichts unternehmen, werden uns unsere Kinder mit echt unangenehmen Fragen konfrontieren.

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  2. Worum ging es bei der „Freiheit statt Angst Demo“ genau?

    „Wir möchten sämtliche technischen Errungenschaften benutzen, deren Nachteile wir alle kennen! Weil die so super bequem sind und wir uns in den letzten drei Jahren so sehr daran gewöhnt haben, dass wir gar nicht mehr ohne auskommen! Wir wollen nicht gezwungen werden, darüber nachzudenken! Und wir wollen uns nicht entscheiden müssen! Auf gar keinen Fall! Und der Staat soll sich ändern – nicht wir!“

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  3. Ich kann dazu nichts sagen, was nicht schon gesagt worden wäre – außer: Danke. Das darf man ja immer (-; Und: wer sichs mal ganz gruselig machen will, lese mal DAEMON von Suarez. Ich finde, er hat schon erstaunlich (erschreckend) weit vorausgedacht.
    Bleibt ein Hinweis:
    Unter Leitung von Christian Richter in Zusammenarbeit mit Ars Sacrow liest am Sonntag, 15.09.2013 um 16.00 Uhr im Schloss Sacrow bei Potsdam Jakob Augstein aus seinem Buch “Sabotage” – Warum wir uns zwischen Kapitalismus und Demokratie entscheiden müssen.

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  4. Ich wollte eigentlich gar nicht wählen gehen. Teil der Nichtwählerquote zu sein, war mir noch immer lieber, als Protestwähler einer Partei zu werden, die ich nur wähle, um die anderen zu ärgern.

    Inzwischen bin ich gedanklich wieder bei DIE LINKE angekommen. Nicht, dass ich jedem ihrer Punkte zustimmen würde, wo doch vieles allzu illosorisch ist, aber es gibt erstens die größten Überschneidungen mit meinen Ansichten und zweitens, was noch viel wichtiger ist, fehlt dem Land eine starke Linke. Die SPD ist seit Schröder alles andere als links, insofern brauchen wir ein neues Korrektiv der politischen Verhältnisse. Gregor Gysi hat mal in einem Kommentar in der Zeit gemeint, wenn seine Partei als unbequem wahrgenommen wird, weil sie unbequeme Fragen stellt, dann hat sie eines ihrer Ziele schon erreicht.

    Natürlich bin ich mir aber auch im Klaren darüber, dass es etwas ironisch anmutet, dass die Linken sich über den NSA-Skandal empört, gleichermaßen ja allerdings ein Emporkömmling der vergangenen SED ist. Andererseits sind das ja zum Großteil schon längst nicht mehr dieselben Leute, so what?!

    (PS: Irgendwie ist mein erster Kommentar gerade im Nirwana verschwunden. NSA? Hmm, falls er wieder auftaucht, darf der hier gern entfernt werden.)

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  5. Verzweifelte Ratlosigkeit – erstmals – prägt auch meine Wählerexistenz im Jahr 2013. Habe mich zu einer deutlich als solche erkennbaren Protestwahl entschieden. Nicht die optimale Lösung, aber auf eine bessere kam ich nicht.

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    1. Genau so! Ich formuliere schon lange an meinem Text herum, den ich mit Eding auf den Wahlzettel schreiben werde. Bin nur gespannt, ob ich als solcher überhaupt registriert werde. Beim letzen Mal gab es angeblich keine ungültige Stimme in meinem Wahlbezirk. Wenn das wieder so ist, schrei ich laut im Netz…
      Danke für deinen Post!

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  6. @Nuf: Danke.
    @Alle. Trotzdem wählen gehen. Und wenn’s Sonneborn ist. Bloß nicht nicht gehen, wie die ganzen Nicht-Merker.

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  7. Pingback: c a i l .eala
  8. Mir geht es wirklich genauso, wie du es beschreibst. Ich bin eigentlich ein bequemer Mensch, mir geht es gut, und ich war noch nie für irgendetwas auf der Strasse, um zu demonstrieren, Aber gestern bin ich von Köln nach Berlin gefahren, um bei der FSA dabei zu sein (und danach dann wieder zurück), und es war gut, dass ich dabei war. Auch wenn die Regierungsparteien wie auch einen Großteil der Bevölkerung anscheinend einen feuchten Kericht schert, was da ein paar demonstrieren. Aber so, wie es zur Zeit ist, kann es nicht weitergehen, weder in der Netzpolitik noch in der Sozialpolitik und vielen anderen Punkten auch.

    Ich gehe jedesmal wählen, verpasse keine Wahl, aber die Parteien (generischer Plural, keine Ausnahmen) machen es einem wirklich nicht leicht, eine Entscheidung zu treffen. Ich habe seit eineinhalb Wochen meine Briefwahlunterlagen hier herumliegen, und ich kann mich nicht entscheiden, wo ich meine Kreuzchen machen soll.

    Noch habe ich ein paar Tage, mich zu entscheiden, aber ob ich noch etwas finden werde, was mich dann doch zu einer Wahl treibt, die ich mit meinem Gewissen vereinbaren kann, das weiß ich nicht.

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  9. Genau!

    Die bevorstehenden Nationalratswahlen hier in Österreich werfen sehr ähnliche Fragen auf. Keine Ahnung, welche Partei noch ernsthaft gewählt werden kann.

    Finde diesen Beitrag sehr gut geschrieben.

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  10. Ehrlich gesagt, ist die Sache um die NSA interessant, aber bedroht fühle ich mich in der Tat nicht.

    Warum?

    Weil ich im Gefühl habe, dass die deutschen Medien eigentlich nur ihre Seiten damit füllen wollen und jedes noch so kleine Detail inzwischen veröffentlichen. Ein Blick ins Ausland genügt und man erlangt eine Vorstellung wie panische die deutschen Medien sich mit diesem Thema auseinandersetzen.

    Ich war in Belgien, in der Wallonie, ich habe jeden Tag Zeitung gelesen, ja ich kann französisch sprechen, lesen und schreiben und das Thema NSA kam vielleicht einmal vor, aber dann nur in Kurzform. Ok, die Belgier werden wahrscheinlich nicht so überwacht wie die Deutschen und haben auch weniger Angst wegen ihrer Geschichte. Ich habe das Gefühl, dass die deutschen Medien bewusst Panik verbreiten, aufgrund unserer deutschen Vergangenheit.

    Angefangen hat es doch schon in 80er Jahren, als die Regierung die Volksbefragung durchführen wollte, wo die Bevölkerung auf die Barrikaden ging (angeblich, ich war allerdings noch zu jung, um das zu erleben) und es zieht immer weiter durch bis heute.

    Ich frage mich, warum so viele Menschen in so vielen Staaten das eher gelassener sehen als wir Deutsche? Sind alle anderen Menschen auf diesem Planeten blöder als wir Deutschen, die meinen oftmals ihre Weisheit gepachtet zu haben.

    Warum hatte der Deutsche so eine große Angst vor Fukushima (warum waren hier alle Geigerzähler ausverkauft und Jodtabletten waren auch knapp? Warum nicht in Russland oder in Japan selber?)? Warum ist das so? Warum hat der Deutsche viel mehr Angst vor dem Leben als jeder anderer Mensch (ganz grob gesprochen) auf diesem Planeten?

    Ich habe keine Angst gehabt vor Fukushima (vor der Operation, die ich einige Tage danach hatte, schon eher), ich habe auch keine Angst vor der NSA, weil sie auch alles von mir mitlesen kann, wenn sie möchte. Vielleicht bin ich als Linux-Nutzer und Nicht-Smartphone-Besitzer besonders naiv, aber lieber das als total panisch und verängstigt.

    Kommt nach dem Kernkraftwerke-Aus (das meinen Job kosten wird) auch das Internet-Aus in Deutschland und wollen wir damit wieder die anderen Staaten mit unserer ach so angeblichen Weisheit bedrängen?

    Und wenn etwas von Verletzung der Grundrechten gesprochen wird, die die NSA jetzt ausübt, dann frage ich mich warum ist es immer möglich in Deutschland außerhalb des Internets seine Meinung zu sagen bzw. demostrieren zu gehen – auch das ist ein Grundrecht.

    Die Demostrationen gehen nach meiner Meinung nicht gegen die NSA, sondern eher gegen die Politiker. Die NSA ist nur Mittel zum Zwecke, denn wenn wir gegen die NSA demostrieren wollen und unser Ziel sein soll, dass sie uns nicht mehr länger überwachen soll, dann möchte ich nicht wissen, wie unsere deutsche Zukunft sein soll, wenn wir das Land ohne „Freunde“ auf der Welt sein wird. Auf den offiziellen Pressefotos wird alles beim Alten bleiben, aber hinter den verschlossenen Türen werden die Gespräche geführt, die uns weiter bringen und ich denke, viele große Staaten werden das wohl nicht mehr lange mitmachen.

    Ich meinte, nicht dass man kuschen soll, aber auch nicht ständig alles in Frage stellen soll und nur meinen dass man als Deutscher Staat das Recht hat seine eigenen Rechte durchboxen will (wie zum Beispiel meint, dass der Deutsche Datenschutz bzw. Urheberrecht auf alle anderen Länder sofort zu übertragen ist oder dass alle anderen Staaten ihre Kernkraftwerke abschalten müssen, nur weil das Deutschland in den nächsten 10 Jahren machen möchte).

    Wenn man seine eigenen Freunde nur kritisiert, werden sie sich eines Tages von einen abwenden.

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    1. Es werden ja nicht alle Grundrechte verletzt, das sagt ja niemand. Aber soll ich darum einzelne Grundrechtsverletzungen hinnehmen? Es geht um das Recht auf Informationelle Selbstbestimmung. Dieses wird eklatant verletzt, nicht nur durch die NSA, auch durch die Bestandsdatenauskunft, nur mal als Beispiel.

      Ich bin ein erwachsener, mündiger Bürger. Ich brauche nicht überwacht zu werden. Ich will nicht, daß jemand nachvollziehen (oder auch nur vermuten oder statistisch berechnen) kann, wo ich vor drei Monaten Mittwochabends wo mit wem an welchem Tisch gesessen habe. Das ist unerträglich. Die Einschränkung ist da, ich spüre sie jeden Tag. Es gibt jetzt schon Dinge die ich nicht poste, maile oder smse, jedenfalls nicht ohne mich zu fragen, ob der BND oder sonstwelche Institutionen die Ironie verstehen oder nicht.

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      1. Glaubst Du im Ernst, dass sich irgendjemand beim BND für Deine E-Mails interessiert?

        Glaubst Du wirklich, wenn Du das Wort „Bombe“ dreimal im Monat in einer E-Mail schreibst, dass Du eines morgens um 04:35 Uhr in den Lauf eines SEK-Sturmgewehrs blickst?

        Glaubst Du wirklich, eines Tages in einem staatlichen Umerziehungslager zu landen, weil dein Internetsprech nicht systemkonform ist?

        Glaubst Du das alles wirklich?

        In der ganzen Debatte um die NSA, deren Daten-Sammelei, und die immer wieder gezogenen Analogien zu „1984“: Wir sollten wir uns eventuell auch einmal Gedanken darüber machen, wer solche Kommunikationsdaten, Bewegungsprofile, Kontaktlisten etc. wirklich nutzt, systematisch auswertet und individuell zugeschnitten sogar weitergibt?

        Die „Regierung“ findet Dich nicht interessant, die Werbe- und Marketingabteilungen der gesamten B2C-Branche jedoch schon!

        Also: Immer schön freuen, wenn verschiedene Webshops so schön auf Dich abgestimmte Produkte feilbieten, immer das GPS im Smartphone aktiv halten und Adressbücher freigeben (Dann kann die Pizzabude, an der Du immer vorbeifährst, aber nie was kaufst, vielleicht mal ein wenig Werbung zu Dir bringen). FB verdient Milliarden mit was noch einmal????

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  11. Es ist verrückt, oder? Ich bin 30 Jahre lang auf keiner Demo gewesen, weil ich relativ zufrieden und ungestört war.
    Ok, es gab immer Bereiche, wo etwas im Argen lag, Atomkraft, Wirtschaftskriege, Hartz IV, Klimakatastrophe -aber im Grunde war ich mit dem ganzen System einverstanden, es ermöglichte mir und meiner Familie ein freies, sorgloses und wohlhabendes Leben . Es gibt immer Ungerechtigkeiten, unterschiedliche Politikauffassungen / wirtschaftliche Gewichtungen.
    Aber jetzt geht es plötzlich ans eingemachte, meine persönliche Freiheit wird sehr deutlich spürbar eingeschränkt, ich werde zum Verdächtigen und Untertanen degradiert.
    Ich gehe demonstrieren- und kaum einer kommt mit. Vielleicht 2000 bei der ersten Demo, 120 beim BND-Spaziergang, jetzt vielleicht 15.000 auf dem Alex. Das ist doch verrückt, warum kümmert es keinen? Es geht zum ersten Mal um entscheidende Grundwerte unseres Lebens und die Zukunft unserer Kinder, und alle bleiben zuhause.

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  12. Vielen Dank für den Text. Mich beschäftigen genau die gleichen Gedanken – du kannst sie aber viel besser formulieren. Was ist von Amerika als Flamme der Freiheit übrig geblieben, oder waren die noch nie so? Und sind wir besser (dran)?

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  13. Ich glaube mich zu erinnern, dass es für mich die erste Wahl ist, wo ich so kurz davor nicht weiß, wer meine beiden Kreuze bekommt. Auch ich weiß nur, wer sie NICHT bekommt, definitiv nicht. – Aber ich weiß auch schon, dass sich nichts wesentliches ändern wird, weil viel zu viele Leute desinteressiert sind, denn es geht ihnen ja gut. –
    Danke für den Text, stimmt genau!!!

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  14. Danke!

    Wobei ich mich schwer tue mit einer guten Argumentation gegen die Überwachung. Es macht mir Angst. Ich kriege da Bauchschmerzen von. Aber wenn mir jemand sagt, er hätte nichts zu verbergen, es wäre ihm egal, politisch gibt es Themen die ihn bewegen, dieses wäre keins – da fehlen mir die Argumente.

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  15. Dein Blog hat ja (nicht ohne Grund) eine gewisse Reichweite und sollten dich deine Kids irgendwann mal fragen, kannst du auf den Dachboden gehen, deine alten Backups rausholen und ihnen auf einem unregistrierten alten Computer ohne Internetverbindung heimlich diesen Text vorlesen und ihnen aufrichtig versichern, dass viele Menschen ihn in unserer Zeit ebenfalls gelesen haben. Du wirst dir nichts vorzuwerfen haben. Du bist nicht diejenige, die in diesen Tagen alles falsch macht.

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  16. Danke!
    Für den Text und dafür, dass Du heute bei der Demo warst.
    Mir geht’s wie Dir. Ich weiß immer noch nicht, wen ich wählen soll, weil mich ähnliche Gedanken plagen. Und dann höre ich vorletzte Woche im Deutschlandfunk, dass die Hälfte der Wahlberechtigten unter 45 noch nicht mal mitbekommen hat, dass überhaupt gewählt wird und möchte heulend den Kopf gegen die Wand schlagen.

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