Ziemlich viel Herzblut in einem Karton

Man hat ja immer diese Vorsätze. Z.B. mal mit den Kindern was zu basteln oder noch besser: ein Experiment zu machen, bei dem die Kinder was lernen UND Spaß haben. Überraschungseiaktivitäten quasi – nur pädagogisch wertvoll. Der Fachbegriff dafür ist wohl Playducation (schön dass es für alles ein Wort gibt).

Wir besitzen eine halbe Schrillionen “Experimentieren mit Kindern”-Bücher. Nur leider haben wir selten Zeit oder es fehlt irgendein wichtiges Utensil, um das beschriebene Experiment zu machen. So geht’s uns jedenfalls spätestens seit ich wieder berufstätig bin und das Resultat ist: Die Bücher verstauben im Regal und wir Eltern hoffen inständig, dass die armen Kinder wenigstens im Kindergarten was vernünftiges machen.

Genau diese Lücke zwischen gutem Vorsatz und mangelnder Umsetzung schließt die Tollabox. Ich habe sie vor einigen Wochen geschenkt bekommen und bin ehrlich angetan. Ekstatisch quasi, wie Angela Merkel, wenn sie ihre Arme in die Luft wirft. In einer Tollabox sind zwei bis drei Experimente, eine Vorlesegeschichte und Elterntipps. In unserem Fall Riesenseifenblasen, ein Stimmungs-barometer und ein Erbsenkonstruktionsset. Die Vorlesegeschichte fand ich furchtbar. Kind 2.0 fand sie wahnsinnig “aufregend”, Kind 3.0 wollte immer wissen, warum der Tolla Pi keinen Lieblingssatz hat. Kind 3.0 fragt gerne die selbe Sache immer und immer wieder und so hörte ich am Vorleseabend gefühlte hundert Mal: “Warum sagt der nicksch, der Pi?”.

Als erstes haben wir das Stimmungsbaromter ausprobiert. Auf Holzklammern klebt man die Namen der Familienmitglieder und dorthinein klemmt man kleine Stimmungsbilder. Es gibt vorgefertigte und man kann eigene Stimmungen malen. Was mir dabei am meisten gefallen hat, war dass es genug Klammern für alle Familienmitglieder gab. Bei ähnlichen Sets waren bislang immer maximal zwei Kinder berücksichtigt. Drei oder sogar vier Kinder gibt es in der Welt der Hersteller nicht. Auf der Erklärung waren auch die Großeltern mit erwähnt. Wie schön, dass eine Familie so weit gefasst ist. Kind 3.0 hat einen eigenen Gemütszustand, der “döwe” lautet. Den konnten wir im Stimmungsbarometer festhalten.

Am darauffolgenden Wochenende haben wir die Riesenseifenblasen getestet und hatten ziemlich viel Spaß. Schon normale Seifenblasen setzen einen (egal ob man möchte oder nicht) in Verzücken. Die großen Seifenblasen versetzten uns in sowas wie Megaverzücken. Sie waren teilweise so groß wie die Kinder und nach einer Stunde war die Seifenlauge immer noch nicht aufgebraucht und die Kinder total fertig vom Seifenblasenfangen.

Das dritte Experiment ist etwas aufwändiger, da man die Erbsen einen Tag vorher einweichen muss, damit man sie mit Hilfe von Zahnstochern zu Skulpturen zusammenstecken kann. Zusätzlich gibt es Nährboden, so dass man zwei Erbsen einpflanzen kann. Sehr liebevoll fand ich die Idee gleich ein Paar Pflaster mit zum Zahnstochersteckspiel einzupacken.

Die Tollabox bietet genug Beschäftigung für einen Monat und hat uns sehr an die Experimente im Kindergarten von Kind 2.0 und 3.0 erinnert. Dazu muss man sagen, dass unsere Kinder in einem wirklich tollen Kindergarten sind, der auf einem hohen pädagogischen Niveau arbeitet. Der Kindergarten von Kind 1.0 war leider nicht so. Da gab es einen schönen Außenbereich und da waren die Kinder Sommer wie Winter unabhängig vom Alter. Die  Erzieherinnen haben sich hauptsächlich als Bewacherinnen wahrgenommen und sowas wie einen pädagogischen Auftrag hatten sie leider nicht. Als wir die Tollabox ausgepackt haben, hatten wir spontan die Idee, dass die Tollabox genau für solche Kindergärten großartig wäre. Ohne großen Aufwand könnten die Kindergärtnerinnen mit den Kindern kreative Sachen machen. Die beiliegenden Beschreibungszettel bieten den entsprechenden Hintergrund und erklären welchen Bereich die Experimente ansprechen und fördern. Das Ganze ist in einer wirklich ansprechenden Art gemacht – sowohl sprachlich als auch visuell.

Außerdem gibt es eine Kurzbeschreibung in der z.B. der Tollawabohu-Faktor bewertet wird, der ziemlich treffend beschreibt wie viel Chaos das Experiment ins Haus bringt. Es wird erläutert um was es geht und was dabei erforscht werden kann. Insgesamt gibt es neun Erfahrungsfelder (Ich, Wir, Hand, Umwelt, Musik, Körper, Bild, Wort, Zahlen-Smart), von denen die Experimente jeweils unterschiedliche Felder ansprechen. Wem die Informationen auf den Kurzbeschreibungen nicht genügen, der schaut sich die weiterführende Internetseite tollabox.de/forsche-weiter an, wo u.a. zum Thema passende Apps vorgestellt werden.

Uns hat die Tollabox wirklich sehr gut gefallen. Kind 2.0 sagte: “Das ist ja besser als ölfzig Euro!”. Ich werde sie ganz sicher mal gemeinsam mit anderen Eltern verschenken, wenn wir wieder vor der Frage stehen, was man denn schenken könnte. Gerade wenn man mehrere Kinder hat, häufen sich die Spielsachen. Ich finde es deswegen toll, Dinge zu verschenken, die sich verbrauchen.

Andererseits spricht mich an, dass die Macher der Tollabox z.B. die Box selbst nicht nur als Verpackung sondern als Spielzeug sehen. Die Box ist einerseits stapelbare Schublade und kann mit ein bißchen Kreativität auch anders eingesetzt und weiterverwendet werden. Bei uns ist sie ein Einhornbett geworden. Wir haben nämlich ziemlich viele Einhörner und nur wenige Einhornbetten.

 

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6 Kommentare, 5 Tweets, 25 Facebook Shares, 2 Plusones

  1. Anne sagt:

    Und wie ist man so, wenn man “döwe” ist?

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  2. dasnuf sagt:

    Doof und böse gleichzeitig. Allerdings ist das manchmal sowas wie “wahnsinnig super” und dann wieder “sehr schlecht”. Döwe sein scheint auf jeden Fall nicht einfach zu sein.

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  3. panalotta sagt:

    Na das ist doch mal ein hilfreicher Tipp. Besonders jetzt, wo die Geschenkezeit anfängt und ich mir angesichts des überquellenden Kinderzimmers eigentlich lieber Gedanken übers Wegschmeißen statt übers Anschaffen machen würde…

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  4. frauziefle sagt:

    Weihnachten ist gerettet. Und der K3-Geburtstag. Und der Adventskalender. Und sowieso.

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  5. DieStarke sagt:

    Vielen Dank für den tollen Tipp!
    Das merk ich mir gleich für Weihnachten. Ich kenne auch ein paar Kindsköpfe, denen das ohne Kinder Spaß machen würde.

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  6. Christiane sagt:

    Die Tollabox klingt klasse, darf ich denn zur allgemeinen Einordnung als Geschenkidee mal fragen wie alt Kind 1.0 und 3.0 sind?

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