Meine (etwas fruchtlose) Affäre mit Snapchat

Ich bin ja eigentlich sehr glücklich mit Twitter und auch schon total raus aus dem Alter, in dem ich mich immer fragen muss: „Gibts noch was besseres?“

Twitter und ich, das ist was für die Ewigkeit. Ob nun Sternchen oder Herzchen, ob mit oder ohne Gifs, ob ich Umfragen erstellen kann oder nicht. Is mir alles egal. Selbst die zunehmenden Werbetweets, ignoriere ich einfach standhaft. Ignorieren ist, manche Leserin mag das verwundern, eine meiner Kernkompetenzen.

Allerdings kommt man als Internetkranke (wie ich liebevoll von einigen Menschen genannt werde), kaum an Snapchat vorbei. Irgendwie ist das wahnsinnig groß und damit eben relevant und offenbar tummelt sich dort die Jugend (Wahrscheinlich genau die Jugend, die in Facebook vor der nervigen Elterngeneration geflohen ist).

Neben der Jugend ist Snapchat offenbar für den Journalismus als solches auch ein heißes Ding (Breitband Radiobeitrag).

Ach und ach, also musste ich mir dieses Snapchat doch mal anschauen, immerhin werden

„bei Snapchat […] pro Tag rund 700 Millionen Fotos gepostet und damit 10 mal mehr als bei Instagram. Ebenso generiert die App bereits jetzt schon ta?glich 6 Milliarden Videoaufrufe und damit fast so viele wie Facebook (8 Milliarden).“

und

„Snapchat ist mittlerweile 19 Milliarden US-Dollar wert und geho?rt zu den am schnellsten wachsenden sozialen Netzwerken unserer Zeit.“

Quelle: Philipp Steuer „Snap Me If You Can„, S. 5 und S. 17

Kapiert habe ich erstmal nichts. Ich kenne Leute, die sagen: Die Usability ist so unter aller Kanone, dass ich das deswegen nicht benutze.

Ich halte solche Aussagen für das „Mama will mit dem neumodischen Videorekorder nichts zu tun haben“-Phänomen meiner Kindheit. Wir 40jährigen werden einfach alt und sind vielleicht eine bestimmte Logik gewohnt, die bei Snapchat nicht eingehalten wird und schimpfen dann krückstockwedelnd dass die Plattform nichts taugt, weil wir nicht verstehen wie sie funktioniert.

Und ungewohnt ist es ja wirklich bei diesem Snapchat. Ohne Gebrauchsanweisung hab ich wirklich nicht viel mehr geschafft als die App zu öffnen.

Nach drei Wochen mache ich im Grunde zwei Dinge:

  • Mich staunend gemeinsam mit den Kindern über die Videofilter (eigentlich „Lenses“) schlapp lachen

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Kurzer Einschub hierzu: Für mich sind diese Filter ebenso faszinierend wie für Kind 3.0. Ich kann stundenlang vor meinem Telefon sitzen und mein Gesicht verziehen, weil ich nicht verstehen kann, wie das so gut funktioniert. Das ist für mich wie Zauberei.

  • Die (wie sagt man dazu eigentlich?) Snapchats anderer Leute anschauen

Was mich extrem irritiert ist, dass man nicht liken kann. Ich schaue mir also etwas an, das mir sehr gut gefällt und dann denke ich: Hm und nu? Wie sage ich dem- oder derjenigen, die das produziert hat, dass es mir Freude bereitet hat? Mit einer Bildantwort? Einem „Danke“ oder „haha“ im Chat?

Snapchat fühlt sich außerdem seltsam intim an. Fremden schreibe ich gar nichts (sehr im Gegensatz zu Twitter übrigens) und Menschen, die ich persönlich mittelgut kenne, schicke ich auch nichts, weil es sich so wie äh kleine Liebesbotschaften anfühlt? Schwer zu beschreiben, jedenfalls höchst inadäquat. Lediglich Menschen, denen ich ohnehin nahe stehe, kann ich einfach Snaps schicken. Aber auch da irritiert mich in ein schwarzes Loch zu kommunizieren, da oft einfach nichts zurück kommt.

Snapchat ist außerdem jedes Mal wieder eine Entscheidung. Es gibt keine Timeline in dem Sinne sondern man klickt jeden Beitrag, den man sehen will, bewusst an. Die Bewegungsrichtung ist eine andere. Bei Twitter und Facebook rauscht meine Timeline an mir vorbei. Bei Snapchat wende ich mich aktiv den einzelnen Nutzerinnen und Nutzern zu.

Wer sich wirklich einarbeiten möchte, dem empfehle ich „Snap Me If You Can“ von Philipp Steuer (den Tipp habe ich übrigens von @leitmedium). Dort ist das Thema wirklich sehr gut aufgearbeitet und man findet sogar „Snapchat Hacks“.

Meine Snapchatnutzung bleibt jetzt erstmal das Nutzen der Lenses, das Abspeichern der Fotos und das verschlüsselte Verschicken der Fotos an Freunde per iMessage oder Threema. Snapchat selbst bleibt mir suspekt.

Über Follower-Empfehlungen freue ich mich übrigens. Bislang blieb mir da der große AHA-Effekt aus.


 

Nachtrag: Wer wissen möchte, wie man an die viel zitierten Pimmelbildchen bei Snapchat kommt, liest bei dem Snapchat-Veteran (2013!!!1!) Heiko „Ich hab Snapatmung“ weiter.

46 Gedanken zu „Meine (etwas fruchtlose) Affäre mit Snapchat“

  1. ******************KOMMENTAROMAT**********************
    Hä?
    *****************/KOMMENTAROMAT**********************

    Ernsthaft, ich stehe mal wieder da und verstehe nichts. Gut, das geht mir ja schon mit Twitter und Facebook und überhaupt dem ganzen Social-Network-Kram so.

    … und Videorecorder? Teufelswerk, sag’ ich da nur, TEUFELSWERK!

  2. Pingback: Heiko Bielinski
  3. Bei mir hats auch ne kleine Weile gedauert, bis ich es begriffen habe, freue mich also, dass ich zu der exklusiven Gruppe der Erwachsenen gehoere, der es etwas schwer fiel, und freue mich, weil ich mit meinen 68 Jahren reingefunden habe. Und snapchatte mit meiner Enkelin, die 11 ist. Wenn es uns gelingt, meine Tochter dazu zu holen, die auch snappt, ich aber noch nicht gefunden habe, langt mir das ganze.
    Twitter laesst meine ganze Familie links liegen, also beteilige ich mich da auch nicht, es laesst mich kalt – ich kenne nur eine Person im Verwandten/Bekannten Kreis der ‚tweeted‘. Genug Kommunikation! FB, und Instagram langt. Ich denke, dass ich inzwischen zu der ‚alten‘ am Krueckstock gehenden Generation gehoere, von der vermutet wird, dass sie sich nicht im Internet zurecht findet. Kinners, ich bin seit 1995 drin. Und begeistert. Ja, und bezahle meine Rechnungen per Internet. Und buchte meinen letzten Urlaub im Internet…. oh, und habe meine gmail Adresse seit man noch eingeladen werden musste, ….noch mehr? Sagt bescheid. ;-)

  4. Ich bin ja sehr aufgeschlossen gegenüber jedem neuen Social-Media-Schiet.. aber auch da hakt es jetzt bei mir aus ? ich habs mir runtergeladen, angemeldet, nicht verstanden und gelöscht..

    Werde ich jetzt tatsächlich alt? Die 40 ist ja nicht mehr weit..Obwohl: Auch bei Twitter bin ich erst nach längerem durchgestartet.. dann muss ich vielleicht mal meine jugendlichen Cousinen anhauen ?

    LG Nicola

  5. Ich finde schon die Avatare häßlich und will nicht Arbeit (Filter?!) in was stecken, was „gleich“ wieder weg ist – und was Du schreibst, hört sich auch nicht danach an, als müßte ich Snapchat kennenlernen wollen… Krückstock? Rollator!

  6. Sehr interessant, vielen Dank. Ich bin eine von den krückstockwedelnden Uralten, die so gar kein Interesse daran haben. Ich finde auch die Fotos nicht so wahnsinnig toll. Weder witzig noch – äh – gut? Aber interessant finde ich Einblicke wie Deinen, was diese Jugend von heute so macht. :D

  7. Ich versuchs seit ein paar Tagen mit Snapchat und komme nicht klar. Und ich habe gerade mal die 30 passiert. Wie konnte das passieren?!?!

  8. Auszug aus Wikipedia Snapchat und die Datenschutzbestimmungen betreffend:

    Snapchat räumte sich das unwiderrufliche Recht ein, die auf den Servern des Unternehmens gespeicherten Bilder seiner Nutzer zu verwenden, zu bearbeiten und zu veröffentlichen. Mit einer Neufassung der Datenschutzrichtlinien des Dienstes vom November 2015 darf Snapchat auch Name, Bild und Stimme seiner Nutzer in sämtlichen Medien unbefristet verwenden. Bild und Stimme sollen dabei in den sogenannten „Live Stories“ verwendet werden dürfen. Eine Nutzung von Snapchat gilt als Einverständniserklärung zu diesen Geschäftsbedingungen.

  9. AHA! Wir sind also im Grunde einer Meinung. Du lässt Dich nur von einem zugekauften Filtereffekt blenden, den es auch einzeln als Apps (und bald in FB) gibt. :D

    Ich glaube auch nicht an „die alten kapieren neue GUI Konzepte nicht“. Denn Usability folgt gewissen Grundsätzen, so wie Lesbarkeit von Texten an die Fähigkeiten unserer Augen gekoppelt ist. Ganz leicht zu erkennen an Webseiten: Jede einzelne hat ja ein etwas anderes GUI-Konzept. Und wir wissen alle sehr sehr schnell, welche funktionieren und welche nicht. Spätestens Google Analytics zeigt uns das anhand der Absprungraten.

    Dass etwas aufgrund irgendwelcher Gründe dennoch Erfolg hat, mag sein, macht aber die GUI nicht besser (MySpace, anyone?). Das ist aber nur ein Hickup bis entweder das Redesign kommt – oder die Konkurrenz (MySpace, anyone?) …

    Kann man ja auch alles machen, wenn man Spaß dran hat. Aber da lerne ich eher GUI-Konzepte mit Stil. Ein Beispiel ist der Skype-Konkurrent WIRE: https://wire.com

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