Nachtrag zum Thema unterschiedliche Meinungen

Persönlich kann ich es ziemlich gut aushalten, dass es unterschiedliche Meinungen gibt [1]. Ich mag das Medium Blog tatsächlich auch, um die eigene Meinung einmal zu ordnen und dann „zu Papier“ zu bringen.

Wenn es dann unpöblige, sachliche Antworten gibt, hilft mir das, meinen eigenen Standpunkt zu prüfen und Achtung! zu überdenken.

In manchen Fällen ändere ich sogar meine Meinung.

Öffentlich einsehbares Paradebeispiel: meine Haltung zu Kinderfotos im Netz. Erst war ich völlig dagegen – dann habe ich Caspar Clemens Mieraus Artikel gelesen, der gute und wichtige Argumente bringt, die mir bis dahin entgangen waren. Die Argumente haben eine Zeit in mir gearbeitet und während ich dann den Vortrag für die denkst ausgearbeitet habe, hat sich plups 11 Monate später meine Meinung geändert.

Ich empfinde das als positiv und v.a. als Weiterentwicklung. Ich mag den Diskurs. Denn – auch wenn ich es gerne wäre – ich bin nicht allwissend, habe nie alle Fakten und Perspektiven im Blick und meine Gefühle sind manchmal einfach da ohne dass ich überhaupt weiß worauf genau sie fußen.

Ich habe das Gefühl, dass Meinungsänderungen nicht sehr populär sind. So wie es auch keine Kultur gibt, die es zulässt, dass man Fehler macht und daraus lernt.

Offenbar ist es besser eine Haltung auf Biegen und Brechen zu haben, die für alle Zeiten zu vertreten und alle anderen Auffassungen nicht gelten zu lassen. Die Meinung zu ändern (sich vielleicht im Extremfall sogar zu entschuldigen, weil man tatsächlich etwas falsch gemacht hat), wird einem als Charakterschwäche ausgelegt, als Instabilität, als Verweichlichung.

Damit man die eigenen Haltungen überhaupt überdenken kann, braucht es aber den Diskurs.

Doch konstruktiver Diskurs – am Ende vielleicht mit einer Art Comic Relief, weil man den nötigen Abstand zu sich selbst und der eigenen Haltung gewinnt und es schafft, sich über sich selbst lustig zu machen – ist jedoch ebenfalls höchst unerwünscht.

Ich beobachte in Netzdiskussionen meiner Elternfilterbubble sehr oft diesen Verlauf: Ich hab Meinung A! Ich hab Meinung B! Dritte Person: Jetzt hört sofort auf zu streiten! Jede/r soll machen was er will. Leben und leben lassen!

Wenn ich aber genau nachlese, dann erkenne ich oft gar keinen Streit, gar kein gegenseitiges Angehen und gar kein Runtermachen der anderen Position sondern lediglich ein sofortiges Zurruherufen.

Ich würde mich wirklich gerne mal reiben können, ohne dass die ungefragten Schlichter/innen kommen und beiden Parteien den Mund verbieten.

Wie gesagt: Ich kann andere Meinungen gut aushalten (solange sie sachlich vorgetragen werden) und ich kann gut hinhören. Tatsächlich liebe ich Blogs auch nach mehr als einem Jahrzehnt, weil sie mir immer wieder ein Tor zu einer anderen Welt öffnen.

Wie soll denn sonst Weiterentwicklung stattfinden?

Ich finde es schade, wenn man sich hinstellt und sagt: Das ist eben meine Meinung und so ist das und mir ist egal, was du sagst, weil das ist ja nicht meine Meinung.

Einmal durchatmen und die Argumente der Gegenseite kurz an sich rankommen lassen, würde vielleicht schon helfen für mehr Verständnis oder mehr Rücksichtnahme und zwar ohne dass man sein eigenes Verhalten komplett ändert oder die eigene Meinung um 180 Grad dreht.

Zuhören auch wenn es unbequem ist, das würde vielleicht in bestimmten Situationen Lösungsansätze schaffen, die man so nie gesehen hätte. Eventuell entstehen am Ende manchmal sogar Kompromisse, mit denen beide Seiten (besser) leben können.

Das geht natürlich nur, wenn man überhaupt bereit ist, seine Position zu verändern (und sei es nur um drei Millimeter). Das ist natürlich Arbeit. Bequemer ist es zu sagen: ich mache das schon immer so, warum soll ich das jemals ändern? Ich mache also mein Ding für immer weiter und du eben deins.

 


[1] Mittelteil Normalverteilung, Ränder rechts und links ausgeschlossen

P.S. Die Bemerkung, das Patriarchat reibe sich die Hände, wenn sich Mütter an bestimmten Themen reiben, geht für mich in die selbe Richtung… Mütter dürfen also untereinander keine Reibung haben, weil sie sonst dem Patriarchat zuspielen? Also sollen sie lieber ruhig sein, sich gegenseitig ignorieren und Harmonie vorgaukeln?

P.P.S. Ich meine keine bestimmte Person. Der Artikel versucht nur meine Beobachtungen der letzten Tage und das damit verbundene Gefühl zusammenzufassen – und da haben ziemlich viele, unterschiedliche Menschen was gesagt.

Autor: dasnuf

Aha! Google doch "dasnuf" Muhahahahaha!

122 Gedanken zu „Nachtrag zum Thema unterschiedliche Meinungen“

  1. Seit der Stempel „Hater“ inflationär auch da angewendet wird, wo man mit seiner anderen Meinung wagt, die Likes-Sammlung zu verunzieren, haben die Selbstdarstellungs-Poser halt ein perfektes Killerargument. Die wenigsten sind doch an einer Diskussion ihrer These interessiert, sondern sind nur noch süchtig nach Thumbups. Weil du anders bist, lese ich regelmäßig deinen Blog liebe Nuf ;-)

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  2. Im Prinzip ist es ja so,dass jeder,aus seiner Perspektive betrachtet,immer Recht hat.Deswegen gibt es eigentlich kein „richtig“ oder „falsch“ oder „Fehler“,für die man sich irgendwie schämen müsste.
    Wenn man irgendetwas nicht besser weiß,kann man nur auf eine bestimmte Weise handeln.Es sei denn,man macht neue Erfahrungen und lernt dazu.Dann ersetzt man im Idealfall das vorherige Verhalten und Denken durch ein Neues.
    Aber auch dann ist man wieder in derselben Situation.So geht das eben immer weiter…Das hat ja auch immer alles mit den Erfahrungen zu tun,die man gemacht hat und den Glaubenssätzen,die man so hat.
    Und dieses starre Festhalten an Gewohnheiten,und auch destruktive Verhaltensweisen, haben mit Angst und Unwissenheit zu tun und nicht zB damit,dass die Menschen,die da ganz extrem sind, irgendwie „böse“ sind oder so.So sehen das aber leider viele.
    Es ist immer einfacher,auf Dinge zurückzugreifen,die man kennt,weil wir dann wenigstens einigermaßen wissen,was auf uns zukommt.Das ist erstmal was ganz Normales.Es ist ja auch so,dass vieles von dem,was wir tun,zwanghaft und automatisch abläuft,weil dahinter irgendwelche Glaubenssätze von wer weiß wann stehen und denen man,wenn man sich ändern will,erstmal richtig auf den Grund gehen muss.Das geht halt auch alles nicht von heute auf morgen…
    Man kann außerdem auch niemanden zu einer Veränderung zwingen.Man kann sich immer nur selbst ändern.
    Das heißt natürlich nicht,dass man sich alles von anderen bieten lassen muss!
    Aber ich versuche andere Menschen immer zu verstehen,selbst wenn sie blöd zu mir sind…Das hilft mir selbst dann auch dabei,nicht alles so persönlich zu nehmen (weil es nämlich oft auch gar nicht so ist!!).
    Wir Menschen projizieren ja auch gerne auf andere…

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  3. Wirklich schöner Beitrag. Ist mir auch schon aufgefallen, dass es kaum mehr möglich ist sachlich mit verschiedenen Meinungen zu diskutieren.
    Leider ist es aber auch so, dass viele Menschen sich einfach sehr schnell angegriffen fühlen und dann beleidigend werden. Und wenn man dann sagt, das sei eben überhaupt nicht so gemeint gewesen wie verstanden, kommt auch noch der Vorwurf, das seien nur Ausreden.
    Wie soll man in solchen Situationen noch gut diskutieren können?

    Ich finde es besonders bei Themen interessant, bei denen ich noch keine bereits gefestigte Meinung habe, das ich aufgrund verschiedener Ansichten und Perspektiven mir viele besser auch eine eigene Meinung bilden kann, als wenn alle nur eine Meinung vertreten…

    Leider habe ich oft das Problem, dass von mir sachliche Kommentare zu bestimmten Themen als Angriffe aufgefasst werden, da ich tatsächlich rein sachlich formuliere und Emotionalität getrennt davon betrachte (bin Autistin).
    Viele empfinden dass dann als unhöflich, beleidigend oder gefühlskalt. Obwohl ich natürlich auch Gefühle habe, diese aber einfach nicht immer bei jedem Thema mit einbringen muss/kann.

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    1. @Miria: Ja,das Problem des „Sich-angegriffen-Fühlens“ wird immer schlimmer…Wie Du ja auch schon geschrieben hast,fühlen sich manche Menschen wegen jeder Kleinigkeit angegriffen.Dafür kannst Du aber nichts.Wenn Du weißt,dass Du es aber nicht so gemeint hast,dann reicht das!!Du musst anderen das nicht beweisen oder noch mit denen weiterdiskutieren
      Das hat alles mit unseren psychischen Abwehrmechanismen zu tun,die alles,was nicht ins eigene Weltbild passen,oft ausblenden und abwehren.Das ist bei jedem Menschen zu einem gewissen Grad so.Wenn andere sich das,was Du sagst,nicht anhören wollen,dann lass sie einfach.Ich würde mir das nicht weiter antun.Hat dann keinen Sinn…Da verschwendest Du nur Deine Energie

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  4. Was für ein schöner Beitrag! Ganz genau so fühle ich das auch. Ich suche ja seit Jahren nach einer Berechtigung zum Schreiben und endlich: da ist sie. Die ganze Zeit vor der Nase und doch hat man es nicht kapiert – Lust an der Reibung. Überprüfung der eigenen Gedanken. Und Weiterentwicklung.
    Danke!!!
    P.S.: Die meisten (Eltern-)Blogs lese ich regelmäßig, weil ich deren Standpunkte eben nicht mag/nachvollziehen kann/einfach nicht meins sind – schließlich will ich ja Reibung. Und etwas lernen. Am liebsten bei, mit und von Leuten, die sich trauen, Standpunkt zu beziehen und diesen auch belegen; Frau Finke, die Mieraus, etc. sind da immer wieder ein Genuss. Leute, die so denken wie man selbst findet man ja jederzeit an der nächsten Ecke.
    P.P.S.: Ein schöner Streit von Zeit zu Zeit ist manchmal auch ganz heilsam :)

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  5. Nie darüber nachgedacht dass sich ein ganzes Geschlecht, also 3.6 Mrd Menschen schwächt, nur weil man sich gegenseitig fertig macht.

    Es gibt täglich tausende von Beispielen wo das Männer öffentlich machen und das schwächt auch nicht.

    Zweite Sache: PolitikerInnen erlebe ich als nicht besonders lernfähig. Wer es ist, muss sich den Vorwurf der Unzuverlässigkeit oder Nicht,-Standfestigkeit oder OpportunistIn gefallen lasse. Wer nicht lernfähig ist wiederum Unflexibilität, Dummheit usw. Also wie Du es machst, isses falsch :) Aber mir ist die lernfähige Sorte lieber.

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  6. Ich würde mich wirklich gerne mal reiben können, ohne dass die ungefragten Schlichter/innen kommen und beiden Parteien den Mund verbieten.

    Oh ja. Das und dann noch eine eigene – lediglich andere – Meinung kommunizieren dürfen ohne gleich unterstellt zu bekommen, man würde streiten. Dann wäre eigentlich alles schick!

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  7. Ich frage mich schon seit einiger Zeit, was es sein könnte, das es schafft, dass sich andere bei abweichenden, aber sachlich formulierten Meinungen getriggert, persönlich angegriffen oder unter Druck gesetzt fühlen. Indes, ich komme zu keiner Erkenntnis… ich sehe das ganz leidenschaftslos wie bei dem Sprichwort:

    Allen Menschen recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann.

    LG
    Ulrike

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    1. Ganz einfach:das verletzte Ego…Das verhält sich nunmal so.Kennst Du den Film Eiskönigin?Da wird das sehr gut thematisiert.
      Die,die sich ständig angegriffen fühlen,sind mal sehr verletzt worden(vor allem als Kind).Und um diesen Schmerz nicht fühlen zu müssen,haben sie sich von sich selbst „getrennt“ und sich ein fiktives Selbst-und Weltbild zusammengebastelt,das natürlich überhaupt keine Substanz hat und deswegen durch jede Kleinigkeit zum Einstürzen gebracht werden kann.
      Ich kann mir nicht vorstellen,dass es jemanden gibt,der das nicht kennt.
      So funktioniert das Ego halt…Bei jedem!Das sichert unser Überleben,wenn wir ganz schutzlos sind.
      Aber man kann niemanden dazu zwingen,sich damit auseinanderzusetzen.Da kann sich eigentlich jeder nur selbst helfen!Natürlich kann man sich immer weiterentwickeln.Aber aus eigener Erfahrung kann ich sagen,dass die Auseinandersetzung mit dem „inneren Kind“ erstmal alles andere als angenehm ist.Und deswegen vermeiden das viele wohl auch..
      Aber schön ist dieser Zustand für die Betroffenen auch so nicht…

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  8. Das ist mir in letzter Zeit auch aufgefallen, dass konstruktive Diskussionen kaum mehr möglich sind. So à la:
    a) ich seh das so und so
    b) ich sehe das anders, weil….
    Nein, da fühlt sich entweder a) gleich unsägerlich angegriffen oder es kommt irgend ein c) daher und ruft dazu auf, nett zu sein.
    Einfach kontrovers zu diskutieren, um seine Argumentationsfähigkeit zu schärfen, verschiedene Blickwinkel einzunehmen, Teufels Advokatin zu spielen um eine mögliche Problemlösung auszuleuchten…. all das scheint z.Z. nicht sehr angesagt zu sein.
    Irgendwie schade. Ich habe die Abende an der Uni geliebt, wo man sich manchmal nächtelang bei billigem Rotwein verbal die Köpfe einschlug (nur verbal!), dabei aber immer beste Freunde blieb. Im Newsnet gabs das noch, aber im Internet kaum mehr. Dabei wäre doch so eine Diskussion wie die Adventskalendersache doch wunderbar bereichernd, wenn so viele Menschen so viele neue Aspekte und Perspektiven reinbringen. Was könnte man daran lernen und wachsen und seinen Horizont erweitern!
    P.S. Bei der Schreiberin „auf Zehenspitzen“ von weiter oben hat sich eine schöne Diskussion dazu entwickelt
    P.P.S. Ich bastle nicht gerne. Und ich nehme mir das Recht heraus, das öffentlich zu sagen. Genau so wie sich die bastelaffinen Mamas das Recht heraus nehmen, öffentlich über ihre Basteleinen zu berichten. So funktioniert Diskussion und so funktioniert Meinungsfreiheit.
    P.P.P.S. Wenn ich mich mit meinem Papa über ein politisches Thema anbrülle, versucht meine Mama auch immer, zu schlichten. Und gerät dabei mit erschreckender Regelmässigkeit zwischen die Fronten, weil sie die Schönheit eines pointierten Streitgesprächs einfach nie zu schätzen gelernt hat und nie verstanden hat, dass das Spass machen kann!

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  9. Ja. Diskurse sind (oft) super, spannend, bringen mich weiter. Mich interessiert tatsächlich häufig, wie andere dies&das tun, was sie darüber denken, auch wenn es kontrovers zugeht. Ich finds interessant, dass du die meisten Diskussionen in der Elternbubble eher als Meinungsaustausch siehst, der von ungefragten „Vertragt-euch-Ruferinnen“ gestört wird, wahrnimmst. Ich nehme das häufig anders wahr – aber eher nicht auf Blogs, sondern auf Twitter, wohin sich ja viele Diskussionen und Kommentare inzwischen verlagern und wo schneller aus der Hüfte hin- und hergeschossen wird und der Ton meiner Meinung nach manchmal sehr gehässig ist. Das Unbehagen schwelt bei mir schon recht lange und hat dafür gesorgt, dass meine Twitterpausen immer länger werden und ich oft einfach müde bin und keine Lust mehr habe. Und dann platzt mir, so wie gestern, ein etwas emotionaler „Leben und Leben lassen“-Rant raus. Jetzt kann ich natürlich mal meine Wahrnehmung überprüfen, werde ich auch tun. Die nächste Gelegenheit dazu kommt ja bestimmt.
    (uff, bin ziemlich alle grad. Aber irgendwas wollte ich noch dazu schreiben, es hat mich seit gestern dann doch auch bewegt.)

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  10. Hm. Das stimmt schon, allerdings ist die schriftliche Kommunikation oft schwierig, da viel interpretiert wird und nicht gleich durch Mimik, Gestik oder Erklärungen relativiert werden kann. Dadurch kann ein neutraler Austausch schnell hochkochen, vor allem, wenn sich weitere Leute einschalten. Man diskutiert eben doch weitgehend anonym, was viele auch verleitet, rabiater aufzutreten als sie es sich bei Podiumsdiskussionen, Gespräche im Bekanntenkreis oder sogar in der U-Bahn erlauben würden.

    Das „Einschreiten“ sehe ich daher als Versuch, solche Flächenbrände gar nicht erst aufkommen zu lassen.
    Das bedeutet natürlich, dass es gar nicht erst zu Diskussionen kommt, aber ich habe schon häufiger in Foren erlebt, wie aus einem harmlosen Anfang eine Explosion wurde, die immer Opfer forderte. Daher kann ich das auch verstehen.

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    1. Das mit der fehlenden Mimik z.B. kann ich bestätigen. Ich habe es auch schon erlebt, dass man in einem Whatsapp Chat schrieb und dann was total falsch verstanden wurde. Früher hat man mit der besten Freundin telefoniert, wenn die gerade nicht in der Nähe war. Internet ist einerseits nett, um sich mit Leuten auszutauschen und Nettigkeiten zu verbreiten aber es birgt auch viele Gefahren.

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  11. danke, ich finde auch, dass diskurs und reiben und dings alles sehr wichtig ist. wirklich. ein bisschen fühle ich mich von dem patriarchats-ps angesprochen, weil ich selbst zu einer ähnlichen schlussfolgerung gekommen bin (nicht persönlich, aber im weiteren sinn… und auch, weil ich fürs meinungändern bin und offen sein will). ich habe das jedoch eher als korrektur des im rahmen dieser debatte sooft angerufenen „das private ist politisch“ verstanden, das – wenn es wirklich ernst genommen werden soll – größer gedacht werden sollte … und diese verweise habe ich ein bisschen vermisst. ich fand den ursprünglichen rotwein-text sehr amüsant und hätte ihn auch eher als literarischen text als diskussionsanlass gesehen. gerade das ist ja das unglaublich spannende an der auseinandersetzung jetzt. insgesamt entspinnt sich ja ob der vielen unterschiedlichen meinungen ein sehr sehr interessanter diskurs, zumindest das bisschen, das ich verfolge ist sehr spannend – und ja, teil davon ist halt der hinweis aufs vertragen oder der aufs patriarchat. lg unbekannterweise

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    1. (sehr lustig, dass du zeitgleich mit jemanden kommentiert hast, der auch etwas zum Patriarchat gesagt hat – es kam tatsächlich von mehreren Ecken und ja, es sollte größer gedacht werden. Das wollte ich gestern mit meinem Artikel zumindest anreißen…)

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  12. Ich finde es gut, darüber zu diskutieren oder zu streiten, wie man sein Leben mit Kindern gestaltet.

    Mein Tweet, auf den sich deine Fußnote wahrscheinlich bezieht (‚“Ja, findet endlich mal raus, wer von euch die bessere Mutter ist“, sagte das Patriarchat und machte sich ein Bier auf.‘) war hoffnungslos überspitzt. Aber er richtete sich auch nicht gegen Streit zwischen Müttern generell, sondern wenn es in die Richtung geht, „richtige, gute“ von „schlechten“ Müttern zu unterscheiden. Viele Reaktionen z. B. auf das Adventskalenderthema gingen gleich in die Richtung, ob man jetzt etwa eine schlechte Mutter sei, wenn man einen kaufe. Wenn Alltagsfragen derart moralisch aufgeladen und mit der gesellschaftlich zugewiesenen Geschlechterrolle verknüpft werden, frage ich mich schon, wie es kommt, dass man kaum Männer sieht, die sich in ähnlicher Weise verteidigen (oder verteidigen sollen). Das war der Gedanke hinter dem Tweet, nicht dass Mütter – aus welchen Gründen auch immer – nicht streiten sollten.

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    1. Siehe mein Kommentar zu aufZehenspitzen. Die Patriarchatsanmerkung kam von mehreren…
      und was das „schlechte Mutter“ Ding angeht… ich hab gestern danach gesucht: ich habe keinen Fall einer bastelnden Mutter gefunden, die einer kaufenden Mutter vorwirft, eine schlechte Mutter zu sein. Das einzige, das ich fand waren kaufende Mütter, die sich selbst als Rabenmütter betitelt haben.

      Mal abgesehen davon – ich wollte jetzt auch gar nicht wieder von der Kalendersache anfangen, das ist nur ein Beispiel von vielen Diskussionen.

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  13. Das geht mir ganz ähnlich – ich schreibe ja speziell in der Rubrik „Standpunkt“ immer sehr pointierte Beiträge. Und dann kommt natürlich auch viel Gegenrede. Aber solange die Einwände freundlich bis neutral vorgetragen sind, nehme ich sie ernst.
    Und es kommt tatsächlich auch vor, dass ich meine Meinung ändere. Der „Standpunkt“ ist ein super Instrument, um die Standfestigkeit der eigenen Argumente und Urteile zu überprüfen. Ich freue mich immer aufrichtig, wenn ich dadurch etwas dazulerne.

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  14. Ich hasse nichts mehr, als wenn mir jemand den Mund verbietet. Mir sind die ewigen Schlichter auch zuwider. Wie sollen wir weiterkommen, wenn wir immer derselben Meinung sind ? Deshalb lese ich Deinen Blog. Ich bin ein Mann, habe keine Kinder und kann Emanzen nicht ausstehen. Dein Blog ist also wie für mich gemacht. Er öffnet mir eine andere Welt, genau wie der von Christine Finke.

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    1. Ich stoße mich etwas an dem Wort Emanze. Aber ansonsten: Es freut mich, wenn du gerne hier liest und in einem Zug mit Christine genannt zu werden, ist für mich ein schönes Kompliment.

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  15. Da traue ich mich ja gar nicht zu schreiben, dass ich das, was Du schreibst, richtig gut finde. Irgendwie scheint die Fähigkeit, konstruktiv zu diskutieren, in letzter Zeit immer mehr verloren zu gehen (ja, ja, früher war alles besser). Entweder werden einfach nur Meinungen aneinander geknallt, ohne jede Möglichkeit aufeinander einzugehen. Oder es heißt gleich, sobald eine Seite die andere Meinung überhaupt erst einmal akzeptiert und wirken lässt: „Siehste, da hab ich doch recht gehabt!“

    Bei Deinem PS kam ich allerdings leicht ins Schwanken. Denn ich halte es tatsächlich für sehr kontraproduktiv, wenn Frauen immer wieder aufeinander losgehen und sich gegenseitig fertig machen. Da braucht es wirklich keine fiesen Patriarchen und Machos mehr, um Frauen klein zu halten. Aber das ist natürlich etwas anderes als sich aneinander zu reiben und sich mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen. Das wiederum trägt tatsächlich zur Stärkung der Frauen, der Mütter, der Anti-Patriachats-Bewegung bei. Und so meintest Du das ja vermutlich. Also bin ich doch wieder Deiner Meinung. Mmh.

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    1. Ja, ich meine wirklich nur das sachlich-konstruktive. Sich gegenseitig anzugreifen und fertig zu machen, bringt natürlich nichts. Da kann dann auch gerne zur Ruhe gerufen werden.
      Mein Eindruck ist eher, dass schon 100 Stufen früher, wenn es eigentlich nur ein Austausch ist, schon zur Ruhe gerufen wird.

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