2016

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Ich bewundere ja diese Menschen, die sich Dinge aufschreiben, die Listen führen und alles erfassen. Wenn man irgendwann alt ist, dann ist das bestimmt wunderbar. Ich merke immer wieder wie viel ich vergesse und wenn ich dann Fotos sehe oder Texte lese, dann frage ich mich, wie ich das alles vergessen konnte und bedauere sehr, so nachlässig in der Dokumentation zu sein.

Ich finde ja, wenigstens Netflix und Co. könnten am Ende des Jahres eine schöne Statistik zusammenstellen. „Sie haben 273 Stunden Serien geschaut. Folgende Serien waren das: …“ Aber nein! Alles muss man sich selbst merken.

Aber zurück zum eigentlichen. 2016 war ein Jahr mit vielen Auf und Abs. Für mich ist das ganz neu: Gefühle. Den janzen Tag! Für meine Kinder hatte ich schon immer große Gefühle, doof finden konnte ich auch immer ziemlich viel, aber Nuancen das ist neu!

Wobei, ich bin immer noch ein ein bisschen aus dem Takt geratener Roboter. Früher war alles schön 0 oder 1. SUPERTOLL! oder eben TOTAL DOOF! HUNGER! oder PAPPSATT! AUF JEDEN FALL! oder NIEMALS! AN oder AUS.

Jetzt gibt es gelegentlich Abstufungen. Wobei mir das immer noch sehr schwer fällt.

Was gab es aber an großen Veränderungen?

Die großen Kinder

Eine irrsinnige Veränderung ist die Selbständigkeit der Kinder. Ich kann es manchmal gar nicht glauben, was alles plötzlich ohne mich geht und ich muss mich zusammenreißen nicht wimmernd hinter den Kindern herzuschleichen – weil früher! früher hab ich das doch alles (mit)gemacht.

Jetzt kann ich auch mal länger arbeiten, die Kinder bringen sich selbst nach Hause und manchmal komme ich in die Wohnung und muss in den Kalender schauen, wo die Kinder eigentlich sind.

Sie haben eigene Interessen und Freunde und bewegen sich frei im Kiez. Manchmal finde ich einen Zettel. „Mama, ich bin bei Paula. Zum Abendessen bin ich zurück.“

Sie machen ihre Hausaufgaben, geben Infozettel aus der Schule ab und verpacken die Geschenke für die Kindergeburtstage, bei denen sie eingeladen sind, selbst.

Oft helfen sie freiwillig im Haushalt, oft nur unter Protest, aber ich arbeite daran, das auszuhalten. Wäsche sortieren, Wäsche auf- und abhängen, manchmal zusammenlegen, wegräumen, Tisch decken, abdecken, Spülmaschine ein- und ausräumen, beim Kochen helfen, Tee und Kaffee machen, staubsaugen, darf ich bitte bitte bügeln?

Ich bestehe darauf, dass wir ein Team sind. All diese Aufgaben machen nur mäßig Spaß, jeder muss altersgemäß mitanpacken.

Das Durch- und „Ausschlafen“

Ich hab es nicht für möglich gehalten, aber es ist tatsächlich so, dass die Kinder irgendwann einfach von abends bis morgens schlafen und der Erwachsenenschlaf sich erholt.

Alles ist so wie früher. Abends die Augen schließen, morgens wieder öffnen. Sieben Stunden am Stück geschlafen. Verrückt.

Im Februar haben wir Winterurlaub gemacht. Da hat der bis dahin größtenteils kinderfrei lebende Freund zu den Kindern gesagt: „Ihr lasst uns bitte bis halb zehn schlafen, ja?“

Trocken gelacht habe ich da (Unwissender!) und mit den Augen gerollt (als wenn die Kinder auf sowas hören!).

Was soll ich sagen: Seitdem schlafen* wir Erwachsenen am Wochenende und im Urlaub bis 9.30 Uhr.

Irre.

Winterurlaub

Da haben wir auch angefangen Gesellschaftsspiele zu spielen. Sowas wie Robo Rally [Werbelink] oder Rage [Werbelink].

GROSSARTIG! Spiele spielen, bei denen man nicht immer gegen Kinder verliert (Memory) oder sich zu Tode langweilt (Socken zocken und ähnliche Spiele).

Das ist so großartig, dass wir regelmäßig einen Spielenachmittag machen (Nur Monopoly bleibt verboten)

(Wer Spieletipps hat, immer her damit!)

Apropos Urlaub

Ich habe geschafft 2016 meinen Geiz zu reduzieren. Es muss jetzt nicht immer das billigste vom billigen sein. Zur Entspannung gehen wir manchmal Pizza essen oder fahren ein Wochenende irgendwo hin. Wenn die Ferienwohnung 10 Euro am Tag mehr kostet, weil sie eine Spülmaschine hat… ich kann es aushalten.

Das tut uns allen gut. Dafür werde ich wahrscheinlich niemals meine Küche renovieren oder mir ein neues Sofa kaufen oder einen Fernseher – aber ich denke, damit lässt sich ganz gut leben.

Mein Buch

Ja, mein Buch. Es bereitet mir immer noch Freude. Ich bekomme oft wunderbare Emails, die darüber berichten wie Elternpaare sich Kapitel gegenseitig vorlesen und sich dabei schlapp lachen und darüber manchmal vergessen, dass so ein Leben mit Kindern doch auch anstrengend sein kann.

Da geht mir wirklich das Herz auf.

Toll waren auch die Lesungen in Hannover und in Stuttgart und die anschließenden Gespräche und Signierstunden, in denen ich mir vorkomme wie ein Weltstar, weil ich meinen Namen in mein Buch schreiben darf.

Kinderfrei

Ich hatte viel kinderfrei. Zum einen natürlich aufgrund der Trennung und der damit verbundenen Zeiten, die die Kinder beim Vater verbringen, zum anderen aber auch weil die Kinder auf Klassenfahrten sind oder bei Freundinnen und Freunden übernachten. Ja, sie sind sogar so alt, dass man sie mit diesem Bahnbegleitservice quer durch Deutschland zu Verwandten reisen lassen kann.

Ich denke oft, wenn ich mit dem Kinderhaben nochmal neu anfinge, dann würde ich auch mit dem Kinderfreihaben früher anfangen. Das hilft bei so vielem.

Tatsächlich weiß ich nicht, ob ich das wirklich könnte. V.a. im Baby- und Kleinkindalter fiel es mir sehr, sehr schwer von meinen Kindern getrennt zu sein.

Selbst für einen Abend im Kino oder ein Essen mit einer Freundin. Richtig frei und wohl hab ich mich nie gefühlt.

Ich weiß nicht, wie die Faktoren sind, damit man sich gut fühlt als Mutter ohne seine Kinder zu sein. Vermutlich ist es einfacher, je größer sie sind und je mehr man der Person vertraut, bei der die Kinder sind.

Vielleicht ist es die ersten Jahre auch anders, wenn man Familie in der Nähe hat und die Kinder dort abgibt. Ich weiß es nicht genau.

Ich hab tatsächlich fast zwei Jahre gebraucht, um mich daran zu gewöhnen. Ja, vielleicht muss man es wirklich trainieren. Denn jetzt ist es fantastisch und ich fühle mich, während ich diese Zeilen schreibe nur noch ein bisschen wie eine Rabenmutter. Weil darf man überhaupt sagen, dass man auch Zeiten ohne Kinder schön findet?

Am Anfang habe ich die Zeit genutzt und bin wie irre ins Kino, in Lesungen, ins Theater und in Ausstellungen gegangen.

Nachdem diese Bedürfnisse gestillt waren, nutze ich die Zeit v.a. zum abhängen, basteln (!) und Podcasts hören. Manchmal nehme ich mir auch irrsinnige Koch- oder Backprojekte vor oder ich schaue Serien bis mir der Kopf brummt.

Zu meinem großen Erstaunen habe ich auch die Langweile für mich wiederentdeckt.

Der Tod

Es gibt wirklich dieses Alter in dem sich Todesfälle plötzlich häufen. Das ist sehr grausam – zumal der Tod in unserer Gesellschaft keinen festen Platz hat. Wenn er dann kommt, dann wirft er einen total aus der Bahn.

Den Tod meiner Freundin 2014 habe ich immer noch nicht verwunden. Sie ist jeden Tag bei mir. Im Milchschäumer, in der Farbe Gelb, in einem Zucchiniröllchen, in der Karl-Marx-Allee.

In meinem Mailfach ist die Vergangenheit konserviert. Immer wieder stoße ich auf Zeilen, die Menschen verfasst haben, die es nicht mehr gibt. Das tut sehr weh, denn sie fehlen.

Auch dieses Jahr ist eine Freundin völlig unerwartet gestorben. Die Beerdigung war einer der traurigsten und gleichzeitig erwärmendsten Tage meines Lebens. Mir ist klar geworden, dass die Liebe, die ein Mensch gegeben hat, in denen bleibt, die noch hier sind und dass sie weiter strahlt. Das ist so wahr wie es vielleicht kitschig klingt.

Ich hoffe, dass der Tod mich achtsamer und behutsamer macht und mich lehrt zu schätzen, was ich habe und das ist sehr, sehr viel.

Tatsächlich hilft mir die Erfahrung des Verlusts mir klarer zu werden, wer oder was mir gut tut und lässt mich erkennen, wie ich anderen gut tun kann und es fällt mir leichter mich von dem zu entledigen, das nur Energie absaugt.

Ich bin dankbar für meine fabelhaften Kinder, für meinen Partner (<3) und für meine Freundinnen und Freunde, von denen es nicht viele gibt, aber die wenigen, die bedeuten mir sehr, sehr viel.

2016 insgesamt

Alles in allem gefällt mir mein Leben im Moment gut.

40+ zu sein habe ich mir eingeengter und ernsthafter vorgestellt.

Ich frage mich, ob andere auch so leben in meinem Alter? Ob sie ihre Kleidung auch kaum bügeln, Fertigpizza aufbacken, wenn sie zu müde zum Kochen sind und sich mit großer Freude statt der Tagesschau Studio Ghibli Filme anschauen.

Wahrscheinlich ist das aber auch egal. Denn es soll ja jede so machen, wie es sie glücklich macht.


*Ich schlafe nie bis 9.30 Uhr. Das geht überhaupt nicht. Mein ganzes Leben ging das nicht. Aber ich schlafe bis 8 Uhr und dann lese ich und trinke Kaffee im Bett. Das ist super!

[Werbung] Geschenke in letzter Minute: der Berliner Familienpass 2017

FamilienPass Berlin 2017


Ich weiß es genau: ihr sitzt schon vorm Kamin, die Füße gemütlich abgelegt. Neben euch der geschmückte Baum unter dem schon alle Geschenke liegen. Hübsch verpackt versteht sich.

Ihr schlürft einen Kakao mit Sahne und denkt an all die armen Menschen wie mich, die zwei Tage vor Weihnachten immer noch nicht alle Geschenke zusammen haben und deswegen um 6 Uhr morgens schweißgebadet aufwachen – denn wir wissen: wir müssen heute noch in ein Einkaufszentrum…

Richtig stressig wird es allerdings wenn man vorher noch gar nicht weiß, was man überhaupt kaufen will und deswegen, nett wie ich bin, habe ich einen schönen Last Minute Geschenktipp für Familien in Berlin: den neuen FamilienPass

Und das Beste – um den für 6 Euro zu kaufen, müsst ihr nicht mal in ein Einkaufszentrum \o/

Wo gibt es den FamilienPass?

In vielen Bürgerämtern und Bibliotheken, sowie bei Karstadt sports und Getränke Hoffmann und im FEZ. Hier die genaue Liste der Verkaufsstellen.

(Online auch, aber das ist zu knapp für den 24.12.)

Was ist der FamilienPass?

Der FamilienPass ist ein Couponheft mit 300 Preisvorteilen sowie 200 Verlosungen. Ich nutze ihn selbst seit vielen Jahren und kann sagen: wenn man zwei Angebote nutzt, hat man schon gespart.

Es gibt u.a. Ermäßigungen für:

  • Schlittschuh laufen
  • Kart fahren
  • Lasertag spielen
  • klettern
  • diverse Kinos
  • zahlreiche Museen
  • Zoo und Tierpark
  • viele Theater
  • die Berliner Bäder-Betriebe
  • (!) 5 Euro Ermäßigung auf den Bibliotheksausweis

Ich kann nur empfehlen, dass man wirklich jedes Mal, wenn man mit Kindern in Berlin etwas unternehmen will, vorher rein schaut. Ich vergesse es manchmal und ärgere mich dann, weil es eigentlich eine Ermäßigung gegeben hätte.

Was ist 2017 neu?

Wie jedes Jahr sind einige Attraktionen neu dazu gekommen, so z.B. das Zeiss-Großplanetarium, der Trampolinpark JUMP BERLIN und der Baumkronenpfad Beelitz-Heilstätten.

Neu ist auch, dass der FamilienPass viele Angebote für Familien mit Kleinkindern mitaufgenommen hat. Hierfür wurde die Rubrik Familienleben erweitert. Neu im Programm sind z.B. mehrere kinderfreundliche Cafés, Eltern-Kind-Kurse für werdende Mütter bzw. Mütter und Väter mit Kleinkindern oder Kurse für Kinder ab 3 Jahren.

Nicht neu, aber dennoch erwähnenswert: Der FamilienPass bietet Familien mit geringem Einkommen Extra-Angebote zur Unterstützung der Mobilität mit der BVG und Extra-Verlosungen.

Was mir sonst noch gefällt

Unter Familie wird hier jede mögliche Eltern/Kind oder Großeltern/Enkelkind Konstellation gesehen.

Wie lange ist der FamilenPass gültig?

Der Familienpass gilt vom 1.1. bis zum 31.12.2017

Zur Erinnerung

Wenn man dem JugendKulturService auf facebook folgt, dann findet man dort oft kurzfristig Nachrückplätze für die Verlosungen.


Natürlich ist der FamilienPass nicht nur zu Verschenken. Ihr könnt ihn auch selbst nutzen. Deswegen verlose ich drei Exemplare.

Damit ihr an der Januar Verlosung teilnehmen könnt, schicke ich euch – sofern ihr zu den Gewinnerinnen gehört, den FamilienPass Code vorab. Der Pass mit den Coupons folgt dann auf dem Postweg.

Verlosung
  • verlost wird drei Mal ein Exemplar des Berliner FamilienPasses.
  • die Pässe werden verlost unter allen Kommentaren unter diesem Blogpost
  • mitmachen können alle volljährigen natürlichen Personen
  • die Verlosung läuft bis zum 23. Dezember um 23.59 Uhr
  • die Gewinner:innen werden ausgelost und per Mail benachrichtigt
  • der Rechtsweg ist ausgeschlossen
  • eine Barauszahlung des Gewinns ist ausgeschlossen
  • erhalte ich innerhalb einer Woche keine Rückmeldung auf die Gewinnbenachrichtigung, verfällt der Gewinn

-> Mehr Infos zum FamilienPass

Dunkelziffer der Lesesüchtigen unbekannt

Pixabay @unsplash

Ich bin in einem Dorf groß geworden. Immerhin hatte dieses Dorf eine Bibliothek. Entdeckt habe ich die Bibliothek irgendwann in der Grundschule. Mit dem Wechsel ins Gymnasium hatte ich alle verfügbaren Kinderbücher gelesen.

Damals hat man die ausgeliehenen Bücher noch von Hand in seinem Ausweisbüchlein eingetragen.

Ich erinnere mich, wie ich stundenlang die Regale absuchte, Titel scannte, einzelne Bücher rausnahm, die Inhaltsangabe durchlas und mir nach und nach einen Stapel zusammensuchte.

Dann nahm man die Leihkärtchen aus den Büchern und ging mit seinem Ausleihblock an die Theke.

Immer wenn dieser Block voll war, war ich sehr, sehr stolz.

Nach einigen Jahren hatte ich alle Bücher gelesen, die mich interessierten. Ich las dann aus Langeweile auch die, die mich eigentlich nicht interessierten. Sehr selten, gab es mal ein neues Buch – aber das war die absolute Ausnahme.

Irgendwann in den Sommerferien in Italien lernte ich Kinder aus der Nachbarstadt kennen. Die berichteten von ihrer Bibliothek. Ich merkte mir den Namen und schaute, nachdem wir wieder Zuhause waren, die Adresse im Telefonbuch nach. Dann suchte ich die Adresse auf dem Stadtplan, den meine Eltern im Auto liegen hatten.

Am nächsten Wochenende fuhr ich mit dem Bus in die Stadt und lief dann zur Bibliothek. (Um ins Gymnasium zu kommen, musste ich ohnehin schon Bus in die Stadt fahren. Die Abfahrtszeiten am Wochenende sind nach wie vor abenteuerlich. Ein Bus fährt am Vormittag, einer am frühen Nachmittag).

Ich hatte Glück, ich war früh genug losgefahren! Die Bibliothek war geöffnet. Nach Öffnungszeiten hatte ich nämlich gar nicht geschaut – und tatsächlich schloss sie samstags um 14 Uhr, wie eben alle Geschäfte früher an Samstagen.

Ich erinnere mich an den beeindruckend großen Eingangsbereich, an meine Aufregung und an meine völlige Desorientierung, weil es in alle Richtungen Abteilungen hab, in denen bis (für mich) in unerreichbaren Höhen Bücher standen.

Wie ich es von der Bibliothek meines Dorfs gewohnt war, stapelte ich Bücher und Kassetten (! sie hatten auch Kassetten!!!) und lief zur Ausleihe, um dort zu erfahren, dass ich ohne die Zustimmung meiner Eltern keinen Ausweis bekäme.

Schweren Herzens liess ich meine Auswahl zurück und fuhr aufgebracht nach Hause. Ich war ja wohl schon alt genug, um selbst zu entscheiden, ob ich einen Bibliotheksausweis haben konnte oder nicht!

Bücher waren lange, lange Zeit eine wichtige Freizeitbeschäftigung für mich. Besonders Fantasy Literatur und Science Fiction fand ich faszinierend und ich erinnere mich wie ich mich abends und am Wochenende müde las, mit dem Buch einschlief und dann im Traum den Inhalt weiterträumte.

Die gräßlich langen Sommerferien hätte ich ohne Bücher nicht überstanden.

In der Zwischenzeit lese ich kaum noch Bücher und ich finde es deswegen doch etwas erstaunlich, dass meine Kinder ebenfalls Lesewürmer geworden sind.

Am ausgeprägtesten ist es beim 2. Kind. Das liest quasi immer. IMMER.

„Mama, kannst du mich morgens früher wecken, damit ich lesen kann?“

„Nein, Kind 2.0, wir stehen alle um 6.15 Uhr auf, noch früher aufstehen möchte ich nicht.“

„Mama, kann ich abends länger wachbleiben, um zu lesen?“

„Eine halbe Stunde, dafür bist du jetzt alt genug, aber wirklich nicht mehr. Du brauchst deinen Schlaf!“

„Mama, kannst du mir meine Bücher mitbringen?“

„Mama, kann ich in die Bibliothek?“

„Mama, kann ich die Bücher mit in die Schule nehmen?“

Es liest beim Laufen, es liest in den Pausen, es kommt von der Schule nach Hause, vergisst Hausaufgaben, liest und liest.

Selbst die Anschaffung eines Smartphones hat nicht geholfen. Dieses Kind, es ist SÜCHTIG!

Ehrlich gesagt, weiß ich auch gar nicht mehr, wie das Kind genau aussieht, es hält sich ja immer Bücher vors Gesicht.

Im Urlaub, habe ich ihm Nachrichten und Fotos geschickt, aber das Kind hat sie alle nicht gelesen. Was macht man da als Mutter? Muss ich schimpfen, dass es nie auf das Smartphone schaut? Kann ich fordern, dass es mindestens einmal am Tag auf das Gerät schaut?

Abends will es am Vorlese- und Singritual nicht mehr teilnehmen. Es will selbst lesen. Erst alle Ella Bücher, dann alle Kiki Bücher, dann 264 Pferdebücher, dann ??? Kids und jetzt diese Cat Warrior Bücher.

Wenn es spricht, dann verstehe ich nicht viel. Flußclankatzen? Die Knochen der Vorfahren um den Hals tragen? Hundemeute? Wasser? Da! Loch! (Das Kind lacht).

Allerdings – eine gute Sache hat diese Marotte – ich bin die liebste Mama der Welt. Ich hab dem Kind nämlich gezeigt, wie man sich eBooks in der Bibliothek leiht. Zum Beispiel abends um 20 Uhr, wenn man den einen Band gerade fertig gelesen hat, der einen fiesen Cliffhanger hat und man UN-BE-DINGT weiter lesen möchte.

Das ist schon sehr, sehr toll.

(Ein bisschen schade ist nur, dass man geliehene eBooks nicht zurück buchen kann. Ist die Ausleihzeit einmal festgelegt, ist das Buch erst nach Ablauf dieser Frist wieder ausleihbar.)

Dennoch. Mir hätte das auch gefallen. Vor allem dann, wenn man nicht stöbern will, sondern einfach den nächsten Band verschlingen möchte.

Wie Kind 2.0 sagt: Bibliotheken sind Netflix für Buchstaben. Man kann einfach weiter und weiter und weiter lesen und am nächsten Tag sehr unausgeschlafen sein.

Und hat’s mir geschadet?*


*Bitte antworten Sie nicht.

[Verlosung] BOOMblogs Adventskalender – Türchen Nummer 12

BOOMblog AdventskalenderHalbzeit auf dem Weg nach Weihnachten – bestimmt seid ihr schon über den BOOMblog Adventskalender gestolpert? Bis zum 24. Dezember wird täglich von einem Mitglied des BOOMblogs Family & Lifestyle Blogger Netzwerkes einen Preis unter seinen/ihren Leser:innen verlost.

Jedenfalls freue ich mich Türchen Nummer 12 zu sein und damit diesen schönen Gewinn verlosen zu können:

LEGO Technic Schwerlasthubschrauber

LEGO Technic Schwerlasthubschrauber

Das Set Schwerlasthubschrauber ermöglicht zwei Varianten des Aufbaus. Mir hat das etwas bulligere Tandemrotor-Hubschrauber-Modell besser gefallen. Deswegen habe ich das zuerst gebaut.

Drei Abende hat mich das beschäftigt. Jetzt ist der Nagellack abgesplittert und die Fingerkuppen schmerzen ein bisschen. Bei Schritt zweihundertirgendwas habe ich nämlich einen Fehler entdeckt und den zweiten Rotor nicht einsetzen können.

Also eine Nacht darüber geschlafen, die Hälfte wieder rückgebaut und am letzten Abend den Hubschrauber fertig gebaut. Und dann der große A-Team-Moment: Motor anschalten – alle Zahnrädchen rotieren, greifen ineinander und die Seilwinde entwindet sich. YEAH! Großartiges Gefühl.

Was aber mit den Rotoren? Am Motorelement hin- und hergeschaltet. Erfolglos. Nervenzusammenbruch. Tief durchgeatmet. Bauanleitung nochmal durchgelesen und siehe da: Es gibt auf der Unterseite des Hubschraubers einen Schalter (jaha! Den hab ich gebaut ohne es zu merken!), der es möglich macht von Seilwinde auf Rotoren umzustellen und tataaaaa – es geht.

Im Geiste schiebe ich mir eine Zigarre zwischen die Zähne, grinse wie Hannibal und sage mit sonorer Stimme: „I love it when a plan comes together.“

Und falls ihr dieses Gefühl auch haben wollt, dann habe ich jetzt eine frohe Botschaft: Ich verlose ein Set dieses sensationelle Teils (Seilwinde! Rotoren! Schiebetüren, Heckklappe!).

Der LEGO Technic Schwerlasthubschrauber (oder wie Kind 3.0 ihn nennt „COOOOOOOOOOL!!1!“) hat 1.042 Teile.

Wie gesagt, ich fand den Aufbau etwas anspruchsvoller, weswegen der Hubschrauber eher für die Altersgruppe 10 aufwärts ist. Was ja aber auch ein bisschen heisst, dass er durchaus für Erwachsene geeignet ist (ich sehe schon wie der/die Gewinner:in das Paket an den Kindern vorbei schmuggelt und abends heimlich selbst aufbaut…).

Tandemrotor-Hubschrauber von LEGO Technic

Der LEGO Technic Schwerlasthubschrauber ist ein komplexes 2-in-1 Modell und besticht mit zahlreichen technischen Details und Funktionen. Dank des kraftvollen Power Functions Motors lassen sich die beiden gegenläufigen Rotoren des Modells wie bei einem echten Hubschrauber zum Rotieren bringen. Eine herunterklappbare Laderampe, aufklappbare Frachtraumtüren sowie eine funktionstüchtige Seilwinde und bewegliche Seiten- und Höhenruder machen das realitätsgetreue Technikerlebnis komplett. Für noch mehr Bauvergnügen lässt sich das 2-in-1 Modell zusätzlich in einen leistungsstarken Tandemrotor-Hubschrauber umbauen.

Was ist drin?
  • 1042 Teile
  • riesige Tandemrotoren, 2 große Triebwerke, bewegliche Seiten- und Höhenruder, ein baubares Zubehörteil als Fracht sowie ein in alle Richtungen drehbares Bugrad
  • Der Schwerlasthubschrauber ist 22 cm hoch, 60 cm lang und 53 cm breit
  • Der Tandemrotor-Hubschrauber ist 19 cm hoch, 80 cm lang und 49 cm breit
  • Kauft schon mal AA Batterien. Die sind nicht enthalten und sechs braucht man. Der Motor wird im Inneren des Hubschraubers verbaut. Deswegen erst Batterien besorgen und dann mit dem Aufbau beginnen.
Was ihr tun müsst, um zu gewinnen:
  • verlost wird ein Set LEGO Technic Schwerlasthubschrauber
  • der LEGO Technic Schwerlasthubschrauber wird verlost unter allen Kommentaren im Blog – beantwortet mir folgende Frage: Warum findet ihr mich so nett? Nein, Spaß beiseite – kommentiert einfach. Der/die Gewinner:in wird ausgelost.
  • mitmachen können alle volljährigen natürlichen Personen
  • die Verlosung läuft bis zum 12. Dezember 23.59 Uhr
  • der/die Gewinner:in wird ausgelost und per Mail benachrichtigt
  • der Rechtsweg ist ausgeschlossen
  • eine Barauszahlung des Gewinns ist ausgeschlossen
  • erhalte ich innerhalb einer Woche keine Rückmeldung auf die Gewinnbenachrichtigung, verfällt der Gewinn

Das 12. Türchen hat Euch gefallen? Dann ab zum nächsten Türchen bei kleinSTYLE

Noch mehr Verlosungen gefällig? BITTESEHR – hier hast du einen Überblick über das was bereits war, und das was noch kommt: Auf jeden Fall ist jeder Tag im Dezember ein Gewinn!

01.12.: Mama Schultze, 02.12.: Moms Blog, 03.1.2.: Einer schreit immer, 04.12.: bei echt! Hartmann, 05.12. bei Mini&Mami, 06.12. bei Stadt Land Mama, 07.12. bei MissBonn(e)bonn(e), am 08.12. bei Caprice et Délice, am 09.12. bei Grosse Köpfe, am 10.12. bei Mama Notes, am 11.12. bei Nina Bott, am 12.12. bei Das Nuf, am 13.12. bei kleinSTYLE!, am 14.12. bei Familie Berlin, am 15.12. bei Mama Mia, am 16.12. bei Kleine Familienwelt, am 17.12. bei Wunderhaftig, am 18.12. bei Nova’s Loft, am 19.12. bei Metterschling und Maulwurfn, am 20.12. bei Johnny’s Blog, am 21.12. bei Ekulele, am 22.12. bei Mit Kinderaugen, am 23.12. bei Zwillingswelten und am 24.12. bei Daddylicious.

 

Verlosung: Das Produkt wurde von der LEGO GmbH für diese Verlosung zur Weitergabe an meine Leser zur Verfügung gestellt. Die Verlosung wird von mir umgesetzt. 

Make your Kühlschrank smart and revolutionier your Family Life

Links: ich, rechts: mein nicht smarter Kühlschrank
Links: ich, rechts: mein nicht smarter Kühlschrank

Neulich habe ich eine Pressemitteilung über einen Kühlschrank bekommen. Tatsächlich habe ich sie gelesen, weil ich mich derzeit für Kühlschränke interessiere. Meiner ist aus der Zeit in der ich noch jung war. Damals war er State of the Art. Er glänze durch zwei Funktionen:

  1. kühlen und
  2. Innenbeleuchtung (aber nur wenn er geöffnet ist. Ich hab das gewissenhaft untersucht)

2006 ist die Innenbeleuchtung leider kaputt gegangen und die letzten beiden Sommer hat der Kühlschrank nur noch unter großen Mühen gekühlt. Das Kühlen hat ihn so angestrengt, dass er sehr viel Wasser ausgeschwitzt hat, das ich ihm regelmäßig mit einem Lappen entfernt habe. So alle drei Stunden.

So ist der Kühlschrank zum Familienmitglied geworden. Alle paar Stunden muss er versorgt werden, er macht seit geraumer Zeit komische Geräusche und leider steht er auch im Weg herum.

Meine Küche ist klein. Der Kühlschrank hingegen sehr, sehr groß, aber Platz fand er damals nur genau in der Mitte der Küchenzeile. So bleibt links des Kühlschranks nur 40 cm Arbeitsfläche.

Aber ich komme schon klar. Der Kühlschrank und ich, wir sind gute Kumpels. Wir wissen beide, dass Perfektion nicht alles ist.

Jedenfalls bekam ich heute eine Pressemeldung über einen Kühlschrank. 4.299 Euro soll er kosten. Und nein, da habe ich nicht aus Versehen eine Stelle zu viel getippt.

4.299 Euro. Ich glaube, wenn ich den Wert aller technischen Geräte, die ich besitze, aufsummiere, komme ich auf diese Summe. Ich sag mal so: Das ziemlich überteuerte iPhone, an das ich mich aber leider gewöhnt habe, ist da schon eingerechnet.

Also 4.299 Euro. Eigentlich steht das nicht am Anfang der Pressemitteilung. Wahrscheinlich wollte sich der Hersteller diesen Preis als Pointe aufheben, die ich jetzt leider so ein bisschen verpatzt habe.

Also nochmal zurück zum Kühlschrank, der übrigens natürlich nicht Kühlschrank sondern Family Servant heisst und als smarter Partner fürs Leben angepriesen wird. Denn – ein kluger Produktentwickler saß vermutlich morgens mal auf der Toilette und da fiel ihm auf: Ein Kühlschrank, der nur kühlt, das ist doch totale Platzverschwendung. Mach ich ihn doch einfach smart! Und wie macht man das? Richtig! Mit einem Tablett vorne dran.

Also verbaut man ein drölfzig Zoll großes WLAN fähiges Tablett an diesem Kühlschrank. Und jetzt kommts! Auf dem kann man malen! Es. ist. nämlich. ein. Touchscreen. (Super Idee so ein Touchscreen in der Küche zwischen all den Fettdämpfen und schmutzigen Kinderhänden – aber was solls, dann dürfen die störenden Kinder eben nicht mehr in die Küche).

Crazy Shit oder?

Das ist aber nicht alles: Man kann auch darauf schreiben!
JA!

Das ist aber immer noch nicht alles. Das Tablett kann auch Sprachnachrichten abspielen („Nuf, mach‘ sofort wieder die Tür zu! Es ist nach 18 Uhr, du bist doch schon wieder an den Kohlenhydraten!“) und TV-Mirroring*

Der Kühlschrank wird somit das Zentrum des Family Lifes.

Aber richtig cool ist eben, dass der Kühlschrank Kameras hat, die den Innenraum überwachen. So kann man ihn beim Shoppen quasi fragen was fehlt.

(Ob man das irgendwie hacken kann? Also dass man z.B. die Schulranzen da rein kippt und der Kühlschrank einem dann sagt, welche Hausaufgaben noch fehlen? Oder die gepackten Koffer für den Urlaub „Eh Nuf, Du hast drei Schlüppis zu wenig eingepackt!“)

Doch nicht genug, er meldet auch abgelaufene Lebensmittel.

Ein bisschen enttäuscht war ich allerdings, dass er sie nicht gleich eliminiert. Per Laserstrahlen oder Vaporisator. Das könnte bei dem Preis eigentlich drin sein, oder? Ich stelle mir das toll vor. Die Tür des Kühlschranks müsste natürlich transparent sein und natürlich würde ich extra abgelaufene Lebensmittel reinwerfen nur um zu sehen wie sie zerstört werden (bestimmt kann man mit der Abwärme die Wohnung heizen – das wäre für mich ja auch ein sehr angenehmer Nebeneffekt).

Jedenfalls, ich habe die Firma angeschrieben, ob ich wohl ein Rezensionsexemplar haben könnte. Ich bin gespannt, was sie antworten.

(Wobei ich ja eigentlich lieber so eine smarte Wohnung wie mein Kollege hätte, der kann zB seiner Frau beim Kacken das Licht ausschalten obwohl er im Büro sitzt. Aber sowas gibt es nicht Out of the Box. Das muss man sich dann eben selbst bauen.)


 

*im Kleingedruckten steht: WLAN erforderlich. Was da nicht steht: TV erforderlich. Hab ich nämlich nicht. Da wäre ich ja ganz schön enttäuscht gewesen!

 

Bitte stellen Sie keine Fragen…

Pixabay @Alexas_Fotos
Pixabay @Alexas_Fotos

… also zumindest nicht, wenn Sie vorher nicht ganz genau über die Formulierung nachgedacht haben und ansonsten besser auch nicht, denn alleine die Frage ist – Zitat „anmaßend“.

Moment? Worum geht es eigentlich?

Ich habe am Montag über die Veranstaltung „Vater sein braucht Zeit“ gebloggt. Nachhaltig fasziniert haben mich v.a. die Männer, die zwar Kinder haben wollen/haben, die aber nach eigenen Aussagen kaum bis keine Zeit für Familie haben. Die Arbeit geht (aus den unterschiedlichsten Gründen) vor und eine Änderung dieses Zustands ist auch nicht zu erwirken.

Morgens hab ich mich beim Frühstück mit meinem Freund unterhalten, was wohl die Kinderhabenmotivation dieser Menschen sein könnte. Ich kann nämlich sehr gut nachvollziehen, dass man sehr gerne und viel arbeitet und ich glaube auch nicht, dass alle Menschen unbedingt Kinder brauchen.

Die Kombination von morgens bis abends und am Wochenende arbeiten und Kinder wollen, fühlt sich für mich fremd an.

Deswegen habe ich getwittert:

Darauf habe ich ziemlich viele Antworten bekommen. Zynische, sehr offene, konstruktive und sachliche Antworten und v.a. auch die Kritik, dass ich an dieser Stelle werte und im Grunde anderen Menschen (meistens wurde herausgelesen, dass ich Mütter meine…) verbiete, Kinder zu bekommen.

Ein Höhepunkt:

Nun.

Welchen Schuh ich mir gut anziehen kann: Ich hätte in der Frage das „eigentlich“ und das „überhaupt“ weglassen können.

Anderer Punkt: Twitter ist kein geeignetes Medium eine differenzierte Diskussion zu führen. Stimmt auch. Mir war tatsächlich nicht bewusst, dass dieser Tweet ca. 50 Antworten (und andere, empörte Nonmentions) hervorrufen würde.

Point taken.

Dennoch: Ich habe diese Frage getwittert, weil ich es schwer finde, Motivationen, die meiner eigenen sehr weit entfernt sind, nachzuvollziehen.

Und um das klar zu stellen: In dem Tweet steht nicht: Karriere UND Kinder sollen sich ausschließen. Es steht da auch nicht: Arbeitende Mütter sind doof.

(Ich würde mich selbst beschimpfen. Ich arbeite 30 Std die Woche als IT-Projektmanagerin, meine Kinder sind mit 11 und 18 Monaten in den Kindergarten gekommen.)

Der Tweet spricht Frauen und Männer gleichermaßen an. Wobei ich zugeben muss (siehe Vorgeschichte), ich hatte in aller erster Linie Männer im Kopf. Mütter als Rabenmütter zu beschimpfen, weil sie arbeiten gehen – die Sau wurde ja nun ausreichend durch das Elterndorf getrieben. Väterkarrieren in Frage zu stellen – das ist eigentlich tabu.

Da sind wir beim nächsten Problem: Was ist eigentlich Karriere?

Hachja und da merke ich, es ist wahnsinnig kompliziert die Frage korrekt zu stellen.

Denn ich meinte auch nicht den Vater, der abends in der Tankstelle arbeitet und tagsüber als Handyverkäufer, der das tut, weil er das tun muss, weil es eine wirtschaftliche Notwenigkeit gibt.

Durch die Antworten fiel mir dann auf: Stimmt. Ein Selbständiger, einer, der ein Geschäft aufgebaut hat, einer der für die Gehälter von anderen zuständig ist, der ist auch einem anderen Druck ausgesetzt als einer, der eben in erster Linie ein Bürojob hat.

Meine begrenzte Vorstellungswelt hat mir also einen Streich gespielt – denn in meiner Lebensumgebung gibt es einen bestimmten Vatertyp, den Johnny , der auch bei „Vater sein braucht Zeit“ war, gut beschreibt:

Ihre beruflichen wie sozialen Privilegien wollen sie insgesamt ebenso wenig aufgeben, wie ihre angebliche Unersetzbarkeit in Job und gar die eigene Karriere. Diese Entbehrungen schiebt man gern der Partnerin zu. Ganz auf Augenhöhe versteht sich – immerhin sind es ja modern denkende Männer.

Wie aber bekommt man mehr Zeit mit dem Kind, ohne dabei seine Privilegien, sein Haus, sein Boot aufs Spiel zu setzen? Richtig, man schaut nicht auf den eigenen Nabel, sondern fordert von anderen ein. Am liebsten natürlich von der großen Bundespolitik.

Also jene Väter, gut verdienend, in gehobenen Positionen, die ihre Priorität (siehe Tweet „über alles“) auf den Job gelegt haben, die Zuhause zwischen 8 und 20 Uhr v.a. durch Abwesenheit glänzen – warum wollen die eigentlich Kinder? Die es nicht zum Adventsbasteln, nicht zum Sommerfest, nicht zum Elternabend, nicht zum PeKiP-Kurs schaffen. Die nicht wissen, was das Kind zuletzt gelesen hat, wie der beste Freund heisst und wann die nächste Deutscharbeit ist oder welches Computerspiel das Kind am liebsten spielt und warum…

(Wollen habta gelesen, ne? Nicht sollen die haben dürfen)

Folgende Antworten haben mir geholfen zu verstehen, warum jener Mann Kinder haben möchte:

  • Man lebt bereits viele Jahre glücklich mit einer Partnerin zusammen, die einen Kinderwunsch hat. Man selbst hat keinen, aber der Partnerin will man das nicht verwehren. Das Paar geht davon aus, dass es mit Kind auch gut klappt.
  • Es scheint eine Art „heteronormative Vorstellung“ zu geben, die sagt: Ab Alter X ist eine Familie dann eine Familie, wenn sie aus den Elementen Vater, Mutter, Kind besteht. Das Kind gehört dazu, wie die Ehe, das Haus, das Auto. Familie haben ist ein Status.
  • Kinder zu haben ist (für manche) ein menschliches Grundbedürfnis. Egal wie die berufliche oder sonstige Lebenssituation aussieht.
  • Es gibt keinen zwingenden Zusammenhang zwischen „Kinder bekommen“ und „Genügend Zeit für Kinder haben“. Kinder kann man auch so bekommen. Eine gute Eltern-Kind-Beziehung kann man auch mit wenig Zeit aufbauen. (Die Grundannahme der Frage ist also falsch)
  • Insbesondere Teresa Bücker hatte (für mich) sehr einleuchtende Antworten:

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Am Ende ist die einfachste Antwort vielleicht die einleuchtendste:

Deswegen allen, die mir (und den anderen Antwortenden) geantwortet haben ohne mir Polemik, Dümmlichkeit, Dreistigkeit und Primitivheit vorzuwerfen: Vielen Dank. Ich kann es jetzt besser nachvollziehen (auch wenn es nicht mein eigenes Lebensmodell ist). Persönlich ist es mir wichtig verschiedene Lebensentwürfe zu verstehen. Im Grunde kann man von Pluralität immer nur profitieren. Schließlich ändert sich das eigene Lebensmodell auch mal. Manchmal auch völlig ungeplant und wie gut ist es da, wenn man sieht, dass man auf zig Varianten ebenfalls zufrieden und glücklich leben kann.

Bussi, arbeitende Rabenmama Patricia


Der Vollständigkeit halber – wen interessiert, was ich persönlich über den Zusammenhang von Zeit und Beziehungspflege denke, der kann lesen „Vereinbarkeit, Beziehungsaufbau und Smartphones“ und „Der Alleszusammenmachkult„.

Vater sein braucht Zeit

Vater sein braucht ZeitIch war auf einer Väter-Veranstaltung und obwohl ich es mir kaum vorstellen konnte, kam diese ganze fünf Stunden ohne Heldenmetapher aus. Das möchte ich lobend vorab erwähnen. Die Wetten standen im Vorfeld 4 zu 0 dagegen.

Das Thema Väter (und deren Einsatz im Familienalltag) treibt mich umher. Deswegen war ich sehr neugierig, was auf der vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend initiierten Veranstaltung „Vater sein braucht Zeit“ zu hören sein würde.

Das Programm war schonmal vielversprechend.

In einem kleinen Panel wurde über das Thema „Vatersein heute“ gesprochen. Es beteiligten sich Dr. Elke Ellner (Präsidentin des Bundesverbands der Personalmanager), Andreas Heimer (Prognos AG) und Stefan Reuyß (SoWiTra).

Danach ging es in die Workshops zu den folgenden Themen:

  • Elternzeit und Familienalltag – wie klappt das?
  • Politik für aktive Väter – Erfahrungen und Wünsche
  • Getrennt erziehen – gemeinsam Beruf und Familie vereinbaren
  • Vater sein im Beruf – wie kann das gehen?

Frau Schwesig konnte dann leider nicht kommen und ließ sich von Caren Marks vertreten (Parlamentarischen Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend), die das Konzept der Familienarbeitszeit vorstellte und bewarb und auch deutlich machte, dass es für Unternehmen letztendlich wirtschaftlich ist, familienfreundlich zu sein.

Zum Abschluss gab es eine weitere Gesprächsrunde zum Thema „Zeit für Väter“.

Vatersein braucht Zeit

Als Mutter auf einer Vaterveranstaltung

Im Vorfeld hab ich mich gefragt, wie es wohl ist als Frau zu einer explizit an Männer gerichtete Veranstaltung zu gehen. In meiner Fantasie würde ich ganz allein zwischen all den Männern stehen.

Dann musste ich über mich selbst lachen, denn:

a) ist es natürlich ein total gewohntes Gefühl: als Frau zu einer Veranstaltung zu gehen, bei der hauptsächlich Männer sind

und

b) waren da nicht hauptsächlich Männer – es ging schließlich um Kinder und Erziehungszeiten – offenbar für viele immer noch kein echtes Männerthema – tatsächlich würde ich denken, waren dort maximal 60 – 70% Männer (naja immerhin!).

Es gibt nicht DIE Väter

Das Themenspektrum war groß und deswegen sehr interessant.

Es gab sowohl die Väter, die leider unter gar keinen Umständen niemals nicht auch nur länger als und selbst das war sehr schwierig, 14 Tage Elternzeit nehmen können. Denn: sie sind unersetzlich. Niemand kann sich in deren Themen einarbeiten, niemand kann das wuppen, die Kunden wollen das auch nicht, die wollen überhaupt ständige Verfügbarkeit, die wollen nur ihn.

(Ich höre solchen Männern aufmerksam zu und beobachte ihr Gesicht dabei und stelle immer wieder fest: die glauben das wirklich. Sie glauben es von Herzen und auf eine bizarre Art leiden sie unter ihrer Unverzichtbarkeit. Doch sie nehmen ihr Schicksal hin. Auch wenn sie sonst eher so wirken, als würden sie in einem Meeting auch mal mit der Faust auf den Tisch schlagen um sich durchzusetzen. Dass ihnen nicht gestattet wird sich als Vater einzubringen, das ist eben so.)

Dann gab es die „Ich würde gerne mehr machen, aber ich befürchte Karriereknicke“-Männer, die sich aber immerhin einen Papa-Tag freigeschaufelt haben. Ein Papa-Tag ist ein Tag, an dem ein Mann in der Regel (es sei denn es steht etwas wichtiges an) um 15.30 Uhr frei nimmt, um sich um die Kinder zu kümmern. Solche Väter nehmen sich auch zu Sonderevents frei. Immer wieder wurde der Laternenumzug genannt. Die Sie-wollen-ja-Väter können zwar nicht am Bastelnachmittag freinehmen – den Laternenumzug, den lassen sie sich aber nicht nehmen.

Und ganz zuletzt gab es die Männer, die womöglich ein halbes Jahr und länger Elternzeit genommen haben, die alle Höhen und Tiefen der Care-Arbeit durchlebt haben und die gar nicht verstehen, was das Problem an einer aktiven Vaterschaft sein könnte. Klar gibt es Hindernisse und auch finanzielle Einbußen, aber das erleben Frauen seit Jahrzehnten und so hat man(n) das pragmatische Ziel gemeinsam an der Ebnung des Weges der Elternschaft zu arbeiten. Ohne ewige Lobhudelei, ohne Extraorden, ohne Superpapa-Status – einfach weil diese Männer es wollen – weil sie für ihre Kinder ernstzunehmender Elternteil sein wollen. Weil ihnen die Beziehung zu ihren Kindern wichtig ist.

Ergebnisse des Väterreports „Vater sein in Deutschland heute“ 2016

Interessant fand ich einige Ergebnisse des aktuellen Väterreports 2016, die genannt wurden.

So z.B. der Umstand, dass viele Männer ihre Wünsche aktiver Vaterschaft nicht in die Realität umsetzen, weil sie Karrierehindernisse fürchteten, die in der Realität tatsächlich gar nicht so bestehen.

Oder je länger Männer Elternzeit nehmen, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich an normalen Arbeitstagen um die Kinder kümmern, Zeit mit ihnen verbringen und in ihre Pflege eingebunden sind.

Sowie die Erkenntnis, dass familienfreundliche Unternehmen betriebswirtschaftlich erfolgreicher sind. Sie haben zufriedenere Mitarbeiter, geringere Fehlzeiten und eine höhere Produktivität.

Zusammenfassend kann man aber sagen: Wunsch und Wirklichkeit klaffen immer noch weit auseinander. Was sich Väter wünschen und was sie dann wirklich umsetzen wenn die Kinder geboren werden, steht auf zwei unterschiedlichen Blättern.

Ermüdende Argumente

Ich muss auch sagen, dass es mir sehr schwer fällt, einige Argumente, die immer wieder kommen, zu ertragen: So z.B. das Quality Time Argument

Immer wieder wird gesagt, dass es nicht auf die Menge sondern die Qualität der Zeit ankommt, die Eltern mit ihren Kindern verbringen.

Artikel wie „Wie Sie ein toller Papa mit nur 15 Minuten Zeit am Tag sein können“ geben dabei Tipps, wie man(n) seine täglichen 15 min wertvoll einsetzen kann.

Das ist schon sehr absurd.

In der Netflix Doku „Beginning of Life“ sagt eine Mutter (sinngemäß): „Wenn ich diesen Quatsch von Quality Time höre. Das sage ich einem Chef morgen auch. Ich arbeite jetzt jeden Tag nur 15 Minuten, aber das wirklich mit einer sehr hohen Qualität. Bei voller Bezahlung versteht sich.“

Daran muss ich immer wieder denken: Wie absurd es wäre, wenn man an anderen Stellen so argumentiert. Auch für eine Beziehung zum Kind ist es wichtig, dass man präsent ist. Und mir kann keiner erzählen, dass fünfzehn Minuten täglich das selbe Ergebnis bringen, wie wenn man mit den Kindern frühstückt, weiß was sie in ihre Brotdosen möchten, sie in die Schule bringt, abholt, mit ihnen spielt, bastelt, Hausaufgaben macht, Abendessen macht, ihnen zuhört, was sie beschäftigt, ihnen vorliest, sie ins Bett bringt, bei Kummer ein offenes Ohr hat, ihnen Wärmekissen bringt, wenn sie Bauchschmerzen haben etc.

Zumal auf der anderen Seite: die Väter, die sich jeden Tag nur einige Minuten Zeit für ihren Nachwuchs nehmen (können), denen ist natürlich nicht zuzumuten, dass sie mal Kotze aufwischen oder Kackwindeln wechseln. Das ist ja keine Quality Time. Quality Time ist von der Arbeit kommen und den zähnegeputzen Kindern im Schlafanzug 20 min was vorlesen und ihnen dann ein Bussi zu geben und zu sagen: Jetzt aber ab ins Bett. Papi schaut jetzt Auslandsjournal.

Ähnlich ermüdend das Argument, man(n) könne nicht in Elternzeit gehen, weil das erhebliche finanzielle Einbußen nach sich zöge. Der Höchstsatz ist ausserdem so niedrig. Ergo kann sich kein Chirurg und kein Pilot leisten in Elternzeit zu gehen… (muss ich noch erklären über was im Detail ich mich da aufregen kann? Wie konnten sich all die hochbezahlten Männer eigentlich vor 2007 Kinder leisten? – Achso, da mussten einfach ihre akademisch ausgebildeten Ehefrauen ihre Karrierewünsche zurück stecken? Alles wie immer also)

Hmpf.

Jetzt ist es mir doch wieder etwas entglitten.

Es gibt aber Hoffnung

Dabei gab es viele, sehr gute Aspekte bei der Veranstaltung.

So zum Beispiel der Gedanke, dass es einen Paradigmen-Wechsel geben muss, was die Rollenbilder angeht und dass es vielen (älteren) Personalern und auch Chefs schwer fällt diesen Paradigmenwechsel mitzumachen, weil sie eben jahrzehntelang eine andere Idee von Elternschaft/Vaterschaft hatten.

Das Neue anzuerkennen und zu fördern, bedeutet eben auch immer das eigne (vergangene) Leben in Frage zu stellen: Und wem fällt es da schon leicht festzustellen, dass er vielleicht das halbe Leben seiner Kinder verpasst hat, weil er die Karriere vorgezogen hat.

Viele merken das erst als Großväter.

Das Thema ist schwierig und es wurde auch immer wieder betont, wie viel sich in den letzten dreißig Jahren getan hat und dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Ich bin auch immer hin- und hergerissen zwischen der Frage: Muss ich Gabriel dankbar sein, weil er Elternzeit überhaupt als Spitzenpolitiker ins Gespräch bringt (auch wenn er sie natürlich nicht nehmen kann, weil ja Wahlkampf und so) oder darf ich das albern finden (weil er könnte ja auch einfach sagen: mein Kind wird geboren und ich möchte das alles miterleben und selbst wenn das bedeutet, dass ich einen Karriereknick erlebe… diese Zeit kommt nie wieder und ist durch nichts zu ersetzen).

Ist es im Sinne der Politik der kleinen Schritte die Super-Väter zu beklatschen oder passiert Veränderung nur, wenn es auch wirklich Veränderungsdruck und Fordernde gibt?

Am Ende sind ja viele Diskussionen nur für einen ganz bestimmten Teil der Gesellschaft überhaupt relevant. Elternzeit, Homeoffice, flexible Arbeitszeiten, feste Meetingzeiten… auf wie viele Berufe trifft das zu?

In der Stadt – in den ehemaligen ostdeutschen Gebieten sieht das mit der Kinderbetreuung ohnehin völlig anders aus (und damit auch die Möglichkeiten für Mann und Frau arbeiten zu gehen).

Frau Schwesig betont auch immer wieder wie katastrophal in Deutschland die Hortbetreuung ist. Selbst wenn Mann/Frau nach der Geburt relativ zügig wieder arbeiten gehen, wird die Einschulung des Kindes plötzlich ein Problem.

Was ist eigentlich mit den Polizisten, Krankenpflegern, Verkäufern im Einzelhandel, Industriearbeitern und Handwerkern? Und was mit den Hartz IV Empfängern, den dann noch Kindergeld und Elterngeld abgezogen wird?

Es bleibt kompliziert. Wenigstens ist es nicht hoffnungslos und ich freue mich, dass ich bei solchen Veranstaltungen immer wieder zwischen Männern stehe, die sich auch fremdschämen wenn irgendwo wieder ein Foto von einem Mann gepostet wird, der sich rühmt für seine Frau nachts auch mal das eigene Kind für zwei Stunden zu übernehmen und dann Männer darunter kommentieren: „UND TROTZDEM GIBT ES NOCH FRAUEN, DENEN DAS NICHT GENUG IST!“ oder Frauen schreiben: „Mein GöGa macht das auch. Weißt du noch Joachim? Vor zwei Monaten als ich Geburtstag hatte, bist du auch mal aufgestanden mit Susi.“

Wählt links – das macht gesund, reich und alle Babys werden immer durchschlafen

Bahnhof

Die systematisierte Drittgenerationskontingenz hat in jüngster Vergangenheit zu einer Erhöhung der Aktionsparalaxe geführt. Dabei ist nicht zu vergessen, dass die marxistischen Antidependenzen der allgemeinen Inkontertabilität zum Opfer gefallen sind.

Die ambivalente Aktionsebene torpediert an dieser Stelle die weltweit kompensierte Avisierung der induktiven Change-Management-Aktion der Hybridisierung.

Ich äh… so geht es mir manchmal wenn ich Texte lese. Ich versteh‘ einfach nix.

Frisch von der Uni hatte ich noch ein ganz beachtliches Arsenal an Fremdworten in meinem aktiven Wortschatz. Doch ach, das schnöde Alltagsleben, die duziduzi Kinder, vielleicht auch nur meine Altersverblödung… ich verstehe einfach immer weniger.

Die Welt ist zunehmend komplexer geworden. Wie soll ich das auch verstehen? Globalisierung, Bankensysteme, Immobilienmärkte, Gentrifizierung, Europa, der Nahostkonflikt, das US-Wahlsystem etc. etc. etc.

Alles viel zu komplex für mich um das wirklich zu verstehen. Ich bemühe mich. Lese „Zeitung“, lese Bücher, höre mir Vorträge, Paneldiskussionen und Podcasts an – doch am Ende… wie viel habe ich wirklich verstanden?

Hinzu kommt, was ich oben schreibe. Komplexe Zusammenhänge werden von klugen Menschen oft mit vielen Fremdworten, verschachtelten Sätzen, mit Exkursen und Studienergebnissen erklärt.

Mein internetkaputtes Gehirn, meine nervöse Aufmerksamkeitsspanne, mein Arbeitsspeicher, der mit Alltagsfragen gefüllt ist (wann muss ich die Kinder nochmal abholen? Hab ich das Fälligkeitsdatum ins Ticket geschrieben? Welchen Teil meiner Altersvorsorge kann ich nochmal steuerlich absetzen?) und mein dünnes Nervenkostüm zucken schon zusammen wenn ich auf einen Text stoße, der mit Longread gekennzeichnet ist. Ich bin schnell überfordert.

Ich glaube, es geht nicht nur mir so.

Ich verstehe die Welt nicht mehr

Warum erzähle ich das nochmal? Achja.

Ich bin auf der Suche nach Antworten. Spätestens nach dem Wahlsieg von Trump, der mich unvorbereitet in meiner zarten „zu 80% gewinnt Clinton“-Filterbubble erwischt hat, sorge ich mich ernsthaft.

Die AfD Wahlerfolge der jüngsten Vergangenheit, das Europa, das bröckelt, der Putsch in der Türkei… um mich herum bricht alles zusammen.

Und ich bleibe hilflos zurück. Wählen gehen. Ja, ja. Als würde das helfen. Ich gehe wählen seit ich 18 bin. Keinen fucking Volksentscheid habe ich ausgelassen. Immer Gebrauch von meiner Stimme gemacht. Und hat es geholfen?

Spoiler: Hat es nicht.

Und wird es für die nächste Bundestagswahl helfen?

Ich sach ma so: ich bin nicht zuversichtlich.

Ich weiß nicht, wie ich jetzt den gedanklichen Bogen bekomme, aber ich rätsle seit Monaten warum bestimmtes (rechtes) Gedankengut immer erfolgreicher wird.

Die Schlechtigkeit der Menschen alleine kanns nicht sein. Die Menschheit ist ja nicht plötzlich schlechter geworden. Aber irgendwie werden mehr Menschen mobilisiert sich erzkonservativen bis rechtem Gedankengut anzuschließen und während es immer mehr werden, „man“ nicht unsichtbar unter der 5% Hürde dahinkrepelt, kann „man“ sich auch gerne mal öffentlich bekennen, muss sich auf Pegida Demos nicht mehr schämen in laufende Kameras zu sprechen.

Aber warum ist das so?

Mich beschleicht das leise Gefühl, dass das Ganze etwas mit Komplexitätsreduktion zu tun hat.

Sag es einfach, dann kann man es verstehen

Die unverständliche, vielschichtige Welt macht vielen Menschen Angst. Es wird immer schwerer einen stabilen Erwartungshorizont zu bilden, sichere Vorhersagen über die Zukunft zu machen. Was genau erwartet uns?

Düster sieht die Zukunft aus. Ungewiss. Auf jeden Fall wirds nicht besser werden. Mehr Geld werden wir auch nicht haben.

Und wer oder was ist schuld?

Da will man nun nicht lange in irgendwelchen multikausalen Erklärungsmodellen rumgraben.

Es gibt doch einfache Antworten: Die Ausländer, die Frauen, die linksversifften Gutmenschen und die Veränderung an sich.

Daraus lassen sich schöne Parolen stricken. Ganz wunderbar einfache wenn-dann-Beziehungen. Scheinbar höchst logische Zusammenhänge.

Die kann man sich merken, die kann man verstehen, die kann man wiederholen.

Mit dem „Danke Merkel„-Mem kann man sich über solche vereinfachten Zusammenhänge lustig machen. Egal was ist, egal was stört, Frau Merkel ist schuld. Die Milch ist sauer? Danke, Merkel! Der Lidstrick verwischt. Na, vielen Dank, Frau Merkel. U-bahn verpasst. Danke, Merkel.

Ich glaube, das ist, was die Rechten „richtig“ machen. Komplizierte Zusammenhänge einfach erklären und dabei auch einen scheiß darauf geben, was die Statistik oder sonstige Analysen sagen.

Dir gehts schlecht? Die Flüchtlinge sind schuld.

Die Rente ist knapp? Die Ausländer im allgemeinen sind schuld.

Dein Job ist weg? Die Frauenquote ist schuld.

Kann man sich dann auf Schilder malen oder vor sich her schreien.

Die Linken hingegen: An den niedrigen Renten ist die Riester Rente und die Agenda 2010 schuld, die zwar mehr Menschen Arbeit verschaffte, allerdings in prekären Arbeitsverhältnissen. Es war absehbar, dass das Rentensystem erodieren würde.

(Ich hätte das jetzt noch komplizierter schreiben können, aber der Unterschied wird deutlich. Schreiben Sie sich mal ein Demo-Schild zu diesen Zusammenhängen…)

Sie erklären sich zu Tode.

Was ich sagen will: Ich sehe Rettung in der Veränderung der Sprache und zwar die der sogenannten Linken/Linksintellektuellen.

Keine Vorträge mehr, sondern klare Ideen

Es geht eben nicht darum in ellenlangen Doktorarbeiten mit Fakten aufzufahren, sondern darum die linken humanistischen Ideen einfach runterzubrechen.

Ich weiß auch nicht genau, wie das gehen soll. Ich selbst bin nicht in der Lage die entsprechenden Narrative himmelherrgott Parolen und Schlagworte zu erfinden – aber vielleicht gibt es andere. Andere, wortgewandte Menschen, die schaffen all das, was ich für erstrebenswert halte (Umweltschutz, Toleranz, Gleichberechtigung, Sozialsysteme, Europa, Menschenrechte) in kurze, knackige Botschaften zu packen und damit unsichere Wähler:innen oder Nichtwähler:innen zu erreichen.

Ach, mir gelingt es nicht alle Gedanken auf einen Punkt einzudampfen. Deswegen hole mich mir Hilfe:

Wenn es um den politischen Diskurs mit dem politischen Gegner geht, versuchen die braven Bürger […] zu überzeugen. Wir glauben, dass wir mit besseren Argumenten die wachsende Gruppe an Obskuranten in die Mitte der Gesellschaft zurückführen können. Wir hoffen auf unseren Humanismus und stehen sprachlos vor Trump’schen Methoden der “postfaktischen Welt”, in der egal ist, was stimmt und was nicht stimmt.

[…]

Während uns der politische Gegner mit Halbwahrheiten und Gerüchten manipuliert, widerkaubares Infofutter serviert und Wähler vom Wählen abhält, glauben wir immer noch, dass wir die Neue Rechte mit guten Argumenten überzeugen können.

Quelle: Liberale müssen Populismus lernen

Werden wir aber wohl nicht können. Und in der Kindererziehung ist es ganz einfach (um mal was als Mutti zu sagen): Wenn eine bestimmte Erziehungsmethode nicht wirkt, dann wirkt es leider auch nicht wenn man diese Erziehungsmethode hundert mal einsetzt. Was hilft, ist meistens mal was neues zu probieren. Was völlig anderes. Irgendwas, gegen das das Kind nicht schon eine Immunität ausgebildet hat.

Und vielleicht ist es an der Zeit, dass nicht mehr doziert wird und die komplexe Welt in multivariaten Varianzanalysen auseinander genommen wird, sondern es ist an der Zeit alles in schöne kleine, gut zu verdauende Häppchen zu schnippeln.

Nur dass wir linksversifften Gutmenschen im Genderwahn den Belag der Häppchen selbst bestimmen.