Es gibt für alles eine technische Lösung

…oder?

Seit Jahren glaube ich daran, dass sich Familienleben durch die richtigen technischen Anwendungen besser organisieren lässt.

Hintergrund der Idee ist tatsächlich den Kleinkram sichtbar zu machen, (der gefühlt als Verantwortung auf meinen Schultern lastet) und besser zu verteilen.

Ich hab mich mal darüber ausgesponnen, dass man doch ein Ticketssystem verwenden könnte, um die ToDos festzuhalten. Denn sehr viele scheinbar einfache ToDos haben in meinem Kopf eine Anzahl an Unterschritten, die eigentlich mitzuerledigen sind – die aber oft liegen bleiben, bzw. an mich zurück gehen und sich dann still und heimlich anhäufen:

Ticket td543 Hol‘ bitte die Kinder ab beinhaltet im Grunde eine ganze Reihe unausgesprochener Teilschritte, die abzuarbeiten sind, bevor das Ticket geschlossen werden kann. […]. Zu den Unteraufgaben gehören beispielsweise td543a Ausflugkasse zahlen, td543b Wochenkalender checken, td543c Termine in den gemeinsamen Kalender übertragen, td543d Wechselsachenbeutel auf Vollständigkeit kontrollieren, td543e Kinder mit Sonnenschutz eincremen und td543f Toilettengang veranlassen.

Jetzt kann man natürlich die Hände über dem Kopf zusammen schlagen und sagen, eigentlich ist es ja auch OK, die Kinder einfach abzuholen. Das stimmt erstmal, bedeutet aber langfristig, dass die anderen Sachen nicht gemacht werden bzw. stillschweigend von der anderen Person nachgearbeitet werden.

Der Familienalltag ist aber voll von diesen unsichtbaren Aufgaben.

Ich würde diese Aufgaben gerne irgendwie sichtbar machen und besser verteilen. Deswegen habe ich heute morgen mal versucht das Ganze mit Trello abzubilden. Dabei merke ich schnell, dass mindestens noch ein Kalender fehlt.

In dem Moment, in dem ich aber zwei oder mehr Anwendungen befüllen muss, sehe ich das ganze Vorhaben schon wieder gescheitert.

Eine gemeinsame Einkaufsliste wäre ja auch noch ganz gut. Sind wir schon bei drei unterschiedlichen Anwendungen.

Natürlich kann und muss man zusätzlich kommunizieren. Ich hab aber das Gefühl, dass vieles einfach untergeht. Mündlich genauso wie per Threema und Co.

Deswegen glaube ich stur und fest, dass Technik (auch im Sinne der Dokumentierbarkeit und weil es dann evtl. nicht zehn Orte sondern einen Ort gibt, bei dem man nachschauen kann) helfen könnte.

Wie genau führt man solche Listen? Wie plant man Familienleben?

Einfache Aufgabe: Abendessen für die Woche.

Schreibt ihr am Wochenende auf, was es die kommende Woche zu essen geben soll? Leitet sich davon eine Einkaufsliste ab? Gibt es dann einen Großeinkauf oder mehrere kleine Einkäufe?

Wie geht ihr mit dem Kleinkram um (Geschenk für den Kindergeburtstag kaufen, Fahrkarten für den Schulausflug, neue Turnschuhe besorgen)?

Verteilt ihr solche ToDos wirklich namentlich oder gibt es eher stillschweigende Vereinbarungen und Gewohnheiten?

Haltet ihr nach (Was ist eigentlich mit XY? Bzw. meldet der eine Partner dem anderen Partner: ToDo XY ist jetzt erledigt)?

Wie wird mit den wiederkehrenden ToDos (Fingernägel schneiden, Elternheft kontrollieren, Essensplan der Schule ausfüllen) umgegangen?

Wie mit den offiziellen Terminen (z.B. Elternabend, Schulanmeldung, U-Untersuchung)?

Welche Apps benutzt ihr? Mit was seid ihr schon gescheitert und warum?

 

Einige Antworten habe ich schon in den Replys auf meinen Tweet bekommen (vielen Dank dafür), vielleicht hat der/die ein oder andere noch Lust die Erfahrungen in den Kommentaren etwas ausführlicher zu schildern. Ich würde mich freuen.

Genannt wurde z.B. Bring für Einkaufslisten, Workflowy, Google Notes, Google Keep und Wunderlist.

Alle sollen Prinzessin sein dürfen

Uniformität
Symbolbild Elsaisierung
Pixabay @Aenigmatis-3D

Letzte Woche hat die Schule mit den Kindern Fasching gefeiert. Der Unterricht fiel aus und es wurden den ganzen Tag getanzt und gespielt. Die Kinder waren angehalten verkleidet zu kommen.
Abends im Bett unterhalte ich mich mit Kind 3.0, das sich als Kräuter-Experte verkleidet hatte.
„Als was hat sich deine Sitznachbarin verkleidet?“
„Elsa“
„Oh und Paula?“
„Auch.“
„Auch als Elsa? Das ist ja ein lustiger Zufall. Und Sabine?“
„Elsa.“
Ich schaue Kind 3.0 sehr verwirrt an.
„Eigentlich haben sich fast alle Mädchen als Elsa verkleidet.“

Vor meinem Auge tanzt ein Heer an Elsas.

Ich halte diese zunehmende Vereinheitlichung von Kinderphantasien für einen Effekt erfolgreichen Gender-Marketings.

[In den Kommentaren gerne eine Diskussion darum, ob Elsa nicht eigentlich eine feministische Prinzessin ist.]

Interessant ist für mich v.a. die Vereinheitlichung von Kinderphantasien. Warum trifft man auf einer Faschingsparty v.a. auf Prinzessinnen (und Superhelden, wenn man sich die Jungs anschaut)?
Warum blickt man nicht in eine große, bunte Schar von Astronautinnen, Wissenschaftlerinnen, Hasen, Polizistinnen, Räuberinnen, Cowgirls, Feuerwehrfrauen und Diebinnen?
Warum wagt es umgekehrt selbst an Karneval kaum ein Junge in die Rolle einer Prinzessin, eines Lehrers, einer Katze oder eines Tänzers?

Ich würde sagen, das hat viele Gründe: Zum einen werden die Geschlechtersterotypien durch Werbung und Co. immer stärker eingeschränkt und damit verbunden fürchten Kinder (oder deren Eltern) unbewußt um ihre Geschlechtsidentität. Kann ein Junge ein Junge sein, wenn er sich als Prinzessin verkleidet?

Da ist es wieder, das Prinzessinnen Thema.

Ich war gestern auf der Verleihung des Goldenen Zaunpfahls, ein Negativpreis, der das absurdeste Gendermarketing-Produkt kürt.

Wenn man das Hashtag #goldenerZaunpfahl auf Twitter filtert, stößt man immer wieder auf Frauen, die sinngemäß sagen: „Na und? Ich liebe Prinzessinnen! Ich möchte eben Prinzessin sein. Warum könnt ihr mir das nicht lassen?“

Diese Frauen möchte ich gerne ein bisschen zärtlich schütteln und ich frage mich: Wann werden sie es verstehen?
Wann werden sie verstehen, dass niemand ihnen das Prinzessinsein nehmen will (also ich zumindest nicht) – sondern, dass eine bestimmtes Prinzessinnen-Stereotyp erst dann ein Problem ist, wenn es die einzige Wahl, die einzige Phantasie, das einzige Vorbild für aufwachsende Mädchen ist.

Denn ja, ich persönlich habe ein Problem damit, dass meinen Töchtern als (Lebens)Ziel vorgegeben wird, dass sie artig, sittsam, brav, sauber, hübsch, sexy und nicht so vorlaut sein sollen.

Und genauso bedauernswert finde ich es für meine Söhne, wenn Männlichkeit sich über Kraft, Macht, Unterdrückung, Dominanz, Gewalt und Härte definiert.

Denn was ist mit den künstlerisch interessierten Jungs? Den Sensiblen? Denen, die gerne tanzen und singen? Denen, die Glitzer und Rosa mögen? Denen, die tierlieb sind oder denen, die fürsorglich sind?

In meiner Lebensfilterbubble haben wir mit solchen Stereotypen zum Glück nicht viel zu tun. Das liegt aber auch am Alter der Kinder. Allein schon kein Fernsehgerät mit Werbeunterbrechungen in den eigenen vier Wänden zu haben, hilft da ungemein. So bleiben wir von Werbung verschont, die uns zeigt, dass Frauen lächelnd Salat essen sollen, damit sie bloß nicht zu dick werden, dass sie teure Produkte kaufen, um ihre Defizite wie FALTEN und FRIZZ zu beheben, wohingegen die aktiven, leistungsstarken Männer samt Duschgel wagemutig von zehn Meter hohen Clippen springen.
Es gibt auch keine Frauen- und Männermagazine in unserer Wohnung, die uns z.B. zeigen, dass Männer anders backen NÄMLICH MIT HACKFLEISCH!

Wir kommen mit diesen absurden Frauen- und Männerbildern nur in Kontakt, wenn wir unsere Wohnung verlassen. Erst im Supermarktregal lernen wir was echte Frauen bzw. echte Männer tun sollen oder wie sie sein sollen.

Im Babyalter kann ich mich als Mutter noch wehren gegen diese Einflüsse. Sollte jemand so irre sein und mir einen Babystrampler schenken, auf dem steht „Ich hasse meine Oberschenkel„, dann kann ich den Strampler anzünden oder anderweitig entsorgen.

Was aber macht man, wenn die Kinder im Schulalter sind und all diese schönen Produkte geschenkt bekommen? Nimmt man sie ihnen ab? Streitet man sich mit der Verwandtschaft, die sowas niedlich oder witzig findet? Zwingt man ihnen zu jedem Produkt eine Diskussion über die Gefahren des Gendermarketings auf?

Besonders zur Verzweiflung bringen mich zur Zeit übrigens Bücher „für Jungs und Mädchen„.
Denn im Gegensatz zum gegenderten Wasser, enthält ein gegendertes Buch nicht den selben Inhalt.
Gegendertes Wasser ist einfach Schwachsinn. Wenn mein Kind dauerhaft Wasser aus einer rosafarbenen Flasche trinkt, passiert im Wesentlichen: nichts.

Wenn meine Töchter aber Bücher extra für Mädchen lesen, die ihre Aktions- und Entwicklungsmöglichkeiten bis zum Get-no auf Shoppen, Schönheit und Begehrenswertkeit einschränken, dann bekomme ich wirklich Wut.

Sehr viel schlimmer geht es nicht. Quelle: http://ich-mach-mir-die-welt.de/2014/09/drei-ausrufe-und-drei-fragezeichen/

Wenn meine Töchter aufwachsen und lernen: Mädchen können kein Mathe, Mädchen haben einen Pflegeinstinkt, Mädchen kochen gerne, Mädchen müssen von tapferen Rittern gerettet werden… dann muss ich würgen.

Mit meinen Söhnen geht es mir übrigens nicht anders: warum sollen sie lernen: echte Männer weinen nicht? Echte Männer lieben scharfe Soßen! Fleisch! Sie fahren schnelle Autos, sie sind mutig, sie haben Muskeln!

Das Problem sind also nicht die Prinzessinnen (und übrigens auch nicht die Kindertaschen mit glitzernden Delfinen), das Problem ist das Klischee, das damit verbunden wird.

Warum dürfen meine Kinder nicht unabhängig vom Geschlecht alles sein? Wenigstens als Kind? Wenigstens in ihrer Phantasie?

Wie sollen Mädchen sein dürfen?

Ich schließe mit den Worten von Antje Schrupp aus Gegen den Geschlechterblödsinn:

„Wir sollten das zugeben: Indem wir Gendermarketing tolerieren, zementieren wir Rollen, behindern wir Kinder in ihrer freien Entfaltung. Wir machen es ihnen schwer, zu ihren eigenen, individuellen Vorlieben und Stärken zu finden, indem wir sie schon als Babys darauf trimmen, dass sie als Mädchen dies und als Jungen das zu wollen hätten.“

—-

Zum Abkühlen dann noch die Positivbeispiele der Preisverleihung gestern.

Denn auch ich freue mich, wenn Firmen versuchen es besser zu machen. Ich bin ganz bei Tarik Tesfu, der sinngemäß sagte: Ja, man kann da auch noch berechtigt kritisieren, aber zuerst kann man ja feiern, dass Feminsmus und Diversität in den Mainstream-Medien angekommen sind.

Deswegen hier drei schöne Beispiele: Telekom, Audi und H&M:

Ganz großartigen Hip-Hop, der sich mit dem Thema Rollenklischees beschäftigt, gibt es übrigens auch:

Abschließend: Ganz herzlichen Dank an Almut Schnerring, Anke Domscheit-Berg und Sascha Verlan für ihren Einsatz! Möge der Goldene Zaunpfahl schon sehr bald nicht mehr nötig sein.

12 von 12 im Februar

#1 Wie jedes gute Wochenende fängt der Samstag im Bett an. Ich liebe es bei einem Kaffee im Bett zu lesen. Am Handy versteht sich. Nicht dieses Teufelszeug „Papier“. Das ist teuer und macht die Umwelt kaputt!

Die Kinder sind jetzt so groß, dass sie mich 80% der Zeit in Ruhe lassen. Zumindest wenn ich ihnen „Müsli“* überlasse.

*Müsli, das ist dieses Zuckerzeug, von dem viele glauben, es sei gesund. Bei uns rangiert das eher im Bereich Nachtisch.

#2 Gestern habe ich Bolognese gemacht. Gefühlt ein paar Kilo, wie es sich für eine ordentliche Prepper-Mom gehört. Die Kinder werden das später mit Nudeln essen. Die Erwachsenen als Lasagne. Ich liebe Lasagne. Ich liebe auch Kartoffelgratin… aber das macht immer so viel Arbeit *seufz*.

Hier kommt übrigens meine heißgeliebte Tiefkühlkost zum Einsatz. Dazu schreibe ich demnächst noch mehr. Jedenfalls: Gefrorene Erbsen! Einzeln! Verteilen.

#3 Dann gibt es das 2. – dafür gemeinsame – Frühstück. Instagram hat unsere Frühstückskultur nachhaltig verbessert. Es gibt jetzt immer Obst und Gemüse.

 #4 Vor ein paar Tagen habe ich mir so eine überteuerte Beschäftigung für Erwachsene* [Amazon Werbelink] gekauft. Nicht so ein Unsinn wie Ausmalbilder! Ne, ne. Man kann da Bilder kleben. Ich klebe ganz, ganz vorsichtig und langsam. Aber ich schaffe es nicht AUF KANTE. DA SIND DIE WEISSFLÄCHEN. DAS GEHT SO NICHT!!!1!

*entspannt ungemein

#5 Dann muss ich endlich mal duschen und Haare waschen. Ich hasse es nass zu sein und noch mehr hasse ich nasse Haare. Das ist alles so sinnlos. Man ist trocken, man macht sich nass und dann macht man sich wieder trocken.

Ausserdem was soll das? Wieso habe ich so viele graue Haare? Kack älter werden.

#6 Gleich bekommen wir Besuch. Beim Besuch hatte das Baby gerade Geburtstag. Da bekommt die Mutter was und das Baby. Ich fühle mich schlecht, weil der Vater nichts bekommt.

Ich entschließe mich, bei Gelegenheit meinen Lego-Hubschrauber auseinander zu nehmen und ihn dem Vater zu leihen. Dann kann er ihn auch mal bauen.

#7 Angeblich ist es ja immer zu kalt in meiner Wohnung. Obwohl ich schon richtig krass auf 2 geheizt habe neulich.

Na gut. Mit Baby will ich mal nicht so sein. Dann heize ich eben, so wie andere das tun. (Kann sich doch jeder nen Laptop auf den Schoß legen, das macht auch warm…)

Den Besuch hab ich nämlich sehr gerne <3

#8 Wir müssen Lesen üben. Die Silbenmethode hat beim ersten Kind super geklappt. Das nächste Kind tut sich schwer. Ich hab den Verdacht, weil die Erwachsenen die Silbenmethode nicht drauf haben und es dem Kind auch immer wieder oldschool mit einzelnen Buchstaben erklären.

Die Lehrerin müsste den Eltern vielleicht mal zeigen, wie man mit den Kindern lernen soll. Hmmm…

#9 Dann ist der Besuch da und wir essen den tollen Kuchen von Frische Brise. Keiner weiß warum, aber irgendwie werden alle von einer schlimmen Wortwitzkrankheit befallen. Mein Freund hat extra Hai-ko mitgebracht, damit wir Hai-raten können. Hai-kles Thema für ihn. Hai-ter eher für mich.

#10 Dann wieder Aufräumen. Ich weiß auch nicht wieso wir schrillionen von Decken und Kissen haben. Naja, weiß ich schon. Die Kinder spielen sehr gerne damit.

Stellt sich nur die Frage, warum wir die anderen Spielzeuge haben?

#11 Dann wird abends wieder gelesen. Kind 2.0, lesesüchtig, liest seit einigen Monaten selbst.  Ist schon komisch nach mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr allen Kindern vorzulesen.

Ich brauche doch Rituale!

#12 Apropos Rituale: Serien schauen z.B. Zur Zeit „Good Girls Revolt“. Finde ich super und hoffe immer noch auf eine 2. Staffel eines Tages.

Ach und Danke für nichts Roy Price (Leiter der Produktionsfirma Amazon Studios). Der fand die Serie nämlich zu feministisch angeblich. Trotz vieler positiver Kritiken von Zuschauern und Presse, hat er sie abgesetzt. Er sei eben kein großer Fan der Serie gewesen.

 

Mehr 12 von 12 bei Draußen nur Kännchen, die hat’s nämlich erfunden! (Nicht die Schweizer!)

[Werbung] DER Kinderroller

Disclosure: Für den Test haben wir den „fun pro“ Kinderroller zur Verfügung gestellt bekommen.

"fun pro" Kinderroller im Einsatz
Nicht meine Vorstellung von rollergeeignetem Gelände – aber die Kinder waren ja die Testenden

Ungefähr um Weihnachten kam das Thema Roller auf. Kind 2.0 wollte unbedingt einen haben.

Mit Rollern haben wir nicht die besten Erfahrungen gemacht. Als wir mal ein Wochenende in Hamburg verbracht haben, haben wir uns von Freunden einen Roller geliehen, denn Kind 3.0 wollte auch un-be-dingt einen Roller.

Nach 800 Metern – wir waren gerade in die S-Bahn gestiegen – wollte Kind 3.0 dann doch keinen Roller mehr.

Wie man es dann als nette Eltern macht, haben wir den Roller geschoben, gerollert und getragen. Quasi den gesamten Tag.

Abends wollte das Kind wieder Roller und fuhr uns zum krönenden Abschluss entweder in den Weg oder hinten in die Hacken (das liebe ich besonders! Auch beim Einkaufen mit Einkaufswagen. Passiv-aggressive RentnerInnen wenden diese Foltermethode besonders gerne an).

Jedenfalls: Ein Roller. Hmmm. Naja. Lieber nicht.

Dann wurde ich Anfang des Jahres angefragt, ob ich nicht mal einen schönen Kinderroller testen [Amazon Werbelink] wolle. Arghrgrbbbllll. Na gut. Wenn ich ihn nicht selbst bezahlen muss UND jemand sich schon Gedanken gemacht hat, was einen guten Kinderroller ausmacht (ich hasse es Rezensionen auf den großen Verkaufsplattformen durchzulesen), da wäre es ja wirklich blöd, nicht „ja“ zu sagen.

Ich erhielt also einen Bestelllink und am nächsten Tag war der Roller da. Ich hab ihn erstmal samt Verpackung in die Ecke gestellt. Meistens bedeutet ja „mal eben schnell aufbauen“ eher sowas wie „ein Wochenende etwas zusammenschrauben“.

Als wir schließlich in den Winterurlaub fuhren, packte ich den Roller aus und musste lachen: Dank Schnellspanner war er in zwei Minuten stabil aufgebaut.

Genauso schnell ist er auch wieder zusammengeklappt. Wir haben leider ein kleines Platzproblem im Auto und da kam es doch sehr gelegen, dass der Roller im Fußraum der Kinder unkompliziert Platz fand.

Ich bin verleitet, wie in den Clickbait-Artikeln zu schreiben: Und was dann kam, ist wirklich unglaublich!

Denn: Die Kinder schleppten den Roller eine Woche lang auf JEDEN Ausflug mit und zwar ohne dass wir auch nur einmal hörten: Ich hab jetzt keine Lust mehr.

"fun pro" Kinderroller im Schnee
Auch da musste der Roller durch

Unsere Ausflüge verliefen meistens rund um einen See oder quer durch den Wald. Zudem hatte es geschneit. Es lag also fluffiger Neuschnee oder die Schneedecke war hart, vereist und plattgetreten. Wenn wir Asphaltwege hatten, dann waren die stark mit Split gestreut. Im Wald gings auch mal durch Matsch und über Wurzeln.

Die Kinder waren dennoch nicht davon abzuhalten, den Roller immer mitzunehmen (und solange ich den nicht tragen muss, soll’s mir recht sein). Ich gestehe, weil wir den Roller ja testen sollten, dachte ich einige Male: „Muhahhahaha! Das hält der nie aus!“

Und hätte ich ihn bezahlt (jaja, ab in die Schäm-Ecke), ich hätte sicherlich das ein oder andere Mal protestiert: „Nicht dort lang! Davon geht der Roller doch kaputt!“

Tatsächlich hat der Roller alles mitgemacht.

Aus meiner Sicht also aufrichtige Kaufempfehlung. Abgesehen von den Fahreigenschaften und der Belastbarkeit, sind einfach die Lichter in den Reifen sehr, sehr toll…

„fun pro“ Kinderroller from dasnuf on Vimeo.

Müsste ich jetzt unbedingt noch was kritisieren – mir war nicht ganz klar für welches Alter bzw. welche Größe der Roller im optimalen Fall geeignet ist. Für Kind 2.0, das recht groß für sein Alter ist (ca. 1,38 1,44 m), war der Roller ein wenig knapp.

Als wir wieder Zuhause waren und der Roller mit in die Schule sollte, ist uns aufgefallen, dass man ihn nicht gut anschließen kann. Das ist zumindest unpraktisch – denn selbst wenn man ihn schnell zusammenklappen kann – die Kinder dürfen Roller und Skateboards nicht in ihrem Spind einschließen.

Aber unterm Strich, ist der fun pro Kinderroller [Amazon Werbelink] wirklich top.

Zusammengeklappt nach einer Woche Dauerbeanspruchung

Ach P.S. ich hab Kind 2.0 gefragt: „Bremst der gut?“
Antwort: „Hmnaja, ich traue mich nicht so richtig hinten drauf zu steigen, aber ehrlich gesagt, ich will ja nicht bremsen sondern fahren.“

Endgegner Computerspiel

Dreißig Minuten am Tag müssen reichen
Computerspiele und Elternängste
Pixabay @StockSnap

„Wenn wir mal richtig großzügig sind, dann darf er 30 Minuten spielen. Meistens aber eher 20 Minuten am Tag.“

Es liegen rund 70 Minuten Vortrag über Computerspiele und mindestens acht Beiträge aus dem Publikum hinter mir, die v.a. eines zeigen: Ein Großteil der Eltern hat Angst vor Computerspielen.

Sie fühlen sich unwohl wenn ihre Kinder Interesse oder gar Spaß an Computerspielen haben. Am Besten man verbietet das ganz oder aber, man reglementiert so stark wie es geht.

Ich halte es nicht mehr aus. Ich bin jetzt alles andere als eine exzessive Computerspielerin – aber 20 Minuten? Ich glaube, Computerspiele ganz zu verbieten ist unterm Strich weniger frustrierend als sie täglich 20 Minuten zu erlauben.

In welchem Spiel kann man denn in dieser Zeitspanne irgendwas erreichen? Ein Level vollenden? Ein Rätsel lösen? Einem Handlungsstrang folgen? Seine Mitspieler zusammentrommeln? (Ausser in Idle Clickern, aber wollen die Eltern, dass die Kinder Idle Clicker spielen? Ok, Super Hexagon ginge auch – da sind 20 Minuten quasi unendlich lang…)

Ich drehe mich um und frage die Person, die sich eben gemeldet hat, um zu verkünden, dass ihr Kind 20 bis 30 Minuten am Tag spielen darf: „Ich verstehe wirklich ganz schlecht, wieso man Computerspiele so stark reglementiert. Würden sie auch sagen: 30 Minuten Lego spielen und dann ist aber Schluß? 30 Minuten lesen und dann Buch weg!

Das ist doch frustrierend fürs Kind. Das kennt man doch selbst. Da hat man vielleicht gerade angefangen zu lesen, steckt mitten im Kapitel, die Handlung wird gerade spannend und dann weg mit dem Buch.

So stelle ich mir das auch beim Computerspielen vor. Woher kommt denn ihre Angst? Was genau befürchten sie?“

„Lesen und Computerspiele kann man nicht vergleichen.“

„Warum nicht?“

„Das ist was ganz anderes. Lego auch!“

„Warum? Ich verstehe es wirklich nicht.“ In der Zwischenzeit bin ich rot angelaufen. Ich will nicht rumstänkern. Ich möchte das wirklich verstehen. Wir reden hier nicht von Kleinkindern, die die Welt vielleicht erstmal haptisch erfahren (be-greifen) sollen. Die Kinder, um die es hier geht, sind zehn Jahre und älter.

Die besorgte Person schaut mich mit einer Mischung aus Verduztheit und Überheblichkeit an. Wie kann es sein, dass ich mir diese Frage nicht selbst beantworten kann?

„Glauben sie, es werden verschiedene Fähigkeiten angesprochen, beim Lesen die Fantasie und beim Computerspielen… ?“

„Ja.“

Jetzt bin ich sprachlos. Die Diskussion geht mit anderen weiter. Ich merke, bis auf einen einzigen Vater, denken alle anderen Anwesenden, ich hab sie nicht mehr alle. Ich halte also meinen Mund.

Teufel Computerspiel

Der Vortrag hieß eigentlich „Phänomen Computerspiele: Fluch oder Segen?“. Wir sind mit dem Thema Sucht eingestiegen und da irgendwie hängen geblieben. Es geht v.a. um World of Warcraft.

Später versuche ich rauszubekommen, von wie viel Prozent Süchtiger wir überhaupt sprechen. Ich finde Zahlen zwischen 3 und 10% aller Jugendlichen in Deutschland. Meistens geht es in den Studien aber nicht nur um Computerspiele sondern auch um Onlinesucht.

Immer wieder begegnet mir die Studie, die sagt, das angeblich 560.000 Menschen in Deutschland internetsüchtig sind. Vor einigen Jahren hatte ich mir die Studie genauer angeschaut und festgestellt, dass es hier Kriterien gibt wie „beschäftigt sich x Stunden am Tag damit“ und auf der anderen Seite auch Internetradio oder Streaming mit erfasst wurde.

Interessehalber habe ich mich auch mit den Thesen von Manfred Spitzer befasst. Er geht so weit und verteufelt z.B. das Lesen von Büchern in eReadern.

In den Zahlen und Studien konnte ich unterm Strich nichts finden, das mich wirklich überzeugt hat, dass man Kinder von Computerspielen fern halten sollte oder dass es schlimmer ist, wenn sie Computer spielen als wenn sie lesen oder einfach nur chillen.

Ich glaube auch, dass die Zeit der Pubertät, die Zeit ist, in der generell exzessiv Hobbys betrieben werden. Von morgens bis abends lesen, Computer spielen, beim Pferd abhängen, Karate machen, Brettspiele spielen.

Früher war alles anders – oder?

Bei mir fing das so mit acht Jahren an. Ich hatte am Anfang selbst keinen Computer und verbrachte deswegen viel Zeit bei einem Schulfreund, der einen sehr großen Computer hatte (ich könnte schwören, es war ein Apple Lisa, was ich aber aufgrund des irrsinnigen Anschaffungspreises nicht glauben kann). Ich durfte den Computer nie selbst anfassen, ich durfte lediglich die 5¼-Zoll-Disketten anreichen und dann zuschauen, wie er spielte.

Die nächsten Jahre sah mein Alltag so aus: Schule bis Mittag, nach Hause gehen, mir Essen warm machen, Hausaufgaben machen, zum Schulfreund gehen und beim Computer spielen zuschauen.

Dann bekam ich selbst einen C16 mit Datasette und dazu eine BASIC-Kurs-Software inklusive BASIC-Buch (wenn ich mich richtig erinnere) und spielte alleine Zuhause. Mir wurde das Spielen irgendwann langweilig und ich fing an mir sehr einfache Spiele selbst zu programmieren.

(Nebenbei las ich genauso exzessiv Bücher von Wolfgang und Heike Hohlbein: Elfentanz, Heldenmutter, Drachenfeuer etc.)

Ich kann mich nicht erinnern, ob sich meine Eltern Sorgen gemacht haben. Tatsächlich kann ich mich nicht mal erinnern, dass sie gesagt haben: So. Heute aber nur eine Stunde Computer und dann aber Schluß.

Wahrscheinlich kann man das ohnehin nicht mit heute vergleichen. Ich durfte auch ohne Limit fernsehen, v.a. in den Schulferien.

Aber egal. Ich frage mich wirklich, warum Eltern so große Angst vor Computerspielen (und der Online-Welt) haben.

Wo liegt eigentlich der Angst-Hund begraben?

Zurück zum Computer-Spiele-Vortrag: Ein bisschen später meldet sich eine weitere Person und bittet den Referenten: „Halten Sie auch in Schulen Vorträge über die Gefahren? Es wäre doch gut, wenn nicht immer nur die Eltern warnen, sondern die Kinder auch mal von anderen Menschen hören, wie gefährlich das ist!“.

Ich atme.

Es bleibt mir ein Rätsel. Warum sind einige Eltern nicht bereit sich die Frage zu stellen warum sie Computerspiele so schlimm finden. Was genau sie für die Entwicklung ihrer Kinder befürchten. Warum sie das Digitale im weiteren Sinne so verteufeln. Warum sie glauben, dass exzessives Lesen gut, exzessives Computerspielen schlecht ist. Und v.a. „Computerspiele“ – ich möchte mal wissen, wie viele Eltern überhaupt wissen WAS ihre Kinder spielen (wollen) und was das für Spiele sind, um was es da geht oder was ihnen dabei Spaß macht. Wie viele ängstliche Eltern haben sich zum Beispiel schon mal auf YouTube ein Let’s play angesehen?

Ich glaube (so wie ich das bei dem Onlinethema auch glaube), die meisten Ängste kommen von Unwissenheit.

Gerade im Thema Computerspiele gibt es dann noch starke Vorurteile in der Gesellschaft, die unreflektiert von vielen Medien verbreitet werden. So glauben bestimmt eine nicht unwesentliche Anzahl an Eltern, dass Ego-Shooter Gewaltbereitschaft fördern und quasi der direkte Weg zum Amoklauf sind. Kein Wunder, wenn man sich dann große Sorgen macht…

Wenn man von Computerspielen in der Medienwelt lesen kann, dann v.a. selektiv. World of Warcraft ist wahrscheinlich genau wegen der Suchtthematik eines der wenigen Spiele, das vielen namentlich bekannt ist.

Was dringt sonst noch in den Mainstream? Bestenfalls die großen Blockbuster.

Interessant ist ja auch, was überhaupt als Computerspiel wahrgenommen wird und was nicht. Ein Großteil der ängstlichen Erwachsenen – eine Nachfrage hatte das zum Start des Vortrags ergeben – spielt selber diverse Handy- oder Facebookspiele (FarmVille, Candy Crush und Co.). Auf die Frage „Wer spielt selbst Computerspiele“ melden sich diese Leute nicht. Erst als der Referent nochmal konkret fragt: „Und auf dem Smartphone?“ gehen die Finger zögerlich nach oben.

Selbst schlau machen

Jedenfalls. Ich würde mir wirklich wünschen, dass Eltern sich mit dem beschäftigen, was Kinder beschäftigt. Sich erzählen lassen, was die Kinder machen, was die Faszination ausübt.

Mein Gefühl ist, dass v.a. die jüngeren Kinder ihre Eltern sogar gerne beim Spielen dabei hätten. Wenn ich Kind 3.0 zu Minecraft befrage, erzählt es so lange bis mir die Ohren bluten.

Bei den Älteren ist das vielleicht nicht mehr so – aber ich glaube, dass sie auch bereitwillig berichten, was die Faszination des Spiels ausmacht.

Würden Eltern sich selbst ein bisschen für die Neuerscheinungen auf dem Spielemarkt interessieren, dann könnte das sogar die Möglichkeit eröffnen  gelegentlich mit den Kindern gemeinsam zu spielen oder Spiele zu empfehlen.

Ich denke, es gibt für Erwachsene super Einsteigerspiele – Spiele, die Brettspielen gar nicht mal so unähnlich sind (Tricky Towers z.B.), für die man in dem Sinne keine besonderen Computerspiele Skills (auch nicht in der Bedienung der Konsole) braucht und die man auch gut und mit viel Spaß gemeinsam spielen kann.

Es ist immer wieder erstaunlich, was Kinder interessant finden. Wir haben z.B. im Urlaub mal The Witness gespielt – ein Spiel bei dem es v.a. um das Lösen von Logikrätseln geht. Als es irgendwann so absurd schwer und kaum mehr nachvollziehbar wurde, dass ich das Interesse verlor, waren die Kinder noch Feuer und Flamme und ehrgeizig bei der Sache. So viel Durchhaltevermögen kann ich wirklich nur bewundern.

Was ich sagen will: Wenn man selber spielt (oder sich mal ein paar Beiträge zu Spielen anhört oder den ein oder anderen Artikel dazu liest), hat man einen ganz anderen Zugang zu dem Thema und findet dann vielleicht auch zu einem anderen Umgang damit.

Am Ende geht es aber ja nicht darum die Spiele selbst zu spielen, sondern einen kompetenten Umgang damit zu vermitteln oder sich einen gemeinsam mit den Kindern zu erarbeiten und die eigenen Unsicherheiten abzubauen.

Der einfachste Weg dorthin ist das Gespräch – der Austausch. Das halte ich alles für zielführender als irgendwelche übertriebenen Reglementierungen oder gar Verbote.

Zum Abschluss noch ein Video, das die Frage beleuchtet, warum der Zugang zum Thema Computer/Videospiele so schwer ist und warum es dennoch wichtig ist, sich um „Basic Game Literacy“ zu bemühen.

Video gefunden bei Marcus Richter

Wo wir schon bei Marcus Richter sind: der kann ja eigentlich ganz gut erklären, was es so gibt und warum Menschen Computerspiele spielen:


Und P.S. Wäre ich meine Eltern gewesen, ich hätte mir nur in meiner frühen Adoleszenz Sorgen um mich machen müssen. Das war die Phase in der ich Sims gespielt habe. Dagegen ist DOOM ein fröhliches Alien-Spiel.

[Werbung] Huldigt den Erfindern der Waschmaschine

Waschmaschine
pixabay @bierfritze

Sie wissen es nicht, aber Sie sind einem Mann namens John Tizack sehr, sehr dankbar.

Glauben Sie nicht? Doch, doch. Das ist nämlich der Erfinder der Waschmaschine. Naja zumindest derjenige, der 1691 das Patent zur Grundform der heutigen Waschmaschine angemeldet hat.

Da war die Waschmaschine aber noch ein riesiger Holztrog mit einem Deckel. Der Deckel hatte ein Loch, durch das eine Holzstange führte, die durch Hin-und Herdrehen die Wäsche in der Seifenlauge bewegte.

Es dauerte dann nochmal rund hundert Jahre, bis die Maschine so klein und damit auch erschwinglich war, dass sie theoretisch in normalen Haushalten hätte eingesetzt werden können.

Hannover Waschmaschinenpioniersstadt

Erste Hinweise, dass das wundersame halbautomatisierte Waschgerät auch in Deutschland im Einsatz war, finden sich in den Geschichtschroniken der Stadt Hannover.
(Weiß Hannover das eigentlich? Hannover die Geburtswiege der deutschen Waschmaschinengeschichte! Gibt es entsprechende Museen? Stadtführungen? Gedenktafeln? )

Tatsächlich hat sich die Waschmaschine aber weitere 200 Jahre im Bereich der Privathaushalte nicht durchsetzen können.

Erst als 1951 die erste elektrische Trommelwaschmaschine auf den Markt kam und dann rund zwei Jahrzehnte später preislich erschwinglich wurde, fanden die Waschmaschinen ihren Weg in den Haushalt.

Wenn Wäsche waschen schnell geht, kann man öfter waschen

Für Hausfrauen bedeutete das eine große Zeitersparnis. Jedenfalls die ersten zwei bis drei Jahre nach Verbreitung der Waschmaschinen. Damit die Hausfrauen aber auf keine dumme Gedanken kamen und sich nicht langweilten, stiegen einfach die hygienischen und ästhetischen Ansprüche an die Sauberkeit von Wäsche. Demzufolge musste sie viel häufiger gewechselt und gewaschen werden. Die Hausfrauen waren also wieder genauso lange mit Wäschewaschen beschäftigt wie vorher.

Interessant fand ich übrigens auch zu lesen, dass bestimmte Tätigkeiten wie z.B. das Wäsche waschen an Flüssen oder in Waschhäusern (oder auch das Teppichklopfen im Hof – die Geschichte des Staubsaugers verläuft ganz ähnlich wie die der Waschmaschine) sehr anstrengende aber eben gesellige Tätigkeiten waren.

Mit dem Einzug der elektrischen Haushaltsgeräte wurden die Frauen, die ja traditionell diese Tätigkeiten verrichteten, sozial isoliert. Wäsche waschen und Staubsaugen fand fortan alleine in der eigenen Wohnung statt [1].

Die Waschmaschine im Familienhaushalt ist unverzichtbar
Wäscheberge
pixabay @mpkino

Wie dem auch sei. ICH bin dem Erfinder der Waschmaschine sehr, sehr dankbar. In unserem Mehrpersonenhaushalt fallen jede Woche rund vier Maschinen Wäsche an. Ich hab dabei sogar das Gefühl, dass wir sehr sparsam und pragmatisch waschen – was nicht komisch riecht oder sichtbare Flecken hat, wird nach dem Tragen ausgeschüttelt und wieder zusammengefaltet in den Schrank gelegt.

Ich erinnere mich, dass meine Mutter immer viel mit der Hand gewaschen hat. Erstaunlich oft geben das die Etiketten an Kleidungsstücken ja vor.
Ich wasche nichts mit der Hand. Dafür gibt es ja das Waschmaschinenprogramm „Handwäsche“ (was ich sehr, sehr lustig finde). Ich bin mir sicher, dass jedes Wäschestück, auf dem Handwäsche steht, in meiner Waschmaschine besser aufgehoben ist als in meinen Händen.
Ich habe einfach nicht den Nerv Wäschestücke zart durch vorher angesetzte Seifenlauge zu ziehen und sie dann stundenlang mit klarem Wasser zu spülen. Allein die Vorstellung! Man muss dann ja auch noch auf die Temperatur des Wassers achten etc. pp.
WER MACHT DENN SOWAS?

Ich merke gerade, das Thema Waschmaschine ist ein sehr dankbares philosophisches Thema. Neben der Frage, ob das maschinelle Wäscheprogramm Handwäsche schonender ist als die manuelle Handwäsche, frage ich mich auch oft, warum man bestimmte Kleidungsstücke kalt oder bei 30 Grad waschen soll.
Die Frage ist gar nicht so banal, denn wenn man es tun soll weil die Kleidungsstücke sonst schrumpfen, abfärben oder sonstwie leiden – wie kann es sein, dass sie einen schwitzigen Sommertag bei 30 Grad an meinem Körper überleben? Müssten sie dann nicht an meinem Körper das selbe tun, was das „bitte kalt Waschen“ Etikett für ihr Verhalten in der Waschmaschine andeutet?

Fragen über Fragen!

Ich möchte jedenfalls nicht mehr ohne eine Waschmaschine im eigenen Haushalt leben. Als Studentin hatte ich keine und musste regelmäßig in den Waschsalon. Das war anstrengend und langweilig. Ich weiß außerdem nicht was das für optimistische und nervenstarke Menschen waren, die ihre Wäsche im Waschsalon einfach unbeaufsichtigt waschen haben lassen. Da kann doch jederzeit jemand kommen und alles klauen!

Ich hab mich da vorsichtshalber immer mit Buch vor die Waschtrommel gesetzt.

Heute bin ich froh, dass ich es mir leisten kann, eine eigene Waschmaschine zu besitzen. Die größten Demutsmomente habe ich immer, wenn die Kinder die Kotzerei haben. Da hat man oft in einer Nacht drei Bettwäschesets und ebenso viele Schlafanzüge besudelt. Wie wunderbar wenn man den ganzen Mist einfach in die Waschmaschine stopfen kann und sich um nichts kümmern muss.

Also Danke John Tizack – und wollen wir genau sein – auch Alva J. Fisher, der die erste elektrische Trommelwaschmaschine erfunden hat.

Waschmaschinen online kaufen

Achso: Und falls ihr gerade eine neue Waschmaschine kaufen wollt, dann ab zu AO.
AO ein großer Onlineshop für Haushaltsgeräte. Schick ist z.B. die Suchmaske für Waschmaschinen, bei der man gleich eingrenzen kann, was genau man sucht und wie viel man ausgeben möchte. Es gibt dann, wie bei anderen Portalen auch üblich, eine Fünfsternebewertung für die Produkte selbst.
Zur eigentlichen Lieferung kann man, was für mich persönlich unverzichtbar ist, Deinstallation, Anschluss und Altgerätemitnahme als Service für 24,99 Euro hinzu buchen.


[1] Quelle: Geschichte der Konsumgesellschaft

Ich fühl mich so leer, ich fühl mich Brandenburg*

Häuschen im skandinavischen Stil
Symbolbild Häuschen im skandinavischen Stil Quelle: Snufkin @Pixabay

Wir sind bislang jeden Tag ein Stück um den See gelaufen. Eine Art Promenade oder einen richtigen Uferweg gibt es nicht. Es sind eher Trampelpfade, die vereinzelt von Privatgrundstücken, die direkt ans Wasser reichen, unterbrochen werden.

Ich finde erstaunlich, dass es so nah an Berlin einen so großen See gibt, der nicht komplett zugebaut ist.
Die paar Häuser, die hier stehen, weisen eine rätselhafte Architektur auf. Entweder sie sind aus dunklem Holz und erinnern mich an den Schwarzwald – nur dass sie aussehen wie eilig von Hand zusammengezimmert oder es sind völlig geschmacklose Prunkvillen, die wie aus einem Katalog bestellt aussehen. Ohne Charme, Charakter und Stil. Groß, kalt, pastellig, vier Säulen zum See.

Ich stelle mir vor wie wohlhabende Menschen gelangweilt in einem Fertigvillenkatalog blättern: Villa Rimini, 450.000 Euro, Villa Miracolo 570.000 Euro, Palazzo Pomposo 320.000 Euro.

Ein Stückchen näher zu unserem Feriendomizil gibt es Häuschen im skandinavischen Stil (steht zumindest auf der Immobilienanzeige). Sie kosten nur 220.000 Euro. Wenn man so wie ich, die Berliner Immobilienpreise gewöhnt ist und dann sieht, dass man für nur 220.000 Euro ein 90 qm großes, neues Häuschen direkt an einem See haben kann, dann beschleicht einen der Gedanke: Ach, so ein Häuschen… ach was, ZWEI Häuschen… das könnte man sich locker leisten. Nullprozentfinanzierung (denn kein Schwein schafft es bei den Lebenshaltungskosten auch noch Geld anzusparen), schon in 40 Jahren abgezahlt und dann hat man es schön hier, wenn man alt ist bzw. es bleiben einem mit etwas Glück noch ein bis zwei Jahre, die man das Häuschen schuldenfrei genießen kann, bevor man stirbt.

Symbolbild Winterdienst in Brandenburg Quelle: Pixaline @Pixabay

Es hat geschneit und alle Wege sind geräumt. Wirklich alle. Ich schaue gegen 6 Uhr morgens aus unserem Schlafzimmerfenster, selbst der Weg neben unserem Parkplatz ist geräumt. Der Gehweg, die Straße, die Hauptstraße sowieso, der Trampelpfad zum Bäcker.

Wie machen die das?
Bzw. wie kann es sein, dass die Berliner Unternehmen, die für den Winterdienst in der Hauptstadt zuständig sind, es nie gebacken bekommen?
Geräumte Gehwege! In Berlin walzt man die Schneedecke platt und dann streut man wie irre Kies (oder wie das heißt) drüber.
Das macht man jeden Morgen an dem es schneit. Wie eine Lasagne aus geplättetem Schnee und Streu.

Wenn es taut, ist alles voller Matsch und es liegen Tonnen an Streu herum. Ist der ganze Schnee verschwunden, kommen Männer mit Laubbläsern (ich schwöre, ich habe das wirklich mehrere Male gesehen!) und pusten den Streu maximal ineffizient an die Wegesränder, von wo aus er irgendwann verschwindet.

Vielleicht könnte die Berliner sich ja mal einen Winderdienst Experten aus Brandenburg ausleihen und die machen dann ein Bootcamp zum Thema Schnee.
Wahrscheinlich haben die Brandenburger einfach die geilere Technik. Echtzeitkarten mit automatisch ausgelösten Räum-Alarmen, wenn die Temperatur unter 4 Grad fällt.
Ich denke, der Brandenburger Winterdienst sitzt wie anderswo die Feuerwehr in einem Winterdienstquartier und wenn die Wetter-App Schneegefahr meldet, dann springen alle von ihren Plätzen direkt in die Stiefel, um die die Schneehosen schon drapiert sind und fahren mit ihren Räumfahrzeugen los.
Elektroräumfahrzeuge müssen es sein, denn ich habe hier noch nie ein Geräusch gehört.

Überhaupt. Diese Stille hier macht mich völlig verrückt. Zum Glück haben wir die Kinder dabei, die ständig rumschreien, weil sie im Schnee spielen. „Schau mal, Mama. Mama, Mama, Mama! MAAAAMA.“
Ich denke an meine Mutter mit ihrem Spruch: „Für jedes Mama ne Mark und ich bin Millionärin!“

Aber im Ernst, außer unseren Kindern macht hier niemand Krach. Die Menschen nicht, die Fahrzeuge nicht (weil es einfach keine gibt), kein Laut aus den winterschlafenden Häusern, in den Restaurants sind wir alleine.
Einmal flog eine Kohlmeise auf unsere Terrasse. Die Kinder waren ganz aufgeregt. „NATUR! MAMAMAAAAA! KOMM! SCHAU MAL EIN VOGEL!“ Er macht „piep“, es klang wie ein sehr rabiates PIEP. Wahrscheinlich hat er die Kinder geschimpft weil sie so laut waren.

Abends, gegen 24 Uhr, wenn wir ins Bett gehen, öffne ich nochmal das Fenster um Sauerstoff rein zu lassen und horche in die Nacht. Es ist wirklich NICHTS zu hören. Keine entfernte Straße, nicht mal die Straßenlaternen summen.

Zwei Tage gefällt mir das, doch dann fängt es an mich nervös zu machen. Was ist hier eigentlich los? Wo sind die Menschen? Wo sind die Geräusche? Wahrscheinlich werden alle Touristen, die länger als zehn Tage hier sind von irgendeinem Wesen (dem großen Brandenburg Golpsch!) geholt und verschlungen, dann ist wieder Ruhe.

Ich denke an den Liedtext Auszeit von Marteria

Ja ich vermiss diese Stadt
Hab‘ die Bikinis und Frisbees so satt
Morgens beim Aufstehen hilft mir ein Krahn
Ich träum‘ von ’nem Haus mitten auf der Autobahn
Der Abend dämmert, hier schreien keine Lämmer
Kein Druck, keine Pressluft die hämmert
Kann diese Ruhe nicht gebrauchten
Dreh das Radio auf, such den lautesten Sender
Brauch ’n Kiez voll mit Jugendbanden
Kann nur schlafen, wenn neben mir Flugzeuge Landen

Quelle: Marteria „Auszeit“

Ja, das gilt auch für mich. Ich bin Stadtmensch. Diese Ruhe hier ist kaum auszuhalten.

Whirlpool
Symbolbild Whirlpool Quelle: derRenner @Pixabay

Apropos Ruhe. Wir haben einen Whirlpool. Völlig irre so ein Teil. Eine Eckbadewanne mit 300 Liter Fassungsvermögen. Macht pro Bad 2 Euro 10 Cent wenn ein Liter Wasser 0,7 Cent kostet.
Der Whirlpool hat zwei unterschiedliche Düsen. Blubberdüsen und Jetdüsen, ich nenne sie mal Jetdüsen, weil sie sind so laut wie ein Jet.
Außer uns hat bestimmt niemand in Brandenburg jemals gewagt die Jetdüsen ein zweites Mal anzustellen.

Meine App zeigt tatsächlich 110 Dezibel.

Trotz meiner ersten, nicht so erfreulichen Whirlpoolerfahrung versuche ich es ein zweites Mal mit dem Whirlpool.
Die Düsen brauchen 3000 kW die Stunde, denke ich als ich ins Wasser gleite. Aber was kostet die Welt! Ich habe Urlaub. Heute gönne ich mir einfach den ohrenbetäubenden Krach. Schließlich arbeite ich 30 Stunden die Woche. Irgendwie muss ich mein Geld auch wieder unter die Leute bekommen.

Ich stelle die Jetdüsen also auf volle Pulle. WAHNSINN. Druckmäßig passiert fast nichts, zur Massage völlig ungeeignet, aber der Lärm lockt unser geräuschintensives Kind 3.0 an den Pool.
„YEAAAHHHHHH! HUUUHUUUU! JUHHUUUUUUU!!!!“ schreit es, würde ich messen, vermutlich weitere 20 dB lauter als der Pool.
„WAS IST DAS?“
„EIN WHIRLPOOL!“
„FÜR WAS BRAUCHT MAN DAS?“
„KEINE AHNUNG!!!“
„YEEEAAAAHHHHHHHHHHH. HHHUUUUUUUUIIIHHUUUUUUU!!!“

Während ich also mit schmerzenden Ohren im Whirlpool sitze, denke ich mir, wenn ich irgendein CEO eines Startups wäre, ich würde versuchen rauszubekommen, wer das Marketing für Whirpools gemacht hat.
Das ist doch eine irre Sache. 110 dB ist der Irrsinn laut, bewirkt rein gar nichts, einfach nur LAUT und irgendwer auf diesem Planeten hat es geschafft, das als Wellness zu verkaufen.

Wellness! Muss man sich mal vorstellen. Das ist so als wenn man ein Gerät erfindet, dass einen in den Magen schlägt und es dann für 150 Euro (ist ja nur To Go) an alle Welt als der neuste heiße Scheiss am Wellnessmarkt verkauft. (Immerhin so ein Schlag in den Magen ist viel entspannender als das was man heutzutage jeden verdammten Morgen in den Nachrichten liest).
Ich schreibe mir als Merker auf einen Zettel „Whirlpool Marketing Genie recherchieren“.

Findling
Symbolbild Findling Quelle: katzengraben @Pixabay

Ein anderes Marketinggenie arbeitet in der Touristenbehörde Brandenburgs. Nachdem wir nämlich drei Tage um den See gelaufen sind, denke ich mir: Man könnte ja auch mal was anderes machen und googele „Ausflüge kindertauglich Brandenburg“ und stoße auf eine Seite, die mir eine Wanderung durch die Rauenschen Berge anpreist. Nur zweieinhalb Kilometer vom Waldparkplatz zum Aussichtsturm. Super. Da machen wir.

Es gibt nämlich nicht nur den Aussichtsturm von dem aus man angeblich den Berliner Fernsehturm sehen kann, sondern es gibt auch ACHTUNG zwei Steine.

Ja, Sie haben richtig gelesen. Steine. Große Steine zugebenermaßen – aber es werden tatsächlich Steine als Sehenswürdigkeit angeboten.

Auf der Seite Touristischesuperlative.de lese ich, dass es sich bei einem der beiden Steine um den größten landliegenden Findling Brandenburgs handelt.
Die Steine heißen großer und kleiner Markgrafenstein. Wobei der kleine Markgrafenstein der größere der beiden Steine ist. Natürlich war ursprünglich der größere der beiden Steine der große Markgrafenstein – aber wie Menschen so sind, musste der große Markgrafenstein natürlich zerteilt werden, damit man irgendwas nutzloses herstellen konnte – in dem Fall die große Granitsteinschale im Lustgarten.

Zusammen mit diesem abgeschlagenen Teil wäre der Reststein 800 Tonnen schwer, und – jetzt halten Sie sich bitte fest – damit wäre der Findling auch der größte landliegende (was ist das eigentlich? Was sind wasserliegende Findlinge und kann man die auch besichtigen?) Findling nördlich von Berlin!!!

Jetzt aber ist der kleinere der Markgrafensteine der größte. Umbenannt wurde er trotzdem nicht. Obwohl er viel größer ist, heißt er für immer kleiner Markgrafenstein.

Wie sich der kleine Markgrafenstein damit fühlt, der ja nun seit vielen Jahren der faktisch größere der beiden Steine ist, vermag ich mir nur vorzustellen.
Da kriecht man Jahrhunderte mit einer Moräne von Schweden bis Brandenburg, immer der kleinere der beiden Steinbuddys, hat sich schon damit abgefunden – ich bin eben nur 280 Tonnen schwer – und dann kommt DIE Chance und der Angebergranitklotz, der einem vermutlich nur die ganze Zeit gefolgt ist, um sagen zu können: „WUHUUU, schaut mich an, ich bin ja viel größer!“ wird um 550 Tonnen verkleinert… und dann bleibt man trotzdem für IMMER der kleine Markgrafenstein.
Also das ist kein schönes Schicksal.

Egal wie, wir stapfen durch den Schnee zu den beiden Steinen und machen pflichtbewusst ein Foto.

Ich glaube, damit haben wir im Urlaub alles erreicht was geht.


*Zitat aus dem Lied „Brandenburg“ von Reinald Grebe

Eine gute Partie

Essen
Wenn ich Prepperin werde, gibts lecker Eingemachtes. JEDEN Tag.

Es soll Menschen geben, denen Essen relativ egal ist. Sie füllen pflichtbewusst und regelmäßig ihre Energiespeicher – aber mit was ist ihnen egal. Die Krönung dieser Gleichgültigkeit stellen wohl Menschen dar, die ihre Ernährung auf Soylent [1][2] und ähnliche Präparate umstellen.

Für mich hingegen ist essen nicht nur überlebenswichtig sondern stellt auch einen großen Teil von Lebenszufriedenheit dar. Das heißt nicht unbedingt, dass ich mich auf eine bestimmte Art ernähre oder dass mein Essen besonders hochwertig ist – mich macht auch Currywurst mit Pommes glücklich – aber es gibt eine bestimmte Art von Minderwertigkeit, die mich abstößt.

Noch schlimmer und Garant für Instant-Übellaunigkeit ist bei mir: Gar nicht essen.

Ich weiß wirklich nicht wie Menschen fasten oder diäten können – ich könnte das bestenfalls als Eremitin in einer Einöde. Da würde ich mich sehr miesepetrig in eine Höhle zurück ziehen und die Steinwände anstarren, so dass mich das satte Grün von Bäumen oder Wiesen der Umgebung nicht irgendwie an köstlichen Brokkoli oder Salat erinnert und meine Laune in Bereiche bringt, die für Mitmenschen lebensgefährlich werden könnte.

Ein echter Schock war für mich deswegen als ich letztes Jahr um 20.30 Uhr auf Hiddensee versucht habe, etwas zu essen zu bekommen.

Die Supermärkte hatten bereits um 16 Uhr geschlossen – das war mir klar. Völlig überrascht hat mich der Umstand, dass auch die Kneipen und Restaurants um diese Uhrzeit nicht nur kein warmes Essen sondern gar kein Essen mehr boten.

Genauer gesagt, lief das so ab:

20.30 Uhr, wir betreten die Kneipe, in der wir am Tag zuvor am Nachmittag ein Stück Kuchen zu uns genommen haben.

Gleich im Eingangsbereich an der Theke grüßt und die Bedienung:

– Guten Abend!
– Guten Abend, sage ich und eigentlich rein rhetorisch gemeint, während ich schon meine Jacke ausziehe: haben sie noch warmes Essen?

Einen kurzen Moment steht die Zeit still. Den Herren am Stammtisch gleich links neben mir stockt der Atem. Zwei reißen ungläubig die Augen auf, die anderen beiden, sie hatten gerade ihr Bier angehoben, stoppen in der Bewegung.

Man starrt uns an. Die Bedienung, ebenfalls mit entgleisten Gesichtszügen, atmet durch und sagt dann: Es ist 20 Uhr 30.
Ich schaue sie verständnislos an. Denke: Ja, das ist richtig, aber was will mir das sagen?

– Nach 20 Uhr gibt es kein warmes Essen mehr.
– Verstehe, sage ich noch fröhlich, dann nehmen wir etwas Kaltes. Brot und irgendwas?
– Haben wir nicht.
– Aufwärmbare Suppen?
– Nein.
– Kuchenreste?
– Nein.
– Spiegelei?
– Nein. Es gibt kein Essen mehr.
– Gar keins?
– Korrekt.
– Gibt es auf der Insel vielleicht ein anderes Restaurant, das noch Essen hat?
– Nein
– Auf der ganzen Insel nicht?

Die Bedienung schüttelt den Kopf. Ich blicke zum Stammtisch. Höchstens der „Dünenkönig“, sagt einer der Anwesenden zögerlich.
– Wo finden wir den? (Auf Hiddensee gibt es auch kein mobiles Datennetz!)

Um die Geschichte abzukürzen: Auch der „Dünenkönig“ hatte kein warmes Essen mehr. Schon gar nicht um 21 Uhr!

Völlig verdattert stapfen wir in unsere Ferienwohnung. Ich wühle in meinem Rucksack. Von der Anreise habe ich noch drei Kekse und ein halbes, vertrocknetes Brötchen. Wir teilen alles in zwei Teile und essen schweigend unsere Ration.
Es ist in der Zwischenzeit 22 Uhr. Frühstück bietet unsere Unterkunft erst ab 8 Uhr. Ich muss 10 Stunden ohne Nahrung überleben.

Von diesem Urlaub habe ich noch ein kleines Trauma. Deswegen muss ich immer, wenn ich eine Ferienwohnung neu beziehe, sofort erstmal einkaufen gehen und die Schränke befüllen.

So auch dieses Mal. Dreißig Minuten nach Ferienwohnungsbezug stehen wir bei EDEKA.
Zu zweit kaufen wir so viel wie wir tragen können.
Beim Abendbrot vertilgen wir zu meinem Erschrecken ein ganzes Brot. Um 21 Uhr sind wir brotlos. Wie immer habe ich gegen 22 Uhr wieder Hunger. Es gibt noch Wurst, Käse und Schinken – aber ohne Brot kann man das doch nicht essen. Gottlos wäre das!

Zum Glück haben wir am Nachmittag gefragt, wann der örtliche Bäcker öffnet. 7 Uhr!
Ich trinke ersatzweise drei Tassen Tee und gehe dann ins Bett.
6 Uhr stehe ich auf und mache mich auf den Weg zum Bäcker.

Dort kaufe ich für das gesamte Bargeld, das ich einstecken habe, Dinge. Es ist schließlich Sonntag. Der Bäcker macht um 11 wieder zu. Ob es Restaurants oder Cafés gibt, die sonntags geöffnet haben (und Essen verkaufen!), kann ich nicht mit hundert prozentiger Sicherheit sagen.

Ich muss also so viel kaufen, dass wir bis Montag 7 Uhr überleben.
Wir sind vier Personen. Bestimmt sind alle so hungrig wie ich. Ich kaufe also sicherheitshalber zehn Brötchen. Da ein Brot fürs Abendbrot nicht genügt hat, kaufe ich zwei Brote.

Wir wollen später spazieren gehen, also kaufe ich noch einen kleinen Wegesproviant. Käsebrötchen, Splitterbrötchen, einen Hefezopf, ach Croissants könnte ich ja auch noch nehmen.

Es gibt auch Kuchen. Vielleicht wollen wir später Kuchen essen. Also kaufe ich lieber noch ein paar Stück Kuchen.
Hinter mir wird die Reihe immer länger. Man schaut sich nervös um. Ich verstehe es ja, die Auslage wird gefährlich leer. Aber da hätten sie eben früher aufstehen müssen. Jetzt bin ich erstmal dran.
Ich überlege: Morgen Früh erst frühstücken können und dann einkaufen, wäre auch schön. Ich kaufe also noch mehr.
Was ist, wenn wir heute lange wach bleiben und ich wieder Appetit bekomme? Lieber ein drittes Brot.
Ich schaue in mein Portemonnaie. Ich habe nur 50 Euro Bargeld dabei. Ich rechne alles im Kopf nach. Ach – Puffer für einige Brezeln ist auch noch!
Schwer bepackt schleppe ich alles nach Hause.

Dort decke ich den Tisch und wecke den Freund, der sich wider Erwarten gar nicht soooo freut, dass ich ihn um 8 Uhr an einem Sonntag im Urlaub wach mache.

Genau genommen sieht er so aus, als hätte ich ihn um 3 Uhr nachts geweckt. Er sieht gar nicht die Brötchenberge, den Brotstapel und all die anderen Leckereien. Ihm ist wohl gar nicht klar, dass er mit mir den Glücksgriff einer Jägerin UND Sammlerin gemacht hat.

– Schon mal darüber nachgedacht Prepper zu werden?, fragt er mich.
– Prepper?

Den Begriff habe ich noch nie gehört. Ich lasse mir erklären, was das ist: Prepper sind Menschen, die auf Katastrophen und andere apokalyptische Zustände vorbereitet sind. Sie sind „prepared“.

Fantastisches Konzept!
Gegen Jahresende 1999 – zur Jahrtausendwende – hatte ich bereits erste Ansätze dieses namentlich nicht bekannten Konzepts verfolgt.
Alles sehr unwahrscheinlich mir diesem Jahrtausendcrash – ABER zur Sicherheit doch lieber einige Hundert Liter Wasser im Keller eingelagert und Dosensuppen und andere nützliche Nahrungsmittel kann man ohnehin immer brauchen…

Selbst die Bundesregierung verlautbart: „Die Bevölkerung ist angehalten, einen individuellen Vorrat an Lebensmitteln von zehn Tagen vorzuhalten.“
So hält es der allseits ungeschätzte Innenminister de Maizière für notwendig für die Erstversorgung pro Person und Tag zwei Liter Trinkwasser vorzuhalten.
In der Stadt ist das Überleben kein Spaß. So viel ist sicher.

Auf dem Land ist das anders. Mein Vater z.B. hat einen Garten. Da könnte man Gemüse anbauen, Schafe und Hühner ziehen, einen Trinkbrunnen graben und durch die staatliche Förderung von Solaranlagen, die deswegen jeder normale Mensch auf dem Dach hat, ist man sogar was Strom und Warmwasser angeht, autark.

Wir Stadtmenschen dagegen sehen dagegen alt aus. Zumindest WIR Stadtmenschen mit Balkon gen Norden. Da lassen sich nur sehr kleine Erdbeeren ziehen. An Erbsen, Bohnen, Tomaten und Hokaidokürbisse ist da gar nicht zu denken.
Vielleicht könnte man sich ein paar Balkonkaninchen halten, die man nach und nach schlachtet… aber so richtig lange würde man nicht überleben.
Es sei denn: man ist vorbereitet.

In Zeiten eines wahnsinnigen Staatsoberhauptes mit Zugang zu einem Atomwaffenarsenal ist das preppern, je mehr ich darüber nachdenke, tatsächlich eine hervorragende Idee.

Szenarien wie der Tag in Hiddensee möchte ich eigentlich kein zweites Mal erleben.

Wenn wir wieder aus dem Urlaub zurück sind, werde ich mich mal ein bisschen einlesen. Seile, Trockennahrung, Stromgeneratoren, Wasser, Dosennahrung, Desinfektionsmittel, Kerzen, notfallmedizinische Ausrüstung, Wasserfilter.

Und dann wird immer nur gegessen, was abläuft.
Nie mehr unsinnigerweise das auf was man gerade Lust hat.

Mein Freund hat es so gut mit mir!
Ich bin die beste Versorgerin!
Jede Apokalypse kann man mit mir überleben!

– NEIN SCHATZ! NICHT DER MAIS. HEUTE WERDEN DIE EINGELEGT… SCHATZ!? ES GIBT JETZT BOHNEN!
Ja, Schatz. Wir essen seit Wochen Bohnen, aber die laufen eben ab… nein, Schatz. Nein, Schatz! Das frische Brot wird jetzt eingela… lässt du sofort das frische … SCHATZ???!

[1] Sehr gut gefällt mir der Name des Konkurrenzprodukts: Joylent! [Werbelink]

[2] Soylent – hat seinen Ursprung im Film Soylent Green