[Werbung] Streamingdienst Deezer im Test

Musik hat in meinem Erwachsenenleben die letzten zehn Jahre keine besonders wichtige Rolle gespielt. Vielleicht hab ich mich deswegen bislang noch nicht mit dem Thema Musik-Streaming-Dienste auseinander gesetzt.

Als Teenager und junge Erwachsene war das anderes. Da war Musik lebenswichtig. Für jede Gemütslage gab es die passenden Lieder. Am wichtigsten war die Kategorie „Liebeskummer“. Durch den schlimmsten Herzschmerz hat mich zum Beispiel die Stimme von Jochen Distelmeyer begleitet. In diesem Zusammenhang auch aktuell bestens geeignet sein Cover-Album „Songs From The Bottom“:

Dann kamen die Kinder und damit hat sich das Thema Musik bzw. dauerhafte Hintergrundbeschallung vorläufig erledigt. Mit kleinen und mittelgroßen Kindern ist es einfach immer laut (jedenfalls mit meinen). Ich wollte nur noch eines:

S. T. I. L. L. E.

Aber auch die lautesten Kinder werden älter und damit leiser und plötzlich war wieder Raum für Zusatzschallquellen in meinem Leben.

Allerdings eher in Form von Podcasts und Hörbüchern. Die ich mit Vorliebe per Kopfhörer in öffentlichen Verkehrsmitteln höre oder bei der langweiligen Hausarbeit.

Auch Hörspiele für Kinder haben in unserem Leben zunehmend eine Rolle gespielt (*singt Coooniiii mit der ******* im Haaaar!*).

Deswegen ist es eigentlich nicht falsch Kundin eines Musik-Streaming-Dienstes zu sein.

Da ich bislang nicht dazu gekommen bin mich bei einem Anbieter anzumelden, habe ich mich gefreut von Deezer eingeladen zu werden, das Angebot mal zu testen. Am passendsten erschien der Deezer Familiy Account für 14,99 im Monat. Da können sechs Personen gleichzeitig mit eigenem Profil aus den 43 Mio Songs, Podcasts und Hörbüchern auswählen.

Deezer Family

Eigene Profile sind wirklich wichtig! Das wissen alle Eltern, die in bestimmten Shoppingportalen Geburtstagsgeschenke eingekauft haben und dann erstmal drei Monate lang mit den entsprechenden Produkten in den Empfehlungen vollgemüllt werden.

Deezer Profil
Im Browser muss man das Geschlecht nicht angeben. Deezer sagt, dass das Geschlecht ohnehin keine Auswirkung auf die Vorschlagsalgorithmen hätte.

In den Profilen* kann man außerdem hinterlegen wie alt die Kinder sind und so wird automatisch alles rausgefiltert, was aufgrund der Altersempfehlung nicht geeignet ist.

Deezer Suchergebnis nach Alter
Links Suchergebnis Erwachsenenprofil – rechts Kinderprofil

Ich fand die Auswahl für die Kinderhörspiele richtig gut – wahrscheinlich war mein Urteil stark davon beeinflusst, dass das Lieblingshörspiel meiner Kindheit – Jan Tenner – auf Deezer verfügbar ist.

(Die Auswahl ist aber wirklich reichhaltig. Es gibt z.B. Ritter Rost, viele Otfried Preußler Bücher, Wickie, Pixi Wissen, Die drei ??? und Was ist Was [leider auch Bibi & Tina, Conni und Mia and me])

Deezer Kinderhörspiele

Sehr nett finde ich im Zusammenhang Kinder/Jugendliche übrigens das feature „Mit Songtext abspielen“.

Deezer Karaoke

Für mich war Mitsingen beim Musikhören als Teenager enorm wichtig.

Ansonsten kann man bei Deezer all das machen, was man von einem Musik-Streaming-Dienst erwarten würde. Die Inhalte z.B. runterladen, so dass man sie auch offline hören kann:

Deezer Download

Sich mit der Funktion „Flow“ Musik vorschlagen lassen (und ich muss sagen, es wurde mir wirklich fast nur Musik vorgeschlagen, die mir auch wirklich gefällt).

Es ist möglich Playlisten zu erstellen oder anderer Leute Playlisten zu hören und es gibt auch redaktionell gepflegte Listen wie z.B. „Women of Rock“ (was ich sehr löblich finde, denn es gibt ja nach wie vor z.B. öffentlich-rechtliche Sender, die Musikspecials machen, in denen keine einzige Frau vorkommt…) – was v.a. nach einiger Zeit relevant wird, wenn man alles durchgehört hat, was man ohnehin schon kennt.

Die Browser-Version von Deezer fand ich nicht so wirklich intuitiv bedienbar. Ganz anders die App, in der man wirklich sofort alle Funktionen findet, die man sucht.

Dort ist z.B. auch möglich einen Equalizer zu aktivieren und sich einige Parameter selbst zu konfigurieren. Das ist übrigens auch die Stelle, an der man abstellen kann, dass außerhalb des WLANs Musik runtergeladen wird.

Deezer Audio Einstellungen

Ich war auch mit der Podcast und Hörbuchauswahl zufrieden. Natürlich kann ich mir bestimmte Podcasts, die mich interessieren, auch ohne Deezer abonnieren – aber ich fand es nicht schlecht mal ein paar neue Formate zu entdecken. Es gibt übrigens auch eine Handvoll Eigenproduktionen (Deezer Originals), die exklusiv nur auf Deezer verfügbar sind, wie zum Beispiel „Das kleine Fernsehballett“ mit Sarah Kuttner und Stefan Niggemeier. Es ist geplant, dass die Deezer Originals noch weiter ausgebaut werden.

Deezer Hörbücher

Im Deezer Lab kann man sogar einige Features ausprobieren, die noch nicht implementiert sind. Aktuell z.B. Sleep Timer.

Alles in allem war ich wirklich zufrieden. Da ich andere Streaming-Dienste nicht benutze, weiß ich natürlich nicht, ob es noch weitere Killer-Features gibt, aber die könnt ihr mir ja in den Kommentaren verraten.


 

*Es sei denn die Kinder kommen drauf, dass man sich das Passwort teilt und deswegen auch mit dem Account der Erwachsenen hören kann. Das ist vielleicht noch verbesserungsfähig. Denkbar wäre, dass das Abspielen bestimmter Inhalte z.B. per Pin gesichert wird.

 

Schweiget! und schreibet!

SprachnachrichtenNiemals wollte ich Dinge sagen, die meine Eltern gesagt haben. Doch ach! Es ist so schwer mit den guten Vorsätzen. Wie oft z.B. denke ich „Für jedes Mama ne Mark und ich wäre reich!“

„Mama?“

„MAMA?“

„MMAAAMAAA!“

„MAAAMAAA!!1!“

„Mama?“

Allein zwischen Feierabend und Bettbringzeit würde ich eine stattliche Summe dazu verdienen. Auf den Monat hochgerechnet, könnte ich meine offiziell bezahlte Arbeitszeit um gut die Hälfte reduzieren und meinen Lebensstandard dennoch halten. Ach was! Ein stattlicher Urlaub mit allem Pipapo wäre drin!

Auch wollte ich nie Kulturpessimistin werden. Ich wollte immer mit dem technischen Fortschritt mithalten. Jede relevante Plattform kennen, nicht aufhören Apps  zu testen, meine Mikrowelle mit ihren 542 Programmen bedienen können, offen für jede Neuerung sein, mir immer klar machen, dass es oft Bequemlichkeit ist, die einen daran hindert am Puls der Zeit zu bleiben, niemals nicht in die Das-haben-wir-schon-immer-so/Das-haben-wir-noch-nie-so-gemacht-Mentalität verfallen… doch ach. Ach. ACH.

Bei Sprachnachrichten hört es eben auf.

Es gibt einfach Grenzen!

MAN MUSS AUCH NICHT JEDEN SCHEISS MITMACHEN!

Früher ging es auch ohne. Da haben wir noch getippt! Sogar bevor es die Smartphones gab! Selbst da haben wir uns SMS geschickt. Wir haben die Zifferntasten als Buchstabenauswahl genutzt, mussten teilweise 3x auf die Taste drücken, bis endlich der gewünschte Buchstabe erschien und es gab gar keine Wortvorschläge. Wir haben jeden fucking einzelnen Buchstaben ausgewählt! Jedes Wort einzeln und bis ganz zu Ende getippt. So war das damals! Disziplin hatten wir! Durchhaltevermögen! Ehrgeiz! Echter Kommunikationswille!

Außerdem hat das SMS-Schreiben Geld gekostet. 30 Cent pro Nachricht.

Wir haben uns also gut überlegt, was wir schreiben.

160 Zeichen, die eine Aussage hatten.

Niemand hätte einfach einen Smiley geschickt oder „OMG lol“. Niemand! 3 SMS = eine Woche Taschengeld!

Sprachnachrichten

In der Zwischenzeit hat sich vieles geändert und ich bin auf dem Stand, dass ich einfach nur froh wäre, wenn die JUGEND VON HEUTZUTAGE wenigstens „lol“ schreiben würde. Wenn sie überhaupt schreiben würde. Aber das tut sie nicht! Sie redet! Sie schreibt nicht mehr. Sie schickt Sprachnachrichten.

Sie ist zu faul! Also das hätte es früher bei uns nicht gegeben. So schwer ist das doch nicht. HIMMELHERRGOTT! Wie lange dauert es denn zu tippen: „Kann ich noch zu Lisa? Ich bin 17 Uhr wieder da.“ Fünf verdammte Sekunden. Fünf Sekunden! FÜNF!

Aber nein. Die Jugend von heutzutage schickt lieber Sprachnachrichten.

 

(Wenigstens weiß ich jetzt was diese jungen Menschen machen, die ihre Telefone waagrecht vor ihre Münder halten während sie durch die Gegend laufen.)

Danke Merkel!

Sprachnachrichten nerven. Sie nerven! Ich höre sie nicht ab. Ich höre sie nie ab. Selbst wenn ich Kopfhörer hätte. Sie entsprechen einfach nicht meinen Kommunikationsgewohnheiten und die sind hier schließlich der Maßstab.

Sprachnachrichten sind Trump! Sprachnachrichten sind Kim Jong-un! Sprachnachrichten sind Sauron.

Twitterlieblinge, so antizyklisch, dass der Rhythmus jetzt wieder stimmt

Jeder ihren Dilettanten-Feminismus

Feminismus
Viele, vielleicht auch kleine, Feminismen | Fotoquelle: geralt @Pixabay

Neulich habe ich eine Überraschungsparty für jemanden organisiert, sprich Kontakt zu Menschen ausserhalb meiner eigenen Lebensrealität aufgenommen und sie zu 20 Uhr an einen bestimmten Ort geladen.

Meine Lebensrealität, das sind zum größten Teil Eltern mittelgroßer, schon relativ selbständiger Kinder, die sich durchaus schon selbst ins Bett bringen und auch mal ein zwei Stunden alleine bleiben.
Einer der geladenen Gäste fand die Uhrzeit total unpassend. 20 Uhr! Genau da bringt man doch die Kinder ins Bett. Selbst wenn es einen Partner oder eine Partnerin gibt, der das übernehmen kann, ist die Uhrzeit irgendwie doof.
Da habe ich mich ertappt gefühlt.
Aus dem Kleinkindelternleben bin ich entwachsen. Es ist wirklich nicht lange her, da war das meine Realität – umso seltsamer, dass ich einfach so vergessen habe, wie genervt ich immer war, wenn just um 20 Uhr beispielsweise das Telefon klingelte.
Wenn mir jetzt Freundinnen erzählen, dass sie mit ihren Kindern um 5 Uhr morgens aufstehen, weil die nicht mehr zum Schlafen zu bewegen sind, denke ich im ersten Impuls immer (shame on me!): „War das bei uns auch so? Das muss doch anders gehen? Man muss doch einem Kind klar machen können, dass 5 Uhr eine wirklich ätzende Uhrzeit ist.“

Glücklicherweise habe ich 13 Jahre gebloggt und mir ein schönes Archiv meiner Vergangenheit angelegt und ja, auch ich bin zu unmöglichen Uhrzeiten mit den Kindern aufgestanden, auch ich hatte feste Zeiten, in denen ich die Kinder ins Bett gebracht habe (und es war mir wirklich wichtig, dass das jeden Tag bis 20 Uhr spätestens durch ist)… und trotzdem habe ich alles vergessen.

Umgekehrt als ich noch keine Kinder hatte… ach, ich will vielleicht doch gar nicht davon berichten, was ich alles dachte, was doch erziehungstechnisch möglich sei…

Jedenfalls, was ich sagen möchte: Es gibt im selben Leben unterschiedliche Abschnitte, in denen unterschiedliche Dinge wichtig sind. Und dann gibt es noch unterschiedliche Leben, in denen sowieso alles anders ist als in einem anderen, das zur selben Zeit stattfindet.

Filterblasen sagt man in der Zwischenzeit zu sowas.

Wie bekomme ich jetzt den Bogen zum eigentlichen Thema?

Ich bezeichne mich heute mit fast 42 ohne mit der Wimper zu zucken als Feministin. Mit 20 hätte ich mir den Vogel gezeigt.

Wie bin ich da eigentlich gelandet?

Ich habe kein einziges Standardwerk des Feminismus gelesen. Nicht Simone de Beauvoir, nicht Judith Butler, nicht Raewyn Connell.

Ich hatte es immer gut. Keine Probleme in der Schule, nicht im Studium, nicht mit dem Arbeitgeber. Ich hatte fast kostenlose Kinderbetreuung ab 12 Monaten, konnte problemlos Elternzeit nehmen und in den selben Job zurückkehren und dass obwohl ich in einem männerdominierten Feld gearbeitet habe und noch arbeite.

Dennoch bin ich Feministin geworden. Einfach weil ich Mutter geworden bin. Plötzlich sah die Welt anders aus (v.a. im privaten Umfeld) und plötzlich war ich umgeben von Freundinnen, die nach der Elternzeit am 1. Arbeitstag aus angeblich betrieblichen Gründen gekündigt wurden.

Zudem waren es die kleinen Erlebnisse, die mich aufgeweckt haben. Der Sohn, der kein Junge/Mann sein kann, weil er Glitzer liebt? Den es also entwertet, weil er etwas mag, was eher dem Weiblichen zugeordnet wird. Die Tochter, die im Alter von 5 Jahren vom Fußballverein abgelehnt wird, weil der Verein keine weiblichen Trainerinnen hat und sie deswegen keine Mädchen aufnehmen (was totaler Unsinn ist und mit nichts etwas zu tun hat, denn selbst der DFB sagt „Bis zu den B-Junioren ist es laut DFB-Statuten gestattet, dass Mädchen und Jungen zusammen spielen“ da sind die Kinder 15 Jahre alt…) und der andere beim Fußballspielen zurufen: „Vorsicht! Du machst dich schmutzig!“ statt „JOOOAAAAHHHH. GEEEIL! Tooooooorrrrr!!!“.

Also lese ich interessiert Tagespresse, höre feministische Podcasts, zähle Frauen auf Podien, suche nach sprechenden weiblichen Hauptrollen in Filmen, lese Kommentare unter YouTube Videos von Computerspielerinnen, frage meine männlichen Kollegen, die das selbe arbeiten wie ich, was sie verdienen und wundere mich.

Dann lese ich Bücher wie „Untenrum frei“ (was ich wirklich sehr empfehlen kann) und folge interessanten Frauen auf Twitter.

So fühle mich mich abwechselnd erhellt, schockiert, bereichert, ändere meine Meinung, ändere meine Wahrnehmung, wundere mich wieder.

Ich versuche mir bestimmte Mechanismen oder Klischees, denen ich vielleicht auch selbst unterliege, zu vergegenwärtigen.
In unserem Podcast derWeisheit arbeiten wir z.B. hart an ausgeglichenen Redeanteilen. Wir haben sogar sekundengenau mitgestoppt. Wir reden nach jeder Folge darüber wie wir uns gefühlt haben, ob die Themen ausgegleichen waren, warum der ein oder andere wenig gesagt hat und finden dann Kleinigkeiten, wie z.B. dass meine Leitung etwas länger ist als die meines männlichen Mitpodcasters, der in Gesprächspausen schnell das Wort ergreift, was dazu führt, dass ich nichts sage. Also vereinbaren wir, dass wir Gesprächspausen aushalten lernen. Statt zwei Sekunden eben fünf  Sekunden warten und schon dreht sich der Redeanteil.
Es ist ein Miteinander, wir arbeiten dran und wir unterstellen uns nicht gegenseitig Böses, sondern dass wir bestimmte Dinge anders leben oder wahrnehmen.

Zu wenig Frauen auf Bühnen und als Interviewpartnerinnen? Ich habe mir irgendwann einfach vorgenommen mein Impostor Syndrom zu übergehen: Egal zu was ich anfragt werde – ich sage einfach ja – denn auch wenn ich selbst eigentlich von allen Themen denke: Da gibt es ganz bestimmt jemanden, der/die sich besser auskennt (und das ist zweifelsohne IMMER der Fall), wird der/die Anfragende einen Grund haben MICH zu fragen. Also sage ich ja.

Das wiederum führt dazu, dass ich mir mehr zutraue, denn nach ein paar Podcasts, Interviews, Artikeln oder Vorträgen merke ich vielleicht: Hey, so schlecht bin ich gar nicht.

Aber jetzt schweife ich ab. Was ich sagen will: Ich beobachte immer wieder, dass gefordert wird, dass man sich zum Thema Feminismus nur äußert, wenn man Fundiertes zu sagen hat und/oder sich auskennt. Dann wird vielleicht noch ins Feld gebracht, dass der oder diejenige grundsätzlich dem falschen Feminismus folgt, falsche Dinge im Fokus hat, nicht ausreichend vernetzt ist oder das who is who der deutschen, amerikanischen, weltweiten Feministinnen-Szene kennt oder dies und jenes nicht gelesen hat.

Das schreckt mich ab. Warum soll nicht jede/r seinen eigenen, kleinen Feminismus haben und beleuchten können? Muss man wirklich zwanzig Bücher gelesen (und verstanden) haben, bevor man was zu Feminismus sagen darf?

Ist es bei Feminismus nicht gerade anders, weil jede/r seine eigenen Erfahrungen mit dem Frausein (und auch Mannsein!) macht? Weil man auch im kleinen was bewegen kann? Schon in einer Paarbeziehung Verbesserungen erzielen kann, die Erleichterung bringen?

Den einen holt der fremdwortgespickte Feminismus ab, der alles historisch korrekt einordnen kann. Den anderen die Instagrammerin, die nichts anderes macht als ihre Achselhaare zu fotografieren.

So what?

Heute, an meinem Yoga-Tag, fühle ich mich sogar so gechillt, da lasse sogar Papi Gabriel als Feministin durchgehen.

Es fällt mir ja schwer das dauerhaft zuzugeben, aber anscheinend läuft er ja wirklich (zwar SEHR anders) in die selbe Richtung (oder besser: ebnet er den Weg für andere), damit wir gemeinsam unsere Ziele der Gleichberechtigung erreichen.

[Werbung] Olympiastadion Berlin

Olympiastadion Berlin
Blick auf das Marathontor

2006 war ich das letzte Mal im Olympiastadion, denn da war Herrenfußball-WM in Deutschland und ich habe mir das Topspiel Ukraine gegen Tunesien angesehen.

Da sich ja doch recht viele Menschen für Herrenfußball erwärmen können, war es damals recht voll. 100.000 Menschen passen immerhin ins Olympiastadion.

Gestern bin ich freundlicherweise zum Saisonstart eingeladen worden, das Stadion nach über 10 Jahren mal wieder zu besuchen (auf dem Bild sieht es so aus, als hätte man das Stadion für mich ganz allein geöffnet – es durften tatsächlich aber noch andere Menschen hinein…).

Ostereier konnte man suchen oder eine der Touren* durch das Stadion machen. Leider war das Wetter etwas spröde, so dass das Stadion recht leer war.

Das wiederum hat mich sehr fasziniert, denn 2006 – komplett gefüllt – wirkte das Stadion riesengroß auf mich – fast wie eine eigenständige Stadt. Es war damals gar nicht so lange her, dass ich aus Bamberg nach Berlin gezogen bin. Bamberg inklusive Umland hat ca. 70.000 EinwohnerInnen – insofern würden die BewohnerInnen Bambergs ohne Probleme in das Stadion passen.

Noch faszinierender fand ich damals, dass man eigentlich fast nicht anstehen musste. Weder für die sanitären Einrichtungen, noch beim Getränkestrand. Während der Halbzeit mussten naturgemäß gefühlte 30.000 Menschen gleichzeitig Pipi (ich natürlich auch) – aber ich habe es geschafft in der Pause zwischen erster und zweiter Halbzeit meine Blase zu entleeren UND ein Getränk zu kaufen. Alles war 1A organisiert und picobello sauber.

Insofern war das Durchschreiten des fast leeren Stadions tatsächlich eine interessante Kontrasterfahrung.

Hier noch einige Eindrücke des Tages:

Olympiastadion Berlin

 

Olympiastadion Berlin
Olympiastadion Berlin – transluzente Membran

Olympiastadion Berlin

Olympiastadion Berlin
Olympisches Feuer ohne Feuer
Olympiastadion Berlin
Osttor mit 35 m hohen Bayernturm im Süden und Preußenturm im Norden inkl. olympische Ringe

Wie dem auch sei – für Sportinteressierte (schließlich finden nicht nur Fußballspiele sondern auch Turnfest, ISTAF und Leichtathletik EM 2018 dort statt), ist ein Besuch auch ausserhalb der Events sicherlich zu empfehlen.

Kind 3.0 war mal zur Kitajade im Stadion und hat monatelang von diesem Event berichtet.

Apropos Kinder: ich habe gestern etwas sehr seltenes beobachtet – die anderen Besucherinnen und Besucher des Saisonstarts waren meist Familien mit Teenagerkindern, die, entgegen weitläufiger Vorurteile nicht uninteressiert mit langen Gesichtern hinter ihren Eltern hertrotteten, sondern sehr aufmerksam die Umgebung scannten und entspannte Gesichter machten.

Verwirrend, diese Jugendlichen heutzutage.

Olympiastadion Berlin

Olympiastadion Berlin


P.S. Wen es interessiert: die Laufbahn ist blau weil naaa? Naaa? Wer kommt drauf? Hertha BSC das so wollte und bei der Stadionrenovierung 2004 bis 2006 auch gezahlt hat. Der Denkmalschutz war von dieser Idee nicht so angetan. Die Befürchtung einiger Umweltschützer, dass zukünftig Wasservögel auf der Bahn versuchen könnten zu laden und sich dann verletzen, konnte nicht bestätigt werden.

P.P.S. Wer mal von einem 10 Meter Turm springen möchte, dem sei das dazugehörige Schwimmbad empfohlen, das seit letztem Jahr als Teil der Berliner Bäderbetriebe wieder öffentlich zugänglich ist.

Olympiastadion Berlin
50 m Becken und 10 m Sprungturm inkl. Tribüne, die für mehr als 7.000 Menschen Platz bietet

*Gestern nicht angeboten, aber ganz sicher sehr interessant [zufällig arbeite ich in diesem Bereich] die Technik-Tour, die Einblicke ins Gebäudemanagement in all seinen Facetten gibt und wer könnte schon wiederstehen, wenn es um Worte wie „transluzente Membran“, „Medienabwurfschacht“ oder „Entmüdungsbecken“ geht?

The Haus

The Haus
H – wie The Haus

Am Sonntag bin ich mal wieder einem meiner Lieblingshobbys nachgegangen: dem Schlangestehen

Vier Stunden stand ich damals für die MoMa Ausstellung (und hatte Glück – denn nie wieder war die Wartezeit so kurz während der gesamten Ausstellungsdauer!), fast eine Stunde für den Photography Playground, anderthalb Stunden für Frida Kahlo, eine Stunde für Olafur Eliasson.

Wie dem auch sei: es hat sich jedes Mal gelohnt – so auch für THE HAUS.

Was ist THE HAUS* überhaupt? Laut Beschreibung der Homepage:

THE HAUS ist die fresheste* Urban Art Galerie – ever! Auf dich warten 108 überkrasse Kunsträume zum Anschauen, Fühlen, Erleben und Erinnern. Alles geschaffen von 165 Künstlern aus Berlin und der ganzen Welt. Doch sei dir bewusst, dass THE HAUS geschaffen wurde, um zerstört zu werden – Ende Mai schließt THE HAUS seine Pforten und die Abrissbirne folgt!

Also: Es handelt sich um ein altes Bankgebäude, das im Juni abgerissen werden wird. Bis dahin wurde das Gebäude 165 Künstlerinnen und Künstlern überlassen, die dort 108 Räume auf fünf Etagen gestaltet haben.

Wo? Nürnberger Str. 68 (quasi gegenüber des Aquariums)

Wann? Jetzt bis 31. Mai, Dienstag bis Sonntag 10 bis 20 Uhr

Wir standen so ein Stündchen, aber das war wirklich sehr OK, denn was man dafür bekommt, sind verhältnismäßig leere Räume, die man dann auch wirklich in Ruhe entdecken kann.

Aus der Frida Kahlo Ausstellung habe ich optisch v.a. Hinterköpfe mitgenommen. Das war im THE HAUS gar nicht so. Die 199 Leute, die rein dürfen, verteilen sich gut auf die Räume.

Was mich etwas genervt hat, war das Gebot die Handys in Tüten zu packen. Ich finde ja, man kann erwachsenen Menschen auch einfach sagen: „Leute, Handy bitte in die Tasche.“

The Haus
Handyverbot für die Gäste

In allen Reportagen zu THE HAUS und auch dort in der Schlange gabs immer einen kulturpessimistischen Vortrag darüber, dass Handys nerven, dass sie den Kunstgenuss kaputt machen, dass niemand mehr hinschaut, dass alle nur knipsen und dann weiterziehen.

Finde ich argumentativ total albern. Selbst wenn: Was geht das eine andere Person an, wie ich Kunst verdaue?

(Tatsächlich drucke ich immer einige Fotos aus und klebe sie in unser Familientagebuch, wo wir festhalten, wem welches Kunstwerk von wem warum am besten gefallen hat. Ich google dann die Künstlerinnen und Künstler, folge ihren Seiten oder instagram-Streams und habe dann zukünftig auf dem Schirm, wo sie wieder ausstellen.)

Was ich verstehen könnte, wäre ein Argument derart, dass fotografiert und verbreitet wird, ohne dass die Künstlerinnen und Künstler Anerkennung dafür bekommen oder dass sie auf dem Foto oft nicht genannt werden. Damit bringt es ihnen ja nichts, wenn tausende von Menschen ihre Werke liken und teilen.

Ich finde aber, sowas kann man auch anders lösen. Twittername oder Facebookseite z.B. an die Räume, Schilder mit Hashtags, die man verwenden kann etc.

Die Ausstellung selbst (keine Fotos, ihr müsst selbst hingehen, das Buch zur Ausstellung, das ich sehr gerne gekauft hätte, war schon 8 Stunden nach Ausstellungseröffnung ausverkauft und kann auch nur vor Ort und nicht im Internet gekauft werden…) war wirklich sehr sehenswert.

Ein Großteil Graffiti, viel Kunst mit Klebebändern, Gips, ein Raum, der mich an den Nebelraum von Olafur Eliasson erinnert hat, Bäume, Moos, Laub und mein persönliches Highlight – eine Art Höhle mit leuchtenden Blüten und flirrenden Kiefernadeln.

Ich hab leider ein sehr schlechtes Gedächtnis und konnte mir wegen des Fotoverbots auch nicht die Namen der Künstlerinnen und Künstler „notieren“, sonst hätte ich die hier gerne verlinkt. Nach über 100 Räumen, kann ich leider auch nicht über die Homepage rekonstruieren wer wo ausgestellt hat.

Sehr schön auch die Filme, die dort gezeigt wurden. U.a. über Ad-Busting. Ad-Busting war mir bislang unbekannt und ich musste wirklich laut lachen als ich das Schredderprojekt von Farewell gesehen habe, der an diese Werbekästen, die Werbeplakate rauf- und runterfahren, einfach Cutter anbaut und sie so zu großen Schreddermaschinen umfunktioniert.

Die ganze Serie „Urban Explorers“ auf ARTE Creative kann ich sehr empfehlen!

Ein bisschen metalustig fand ich auch dem Umstand, dass bei einigen Künstlern, die ihre Kunst v.a. im öffentlichen Raum auf Züge und Gebäude sprühen, stand: Please respect the artwork

Ach, ich klinge jetzt ein wenig übellaunig wie Luise Koschinsky… dabei ist die Ausstellung wirklich absolut großartig. Geht hin.

Man kann sogar in Kunst pullern! (Die Toiletten sind auch komplett umgestaltet, aber offiziell benutzbar – was ein bisschen lustig ist, wenn man wirklich pullern muss und sich an den Kunstinteressierten vorbei quetscht und zu verstehen geben muss, dass man jetzt wirklich mal Pipi müsste)

Ich hab auch gesehen, dass Schwangere, Menschen mit Kleinkindern und sehr alte Leute netterweise aus der Schlange gezogen und vorgelassen werden.

Der Eintritt ist frei und somit ist der Kunstgenuss nicht abhängig davon, ob man sich sowas leisten kann oder nicht. Extraliebe dafür!

(Und alle, die es sich leisten können – am Ende der Ausstellung kann man spenden – was man auch tun sollte – denn Kunst kostet Material und Arbeitszeit).

Einen guten Eindruck zu den Räumen bekommt man übrigens hier im Lunatix Dance Project Video.

Ansonsten:

 


 

*Bitte immer ganz hip aussprechen, ja? [Sii Haus!] [frräscheste Örban Art!]

This is us

Ich gebe zu dass ich seriensüchtig bin. Ich habe mal versucht mitzuschreiben, was ich so alles schaue, aber nach ca. 4 Wochen war mir das zu anstrengend.

(Seit Januar z.B. Travelers, Please Like Me, Good Girls Revolt, Fleabag, Awake, Iron Fist, You are wanted, Broadchurch 3. Staffel, Lovesick…)

Ausserdem gruselt mich die Vorstellung, dass ich dann eine Statistik erstellen kann, die mir sagt: Sie haben fünf Schrillionen Stunden ihres Lebens vor ihrem Rechner mit Serien verbracht.

Wie wird das vor meinen Enkeln klingen? „Eure Oma hat 28.000 Stunden Serien geschaut.“ Gehaltvoller klänge es natürlich, wenn ich sagen könnte: „Ich habe 3.840 Bücher gelesen.“

Aber sei es drum. Ich kann später ja auch noch lügen.

Ich schaue also Serien. Mittelgute zur Entspannung (Travelers, Designated Survicor, Touch), gute mit Freude (Broadchurch, River, The Killing, Orange is the new Black, The Americans), wunderbare mit gespanntem, aufrechten Rücken (The Good Wife, Top of the Lake, Goliath, Black Mirror) und dann noch großartige wie Please like me, Fleabag oder aktuell This is us.

Ich habe vor einiger Zeit bei Felix von This is us gelesen und angefangen die Serie zu schauen. Seitdem schaue ich jeden Tag zwei, drei Folgen und meistens muss ich irgendwann Rotz und Wasser heulen.

This is us ist eine Familiengeschichte. Sie startet irgendwann in den 70ern mit einem Paar, das Drillinge erwartet. Bei der Geburt stirbt eines der Kinder, zeitgleich wird ein ausgesetztes Kind im Krankenhaus abgegeben. Die Familie nimmt dieses Kind auf.

Ab da begleitet man die fünf über die verschiedenen Zeitebenen hinweg.

Soweit so unspektakulär erstmal. Die Großartigkeit der Serie liegt in den Details. Ich habe ungelogen noch nie eine Serie (oder einen Film) gesehen, in der das Zwischenmenschliche so fein beobachtet ist und dabei so gnadenlos „echt“ dargestellt wird. Die Dialoge sind so warmherzig, „so menschlich, so herzerweichend […] — und das alles auch noch ohne pathos und holzhammer, sondern ganz subtil und sanft.“

Die Menschen scheitern ohne Happy End, sie treffen unwiderrufbare Entscheidungen,  sie tun einander weh, sie finden auf quälende Fragen keine Antworten. Dem gegenüber steht all die Liebe, das Glück eines Moments, die Wärme, das Dazulernen, das Andersmachen, das immer wieder Neuanfangen.

Ich weiß nicht genau, wie ich es beschreiben soll. Die Serie berührt mich so sehr, weil sie darauf verzichtet Folge für Folge hundertfach gesehenen hollywoodähnlichen Relief zu verschaffen. Es gibt da zum Beispiel zwei Brüder, die einfach nicht zusammen kommen. Sie wollen das vielleicht beide im Herzen (der eine mehr, der andere weniger), aber sie schaffen es nicht. Der eine, weil er sich so sehr zurückgesetzt fühlt und der andere, weil er einfach stehen gelassen wird, egal wie viele Annäherungs- und Versöhnungsversuche er startet. Sie haben Momente der Nähe aber es gibt nie den großen Clash und dann ist alles für immer gut.

Oder die übergewichtige Schwester, die egal wie sie sich anstrengt an sich selbst scheitert, die schon lange verstanden hat, dass sie selbst der Hebel ist, dass es um Selbstliebe geht und bei der es trotzdem nicht einfach „Klick“ macht und alles wird gut. Nicht mal als sie jemanden findet, der sie, genauso wie sie es sich immer gewünscht hat, von ganzen Herzen liebt.

Der Trailer ist leider sehr cheesy und gibt eigentlich die Tiefe der Serie überhaupt nicht wieder.

Die Serie läuft auf NBC. Im Mai kommt This is us auf Pro Sieben.

P.S. Wer gerne Podcasts hört, dem wird vielleicht auf YouTube auch das Aftershow Format zur jeweiligen Sendung gefallen.

Lieblingstweets von äh irgendwann

ControllerInnen kennen das. Monatlich ist ein Bericht zu erstellen, doch dann vergisst man ihn einmal … und niemandem fällt es auf. Nicht so bei den Lieblingstweets (oder wie andere sie liebevoll nennen: Der unverständliche Scheiß in deinem Blog). Deswegen heute creohn gewidmet: