Mama Leaks

WikiLeaks ist eine Internetplattform auf der geheime Dokumente veröffentlicht werden können, die von öffentlichem Interesse sind. Das ist für diejenigen, welche die Dokumente geheim halten wollten natürlich ärgerlich. Über das Thema Geheimnisse liest man in letzter Zeit viel. Die amerikanische National Security Agency überwacht u.a. Telefone und die komplette Internetkommunikation. Während die einen auf die Straße gehen, um für ihre Freiheit zu demonstrieren, zucken andere nur mit den Schultern und sagen: “Na und? Sollen sie doch. Ich habe nichts zu verbergen…”

Wie falsch dieser Satz ist, das wird einem erst klar, wenn man ein flüssig sprechendes Kind im Kindergartenalter hat. Denn dann hat man zumindest vor den Erzieherinnen im Kindergarten und gegebenenfalls auch vor den anderen Eltern im Kindergarten wirklich keine Geheimnisse mehr.

Jedes noch so kleine, unangenehme, vielleicht peinliche Detail, das sonst gut in den eigenen vier Wänden aufgehoben ist, verlässt mit dem Kind die Wohnung. Ganz zu Beginn, das muss ich zugeben, war ich sehr unvorsichtig. Ich dachte, ein dreijähriges Kind, das versteht noch nicht viel und ich habe mich mit meinem Mann bedenkenlos über alles unterhalten, das mir in den Sinn kam. Unachtsam lästerte ich über mir nicht zusagende Kleidungsstücke anderer Leute, um dann wenige Tage später genau vor diesen zu stehen und mein Kind sagen höre: “Ist das die häßlische Kleid von das du gesprecht hast, Mami?” Kind 3.0 deutet begeistert auf das grellorangene Sommerkleid einer anderen Mutter. Ich hielt mich für besonders schlau und dachte, ach, wenn ich so tue als ob ich nichts gehört habe, dann muss ich die Frage nicht beantworten. Das führte aber nur dazu, dass Kind 3.0 lauter nachhakte: “IS DAS DIE HÄSSLISCHE KLEID? MAMAAAAA?” Ich errötete und antwortete: “Was? Nein! Was meinst du denn? Hm?” Dabei fiel mir auf, dass meine Stimme schon etwas überbetont fragend, schon leicht ins hysterische abgleitend klang. Ich packte Kind 3.0 also ohne Schuhe und verließ fluchtartig die Garderobe. Den ganzen Weg nach Hause hoffte ich, dass die Mutter uns nicht gehört hatte.

Die nächste Lektion in Sachen Geheimnisse war dann: Verberge alles, was Hinweise auf Geheimnisse geben könnte. Das können ganz banale Dinge sein. Das Läuseshampoo vom Geschwisterkind, das Warzenmittel im Medizinschrank, selbst Produkte zur Monatshygiene möchten nicht öffentlich diskutiert werden. Einmal unachtsam liegen gelassen, werden sie vom Kind gefunden und bieten Diskussionsmaterial für allerlei heikle Themen. Vielleicht bin ich da auch nur hypersensibel, aber wenn mein Kind am Spielplatz beim Schaukeln zum Nachbarskind schreit: “MEINE MAMA BLUTET AUS DER SCHEIDE! DEINE AUCH?”, dann fühle ich mich doch kompromittiert.

Selbst Dinge, die eigentlich nie geschehen noch jemals ausgesprochen wurden, haben ausreichend Potenzial zum Rechtfertigungsalbtraum zu werden. Einfach weil das Kind etwas beobachtet und sich selbst einen Reim auf die Geschehnisse macht, die nicht unbedingt dem tatsächlichen Tathergang wiedergeben müssen.

Als mein Mann beispielsweise das Kind vom Kindergarten abholte, berichtete dies arglos von dem netten Mann, der die Mami morgens öfter besucht und zwar “Wenn du in die Arbeit gegangen bist, Papi”. “Die Mami macht immer halbnakisch auf und isch muss dann ganz leise sein wenn der Mann da ist.” Zartes Nachfragen meines Mannes konnte die Situation auflösen. Schlussendlich handelte es sich um einen Nachbarn, der ein ungewöhnliches Talent hatte, immer genau dann zu klingeln wenn ich morgens unter die Dusche möchte. Ich denke, er ist shoppingsüchtig. Jedenfalls erhält er durchschnittlich ein Paket pro Woche, das der Postbote gerne bei uns hinterlegt. Er weiß in der Zwischenzeit an welchen Wochentagen wir morgens früh noch zuhause sind und holt dann seine Pakete ab. Vermutlich lauert er im Treppenhaus bis er hört, dass ich das Duschwasser aufdrehe und klingelt dann. Jeder hat halt so seine Hobbys. Wenn ich die Tür öffne und wir ein paar freundliche Worte austauschen, jubelt und grölt Kind 3.0 im Hintergrund. Da die Tür zum Hausflur geöffnet ist, bitte ich um Ruhe. Insgesamt eine eher harmlose Angelegenheit, die jedoch eine ganz besondere Note bekommt, wenn Kind 3.0 sie nacherzählt.

Und da wird es deutlich. Es geht bei Überwachung gar nicht um die tatsächlichen Geheimnisse, die man zu verbergen sucht sondern darum was andere durch Einzelbeobachtungen und deren Misinterpretation über das eigene Leben und Verhalten schließen.

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Ein Land für Flauschziegen

Dass unsere Familie Duplo liebt, ist kein Geheimnis. Wir lieben Duplo sogar mehr als Lego. Das hat verschiedene Gründe.
Die neueren Lego-Sets sind z.B. so konzipiert, dass sie einmal aufgebaut, nie wieder auseinander genommen werden und dann in den Regalen einstauben. So mein Eindruck. Das war früher, als ich Kind war, irgendwie anders. Zumindest habe ich als Kind wahnsinnig viel auf- und abgebaut und kann mich nicht erinnern, dass Sets unantastbar in Regalen stehen mussten. (Einmal auseinandergenommen und wild vermischt, setzt die Baulust übrigens wieder ein!)

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Jedenfalls, wir besitzen ca. eine Tonne Duplosteine* und die werden von den Kindern bespielt und zwar unabhängig vom Alter. Selbst Kind 1.0 und ich spielen noch mit Duplo. Der Grund ist einfach: Im Software-Entwicklungsbereich würde man bei Duplo von Rapid Prototyping sprechen. D.h. man hat eine Idee und mit einigen großen Steinen, kann man das Modell dieser Idee umsetzen. Ein Hochhaus, eine Tankstelle, eine Burg – mit Duplo in einer Stunde umgesetzt. Dann wird damit gespielt und das nächste Mal wird alles eingerissen und ein neues Vorhaben wird umgesetzt.

Ich habe mich deswegen sehr über eine Einladung zur Eröffnung des neuen Duplo-Bereichs im Lego Discovery Center Berlin gefreut. Gemeinsam mit einigen anderen Bloggerinnen wurde uns der neue Bereich, der unter dem Motto Bauernhof steht, gezeigt. Schwerpunktmäßig soll er die Altersgruppe 1,5 bis 5 Jahre bedienen. Die Managerin erzählte uns, dass v.a. der Anteil an begleitenden Geschwisterkinder die letzten Jahre stark gestiegen sei und der Bereich auf deren Bedürfnisse abgestimmt sei.

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Alle Fotos Pressematerial Lego Discovery Center Berlin

Kind 3.0 war dort eine gute Stunde glücklich, während ich versuchte die 200 Bagel, die uns zum Frühstück hingestellt wurden, zu verspeisen. Danach durften wir noch alle anderen Attraktionen begutachten. Als Mitgebsel bekam jedes Kind ein Duplo-Set. Das Set beinhaltete zur großen Freude von Kind 3.0 eine echte Flauschziege.

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Ich habe bei der Eröffnung noch zwei weitere Sachen gelernt: Duplo heisst so, weil die Steine doppelt so groß sind, wie die normalen Legosteine. Ein bisschen banal – aber so klar war mir das nicht. Uns ist auch erst neulich aufgefallen, dass man Duplo und Lego miteinander verbauen kann. Wir sind offenbar Spätzünder.

Außerdem gibt es im Lego Discovery Center Bauworkshops für Erwachsene. Einmal im Monat abends ohne Kinder. Traumhaft. Alle Eltern kennen bestimmt dieses frustrierende Gefühl wenn man in Ruhe Lego spielen will und die Kinder ständig stören oder einem die besten Teile wegnehmen oder gar andere Ideen haben als man selbst. Die Workshops nennen sich Erwachsenen Fan-Abend und ich hätte auf jeden Fall mal Lust an einem teilzunehmen.

 

*Wer gerne auf Flohmärkte geht oder sich ein bißchen mit Ebay beschäftigt hat, weiss das: Ähnlich wie Schleich-Tiere haben Duplosteine einen hohen Wiederverkaufswert. Wir haben zur Sicherung unserer Rente nicht in Immobilien sondern lieber zukunftssicher in Kinderspielzeug investiert. Kann ich sehr empfehlen. Ist inflationssicher.
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Gegen die Hilflosigkeit

Manche Dinge lassen mir einfach keine Ruhe. Seit dem Vortrag von Anne Wizorek auf der re:publica 2013 in dem sie unter anderem davon berichtet, wie sie aufgrund #aufschrei angegriffen wurde, denke ich darüber nach wie diese Art Wahnsinn (und es ist nichts anderes) gestoppt werden kann. Der Fall #gamergate und der daraus resultierende Vortrag von Anita Sarkeesian auf der XOXO Festival über die Beschimpfungen, Belästigungen und Bedrohungen, denen sie ausgesetzt ist, hat die Gedanken wieder neu angestoßen und letztendlich den Rest hat mir der Artikel “Trouble at the Koolaid Point” von Kathy Sierras  gegeben.

Man muss nichts über Feminismus wissen, man muss nichts über diese Personen wissen, im Grunde reicht es einfach zuzuhören und sich dann zu fragen: Möchte ich Teil dieser Onlinekultur sein? Mehr nicht. Und für mich ist die Antwort glasklar: Nein. Ich möchte nicht. Nicht mal passiv.

Das Internet ist für mich ein wunderbarer Ort und ich möchte nicht, dass sich dort ungehindert Menschen bewegen, die andere Menschen beleidigen, angreifen, bedrohen, einschüchtern und fertig machen.

Das Internet sind Menschen. Echte Menschen. Keine virtuellen und ich möchte, dass das langsam mal alle verstehen. Alles was hier stattfindet, ist echt. Es gibt keine virtuellen Gefühle. Es gibt kein sich virtuell bedroht fühlen. Es gibt keine virtuelle Beleidigung. Wenn jemand auf Twitter eine andere Person beleidigt, dann ist das so echt wie auf der Straße, auf einer Konferenz, in den eigenen vier Wänden. Es gibt keinen Unterschied.

Das heisst doch – es gibt einen Unterschied. Offenbar sind die Angreifer und Aggressoren enthemmter. Warum auch immer. Das ist nicht mal an Anonymität gekoppelt. Es gibt genug Menschen, die sich unter ihrem Klarnamen wie Wildsäue aufführen. Ich vermute, weil sie sich als Vertreter einer großen Gruppe sehen. Mit dieser Gruppe im Rücken fühlen sie sich stark und sehen ihr Verhalten als berechtigt an.

Ich will an der Stelle gar nicht über diese Menschen im Detail und was mit ihnen nicht stimmt, sprechen. Ich will im Grunde nur zu einer Sache auffordern:

»One of the most radical things you can do is to actually believe women when they tell you about their experiences«, Anita Sarkeesian

Und wenn man tatsächlich zugehört hat, dann möchte ich einen Weg finden nicht mehr so hilflos zu sein, denn so fühle ich mich. Hilflos und unendlich betroffen. Was ist also zu tun?

Eine ungeordnete Sammlung meiner Gedanken, denn die Betroffenen selbst, haben keine Möglichkeit zu “gewinnen”. Ihre Verhaltensspielräume haben immer einen Effekt – am Ende gewinnt immer der Troll/Hater:

1. leave ([The trolls] Win) 

2. ignore them (they escalate, make your life more miserable, DDoS, ruin your career, etc. i.e. They Win)

3. fight back (If you’ve already hit the Koolaid Point, see option #2. They Win).

Aus Trouble at the Koolaid Point

 

Ich glaube, das Problem ist, dass de Betroffenen eben nicht alleine gewinnen können. Ich denke aber, es gibt einen Weg wie sie gewinnen können und dieser Weg hat etwas mit uns – den “Unbeteiligten” – zu tun.

1. Für dieses Phänomen der Aggressoren ein neues Wort finden

D.h. nicht nur von “Trollen” sprechen. Trolle, das sind diese kleinen, fast schon niedlichen, vielleicht etwas nervigen Wesen bei Ronja Räubertochter, die immer “Wiesu denn bluß?” fragen. Menschen, die Frauen so angehen, wie Anita Sarkeesian oder Kathy Sierras, das sind keine Trolle, das sind Menschenhasser, das sind Orks. Sie sind unsozial, unzivilisiert und gewaltbereit. Das sind keine Kritiker, keine Menschen, die eine andere Meinung haben oder Menschen, mit denen man sich normal auseinandersetzen kann. Das sind hasserfüllte Menschen.*

Also sprecht nicht von Trollen, wenn ihr von diesen Menschen sprecht, die Frauen auf diese Art angreifen. Ich hab keinen besseren Namen, vielleicht habt ihr einen. Aber “Troll” ist zu wenig, “Troll” verharmlost diese Angriffe. Einen Troll kann man abschütteln. Bestimmte Aggressoren sind aber nicht abzuschütteln.

2. Solidarität

Und hier sehe ich mehrere Ebenen.

a) Frauen, denen diese Art von Angriff und Gewalt widerfährt: Berichtet von dem was vorfällt**, sucht euch Hilfe, sucht euch Verbündete. Wer ist im gleichen Feld aktiv? Wer ist gleichen Angriffen ausgesetzt? Niemand soll diese Art Angriffe wochen-, monate-, manchmal sogar jahrelang alleine auf sich gestellt aushalten müssen. Warnt andere Frauen vor diesen Menschen, verhindert dass sie in die selbe Falle laufen. Persönlich kann ich sagen, wenn ich auf Twitter mit jemanden interagiere und innerhalb von fünf Minuten von drei unabhängigen Menschen eine Nachricht erhalte, die mich vor dieser Interaktion warnt, dann bin ich dankbar.

b) Menschen, die diese Art von Angriff und Gewalt beobachten: Steht den Opfern bei. Egal wie. Seid Multiplikator, verbreitet ihre Erfahrungen. Bezieht Stellung, tut das v.a. wenn ihr zu der Gruppe gehört mit denen sich diese Hater identifizieren – sprich wenn ihr zu den technikbegeisterten weißen Männern gehört. Es ist nicht nötig sich mit anderen zu streiten. Aber einfach sagen: Das ist nicht in Ordnung. Ich finde das widerlich. Ich habe eine komplett andere Meinung.

Es muss diesen Hatern klar werden, das sie nur für sich sprechen, dass sie nicht Sprecher einer ganzen Gruppe sind, keine Vertreter, keine Gesandten.

c) Wenn ihr mal nicht der Meinung bestimmter Menschen, die permanent Angriffen ausgesetzt sind, seid: sagt einfach nichts. Keine zusätzliche Kohlen ins Feuer werfen, wenn es nicht unbedingt sein muss. Dieser Punkt mag einige empören, aber ganz ehrlich: manchmal lohnt es sich Nutzen und Kosten abzuwägen und darüber nachzudenken auf wessen Kosten etwas geht und jemanden, der ohnehin schon ständigen Angriffen ausgesetzt ist, nicht noch zusätzlich zu schwächen. Ich finde es verständlich, dass Menschen, die ständigen Attacken ausgesetzt sind nicht immer die differenziertesten Dinge von sich geben. Deswegen seis drum. Einfach mal nichts sagen.

 

Wenn ihr weitere Ideen habt, ich ergänze den Artikel gerne. Ich bin es so satt mich hilflos und betroffen zu fühlen.

 

 

*Natürlich gibt es hier Abstufungen von Kritikern, Trollen bishin zu diesen hasserfüllten Orks. Ich rede aber von denen, die eindeutig, EINDEUTIG (persönliche und menschliche) Grenzen überschreiten

**Ich meine nicht, dass man Menschen an den Pranger stellt, aber warum Rücksicht nehmen auf jemanden, der keine Rücksicht nimmt? Dieses schlimme Fehlverhalten muss Konsequenzen haben (dürfen!).

—————————— Nachträgliche Ergänzungen ——————————

Was ist sonst noch zu tun?

3. Hater/Maskus aktiv ausgrenzen

Und mir ist noch ein Punkt 0 eingefallen:
0 Anerkennen, dass es ein Problem gibt
Ich habe den Eindruck, dass viele sich wundern, wenn sie Artikel wie den meinen lesen. Ihnen ist nämlich nur das übliche Getrolle und Gepöbel im Netz bekannt. Die gängige Antwort lautet dann eben dieses “Ignorier’ das doch”. Und ja, das ist richtig. Bestimmte Pöbeleien kann man einfach ignorieren und nicht drauf eingehen. Aber es geht mir eben NICHT um diese Fälle. Es geht mir um massive Beschimpfungen und Bedrohungen. Aufrufe zu Vergewaltigungen und zu Mord, es geht mir um Stalking und Übergriffe auf das Leben außerhalb des Netzes und ich bitte alle, die sich fragen, was das alles soll, sich die ganz oben im Blogpost verlinkten Artikel durchzulesen. Mindestens den von Kathy Sierras. So etwas kann man nicht ignorieren. So etwas darf man nicht ignorieren und die Betroffenen (und ich weiß, es sind nicht wenige) brauchen Unterstützung und Beistand.

Lesenswerte Artikel

»Stirb, Du Hure!« – Lasst uns endlich über Einschüchterungskultur statt abstrakter Netzpolitik reden

“In den letzten Monaten rückt die Kommunikations- oder besser: Einschüchterungskultur im Netz wieder verstärkt in den Vordergrund. Das ist gut, denn dieses Thema wird weiterhin im netzpolitischen Diskurs nahezu vollständig ignoriert oder beiläufig als Randnotiz erwähnt. Dabei leiden viele Menschen psychisch jeden Tag unter Attacken aus dem Netz. Diese Angriffe greifen trotz ihrer Virtualität ins reale Leben. Sie sind echt.”

Für mehr Freundlichkeit

“Ein reines Ignorieren ist schwer bis unmöglich. Auf der diesjährigen FrOSCon habe ich einen Vortrag von Kristian Köhntopp gehört, der sich mit Flamewars aus Zeiten des Usenet beschäftigt hat. Er hat berichtet, dass Hater es umso schwerer hatten, je etablierter die “Marke” bzw. der Name der/des Angegangenen war – es ist ungleich schwieriger, Sascha Lobo online ans Bein zu pinkeln als zum Beispiel mir. Vielleicht lässt sich daraus ableiten, dass wir – die sog. Unbeteiligten – dafür sorgen müssen, dass Angegangene ein stärkeres Standing haben. Das wäre ein klassisches “Schau hin! Greif ein!””

Helden, die die Regeln brechen

“Wir sind es uns gegenseitig schuldig und müssen es uns gegenseitig wert sein, ein lebenswertes Netz zu schaffen. In dem Menschen nicht mit Beleidigung, Bedrohung und Hass alleine gelassen werden. Und in dem wir alle – insbesondere in Machtpositionen- Verantwortung füreinander übernehmen und diese auch einfordern.”

Why is it so hard to be good?

“Wir haben mit dem Internet, und jetzt nochmal mehr mit BigData, Algorithmen und der weltweiten Vernetzung von Arbeit und Menschen geschichtlich ziemlich einmalige Möglichkeiten in der Hand, Veränderungen herbeizuführen und Machtverhältnisse in Frage zu stellen. […]
Aber warum haben wir noch nicht eindrucksvoller bewiesen, dass das alles zu einer guten Entwicklung beitragen kann?”

#Trolle und das Wegsehen – Gelten im Netz andere Machtstrukturen?

“Am Ende steht die Aussage: Trolle sind ein notwendiger Teil des Ökosystems Internet. Diese teile ich nicht nur nicht, ich widerspreche aufs Äußerste.

Trolle sind gefährlich. Trolle zerstören, es ist nichts Konstruktives an ihnen.”

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Podcastempfehlung – Not doing anything is not an option

Meine eigene Filterbubble ist ganz bezaubernd und wenn die Männer nicht gleich selbst Feministen sind, dann sind es “schlimmstenfalls” Männer, die die ganze Aufregung um Frauenquote, #aufschrei und Gleichberechtigung nicht so recht verstehen, weil sie selbst das Gefühl haben, mit der ganzen Angelegenheit nichts zu tun zu haben, weil sie eben keine sexistischen Idioten sind.

Mit einem Freund habe ich schon oft darüber gesprochen, dass das Thema aber alle angeht. Auch die, die Frauen nicht schlecht behandeln, sie einstellen würden, die nicht in Klischees denken etc.
Mein Problem war allerdings meine und die Erfahrung anderer Frauen und die sich daraus ergebenen Konsequenzen irgendwie zu vermitteln.
Anne Wizorek widmet dem Thema “Mitmachen für Männer. Was es heisst ein guter Verbündeter zu sein” in ihrem Buch “Weil ein #Aufschrei nicht reicht” ein ganzes Kapitel. Ich glaube allerdings, dass niemand (oder zumindest sehr, sehr wenige), der nicht ohnehin schon dem Thema Feminismus aufgeschlossen ist, dieses Buch liest (leider).
Außerdem denke ich, dass viele Männer keine Tipps von einer Feministin bekommen wollen. Deswegen begrüße ich es, dass drei Größen der amerikanischen Tech-Szene sich Gedanken zu dem Thema gemacht haben.

Daher möchte ich den Accidental Tech Podcast Episode 81 ab ca. Minute 70 ans Herz legen.
Völlig undogmatisch sammeln die drei da im Gespräch Tipps, die helfen sich besser in die Lage von Frauen zu versetzen. Sie erklären auch, warum es sinnvoll ist sich mit Trollen auseinanderzusetzen und warum es so leicht ist von außen zu sagen: Ja, selbst schuld, was legen die sich auch mit jedem an.

Ich finde die Tipps großartig. Es ist nämlich keine rocket science Verständnis aufzubauen und adressiert sind diejenigen, die schon “good people” sind.

“Just watch them [Feministische YouTube Channels, Blogposts etc.] and don’t think that you have to agree or to disagree…”
“Don’t be like, don’t feed the trolls [because …] not engaging is fine as long as you are not the target of the harassment.”
“Let idiots know that they are idiots.”
“Try to learn about the things that reveal your own biases [because …] once you see [the terrible things] it’s like how could I’ve never see them?”
“Be open to the idea, that you might be part of the problem.”
“There is no shame in realizing that you were wrong in the past and fix it in the future.”
“Say supportive things…”

(Abgetippt beim Hören, keine eins zu eins Zitate sondern aus dem Kopf)

Hört es euch selbst an… ich finde, es lohnt sich.

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Sieben Tage gültiger Beitragshinweis

Gestern Abend lief auf Arte “Prinzessinnen, Popstars und Girl-Power“. Ein Beitrag, der erklärt, was man und v.a. warum man etwas gegen rosa und Prinzessinnen haben kann.

“Der Film zeigt die verschiedenen Ausprägungen der Girlie-Kultur und will in erster Linie aufzeigen, wie die Konsumgesellschaft durch Marketingstrategien feminine Stereotype erschaffen hat und wie die Frauen von heute diese weiblichen Muster für sich in Anspruch nehmen.”

Würde nicht unbedingt alles im Beitrag unterschreiben, fand ihn aber sehr sehenswert.

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Twitterliebe 09/14

Tim Siedell
@badbanana
Nice try, Clooney “wedding.” I know a casino heist when I see one.
Wir wollen was sehen, hamse gesagt, mach mal schnell den Fernseher an, hamse gesagt. pic.twitter.com/wwPRjMKVde
bov bjerg
@bov
Ich fühl mich so alt. Beim All You Can Eat aufgehört zu essen, bevor mir schlecht war. Ein E-Book nicht runtergeladen, obwohl es gratis war.
Ich bin nicht tolerant.
Mir ist nur vieles einfach kackegal.
Sursulapitschi
@Klackerschuh
Ich finde es schwierig, die richtige Haarpflege für mich zu finden, weil nirgends Shampoo für ‘überaus prachtvolles Haar’ angeboten wird.
personaldebatte
@personaldebatte
So, bin jetzt erst mal in ner wichtigen Besprechung. Ihr erreicht mich per DM, Reply, SMS, telefonisch, oder kommt einfach vorbei.
Peter Breuer
@peterbreuer
Kolibris atmen pro Minute 250-mal ein und aus. Mit einem Kolibri in einem Raum zu arbeiten, würde mich wahnsinnig machen.
Stephan Noller
@holadiho
Wenn meine Frau nicht auf SMS reagiert, mach ich einfach die Jalousien rauf- und runter. #smartHome
Jesse Custer
@jesscuster
“Wir sind seit vier Wochen zusammen, ich denke es ist was Ernstes.”

Das einzige was ich nach vier Wochen ernst nehme ist Durchfall.

Einfach Schamyrha
@schamyrha
Ich habe heute mit dem Kind Kastanien gesammelt. Wie so ‘ne Supermami.

Was macht man jetzt damit? Passanten bewerfen?

Meistens winkt mir der richtige Zeitpunkt noch kurz, bevor er vorüber geht. Ich nicke dann zurück.
Craig Thompson
@Thomsk71
My favourite #infographic EVER! What does this one do right that many do wrong? #Iloves #sheffieldis pic.twitter.com/hoflm8M44G
Robot Redford
@lucky_mushroom
Was auch total nervt ist, wenn Frauen zwar noch mit hoch kommen, sich dann letztenendes aber überhaupt nicht für Briefmarken interessieren.
Robot Redford
@lucky_mushroom
Meine Lieblingsdiät ist die, in der ich 1000 Kalorien in einer Sekunde verbrenne, weil mir um 23:38 einfällt, dass Mama heute Geburtstag hat
Sarah Kliff
@sarahkliff
Some weird stock art for birth control. This is not how birth control works, ladies!! #protip pic.twitter.com/RDwA6NJWwJ
Norman Bates
@protagon8
Verdickungsmittel in meinem Joghurt! Und ich wundere mich die ganze Zeit woran es liegt. Hatte schon die armen Kalorien in Verdacht
Geraldine
@socialgeraldine
“Mein Name ist Geraldine und ich bin Twitter-süchtig.”

“HALLO GERALDINE!”

Christoph Niemann
@abstractsunday
Bin in my hotel room for 8 hours and the carpet is still loading. pic.twitter.com/vGLedNrdKT
Charles Arthur
@charlesarthur
2004 music industry: “stop taking music for free!”
Internet: “haha!”
2014 music industry: “have this music for free!”
Internet: “nooo!”
Millhouse
@TehMillhouse
First rule of paradox club: don’t talk about paradox club
Rule 2: invite all your friends
Rule 3 is the set of rules not containing themself
Dr. Joe Uessem
@rinderhack
Es gibt zwei Arten von Menschen auf dieser Welt: Die, die unvollständige Informationen ableiten können,
Ute Weber
@UteWeber
Kauft dieses Buch, lest es in der Sonne, trinkt nen Kaffee, es wird Nacht, ihr erfriert draußen, ABER ES LOHNT SICH! pic.twitter.com/n9k6XpkhCS
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Dating

Jaja, ich weiß. Ihr seid alle vergeben, habt Kinder, Partner. So ist das in unserem Alter. Bei mir ist es länger schon nicht mehr so und ich bin mir nicht sicher, wie gut ich das finde. Das dauerhafte Alleinesein, meine ich jetzt – denn alles andere, das habe ich mir ausgesucht. Das ist gut so und gegen freie Wochenenden habe ich gar nichts. Rumgammeln, die Zeit einfach verstreichen lassen, nicht alles sofort machen, weil hinterher vielleicht keine Zeit mehr ist und sonst alles liegen bleibt, sich türmt und dann nicht mehr zu bewältigen ist.
Ich schlafe aus – bis 8 manchmal – einmal habe ich es geschafft sogar bis 9.30 Uhr zu schlafen.
Ich bade, niemand kommt in dieser Zeit aufgeregt ins Badezimmer gerannt, muss Pipi, lässt die Tür geöffnet oder möchte, dass ich schnell eine Puppe anziehe oder einen Bagger repariere. Das Bad bleibt warm, ich höre Podcasts von morgens bis abends und habe das Gefühl, dass ich bald so schlau bin, dass ich in jeder beliebigen Dokumentation im Privatfernsehen als Expertin heran gezogen werden könnte.
Ich gehe alleine ins Kino, muss mich nicht absprechen. Ich gehe alleine einkaufen, alles geht zehn Mal so schnell. Neulich habe ich mir sogar ein Kleidungsstück gekauft – nur für mich. Ich bin los und wollte mir ein Kleid kaufen und kam mit einem Kleid für mich zurück, nicht mit drei Kleidungsstücken für die Kinder, nicht mit irgendwas praktischem. Nur für mich. Ich hab es angezogen, ganz neu, mich gefreut, es ist nicht nur bequem und zweckmäßig, es hat keine Flecken, es ist einfach nur für mich.
Das habe ich ein paar Monate gemacht und es war schön und jetzt frage ich mich, so auf die 40 zugehend: wars das?
Podcasts, Kinobesuche, Museumsführungen, werde ich schrullig werden, vielleicht ein bißchen misanthrop, warten dass die Kinder ausziehen (sind nur noch 15 Jahre oder so, das vergeht schnell, das weiß ich) oder lerne ich vielleicht doch noch jemanden kennen?
Ich frage also meine alleinstehenden Freundinnen: Wo lernt ihr neue Menschen kennen?
Online, na klar. Also melde ich mich in diversen Portalen an, schreibe Zeug in mein Profil, lade Bilder hoch und lese anderer Leute Profile.
Alles sehr interessant, stundenlang lese ich. Alles Künstler, Musiker, Kreative. Alle Bodytype fit oder athletic. Keiner normal oder gar overweight.
Ab und an habe ich eine Nachricht in meinem Postfach. “Hallo, kannst du dir vorstellen, dich mit einem jüngeren Mann zu treffen?”. Ich schaue ins Profil. Nun jünger ja, aber 20? Ich stelle mir vor, wie ich mit 20 war und dann stelle ich mir vor, ich müsse mich mit einem in diesem Alter unterhalten. Dann muss ich lachen, denn unterhalten wollen die sich gar nicht, das ist mir klar. Tagelang nichts anderes als diese 20jährigen, die wirklich niedlich aussehen und ich frage mich, haben die wirklich mal eine getroffen, die so alt ist wie ich?
Ich ändere irgendwas in meinem Profil und plötzlich nur noch Nachrichten von über 50jährigen. Eine fertige Frau wollen sie kennenlernen, aber eine ohne Ballast. Hübsch wäre ich für mein Alter.
Und ich frage mich warum kann ich nicht einfach nur hübsch ohne diesen Zusatz sein und wie viel Ballast ich habe. Gibt es 40jährige ohne Ballast?
Also lese ich wieder Profile. Es ist möglich die Männer zu filtern. Raucher “nein” gebe ich an und überlege. Berlin “ja”. Ich könnte noch angeben wie groß sie sein sollen, wie schwer, welches Einkommen. Seltsam finde ich das. Katzenliebhaber. Hundeliebhaber. Nur nach Kaninchenfreunden kann man nicht filtern.
Viele Männer meines Alters wollen Kinder. Ich will keine mehr. Darf ich die dann treffen? Wollen die eigene oder meine und was ist wenn ich meine gar nicht teilen will?
Ich lese und lese und schaue mir die Bilder an und plötzlich fällt mir auf, die wollen alle in den Wald. Selfies mit Bergen im Hintergrund, sie sitzen vor ihren Zelten, in Booten, stehen in Wanderschuhen vor grünen Landschaften. Naturverbunden sind sie. Das wahre Leben wollen sie. Nicht dieses Leben im Internet. Nicht diese Technik. Nicht diese Internetsüchtigen. Man muss sich auch mal anschauen können, miteinander sprechen, Real Life eben.
Mich fröstelt ein bißchen.
Sie wollen in die Natur oder wenigstens ans Meer für immer. Sie hassen die Stadt, den Lärm, die Hektik, können der Geschäftigkeit nichts abgewinnen.
Einmal treffe ich einen. Wir trinken Wein und unterhalten uns den ganzen Abend. Ich finds nett. Am nächsten Tag bekomme ich ein freundliches Absageschreiben: Es hätte nicht gefunkt, obwohl ich doch so lustig und klug sei, auch gut aussehe etc. pp. aber es sei halt nicht die große Liebe.
Ich frage mich, ob das so sein muss. Ob man die große Liebe erwarten muss, obs drunter nicht geht, ob es sich gar nicht lohnt jemanden zu treffen, wenn man nicht davon ausgeht, dass es die große Liebe sein könnte.
Glaubst du an Liebe auf den ersten Blick? Das ist eine der Fragen im Datingportal. 80% schreiben: Ja!
Sechs Dinge, die du unbedingt brauchst in deinem Leben. Aus einer Laune heraus schreibe ich Gaffatape und Heißklebepistole in die Liste. Zwei wirklich praktische Dinge.
Die Zuschriften werden danach nicht passender. Hastig lösche ich die beiden Dinge wieder aus meiner Liste.
Was ich hier suchen würde? Jemanden, den ich noch nicht kenne. Das reicht nicht. Ich solle mir mal Gedanken machen. Etwas spezifischer müsse es schon sein. Sonst lohne sich ein Treffen doch gar nicht.
Aha, eine Checkliste brauche ich. Verstehe. Humor wäre toll. Aus den 90ern ist mir aus einer Bärbel Schäfer Sendung der denkwürdige Satz: “Der Mann, der wo mich lieben tut, sollte Humor haben und sauber sollte er sein” hängen geblieben. Schreibe ich den in mein Profil? Mindestens 1,80 sollte er sein, ist klar. Bodytype athletic. Millionen verdienen. Keinen Ballast haben, bloß keiner mit Androidhandy, bio soll er kaufen, nie Bundfaltenhosen tragen und wenn ich dann noch angebe: kein Bart, dann gewöhne ich mich mal lieber ans Alleinsein. Mein Potential zum Schrulligwerden ist ohnehin stärker als mein Wille zur Geselligkeit.

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Parental SEO

Um Suchmaschinenoptimierung zu betreiben, ist es hilfreich die Google-Algorithmen zu verstehen. Wobei, verstehen ist ein bisschen hoch gegriffen. Man kann sich annähern. Und man muss sich immer wieder annähern, denn die Algorithmen ändern sich kontinulierlich.

Um die Algorithmen zu verstehen, gibt es mehrere Wege. Man nutzt mal einen dieser AdWords-Gutscheine, die man alle paar Monate bekommt und schaut sich an wie andere Menschen suchen. Erfindet Suchbegriffe, permutiert sie, erweitert einzelne Begriffe um ganze Strings. Dann schaut man sich an wie sich das Ranking verändert und passt das Ganze wieder an. Streng genommen ist das ja SEM – aber es hilft eben die Suchalgorithmen zu verstehen.

Den umgekehrten Weg kann man natürlich auch gehen. Man googelt selbst, schaut sich Suchergebnisse an. Prüft die Positionierung der Suchergebnisse. Googelt wieder ein bisschen, schaut an welcher Stelle die gesuchten Begriffe auf der Webseite stehen, wie oft auf die Seite verlinkt wird etc. und zack ist man SEO Expertin. Man versteht das System zumindest grob in alle Richtungen. Das kann man sich von Google zertifizieren lassen – zumindest bezogen auf AdWords. Gilt zwei Jahre und ist lediglich ein Multiple Choice Test. Besteht man leicht und dann kann man sich das Zertifikat ausdrucken und an die Wand hängen und ist irgendwie stolz.

Dass man ein Google-Ass ist, das können einem dann die Kinder zertifizieren. Alle Eltern kennen sich nämlich mit Google aus. Ihnen ist das nur nicht so klar. Aber es ist so. Implizit sind Eltern ExpertInnen in Sachen SEO. Das werden sie zwangsläufig, denn irgendwann kommt das Thema “Ausmalbilder” auf. In jeder Familie. Plötzlich – man weiß nicht wie die Kinder auf die Idee kommen, aber sie haben diese Idee – plötzlich stehen sie im Raum und sagen: “Ich möchte ein Ausmalbild. Kannst du mir eins ausdrucken?”

Wenn es das erste Kind ist, das diesen Wunsch äußert, ist man noch ganz entspannt und denkt: “Ja klar, Ausmalbild. Haha. Tolle Idee.”

Fragt jedoch das zweite Kind, blickt man in der Regel auf mehrere Jahre Ausmalbilderausdrucken zurück und bekommt deswegen ein nervöses Zucken im Auge. Das Problem ist nämlich nicht das Ausdrucken (wie Profis wissen). Das Problem ist das Ausmalbilder aussuchen. Wobei – nein eben noch eine Stufe vorher. Das Ausmalbild suchen. Am Anfang sucht man “Feuerwehrauto”, “Pferd”, “Kran” oder “Rehkitz”. Aber sehr schnell reicht das nicht mehr. Die Kinder schauen einem über die Schulter und entdecken in den Suchergebnissen irgendein inspirierendes Bild und schon beim nächsten Mal verlangen sie nach Ausmalbildern, die “Faultiere”, “Tapire” oder einen “Rotlippen-Fledermausfisch” zeigen. Das wird schon schwieriger, aber man schafft es. Doch dann kommt der Tag, an dem auch das nicht mehr genügt und die Kinder wollen ein “Seepferdchen mit Zuckertüte”, eine “Alienprinzessin” oder “Hatifnatten in Hochzeitskleidern”. Und dann stehen sie da und schauen erwartungsvoll und man muss sie jetzt finden, diese Ausmalbilder. Man bearbeitet die Filter mittelgroß genügt, schwarz-weiß (dann kann man vielleicht ein Foto von einem Rotlippen-Fledermausfisch hinterher so nachbearbeite, dass das Kind das als Ausmalbild akzeptiert…) und kämpft und kämpft.

Der Schweiß steht einem auf der Stirn und endlich hat man eine Seite mit Suchergebnissen und dann kommt die nächste Prüfung. Für mich das allerschlimmste. Wie Google funktioniert und wie man gute Suchergebnisse für die allerbizarrsten Ausmalbilderwünsche bekommt, das habe ich nämlich schnell verstanden. Ich bin mittlerweile SEO SEM Profi für alle Fragen in Sachen Suchmachinen. Setze für jeden eine AdWords-Kampagne auf, hole Tausende von Seitenbesuchern – egal um welchen Geschäftszweig es geht! Mit links mache ich das.

Aber was ich nicht aushalten kann, ist dieses Warten. Warten, dass das Kind ENDLICH ein Bild auswählt und man per Strg + P drucken kann. Da hat man stolz diese Suchergebnisseite und dann steht das Kind da und begutachtet jedes einzelne Ergebnis. “Mach mal größer”
“Hm”
“Ne, doch nicht”
“Das nächste”
“Ne”
“Das nächste” … und dann
“Doch noch mal das zweite” …
“Oder kann ich doch lieber ein Bild von einem Fangschreckenkrebs?”

DAS. MACHT. MICH. IRRE.

“Kann ich ein Ausmalbild” dauert im Schnitt 70 Minuten. SIEBZIG Minuten, die man prokrastinieren könnte. Es ist manchmal ein Elend mit diesen Kindern.

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