Twitterliebe 05/15

Nonmention – Jemand hat deinen Geburtstag geplant:

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#NetflixPartyBerlin

Seit einiger Zeit bin ich im Netflix Streamteam. Das bedeutet in erster Linie, ich darf Netflix schauen und ich werde entweder auf Netflixpartys eingeladen oder aber ich lade mich dort selbst ein. So geschehen gestern. Ich konnte einfach nicht anders. Der Das Event kündigte an, sowohl den Serienstart von Sense8 als auch die neue Staffel Orange Is The New Black zu promoten. Ich hatte den Trailer zu der neuen Serie Sense8 bereits vor einigen Wochen gesehen und freue mich auf den Start am 5. Juni in Deutschland.

Ich mag ja Action-Mistery-Dings total gerne und es spielen auch ziemlich viele Schauspieler mit, die mir schon aus anderen Serien bekannt sind (Sayid aus Lost zum Beispiel). Ich bin jedenfalls sehr gespannt. Ich glaube, ich brauche neben Game of Thrones mal wieder eine Bingewatching-Serie. Daredevil (Boring Martial Art Porn) und Better Call Saul haben mich irgendwie kalt gelassen.

Jedenfalls – die gestrige #NetflixPartyBerlin war im Soho House. Ich habe lange in der Torstraße gewohnt als das Gebäude noch unrenoviert war und mir immer gewünscht Millionärin zu sein und das Gebäude kaufen zu können (deutlich über 30 Mio hätte das gekostet). Ich kann nicht richtig beschreiben warum, aber dieses Gebäude hat was. V.a. Geschichte:

Das ehemalige Kaufhaus Jonaß in Berlin wurde 1929 als erstes Kreditkaufhaus eingeweiht. Nach der Enteignung der jüdischen Eigentümer während der Herrschaft der Nationalsozialisten diente das Gebäude der Hitlerjugend (HJ) und später der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) als Zentrale. In dem denkmalgeschützten Haus eröffnete im Mai 2010 das Soho House Berlin, ein exklusives Club-Hotel.

In das Soho House kommen eigentlich nur Mitglieder. Schön ist die Beschreibung zur Mitgliedschaft auf der Seite des Clubs: „Im Unterschied zu anderen Clubs, deren Mitgliedschaft oft auf Reichtum und Status basiert, liegt unser Ziel darin, Gruppen von Menschen zusammenzubringen, die eine Gemeinsamkeit haben – nämlich ihre Kreativität.“

Für Erwachsene kostet die lokale Jahresmitgliedschaft für Berlin nur 1.200 Euro. Wenn man unter 27 ist schnäppchenhafte 600 Euro.

Was mir ja sehr gefällt: Kinder kosten nur 190 Euro. Auch hier mein sehnlichster Wunsch nach überflüssigem Geld. Ich wäre so gerne Mitglied und dann würde ich mir gerne noch vier Kinder ausleihen und die gemeinsam mit meinen Kindern dort anmelden und immer mitnehmen. Und zwar nachdem sie eine Woche nicht auf den Spielplatz durften, 200 Gramm puren Zucker gegessen und je zwei Espressi getrunken haben. Das stelle ich mir sehr lustig vor. Ich sitze im Rooftop-Café und trinke Latte Macchiato während die Kinderhorde den auf 26 Grad angewärmten Rooftop Pool auf seine Arschbombentauglichkeit hin testet.

soho

Aber zurück zu Netflix. Ich wollte wirklich gerne mal ins Soho House und hab mich deswegen sehr gefreut mit auf die Gästeliste zu kommen. Das hatte auch noch andere Vorteile. Geladen waren nämlich hauptsächlich so krasse YouTube Personalities. In meinem Alter kennt man die weil man 2014 auf der re:publica mal einem Panel staunend gelauscht hat. Hinterher hatte ich Kind 1.0 von dem Panel erzählt und Kind 1.0 machte große Augen und fragte: „WAAAAS? DIE HAST DU ECHT GESEHEN? Hast du mir ein Autogram mitgebracht?“

Was blieb mir also anderes übrig, als meine Scham zu überwinden und den einen total bekannten YouTuber anzuquatschen und um ein Autogram zu bitten? Es war schrecklich peinlich, aber der YouTuber war sehr nett, kritzelte seinen Namen mit Widmung auf einen Zettel und ich durfte noch ein Foto machen.
Mir taten auch die anderen, ebenfalls total bekannten YouTuber leid. Ist bestimmt irgendwie unhöflich nicht alle nach einem Autogram zu fragen. Aber ich bin so schlecht mit Namen und nur weil einer ein paar Millionen Views hat, kann ich mir nicht gleich merken, wie der heißt…
Jedenfalls war das alles sehr aufregend und danach musste ich erst mal zwei Cocktails auf ex kippen.

Die erste Stunde war also überbrückt mit Autogrammen, Cocktails und ungewürzten Häppchen (die aber sehr super aussahen). Mett gabs auch…
Auf der Einladung stand außerdem noch „Special Guests“ und ich war sehr gespannt, wen Netflix da anschleppen würde. Neben Sense8 wurde die neue Staffel Orange Is The New Black angekündigt. Orange Is The New Black hat mir wirklich gut gefallen, ich schrieb mal darüber:

Eine Serie, die vor Diversität und Frauen quasi platzt. Eine Serie, in der es Falten gibt, schlechte Zähne, Narben, große Frauen, kleine Frauen, dünne Frauen, dicke Frauen und v.a. diese Frauen können alle sprechen (!).

Ich frage mich bis heute, wie diese Serie in den USA zum Erfolg werden konnte. Noch nie habe ich so oft Frauen ohne Klotür Pipi machen sehen wie in dieser Serie zum Beispiel. Das passt doch gar nicht zum prüden Hollywood-Amerika, in dem man auch nur Sex mit BH eingerollt in einem Seidenbettlaken hat?

Egal, die Serie ist wirklich gut und ich hätte wirklich nicht damit gerechnet, dass die den Hauptcast da anschleppen. Anwesend waren Taylor Schilling, Laura Prepon, Uzo Aduba und Laverne Cox. Eigentlich fehlte nur Kate Mulgrew. Kate Mulgrew ist mir v.a. als Captain Janeway der Voyager bekannt und auch wenn ich Voyager nie durchgängig gut fand, gehört die Serie eben in meine Star Trek Sozialisierung und ich wäre vermutlich bei ihrem Anblick tot umgefallen.

oitnb

Zwei von vier Stars haben sich was schönes gehäkelt.

 

Für Sense8 war Daryl Hannah da. Sie blieb allerdings relativ unbeachtet – was ein bisschen schräg ist, immerhin hat sie in Kultfilmen wie Kill Bill und Blade Runner mitgespielt.

Nachdem ich schon peinliche Dinge getan hatte, hab ich Daryl Hannah angesprochen und gefragt, ob ich ein Foto mit ihr machen kann.

dh

 

Wir* hatten jedenfalls großen Spaß. Ich stehe langsam dazu, dass man sich auf Events amüsieren kann, einfach weil es gutes Essen und alkoholische Getränke gibt und alle in ihr Telefon starren. Isoliert betrachtet ist es schon ein wenig bizarr – aber #yolo eben.

 

Ach und wenn jemand eine psychologische Erklärung für mich hat, warum man sich mit Stars fotografieren möchte und wieso es Spaß macht Fotos von Freundinnen, die sich mit Stars fotografieren lassen, anzusehen, dann bitte her damit!

 

*diplix und katia z.B.

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Wie Kühe auf der Weide

Ich fahre Fahrrad in die Arbeit. Jeden Meter, den ich vorwärts komme, denke ich an sie. Jeden Tag. Die Stelle an der es passiert ist, vermeide ich. Doch die weißen Geisterfahrräder sind plötzlich überall. „Jakob“ steht auf einem, dann ein Geburtsjahr und das Sterbejahr. Ich brauche 100 Meter um auszurechnen, dass er 23 war, als er starb. Am Rückweg sehe ich eine junge und eine etwas ältere Frau Blumen an das Fahrrad stecken. Sie sehen angestrengt aus.
39 bin ich. So gerade noch. Bald werde ich 40. Jakob durfte nicht 40 werden und sie auch nicht.
Am nächsten Morgen, gleiche Strecke, ich trete in die Pedale und plötzlich überkommt mich das übermächtige Gefühl stoppen zu wollen. Auf halbem Weg. Einfach anhalten, das Fahrrad zur Seite werfen, umdrehen, weggehen, irgendwohin. Wohin? Einen Flug buchen. Alles hinter mir lassen. Ich erschrecke mich über dieses Gefühl. Natürlich fahre ich weiter. Aber warum? Welchen Sinn ergibt das?
Dieser Alltag. Alles ist bestens, aber wenn ich näher darüber nachdenke ist es so sinnlos. A – B – C. Jeden Tag.
Ich frage mich, ob ich unzufrieden sein darf. Darüber, dass ich plötzlich alt aussehe auf Fotos. Überall Falten.
Darüber, dass ich Pflichten zu erfüllen habe.
In mir sammelt sich Wut. Mir war das gar nicht klar. Eine Freundin, die auch jemanden verloren hat, sagte das: „Ich bin so wütend“ und plötzlich denke ich: „Ja! Ja, genau! Was ich fühle ist Wut. So viel Wut.“
Über jede verschwendete Minute meines Lebens. Rückwirkend. Jeden Satz, den ich nicht gesagt habe. Jedes Gefühl, das ich unterdrückt habe und ich habe so viel unterdrückt. Wollte funktionieren. Nicht unfreundlich erscheinen. Reif und gelassen. Jetzt ist mir nach fressen, ficken, saufen und zwar genau so ekelhaft unfein wie es klingt. Mehr hat das Leben doch nicht zu bieten. Jedes mittelgute Essen ist eine Beleidigung. Warum muss eigentlich ICH immer diejenige sein, die sich zusammenreißt? Die ruhig bleibt? Die nachdenkt, was wie auf wen wirken könnte? Warum kann ich eigentlich nicht auch mal rumschreien? Ungerecht sein? Utopische Sachen einfordern? Mich irrational verhalten?

„Was machen die Tiere da?“, fragt mich eines der Kinder als wir auf einer Weide eine Kuhherde anschauen. Ich weiß nicht was es meint und antworte deswegen nicht sofort.
„Die essen, kacken und dann sterben die, oder?“
Ich muss schlucken. Das bringt es ziemlich genau auf den Punkt. Essen, kacken, sterben.

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Wo Brüste zu sehen sind, kann es keine Kompetenz geben

Darüber und über andere Themen spreche ich in der 2. Folge der 2. Staffel des Der Weisheit Podcasts.

Am Ende haben wir als Hausaufgabe bekommen bis zum nächsten Mal etwas Unvernünftiges zu tun. Unvernünftig sein fällt mir ziemlich schwer, ich habe mir deswegen schon ein paar Tipps eingeholt. Ob ich davon wirklich was tun werde … ich bin mir noch unsicher:

  • Zum Einschlafen ein Conni Buch lesen
  • Kommentarspalten unter Feminismus-Artikeln lesen
  • Ein Namenstattoo vom aktuellen Schwarm machen lassen
  • Kind 4.0 machen

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Maaslose Datenspeicherung

Von vielen FreundInnen der Fleischwelt™ werde ich oft gefragt: Was soll dieses Twitter eigentlich? Eine der möglichen Antworten lautet: Twitter soll unterhalten und tatsächlich, Twitter hat mir schon viele kurzweilige Abende beschert. Zum Beispiel gestern als in meiner Timeline Tweets an Heiko Maas auftauchten. Heiko Maas ist (das klingt so toll, deswegen copy & paste) „Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz im Kabinett Merkel III“ und Mitglied der SPD. Seine Position zur Vorratsdatenspeicherung lautete bis Dezember 2014:

Sigmar Gabriel, Vorsitzender der SPD war da anderer Meinung. Sehr kurz gefasst: Maas gab klein bei und unterstützt jetzt die Vorratsdatenspeicherung, die er „Mindestspeicherdauer“ nennt. Klar, gab es einige Minimodifikationen, am Ende bedeutet sie aber: die flächendeckende Sammlung und Überwachung von persönlichen und sensiblen Kommunikationsdaten.

Im Hauptkritikpunkt der „Mindestspeicherdauer“ geht es um die anlasslose und flächendeckende Speicherung von Daten: Im Gegensatz zum gesamten demokratischen Strafrecht kennt sie keine Unschuldigen mehr. Es werden ohne konkreten Anlass die Daten von allen gespeichert, ob sie etwas getan haben oder nicht.

Zurück zu Twitter: Eine sehr schöne Art zu zeigen, wie hohl die ganze Idee ist, tat sich gestern in einer Art Timeline-Flashmob auf als vereinzelt belanglose Alltagsdetails getwittert wurden:

(Mehr gibt es hier)

Und um mich am Ende selbst zu zitieren: Es geht bei Überwachung gar nicht um die tatsächlichen Geheimnisse, die man zu verbergen sucht, sondern darum, was andere durch Einzelbeobachtungen und deren Misinterpretation über das eigene Leben und Verhalten schließen (und welche Folgen das haben kann).

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Die Sache mit den Vorteilen

Kinder haben auch Vorteile, darüber schreibe ich drüben bei Maximilian Buddenbohm. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass dieser liebreizende Text an Euch vorbei gegangen ist…

Wenn sie älter werden, dann hat man z.B. sehr ähnliche Vorstellungen von gelungener Freizeitgestaltung. Im Großen und Ganzen bedeutet gelungene Freizeitgestaltung für Jugendliche nämlich „chillen“ – und zwar nachdem man bis mittags im Bett lag. Im optimalen Fall chillt man an einem Ort mit WLAN-Verbindung, denn im Grunde beschäftigt man sich den ganzen Tag damit, sich lustige Videos auf YouTube anzuschauen. Exakt so stelle ich mir mein Leben eigentlich auch vor. Endlich nicht mehr auf den Spielplatz müssen, kein Basteln mehr, keine Kinderlieder trällern und nie wieder Conni vorlesen.

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Scoyo Elternabend Thema Vereinbarkeit am 19. Mai um 21 Uhr

Im Rahmen der Vorbereitungen für das Gespräch am Scoyo Elternabend, habe ich mir einige Gedanken gemacht.

Vereinbarkeit, was genau bedeutet das eigentlich?

Ich sehe Vereinbarkeit in einem größeren Rahmen also nicht nur bezogen auf Familie vs. Job. Für mich hat Vereinbarkeit etwas mit einem Miteinander zu tun und Miteinander bedeutet immer, dass nicht alle gleichermaßen und zu jeder Zeit ihre persönlichen Interessen und Bedürfnisse durchsetzen können. Für mich konkret als Mutter bedeutet das schlicht, der erste Schritt zum Thema Vereinbarkeit ist tatsächlich, dass ich lerne meine eigenen Bedürfnisse, da wo nötig, zurück zu stellen. Je nach Selbständigkeitsgrad der Kinder beispielsweise gehört es für mich zum Muttersein* meine persönlichen Bedürfnisse zurückzustellen und in erster Linie die der Kinder zu erfüllen.

Die Kunst ist es nur, dass man dran bleibt und sich die Freiräume, die dann irgendwann wieder entstehen zurück holt und dass man versucht die Verantwortung zu verteilen. (Nicht alle haben die Möglichkeit dazu – das ist mir klar. Manchmal fehlt der Partner, manchmal die Familie, manchmal gibt es keine oder nur mangelnde Kinderbetreuung.).

Eng mit dem Thema Vereinbarkeit sehe ich das Thema Perfektionismus verbunden. Ich schrieb bereits darüber. Mein Plädoyer lautet: Nicht darüber nachdenken was man so macht, sondern darüber, was einem persönlich gut tut. Konkret: es muss nicht immer frisch gekocht werden, es ist OK wenn die Kinder mal eine halbe Stunde fernsehen, eine Packung Würstchen fürs Kindergartenbuffet statt der selbst gemachten Quiche ist auch ausreichend. Das alles spart Zeit, schafft Freiräume, entlastet und gibt Platz. Ich glaube, meine Kinder wollen lieber eine entspannte Mutter als eine selbst gebackene dreistöckige Geburtstagstorte.

Weitere Tipps (und ich weiß auch hier, das ist aufgrund der finanziellen Situation nicht möglich für alle Familien… aber da wo es möglich ist, einfach mal darüber nachdenken wohin das Geld fließt): Lieferdienst statt selbst einkaufen (irre Zeit- und Stressersparnis), vielleicht eine Putzfrau einstellen, outsourcen wo es nur geht.

Was den Job angeht (auch hier lebe ich im Paradies…), wenn irgendwie möglich, einen Arbeitgeber suchen, der:

  • Flexible Arbeitszeiten
  • Home Office
  • Teilzeitmodelle
  • Überstundenausgleich

bietet. Dessen Unternehmenskultur ergebnisorientiert ist und der die Leistung nicht über eine Präsenzkultur definiert.

Auch beim Job ist es oft so, dass man nicht alles gleichzeitig haben kann. Für mich war es im Familienkontext immer wieder eine Frage wie viel uns z.B. Geld vs. Flexibilität wert ist. Kleinere Arbeitgeber sind oft nicht die Topbezahler der Branche, machen aber vieles durch die Arbeitsbedingungen wieder wett.

Als Mitarbeiterin bin ich selbst Teil der Unternehmenskultur und kann bestimmte Dinge unterstützen, die Familienfreundlichkeit fördern. Wenn ich z.B. selbst Meetings organisiere, biete ich keine Termine vor 10 und nach 15 Uhr an.

Ich versuche auf meine Kommunikation zu achten. Ich höre z.B. oft beim Thema Home Office sowas wie „Ach, da bist du ja nicht da“, das nervt mich kolossal, denn ja, ich bin physisch nicht da, aber ich arbeite. Ich bin per Mail, per Telefon und über den Chat erreichbar. Wenn also Kolleginnen im Home Office sind, bemühe ich mich umgekehrt so mit ihnen zu arbeiten, wie ich es tun würde, wenn sie ein Büro weiter sitzen und vermeide solche Bemerkungen.

Ich dokumentiere meine Arbeit so gut es geht. (Im Grunde versuche ich Arbeitsprozesse so zu gestalten, dass der Prozess an sich eine ordentliche und nachvollziehbare Dokumentation hervorbringt. Sowas stützen Systeme wie Wikis oder Ticketsysteme, aber das ist ein großes, eigenes Thema). Ich poche auf verteilte Verantwortung im Sinne einer Vertreterregelung.

Wichtig ist es für mich auch, Kinder in allen Lebenssituationen willkommen zu heißen. Egal, ob ich in einem Vortrag sitze und ein Baby weint, ein/e KollegIn ein Kind mal mit ins Büro oder jemand sein brabbelndes Kleinkind mit in eine Kunstausstellung nimmt. Wenn ich bemerkte, dass sich jemand wegen vermeintlich störender Kinder zurück ziehen will, versuche ich die Person zum Bleiben zu motivieren. Zumindest versuche ich klar zu signalisieren: Geräusche, Getrappel etc. das alles ist OK für mich. (Ein schönes Beispiel für dieses Verhalten habe ich neulich im Netz gefunden).

Es gibt ziemlich viel was man selbst tun kann, um eine familienfreundliche Atmosphäre zu schaffen und alles hat schlicht und ergreifend mit gegenseitiger Rücksichtnahme und dem Zurückstellen eigener Bedürfnisse zu tun.

Darüber hinaus sind für mich klare Absprachen mit dem Partner wichtig. Das hat bei uns – so traurig es klingen mag – bis zur Trennung nicht so gut geklappt. Es gab zwar Eckpfeiler über die wir uns in Sachen Job und Familie verständigt haben, aber vieles war implizit. To keep a long story short: Am Ende hatte ich das starke Gefühl von ungerechter Verteilung und mein Partner das Gefühl überzogener Ansprüche an ihn.

Mit der Trennung hat sich das interessanterweise verändert und wir sind beide zufriedener. Wir haben glasklare Absprachen, die Befüllung des gemeinsamen Kalenders klappt und die Informationen fließen zuverlässiger.

Deswegen meine Empfehlung: Schon vor dem Kinderbekommen klar absprechen und zwar auch die Details. Es ist einfach sich über Hol- und Bringsituation abzusprechen. Die tatsächliche Belastung habe ich immer in den Alltagsthemen empfunden. Das mag lächerlich klingen, aber ich bin an der Verantwortung für die kleinen Dinge in die Knie gegangen, weil wir nie darüber geredet haben: Fingernägel schneiden, neue Sportschuhe kaufen, wer besorgt das Geschenk für die Einladung des Kindes zu einem Kindergeburtstag, wer denkt an den Rucksack für den Ausflug, wer an die Wechselwäsche, was ist mit dem Schlafsack, der für die Kitaübernachtung benötigt wird, wer geht mal wieder mit dem Kind zum Haare schneiden, was bringen wir zum Schulsommerfest mit, wer besorgt es., wer macht den Vorsorgetermin für die nächste U-Untersuchung aus, wer geht mit dem Kind dahin… Tausend kleine Dinge eben.

Deswegen lohnt es sich wirklich mal eine Liste zu machen was es alles zu erledigen gibt und sich dann fest abzusprechen welches Thema wem gehört (man kann es Themen auch rotierend belegen, Hauptsache es ist gibt klare Verantwortlichkeiten).

Ich könnte ganze Romane schreiben über das Thema. Wenn man mich aber bitten würde mich auf die wesentlichen Tipps zu beschränken, würde ich folgendes sagen:

  • Perfektionismus fahren lassen.
  • Aufgaben verteilen (auf alle verfügbaren Menschen. Den Partner, andere Familienmitglieder, Freundinnen und Freunde, Erzieherinnen und Erzieher und am Ende – je nach Alter der Kinder: auf die Kinder)
  • Selbständigkeit der Kinder fördern (dazu gehört z.B. Rahmenbedingungen schaffen, damit das geht z.B. räumliche Nähe der Schule und damit des Freundeskreises, keine Aktivitäten, die verlangen, dass man die Kinder durch die Gegend fahren muss etc.)
  • Nicht zu vergessen: Sich für Politik zu interessieren, wählen gehen, an Demos teilnehmen und so versuchen die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen – Kinderbetreuung etc. – zu verbessern.

Und wenn das jemand liest und denkt: Ich hab ja keine Kinder, mich geht das nichts an… Am Ende geht es nämlich nicht um Kinder- oder Familienfreundlichkeit. Es geht immer um Menschenfreundlichkeit. Das sollte man sich vor Augen führen. Es geht bei Vereinbarkeit nicht um Eltern und Kinder. Sondern um seelische Gesundheit und dem Anrecht eines jeden auf ein gutes Leben. Egal, ob man sich um die eigenen Kinder kümmert, ob man sich um Pflegebedürftige kümmert oder ob man einfach Zeit für sich braucht.


 

*Ich schreibe vom Muttersein, weil ich eine Mutter bin, ich denke aber, das selbe gilt natürlich fürs Vatersein (sofern man diese Rolle ernst nimmt zumindest).

Weitere Lesetipps:

Die geschätzte Béa Beste schreibt über Vereinbarkeit:

Vielleicht geht es nicht um Vereinbarkeit von Kinder und Karriere – sondern um Vereinbarungen unter Menschen

Annelu in Kind und Karriere – geht das? scheibt: „Es ist sicherlich möglich, Kinder und Karriere miteinander zu vereinbaren, dabei ist aber das Tempo entscheidend. Es kann nicht parallel alles im gleichen Tempo stattfinden. Mal geht eines besser, mal das andere.“

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Für YouTube zu alt – zum Podcasten genau richtig

podcastenGanz frisch nach der Uni war ich so orientierungslos wie ganz frisch nach dem Abitur. Ich hatte mein Psychologie-Diplom in der Tasche und wußte eines: nachdem ich Jahre lang an der Uni gearbeitet und mich durch die Diplomarbeit gequält hatte – ich will auf keinen Fall promovieren. Ich wollte in eine große Stadt und weg aus Franken.
Es war 1998 und ich tat, was man so machte damals in den 90ern: Ich verliebte mich im Internet und zog dann in die Stadt, in der der Typ wohnte – Berlin. Eigentlich wollte ich mich für den Zusatzstudiengang Wissenschaftsjournalismus einschreiben und dann zum Radio. Parallel habe ich mich für ein Volontariat beworben. Ist natürlich nichts geworden, außer der Schülerzeitung hatte ich keine Vorerfahrung vorzuweisen und Kontakte hatte ich auch keine.
Weil ich von irgendwas leben musste, begann ich mit Zeitarbeit, rutschte irgendwann in ein bezahltes Praktikum, dann in ein weiteres und bekam meinen ersten festen Job. Spätestens da habe ich meine Pläne journalistisch zu arbeiten zu Grabe getragen. In der Zwischenzeit hatte ich auch eine ungefähre Vorstellung was man verdient, was mich jezt auch nicht unbedingt zusätzlich motivierte.
Meinen Drang (Geschichten) zu erzählen, hab ich dann hier im Blog ausgelebt. Damit waren alle Bedürfnisse befriedigt. Bloggen ist für introvertierte Extrovertierte fast so gut wie Radio (glaube ich). Im letzten Jahr habe ich Podcasts für mich entdeckt – erstmal als Hörerin und deswegen fand ich es sehr interessant bei einem dabei zu sein. Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich das Format Podcast als Grundlage für mein zweites Buch gewählt habe (alles noch voll geheim und so).

Sehr großartig finde ich außerdem, dass ich als festes Mitglied bei einem bereits bestehenden Podcastformat – Der Weisheit – einsteigen kann. Geplant ist, dass wir alle zwei Wochen mittwochs zu elternfreundlichen Zeiten um 21h live senden werden. Wir, das sind Marcus Richter (ich glaube, der ist podcastsüchtig), Malik Aziz (der macht so komische Musik) und erstmal wechselnd eine zweite Frau. Ich freue mich jedenfalls drauf. Die erste Folge – unser Probedurchlauf – gibt es schon zu hören. Nächster Termin ist der 27. Mai 2015.

Ich bin jetzt also offiziell Podcasterin:

Bildschirmfoto 2015-05-14 um 06.38.14

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