Parental SEO

Um Suchmaschinenoptimierung zu betreiben, ist es hilfreich die Google-Algorithmen zu verstehen. Wobei, verstehen ist ein bisschen hoch gegriffen. Man kann sich annähern. Und man muss sich immer wieder annähern, denn die Algorithmen ändern sich kontinulierlich.

Um die Algorithmen zu verstehen, gibt es mehrere Wege. Man nutzt mal einen dieser AdWords-Gutscheine, die man alle paar Monate bekommt und schaut sich an wie andere Menschen suchen. Erfindet Suchbegriffe, permutiert sie, erweitert einzelne Begriffe um ganze Strings. Dann schaut man sich an wie sich das Ranking verändert und passt das Ganze wieder an. Streng genommen ist das ja SEM – aber es hilft eben die Suchalgorithmen zu verstehen.

Den umgekehrten Weg kann man natürlich auch gehen. Man googelt selbst, schaut sich Suchergebnisse an. Prüft die Positionierung der Suchergebnisse. Googelt wieder ein bisschen, schaut an welcher Stelle die gesuchten Begriffe auf der Webseite stehen, wie oft auf die Seite verlinkt wird etc. und zack ist man SEO Expertin. Man versteht das System zumindest grob in alle Richtungen. Das kann man sich von Google zertifizieren lassen – zumindest bezogen auf AdWords. Gilt zwei Jahre und ist lediglich ein Multiple Choice Test. Besteht man leicht und dann kann man sich das Zertifikat ausdrucken und an die Wand hängen und ist irgendwie stolz.

Dass man ein Google-Ass ist, das können einem dann die Kinder zertifizieren. Alle Eltern kennen sich nämlich mit Google aus. Ihnen ist das nur nicht so klar. Aber es ist so. Implizit sind Eltern ExpertInnen in Sachen SEO. Das werden sie zwangsläufig, denn irgendwann kommt das Thema “Ausmalbilder” auf. In jeder Familie. Plötzlich – man weiß nicht wie die Kinder auf die Idee kommen, aber sie haben diese Idee – plötzlich stehen sie im Raum und sagen: “Ich möchte ein Ausmalbild. Kannst du mir eins ausdrucken?”

Wenn es das erste Kind ist, das diesen Wunsch äußert, ist man noch ganz entspannt und denkt: “Ja klar, Ausmalbild. Haha. Tolle Idee.”

Fragt jedoch das zweite Kind, blickt man in der Regel auf mehrere Jahre Ausmalbilderausdrucken zurück und bekommt deswegen ein nervöses Zucken im Auge. Das Problem ist nämlich nicht das Ausdrucken (wie Profis wissen). Das Problem ist das Ausmalbilder aussuchen. Wobei – nein eben noch eine Stufe vorher. Das Ausmalbild suchen. Am Anfang sucht man “Feuerwehrauto”, “Pferd”, “Kran” oder “Rehkitz”. Aber sehr schnell reicht das nicht mehr. Die Kinder schauen einem über die Schulter und entdecken in den Suchergebnissen irgendein inspirierendes Bild und schon beim nächsten Mal verlangen sie nach Ausmalbildern, die “Faultiere”, “Tapire” oder einen “Rotlippen-Fledermausfisch” zeigen. Das wird schon schwieriger, aber man schafft es. Doch dann kommt der Tag, an dem auch das nicht mehr genügt und die Kinder wollen ein “Seepferdchen mit Zuckertüte”, eine “Alienprinzessin” oder “Hatifnatten in Hochzeitskleidern”. Und dann stehen sie da und schauen erwartungsvoll und man muss sie jetzt finden, diese Ausmalbilder. Man bearbeitet die Filter mittelgroß genügt, schwarz-weiß (dann kann man vielleicht ein Foto von einem Rotlippen-Fledermausfisch hinterher so nachbearbeite, dass das Kind das als Ausmalbild akzeptiert…) und kämpft und kämpft.

Der Schweiß steht einem auf der Stirn und endlich hat man eine Seite mit Suchergebnissen und dann kommt die nächste Prüfung. Für mich das allerschlimmste. Wie Google funktioniert und wie man gute Suchergebnisse für die allerbizarrsten Ausmalbilderwünsche bekommt, das habe ich nämlich schnell verstanden. Ich bin mittlerweile SEO SEM Profi für alle Fragen in Sachen Suchmachinen. Setze für jeden eine AdWords-Kampagne auf, hole Tausende von Seitenbesuchern – egal um welchen Geschäftszweig es geht! Mit links mache ich das.

Aber was ich nicht aushalten kann, ist dieses Warten. Warten, dass das Kind ENDLICH ein Bild auswählt und man per Strg + P drucken kann. Da hat man stolz diese Suchergebnisseite und dann steht das Kind da und begutachtet jedes einzelne Ergebnis. “Mach mal größer”
“Hm”
“Ne, doch nicht”
“Das nächste”
“Ne”
“Das nächste” … und dann
“Doch noch mal das zweite” …
“Oder kann ich doch lieber ein Bild von einem Fangschreckenkrebs?”

DAS. MACHT. MICH. IRRE.

“Kann ich ein Ausmalbild” dauert im Schnitt 70 Minuten. SIEBZIG Minuten, die man prokrastinieren könnte. Es ist manchmal ein Elend mit diesen Kindern.

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Serienempfehlung

Hachja. Als Studentin wohnte ich in einer WG und irgendwann als wir uns klassisch auseinanderstritten, wurde mir unter anderem vorgeworfen, ich würde mich in Themen reinsteigern und dann gäbe es nichts anderes mehr und das würde voll nerven. Das stimmt bis heute. Nur dass ich diesen Charakterzug lieber “Begeisterungsfähigkeit” oder “Themenenthusiasmus” nenne.

Drum – tut mir so leid, liebe LeserInnen, wenns nervt, aber mich treibt gerade dieses Genderdingens an. (Ganz so uninteressant scheint es auf der anderen Seite nicht zu sein. Ich hab selten über 10.000 Pageviews und mehrere hundert Reaktionen auf einen einzigen Artikel – mein schlechtes Gewissen hält sich also in Grenzen.)

Jedenfalls: Den viel zitierte Bechdel-Test kennt ihr vermutlich:

Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie Frauen in einem Film repräsentiert sind, werden drei Fragen gestellt:

  • Spielen mindestens zwei Frauen mit, die einen Namen haben?
  • Reden sie miteinander?
  • Reden sie miteinander über etwas anderes als einen Mann?

Besteht ein Film diesen Test indem alle drei Fragen mit “Ja” beantwortet werden können, sagt das generell erstmal nichts über die Qualität als solches und auch nicht über dessen “feministischen Wert” aus.

Jaaaa – kann man gleich bläken – da fallen nämlich einige Filme mit starken Frauencharakteren durch (“Aliens” oder “Lola rennt” zum Beispiel) – dennoch versetzt mich dieser Test immer wieder in Erstaunen. Denn, wenn es um Frauen geht, ist ein Zitat, das ich neulich in der Rosa-Hellblau-Falle (S. 132 ff) gelesen habe, sehr zutreffend:

“Männer handeln, Frauen kommen (auch) vor.” Zitat Erich Küchenhoff

Das Zitat ist übrigens von 1975 und wer jetzt denkt, es hätte sich seitdem maßgeblich etwas geändert – dem ist nicht so. Als die 500 erfolgreichsten Filme von 2007 bis 2012 ausgewertet wurden, zeigte sich, dass gerade mal 28 Prozent der Sprechrollen weiblich besetzt sind.

Warum schreibe ich das eigentlich alles?

Wenn ich außer dem Bloggen noch ein Hobby habe, dann sind es Filme und Serien. Mir ist aufgefallen, dass es erstaunlich wenig Filme und Serien gibt, die diesen Test bestehen. Für mich sind manche Serien, die von anderen in den Himmel gelobt werden, deswegen unerträglich. True Detective wäre da so ein Beispiel. Ja, Frauen spielen auch mit, aber nur als Mordopfer, Sexelement oder sonstwie Beiwerk. Mir reicht auch nicht der Hinweis, dass diese Darstellung eine Art Kritik dieser Klischees darstelle*. Das langweilt mich. Nein, Halt! Das stösst mich mittlerweile regelrecht ab.

Ich habe wirklich keinen hohen Anspruch an Filme. Ich liebe z.B. Fantasy und Science Fiction und da muss man wegen mangelnder Logik oft alle Augen zudrücken, aber wenn ich in den aktuellen Planet der Affen (Revolution) gehe und mein erster Gedanke ist: Wow, selbst bei den Affen gibt es nur eine einzige Frau, dann merke ich a) wie “verdorben” meine Sichtweise in der Zwischenzeit ist und b) wie dämlich selbstverständlich es ist, Frauen/weibliche Wesen in Filmen nur als Beiwerk und Objekt zu zeigen.
Noch vor wenigen Monaten ist mir das nie aufgefallen. Ich hab früher auch gerne Computerspiele gespielt und es war für mich selbstverständlich, dass da Frauen nur nackt oder tot oder als nackte Tote oder als nackte noch zu tötende oder sonstwie zu missbrauchende Wesen auftauchen.

Es war normal. Es entsprach meinen Sehgewohnheiten. Es ist schließlich überall so: In den Computerspielen, in der Werbung, im Fernsehen, im Kino.

Vielleicht treibt mich dieses Thema plötzlich auch so sehr weil meine Kinder dem Kleinkindalter entwachsen (sind) und ich mich frage: Welche Computerspiele kann ich sie spielen lassen? Welche Filme kann ich sie anschauen lassen? Welche Serien taugen was, um ihnen ein ausgeglichenen Bild zu verschaffen. Wie kann ich erreichen, dass sie Frauen für vollwertige Mitglieder der Gesellschaft halten, die Stärken jenseits von Schönheit und perfektem Aussehen haben, die Berufe ergreifen, die Rechte haben?

Für das Kindesalter habe ich leider keine Liste. Aber mir war heute so danach für das Erwachsenenalter mal einige Beispiele aufzuzählen, weil ich nämlich genau das selbe Erlebnis wie Journelle hatte, als ich Orange Is The New Black entdeckte.
Eine Serie, die vor Diversität und Frauen quasi platzt. Eine Serie, in der es Falten gibt, schlechte Zähne, Narben, große Frauen, kleine Frauen, dünne Frauen, dicke Frauen und v.a. diese Frauen können alle sprechen (!).
Das hat mich total fasziniert. Wirklich. Da spielen Menschen mit.

Deswegen hier eine Liste von Serien, die mich dieses Jahr glücklich gemacht haben:

Orange Is The New Black

The Honourable Woman

The Fall

The Good Wife

(Aktuell läuft die 6. Staffel. Ich habe hier den Trailer der 1. Staffel verlinkt, um nicht zu spoilern)

Deswegen: Ich freue mich über weitere Empfehlungen für Erwachsene, aber auch Computerspiele und Filme für Kinder.

* “When it comes to women, True Detective is undeniably shallow—but I think it’s being shallow on purpose.

Übrigens vielleicht ganz interessant: Filme, die den Bechdel Test bestehen, haben deutlich weniger Budget, laufen aber erfolgreicher (Es wurde investierter Dollar zu eingespielter Doller ins Verhältnis gesetzt)

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#Beamtenfilme

Manche Mems mag ich einfach. So wie die #informatikfilme oder Conni – das Mem.
Dieses Wochenende hat mich belustigt: #beamtenfilme

Ingeborch
@Ingeborch
Lost in stagnation #beamtenfilme
Jörg Thomann
@Thomann_J
Bei Anruf Warteschleife #beamtenfilme
Philipp
@opilef
Genehmige langsam I-IV #beamtenfilme
Jan Eden
@janedenone
The Working Dead. #beamtenfilme
Claudia Ehrenstein
@Honourstone
Schneller geht’s nicht #beamtenfilme
Free Bee
@fri_bie
50 erste Steuererklärungen

#beamtenfilme

Burkhard Zimmermann
@b_m_zimmermann
Die verlorene Umsatzsteuervoranmeldung der Katharina Blum #beamtenfilme
Roland Hindl
@Roland_Hindl
Der akurate Mr. Ripley #beamtenfilme
B()ris N()wa(k
@journalismbln
Endstation Gähnsucht

#beamtenfilme

Tilman
@twone2
Männer, die auf Akten starren #beamtenfilme
Anyuta
@textautomat
Fluch der Akribik
#beamtenfilme
medienmosaik
@medienmosaik
Drei Farben: Grau #beamtenfilme
Davor Bakara
@DavorBakara
Ich weiß, was Du letzten Sommer angekreuzt hast #beamtenfilme
Great Successor
@mr_moosbee
Ich weiß noch immer was du letzten Sommer angekreuzt hast #beamtenfilme
tagesshow
@tagesshow
District “Nein” #beamtenfilme
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Extra für Mädchen! Extra für Jungs

Ich sammle gerade für meinen Projekttag “Gender”:

Kinobajka
@kinobajka
Männer machen Karriere, tragen Anzug & fahren Cabrio o. haben eine Werkstatt vs. Hausfrau. #ichkaufdasnicht #Lego pic.twitter.com/0XAil5clVL
Novemberregen
@novemberregen
Sogar bei Keksdosen muss man jetzt aufpassen, dass man nicht die falschen erwischt. #allebekloppt #ichkaufdasnicht pic.twitter.com/ltk2C84bWY
Meike
@meike_hh
Rosa für Mädchen, blau für Jungs, alles schön getrennt. Ernsthaft, ? pic.twitter.com/mzyCQF3bIz
Sentenzomat
@sentenzomat
Im Supermarkt:
Die Role Models für Mädchen und Jungs heißen Pest und Cholera. pic.twitter.com/vsBl2fYh4U
hendrik kraft
@sibiuaner
#Playmobil teilt Spielzeug in männlich/weiblich: Party für die Jungs und Schlafzimmer für Mädchen. #Sexismus pic.twitter.com/ehGpW1Q9R1
almut schnerring
@machmirdiewelt
Jungen mögen Abenteuer+saure, dunkle Früchte, Mädchen lieben es märchenhaft-süß. Danke Caprisonne für die Schublade! pic.twitter.com/ogEQeCFbN4
m.
@ohaimareiki
supertoll: extra aufsteller für jungs und mädchen, erstere bekommen piratenpflaster, letztere welche mit ponymotiv. :< pic.twitter.com/vO1OlV0i
Ninia LaGrande
@NiniaLaGrande
Mädchen sind Prinzessinnen und Jungs Sieger. Genau. -.- #ichkaufdasnicht pic.twitter.com/Ppxi9PoAP6
torbenr
@wasverpasst
: J. machn Seereise und gehn auf Schatzsuche, M. können Wäsche aufhängen und Pferde… sein. COOL! pic.twitter.com/Ye6a5MV1Av
Patrick Willms
@patsbin
“Tägliche Genderkacke für vierhundert bitte.” pic.twitter.com/cLMqDTHSHi

Wer spendet mir weitere absurde Bildbeispiele?

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Über die Risiken gesunder Ernährung

Ich bin kein sehr naturverbundener Mensch. Wenn es sich ergibt, habe ich nichts gegen einen Waldspaziergang, einen Tag am See oder einen Ausflug aufs Land. Am wohlsten fühle ich mich aber in der Stadt und am Besten innerhalb von Gebäuden. Genauer gesagt in meinen eigenen vier Wänden – im Idealfall in meinem eigenen Bett.

Für Eltern schickt sich diese Einstellung offenbar nicht. Am Elternabend im Kindergarten wird in ermüdender Regelmäßigkeit darüber diskutiert, ob die Kinder nicht öfter in den Wald gehen könnten. Wir wohnen mitten in Berlin und sehr leise denke ich: Wenn ihr wollt, dass eure Kinder in den Wald gehen, dann zieht doch nach Posemuckel an den Waldrand und geht mit euren Kindern in den Wald. Man kann doch nicht von den Erzieherinnen erwarten, dass die ein bis zweimal die Woche mit 25 kleinen Kindern in den Wald fahren?

Dabei sind die Erzieherinnen sehr bemüht, den Kindern die Natur nahe zu bringen. Kind 3.0 besucht zum Beispiel regelmäßig und mit großer Begeisterung eine Gartenschule. Die pädagogische Idee dahinter lautet den Kindern erfahrungs- und handlungsorientiert ökologischer Bildung zu vermitteln. So hat Kind 3.0 schon selbst Honig hergestellt, einen wunderhübschen Blumenstrauß geschnitten und eine schöne Auswahl an Kräutern geerntet und mit nach Hause gebracht.

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“Das ist fur disch. Das kannst du essen. Kräuters sind sehr gesund und schmecken lecka.”, sagt es und schmeisst mir einen Haufen Grünzeug auf den Tisch. “Guten Appetit!”

Ich schaue unentschlossen auf das Gestrüpp, wohlwissend, dass man sterben kann, wenn man einfach so Pflanzen isst, ohne zu wissen um was es sich handelt. Ich zögere. Selbst in Restaurants, die ihre Teller mit Blumen schmücken und man davon ausgehen kann, dass man die Blümchen essen kann ohne zu sterben, lasse ich diese unberührt zurück gehen.

Kind 3.0s Augen weiten sich: “Das hab isch fur disch geflückt, Mama? Freust du disch?”. Ich sehe wie die Augen am unteren Rand des Auges ganz leicht feucht werden.

“Ich ähhh, danke! Oh! So eine Freude. Was ist das denn?”

“Isch glaube Lavendel und Petersilikum. Riesch ma.”

Nun gut, ich bin denkbar schlecht vorgebildet in dieser Angelegenheit, aber es handelt sich weder um Lavendel noch um Peterslie oder Basilikum. Vorsichtshalber fotografiere ich die Pflanzen und frage im Internet nach, ob jemand diese Pflanzen kennt und ich sterben muss, wenn ich sie wirklich esse.

Am Ende nehme ich die vermeintlichen Kräuter, entsorge sie heimlich, fülle ebenso im Geheimen ein Glas Pesto in eine Schüssel und verspeise abends das Pesto mit einem Teller Nudeln: “Hmmm! Wie das schmeckt! Köstlich. Das hab ich aus deinen Kräutern gemacht!” Das größere Kind riecht an meinem Teller, schaut skeptisch und will den Mund öffnen. Ich schüttle den Kopf und schicke einen Todesblick in seine Richtung. Es versteht und schweigt. Kind 3.0 isst glücklich seine Nudeln ohne nix: “Isch esse das nisch. Man kann auch stürben wenn das giftisch is, weisst du Mama.”

Aber Spaß beiseite: Kind 3.0 lernt viel in der Gartenschule und was mir besonders gefällt, ist dass es nicht beim theoretischen Wissen bleibt, sondern die Ernteerzeugnisse auch mit nach Hause gebracht werden und wir gemeinsam kochen können. Denn wenn es nicht gerade “seltene” Kräuter sind, sondern Beeren, Tomaten oder Paprika, dann kenne ich mich ausreichend aus und wir können das gemeinsam essen. Wir können darüber sprechen was gesund ist und warum es gesund ist und was gesunde bzw. ungesunde Ernährung mit unserem Körper macht.

Ein Projekt das an die Idee einer Gartenschule anschließt, bietet die EDEKA Stiftung im Rahmen der “Initiative zum Nachwuchs” an. Es heisst “Mehr bewegen – besser essen” und schließt logisch an das oben beschriebene Projekt für Kindergartenkinder an und richtet sich an eine etwas ältere Zielgruppe – die GrundschülerInnen der 3. und 4. Klasse. Auch hier geht es um Nachhaltigkeit und es steht der Themenkomplex Ernährung, Bewegung, Verantwortung im Fokus.

Bis zum 31. Januar 2015 können sich Schulklassen für einen Projekttag bewerben, der genau diese Themen praxisnah behandelt. Die Broschüre der Stiftung beschreibt weiteren Details des Projekttags.

Die Kinder essen gemeinsam und lernen etwas über gesunde Ernährung. Sie lernen, wie wichtig Bewegung ist und was sie selbst tun können, um ihre (unsere!) Umwelt zu schützen. Wenn die Kinder alt genug sind, werde ich den nächsten Elternabend mal um das Thema Projekttag bereichern und anregen, dass wir uns um einen solchen Tag bewerben.

Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung der EDEKA Stiftung.

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Wolfgang und ich

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Kaum sind die Kinder fremdbetreut, kann sich keine Familie mehr von bestimmten Trends abschotten. Waren es früher die Bauer Räinscha, so haben uns nun die Loom Bänder erreicht. Immerhin erst nach dem Papst.

Nachdem Kind 2.0 mit einigen selbstgemachten Gummibändern von der Schule kam, leistete ich zunächst eine Woche symbolischen Widerstand und kaufte dann 1.000 bunte Gummis für die Kinder, um dann eine weitere Woche später selbst unzählige Armbänder zu besitzen. Wenn wir uns morgens fertig machen, lege ich die Armbänder an. Wenn ich die Kinder abgegeben habe, nehme ich sie wieder ab und verstaue sie in der Handtasche, um sie pünktlich um 16.00 Uhr beim Abholen wieder zu tragen. Mein Herz ist so weich. Ich kann den Kindern einfach nicht sagen, dass ich die Bänder hässlich finde. Ich bin einfach nicht “Wolle” Wolfgang Petry. Dafür fehlt es mir offenbar an Mut.

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Was ich weiß ist – ich bin nicht alleine. In meiner Twitter-Timeline gibt es viele Betroffene. Eigentlich genug, um eine Selbsthilfegruppe loomgeschädigter Erwachsener zu gründen. Dachte ich erst. Aber dann machte ich eine sensationelle Entdeckung.
Dazu eine kurze Vorgeschichte. In unserem Sack mit den 1.000 Gummis war eine Beschreibung für einfache Bänder, doppelte Bänder, Blütenbänder und doppelte Blütenbänder. Ein Blick auf die Arme anderer Eltern zeigte jedoch, dass es eine bestimmte Technik geben musste, wie man die Gummis enger aneinander reiht und als Björn Grau ein entsprechendes Foto postete, gerieten wir in die YouTube-Loom-Tutorial-Hölle.

Wir schauten wie man von Hand die Fischgrättechnik umsetzt, wie man Blümchen knüddelt, wie man Leiterarmbänder und wie man Raupenarmbänder loomt. Zu guter Letzt bestand Kind 3.0 darauf ein Tutorial anzuschauen, das demonstriert, wie man einen Minion loomt:

Ich bin fast an Langeweile gestorben, aber die Kinder haben ohne einen Mucks von sich zu geben ZWANZIG Minuten lang dieses Video angeschaut. Im Anschluss passierte etwas sehr, sehr seltsames.
Kind 2.0 und 3.0 nahmen die Gummis zur Hand und begannen alles, was sie vorher gesehen hatten aus dem Kopf in einem irrwitzigen Eifer umzusetzen. Es war unfassbar. Ich war fasziniert. Einem Kindergartenkind hätte ich nicht zugetraut so viel feinmotorisches Geschick aufzubringen. Auch die Gedächtnisleistung war phänomenal. In der Regel fokussiert Kind 3.0 ca. 40 Sekunden die Aufmerksamkeit bis es etwas anderes, interessanteres bemerkt.

Wir schauten ein weiteres Tutorial und auch das wurde sofort umgesetzt.
Noch eins und noch eins und noch eins und zehn Bänder später als es schon dämmerte, kam ich auf die Idee, den Kindern andere Tutorials zu zeigen.
Wie man Bücher einbindet, wie man Schuhe putzt, wie man Spannbetttücher ordentlich zusammenlegt. Es war in der Zwischenzeit fast Mitternacht, aber die Kinder konnten nicht genug bekommen.
Ich schrieb mir derweil die Themen auf und notierte die Länge der Videos, sowie andere Parameter wie etwa ob ein Erwachsener oder ein Kind das Tutorial erstellt hatte, ob es von einer Frau oder einem Mann oder ob es mit Musik untermalt war oder nicht.
Danach vermerkte ich auf einem weiteren Zettel wie spontan und dann wie zügig die Kinder das Gesehene umsetzten. Im Morgengrauen fielen die Kinder erschöpft auf die eingebundenen Bücher, den Berg der glänzenden Schuhe und den gefalteten Bettücher und ich konnte meine Daten geschwind in einer multivariaten Varianzanalyse auswerten.

Dabei erhielt sich folgendes Ergebnis: Am schnellsten und effizientesten werden Anleitungen umgesetzt, die:

  • in der Muttersprache
  • von einem etwa gleichaltrigen Kind
  • in unter fünf Minuten
  • ohne Musikuntermalung

erstellt wurden.
Und zwar UNABHÄNGIG VOM THEMA!

Das eröffnet wirklich ganz neue Perspektiven. Ich habe anschließend in einer akribischen Recherche herausgefunden, dass es in Sachen Tutorials einige thematische Lücken gibt. Nichts gefunden habe ich zu:

  • wie ich das Kinderzimmer hübsch aufräume
  • wie ich Wäsche wasche und ordentlich aufhänge
  • wie ich meinen Eltern den Frühstückstisch decke
  • wie ich Mami die Füße massiere

Sofern ihr also Kinder habt, wie wäre es, wenn ihr sie entsprechende Videoanleitungen erstellen lasst? Das ist im Übrigen auch eine hervorragende Altersvorsorge. Es gibt nicht wenig Loom-Tutorials, die mehrere Millionen (!) Male abgerufen wurden. Malt euch die Werbeeinnahmen aus, wenn ihr wirklich nützliche Videos ins Netz stellt. Videos, von denen ALLE Eltern unabhängig von ihrer Medienaffinität wollen, dass die Kinder sie sehen und nachahmen. Ich selbst kann sie leider nicht erstellen, ich möchte ja, dass meine Kinder sie anschauen und umsetzen.

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Der Tag wird kommen

Es passiert mir ja eher selten, dass mir Videos Gänsehaut machen.
Teilt das. Spielt das im Stadion.

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Nicht ODER! NICHT ODER! UND! UND!

Eigentlich sagt der Arzt ja, ich soll mich nicht aufregen. Ich muss mich aber aufregen.
Gestern war ich nämlich einkaufen. Bzw. ich habe versucht einkaufen zu gehen. Ich weiß nicht wie, aber meine Kinder sind seit dem letzten Herbst so gewachsen, dass ich so ziemlich alles neu kaufen muss. Also gehe ich in ein Bekleidungsgeschäft. Auf meiner Liste stehen Kniestrümpfe, Jeans und Longsleeves.

dasnuf
@dasnuf
- Guten Tag, ich hätte gerne Kniestrümpfe Größe 33
- Für Jungen oder Mädchen?
- Für Füße bitte

Im ersten Laden: Geschlechtertrennung
Links: Rosa und Glitzer, rechts: Schwarz und Superheldenapplikationen.
Ich gehe in den zweiten Laden: Geschlechtertrennung
Ich gehe in den dritten Laden (Sie ahnen es): Geschlechtertrennung
Es ist quasi unmöglich Kniestrümpfe, Jeans und Longsleeves ohne (vermeintlich) geschlechtsspezifische Applikationen zu bekommen. Was ich eigentlich möchte sind unifarbene Kleidungsstücke in gelb, orange, rot, grün, türkis, blau ABER SOWAS GIBT ES NICHT. Selbst wenn der seltene Fall von einfarbig ohne doofen Aufnäher auftritt, dann sind da Puffärmelchen, Rüschen, Schleifchen oder sonst irgendein Kack dran genäht.

Und das sind nicht die einzigen Probleme.
Was mich auch sehr nervt, ist dass es kaum KINDERKLEIDUNG gibt. 80% der Kollektionen ahmen die Mode der Erwachsenen nach. Alles in gedeckten Tönen, unpraktische Schnitte, unbequem (warum es insgesamt so wenig schöne UND bequeme Kleidung für Erwachsene gibt, das ist mir übrigens auch rätselhaft). Jedenfalls stelle ich mir Kindermode anders vor. Praktisch, robust, ohne schwierige Knöpfe und komische Reißverschlüsse, so dass die Kinder sich selbst gut anziehen können und v.a. mit ausreichend Bewegungsfreiheit und nicht alles (v.a. für Mädchen) hauteng.
Ab Größe 134 sogar “sexy”. Was soll das? Das sind maximal 8jährige Mädchen.

Es ist wirklich eine Zumutung.
Dieser Genderzwang der Industrie hat so unfassbare Ausmaße angenommen, das ist bescheuert.
Normalerweise zieht das offenbar an mir vorbei, weil ich nie freiwillig “shoppen” gehe und/oder 80% der Kleidungsstücke am Flohmarkt erwerbe.

Verdrängung macht mein Leben schön!
Wirklich. Ich gehe diesem Dreck einfach aus dem Weg sonst. Diesem ganzen Rosa-Hellblau-Scheiss. Ich werde sonst aggressiv, ehrlich.

Ich will an dieser Stelle nochmal Werbung (will ich wirklich von Herzen) für die “Die Rosa-Hellblau-Falle“* machen:

“Wir wollen unseren Kindern nicht zwei Alternativen bieten, sondern tausend.” (S.11)
“Die Rollenklischees der Kinderwelt infrage zu stellen, ist kein Nischenthema für überambitionierte Eltern, sondern Voraussetzung für ein gleichwertiges Miteinander aller.” (S.13)

Und das eben in allen Lebensbereichen. Auch der Kleidung, die ich jetzt mal exemplarisch rausgenommen habe. Ich habe mit meinen Kindern darüber gesprochen und wir haben eine Idee entwickelt, die das Problem löst und mit der man garantiert reich wird: Ein Laden für Kinderkleidung für Mädchen UND Jungen.
Abgefahren oder?
Man kommt da rein und es ist nicht alles nach Geschlecht sondern nach Art der Kleidung geordnet. Hosen, Oberteile, Strümpfe. Völlig verrückt!!! In allen Farben des Regenbogens und in Unisexschnitten. Robust, bequem, leicht anzuziehen, einfarbig.
Und jetzt kommt der Knüller (erfunden von Kind 3.0, das sehr unglücklich darüber ist, dass Accessoires dem weiblichen Geschlecht vorbehalten sind): es gibt zu den Kleidungsstücken optional Bügelbilder. Die Motive sind mit und ohne Glitzer erhältlich und umspannen Tiere (Pferde, Katzen, Hunde, Kraken, Fische – Zitat “Was Jungs und Mädchen eben toll finden”) und Symbole wie Wolken, Regenbogen, Blitze und Bäume.
Man kann sich dann z.B. entscheiden, ob man eine einfarbige Hose mit oder ohne Bügelbild kaufen möchte.
Kind 3.0 hätte gerne eine rote Hose mit glitzerndem gelben Blitz. Kind 2.0 eine blaue Hose mit Krake.

Und dann machen wir das ähnlich wie IKEA mit dem lebenslangen Rückgaberecht (hat ja jemand Schlaues durchgerechnet, funktioniert dann wohl): Wenn die Kleidung noch gut erhalten ist, kann man sie zurück geben und bekommt 1/3 des Neupreises zurück. Die gebrauchte Kleidung wird dann ebenfalls im Laden in der Sektion Second Hand verkauft.

Ist das nicht schön?
So ist für jeden Geldbeutel was dabei und die Kleidungsstücke können – wenn nicht zurück gebracht – an Geschwisterkinder weitervererbt werden. Weil da sind keine Puffärmel oder Rüschen dran, nä!
Und das Tolle für mich als Inhaberin des Ladens: Es gibt keine Konkurrenz. Alle, die diesen Rosa-Hellblau-Prinzessinnen-Fußballer-Dreck satt haben, kaufen bei mir ein! Und es wird Jungen geben, die pinkfarbene Sweatshirts tragen können, auf denen Pferde drauf sind. Weil es ihnen gefällt!


*Ein ausführlicher Artikel zum Buch folgt

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