12von12 im Juni und Bonusmaterial

Das mit dem Ausschlafen an kinderfreien Wochenenden hab ich immer noch nicht zuverlässig drauf. Wahrscheinlich weil ich ohnehin mein ganzes Leben nie ausgeschlafen habe. Ich bin einfach Lerche.

Es ist allerdings schon neun. Also stehe ich jetzt auf und mache mir Kaffee. Mit dieser Bialetti, die angeblich Crema hinbekommt. Das Ding macht mich schon seit Wochen wahnsinnig.

Die ersten Male sprudelte und spritzte der Kaffee immer oben aus dem Loch (und ja, da ist ein Loch, es gibt dazu keinen Deckel, man kann nichts zuklappen, das gehört so). Dann habe ich nachgelesen auf was alles zu achten ist und auch was gelernt: Wenn man bereits kochendes Wasser unten in die Kanne füllt (ja, nur bis zum Ventil und nein, es ist nicht verstopft), dann ist der Kaffee nicht nur viel schneller fertig – er schmeckt auch sehr viel besser. Und nein, ich drücke das Kaffeepulver nicht an und eine andere (zu fein gemahlene) Marke ist es auch nicht und trotzdem sprudelt und sprutzelt der Kaffee seit neustem wieder oben wie irre raus. Aber ich hab das im Griff. Heute hab ich nämlich erst die Milch warm gemacht und in dem Moment, in dem die Kaffeekanne zur Fontäne wird, halte ich den Kaffee über den Topf und muss danach nicht den Herd putzen, sondern hab fertigen, wohlschmeckenden Milchkaffee.

IMG_7616

Am wichtigsten ist ohnehin, dass man den Kaffee (wahlweise auch den Tee) aus einer schönen Tasse trinkt. Und ja, man kann diese Tasse bestellen und ja, eigentlich will man alle Modelle haben.

IMG_7617

Nach dem Kaffee habe ich immer noch Zeit. Der Freund ist noch nicht aufstehwillig. Also lese ich. Zum Beispiel einen Artikel über Gleichberechtigung (ja, schon wieder!): Gleichheit der Geschlechter – 
Die große Illusion – Der Unterschied zwischen Mann und Frau spielt keine Rolle, heißt es. Bis es um Schwangerschaft und Geburt geht.

Ich finde, der Artikel hat viele interessante Aspekte, wenngleich er auch sehr viel vermischt. Zum Beispiel erklärt er mir, warum viele der jetzt ca. 30jährigen Frauen finden, dass wir keinen Feminismus mehr brauchen.

Die Leserschaft ist sich ob der Qualität des Artikels etwas uneinig.

IMG_7619

Mir ist immer noch wach und Frühstück wäre jetzt nicht schlecht. Also ziehe ich mich an und gehe zum Bäcker. Beim Bäcker lerne ich dann: Die Croissants immer zuletzt bestellen! Immer. Erst die Brötchen, dann die Croissants. Die Bäckereifachverkäuferin redet sich in Rage. Der Bäcker macht sich so eine Mühe mit den Croissants und dann kommen die Kunden und bestellen falschrum, das Croissant landet in der Tüte unten, wird zerquetscht und all die Mühe futsch. Das muss doch nicht sein. Wirklich nicht. Wehe, Sie bestellen nochmal in der falschen Reihenfolge. Ich hab’s natürlich richtig gemacht.

IMG_7621

Am Rückweg fällt mir auf, dass mal wieder ziemlich viel Sperrmüll auf der Straße steht. Ich denke, wenn es in Berlin wäre, wie es bei mir war als ich klein war, wenn also an einem bestimmten Tag im Jahr Sperrmüll wäre und die BSR führe durch die Straßen und holte alles ab, dann stünde nicht ständig und jeden Tag der ganze Müll herum. Warum das in Berlin anders ist als in anderen Städten – das kann mir vielleicht mal jemand erklären.

IMG_7676

Während ich mich also auf den Sperrmüll konzentriere, fällt mir auf, dass den ganzen Weg die Baumscheiben sehr liebevoll gestaltet sind. Baumscheibe auch so ein Wort, das ich nicht kannte bevor ich nach Berlin kam. Gemeint sind die freien Erdflecken um die Straßenbäume herum. Oft einfach von Hunden vollgekackt, manchmal aber auch von Anwohnern, Kneipen oder Kindergärten eingezäunt und liebevoll bepflanzt.

Ein sehr schöner Brauch.

IMG_7674

Und da sehe ich wieder: Berlin ist so schön oder häßlich wie man es sehen will.

Dann gibt es Frühstück. Der Freund muss arbeiten und ich fahre mit der Tram nach Hause, denn auch ich habe eine unendliche ToDo-Liste. All das, was ich im Alltag nicht schaffe… v.a. dann, wenn die Kinder da sind.

IMG_7637

Zum Beispiel Schubladen tauschen. Ich dachte, das dauert zehn Minuten, doch am Ende sitze ich schwitzend eine Stunde da und wünsche mir einen Akkuschrauber als ich die Schienen der Schubladen das dritte mal anschraube. Dann erst sehe ich, dass die Schubladenblenden zwei unterschiedliche Positionen haben und ach, ach, ach, was man alles falsch machen kann [1].

Am Ende siege ich, aber nur weil ich mir vorstelle, ich sei einer dieser Orks, die um ihre Ehre bemüht sind, die mir gestern Abend in Warcraft begegnet sind.

IMG_7639

Danach schnell noch die Wäsche. Schnell noch. Haha. Vier Maschinen waren das ingesamt, aber noch länger aufschieben geht nicht. Ich habe ausserdem seit neusten Spaß am Zusammenfalten, weil der Freund immer so ordentlich faltet, dass ich es auch so hübsch haben will und siehe da, wenn ich die Wäsche auf einem Tisch falte, dann sieht es halbwegs ordentlich aus.

IMG_7651

Am Nachmittag schwingen wir uns auf die Fahrräder und treffen die Illustratorin und den Autor von Pinipa bei Aldemir Eis.

Wie eine alte Oma denke ich mir als erstes: Also das wird hier ja auch immer teurer. Bald haben wir Preise wie auf Korsika. Dafür gibt es wirklich exotische Eissorten. Nachdem ich ca. zwanzig Minuten in Schockoptionsparalyse verharre, entscheide ich mich für Erdnusseis mit Sahne und Schokosoße. „Halbe Portion Sahne?“, fragt die Verkäuferin. Irre, halbe Portionen kann man bestellen? Weil das geht, bestelle ich eine halbe Portion.

Vielleicht hätte ich doch lieber das Ingwer-Eis nehmen sollen? Oder Zimt? Oder Kokos? Hmmm…

IMG_7654

Wir spazieren am Kanal entlang. Es ist früher Abend und wir sind alle hungrig. Also gehen wir zu Il Casolare. Ich bin gerne dort, weil es tatsächlich so italienisch ist, wie ich Italien als Kind kennengelernt habe. Ich mag die Schnoddrigkeit und die Gleichgültigkeit der Bedienungen. Mich nerven die Raucher. Also Kinderverbote finde ich unmöglich, aber Raucher! Raucher, die möchte ich gerne verbieten oder ihnen eigene Schutzräume geben. Raucher, die draußen in Restaurants sitzen und qualmen – das brauche ich wirklich nicht.

Wir bestellen eine Pizza Incredibile und eine Golosa und teilen sie uns. Unverschämt lecker sind die. Schade, dass ich nicht noch als Vorspeise die Auberginen hatte. Naja, dann esse ich wenigstens eine Nachspeise: Profiteroles. Seit Tagen habe ich Lust auf Profiteroles [2].

Der Espresso ist auch hervorragend und den Rest des Tages bin ich komplett essensbefriedigt. Ich liebe gutes Essen. Es macht mich so glücklich. Eigentlich will ich nur gut essen. Wie ich es hasse, irgendwas in mich rein zuschaufeln nur damit ich nicht mehr hungrig bin. Nein! Am liebsten würde ich jeden Tag so köstlich essen. Überhaupt essen. Es. ist. so. toll.

Mein Freund bestellt sich derweil Chinotto [3] und als ich den Geruch wahrnehme, muss ich mir auch ein Chinotto bestellen. Als Kind durfte ich mir Chinotto statt Cola bestellen und kam mir dann immer wahnsinnig erwachsen vor. Geschmeckt hat es mir nie, aber weil ich es durfte, hab ich es bestellt.

Chinotto ist irgendeine bittere Zitrusfrucht, zu den Bitterorangen gehört sie, mehr weiß ich nicht. Schmeckt eigentlich auch nicht. Ich gebe einen Teil meiner bitteren Limonade an meinen Freund. Das halbe Glas hat mich ausreichend glücklich gemacht.

IMG_7659

Nach dem Essen verabschieden wir uns von unseren Freunden und fahren mit dem Rad wieder nach Hause. Gegenüber haben die Nachbarn ihr Fernsehgerät auf das Fensterbrett gestellt und eine Bierbankgarnitur auf die Straße.

Ich mag Berlin, ich mag es wirklich. Wie schön, dass die Leute hier machen auf was sie Lust haben und sich in den allermeisten Fällen nicht allzu sehr gegenseitig auf die Nerven gehen.

IMG_7662


[1] Bonusmaterial „Was man alles falsch machen kann“

IMG_7677

[2]

[3]

IMG_7657

Genervt

Diese Woche bin ich sehr dünnhäutig und hatte verschiedene Dinge, die mich genervt haben.

Schulranzen.

Ich meine mich zu erinnern, dass ich zur Einschulung von Kind 2.0 unter hundert Euro ausgegeben habe. Auch das fand ich schon ziemlich teuer. Als ich mich jetzt auf die Suche nach einem Ranzen für Kind 3.0 machte, kosteten die meisten um die 230 Euro. Dazu fällt mir echt nichts mehr ein.

Wären die irgendwie fair hergestellt oder würde der Produktionsprozess besonders schonend für Mensch und Umwelt sein, ich wäre ja noch bereit, viel Geld zu zahlen – aber für was zahle ich hier eigentlich?

Dann schaue ich mir an wie viel Krempel das arme Kind 2.0 jeden Tag in die Schule und wieder zurück schleppt (und rechne die Kosten dazu) und da frage ich mich doch: Wann zur Hölle kommen die Tablets?

Star Wars

Ende des letzten Jahres bin ich in das Thema Star Wars eingestiegen, weil ich meine Kinder nicht mehr verstanden habe. Zwei Wochen später war ich so im Thema, dass ich mich heute über mich selbst wundern kann.

Der aktuelle Star Wars Film The Force Awakens hat mich total begeistert. V.a. wegen Rey

Rey ist einfach ein grandioses Vorbild.

Rey ist großartig. Sie ist ein völlig unabhängiger Charakter. Sie stellt sich selbst nie in Frage. Sie handelt einfach und zwar unabhängig von der Legitimation von Männern, ohne deren explizite Erlaubnis und trifft Entscheidungen ohne männliche Berater zu konsultieren. Sie ist Pilotin (und zwar eine mit sehr hohem Skill, sie fliegt den Millennium Falcon durch das Wrack eines Sternenzerstörers), sie ist findige Mechanikerin und ist trotz ihrer Zartheit und Weiblichkeit niemanden physisch unterlegen. Sie ist eine Anführerin und zwar eine, die sich diese Position nicht erkämpft, sondern eine, der diese Position einfach inne wohnt […]

Deswegen liebe Werbeindustrie, würde ich meinen Kindern den ganzen Rey-Star Wars Krempel kaufen. Hier! Ich wedele mit Euroscheinen!

Was muss ich aber feststellen? Es. gibt. verdammt. nochmal. kaum. etwas. mit Rey.

Da stehe ich im Kaufhaus und es gibt echt keine fucking einzige Rey-Figur? Wohl aber Poe Dameron, Han Solo, BB-8 und Chewbacca, von Darth Vader und den Storm Troopern ganz zu schweigen, Kylo Ren natürlich auch und selbst Admiral Ackbar und Jakku Bewohnern. Aber Rey?

Selbst im The Force Awakens Malbuch: Zwei Mal Rey auf ungefähr dreißig Seiten.

Rey-Fehlanzeige und das nach dem vergangenen #whereisRey Shitstorm. Liebe Werbeindustrie, ich sag euch, ihr macht einen Fehler. Wenn ihr Geld verdienen wollt, sprecht die Mädchen und Frauen an. Himmelherrgott.

Körperbilder

Durch meine Timeline rattert das Bild eines Mannes, der seinen Bierbauch zärtlich streichelt.

An jeder U-Bahnstation das Bild, der beiden Männer, die ihren dicken Bauch an den Zaun drücken.

IMG_7588

Toll, oder? Endlich sind alle Körperformen erlaubt! Es wird mit dicken Menschen Werbung gemacht. Moment? Dicke Menschen? Ne. Dicke Männer. Wo sind die dicken Frauen?

Ok, es gibt maximal die Ulknudel, die darf dick sein – aber sonst?

Mir ist das Pendant jedenfalls noch nicht begegnet. Ein Bild, das eine Frau mit Bauch zeigt, den sie sich vielleicht mit leckeren Nudeln angefuttert hat, den sie stolz rausstreckt und alle denken „Hey! Lustig! Wie schön! Ich hab auch einen. Wir lieben unsere Bäuche! Wir sind stolz auf sie.“ und nicht „Entschuldigung? Die lässt sich total gehen und dann feiert sie auch noch ihre Wampe ab?“.

Frauen in der Werbung müssen dünn und normschön sein. Und zwar egal, ob sie Bikini-Werbung machen oder für irgendwas anderes werben (auf meinem Arbeitsweg z.B. für ein Datingportal, ein Jobportal, einen Freizeitpark, eine Wohnungsbaugesellschaft, einen Wellnessanbieter).

Und übrigens was spricht eigentlich dagegen Bikini-Werbung mit unterschiedlich gebauten Models zu machen? ICH finde das toll und kann mich da wirklich nicht satt sehen, wie wunderschön ist das eigentlich (z.B. bei ASOS)?

[Und ja, ich finde, Astra Werbung darf ich mit jeder x-beliebigen anderen Werbung vergleichen, denn großartig anders machen sie nichts (denn 90% der Werbung, die Frauen darstellt, ist sexistisch – wenngleich sie vielleicht nicht auf das 0815-Model-Klischee zurückgreifen).]

Ach, aber was solls. Im Thema Frauen und Werbe- bzw. Stockfotografie ist ohnehin Hopfen und Malz verloren. Nicht nur beim Körperbild.

Twitterliebe 05/16

(Niemanden wird es auffallen, niemanden! Und du: pscht!!!)

Mal wieder Links

Männerquote in Frauenberufen? Ich bin dafür.

Wenn aber Arbeitgebern vorgeschrieben wird, einen bestimmten Anteil aller Positionen mit Männern zu besetzen, bleibt ihnen nur eins übrig: Löhne raufsetzen. Schließlich leben wir im Kapitalismus. Und da regelt bekanntlich der Preis den Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage.

Linear trauern, Dinge hinter sich lassen, abschließen, (wie) geht das und was ist eigentlich ein Zuhause?

Jetzt könnte ich das ganze natürlich professionell abhaken und sagen, ja mein Gott, das ist eine Note, guck dir einfach alle deine anderen Noten an, die sind besser, trink nen Tee, kauf Schokolade, fahr ne Runde Rad. Aber da sind wir wieder beim Abhaken. Ich bin die weltschlechteste Abhakerin aller Zeiten

Apropos Trauer. Wie schön, wenn es Rituale gibt, wie schön, wenn man die Leichtigkeit der Kinder betrachtet, wenn es um das Thema Tod geht. Der Text „Leerstelle“ hat mich lachen und weinen gleichzeitig lassen.

Nachdenklich hat mich der Text „Elternschaft muss freiwillig sein! Warum es für Väter ein Opt-Out geben sollte“ werden lassen.

Ich plädiere dafür, dass nicht nur die Schwangere, sondern auch der Samenspender die Möglichkeit haben sollte, vom Projekt „Kindhaben“ zurückzutreten. Wählt er den Opt-Out, ist er raus, muss sich um nichts kümmern, keinen Unterhalt bezahlen und so weiter. Das kann natürlich nicht bedeuten, dass die Frau allein für das Kind aufkommen muss, […]

(und ich frage mich, wie der Text aussähe – bzw. wie die Reaktionen wären – wenn er heißen würde „Elternschaft muss freiwillig sein! Warum es für Mütter ein Opt-Out geben sollte“ – denn faktisch gibt es das vielleicht im Punkt Abtreibung – nicht aber im Punkt „das Kind ist schon da“ – aber das ist eine ganz andere Baustelle.)

Weiter im Thema Väter: Vor einigen Tagen las ich das Zitat:

Alle reden von Elternzeit, Teilzeit oder Homeoffice. Muss ich mich jetzt schlecht fühlen, wenn ich mal eine Woche lang erst um 19:30 Uhr nach Hause komme? Und ich bin sicher, dass Kinder ihre Väter lieben und eben die Väter die Kinder. Heute und genauso vor 60 Jahren. Ende der Durchsage! *

Ich bin ein Kind der 70er, in denen es in Westdeutschland total üblich war, dass der Vater unter der Woche ungefähr zur Tagesschau erschien und dann hieß es „Ruhe bitte“. In einer neumodischen Elternzeitschrift würde ich schreiben „Ich bin ein Kind der Nie-Da-Väter-Generation“.

Mir hat der Text „Ich liebe meine Kinder vom Büro aus – wo sind meine Kekse“ sehr gut getan.

Es ist schon erstaunlich, wie leicht es sich Väter von heute noch immer machen: >Ich habe zwar kaum Zeit für die Kinder, überlasse der Mutter die Sorgearbeit und den Alltag mit den Kindern, aber das ist egal, denn schließlich liebe ich meine Kinder vom Büro aus […]

Mir reicht es nämlich nicht zu hören „Ich liebe Dich“. In keiner zwischenmenschlichen Beziehung. Ich möchte Taten sehen. Ich möchte, dass jemand, der behauptet, er liebt mich, für mich da ist. So wie in den Eheversprechen sozusagen: „In guten und in schlechten Zeiten.“ Ich möchte diese Zeiten teilen und das geht nur indem man Zeit miteinander verbringt und sich umeinander sorgt und füreinander da ist. So sehe ich jedenfalls meinen Part sowohl als Mutter und als Partnerin in einer Beziehung (und wüsste nicht warum das für Männer und Väter anders sein sollte).

Abschließend möchte ich noch auf die schöne Sammlung zum Thema „Vereinbarkeit“ von Mama Notes hinweisen. In ihr habe ich viele Texte gefunden, die ich noch gar nicht kannte.

Ein älterer Text „Ich hab die Nase voll“ fordert, dass man seine Forderungen an das Thema Vereinbarkeit selbst durchsetzen müsse. Alles Gejammer helfe eben nicht.

Und wenn Sie mir jetzt damit kommen, dass Ihr Mann die ganze Woche woanders arbeitet, tja. Auch das ist ist NIE in Stein gemeisselt. Wenn man sich dafür entscheidet, dieses Modell zu leben (und ja, dafür mag es sicher manchmal gute Gründe geben), dann ist das so, dann ist das aber eine Entscheidung, die man (im besten Fal) als Familie getroffen hat und mit der man halt dann leben muss. Dann wird es kompliziert, aber dafür kann niemand was, ausser den Leuten, die diese Entscheidung getroffen haben. Sorry.

Diese Stelle ist mir etwas bitter aufgestoßen, weil er sich explizit an die Frauen/Mütter richtet (so verstehe ich diese Passage).

Ich bin auch gestartet mit der Vorstellung, dass Care- und Haushaltsarbeit v.a. mein Aufgabengebiet ist, dass ich nach der Geburt des ersten Kindes Elternzeit nehme und dann nur noch Teilzeit arbeite, um diese Aufgaben zu übernehmen.

Als Kind 3.0 auf die Welt kam und ich wieder arbeiten ging, habe ich gemerkt, dass das so nicht mehr geht. Natürlich gab es da (endlose) Diskussionen…  und to make a long story short … am Ende haben wir uns getrennt und jetzt ist alles besser.

So und jetzt kommts! Das ging u.a. nämlich, weil ich finanziell nicht abhängig bin. Ich konnte diese Entscheidung treffen, ohne meinen Lebensstandard aufzugeben und mich (langfristig) in die (Alters-)armut zu verabschieden. Wenn man (also in dem Fall konkret die Frau!) jahrelang gar nicht gearbeitet hat, kein eigenes Einkommen etc. hat, dann sieht das einfach total anders aus.

Viele Frauen, die im Versorgermodell leben, haben diese (meine) Entscheidungsfreiheit nicht. Sie können ihre Forderungen im Grunde nur zu dem Preis des sozialen Abstiegs durchsetzen.

 

Im Thema Vereinbarkeit ist eben nicht alles persönlicher Entscheidungsspielraum.

 

Dazwischen

barley-1117282_1920

Ich bin zu früh und weil ich nicht an der S-Bahnstation zwischen all den Menschen warten möchte, laufe ich ein Stück bis ich schließlich eine Parkbank finde.

An der Rückseite der Bank, rechts und links große angerostete Kübel, die mit Gräsern bepflanzt sind, die aussehen wie Roggenähren. Die Sonne scheint und der Wind streicht über das Miniaturfeld im Pflanzenkübel. Vielleicht ist es tatsächlich Roggen.

Ich setze mich und blicke auf die Straße und auf die etwas höher liegende S-Bahnstation von der ich gerade komme. Die Autos rasen vor mir vorbei, eine S-Bahn nach der anderen hält und spuckt Menschen aus.

Ein ganz normaler Tag für all die Menschen. Aussteigen, zur Arbeit gehen, Mittag essen, zurück laufen, wieder in die S-Bahn, nach Hause. Die meisten Menschen blicken nicht auf, rauschen aneinander vorbei, einige mit Taschen, Rucksäcken, einige Kinder an der Hand. Mir kommt alles einen Tick zu schnell vor.

Langsamer müsste es gehen. Man müsste mit dem Finger über das Bild streichen können. Alles einen Moment stoppen und dann mit einem zarten Schubs wieder in Gang setzen, nur mit dreißig Prozent weniger Geschwindigkeit.

Mein Körper schrumpft und in meinem Oberkörper fühle ich einen harten, zusammengezogenen Stein. Ich erinnere mich an dich. Du stehst in der Küche mit meinen Kindern. Ihr lacht alle und das Mehl ist überall. „Wir machen Pizza!“

Heute, denke ich, heute ist ein Tag, den du nicht erlebst. Eines Tages kommt mein Tag. Ein Tag, den ich nicht erlebe und alles wird weiterlaufen wie immer. Niemand hier wird es bemerken.

Weiter, weiter, weiter.

Ich denke über das Weitermachen nach. Wie kann man weitermachen? Warum macht man weiter?

Man macht es einfach. Jeder Schritt fällt schwer, jeder Griff, jeder Atemzug, sogar das Denken fällt schwer. Als wenn man selbst in einer anderen Dimension sitzt, einer Art Langsamkeitstunnel, der Rest der Welt macht weiter. Die eigene Langsamkeit lässt alles andere etwas zu schnell erscheinen.

Ich nehme die Langsamkeit als Geschenk. Ich packe sogar mein Handy weg. Fünfzehn Minuten habe ich noch, dann muss ich selbst weiter. Ich möchte wieder fühlen, wie sich eine Viertelstunde anfühlt.

Ich schließe die Augen, spüre die Sonne auf meiner Haut. Mehr hab ich gerade nicht. Die Sonne auf der Haut..

Aufstehen. Weitergehen. Weitermachen. Weitermachen. Weiter. Weiter. Ich weiß gerade nicht, wie man seinen eigenen Trott aushalten soll.

Lego Ausstellung „The Art Of The Brick“

Lego Munch "Der Schrei"

Lego Munch Seitenansicht "Der Schrei"Wie gestern berichtet, waren wir am Wochenende in Hamburg um uns die Lego Ausstellung „The Art Of The Brick“ anzuschauen.

Korrekter wäre wahrscheinlich zu sagen, sich die Ausstellung des Künstlers Nathan Sawaya anzuschauen, der mit Legosteinen arbeitet.

Der Eintrittspreis ist ziemlich knackig und übertrifft sogar die absurden Preise, die man zahlt, wenn man mit Kindern ins Kino oder in den Zoo geht. Ich habs mir mit dem Argument „macht man eben nur einmal“ schön geredet und schließlich sind wir in der Familie alle große Legofans.

Mit Lego kann man schon eine Menge machen. V.a. mit Lego Duplo, das wie Rapid Prototyping funktioniert. Ich hab z.B. mal Kind 1.0 bis 3.0 als Legobauwerke nachgebaut. Gerne hätte ich auch ein paar Millionen Steine, mit denen ich lustige Dinge nachbauen kann.

Jedenfalls, die Ausstellung ist durchaus sehenswert (wenn man erstmal das Geld ausgegeben hat, dann denkt man das), wenngleich sie mich v.a. im Bereich der zweidimensionalen Umsetzungen und nicht im Bereich der Skulpturen überzeugt hat.

Meines Erachtens ist es auch nicht so wirklich Kunst sondern eher sowas wie eine Handwerksausstellung. Ich war zu faul alle Beschreibungen zu den Exponaten zu lesen und mir die die selbsthuldigenden Videos anzuschauen, aber ich kann mir gut vorstellen, dass es gute technische Lösungen gibt, hochzurechnen welche und wie viel Steine man braucht, um eine bestehende Skulptur nachzubilden. Vielleicht muss ich aber auch nur nochmal das Buch „Das kann ich auch!: Gebrauchsanweisung für moderne Kunst“ (Amazon-Werbelink) lesen. Aber ob das am Ende hilft, bleibt fraglich (siehe Hackfleischbesprechungen).

Ich habe leider nicht nachgezählt, es wird mit „über 100 Exponate“ geworben – diese Zahl möchte ich doch eher anzweifeln [1]. Selbst mit Audio-Guide, die es für Kinder und Erwachsene kostenlos gibt, braucht man lediglich knapp 1,5 Stunden um die ganze Ausstellung zu erkunden.

Es ist in der Ausstellung trotz zahlreicher Ventilatoren sehr stickig. Wahrscheinlich möchte man deswegen auch gar nicht länger als 1,5 Stunden brauchen.

Ganz am Ende der Ausstellung gibt es noch fünf große Kisten mit Legosteinen, an denen man sich selbst ausprobieren kann.

Amüsant ist es dem Künstler zuzuhören, wie er sich selbst lobt. Immer wieder lässt er im Audioguide verlauten: „Die Herausforderung habe ich an dieser Stelle sehr gut gemeistert“, „Die Umsetzung ist mir doch sehr gut gelungen.“ und „Man muss schon einiges an Geschick mitbringen um dies erschaffen zu können.“ An den Wänden kann man dann weitere Selbstzitate seiner Genialität finden. Vielleicht ist diese Attitüde auch nur sehr amerikanisch und kam uns deswegen so albern vor…

Dennoch. Die Ausstellung hat einige schöne Highlights und ist für Kinder gut geeignet einige der großen Werke der Kunstgeschichte näher kennenzulernen. Sie ist quasi wenn man die Analogie zum Essen ziehen darf „convenience food“. Nichts anspruchsvollen, aber auch nicht zu platt und man nimmt etwas mit.

Gut die Hälfte der Ausstellungsstücke sind Legointerpretationen bestimmter Kunstwerke aus verschiedenen Epochen. Ein weiteres Highlight ist das 80,020 Steine große Dinosaurierskelett, an dem der Künstler einen ganzen Sommer arbeitete.

Kind 3.0 war zu meiner Überraschung am meisten vom Nachbau des Parthenons begeistert (es ist wirklich imposant zwischen den Säulen durchzuschauen und sich das mächtige Bauwerk in Originalgröße vorzustellen. Leider hab ich es einfach nicht geschafft ein gutes Foto zu machen…)

Kind 2.0 war insgesamt etwas gelangweilt.

Meine Highlights waren der Nachbau eines Glasfensters der Nordrosette in der Kathedrale von Chartres sowie die Darstellung des Drucks „Die große Welle vor Kanagawa“.

Glasfenster und Lichtschatten

IMG_7407

IMG_7408

tldr: Wenn es regnet (soll ja vorkommen in Hamburg) und man zu viel Geld hat, macht man als Legofan nichts falsch, wenn man sich die Ausstellung anschauen geht.


[1] Wer noch hingeht, bitte für mich nachzählen.

[Werbung] Ein Wochenende im 25hours hotel hafencity Hamburg

Im 25hours hotel hafencity bleiben keine Wünsche offen. Auch nicht bei den Kindern.

25hours hamburg hafencityImmer wenn ich in Hamburg bin, denke ich, ich müsste eigentlich mal länger nach Hamburg – womöglich sollte ich da mal Urlaub machen. So geht das seit Jahren – allerdings bleibt es dann doch meistens bei einem Wochenendtrip – so wie am vergangenen Wochenende.

Hamburg ist von Berlin aus in unter zwei Stunden mit dem Zug zu erreichen – alleine das macht Hamburg zu einem guten Wochenendziel. Das Geld für die Sitzplatzreservierung lohnt sich übrigens in jedem Fall. Ich glaube, viele Menschen pendeln zwischen Berlin und Hamburg und so sind die Züge v.a. Sonntag Abend auf der Rückreise sehr voll.

Wir sind Samstag gefahren und wurden dann zu meiner großen Freude vom 25hours hotel hafencity eingeladen, eine Nacht dort zu verbringen.

Ich kannte das 25hours hotel hafencity bereits von einem Kurzaufenthalt und war, ehrlich gesagt, schon Fan. Ich liebe das Design und das Schiffsthema, welches das gesamte Hotel durchzieht. Ich hatte bereits bei Berlinfreckles über die Kindergeeignetheit des Hotels gelesen und war gespannt, was Kind 2.0 und 3.0 sagen würden.

Das Personal des Hotels hatte im Vorfeld gesagt, dass sie natürlich versuchten familienfreundlich zu sein, dass sie jedoch nicht extra auf Familien bzw. Kinder ausgerichtet seien.

Das fand ich insofern witzig, weil ich es eben in den allermeisten Fällen die kleinen Details sind, die einen Ort kinderfreundlich machen und nicht die pompöse Hüpfburg, die man extra für die Kinder aufstellt.

Und wenn man eines ganz sicher sagen kann: In den Details stimmt im HafenCity wirklich alles (nicht nur für die Kinder).

Wir haben ein großes Zimmer mit Doppelbett bekommen, das durch zwei Zustellbetten aufgepimpt war. Als wir in das Zimmer kamen, war es schwer die Kinder fünf Minuten im Zaum zu halten, um schnell Fotos zu machen. Trotz der Zustellbetten, war noch viel Platz.

IMG_7391

Die Vorhänge wurden aufgerissen (das Zimmer hat bodentiefe Fenster an zwei Seiten und man kann auf den Hafen – das Hafenbecken (?) schauen) und hätte ich nicht gewusst, dass um die Ecke ein sensationell großer und schöner Spielplatz liegt, hätten wir die Kinder nicht mehr aus dem Zimmer bekommen.

So packten wir unsere mitgebrachten Picknicksachen und verbrachten den Abend am Spielplatz im Grasbrookpark, wo es sogar Tische gibt, an denen man essen kann und tagsüber einen mobilen Kaffeestand.

Kind 2.0 und Kind 3.0 gaben dem Spielplatz eine 1-, wobei Kind 2.0 sagte, das sei der tollste Spielplatz gewesen, auf dem es JEMALS war (und ich kann versichern, wir haben schon viele tolle Spielplätze gesehen…). Das Minus vergab Kind 3.0 weil das Klettergerüst an einigen Stellen zu anspruchsvoll für die Körperlänge eines Kindergartenkindes gewesen sei. Auf der anderen Seite heisst das natürlich, dass auch ältere Kinder auf diesem Spielplatz noch jede Menge Spaß haben können.

IMG_7392

Gegen 22 Uhr liefen wir zum Hotel zurück und schauten uns den Wohnzimmerbereich im 1. Stock des Hotels an. Dort gab es eine Eisenbahn, die Kind 3.0 , während Kind 2.0 und wir Erwachsenen Kicker spielten, aufbaute.

IMG_7396 IMG_7397

Am Weg zum Aufzug legten wir noch einen kleinen Zwischenstopp ein, um den Kindern zu zeigen, wie man früher Computer gespielt hat. Dort steht ein funktionsfähiger Atari mit einigen Spielen.

IMG_7405

Zur Feier des Tages durften die Kinder zum Einschlafen noch „Bernd das Brot“ schauen und freuten sich, dass sie am nächsten Morgen beim Aufreißen der Vorhänge ein ziemlich großes Schiff vor dem Hotel entdeckten.

IMG_7395

Ich hatte schon auf dem Weg nach Hamburg von dem schönen Badezimmer im Hotel berichtet. Die Kinder verkündeten deswegen stolz, dass sie sich extra Sand auf den Kopf geworfen hätten, damit sie duschen könnten. Wäre jetzt nicht nötig gewesen, aber so konnten wir die Dusche also auch nochmal testen.

Gegen 10 Uhr wankten wir schließlich zum Frühstücksbuffet. Diese Uhrzeit war, wie wir dann feststellen konnten, die beliebteste Frühstücksuhrzeit. Nachdem im Innenbereich alles belegt war, fanden wir aber draußen noch Plätze.

Das Buffet im Hotel ist wirklich reichhaltig und vielseitig. Es bleiben keine Wünsche offen. Es gibt Brötchen, Brot, Croissants, Brezeln, Müsli, Käse, Fisch, Wurst und Schinken, Eier, Obst, Grießbrei, Säfte, Wasser, Tee und Kaffee.

IMG_7400 IMG_7403 IMG_7404 IMG_7393

Kind 2.0 und 3.0, die eigentlich nie was für sich finden, wenn wir auswärts essen gehen, waren sehr zufrieden. Kind 3.0 und ich haben Weißwürste gegessen, die wirklich sehr, sehr lecker waren. Das Ganze wurde spartanisch mit einer Brezel abgerundet.

Auf dem Weg nach draußen haben wir dann noch das Bobby Car und das hoteleigene Laufrad entdeckt und Kind 2.0 und 3.0 waren sehr empört, dass wir das Hotel verlassen, ohne alles vorher ausprobiert zu haben.

IMG_7402

Fazit: Beide Kinder waren der Meinung, dass wir u n b e d i n g t nochmal zurück kommen müssten.

Ich kann dazu sagen: Ich stimme zu, ich liebe das Hotel und seine Details und auch seinen Service sehr. Die Preise sind allerdings so, dass so ein Wochenendtripp eher was Besonderes bleibt. Man dann aber sicher sein kann, dass es an nichts mangelt und man wirklich Freude an seinem Aufenthalt hat.


P.S. Kind 3.0 sagt, ich solle dringend noch ein Bild des Kotzeimers zeigen, das sei schließlich auch sehr kinderfreundlich, weil Kinder gelegentlich spontan erbrechen (oder muss es korrekt „erbrüchen“ lauten?)

IMG_7398

Morgen gehts im Blog weiter mit der Lego-Ausstellung, die wir im Anschluss besucht haben.

25 hours hotel hafencity
25hours – die Liebe beruht auf Gegenseitigkeit <3

VR und die Einsatzmöglichkeiten

VR
Quelle: pixabay @fill

Auf der re:publica hätte ich ausreichend Möglichkeiten gehabt – dennoch habe ich noch nie eine VR-Brille aufgehabt… doch… halt! Doch, doch! Einmal hatte ich eine an.

Auf einer der vergangenen pictoplasma Ausstellungen hatte ich eine auf. Das war so: Man konnte sich anstellen, die Brille aufsetzen und dann zeigte einem die Brille durch einen Blick in einen virtuellen Spiegel das wahre Ich. Die Schlange war lang und alle ganz gespannt. Die Menschen zogen die Brille an, schauten vor sich in den Spiegel der Offenbarung, wedelten mit Armen und Beinen, lachten, drehten ihren Körper einige Male hin und her so als ob sie sich betrachteten und zogen dann die Brille wieder ab, um sie der nächsten wartenden Person zu überreichen.

Wenn die Menschen in der Reihe sich kannten, fragten sie sich gegenseitig: „Und, was warst du?“

„Ein Einhorn auf zwei Beinen!“

„Eine mächtige Gewitterwolke mit düsteren Augen.“

„Eine Art Gorilla mit sehr, sehr kräftigen Armen.“

Ich war schon soooo gespannt. Dann war ich endlich an der Reihe. Ich zog die Brille über und blickte mein Alter Ego im Spiegel an.

Ich war…

Ich war…

…ein dampfender Kackhaufen auf zwei sehr dünnen Beinen. En fröhlich dreinblickender, das will ich nicht leugnen, aber eben doch ein Kackhaufen. Ich tat was alle taten. Arme hoch, Arme runter, der Kackhaufen machte mich nach. Ich ging in die Knie, der Kackhaufen auch.

VR ist nicht immer schön
Die ernüchternde Wahrheit

Das war bislang meine einzige VR-Brillen-Erfahrung.

Seitdem gibt es lediglich in meiner Twittertimeline einen Schnittpunkt zu diesem Thema, die mir immer mal wieder Videos von Menschen zeigt, die in Todespanik mit VR-Brillen virtuelle Welten erkunden, sei es auf Planken über Hochhäuser, sei es inmitten der Zombie-Apokalypse.

Mir tun diese Menschen eigentlich eher leid, als dass ich über sie lachen könnte. Für viele scheint eine VR Erfahrung nicht von einer Erfahrung der Kohlenstoffwelt unterscheidbar zu sein. Sie schreien, krümmen sich und wimmern. Ich hab noch nie gesehen, dass sich jemand die Brille einfach abreißt. Meistens kommt eine weitere Person und erlöst den Menschen aus der virtuellen Realität.

Neulich gabs auch mal einen Beitrag bei Breitband zum Thema „VR Porn“. Das Thema finde ich total interessant. Würde ich das (wenn das mal wirklich ausgereift ist) ausprobieren? Ist das unmoralisch und gleichzusetzen mit Fremdgehen? Was ist, wenn das mehr Spaß macht als Sex in der Kohlenstoffwelt? Wie verändert das die Gesellschaft? Wenn alle immer genau die körperliche Nähe (und den Sex) haben können, die sich wünschen? Uiuiuiui…

Egal. Ich glaube ja nicht, dass ich mir diese Fragen in meinem Leben noch tatsächlich stellen muss.

Neulich dachte ich weiter über den Begriff Porn nach. Interessant ist ja, dass der Begriff Porn im Essenskontext unsexualisiert benutzt wird. Wenn man auf instagram nach #foodporn sucht, bekommt man einfach nur Essensfotos. Nicht mal ausschließlich geiles Essen. Also diese Art Essen, das im Alter vielleicht den Sex ersetzen kann – nein, Menschen fotografieren ihren Kantinenfraß und setzen das Hashtag #foodporn drunter.

Porn scheint hier also weiter gefasst zu sein. Es geht wohl mehr um Dinge, die einen in Ekstase versetzen, die einen glücklich machen, die einen total begeistern.

In dem Zusammenhang wiederum hab ich überlegt, welche Genres sich in den virtuellen Welten allgemein durchsetzen werden. Sex – klar – das ist total naheliegend. Extremsport – auch das verständlich – denn man kann dann einen Adrenalinkick ohne die tatsächliche Gefahr haben und dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen: ein weiteres Genre würde Elternporn sein!

Und zwar im unsexualisierten Sinne. Eltern haben ja keinen Sex (also mindestens die 40%, die ein Familienbett haben nicht und die andern sind auch zu müde…). Mit Elternporn sind eher Dinge gemeint, die man im echten Alltag mit Kindern nie hat, aber eigentlich UNBEDINGT haben will. Dinge, an denen man jeden Tag erneut scheitert.

Ich stelle mir das so vor: Ich setze die VR Brille auf und starte Das Morgenprogramm und das läuft dann so ab:

„Kinder! Anziehen!“

Kinder: „Ok, Mama.“

IST. DAS. NICHT. GEIL? Das Programm verkaufe ich für 89 Cent (dauert ja auch nicht sooo lange). Das würden doch alle kaufen, oder? Stellt euch das doch mal vor!

Oder Tisch decken:

„Kinder, Tisch decken!“

„Alles klar, Mama“ und 5 Minuten später ist der Tisch gedeckt.

Oder Zimmer aufräumen…, Zähne putzen…, ordentlich zu Tisch essen… die Möglichkeiten sind endlos. Endlos!

Ich werde reich! Ich habe eine Marktlücke entdeckt!

Ich muss das mal testen. Ohhh! Hach! Awww!

HEY! NEIN! LASSEN SIE DAS! NICHT DIE BRILLE ABNEHMEN! NEIN! EY!