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Beim abendlichen Bügeln hab ich mir wieder ein cooles Branding verpasst. Es ist so beruhigend in diesem fortgeschrittenen Alter zu sein. Mein Feierabend sah so aus: ein Schläfchen, der Mitbewohner kocht, wir essen zusammen und schauen ein Video. Dafür bügel ich seine Hemden.
Höhepunkt des Tages: Ein Fotoshooting für den Personal- und Sozialbericht. Wir stellten dynamische Mitarbeiter dar. Meine Kollegin war leider ansehlicher als ich und durfte in die erste dramaturgische Reihe. Ich immerhin in die zweite. Wir laufen 37 mal durch ein Drehkreuz und der Fotograf repetiert: „Ahhh, das war sehr gut. Einmal noch“. Nach dem vierten Mal hat er an Glaubwürdigkeit verloren. Fotosessions sind eine merkwürdige Sache. Man macht total merkwürdige Dinge, wie elefantengroße Ausfallschritte und der Mann mit der Kamera behauptet, hinterher sähe das natürlich aus. Das ist ungefähr so wie das was die Kommentatoren bei Dressurreitwettbewerben von sich geben, wenn der arme Gaul seitwärts schreitet und man das Gefühl hat, gleich verknoten sich die Beine und das Pferd kippt wie ein gefällter Baum um: „Es ist erstaunlich mit welcher Natürlichkeit der Reiter das Pferd zu lenken vermag“.
Ach: und ich hab mich als Groupie des Monats Juli bei I.Z.E.T.I.T beworben. Wehe, die nehmen mich nich. Noch mal klettere ich nicht in das Ding.

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Nachtrag: Gestern habe ich ein grandioses Geschenk bekommen. Ein Buch. Auf den ersten Blick mag dies nicht das Herz erwärmen. Beim genaueren Hinsehen entpuppt es sich jedoch als Highlight. Ich drehe das Buch um und an der Stelle wo meine anderen Freunde stundenlang mit Kulli versuchen den Preis unkenntlich zu machen, steht ein großer Pfeil auf die 3,60 € mit dem Hinweis „So viel bist Du mir noch wert“. Ich habe schallend gelacht. Es ist so ergreifend, wie sich in den kleinen Dingen des Alltags, die Zuneigung und der Charakter meiner Mitmenschen offenbart.

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Nachdem ich in einem anderen Blogg einen merkwürdigen Traum gelesen habe, hatte ich heute Nacht auch einen sehr bizarren. Da ich bei Traumdeutung nie in der Uni war, frage ich mich, was mein Unbewusstes mir sagen wollte. Szene 1: Ich wohne in einem Apartment mit Wandfresken. Meine Freundin klopft diese in großen Stücken von den Wänden und ich versuche sie wieder aus dem Mülleimer zu holen und zusammenzusetzen. Leider sind sie in Staub verwandelt. Szene 2: Ich muss in einem Minipanoramaglasflugzeug einen Walt Disneyfilm schauen. Szene 3: Ich lande mit dem Flugzeug im Dschungel an einem Holzsteg. Mir fällt ein blauer Haarclip ins seichte Wasser. Immer wenn ich versuche danach zu angeln, kommen von allen Seiten riesige pelikanartige Vögel und kreischen ganz laut „nak, nak“.
Letzteren kann ich zuordnen. Mein Nachbar hat gestern beim Didgeridoospiel in meiner Küche schlimme „nak, nak“-Geräusche von sich gegeben. Das hat Eindruck gemacht. Festzuhalten bleibt, ich muss an meiner Zirkularatmung feilen.
Außerdem war ich heute morgen beim Finanzamt und wollte einen Bogen für meine Steuererklärung 2000 abholen. Als ich die Frage formuliert hatte, brachen alle in schallendes Gelächter aus. Diese Bögen gibt es nicht mehr. Ich soll einfach eins von 2003 nehmen und das Jahr durchstreichen, … und die Währung – 2000 war schließlich noch die Ära der deutschen Mark. Naja und alles andere was nicht stimmt, soll ich auch einfach durchstreichen. Aber ganz wichtig: Das Formular muss benutzt werden. Ich kann nicht einfach einen handschriftlichen Zettel abgeben.

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Wieso? Diese Frage stellt sich v.a. im Zusammenhang mit unangemessener Kleidung. Also wieso habe ich zu allen Gelegenheiten grundsätzlich das Falsche an. Gestern Besichtigung Cargo-Bahnhof. Ich: total schlau. Diesmal nicht in den hochhakigen Schuhen, neeee, ich packe Turnschuhe ein. In meinem Kopf war aber leider Hochsommer. D.h. Rock und keine Jacke. Als der Bahnhofsleiter sich dann sein neonorangenes Fleece-Jäckchen überzog und mir eine dünne Weste reichte, schwante mir Schreckliches. Die ersten zwei von vier Stunden in den Gleisen war noch total aufregend. „Nicht auf die Schienenköpfe treten, nicht auf die Schienenköpfe treten“, murmel ich heiter vor mich hin, denn einen Kieferbruch würde ich gerne vermeiden. Ich finde es absolut grandios, dass ich ständig Gleise übertreten darf – sonst warnen Schilder davor und ich darfs immer und immer wieder tun. Der freundliche Cargobahnhofchef ist sichtlich irritiert warum eine in der Interessentengruppe permanent von Schiene zu Schiene hüpft. Meine Kolleginnen und ich versuchen uns als nächstes im Hinweisschilderdechiffrieren. Aha, dieser Wagon darf nicht schwarz-weiß gestrichen werden. Ein Kollege widerspricht: nein, das heisst, er darf nicht einseitig beladen werden. Wir stimmen ehrfürchtig zu. Herr Bahnhofchef klärt uns auf: Dieser Wagon darf nicht mit offenen Türen gefahren werden. Schilderlesen fällt offensichtlich nicht in jedermanns Kompetenzgebiet. Ein Bildchen vor dem Kohlesäurewagon und eins noch vor dem Holzwagon, ach und eins noch bitte vor dem hübschen roten, dessen Lichtraumprofil so groß ist, dass er nicht für den internationalen Verkehr zugelassen ist. Lichtraumprofil ist überigens eine Sache, die ich in meinen aktiven Wortschatz aufnehmen werde. Das ist die maximale räumliche Ausdehnung von Güterwagons, so dass er gerade noch alle Strecken im Netz abfahren kann, ohne an Masten oder Brücken anzuecken. Je kleiner, desto besser, denn desto mehr Strecken können befahren werden. Das ist dann quasi wie mein eigenes Lichtraumprofil. Ich sollte auch einen möglichst geringen Teil meines tatsächlich möglichen Lichtraumprofils ausfüllen. Zum einen hat das rein ästhetische Gründe, zum andern passe ich so viel besser durch Türen aller Art. Dabei fällt mir ein (wenn wir denn schon mal beim Eisenbahnerjargon sind), ein Herr hat mir mal bescheingt, dass meine Beine schöner seien als die von einem speziellen Güterwagon, dessen Baureihe mir gerade nicht einfallen will. Das finde ich sehr erfreulich – zumal mir bis dato nicht mal bewußt war, dass Wagons Beine haben. Bei der Eisenbahn lernt man nie aus. Zumindest weiss ich jetzt, dass ich Bremsschuhe nicht anziehen kann …

 

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Manche Tage sind schräg. Ich wache müde auf und wenn ich den Entschluß fasse, mich nach der Arbeit eine Stunde hinzulegen, schlafe ich innerhalb von drei Minuten ein und wache exakt zehn Minuten später auf. Mir hat heute jemand eine Frage gestellt, die ich nicht beantworten kann. Die Frage ist erschreckend einfach und dennoch weiß ich keine Antwort. Das verwirrt mich. Eigentlich glaube ich nicht an Kausalitätsketten. Aber wahrscheinlich lässt sich keine Antwort finden, wenn ich in diesem Fall keine Ausnahme mache. Und das ist das Paradoxon. Hätte ich nicht gegen eine grundlegende Regel verstoßen – also eine Ausnahme gemacht, dann müßte ich jetzt nicht nach einer Antwort suchen.
Definition von Paradoxon: „Scheinbar falsche Aussage, die aber bei genauerer Analyse auf eine höhere Wahrheit hinweist.“ Wahrheit? Daran glaube ich ja leider auch nicht. Vertrakte Situation. Und lustig ist das auch nicht. Ich wünschte, ich würde mich für Fußball interessieren, dann hätte ich heute eine großartige Beschäftigung.

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Irgendwo in meiner Wohnung muss sich ein Müllmaterialisierer befinden. Andauernd werfe ich Tonnen von Krempel weg und kaum drehe ich der eben aufgeräumten Stelle den Rücken zu, steht da was Neues. Ein Elend. Den Tag habe ich mit Festplattenaufräumen begonnen. Seitdem ich eine Digitalkamera besitze, neigt sich der Speicherplatz bedrohlich dem Ende zu. Ich überlege, ob es genügt lediglich mehr Speicher zu kaufen oder ob ich mich am Ende auch noch von meinem wunderbaren Pentium I trennen sollte. Den habe ich erst fünf Jahre. Mein 3-86er hat immerhin acht Jahre überdauert … Nach dem virtuellen Aufräumen, bin ich zu meiner Wohnung übergegangen. Dabei musste ich feststellen, dass im Kleiderschrank nicht mal mehr vierzig Kilobyte zur Verfügung stehen. Ich befürchte, die nächste Bluse, die ich auf die Kleiderstange hängen möchte, wird zu einem Totalzusammenbruch führen. Es muss betont werden, dass dieser Umstand nicht von meinem Kleidungsrepertoire rührt. Es sind vielmehr die ganzen Anzüge meines Mitbewohners, die den Kollaps herbei führen. Ferner ist er krawattensüchtig. Ich habe in der Schranktür zwei Stangen für meine Gürtel. Leider sind diese Hängevorrichtungen komplett ausgelastet. Nach einer mehrminütigen Aktion gelang es mir lediglich einen meiner zwei Gürtel an den dafür vorgesehenen Platz zu drapieren.
Eben wollte ich mich mit meinem Nachbarn zum Wählen verabreden, aber der tut wieder ganz wichtig und gab vor arbeiten zu müssen. Dafür werde ich die drei Bücher, die er mir geliehen hat, dem Sonnwendfeuer zuführen.

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Da jetzt nicht mehr widersprochen werden kann, wie angekündigt, optische Eindrücke für Australien:

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Ansonsten macht mir nur meine Nasolabialfalte Sorgen. Ich muss auf die besungene Insel. „Auf dieser Insel behandeln sie das Altern mit Hypnose und behexen deine Falten. Hinterher sind sie nicht mehr, nach dem Schreck sind sie weg.“
Im Übrigen habe ich heute noch einen Meilenstein in meinem Lebensprojektplan bewältigt. Nach nur 14 Monaten im Osten habe ich einen neuen Schneider ausfindig gemacht. Der ist nicht nur billiger als der im Westen sondern er kann auch dieses unnütze Stück Stoff wegzaubern, welches bei Hosen hinten immer absteht. Irgendwie weltbewegend.