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Mein schlimmster Alptraum: ein viertel Liter Bier in meiner Hightechtastatur. Erst hat sie so getan, als sei nichts. Dann hat sie beliebige, mir bis dahin unbekannte, Hotkeys aktiviert. Im letzten schmollenden Schritt über mein Unverhalten hat sie mir alle Buchstaben bis auf das „m“ verweigert. Ich war so verzweifelt. Also rufe ich meinen Technikex an, ob er zufällig gerade im Osten ist und eine Tastatur dabei hat. „Nein“ (Eigentlich trägt er die Dinger am Gürtel!) „Und was soll ich jetzt machen?“, wimmere ich. „Pflege soziale Kontakte“ „Scherzkeks, dafür brauche ich die Tastatur“ „Ruf deinen Nachbarn an.“ Grandiose Idee! Ich wähle die Nummer und muss es gar ewiglich klingeln lassen, endlich nach ca. fünf Minuten meldet sich mein verschlafen klingender Nachbar. Er ist ein Mann und besitzt keine Ersatztastatur. Ich glaube ihm nicht und versuche es erst charmant, dann etwas nachdrücklich. Nicht mal seine eigene will er mir geben. Ich wußte schon immer, dass er ein Egoist ist.
Etwas ernüchtert setze ich mich also auf meinen Schreibtischstuhl. Ich muss noch eine haben, da bin ich mir sicher. Folglich durchwälze ich alle Schränke. Nichts! Ich laufe in den Keller. Einen Kellerraum aufzusperren ist immer ein Graus. Ich räume das Fahrrad raus, die Rollerblades, vier Regale, einen auseinandergelegten Schrank. Vor mir türmt sich ein Kistenberg. In Kiste Nummer neun finde ich endlich eine. Das unnütze Zeug lasse ich verstreut vor dem Kellerabteil stehen und laufe überglücklich nach oben und das erste was mich jemand fragt „addicted to the net, my dear?“
Das mag so scheinen. In Wirklichkeit ist es ein weiterer konsequenter Schritt in meinem Plan Männer zu verstehen. Ich wußte bis jetzt nie, warum Männer ihre Keller mit Elektrokram vollstopfen, den man irgendwann mal brauchen könnte. Jetzt weiß ich: es ist ein sehr kluges Verhalten.

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Jetzt verstehe ich, warum Männer Frauen nicht verstehen. Dem Rat meines Nachbarn folgend machte ich mich heute morgen an die Defragmentierung meines Kleiderschranks. Ich dachte, ich könnte Platz sparen, wenn ich beispielsweise alle Röcke auf einen Bügel hänge, statt jeden einzeln zu drapieren. Also fange ich an Röcke aus meinem Schrank zu holen. Spätestens beim zweiundzwanzigsten war glasklar: die bekomme ich definitiv nicht auf einen einzigen Bügel. Da ich zum thematischen Vagabundieren neige, war mein nächster Plan: alle Anzüge hintereinander ordnen. Auch diese Zahl war irgendwie, sagen wir, ernüchternd. Von Blusen und T-Shirts gar nicht zu sprechen. Nehmen wir also an, ich würde jeden Tag einen neuen Rock anziehen und danach alle Hosen, dann könnte ich mehr als einen ganzen Monat jeden Tag etwas Neues anziehen. Das hat mir wirklich zu denken gegeben. Jetzt stellt sich also auch mir die Frage: warum stehe ich jeden Morgen vor diesem Ungetüm und denke „Menno, ich hab nix zum anziehen“?
Außerdem habe ich beim Aufräumen eine geniale Erfindung gemacht, um reich zu werden. Zur Umsetzung fehlt mir lediglich ein Grafikdesigner. Da werde ich mal bei Finya schauen. Schließlich sind dort alle Designer… Nun. Jedenfalls habe ich ein neues Produkt erdacht, welches vor allem in Mitte reißenden Absatz finden wird: The marvellous Ponystraightener. Das ist ganz normaler Haarschaum in einer ansprechenden Dose, welches eigens dafür konzipiert ist, wie der Name schon sagt, Ponys zu glätten. Wenn ich morgens aufstehe, würde ich für ein solches Produkt alles Geld der Welt investieren.
Und abschließend noch ein Rat: Niemals – wirklich nie, nie in einem vollen Staubsaugerbeutel nach irgendeinem Gegenstand wühlen. Nie! Auch wenn man versehentlich die gesamten Diamantenvorräte des Haushalts weggesaugt hat. Es ist das kalte Grauen.

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Ach ja: und wenn hier jemand bei einem großen Bekleidungsvertriebshaus tätig ist … bitte, bitte – stellt das Unkleidungskabinensystem endlich auf englische Verhältnisse um. Dafür die dämlichen Einzelkabinen gegen Großkabinen wechseln. Dann fällt das Anstehen weg. Erster Vorteil. Zweiter Vorteil: Ich muss mich in öffentlichen Gebäuden nicht immer ausziehen oder mir mehrere Schichten Klamotten übereinander anziehen und dann Unbeteiligte bitten, dass sie mir doch bitte wieder aus dem Oberteil helfen, weil ich leider feststecke. Alternativ kaufe ich den halben Laden leer und muss den viertel Laden am nächsten Tag leider zurück bringen. Das spart doch Arbeit für alle. Also habt Verständnis.

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Es hat genau ein Jahr gedauert bis ich meine ganzen Kosmetikavorräte aufgebraucht habe. Nachdem ich das Stiftung-Warentest-Heftchen zu diesem für Frauen lebensentscheidenden Thema gelesen habe, bin ich auf eine Ökopflegeserie umgestiegen. Alles ohne Tierversuche, Erdöl, Farben, Konservierungsstoffen und künstliches Parfüm. Jetzt muss ich leider feststellen, dass dieses Unterfangen nicht angemessen für mein Alter war. Wenn ich mich im Spiegel betrachte, entdecke ich Falten um die Augen. Sprüche wie „wer keine Falten hat, hat nichts erlebt“ helfen da nicht weiter. Ich will diese Furchen nicht. Also creme ich wie wild die Naturprodukte in mein Gesicht. Weitere zwei Wochen später erkenne ich: ohne Chemiebomben keine Schönheit. Bevor ich also zu Botox greifen muss, verbringe ich lieber eine Stunde in der Drogerie und lese mir aufmerksam die Beschreibungen der Anti-Falten-Produkte durch. Es ist ziemlich schwer sich zu entscheiden, ob ich eher Kupfer oder Zellbooster benötige. Warum gibt es nicht ein Produkt, welches alle Zusatzstoffe vereinigt? Am Ende entscheide ich doch wieder nach ansprechendster Optik. Immerhin muss die Verpackung mit meiner Badezimmereinrichtung harmonieren. Früher hab ich mich für die Art von Verhalten ein bißchen geschämt. Seitdem ich weiss, dass mein Mitbewohner Handcreme benutzt, habe ich alle Scheu abgeworfen.

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Befremdend. Da geh ich zum Frisör zum Ponynachschneiden und die wollen kein Geld dafür. Ich hab gesagt: „Das geht nicht“. Alle schauen mich verdutzt an. Ich ergänze: „Wir sind hier in Deutschland. Servicewüste Deutschland. Da bekommt man nichts umsonst.“ Die Frisörin wirkt hilflos. Sie hat alles verpatzt. Ich gehe da doch hin zum Frustabbau. Das funktioniert nur wenn ich dabei Geld ausgebe. Ich drücke ihr irgendeinen Schein aus meinem Portemonnaie in die Hand. Ich komme mir dekadent vor, überlege kurz, nehm ihr den Schein wieder weg und sage: „Danke.“

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Das Grillen war deutlich erfolgreicher als das deutsche Nationalteam. So viel ist sicher. Ich will nur ungern in offenen Wunden bohren (höchstens mit salzigen Fingern) ABER so wie die spielen, ist es wahrscheinlich, dass ich
a) nach der Entlassung von Tante Käthe als Nationaltrainer eingesetzt werde oder
b) für eine beliebige Position als Spieler rekrutiert werde.
Bislang konnte ich jedem Fußballschauen aus dem Weg gehen. Gestern musste () ich ja im Rahmen unseres Teamevents. Dabei fielen mir einige Details auf. Die rosa Krawatte des Sportkommentators passte nicht zu dem braunen Anzug. Der Torwart des tschechischen Teams gefällt den Damen meiner Abteilung (ich will mich da nicht aussparen) am Besten. Günther Netzer lacht nie, es sei denn Rudi Völler wird bald entlassen. Die erste Hälfte der Halbzeit erweckte bei mir den Eindruck, dass irgendjemand den Spielern die Information hat zukommen lassen, dass sie bereits 7:0 führen. Die zweite hingegen erinnerte mich sehr an Frauenschulsportbasketball. Mindestens fünf Leute hauen zeitgleich auf einen Ball ein, aber niemand bekommt ihn rein, wobei weiter hinten einige engagierte Spieler frei stehen und sich die Haare bürsten. Desweiteren haben sich alle meine Hypothesen über den prätentiösen* Charakter** von Herrn Kahn bestätigt. Das wirkt sich positiv auf mein Psychologinnengemüt aus. Ebenso wie der Umstand, dass ab heute Abend fast alle Männer für jegliche Verabredungen wieder zu haben sind. Besser noch: ich kann Sympathien erwecken, indem ich mich verständnisvoll und empathisch gebe. Alles in allem also ein gelungener Grillabend.

*Achtung! Prätentiös ist mein neues Lieblingswort. Wer noch ein deutsches Wort mit zwei Umlauten kennt, der möge es mir sagen.
** Will meinen, wer mit gebrochendem Daumen eine WM vergeigt, der kann sich auch ruhig sieben Meter vors Tor legen und entspannt warten, dass der Ball doch endlich in selbigem landet.

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Das Wetter … es ist … zum Weinen. Heute Abend ist Grillabend. Das sieht dann so aus: Einer steht mit Schirm draußen und grillt und die anderen schauen Fußball. Hätte die Sonne geschunen bzw. schünte die Sonne, hätte ich wenigstens in selbiger liegen können und blinzelnd ab und zu ein Paar unqualifizierte Kommentare zum Fußballspiel von mir geben können. Vielleicht fällt der geplante Grillevent aber auch aus. Schade wäre es nur um den Kuchen, die Blumen und den guten Rotwein, den wir dem Gastgeber als Zeichen unseres Danks spenden wollten. Wobei. Mein Kollege sagte gerade, wäre doch super. Ich könnte den Rotwein trinken, wir teilen uns die Torte und bewerfen uns im Anschluss mit den Blumen.