108571992083730743

In den letzten Tagen fühle ich mich an mein Bewerbungsgespräch bei dem Topmodelabel H&M erinnert. Da wollte ich mal als studentische Aushilfe arbeiten. Hoch komplexe Aufgaben, wie das Zurückhängen von Kleidung übernehmen. Nachdem ich meine Bewerbung abgegeben hatte, wurde ich tatsächlich zum Gespräch geladen. Da ich davon ausging, dass es sich lediglich um eine Formalität handelte, habe ich Lohnsteuerkarte und Sozialversicherungsausweis gleich mitgenommen. Das Gespräch zog sich über eine Stunde hin. Mir wurden weltbewegende Fragen gestellt.
„Mit welchem unserer Labels können sie sich am meisten identifizieren?“
„Was würden sie machen, wenn ein Kunde unzufrieden ist?“
Einige Male dachte ich, ich sei bei Verstehen Sie Spaß gelandet. Ich bin aber ein ausdauernder Mensch und habe nicht gelacht.
Zwei Tage nach dem Gespräch wurde ich telefonisch kontaktiert. Die Botschaft lautete: sie sind in die zweite Runde vorgerückt. Also trabe ich da wieder hin, der festen Überzeugung, dass ich diesmal endlich eine Zusage bekomme. Die Benefits waren einfach nicht abzulehnen. Für 50 Euro im Monat verbilligt einkaufen. Wow!
In der zweiten Gesprächsrunde fiel es mir schon schwerer nicht in wieherndes Gelächter auszubrechen.
Erneute zwei Tage später der Anruf: Gratulation, sie sind in der dritten Auswahlrunde. Ich habe dann sicherheitshalber nachgefragt, ob sie mich als Filialleiterin einstellen wollten und ob sie vielleicht mißverstanden hätten, dass ich lediglich niedere Assistenztätigkeiten übernehmen wollte. Die Dame am Telefon war etwas humorlos. Ich habe ihr dann gesagt, dass ich ihnen für ein angemessenes Beratergehalt gerne erklären könne, wie Auswahlprozesse ökonomisch und effizient zu gestalten seien, dass ich aber kein drittes Mal zum Gespräch erscheinen könne. Hochbedauerlicherweise.

108555652953344951

Das Rätsel mit den verschwundenen Socken habe ich nach nur 27 Jahren lösen können. Jetzt gibt es ein neues Mysterium. Wieso materialisieren sich Zahnpastareste grundsätzlich an wichtigen Tagen auf nagelneuen Anzügen?

108512264960978443

21. Mai 2321: ein junger abenteuerlustiger Cardassianer besuchte die Krotomag-Region (Qootmagh Sep). Der Cardassianer, auf Kronos per Anhalter unterwegs, hatte im letzten Raumschiff sein Handtuch liegenlassen. Um den herben Verlust zu ersetzen, suchte er in aller Eile den nächsten intergalaktischen Schnellshop auf. Der Inhaber, ein massiger, einarmiger klingonischer Kriegsveteran begrüßte ihn: „blboH. YlbuS!“, was so viel heisst wie „Du machst einen ungeduldigen Eindruck. Konzentriere Dich“ (boH= ungeduldig sein; BuS= sich konzetrieren, yl=Imperativ). Was der Cardassianer, des Standardklingonisch durchaus mächtig, nicht wußte, war, dass im Dialekt der Krotomag-Region die Laute b und m identisch (nämlich wie m) ausgesprochen werden, während sie sich im Hochklingonisch deutlich voneinander unterscheiden. Der Cardassianer verstand also: „mlboH. YlmuS!“, was übersetzt „Du bist häßlich. Ich hasse Dich!“ bedeutet. Angesicht zu Angesicht mit dem klingonischen Exkrieger, dessen Missgunst er offensichtlich auf sich gezogen hatte, versuchte der Cardassianer sich möglichst schnell der gefährlichen Situation zu entziehen. Dabei unterlief ihm aufgrund seines niedrigen Auflösungsgrades ein folgenschwerer Fehler bei der Handhabe der Taschenversion seines Easy-Travel-Computers der Marke Newton. Anstatt sich in einen gebührenden Abstand zum aufgesuchten Geschäft zu beamen, aktivierte er die Time-wrap-Funktion und wurde im Jahr 1984 rematerialisiert. Der Kulturschock, den der Caradassianer erlitt, löste einen irreparablen psychischen Defekt aus. Er übernahm die Identität eines terranischen Rennfahrers und gründete eine Fluggesellschaft.

108503853147435248

Neben meinem jetzigen Arbeitgeber war ich noch für andere, über die Maßen beliebte Unternehmen tätig. Ein Highlight war mein Job bei einem hier namentlich nicht zu erwähnenden Telekommunikationsanbieter in der Abteilung Weckdienst.
Für diese Tätigkeit sind lediglich drei goldene Regeln zu beachten:

1. Legen sie sich ein Pseudonym zu. Melden sie sich nie mit ihrem eigenen Namen, sonst können Beschwerden weitergeleitet werden.

2. Wenn sich jemand trotzdem beschwert sagen sie: „Ja, aha, hm, natürlich, ich verstehe, ja. Vielen Dank für ihre Anregung. Ich werde das an meinen Gruppenleiter weiterleiten.“
Anmerkung des Autors: Gruppenleiter sind so real wie der Weihnachtsmann. Nur Kunden glauben daran.

3. Wenn die Kunden nerven, bitte einfach auflegen oder ins Nirwana verbinden.

Während der Arbeit kann man essen, rauchen und Radio hören, wenn jemand möchte, kann er seinen Fernseher mitnehmen. Wer sich gerade unterhält, muß das Gespräch nicht unterbrechen, er wartet einfach bis der Kunde wieder nach Hamburg oder Frankfurt weitervermittelt wird.

Die Personalabteilung des Telekommunikationsanbieters hatte ebenfalls ganze Arbeit geleistet. Mit mir am Telefon:
Kerstin, ausgebildete Opernsängerin mit 0190er Stimme.
Andreas, Architekt, von Geburt aus besserer Mensch, spricht deswegen nicht.
Tina, vertraut nur Kaninchen.
Wolfgang, oberwichtiger Publizist und Presseoberhaupt, kennt Herbert, Claire und Hans, ist mit allen wichtigen Persönlichkeiten der Nation auf Du und Du.
Meinen Liebling habe ich liebevoll Orang-Utan-Klaus genannt (und das obwohl er nichts katzenhaftes an sich hatte). Klaus ist grob geschätzt drei Meter groß. Er hat viele Haare und ein Organ, das einmal in Schwung gekommen, Erdbeben der Stärke sieben auslöst. Dialekt: unbestimmt. Sprachfehler. Hobby: Kunden anschreien.

Was außerdem brennend interessiert: Wer läßt sich in Deutschland wecken und warum? Eine Antwort darauf habe ich nie gefunden.
U.a. gibt es in Deutschland 50 Millionen angemeldete Handyverträge (davon schätzungsweise 30 Millionen Handtelefone mit Weckfunktion) … die feil gebotene Dienstleistung kostet bei meinem ehemaligen Arbeitgeber 1,35 € wenn der Automat weckt und das Doppelte wenn persönlich geweckt werden soll. Plus Steuer, versteht sich von selbst.

Wie viele lassen sich wecken?
Meine Hochrechnung: Ich habe ca. 720 Anrufe in einer Fünf-Stunden-Schicht bewältigt. In Berlin waren wir zehn, in Frankfurt und Hamburg telefonierten je fünfzig. (Man rechne bitte selbst nach)

Auch das Klientel war vielseitig.
Es gibt ein Frau, die läßt sich jeden Tag zweimal wecken, seit 10 Jahren, macht 9.855 €.
Besonders mochte ich Daniel. Der rief jeden Tag 20 mal an und erkundigte sich, ob wir Vampire in den Büros haben. Er ist 19, seine Mutter 102. Sie ist Amerikanerin und wohnt in Cottbus. Er wohnt in Stuttgart und fährt am Wochenende mit dem Mofa zu ihr. Er mag Blusen und wenn man ein T-shirt anhat, legt er auf.
Erstaunlich ist auch, wie viele Menschen tatsächlich Kuckucksuhren besitzen. Die hört man nämlich im Hintergrund.
Ich frage mich gerade, warum ich diesen Job eigentlich gekündigt habe …

Call me an Agent

Neben meinem jetzigen Arbeitgeber war ich noch für andere, über die Maßen beliebte Unternehmen tätig. Ein Highlight war mein Job bei einem hier namentlich nicht zu erwähnenden Telekommunikationsanbieter in der Abteilung Weckdienst.
Für diese Tätigkeit sind lediglich drei goldene Regeln zu beachten:

1. Legen sie sich ein Pseudonym zu. Melden sie sich nie mit ihrem eigenen Namen, sonst können Beschwerden weitergeleitet werden.

2. Wenn sich jemand trotzdem beschwert sagen sie: „Ja, aha, hm, natürlich, ich verstehe, ja. Vielen Dank für ihre Anregung. Ich werde das an meinen Gruppenleiter weiterleiten.“
Anmerkung des Autors: Gruppenleiter sind so real wie der Weihnachtsmann. Nur Kunden glauben daran.

3. Wenn die Kunden nerven, bitte einfach auflegen oder ins Nirwana verbinden.

Während der Arbeit kann man essen, rauchen und Radio hören, wenn jemand möchte, kann er seinen Fernseher mitnehmen. Wer sich gerade unterhält, muß das Gespräch nicht unterbrechen, er wartet einfach bis der Kunde wieder nach Hamburg oder Frankfurt weitervermittelt wird.

Die Personalabteilung des Telekommunikationsanbieters hatte ebenfalls ganze Arbeit geleistet. Mit mir am Telefon:
Kerstin, ausgebildete Opernsängerin mit 0190er Stimme.
Andreas, Architekt, von Geburt aus besserer Mensch, spricht deswegen nicht.
Tina, vertraut nur Kaninchen.
Wolfgang, oberwichtiger Publizist und Presseoberhaupt, kennt Herbert, Claire und Hans, ist mit allen wichtigen Persönlichkeiten der Nation auf Du und Du.
Meinen Liebling habe ich liebevoll Orang-Utan-Klaus genannt (und das obwohl er nichts katzenhaftes an sich hatte). Klaus ist grob geschätzt drei Meter groß. Er hat viele Haare und ein Organ, das einmal in Schwung gekommen, Erdbeben der Stärke sieben auslöst. Dialekt: unbestimmt. Sprachfehler. Hobby: Kunden anschreien.

Was außerdem brennend interessiert: Wer läßt sich in Deutschland wecken und warum? Eine Antwort darauf habe ich nie gefunden.
U.a. gibt es in Deutschland 50 Millionen angemeldete Handyverträge (davon schätzungsweise 30 Millionen Handtelefone mit Weckfunktion) … die feil gebotene Dienstleistung kostet bei meinem ehemaligen Arbeitgeber 1,35 € wenn der Automat weckt und das Doppelte wenn persönlich geweckt werden soll. Plus Steuer, versteht sich von selbst.

Wie viele lassen sich wecken?
Meine Hochrechnung: Ich habe ca. 720 Anrufe in einer Fünf-Stunden-Schicht bewältigt. In Berlin waren wir zehn, in Frankfurt und Hamburg telefonierten je fünfzig. (Man rechne bitte selbst nach)

Auch das Klientel war vielseitig.
Es gibt ein Frau, die läßt sich jeden Tag zweimal wecken, seit 10 Jahren, macht 9.855 €.
Besonders mochte ich Daniel. Der rief jeden Tag 20 mal an und erkundigte sich, ob wir Vampire in den Büros haben. Er ist 19, seine Mutter 102. Sie ist Amerikanerin und wohnt in Cottbus. Er wohnt in Stuttgart und fährt am Wochenende mit dem Mofa zu ihr. Er mag Blusen und wenn man ein T-shirt anhat, legt er auf.
Erstaunlich ist auch, wie viele Menschen tatsächlich Kuckucksuhren besitzen. Die hört man nämlich im Hintergrund.
Ich frage mich gerade, warum ich diesen Job eigentlich gekündigt habe …