Europas größter Tretroller-Kongress*: 34c3

34c3Hallo, mein Name ist Patricia und ich bin „Lichterguckerin“.

So nennen bestimmte Hardcoreoberchecker Menschen wie mich, die nix hacken können, aber auf den Chaos Communication Congress gehen und sich daran erfreuen.

Ich bin technisch interessiert, aber wenn es zu sehr in die Details geht, dann verstehe ich kein Wort. Macht mir aber nichts aus, denn im Grunde ist das wie am Anfang meiner Physiologie-Lesungen. Im ersten Semester habe ich so gut wie nichts verstanden: Telencephalon, Diencephalon, Metencephalon  und Myelencephalon. Hä? Mitte des Semesters geht es dann und drei Semester später gehören diese Worte in den aktiven Wortschatz.

Tatsächlich muss man für den 34c3 nicht mal technisch interessiert sein, gesellschaftlich oder politisch interessiert sein, genügt völlig. Wie Marietta Slomka richtig festgestellt hat: die digitale Revolution hat bereits stattgefunden und die Digitalisierung/das Internet hat unser aller Leben grundlegend verändert.

Viele machen diese Entwicklungen mit, ohne sich allzu große Gedanken über die Auswirkungen zu machen. Ein bißchen mehr Überwachung hier, ein bisschen mehr Überwachung da, man hat ja nichts zu verbergen etc. pp.

So holt man sich fröhlich Alexa (Amazon Echo) und Google Home in die eigenen vier Wände – denn – es ist ja bequem.

Ist es auch. Ich kann mich da schön an die eigene Nase fassen. Benutze ich immer noch alle möglichen Google-Produkte, Facebook und Co.

Jedenfalls hilft es dann doch einmal im Jahr einen Kongress zu besuchen, der sich mit all diesen Themen rund um das Internet auseinandersetzt. Das Themenspektrum des Kongresses ist, wie an den einzelnen Tracks zu sehen, sehr breit gefächert:

  • Art & Culture
  • CCC
  • Entertainment
  • Ethics, Society & Politics
  • Hardware & Making
  • Resilience
  • Science
  • Security

Am Ende kann man sogar zu einer Marc-Uwe Kling „Qualityland“-Lesung gehen und so halb über diese Zukunftsdystopie lachen, weil man tagsüber leider mitbekommen hat, dass ca. 3/4 der Dinge, die er dort beschreibt, schon Realität sind. (Black-Mirror lässt ebenfalls grüßen).

Im Übrigen kann man auch zum Kongress gehen und sich gar keine Vorträge anschauen sondern sich an der Atmosphäre und der Kunst erfreuen – eben ein paar Lichter gucken gehen.

Foto: 34c3 von Yves Sorge unter CC BY-SA 2.0 auf flickr.com.

Ich werde auch oft gefragt, ob man mit Kindern auf den Kongress kann. Meine kurze Antwort lautet: ja.

Wir haben es schon einige Male getan. Wie schon in den Vorjahren lief das so ab: Um 11 Uhr tauchten wir dort auf, um 22 Uhr jammerten die Kinder, dass wir schon nach Hause wollen.

Was genau machen die Kinder auf dem Kongress?

Zum einen gibt es den Kidsspace, der dieses Jahr in der neuen Location gefühlt dreimal so groß war, wie die Vorjahre. Dort haben die Kinder drei Tage damit verbracht  die drei Tonnen Lego Duplo und die noch größeren Bausteine zu verbauen – und zwar alle. Für Vorträge waren sie dieses Jahr nicht zu motivieren. (Ich glaube, eines der Kinder haben wir im Bällebad vergessen).

34c3
Erwachsenen macht das Lego Duplo bauen offensichtlich auch Spaß.

In der 15.000 Quadratmeter großen Assembly-Halle gibt es außerdem unfassbar viel zu bestaunen (für Eltern z.B. wichtig: Furby-Hacking) und v.a. sehr erklärbereite Menschen. Bei vielen Dingen darf man auch mitmachen (Klassiker sind Lockpicking und einfache Lötarbeiten – dieses Jahr waren Wäscheklammern mit LEDs sehr beliebt).

Ich habe aus den Vorjahren allerdings einige Dinge dazu gelernt:

  1. Bringt DECT Telefone mit und meldet sie vor Ort an. Dann sind die Kinder erreichbar ohne dass man sich Gedanken machen muss, dass ein technisches Endgerät gehackt wird (von WLAN ohne VPN rate ich dringend ab). Dafür muss man sich auf eventphone.de einmalig registrieren, sich eine freie Telefonnummer suchen und sich ein Wartezettelchen in der DECT-Schlange sichern.
  2. Nehmt Essen und Trinken für die Kinder mit. Es gibt vor Ort zwar (stark überteuerte) Möglichkeiten (Crepes, Pommes, Chinanudeln etc.) – aber das hat man nach einem Tag satt.
  3. Meldet euch rechtzeitig zum Junghackertag an, dann können die Kinder sogar selbst löten und andere tolle Sachen machen. Ich habs dieses Jahr erst zwei Tage vorher gemacht und da waren leider alle Plätze in den geschlossenen Veranstaltungen vergeben.
  4. Schaut auf die Zettelchen, die im Laufe der vier Tage überall erscheinen. So verpasst man nicht, wenn es T-Shirt-Druck, Fidget Spinner Workshops oder Laser Cutter Kurse gibt.
  5. Bringt Tretroller, Bobbycars und Bollerwagen mit, um die großen Distanzen zu überwinden. Und Wanderschuhe.

Foto: 34c3-082 von Ingo Kleiber unter CC BY 2.0 auf flickr.com.

Das Angebot des Junghackertags war dieses Jahr großartig. Von Cryptoparty, über Alienbotschaften entschlüsseln bis Wissenschaftsschnitzeljagd war neben Programmieren und Löten alles dabei.

Ich kann wirklich sehr empfehlen sich ein Kind zu schnappen und am Junghackertag teilzunehmen. Wenn man selbst interessiert, aber ein bisschen ängstlich ist, nicht genug zu wissen und dann doof dazustehen, kann man immer noch das Kind als Alibi nehmen und so wirklich sehr viel lernen.

Die Kinder selbst haben in der Regel keinerlei Berührungsängste.

Ein Großteil der Vorträge wird außerdem übersetzt und gestreamt. Man muss also nicht (permanent) physisch anwesend sein. Man kann sich so auch Pausen in der Ferienwohnung oder im Hotel gönnen und trotzdem Input aufnehmen.

Für mich ist der Chaos Communication Congress der kinderfreundlichste Kongress, den ich bislang kennengelernt habe.

Ein großes Danke an die Organisatoren und die 3.500 freiwilligen Helferinnen und Helfer (Engel werden sie genannt).


*Quelle:

Mein Clickbaitbeitrag – weniger Stress zu Weihnachten

In Kinderarbeit hergestellt, schmecken sie noch besser: Plätzchen

Besinnlich soll man sich ja fühlen die Wochen vor Weihnachten. In Teilen gelingt mir das die letzten Jahre. Zum Beispiel haben „wir“ es geschafft Plätzchen zu backen – denn nur wer Plätzchen backt, kann an den Adventssonntagen besinnlich Plätzchen futtern.

Damit das klappt, muss man so 7 bis 8 Jahre vorher Kinder machen, die dann die Plätzchen machen. Zugegebenermaßen ein wagemutiger Plan, aber er geht die letzten Jahre immer besser auf.

(Alternativ kann man bei Geschwistern bejammern, dass man über wenig bis keine Plätzchen verfügt und die backen dann – großherzig wie sie sind – und schicken Vanillekipferl und andere Leckereien.)

Dennoch versetzt mich die Weihnachtszeit immer wieder in Stress. Die Familie und viele Freunde leben über die Republik verteilt und so möchte man ihnen gerne Pakete schicken.

Bislang habe ich das gemacht, wie ich es als Kind gelernt habe: Ein Paket fertig stellen und mir dann in der Warteschlange der Postfiliale die Beine in den Bauch stehen.

Man muss dazu sagen, unsere Postfiliale ist sehr schön. Nettes Personal, ein wenig Rockmusik und man lernt die tätowierte Nachbarschaft und die zwanzig Hunde kennen, die hier so leben.

Doof ist, dass man die erste halbe Stunde draußen auf der kalten Straße anstehen muss und nur die letzten zwanzig Minuten im kuschligen Innenbereich wartet.

Auf der Suche nach Alternativen habe ich, topmodern wie ich bin* entdeckt, dass es weit angenehmere Arten gibt, Pakete zu verschicken.

  1. per Hermes-App

Das ist wirklich crazy einfach. Man packt sein Paket, dann öffnet man die App und klickt: „Ich möchte ein Paket verschicken“. Danach sind noch 2 Dinge zu tun. Erstens entscheidet man welche Größe und zweitens übernimmt man aus dem Telefonbuch** die Daten der Person, an die das Paket gehen soll.

Die App generiert einen QR-Code (ja, es gibt Szenarien, in denen QR-Codes sinnvoll sein können!), man geht in den Hermes-Shop, der Verkäufer scannt den Code, das Gerät druckt die Etiketten aus, der Verkäufer klebt die Etiketten drauf. Fertig! Man musste nicht mal selbst drucken und kleben. IST. DAS. NICHT. TOLL?

2. per Packstation

Man ruft die Seite DHL Online Frankierung auf. Hier geht man ähnlich vor wie in der App oben beschrieben. Man wählt, was man auf die Reise schickt, gibt Adressdaten ein und dann kann man entweder das Etikett selbst drucken oder aber man generiert einen Code, so dass man erst an der Packstation (DHL Paketshop und Filiale geht natürlich auch) das Etikett drucken lässt.

HOCHMODERN! SO AUFREGEND!

Man läuft dann also mit dem Paket zu einer Packstation. Tippt dort auf dem Bildschirm „Ich möchte ein Paket abgeben“, wählt die Größe des Türchens, dieses öffnet sich von Geisterhand (ja, ich weiß, es sind keine Geister, sondern kleine Wichtel, welche die Türentriegelung bedienen), man legt das Paket rein, bestätigt, dass man es reingelegt hat und bekommt seinen Beleg. Ohne Anstehen. Einfach so.

Bei 20 verschickten Paketen, für die man sonst je 20 Minuten ansteht, hat man fast 7 Stunden Lebenszeit gespart!

Ansonsten nervt mich in der Vorweihnachtszeit der Konsumrausch. Kaufen, kaufen, kaufen. Am schlimmsten, wenn man eigentlich nicht so genau WAS man eigentlich kaufen soll. Bestimmte Mitglieder meiner Familie wünschen sich zu Weihnachten regelmäßig „nix“ – sind dann aber tödlich gekränkt, wenn ich wirklich nix besorge.

Also schlendere ich ideenlos durch vollgestopfte Innenstädte, wo ich Menschen begegne, die ebenso missmutig wie ich sind (meistens Verkäuferinnen – in der Regel in einer Zweierkonstellation auftretend, die sich gerade angeregt unterhalten und sich arg gestört fühlen, wenn ich als Kundin ein Anliegen habe. Sie versuchen es erst indem sie sich weiterunterhalten als sei ich unsichtbar, wenn ich jedoch darauf beharre, nicht unsichtbar zu sein, drehen sie sich genervt in meine Richtung und fragen: wiekannihnendennjeholfenwerdenSTÖHN).

Es ist außerdem abwechselnd zu kalt, zu heiß und zu laut, zu grell und überhaupt (Leise singe ich mein Loblied auf den Onlinehandel, wo kein Verkäufer ein Buch im Regal unter M sucht, wenn ich ein Buch von Saramago [Wer? Sarah Mago???] haben möchte).

Irgendwann kaufe ich dann ächzend eines dieser fertig zusammengestellten Pakete, die extra für Menschen erfunden worden sind, die Sachen für Menschen kaufen, die keine Wünsche haben.

Auf dem Weg nach Hause kommt dann in mir der Wunsch auf, ich hätte die Geldscheine gleich verbrannt. Das hätte nicht so lange gedauert UND ich hätte nicht unter Menschen gemusst UND meine Hände hätte es auch gewärmt.

Jedenfalls – dieses Jahr habe ich das nicht mehr so gemacht, denn während ich all die Zeit gespart hatte, weil ich nicht in einer Menschenschlange zur Abgabe eines Pakets warten musste, hatte ich einen hellen Moment.

Ab jetzt spende ich für solche Menschen, die keine Wünsche haben, aber Geschenke wollen.

Ist das nicht schön? Deswegen meine Empfehlung: Wenn ihr jemanden etwas schenken wollt und nicht wisst was, dann bringt euer Geld zu Organisationen, die es brauchen können, weil sie sinnvolle Dinge damit tun. Ärzte ohne Grenzen, die Kältehilfe, Projekte, die Flüchtlinge unterstützen, Hospize, Kinderheime, Netzpolitik, wasweißich. Es gibt unendlich viele Organisationen, die Geld brauchen können.

Malt dann einen schönen Spendenbeleg und schenkt den. Ich verspreche, niemand beschwert sich: WAS FÜR EINEN GUTEN ZWECK HAST DU GELD AUSGEGEBEN????

So. Das waren meine drei Supertipps zur Entspannung der Vorweihnachtszeit. 2018 jetzt natürlich erst, aber immerhin.

Ich wünsche jedenfalls allen Wärme und Liebe im Herzen und eine schöne Weihnachtszeit!

 


*beides gibt es vermutlich seit Anfang des Jahrhunderts. Ich hatte es nur verpasst bislang.

** *seufts* Faulheit vor Datenschutz

 

[Anzeige] Let’s talk – Sollen Kinder Medienkonsum mitbestimmen?

Sehen so Kinder aus, die ihren Medienkonsum selbst bestimmen? (Bild Kind 3.0)

Gemeinsam mit SCHAU HIN! habe ich eine kleine Serie zum Thema Kinder und digitale Medien gestartet.

Im Zentrum meiner Serie sollen die Chancen, die (neue) Medien mit sich bringen, stehen und ich will beschreiben, wie wir als Familie im Alltag damit umgehen und gerne auch von Euch hören, wie ihr den Alltag mit Kindern und digitalen Medien gestaltet.

Risiken und Gefahren werden durch Kulturpessimisten aller Ausrichtungen zu genüge beklagt. Viele Eltern reagieren mit Unsicherheit und statt sich mit den einzelnen Themen auseinanderzusetzen, wird schnell mal ein Verbot verhängt.

Ich bin jedoch der festen Überzeugung, dass Verbote in Sachen Medienkonsum nichts bringen. Deswegen versuche ich mit meinen Kindern im Gespräch zu bleiben und Lösungen zu erarbeiten, die für uns beide alle passen. Das ist auch der Grund warum ich die Serie Let’s talk nenne.

Im neunten Teil geht es um: Mitbestimmung beim Medienkonsum

Kinder den Medienkonsum selbst bestimmen lassen. Geht das?

Ich hatte bereits darüber geschrieben, dass ich nicht so viel davon halte, wenn man Kindern feste Zeitvorgaben macht, was die Mediennutzung[1] angeht. Vor allem dann nicht, wenn Kinder erschaffend und nicht rein konsumierend unterwegs sind.

Auch generell bin ich eher sorglos was den Medienkonsum angeht.
Für mich ist wichtig, dass die Kinder ihre alltäglichen Pflichten erledigen. Das umfasst kleine Dinge wie Brotdose nach der Schule in die Spüle stellen bis hin zur Erledigung der Hausaufgaben.

Sind diese Themen abgehakt, findet Freizeit statt. Ähnlich wie beim Taschengeld, gilt für mich hier die Regel der Selbstbestimmung.
Beim Taschengeld bestimme ich nicht mit für was es ausgegeben wird. Wenn sich die Kinder vom Taschengeld ausschließlich zuckertriefenden Quatsch kaufen, halte ich meine Aber-die-gesunde-Ernährung-Monologe-Einself ausschließlich im Stillen.

Für die Freizeit gilt grob dasselbe.
Grob – weil es natürlich einen Rahmen gibt. Die Kinder sollten sich altersgerechte Beschäftigungen suchen zum Beispiel. Wenn aber der Rahmen stimmt, möchte ich eigentlich nicht reinreden und werten. Exzessives (Computer)spielen in den Ferien halte ich zum Beispiel nicht für bedenklich.
Ich bin ganz ehrlich, ich bin in der kommenden Weihnachtszeit ohne weitere Verpflichtungen (und auch ohne Kinder) – meine Freizeit stelle ich mir deswegen höchst unpädagogisch wie folgt vor: ich sitze in Jogginghose vor dem Fernseher und ziehe mir an einem einzigen Tag die neue Staffel Black Mirror rein. Wahrscheinlich bestelle ich mir Pizza und wenn es richtig krass kommt, trinke ich COLA!

Es ist für mich deswegen völlig verständlich, wenn (m)ein Kind eine ähnliche Vorstellung von Ferien hat.
Wenn es von früh bis spät das neue Zelda spielen wöllte – was sollte ich dagegen sagen?

Medienkonsum
Verbote werden meist sowieso nicht eingehalten, da kann man sie sich auch sparen/Foto debbienews @pixabay

Selbständige Kinder – Mama’s Traum

Generell schätze ich selbständige Kinder sehr.
Wenn ich meine Kinder frage: „Was mag die Mama am liebsten???“ (wenn man Mutter wird, dann wird man leicht verrückt und spricht von sich selbst in der 3. Person…) antworten sie mit rollenden Augen im Kanon: „Selbständige Kinder!“

Deswegen ist es mir wichtig, dass Kinder eigene Entscheidungen treffen und wir gemeinsam Rahmen und Regeln besprechen. Das gilt für den Medienkonsum genauso wie für andere Themen. Ich möchte deswegen nicht festlegen: Du darfst pro Tag 20 min Computerspielen/fernsehen/am Handy daddeln.

Vielmehr möchte ich, dass wir vereinbaren, wann die richtige Zeit ist diesen Tätigkeiten nachzugehen und wann nicht.
Starre Regeln finde ich unpassend. Das gilt im übrigen nicht nur für den Konsum digitaler Medien. Mein Bücherwurm-Kind muss den Umgang mit dem Lesedrang auch lernen. Es muss lernen, dass es unter der Woche im Lichte der Schulpflicht nicht OK ist, bis 22 Uhr zu lesen. Es soll aber auch wissen, dass es in den Ferien lesen kann bis die Augen zufallen. Es soll verstehen, dass es gefährlich ist während des Laufens auf dem Weg in die Schule zu lesen, dass die Risiken sich beim U-Bahn-Lesen jedoch in Grenzen halten.

Es wird also diskutiert und ausprobiert und ggf. wird der Rahmen nochmal angepasst. Zum Beispiel weil das Kind älter geworden ist, weil es eine begründete Ausnahme gibt oder weil ein lang erwartetes Spiel rausgekommen ist, das unbedingt ausprobiert werden muss.

Ich bin der festen Überzeugung, dass Kinder Entscheidungen, die sie selbst treffen können, viel besser tragen als Entscheidungen, die man ihnen einfach vorsetzt (was nicht sooo verwunderlich ist, denn Kinder sind Menschen und ich glaube, diese Aussage trifft generell auf Menschen zu – egal welches Alter sie haben).

Was wenn die Kinder sich nicht an die Vereinbarungen halten?

Medienkonsum
Was wenn es nicht klappt mit den Vereinbarungen?/Foto ErikaWittlieb @pixabay

Klingt alles super, oder?
Klappt das immer?




Leider nein.
Haben meine Kinder schonmal nach 21 Uhr gelesen obwohl Schlafenszeit ist? Ja!
Haben meine Kinder schonmal nicht altersgemäße Computerspiele gespielt, obwohl wir die Vereinbarung hatten, dass die USK Altersvorgaben gelten? Ja.
Haben meine Kinder schonmal Handyspiele gespielt bevor sie Hausaufgaben gemacht haben? Ja.
War ich schonmal genervt, weil ein Kind aufgrund hohen Spielkonsums Kacklaune hatte? Ja.

Folgt daraus, dass ich einschränke und verbiete?
In der Regel nicht.

Meistens bekommen die Kinder dann einen ermüdenden Vortrag über unsere Vereinbarungen. Dieser Vortrag enthält mindestens die Punkte
Pflichten und Rechte – das eine nicht ohne das andere – und wir versuchen wieder zu einer Auffrischung der Vereinbarung zu kommen.

Ich glaube, es ist für die Kinder elementar wichtig zu sehen, dass es Ausnahmesituationen gibt, in denen der Konsum hochgefahren werden kann, wenn es gerade Spaß macht, weil es ihnen dann leichter fällt, sich dann zu zügeln, wenn es eben nötig ist. Im übrigen gilt auch hier: An die eigene Nase packen. Fragt mal eure Kinder wie sie euren Medienkonsum finden.

Meine Handynutzungszeiten wurden auch schon reguliert und ich bin zu der Einsicht gekommen, dass die Kinder völlig recht haben. Genauso kritisch sehen die Kinder übrigens den Fernsehkonsum der Großeltern. Jede Generation scheint ein eigenes Suchtmedium zu haben und 20 Jahre später schüttelt der jeden Abend Fernseh schauende Großvater den Kopf über den ständig am Handy rumtippenden Enkel.
So scheint der Lauf der Dinge zu sein.

Warum sich manche nicht erinnern können, dass die eigenen Eltern und Großeltern vom Kultur- und Sittenverfall predigten, wenn sie in ihrer Kindheit bestimmte Dinge taten, die es in der Generation davor noch gar nicht gab, ist mir schleierhaft. Ich kann und mag deswegen an bestimmten Diskussionen mit anderen Eltern nicht mehr teilnehmen.

Ewiges Thema ist ab einem gewissen Alter der Handykonsum der Kinder.
Plakativ gesprochen, echauffieren sich Eltern, die ihren Kindern Handys komplett verbieten, gerne über den Handykonsum anderer Kinder. Um ihre Kinder weiterhin vom Handy fernzuhalten, sprechen sie sich für generelle Handyverbote aus. In meiner Wahrnehmung können sich Kinder, denen sehr lange Handykonsum generell verboten wird, sehr schlecht regulieren und sind dann, wenn sie mal ein Handy zur Verfügung haben, wirklich kaum ansprechbar und wie hypnotisiert.

Ähnliches Verhalten kenne ich von meinen Kindern wirklich kaum.
Natürlich spielen sie gerne mal extensiv irgendwelche Spiele oder schauen drei Folgen Dino-Dana am Stück – viel häufiger kommt jedoch vor, dass sie anfangen sich zu langweilen und dann lieber mit mir oder ihren Freundinnen und Freunden spielen wollen.

Eine Frage des Alters…

Tatsächlich hängt sehr viel im Umgang mit den Medien vom Alter der Kinder ab. Meine Kinder sind schon lange Schulkinder und da sieht es natürlich anders aus als bei Kindergartenkindern. Kindergartenkinder würde (und hab ich) immer im Medienkonsum begleiten. Grundschulkinder können gerne alleine bestimmte Dinge ausprobieren, aber da würde ich den Computer z.B. ins Wohnzimmer und nicht ins Kinderzimmer stellen. Wichtig ist für mich das Teilen hinterher. Wenn mein Kind z.B. zwei Stunden am Stück einen Film schaut oder Minecraft spielt, ist die mündliche Zusammenfassung am Ende ungefähr genauso lang. Kinder brauchen diesen Dialog jedoch, um das Gesehene zu verarbeiten und mir als Mutter hilft es, zu verstehen, was an der jeweiligen Beschäftigung so aufregend ist.

Älteren Kindern erlaube ich auf jeden Fall digitale Medien ohne meine Aufsicht zu benutzen. Bis es soweit ist, hat sich hoffentlich entsprechendes Verständnis und Vertrauen aufgebaut.

Toleranz und Offenheit schützt die Kinder

Medienkonsum
Wie sollen Kinder mit ihren Eltern reden, wenn sie etwas verbotenes getan haben und dabei in Schwierigkeiten gekommen sind?/Foto Riala @pixabay

Was ich außerdem über die Maßen schätze, ist die Offenheit meiner Kinder. Ich glaube, weil es in Mediensachen keine Verbote gibt, teilen sie mit mir alles. Sie erzählen mir, was sie spielen oder schauen – auch wenn es etwas ist, von dem sie wissen, dass sie es eigentlich nicht machen sollen.

Die Versuchung in einer Peergroup ist manchmal einfach zu groß.
Ich erinnere mich, dass ich als Kind z.B. mal die Gremlins geschaut habe, obwohl ich wusste, dass ich das nicht darf und obwohl ich auch wußte, dass ich  mich gruseln würde. Tatsächlich konnte ich volle zwei Wochen danach kaum schlafen, weil ich Angst hatte, dass in meinem Zimmer irgendwo Krümel rumliegen, die ein zufällig vorbei kommender Mogwei nach Mitternacht essen könnte.
Hätte ich zu meinen Eltern ein gutes Verhältnis gehabt, das nicht hauptsächlich durch Verbote geprägt war, hätte ich mich trösten und beschützen lassen können.

Das ist jedenfalls was ich meinen Kindern bieten möchte: Ich möchte immer Ansprechpartnerin sein – auch wenn sie mal was tun, was sie eigentlich nicht sollen. Wie soll ich sonst mit Ängsten umgehen oder wie soll ich eingreifen, wenn sie im Internet blöde Erfahrungen machen (oder per WhatsApp Mobbing erfahren)? Diese Offenheit kann ich meiner Meinung nach nur erreichen, wenn ich Medienkonsum gemeinsam mit meinen Kindern bespreche und wir uns gemeinsam zu dem wann und was einigen.

In Erziehungsratgebern wird ja gerne die Konsequenz hochgehalten. Persönlich glaube ich zu viel Konsequenz macht Kindern zu Prinzipienreitern und Zwangsneurotikern. Mir ist die Einzelfallbetrachtung wichtiger. Es ist oft anstrengend, aber ich lasse mich durch gute Argumente meiner Kinder gerne überzeugen – auch was Menge und Art des Medienkonsums angeht.

Wie seht ihr das?  Lasst ihr eure Kinder (mit)bestimmen? Macht ihr Ausnahmen? Was befürchtet ihr, wenn ihr eure Kinder in den Ferien 6 Stunden am Stück Computer spielen lasst? Besprecht ihr einen Rahmen oder trefft ihr konkrete Entscheidungen?

Kommentiert einfach hier, teilt eure Medienmomente auf Instagram, bloggt selbst darüber, twittert oder schreibt auf Facebook. Wenn ihr eure Beiträge mit dem Hashtag #medienmomente markiert, können sie später eingesammelt und geteilt werden.

Weiterführende Links

Teil 1 von Let’s talk: Nicht wie lange sondern was
Teil 2 von Let’s talk: Messenger
Teil 3 von Let’s talk: Computerspiele
Teil 4 von Let’s talk: YouTube
Teil 5 von Let’s talk: Fernsehen und Streaming-Dienste
Teil 6 von Let’s talk: Hörwelten
Teil 7 von Let’s talk: Augmented Reality und Virtual Reality
Teil 8 von Let’s talk: Programmierbares Spielzeug zu Weihnachten?

 

[1] Mit Medienkonsum meine ich nicht nur Computerspiele und alles, was man mit dem Handy zu tun hat, sondern auch YouTube, Fernsehen und Streamingdienste und alle sozialen Plattformen. Die Computerspiele habe ich nur exemplarisch herangezogen, weil ich den Eindruck habe, dass die meisten Eltern hier besondere Ängste haben.

2017

Wisst ihr noch? Damals? Anfang der 2000er als wir BloggerInnen diese Jahresendzeitfragebogen ausgefüllt haben? Hatte ich gerade mal wieder Lust drauf.

Zugenommen oder abgenommen?
Interessiert das wirklich noch? Zugenommen, weil ich bin jetzt in diesem Alter, in dem Rosenkohl plötzlich geil schmeckt und überhaupt alles geil schmeckt und essen eine solide Freizeitbeschäftigung ist.

Ich schaue außerdem auf meine dünnen Omis, die Probleme mit ihren Zähnen haben oder irgendwie andere Gebrechen, die es schwer machen überhaupt noch was mit Genuss zu essen und dann kommt in mir ein seltsam bockiges Gefühl auf, dass ich niemals an den einen Burger /Braten/Pizza denken möchte, die ich damals nicht gegessen habe, weil ich Angst hatte, ich könnte zu dick werden.

Außerdem muss ich nicht mehr frieren. Wirklich. Mit den 10 bis 15 kg mehr, die ich im Vergleich zu den Vorjahren wiege, friere ich viel weniger.

Haare länger oder kürzer?
Wer hat sich diese Fragen ausgedacht? Ich glaube länger. Ich bin zu faul zum Frisör zu gehen. Ich hasse zum Frisör gehen ohnehin. Diese Gerüche und dann diese fremden Menschen, die einen am Kopf anfassen wollen und das allerschlimmste ist der Smalltalk.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Gleichbleibend seit 1999.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Mehr. Fürs Essen und für Urlaube. Ich glaube, ich bin schwer genusssüchtig geworden.

Mehr bewegt oder weniger?
Weniger. Der Arbeitsweg hat sich geändert und ich kann jetzt von der Haustür ins Büro fahren ohne mich zu bewegen.

Die Kinder gehen alleine auf den Spielplatz. Ich muss nicht mehr rennen, klettern, schaukeln.

Für Bewegung über die Alltagsbewegung hinaus geht, keine Energie. Oft denke ich: „Mensch, du könntest mal wieder joggen gehen.“, aber dann fängt es an zu regnen. Wirklich immer und dann tun mir die anderen so leid, weil die doch keinen Regen mögen und dann denke ich auch nicht mehr so oft ans Joggen.

Der hirnrissigste Plan?
Einerseits habe ich keine hirnrissigen Pläne mehr – andererseits ist es natürlich wahnsinnig hirnrissig überhaupt Pläne zu machen, wenn man Kinder hat.

Die gefährlichste Unternehmung?
Mein Leben ist so gefährlich wie die Einnahme von Globuli.

Die teuerste Anschaffung?
Ich glaube, so richtig im Sinne von bezahlen und behalten, war das teuerste dieses Jahr die Reparatur des Klos. Sehr sinnvoll, wenn ihr mich fragt. Ansonsten stehe ich gar nicht so auf Konsumgüter anhäufen.

Das leckerste Essen?
DAS leckerste Essen. Wer kann denn DAS EINE leckerste Essen hier eintragen? Richtig lecker war es beim Italiener in Polen und sehr empfehlenswert ist immer wieder das Nudo und natürlich selbst kochen!

Das beeindruckenste Buch?
Ich hab es dieses Jahr wirklich wirklich versucht: das Bücher lesen. Aber so richtig beeindruckt hat mich kein Buch. Gerne gelesen habe ich Das Problem mit den Frauen (Amazon Werbelink) und laut gelacht habe ich bei Der Ursprung der Welt (Amazon Werbelink). Mit den Kindern zusammen habe ich sehr gerne Ich so du so: Alles super normal (Amazon Werbelink) und die Good Night Stories for Rebel Girls: 100 außergewöhnliche Frauen (Amazon Werbelink) gelesen.

Die Liste, der Bücher, die mich enttäuscht und gelangweilt haben, wäre ungleich länger.

Der ergreifendste Film?
Ich schaue so viele Filme, dass sich alle Storys miteinander vermischen. Sehr schöne Bilder habe ich noch von „Ewige Jugend“ im Kopf und sehr positiv überrascht hat mich tatsächlich „Wonder Woman“.

Warum gibt es keine Frage zu Serien?

Fleabag! Please like me! Ozark! This is us!

Die beste CD?
CD?

Das schönste Konzert?
Deine Freunde mit den Kindern – wobei nach wie vor unklar ist, wer in Wahrheit wen begleitet hat.

Die meiste Zeit verbracht mit…?
Job. Leider. Nicht dass ich ihn nicht mögen würde, aber wäre ich Millionärin, ich würde doch lieber andere Dinge tun.

Die schönste Zeit verbracht damit…?
Zu sehen, wie die Kinder selbständig und groß werden. Es ist wirklich ganz erstaunlich wie diese Dinger, die man doch kürzlich erst aus sich rausgepresst hat, einen plötzlich in Debatten in Grund und Boden reden.

Schön ist es auch, wenn ich den Kindern meinen infantilen Humor erläutere und sie mich dann peinlich finden.

Mit dem Partner hatte ich auch sehr schöne Zeiten. Z.B. wenn er Schuhe für die Kinder gekauft hat und ich nicht dabei war. Nein, ganz im Ernst. V.a. die Zeiten, die wir gemeinsam verbracht haben, waren sehr schön. Wir sind ein super Bärchen*, wie man in Franken sagen würde.

Vorherrschendes Gefühl 2017?
Zu wenig Zeit.

2017 zum ersten Mal getan?
Ein Getränk getrunken, in dem eine Scheibe Orange schwamm. Aufgrund meiner Obstphobie war mir das die letzten 42 Jahre leider nicht möglich. Aber ich befand mich in vornehmer Gesellschaft und da wäre hysterisches Geschrei und Geheule für die Anwesenden irritierend gewesen. Also habe ich mich zusammengerissen und das Getränk einfach getrunken. Dabei hatte ich die Orangenscheibe aber immer im Blick. Nicht dass sie meine Lippen berührt. Das hätte ich dann doch nicht verkraftet.

Ich fand mich sehr tapfer. Es hat aber mal wieder niemand applaudiert.

2017 nach langer Zeit wieder getan?
Job gewechselt.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
Bestimmte Dinge schreibe ich hier ja nicht. Mir fällt sofort etwas ein – war auch schon im Vorjahr und im Jahr davor und im Jahr davor verzichtbar – aber hey – manches ist eben Bestandteil des Lebens.

Ansonsten eindeutig: Kulturpessimismus in Form von spitzerisch angehauchter Mitelternmeinungen. „Früher haben wir noch mit Lehm gespielt und ganz dolle Spaß gehabt. Heutzutage sitzen die Kinder nur vor ihren Smartphones!11!“.

Nazis im Bundestag sind auch nicht so prall.

Die wichtigste Sache, von der Dich jemanden überzeugen wollte?
Ausschlafen kann auch schön sein. Wir verhandeln allerdings noch, ob ausschlafen gleichzeitig bedeuten sollte: länger als bis 7.45 Uhr schlafen.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Freiwillig Teil meines Lebens zu sein und auch die Dinge mitzutragen, die Mühe machen.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
„Für die Liebe genügt mir eine solide Körperhygiene.“

Wem gilt noch ein bisschen Extra-Liebe?
Dem Weisheits-Team. Ich liebe das Podcasten und ich liebe meine Mit-PodcasterInnen, die Treppenwitze und den Austausch. Ich weiß zwar nicht, warum wir HörerInnen haben (WEN INTERESSIERT DAS?), aber ich freue mich auch darüber.

2017 war mit einem Wort…?
Warum denn nur ein Wort?

Und ihr so?

 

*Pärchen zu Hochdeutsch

[Anzeige] Let’s talk – Programmierbares Spielzeug zu Weihnachten

Programmieren lernen
Mit was fängt man eigentlich am Besten an? Bild: kropekk_pl @pixabay

Gemeinsam mit SCHAU HIN! habe ich eine kleine Serie zum Thema Kinder und digitale Medien gestartet.

Im Zentrum meiner Serie sollen die Chancen, die (neue) Medien mit sich bringen, stehen und ich will beschreiben, wie wir als Familie im Alltag damit umgehen und gerne auch von Euch hören, wie ihr den Alltag mit Kindern und digitalen Medien gestaltet.

Risiken und Gefahren werden durch Kulturpessimisten aller Ausrichtungen zu genüge beklagt. Viele Eltern reagieren mit Unsicherheit und statt sich mit den einzelnen Themen auseinanderzusetzen, wird schnell mal ein Verbot verhängt.

Ich bin jedoch der festen Überzeugung, dass Verbote in Sachen Medienkonsum nichts bringen. Deswegen versuche ich mit meinen Kindern im Gespräch zu bleiben und Lösungen zu erarbeiten, die für uns beide alle passen. Das ist auch der Grund warum ich die Serie Let’s talk nenne.

Im achten Teil geht es um: Programmieren lernen

Der Einstieg ins Thema Programmieren lernen ist vielseitig

Weihnachten steht quasi vor der Tür und so stellen sich die ein oder anderen Eltern die Frage, was man schenken könnte, das den Kindern Spaß macht und irgendwie sinnvoll ist. Meine Empfehlung dazu würde lauten (sofern die Kinder schon lesen und schreiben können): ein programmierbares Spielzeug bzw. ein Spielzeug, das dem Kind das Programmieren beibringt.

In der Zwischenzeit gibt es davon sehr viele – mehr oder weniger kostspielige.

Zu den bekanntesten in Deutschland gehört zweifelsohne der Calliope. Nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert der etwas verspieltere Dash Roboter. Schon länger gibt es die programmierbaren Lego Mindstorms Roboter und auf der republica 2017 sind mir die Ozobots begegnet.

Programmieren lernen
Hier wurde nicht programmiert sondern ein Raumschiff gemalt, der Dash Roboter schaut nur zu

Sicherlich gibt es noch viele andere Hersteller und Varianten und ganz am Ende kann man Programmieren auch einfach mit einem Computer lernen. Ich hab mich z.B. irgendwann mit dem was mein C16 in den 1980ern an Spielen hergab gelangweilt und dann das dazu gelieferte BASIC Handbuch studiert und angefangen mir selbst kleine Spielchen zu programmieren. Später habe ich mich an Turbo Pascal ausprobiert und bin dann erst wieder mit Scratch* eingestiegen, weil wir das bei meinem ehemaligen Arbeitgeber gemeinsam mit den Mädchen am Girls‘ Day benutzt haben.

Was ich sagen will: Es gibt wirklich unzählige Einstiegsmöglichkeiten in das Thema Programmieren und (vielleicht noch wichtiger) nicht aus jedem Kind, das spielerisch ein paar Zeilen codet, wird ein/e Software-Entwicker/in.

Muss auch gar nicht.

Programmieren lernen bedeutet digitale Mündigkeit erlangen

Wenn man am Ende gar nicht Software entwickeln möchte, warum sollte man dann überhaupt programmieren lernen?

Ganz einfach: Weil man in der zunehmend digitalisierten Welt ein grundlegendes Wirk- und Weltverständnis erlangen kann und sich am Ende nicht ausgeliefert fühlen muss, sondern selbst mitgestalten kann und v.a. in der Lage sein wird, über Sinn und Unsinn bestimmter Anwendungen zu entscheiden.

Für mich ist nach wie vor nicht verständlich, dass Informatik nicht genau wie Deutsch, Mathe und Sachkunde schon im Grundschulalter vermittelt wird. Selbst an den Schulen, die Computer-Unterricht tatsächlich anbieten, handelt es sich zu 90% um eine Einweisung in gängige Windows-Produkte. Fragen Sie mal ein Grundschulkind welche alternativen Betriebssysteme es kennt. Ich würde wetten, die allermeisten wissen auf diese Frage keine Antwort, weil sie a) nicht wissen, was ein Betriebssystem ist und b) nicht wissen, dass es was anderes als Windows gibt.

Programmieren lernen mit dem Calliope mini
Calliope mini

Allein das ist schon ein Skandal. Sich aufregen, dass z.B. Calliope bestimmte Sponsoren hat, es dann aber völlig normal finden, dass Kinder über den Schulunterricht nur Windows-(Produkte) kennen. Aber das ist ein anderes Thema, das ich an dieser Stelle nicht weiter ausbaue. Ich empfehle hierzu den Blogbeitrag zum Thema digitale Bildungspolitik auf Spreeblick.

Um einen Schritt zurück zu gehen: Programmieren lernen ist in meinen Augen v.a. wichtig, weil Kinder dadurch zu digitaler Mündigkeit erzogen werden, oder wie es im Artikel von Netzpolitik zu Chaos macht Schule besser beschrieben ist:

[Chaos macht Schule wirbt in seinen Forderungen für eine zeitgemäße digitale Bildung an unseren Schulen] für ein umfassendes Verständnis von Digitalbildung: Nicht nur grundlegende Anwendungs- und Programmierkenntnisse, sondern Mündigkeit müsse das Ziel der Schulen in Hinblick auf Medien- und Digitalkompetenz sein. Kinder und Jugendliche müssten die Technik, die sie täglich nutzen, verstehen und hinterfragen können. Dazu zähle der reflektierte Umgang mit der wachsenden Informationsflut. Nur so könnten Phänomene wie das „Internet der Dinge“ oder selbstfahrende Autos tatsächlich von der ganzen Gesellschaft anstatt von kleinen Expertenzirkeln diskutiert werden.

Ziel einer entsprechenden Bildungsinitiative muss es sein, die Medienkompetenz und das Technikverständnis von Kindern und Jugendlichen so zu stärken, dass sie Spaß an den unterschiedlichen digitalen Geräten haben und gleichzeitig über Risiken, die solche Technologien mit sich bringen können, aufgeklärt werden.

Für alle Eltern, die in einer Sandwichposition sind, nicht selbst programmieren zu können und Kinder in diesem Bereich trotzdem fördern wollen, finde ich die oben im Text genannten „Spielzeuge“ sehr sinnvoll.

Sie sind eben so einfach, dass man sehr schnell gemeinsam mit den Kindern tolle Ergebnisse hinbekommt.

Das richtige Umfeld schaffen

Man muss schon etwas technikaffin sein, um nicht mit dem Anspruch Kindern das Programmieren beibringen zu müssen, obwohl man es selbst gar nicht kann, überfordert zu sein.

Ich habe erst letzte Woche auf die Musikschulaufgabe meines Kindes geschaut und nur Bahnhof verstanden. Neun Aufgaben und keine einzige hätte ich lösen können. Keine. Nicht mal im Ansatz. Ich kann keine Noten lesen und verfüge nicht mal über Grundkenntnisse, so dass ich mir irgendwas herleiten könnte.

Die Aufgaben der Arbeit zu lösen, hätte ich vermutlich mit aufwändigen Einarbeiten und Detailrecherche geschafft – allerdings steht da Aufwand zu Effekt in keinem sinnvollen Verhältnis.

So mag es Eltern geben, die sich eben für das ganze Thema Programmieren rein gar nicht interessieren.

Denen möchte ich allerdings zwei Sachen empfehlen:

  1. Schaut welche Initiativen es in eurem Umfeld gibt, die eure Kinder nutzen können.
  2. Schaut euch an, was Kinder erreichen, wenn sie den Einstieg in das Thema Programmieren erhalten

Initiativen, die euren Kindern helfen, Programmierlust zu entwickeln

Allen voran fällt mir da Jugend hackt ein:

Jugend hackt ist ein Programm zur Förderung des Programmiernachwuchses im deutschsprachigen Raum: Unter dem Motto “Mit Code die Welt verbessern” tüfteln die Teilnehmer/innen gemeinsam mithilfe von Open Data an Prototypen, digitalen Werkzeugen und Konzepten für ihre Vision einer besseren Gesellschaft.

Jugend hackt beantwortet auch die Frage „Wann kann ich da mitmachen?“ sehr detailliert. Mir gefällt an der Beschreibung besonders gut, dass auf der Seite Mut gemacht wird, dass es vielleicht heute noch nicht so weit ist, dass man sich an eine Teilnahme fürs nächste Jahr ranarbeiten kann. Hilfen auf dem Weg dorthin sind ebenfalls genannt.

Ein absolut toller Einstieg ist auch die Teilnahme an dem Junghackertag des Chaos Communication Congresses, der 2018 in Leipzig stattfindet. Zum Junghackertag könnt ihr mit euren Kindern kostenlos und dort bekommen eure Kinder Hilfe eines der angebotenen Projekte umzusetzen.

Wir waren vor zwei Jahren das erste Mal mit den Kindern dort und Kind 2.0 (Grundschüler) hat dort einen Pentabug gelötet. Seitdem ist das Eis gebrochen und wann immer es was zu löten oder programmieren gibt, Kind 2.0 ist dabei.

Ich hatte übrigens schon die Jahre davor versucht Kind 2.0 fürs Programmieren zu interessieren (per Scratch) – allerdings hat es da immer nur mit den Augen gerollt und sich sozial erwünscht 15 Minuten damit beschäftigt, bis es gefragt hat, ob es jetzt bitte endlich fertig ist.

Kind 2.0 ist eben eher „hands on“.

Wenn man rausgefunden hat, was dem Kind besonders liegt, muss man googeln. Berlin bietet da natürlich besonders viel (z.B. die Jugendtechnikschule am FEZ oder die CoderDojos oder das Fab Lab). Aber auch andere Städte haben einiges im Angebot. Schaut euch z.B. mal die Seiten von MINT Zukunft schaffen oder Start Coding an. t3n hat ebenfalls 13 deutschlandweite Initiativen zusammengestellt. In Berlin, Hamburg, München, Lippstadt und Frankfurt bietet die HABA Digitalwerkstatt spannende Kurse an.

Schickt eure Mädchen zum Girls‘ Day oder besucht gemeinsam mit euren Kindern das Computerspielemuseum, das Vintage Computing Festival, das Orbitall im FEZ, Technik Museen allgemein, die Technischen Sammlungen in Dresden. Nicht zuletzt kann ich den Chaos Communication Congress als ganze Veranstaltung wärmstens empfehlen.

Als wir das erste Mal unsere Kinder mit dorthin geschleppt haben, waren wir skeptisch – allein schon 4 Tage am Stück von morgens bis abends?

Ich zitiere an dieser Stelle mal Kind 3.0 (damals Kindergartenalter) nachdem wir um 11 Uhr gekommen waren und um 24 Uhr zum Aufbruch drängten: „Was? Warum denn jetzt schon???“

All diese Orte bringen euren Kindern nicht unbedingt das Programmieren bei, aber sie schaffen es zweifelsohne Technikbegeisterung und -interesse zu wecken. Das ist für mich der erste Schritt.

Wunder, die Kinder geschaffen haben, weil sie angefangen haben zu programmieren

Für mich ist jedes Mal aufs neue unbegreiflich, was Kinder erschaffen, wenn sie anfangen sich mit Technik auseinanderzusetzen und dann ihre eigenen Ideen umsetzen.

Dieses Jahr war ich z.B. bei der Preisverleihung des Deutschen Multimediapreises mb21. Dort werden Kinder und Jugendliche vom Vorschulalter bis ins Alter von 25 Jahren für ihre Projekte ausgezeichnet. Klickt die Seite der diesjährigen Preisträger/innen. Es ist wirklich unfassbar toll, was Kinder und Jugendliche da erschaffen.

Meine Highlights waren:

und der Film „We are watching you„.

Ähnliche Wunder sind auf den Seiten von Jugend hackt zu sehen. Schaut euch die mit euren Kindern an. Für Kinder ist es sehr motivierend und inspirierend zu sehen, was andere Kinder (er)schaffen.

Fazit: Deswegen unbedingt Spielzeug verschenken, mit dem Kinder Programmieren lernen können

Nicht jedes Kind muss Software-Entwickler/in werden, aber Programmieren lernen hilft Kinder zu digital mündigen Bürgerinnen und Bürger zu machen (und vermittelt andere Kompetenzen u.a. wie Problemlösungs­kompetenz, Frustrationstoleranz und Resilienz, Kreativität und Experimentierfreude, Teamfähigkeit, Kompromissbereit und Medienkompetenz und digital Citizenship)

Wenn ihr euch also fragt, ob irgendein programmierbares Spielzeug ein sinnvolles Geschenk zu Weihnachten sein könnte, lautet meine Antwort: ja.

Was besonders gut passt, müsst ihr von den Interessen eures Kindes ableiten. Meine Kinder hat Scratch in der Browservariante nicht interessiert. Die Mädchen, die ich anlässlich des Girls‘ Days kennengelernt hatte, waren vom Bildschirm nicht wegzubekommen.

Kind 3.0 mochte den Dash-Roboter und die Ozobots sehr, es möchte Ergebnisse in der analogen Welt sehen. Ein Roboter, der per Bewegungssensor die Mutter beim Reinkommen in die Küche durch ein fröhliches „Hallo Mama“ zu Tode erschreckt, findet es viel besser als ein Pong-Spiel, das es auf dem Rechner programmiert.

Kind 2.0 hingegen will verstehen und erschaffen. Deswegen baut es gerne aussortierte Technik auseinander und versucht parallel mit Bausets neues zusammenzubauen.

Für mich landet man am Ende wieder bei meinem ersten Thema der Reihe Let’s talk: Nicht wie lange, sondern was. Wenn sich die Kinder nämlich erschaffend und nicht konsumierend mit digitalen Medien auseinandersetzen, habe ich keinerlei Bedenken und käme auch nie auf die Idee zu rufen: „Jetzt ist aber Schluss! Eine halbe Stunde programmieren am Tag muss reichen!“

Wie seht ihr das?  Wo liegen die Interessen eurer Kinder und gibt es passendes Programmierspielzeug? Welche Dinge könnt ihr empfehlen? Benutzt ihr Apps, programmierbare Roboter, wo geht ihr mit euren Kindern hin? Gibt es vielleicht schon Brett- oder Kartenspiele, die helfen, das Programmieren zu lernen? Habt ihr schon gemeinsam mit euren Kindern Projekte umgesetzt (vielleicht im Bereich Home Automation?)?

Kommentiert einfach hier, teilt eure Medienmomente auf Instagram, bloggt selbst darüber, twittert oder schreibt auf Facebook. Wenn ihr eure Beiträge mit dem Hashtag #medienmomente markiert, können sie später eingesammelt und geteilt werden.

Weiterführende Links

Teil 1 von Let’s talk: Nicht wie lange sondern was
Teil 2 von Let’s talk: Messenger
Teil 3 von Let’s talk: Computerspiele
Teil 4 von Let’s talk: YouTube
Teil 5 von Let’s talk: Fernsehen und Streaming-Dienste
Teil 6 von Let’s talk: Hörwelten
Teil 7 von Let’s talk: Augmented Reality und Virtual Reality

 

*Ich höre die Augen rollen. Natürlich ist das kein Mastermind-Programmieren, aber es geht eben genau nicht darum, dass jede/r Software-Entwickler/in werden muss.

Früher war alles besser™

Bloggen ist eine wahre Gelddruckmaschine

Durch die Blogosphäre schleicht wieder das „Früher war alles besser“-Tierchen. In diversen Blogs, zuletzt im jawl-Blog lese ich wie beklagenswert es im Grunde doch sei, dass es einigen Bloggerinnen und Bloggern gelungen ist mit ihrer Bloggerei Geld zu verdienen.

Zugegebenermaßen fühle ich mich da angesprochen.

2004 habe ich angefangen zu bloggen. Ganz ohne Hintergedanken, einfach an der Lust zu schreiben und wahrscheinlich auch, weil ich ein Mitteilungsbedürfnis hatte und mein Freundeskreis schon alle Storys kannte.

Ich habe nie auf die Zugriffszahlen geschaut und war der festen Überzeugung, dass ich ungefähr fünf Leserinnen und Leser hätte.

2005 war ich dann sehr überrascht bei Zeit Online einen Preis gewonnen zu haben. Wer außer Mutti liest denn noch mit?

So entwickelte sich die Bloggerei. Ich war ein paar Mal im Radio, hab einige Vorträge gehalten, an einem Buch mitgewirkt, ein eigenes Buch geschrieben und irgendwann auch Geld mit Werbung verdient.

Buuuuhhhh!

Ich überspringe den „bloggen kostet auch Zeit und Mühe, wäre es da nicht schön, wenn man dafür entlohnt würde-Vortrag“ und weise nur auf eine Buchrezension, die mich doch sehr zum Lachen gebracht hat:

Ich liebe den Familienblog der Autorin (dasnuf.de), weswegen ich mir sofort nach Erscheinen das Buch der Autorin gekauft habe, in der Hoffnung auf neue, unbekannte und längere Episoden aus dem Leben von Frau Cammarata zu stoßen. Ich liebe ihre unkomplizierte Art zu schreiben und ihren Humor.

Leider kannte ich ca. 90% der Kurzgeschichten aus Ihrem Blog, den ich regelmäßig verfolge. Daher war das Buch in meinen Augen das Geld einfach nicht wert.

Da ist also jemand, der vielleicht seit 2004 mitliest. Über 2.500 Artikel kostenlos gelesen hat, sich daran mal mehr mal weniger erfreut hat, die ein oder andere Anregung mitbekommen hat und sich dann ärgert (damals) 8,99 Euro ausgegeben zu haben. Dafür dass es neue Geschichten, großartige Zeichnungen und ein Lektorat gab. OK.

(Das treibt mir umso mehr die Tränen der Rührung in die Augen, wenn ich daran denke, dass viele meiner Bloggerfreundinnen sich das Buch gekauft haben, obwohl sie ein kostenloses Rezensionsexemplar hätten haben können – aber so sind die Bloggerinnen eben – geldgierig!)

Ups, jetzt hab ich den Vortrag doch gehalten.

Apropos Zugriffszahlen. Ich habe irgendwann den Provider gewechselt und deswegen nicht alles lückenlos mitgebucht, aber seit 2009 hatte ich 4,5 Mio Seitenbesucher. Wenn ich da seit 2004 für jeden Klick 20 Cent bekommen hätte, nun, Sie dürfen mir glauben, ich hätte nie übers Werbungmachen nachgedacht.

Mal abgesehen davon kommt es vielen auch nicht in den Sinn, dass es in Sachen Vereinbarkeit kaum was besseres geben kann als mit dem Bloggen Geld zu verdienen.

Das kann man nämlich immer und überall, mit Baby und Teenagern, mit eins, zwei, drei und vier Kindern machen, mit gesunden Kindern und mit kranken.

(Hihi, ihr Influenza. Hahaha.)

Schön alle Bloggerinnen und Blogger über einen Kamm scheren. So ist fein.

Ich gebe mir zum Beispiel sehr große Mühe, sehr klar zu kennzeichnen. Auf Twitter verwende ich sogar ein Hashtag, so dass man die Werbebeiträge rausfiltern kann. Im Feedreader ist das Wort Werbung so deutlich in der URL, dass man einfach den Beitrag nicht klicken muss.

Dass dieses stetige – ih, die werben jetzt, wo geht sie hin, die Authentizität auch dazu beiträgt, dass manche davon absehen ordentlich zu kennzeichnen, das könnte ja auch mal einen Gedanken wert sein.

Dass es außerdem ein Privileg ist, es sich leisten zu können (zeit- und geldmäßig) kostenlos zu bloggen, wird ebenfalls nie erwähnt.

Denn entweder man ist die nicht ernstzunehmende Back- und Bastelmutti, die so dämlich ist kostenlos zu bloggen oder man ist das geldgierige, unauthentische Ekelwesen. Dazwischen gibt es nichts.

Ich verstehe diese Haltung nicht.

Auf der einen Seite soll ich bitte kein Geld verdienen, auf der anderen Seite wird gemeckert, weil mein Indie-Plugin nervt oder die Seite nicht für mobile Endgeräte optimiert ist. Das soll ich doch bitteschön mal fixen.

Tatsächlich gibt es Blogs von früher, die ich heute nicht mehr lese, weil dort nur Werbung zu lesen ist. So what? Muss ich mich deswegen theatralisch beschweren? (Mache ich nur, wenn es Schleichwerbung ist)

Es gibt außerdem ganz viele tolle neue Blogs, die es früher™ nicht gab.

Und es gibt etablierte Blogs, die Werbung machen, die ich total gerne lese. Weil ich nämlich sehe, dass sie nur dann eine Kooperation eingehen, wenn es passt.

Glänzendes Beispiel Susanne Mierau von geborgen-wachsen. Ich habe auch schon Dinge gekauft, die sie empfohlen hat. Hui! Werbung funktioniert.

Sie soll bitte ordentlich Geld verdienen, damit sie sich leisten kann auf immer und ewig weiterzuschreiben.

Das wünsche ich allen Blogs und Podcasts, die ich regelmäßig konsumiere.

Aber weil sich viele so anstellen, dass man teilweise Geld mit Blogs und Podcasts verdienen kann, wird in Zukunft eines passieren: Angebote werden hinter Paywalls verschwinden.

Da kann dann höchst authentisch weitergebloggt werden. Das haben sich die „Früher war alles besser“-Menschen dann redlich verdient.

(Ja, sorry, ich hatte ein Gefühl und bin jetzt maulig)

Jetzt muss ich aber in meinem Geldspeicher schwimmen gehen bzw.

Dieser Adventskalender darf gerne 1.000 Euro kosten

Je älter ich werde, desto größer mein Wunsch, dass Weihnachten einfach so aussieht: Im Kamin* brennt ein Feuerchen, die ganze Familie sitzt im Kreis, wir trinken Tee und Kakao und spielen Brettspiele.

Anstatt dessen soll ich konsumieren, konsumieren, Konsum verschenken und noch mehr konsumieren. Es ist völlig irrsinnig, was man alles kaufen soll. Weihnachtsschmuck, extra Dekokrempel, Adventskalender, Adventskranz, Weihnachtsbaum, Geschenke, Nikolausgeschenke vorher nicht zu vergessen.

Wenn ich auch sonst nicht sehr auf Müll bzw. dessen Vermeidung achte, so fällt mir dennoch auf, dass Weihnachten besonders ein Fest des Mülls ist. Die Tonnen an Süßigkeiten müssen plötzlich nochmal extra eingepackt werden und deswegen zum doppelten Preis verkauft werden.

Ja, ich werde bin eine alte Frau, die mit einem Krückstock fuchtelt.

Ich weiß auch nicht, warum mir die Adventskalenderbasteleien anderer Menschen Gefühle machen. Also auch mehr als anderer Konsum. Werde ich meine Therapeutin mal fragen. Aber besonders Weihnachten macht es mich aggressiv wenn mir die Timeline tolle Ideen für Adventskalender in die Timeline spült, die am Ende nicht nur 10 Stunden Bastelarbeit kosten, sondern deren Inhalt einen Wert von ungefähr 100 Euro hat.

Irgendwo im Internet ist mir eine Idee begegnet, die mir im Gegensatz dazu sehr gut gefallen hat: Der umgekehrte Adventskalender

Die Idee ist ganz einfach. Ihr sucht euch ein Projekt aus, das (Sach)spenden annimmt. Ein Kinderhospiz, das Spielsachen sammelt. Ein Flüchtlingsprojekt, das Hygieneartikel sammelt. Lebensmittel für die Stadtmission. Von mir aus Euromünzen für Netzpolitik. – ihr findet da bestimmt was.

Wichtig ist nur, dass man vorher schaut, was überhaupt benötigt wird.

Dann nehmt ihr eine Kiste und legt bis zum 24. Dezember jeden Tag eine Sache da rein. Zu Heiligabend spendet ihr das Ganze. Fertig.

Wohlstand teilen.

Umgekehrter Adventskalender


*ich hab nicht mal einen. Den müsste ich erst kaufen, hahahaha.

 

[Werbung] Mit der richtigen Vorbereitung stirbt man besser

Der Artikel ist eine Werbe-Kooperation mit CosmosDirekt

Risikolebensversicherung
Der Ruheforst, in dem ich beerdigt werde, soll gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sein // Foto: valiunic @pixabay

Der Tod gehört zum Leben dazu. Das übersieht man sehr gerne und den meisten geht es vermutlich wie mir: wenn er plötzlich wirklich da ist, ist man komplett gelähmt.

Bis Mitte 30 gab es keinen Tod in meinem Leben. Dann plötzlich fangen die Menschen mit dem Sterben an. Sie sterben unvorhergesehen bei Unfällen, in wenigen Wochen an schweren Krankheiten oder einfach aus dem Nichts heraus. Alle mein Alter – um die dreißig/vierzig. Einfach so. Weg.

Zurück bleiben Angehörige, die sich, obwohl sie eigentlich Ruhe brauchen und trauern wollen, um Formalitäten kümmern müssen.

Mir hat das zu denken gegeben. Was wäre, wenn ich sterbe? Wer muss sich um meine Angelegenheiten kümmern? Wie finden sie all die relevanten Unterlagen? Sind meine Kinder dann abgesichert?

Testament oldschool – am besten handschriftlich

Und was ist eigentlich mit einem Testament?

(Ich habe mir die nachfolgenden Informationen zusammengegoogelt. Sie stellen lediglich einen Serviervorschlag dar und sind nicht durch einen Bestatter oder Notar abgesegnet.)

Hat man bestimmte Wünsche, die vom gesetzlichen Standardvorgehen abweichen, lohnt es sich, ein Testament aufzusetzen.

Zum Beispiel: Meine Tagebücher aus Teenagerzeiten sind mit meinem Ableben bitte umgehend und ungelesen zu verbrennen. Sie hatten eigentlich den Zweck mir als alte Frau vor Augen zu halten, wie schön mein derzeitiges Leben im Gegensatz zu der frühen Adoleszenz ist.

Das muss man handschriftlich (ja wirklich, so mit Stift und so!) machen oder wenn man Lust hat, einem Notar ein bisschen Geld in den Rachen zu werfen, dafür dass er ein Standardvordruck aus seiner Schublade holt, dann bei einem Notar. Aber im Ernst: je nach Konstellation ist es tatsächlich sinnvoll einen Notar miteinzubeziehen.

Also – das Testament ist im günstigsten Fall:

  • handschriftlich verfasst,
  • klar formuliert,
  • und mit Datum und Ort unterschrieben.

Übersichtliche Listen erleichtern so einiges

Alles andere ist reine Fleißarbeit und wer Excel-Tabellen[1] wie ich liebt, der wird sogar Spaß haben, seinen Tod vorzubereiten.

Dort kann man fein säuberlich eintragen:

  • Versicherungen, die im Todesfall Geld auszahlen. Extra-Fleißbienchen, wenn man gleich Ansprechpartner und Versicherungsnummer dazu schreibt
  • Konten
  • laufende Verträge (das ist eine Menge! Strom, Gas, Internet, Telefon, Rundfunkbeitrag, Haftpflicht, Hausrat, Kreditverträge, Krankenkasse, Kranken- und Pflegezusatzversicherungen etc. pp.)

Zu der Excel-Tabelle sollte man griffbereit legen:

  • Geburtsurkunde,
  • Familienbuch, ggf. Scheidungsurkunde,
  • sowie Info, wo der Personalausweis sich normalerweise befindet.

Am Ende könnt ihr netterweise eine Checkliste von einer der zahlreichen Bestatter-Websites runterladen und ausdrucken.

Da steht drin was unmittelbar nach Eintreten des Todes und was innerhalb der ersten 36 Stunden zu tun ist. Dazu gehören zum Beispiel Infos an die Krankenkasse, die Rentenversicherung, die Lebens- und oder Unfallversicherungen sowie den Arbeitgeber. Es gibt tatsächlich Versicherungen, die nicht zahlen, wenn man nicht fristgerecht meldet! Auch nach der Beerdigung gibt es noch viel zu tun: dazu gehören ToDos wie laufende Zahlungen abbrechen, indem Verträge, Mitgliedschaften, Miete, Abos, Strom, Telefon etc. gekündigt werden.

Denkt auch an die Ausstellung einer Vorsorgevoll­macht. Wenn man nicht verheiratet ist und/oder die eigenen Eltern sich nicht kümmern können oder wollen, dann muss man einer anderen erwachsenen Person eine Vollmacht ausstellen, damit diese auf Konten oder andere Dinge zugreifen kann.

(Wenn ihr schon dabei seid, schreibt vielleicht auch auf, was mit euren Organen passieren soll, sofern die noch tippitoppi sind und weiterverwendet werden können.)

Vergesst nicht der Person, die am Ende die ganze Arbeit hat, ein fröhliches Goodie mit in die Unterlagen zu legen. Auch wenn man alles schön aufgearbeitet hat, ist es noch sehr aufwendig sich um alles zu kümmern.

Ohne Passwort kein Zugriff

In Zeiten des Internets sollte man auch nicht vergessen sich Gedanken um den digitalen Nachlass zu machen. Was soll mit Mail, Cloud-Inhalten, Blog, Instagram, Twitter, Facebook & Co. passieren? Wie kommen die Angehörigen eigentlich an all die Sachen ran? Hinterlegt Wünsche und Passworte.

Ich kann empfehlen, sich den Rechtsbelehrungspodcast zum Thema Digitaler Nachlass anzuhören.

Bei mir ist am Ende ein ganzer Ordner zusammengekommen. Den kann man übrigens wunderbar an den- oder diejenige übergeben, der/die sich im Fall der Fälle kümmern soll. Dann muss der/die nicht suchen und meistens hat die Übergabe den Effekt, dass diese Person sich ein bisschen freut, dass man noch lebt und das z.B. durch eine Einladung zu einer Pizza zum Ausdruck bringt.

Finanzielle Absicherung ist eine Überlegung wert

Abgesehen von all den Formalitäten ist es außerdem eine Überlegung wert, ob man zu Lebenszeiten eine Risikolebensversicherung abschließen möchte. Ich habe das schon vor einigen Jahren gemacht, schließlich habe ich Kinder, die nicht in finanzielle Not kommen sollen, wenn ein Elternteil stirbt.

CosmosDirekt bietet entsprechende Produkte an.

Besonders empfehlenswert ist der Abschluss einer Risikolebensversicherung übrigens wenn nur ein Elternteil arbeitet. Das ist in Deutschland nach wie vor ein gern gewähltes Versorgungsmodell. Beim Wegfall des Alleinverdieners ist mit Witwen- und Halbwaisenrente wirklich kein Blumentopf zu holen. Erst recht nicht, wenn man sich noch Eigentum zugelegt hat und deswegen verschuldet ist. Da ist der Tod des Alleinverdieners wirklich absolutes Worst-Case-Szenario.

Ich empfehle deswegen ganz generell sich da mal Gedanken über das Lebensmodell sowie die Absicherung zu machen. In Sachen Risikolebensversicherung könnt ihr auf den Seiten von CosmosDirekt mal ausrechnen, was euch das im Monat kosten würde. Ich bin dort selbst nicht Kundin, Focus Money (Ausgabe 19/2017) bescheinigt aber „Besten Risikoschutz“.

Die Stiftung Warentest empfiehlt z.B. als Summe das drei- bis fünffache des Bruttojahreseinkommens abzusichern.

Ich hab beim Zusammenstellen der Unterlagen ein bisschen geweint. Ich fände es ja schade jetzt schon zu sterben. Andererseits ist es doch ein gutes Gefühl meine Angehörigen nicht alleine mit all den Pflichten zu lassen und natürlich konnte ich noch ein paar Superwitze in die Unterlagen einarbeiten.

Welche Hashtags bei meiner Beerdigung zu verwenden sind, habe ich im Artikel „Mein analoger Tod“ zusammengestellt.

Empfehlenswert ganz allgemein zum Thema Tod und Bestattung übrigens das Bestatterweblog und der YouTube-Kanal „Sarggeschichten„.


[1] Gnumeric und Calc geht auch!