Sie sind unter uns – CDU WählerInnen

In einem überzeugenden Artikel analysiert Felix die Frage, wer diese CDU Wähler sind und warum sie CDU wählen. Für mich auch eine interessante Fragestellung, denn ich kenne wirklich niemanden, der mir gegenüber zugibt, die CDU gewählt zu haben. Er stellt dabei mehrere Thesen auf. Das Wahlergebnis zeige z.B. dass „die deutschen mehrheitlich zufrieden mit der regierungspolitik [seien] und kein allzu grosses bedürfnis nach veränderung verspüren.

Zufällig war ich die Person, die bei just diesem Mittagessen „forderte“, die Menschen müssen besser aufgeklärt werden über diverse Missstände und dann würden sie auch anders wählen.

Felix ging dabei auf, dass „aufklärung genau das ist, was die meisten menschen noch weniger gerne haben als veränderung.“ Er vertiefte seine These und war ein bisschen begeistert von seiner eigenen Erklärung. Er redete von den Bauern in der Röhn, den bestimmte Probleme gar nicht interessierten und am Ende war klar: „so traurig das klingt, aber mehrheitlich lassen sich viele menschen wohl eher von einer PKW-maut für ausländer (sprich östereicher und schweizer) berühren oder sich von unions-spindoktoren einreden, dass die grünen für spiessige bevormundung stünden. dass die CSU-regierung in bayern gleichzeitig für eins der strengsten nichtrauchergesetze im lande verantwortlich ist, stört die aufregung dann kaum

Unterm Strich sei keine Aufklärung oder bessere Vermittlung sondern emotionale Aufladung der Themen nötig.

Ich bin im Laufe der Diskussion verstummt, weil ich meine Gedanken nicht richtig ordnen konnte. Viele Punkte an der Argumentation haben mir nicht gefallen.

Der erste ist, dass 41,5% CDU-WählerInnen nicht bedeutet, dass die Mehrheit aller Deutschen mit der Regierungspolitik zufrieden sind. Egal wie man es nachrechnet, der Satz stimmt so erstmal nicht. Das ist aber auch egal, denn mir geht es um etwas anderes. Felix Artikel analysiert warum Menschen die CDU wählen.

Ich glaube, sie tun es aus unterschiedlichen Gründen. Der gewichtigste Grund scheint mir, dass die meisten Menschen gar nicht ein Partei(programm) wählen, sondern eine Person und diese Person ist Angela Merkel. Sie entscheiden nicht zwischen den unterschiedlichen Positionen. Das erklärt für mich übrigens gleichzeitig warum die Piraten trotz moderner und guter Inhalte nicht in den Bundestag eingezogen sind. Sie hatten einfach keine (kompetenten und deutlich sichtbare) Personen, die man wählen konnte. Sie haben bewusst Inhalte vor Personalien gestellt und sind damit gescheitert.

Die Hauptformate der Medien unterstützen dieses – ich weiß nicht wie ich es nennen soll – Irrverhalten der WählerInnen (?). Formate wie das Kanzlerduell suggerieren, es gäbe eine Art Direktwahl – man entscheide sich für eine Person. Hinterher findet man die Merkel super oder den Steinbrück doof oder umgekehrt. Bewertet wird die Person, nicht das was sie sagt. Also für mich lautet These 1: Es werden Personen und nicht Inhalte gewählt. Die Aufmachung des Wahlkampfes unterstützt dieses Wahlverhalten.

Wer kennt sich schon so detailliert mit Parteiprogrammen aus, dass er in der Wahlkabine wirklich an Inhalte und nicht an die Person, die ihm durch Zeitung und Fernsehen bekannt ist, denkt? Letztendlich gibt es ohnehin keine Garantie, dass das was in den Wahlprogrammen steht, irgendeine Umsetzung in der Realität findet. Angela Merkel ist Paradebeispiel für Positionswendungen.

Meine zweite These ist sowas in der Art wie: ein Großteil der heutigen Probleme ist so komplex weil wir in einer globalisierten Welt leben, dass sie kaum in ihrer Gänze zu verstehen sind. Diese Themen mögen wichtig sein, jedoch sind sie kaum vermittelbar – v.a. hinsichtlich ihrer langfristigen Auswirkungen auf das eigene, kleine Leben.

Parteien, die sich dieser Themen annehmen, müssen das sehr geschickt tun. Ein Beispiel ist die NSA-Affäre. Den von Felix zitierten Bauer in der Röhn interessiert die anlasslose Internetvollüberwachung nicht. Was ihn aber interessieren könnte ist, ob sein Postgeheimnis gewahrt wird oder ob sein schwer erarbeitetes Einfamilienhaus auf Google Streetview für jedermann zu sehen ist. Die Wahlaktion der Piraten geöffnete Briefumschläge in Briefkästen zu werfen und damit das Thema aufzugreifen, halte ich für ein sehr gelungenes Beispiel.

Wenn also bestimmte, komplexe Themen aufgegriffen werden, dann muss das auf eine einfache Art passieren. Natürlich hat Felix recht, wenn er sagt, dass die (wenigsten) Menschen Bedarf nach Aufklärung haben – jedenfalls wenn es sich um komplexe, tiefgehende Analysen in Form abendfüllender Arte-Themenprogramme geht. Allerdings gibt es in der globalisierten Welt sehr viele dieser Themen. Die Überwachung durch die NSA und die Euro-Politik sind nur einige der Themen, die man an dieser Stelle nennen könnte. Komplexitätsreduktion ist für diese Themen sehr wichtig. Dann klappt es auch mit der Aufklärung.

Meine dritte These lautet: Die Parteien brauchen ein eindeutiges Profil. Nicht jede Partei kann für alles stehen. Es sind Schwerpunkte heraus zu arbeiten und in diesen Schwerpunkten kann dann auch Kompetenz vermittelt werden. Dabei gibt es auch sowas wie Traditionen. Dass ich im letzten Wahlkampf von den Grünen v.a. in Sachen Steuerpolitik und kaum in Sachen Umweltschutz und Familienpolitik gehört habe, lässt mich verwundert zurück.

Mein Fazit ist deswegen: Der Sieg der CDU ist eher als Versagen der anderen Parteien zu deuten.

Je mehr ich darüber nachdenke, desto seltsamer finde ich das. Vielleicht ist das doof, aber ich sehe da eine Parallele zum Social Media und Online-Marketing. Auch hier braucht man eindeutige Zielgruppen und man ist schon lange von der Arroganz weg, zu glauben ALLE Menschen gleichermaßen zu erreichen oder dass sich die Menschen für die Firmen oder deren Produkte eben zu interessieren haben. Die Richtung hat sich vom klassischen Push der Informationen zum Pull durch die Interessenten gewandelt. Es müssen Inhalte erstellt werden, die interessieren UND es müssen wechselseitige Beziehungen aufgebaut und gepflegt werden. Es reicht eben nicht mehr Pressemitteilungen und Newsletter zu verschicken. Aber genau das (so mein Empfinden) haben die unterschiedlichen Parteien im Wahlkampf weiterhin gemacht. Der Punkt ist doch: Wahlkampf ist nicht gleichzusetzen mit der Politik, welche die vier Jahre dazwischen betrieben wird. Es geht ums kurzzeitige Mobilisieren, um Meinungsbildung und vielleicht haben sich da herkömmliche Wege langsam überholt?

Ich weiß es ja auch nicht. Aber ich finde es seltsam wenn kurz nach der Wahl alle erklären können, wie es zu dem Ergebnis kam und es dann bei dieser Analyse bleibt. Wichtig wäre doch das Weiterdenken?

Vielleicht verlangt unsere heutige Zeit wirklich eine ganz andere Infrastruktur? Vielleicht würde sich auch die Wahlbeteiligung verbessern, wenn man sich im Wahlkampf mehr von den Top-Down-Ansätzen verabschieden würde und dazu übergeht die (Partei)Basis zu involvieren. Es braucht wohl eine ausgewogene Mischung.

Ich finde jedenfalls nicht, dass das emotionale Aufladen von Inhalten (MAUT! VERGGIEDAY!) der einzige Weg zu einem Wahlerfolg ist und sein sollte. Ich würde mir wirklich wünschen, dass das Wahlergebnis für die nicht CDU Parteien Anlass wäre, wirklich mal neu zu denken und nicht immer mehr von dem selben zu machen. Denn es hat sich nun ausreichend gezeigt, dass mehr eben nicht mehr hilft.

 

47 Gedanken zu „Sie sind unter uns – CDU WählerInnen“

  1. Moin,
    die Wahl ist doch im Moment nur die zwischen Pest und Cholera. Ich empfinde es als großes Manko, dass unser Wahlrecht keine Enthaltungen zuläßt. man kann nur ungültig (ändert nichts) oder nicht wählen (ändert auch nichts).
    Wenn Stimmenthaltungen möglich wären könnte die Wahlbeteiligung wieder steigen, da man seine Unzufriedenheit ausdrücken könnte.
    Utopisch gesehen sollten Enthaltungen auch Mandate erhalten, welche bei jeder Sitzung durch zufällig ausgesuchte Wahlberechtigte besetzt würden. Dann könnte Politik wieder Spaß machen.

    LG
    Ingo

  2. Was ich immer noch nicht verstehe ist , warum so viele Leute immer noch die CDU gewählt haben.Für den Zeitarbeiter , den Rentner , den Turboabiturienten und viele andere ist es doch die letzten 8 Jahren nur immer schlechter gelaufen.Die Guttenbergaffäre ist scheinbar auch überraschend schnell vergessen worden , gabs den überhaupt mal ?
    Ich kann mich gar nicht erinneren ,dass die CDU überhaupt versucht hätte mich zu überreden , es gab auch keine grossartigen Wahlversprechen ,zudem hatte ein gewisser Peer S. scheinbar die ganze Zeit den Auftrag , der CDU immer neue Wähler zuzutreiben.Für mich bleibt dieses Wahlergebnis nebulös und ich habe ein mulmiges Gefühl , was da in den nächsten 4 Jahren auf uns zukommt.

  3. Unser Haushalt hat nicht gewählt, wir dürfen aber auch nicht. Die meisten leute it denen ich gesprochen haben fragen sich, wie es passieren konnte, bei einigen von ihnen bin ich mir aber nicht sicher, ob sie nicht vielleicht selbst dafür gesorgt haben. ;-)

  4. OK, dass mehr Personen und weniger Inhalte gewählt werden, das ist schon klar. Aber das erklärt doch überhaupt gar nicht, warum „die Menschen da draußen“ Angela Merkel wählen. Wieso tun sie so? Angela Merkel steht bei mir für Stillstand, Wendehals, aussitzen und Ministerverschleiß. Weder bezieht sie eindeutig Stellung, noch wirkt sie für mich nach außen irgendwie repräsentativ. Eigentlich macht sie doch nichts anderes als weiland Helmut Kohl – an der Macht bleiben und nichts tun. Dass die Menschen nicht an Aufklärung interessiert seien, kann ich auch nicht bestätigen. Leider nur versuchen es die Parteien auch gar nicht. Ich habe selten eine Wahl erlebt, bei der Positionen so eindeutig waren. Das muss man den Leuten aber auch vermitteln.

  5. Deine erste These, dass die Medien dieses „Mensch wählen und nicht Inhalte“ unterstützen empfinde ich genauso. Ich habe mich am Wochenende erst mit meiner Freundin darüber unterhalten, dass die meisten wohl nicht die CDU sondern Merkel gewählt haben. Und dass gerade das Kanzlerduell dazu beiträgt, wahrscheinlich wissen viele gar nicht wie das Wahlsystem aufgebaut ist. Zumindest beschleicht einen das Gefühl.

    Ich persönlich wähle Inhalte, weil ich mir Personen nie merken kann und mir das auch irgendwie egal ist ob da Frieda Müller oder August Schmidt sitzen. Ich unterstelle mal, dass sie die Ziele ihrer Partei unterstützen.

  6. auch wenn ich in 20 Jahren Wahlberechtigung noch nie die CDU/CSU gewählt habe, kann ich die Argumente der Wähler (oder die Stimmungslage derer, die sich mit Argumenten weniger befassen) durchaus nachvollziehen – was wohlgemerkt vor einigen Jahren noch unvorstellbar war für mich.

    Argument 1 (kritische Selbstreflexion)
    Zum einen sollte der links-grün-liberale Großstadtbewohner kritisch reflektieren , dass es zwar schön ist, sich seiner progressiv-elitären Geisteshaltung immer wieder aufs neue zu vergewissern, aber er tut dies in der Regel in einem Umfeld (Medien, Kollegen, peer group, filterbubble), das exakt diese Geisteshaltung wieder und wieder bestätigt und die Überzeugung von der eigenen Meinung potenziert (genau das selbe macht natürlich auch der im Artikel zitierte Bauer von der Rhön, der Freitags am Stammtisch in der Dorfwirtschaft über die grünen Ökofaschisten und weltfremde Akademiker wettert). Aber gerade bei denjenigen, die sich am meisten ihrer liberalen und aufgeklärten Gesinnung rühmen, findet der Disput und die Kontroverse offensichtlich nur innerhalb der Blase und unter Ausschluss der Andersdenkenden (also der spiessigen CDU-Wählern aus der Vorstadt) statt. Aber auch wenn diese Geisteshaltung in den Medien und im Netz als Mainstream wahrgenommen wird, muss man realisieren, dass es eben nicht der Mainstream ist.

    Argument 2 (Kompentenz)
    Ein Argument kommt m.E. zu kurz in dieser Diskussion. Zwar wünschen sich viele eine rot-grüne-Republik ohne Mutti, aber keiner stellt sich die Frage, ob das Personal auch kompetent genug wäre. Dagegensein ist immer einfach und die Opposition nährt sich davon, dass man ohne realpolitische Einschränkungen die eigenen Überzeugungen einfordern kann, ohne dafür gerade stehen zu müssen (aka Strafe des Wählers). Natürlich bin ich mir bewusst, dass gerade dieser Umstand wesentlicher Teil unserer parlamentarischen Demokratie ist und eine Regierung immer nur so gut ist, wie die Opposition, welche die Regierung überwacht / korrigiert / vor sich her treibt. Ich bin z.B. davon überzeugt, dass die Grünen in den Oppositionsjahren allein durch die Plattform Parlament und die Medienpräsenz womöglich mehr erreicht haben als in der Regierung. Zurück zum Thema: ich glaube schlicht und ergreifend, dass die meisten Wähler den Oppositionsparteien und vor allem deren Führungspersönlichkeiten das regieren handwerklich nicht zutrauen, im Einzelfall sicherlich vollkommen zurecht. „Macht es doch erst mal besser als Mutti!“ lautet das Credo. Man stelle sich nur mal vor, ein Bündnis aus SPD/GRÜ/LINKE und PIRATEN schickt einen Finanzminister einer der bedeutendsten Volkswirtschaften, der in seinem ganzen Leben nichts mit Finanzen zu tun hatte, zum EUGipfel. Will man das ? Viele Mittelständler und Unternehmer wählen CDU -warum ? Weil die genauso denken: mache ich denjenigen zum Chef, der tolle progressive Ideen hat, die womöglich nicht umzusetzen sind mangels Partner oder mangels Geld ? oder soll derjenige Chef bleiben, der den Laden in den letzten 4 Jahren ganz ok geführt hat, zumindest besser als viele andere (zB Rest-Europa). ? Das mag man nun als konservative Besitzstandswahrerdenke diskreditieren, aber dass viele Menschen in diesem Land so denken (siehe schwarze Landkarte), kann man eben nicht leugnen.

    Argument 3 (Helmut Kohl)
    Auch wenn man der CDU vorwerfen mag, sie biedere sich an und stehle den anderen Parteien (vor allem den armen Grünen) die Themen, so muss man zugeben, dass die Merkel-CDU nicht mehr die Kohl-CDU der 80er Jahre ist, als auch ich diese Partei als politischen Arm reaktionärer und kirchentreuer Rentner vom Lande wahrgenommen habe. Die CDU ist moderner, grüner, weiblicher, liberaler geworden und hat den Wandel in der Gesellschaft mit Verzögerung auch in der Partei umgesetzt. nennt es opportunistisches Fähnchen-nach-dem-Wind-drehen, aber die CDU erfüllt daher für viele Wähler tatsächlich die Kriterien einer „Volkspartei“ (das zeigen auch die Analysen über die Verteilung der Wähler über Alter, Berufe, Schichten usw.).

  7. Aus meiner Sicht sind Analysen des Wahlverhaltens der Deutschen nutzlose Bisse in den eigenen Schwanz. Einfach deshalb, weil man um zu wählen eine Wahl haben muss. Das deutsche System bietet die aber nur theoretisch. In der Praxis darf ich alle 4 Jahre meine Stimmen anderen geben, damit sie die Dinge in meinem Sinne regeln (weil ich selbst zu blöd bin?). Wenn meine Stimme zählen soll, muss ich eine der etablierten Gruppierungen aussuchen und „wähle“ damit im Grunde ein „weiter so“. Wenn ich aber mit meiner Stimme etwas ändern will, müsste ich mein Kreuz bei nicht etablierten Parteien machen, wissend, dass meine Stimme sich mit hoher Wahrscheinlichkeit irgendwo unter der 5%-Hürde dematerialisiert. Und selbst, wenn die 5%-Hürde im ersten Anlauf geschafft würde, müsste ich weitere 4 – 12 Jahre investieren bis meine Stimme einen effektiven Einfluss hätte.

    Die Lösung? Einfach mal einen Ausflug in die Schweiz machen: Bottom-up statt top-down.

  8. So ganz verstehe ich diese Debatte der Netzcommunity nicht. Ich kenne schon berufsbedingt viele Wähler von CDU und CSU. Die meisten sind nicht – was vielfach in Blogs unterstellt wird – unaufgeklärt oder dumm, sondern sind mit den herrschenden Verhältnissen schlicht im Großen und Ganzen zufrieden. Ich teile diese Einschätzung nicht, finde es aber auch reichlich arrogant, diese Haltung nicht als „anders“, sondern als „falsch“ zu beurteilen. In der Tat hat die Regierungslinie gegenüber SPD und Grünen Vorteile, wenn man ein bürgerliches Lebensmodell lebt, gut verdient und ein bisschen Vermögen besitzt. Das Interesse am Erhalt des Status Quo kann man egoistisch finden, aber es ist nicht schlechthin unvernünftig.

    1. Ich hab auch bei Journelle geschrieben, dass ich nichts davon gelesen habe, dass CDU WählerInnen als dumm hingestellt werden. Mir gehts wirklich ums Motive verstehen und auch darum zu verstehen, was andere Parteien besser machen können. Wahrscheinlich in letzter Konsequenz tatsächlich weil ich persönlich denke, dass langfristig solidarischere und freiere Modelle die sinnvolleren sind und zwar obwohl ich genau zu dieser von Dir beschriebenen Gruppe der gut Verdienenden mit bürgerlichem Lebensmodell gehöre. Und tatsächlich finde ich eine Meinung über richtig und falsch zu haben nicht arrogant. Wenn ich keine Vorstellung davon hätte, dann könnte ich gar nicht wählen gehen. Ich gehe davon aus, dass CDU-WählerInnen sich auch so entscheiden, weil sie es richtig finden.

      1. Ich nehme an, der Hund liegt in den Worten „frei und solidarisch“ begraben. Ich nehme nämlich durchaus an, dass auch der konservative Wähler Freiheit und Solidarität super findet und meint, dass er eine langfristig sinnvolle Wahlentscheidung trifft. Er subsumiert nur etwas anderes darunter: „Freiheit“ mag für den einen etwas mit Freiheit von staatlicher Überwachung zu tun haben. Für den anderen meint Freiheit viel eher das Recht, gehobene Positionen frei von staatlicher Weisung ausschließlich mit weißen, kinderlosen Männern der westdeutschen Oberschicht besetzen zu dürfen. Oder die Freiheit, kostenlos so viel Treibhausgas emittieren zu dürfen, wie er will. Und Solidarität bezieht der eine auf alle lebenden und künftigen Menschen. Ein anderer sieht als Solidargemeinschaft nur die Familie oder nur die Deutschen mit acht deutschen Urgroßeltern. Das sind unterschiedliche Konzepte, die einem mehr oder weniger sympathisch erscheinen mögen. „Falsch“ im Sinne von „unzutreffend“ sind die meisten Konzepte aber vermutlich nicht.

  9. vor mir im wahlbüro war ein etwa neunzigjähriger, der sich zweimal verkreuzt hat, und nach mir kam eine fünfköpfige familie, denen der wahlleiter erklären musste, wofür erst- und zweitstimme da und warum in hessen zwei wahlzettel auszufüllen sind. auch meine großmutter, 86, die sich sehr für politik interessiert, hat sich extra viel zeit beim und lesen und ankreuzen gelassen, aus angst, dass sie einen fehler macht (da ist es dann wiederum von vorteil, dass die cdu immer ganz oben steht, denn in der ersten reihe, nein, da würde meine oma nie ein kreuzchen machen). ich glaube, die zahl der menschen, die gar nicht so recht wissen, was sie da tun, aus tatterigkeit, zuviel respekt vor dem wahlzettel, mangels übung oder anderem, ist auch nicht zu verachten. da ist denn sicher einfach, das bekannte oder das oberste zu wählen.

    1. huch, entschuldigung! das ist ja kaum zu lesen. wo war mein kopf?! nochmal:

      vor mir im wahlbüro war ein etwa neunzigjähriger, der sich zweimal verkreuzt hat, und nach mir kam eine fünfköpfige familie, der der wahlleiter erklären musste, wofür erst- und zweitstimme da sind und warum man in hessen zwei wahlzettel ausfüllen soll. auch meine großmutter, 86, die sich sehr für politik interessiert, hat sich viel zeit beim lesen und ankreuzen gelassen, aus angst, dass sie einen fehler macht (da ist es dann wiederum von vorteil, dass die cdu immer ganz oben steht, denn in der ersten reihe, nein, da würde meine oma nie ein kreuzchen setzen). ich glaube, die zahl der menschen, die gar nicht so recht wissen, was sie da tun, aus tatterigkeit, zuviel respekt vor dem wahlzettel, mangels übung oder anderem, ist auch nicht zu verachten. da ist es dann sicher einfacher, das bekannte oder das oberste zu wählen.

  10. Mir fällt gerade ein, dass ich vielleicht sogar eine CDU-Wählerin kenne. Möglicherweise. Eventuell. (Ansonsten ist sie aber eigentlich ne Nette.) Sie erklärte mir jedenfalls mal, dass sie des Merkels „Verwalten“, also dass, was ich gemeinhein als Wendehalsigkeit betrachte, besser findet als das typische Politikergekeife. Laut ihrer Einschätzung höre sich Merkel die verschiedenen Meinungen zu einem Thema an und treffe dann nach erst nach einiger Zeit eine Entscheidung. Abstrahiert auf das Heer an CDU-Wählern klingt das für mich so, als sei man sich der Herausforderungen der nächsten Jahre noch überhaupt nicht bewusst, die man eben nicht Aussitzen kann sondern aktiv gestalten muss. Oder man möchte das verdrängen und den eigenen Status Quo solange wie möglich erhalten.

  11. Meine Mutter (73) hat wahrscheinlich CDU gewählt.

    Ich habe dieses Mal Piraten aber auch schon SPD, FDP, Grüne, CDU und Freie Wähler gewählt.

    Eine Freundin ist Stadträtin für die CDU. Sie stammt aus dem Ruhrpott und war schon immer CDU-Mitglied. Sie ist bekennende Atheistin, sozial, modern, patent. Ihre Kinder waren im Waldkindergarten, ernährt sich bewusst, war schon immer gegen Atomkraft. Sie engagiert sich in der Schule ihrer Kinder. Sie ist Beamtin im Hessischen Umweltministerium. Sie will etwas bewegen, deshalb engagiert sie sich politisch. Sie sagt immer scherzhaft, sie sei die innerparteiliche Opposition.

    Viele haben sich auf den letzten Metern auch noch kurzfristig für die CDU entschieden, weil es doch besser ist, bei den Gewinnern zu sein.

    1. „Viele haben sich auf den letzten Metern auch noch kurzfristig für die CDU entschieden, weil es doch besser ist, bei den Gewinnern zu sein.“

      Also ich bin eigentlich immer sehr froh, wenn die von mir gewählten Parteien in der Opposition landen. Dann muss ich mich nicht schuldig fühlen, wenn auf politischer Ebene mal wieder alles gegen den Baum läuft. Nicht meine Regierung, nicht meine Kanzlerin.

  12. Ich habe mich die ganze Zeit über gefragt, welche Wirkung der Plakatewald eigentlich haben soll – glaubt wirklich jemand, je mehr Plakate die jeweilige Partei aushängt, desto mehr Wählerstimmen würde sie kriegen???
    Und wenn ich dann die Kandidaten meines Wahlkreises im Internet aufsuche, und da auch nur das inhaltslose Werbe-blabla finde – was soll mich eigentlich dazu bewegen denjenigen zum Vertreter meiner Meinung zu machen?
    Ich glaube, dass sich der Wahlkampf verändern muss – hin zu mehr Inhalt und weniger blabla – nur dann können mehr Wähler zum Wählen motiviert werden und nur dann kann eine gewählte Regierung auch die Meinung der Mehrheit vertreten und man hätte wieder das Gefühl, wirklich etwas bewegen zu können.

    1. Also bei der letzten Landtagswahl in Sachen hatte die Tierschutzpartei unglaublich viel plakatiert und war dann mit 2% zumindest die Stärkste unter den sonstigen Parteien, obwohl sie normalerweise nur 0,2-0,5% der Stimmen bekommt. Damit bekam sie ab da auch staatliche Zuschüsse zur Parteienfinanzierung. Zumindest für die Kleinparteien, die noch nicht jeder Wähler kennt, scheinen sich Plakate also durchaus zu lohnen.

      1. hm – von den kleinen Parteien habe ich hier in meiner Provinz kein einziges Plakat gesehen- die Laternenpfosten waren alle schon mit den großen besetzt.

  13. Ohne deine Analyse deshalb in Bausch und Bogen verdammen zu wollen: Dein Eindruck des Wahlkampfes stimmt meines Erachtens nicht mit der Realität überein. Die Kandidaten und die Parteibasis sind zumindest in Wahlkampfzeiten sehr nah an den Bürgern dran und versuchen, an Wahlkampfständen oder bei Flyer-Aktionen mit der Bevölkerung ins Gespräch zu kommen. Auch zwischen den Wahlen bieten eigentlich alle Abgeordneten Bürgersprechstunden an, haben ein Büro in ihrem Wahlkreis als Anlaufstelle und organisieren diverse Veranstaltungen zu politischen Themen (zumindest links der Mitte ist das Usus). Viele Abgeordnete nutzen auch schon Social Media, so dass ein Informationangebot auch daheim durchaus da ist. Es wird nach meiner Wahrnehmung nur nicht vom Bürger abgerufen. Die Sueddeutsche hatte dazu am Wahlabend einen Artikel: http://www.sueddeutsche.de/politik/bundestagswahl-von-wegen-langweilig-1.1776834

    Ansonsten nur ein paar lose hingeworfene Gedanken: Ich tue mich schwer mit der Behauptung, Personen (in der Mehrzahl) spielten eine Rolle. Denn ich zumindest kannte die Wahlkreiskandidaten, die ich mit meiner Erststimme wählen konnte, keinesfalls. Und ich gehe davon aus, dass es vielen so geht. Gewählt wird also nicht nach Personen, sondern nach einer Person – dem Spitzenkandidaten oder Kanzlerkandidaten. Davon ab gebe ich dir in dem Punkt recht, es ging nicht um CDU oder SPD, sondern um Änschie gegen P€€r (gegen Rainer, gegen Jürgen, gegen Gregor – aber selbst das wird ja immer unter den Tisch fallen gelassen).

    Ein Aspekt, der mir noch zu kurz kommt, ist die Gewohnheit und die soziale Norm. Viele Menschen wählen eine Partei, weil sie die schon immer gewählt haben. Weil die Eltern sie vielleicht schon immer gewählt haben. Oder weil man diese Partei eben wählt, in den Kreisen in denen man sich bewegt oder an dem Ort, an dem man lebt (Stichwort CSU). Ich glaube, dieser soziale Druck ist bei der normalen Urnenwahl sogar größer als bei der Briefwahl. Ich habe schon öfter davon gehört, dass Menschen sich in der Wahlkabine noch einmal umentschieden haben und letztlich etwas anderes gewählt haben als sie eigentlich wollten. Auch wenn die Wahl natürlich geheim ist, könnte ich mir durchaus vorstellen, dass schon die Anwesenheit anderer Personen den Konformitätsdruck erhöht und dadurch am Ende das Wahlergebnis beeinflusst. Leider habe ich bisher noch keine Statistik gefunden, die das Wahlverhalten von Brief- und Urnenwählern auf Wahlkreisebene aufschlüsselt und an der ich meine Vermutung überprüfen könnte.

    1. 2 spontane Gedanken zu Deinen Anmerkungen: Das Beispiel der Wahlkampfstände, Flyer-Aktionen und Social Media Benutzung ist genau was ich meine: Man macht was man immer macht und am Ende kommt „wir haben uns so bemüht, nur der Wähler/die Wählerin, die wollten einfach nicht zuhören!!!“ Ich sage nicht, dass nichts gemacht wird – ich sage, offensichtlich erreicht es die Menschen nicht.

      Und zu der Sache mit den Personen. Im Wesentlichen meinte ich Spitzenkandidaten/Innen und nicht so sehr die, denen man seine erste Stimme gibt. Aber auch hier: Schau Dir mal an WER da haushoch gewinnt. Das sind bekannte Gesichter – bundesweit.

      1. Gegenargument: In meinem Nachbarwahlkreis stand Katja Kipping als Direktkandidatin zur Wahl. Unabhängig davon, wie man zu ihr steht, ist sie garantiert bekannter (und war im Stadtbild auch präsenter), als ihr CDU-Hinterbänkler-Gegenkandidat. Trotzdem wurde letzterer gewählt, weil „man“ hier eben schwarz wählt.
        Natürlich landen die bekannten Gesichter auch der Oppositionsparteien im Parlament. Aber nur, weil sie auf den Parteilisten ganz oben stehen. Nicht, weil die Menschen sie als Person wählen. Andersherum wird fast jeder Kandidat in Deutschland gewählt, sobald neben seinem Namen „CDU“ prangt.

        Zum Wahlkampf: Also ehrlich gesagt weiß ich nicht, was man noch machen soll. Man wird doch in den Wochen vor der Wahl wirklich auf allen Kanälen mit Wahlwerbung überflutet, ob man will oder nicht. Vielleicht sind die Leute auch einfach übersättigt und lassen die Sachargumente deshalb links liegen.

  14. Viele Wähler kümmern Parteiprogramme nicht – weil sie sich nicht damit beschäftigen oder beschäftigen wollen, oder meinen die „seien eh alle gleich“. Und so unzufrieden man mit der Regierung ist, so sehr lässt man sich von Menschen einlullen. Politik ist natürlich auch Mensch. Und man muss sich nur die Umfragewerte einmal ansehen: Merkel hat eine unheimlich große Zustimmung, die CDU hingegen nicht. Und an der Wahlurne lassen sich viele eben menschlich leiten – will ich die liebe Tante Merkel oder den unsympathischen bösen Peer? Die Medien haben Steinbrück schon so früh in die Kapitalistenschwein-Ecke gezerrt, der hatte keine reale Chance – und das wusste auch Angela, weshalb sie ihn einfach komplett ignorierte. Hinzu kommt: Die CDU hat den Menschen in den letzten Monaten immer erzählt, wie gut alles ist – kommt an; wenn die anderen Parteien damit Wahlkampf machen, dass wir alle künftig auf Geld verzichten müssen, weil die EU-Länder mehr Geld brauchen, die Steuern rauf müssen etc.
    Themenwahlkämpfe haben noch nie richtig gezündet – man schaue sich mal die Wahlkampagnen der letzten Jahrzehnte an …

    1. @thomas: „Und man muss sich nur die Umfragewerte einmal ansehen: Merkel hat eine unheimlich große Zustimmung, die CDU hingegen nicht. “ wieso schaust du nicht auf das wahlergebnis? die CDU hat in so vielen wahlbezirken sowohl die mehrheit der erststimmen, als auch die mehrheit der zweitstimmen geholt (die beide nicht an merkel gehen, ausser im wahlbezirk 15), dass die karte mit den ergebnissen tiefschwarz gefärbt ist. und dann behauptest du, die CDU habe keine zustimmung bei den wählern, nachdem ihr fast überall die mehrheit der wahlberechtigten die stimme gegeben haben?

      das ist in etwa so quatschig wie die behauptung, dass die leute diese unbeliebten iphones nur kaufen, weil sie steve jobs so sehr mochten.

      1. Und wieso ist das „quatschig“? Die Leute fanden den Peer unsympathisch, also bleibt in der Wahrnehmung nur die CDU … Und ich wage zu bezweifeln, dass jeder einen Unterschied zwischen 1.- und 2.-Stimme macht – es geht um „Angie vs. Peer“, wer kennt schon die Direktkandidaten seines Wahlkreises? Man kreuzt halt zweimal die Partei an, deren Spritzenfrau/-mann man netter findet …

        1. du hast recht. politische analysen sollte man nicht aus dem wahlergebnis ziehen, sondern aus „umfragen“ und seinem bauchgefühl. hilfreich ist es natürlich auch, wenn man seine vorurteile über die blödheit der deutschen subtil in die analyse einbaut („man kreuzt halt den netteren an“).

          ich nehme das mit dem „quatschig“ übrigens zurück und korrigiere zu „idiotisch“.

  15. Also ich kenne so einige Menschen denen ich es zutrauen würde, CDU gewählt zu haben.
    Das sind mehrheitlich Menschen, denen ich auch ohne Kenntnis ihrer Entscheidung in der Kabine nicht unbedingt wohlwollend gegenüberstehe. Es passt also alles zusammen…

    Am Montag hatte ich schnell mal überschlagen – Stimmen für die Union vs. Anzahl der Wahlberechtigten.
    Das Ergebnis waren lächerliche 24%.
    Nicht mal ein Viertel der Wahlberechtigten hat für Mutti gestimmt. Das sollte die sich mal vor Augen führen. Dann hört das Grinsen schnell mal auf…

    Grad diese Überwachungskiste interessiert in der Tat die große Mehrheit der Menschen nicht.
    Die denken sich: „Ach, dieses Internet benutze ich doch gar nicht.“, oder „Ich surfe doch nur auf bild.de, ich hab nix zu verbergen.“
    Die haben sowas von gar keine Vorstellungen davon, dass es eben nicht (nur) darum geht, welche Seiten sie im Internet öffnen. Und es interessiert sie auch nicht weiter. -> Kein Interesse an Aufklärung, wie ganz richtig erkannt.

    1. Ich versuche in meinem Artikel zu erläutern, dass es den anderen Parteien nicht gelungen ist Interesse für dieses Thema zu schaffen. Ich glaube nämlich nicht, dass die meisten Leute in Deutschland um die Problematik wissen, sich aber bewusst abwenden (oder anderen Themen zuwenden).

      1. Ich glaube allerdings schon, dass eine Menge Leute wissen bzw. (noch schlimmer) zu wissen glauben um was es geht.
        Und es bewusst und mit voller Absicht für sich ausblenden.
        Eben weil sie sagen, dass sie ja nicht betroffen sind.
        Und dann auch kein Interesse haben, sich da zu informieren.
        Denn möglicherweise kommen sie dann zu unangenehmen Erkenntnissen.

        Und vor diesem Hintergrund scheint es mir schlechterdings auch nicht möglich, dass andere Parteien da Interesse hätten schaffen können.

    2. Was für ein dummes Gewäsch! Leuten, denen man zutraut, CDU gewählt zu haben, weil man denen sowieso nicht wohlwollend gegenübersteht? Und in Wirklichkeit sind es bloß 24%, lächerliche natürlich? Die anderen haben noch viel weniger Stimmen bekommen!

      Das waren gleiche, freie und geheime Wahlen! Das haben meine Kinder schon in der 3. Klasse gelernt. Und nur, weil einem das Ergebnis nich passt? Herr, lass‘ Hirn regnen.

      1. Dass mir Leute die CDU wählen nicht unbedingt sympathisch sind, ist kein dummes Gewäsch, sondern eine persönliche Empfindung.
        Dass das keine Kausalität sondern eine Korrelation ist, ist mir durchaus klar. Etwas anderes habe ich auch nie behauptet.

        Und ja, es sind lächerliche 24%.
        Lächerlich, weil die Union sich freudestrahlend zum Sieger der Wahl erklärt und nach dem geltenden Wahlgesetz fast die Hälfte der Sitze im Parlament besetzt.
        Da wird aus einem Viertel schnell die Hälfte – was vielleicht dem Gesetz entspricht, nicht aber der Realität.

        Natürlich ist das kein Problem der CDU, sondern eben ein Problem der Wahlbeteiligung. Aber wenn Merkel erklärt, dass den Bundesbürgern ihre Politik gefällt und sie wollen, dass das so weitergeht, dann trifft das eben nur für einen kleineren Teil zu. Was diese Aussage völlig entwertet.
        Abgesehen von den Stimmen für die anderen Parteien ist die Meinung der Nichtwähler schlicht und ergreifend nicht bekannt.
        Bestenfalls ist es ihnen egal.
        Hier hat jede Partei versagt. Nämlich bei der Argumentation für ihre Themen und bei der Mobilisierung der (Nicht-)Wähler.

        Dass ich irgendwo bestritten habe, dass die Wahl frei und geheim und schlagmichtot war, konnte ich jetzt irgendwie in meinem Text nicht wiederfinden.
        Herr, lass Lesekompetenz regnen.

        1. Das heißt Koinzidenz—wenn man schon Schlaumeiern will.

          Das Wahlsystem in Deutschland ist zweifelsohne nicht perfekt, meiner Meinung nach aber sehr viel besser als z.B. England, Frankreich oder USA. Über Russland brauchen wir hier nicht reden, oder?

          Und es heißt auch nicht von ungefähr »schweigende Zustimmung«. Nicht abgegebene Stimmen als Ablehnung zu werten ist unredlich.

          1. Zumindest in den Sozialwissenschaften sagt man für Koinzidenz meistens Korrelation… (nur so als Anmerkung)

            Es ist aber genauso unredlich auf den Begriff „schweigende Zustimmung“ zu verweisen, als ob damit alles gesagt sei… Wir wissen schlicht und einfach nicht, ob die Nichtwähler denken: „Ach, ist doch alles gut, Mutti wirds schon richten, da brauch ich nicht wählen gehen.“ oder denken: „Ach, ihr Politiker könnt mich alle mal, ich mag euch alle nicht, ich mach mir jetzt nen gemütlichen Tag.“ oder einfach den Wahlschein verschlampert haben…

          2. Ich kenne dieses aus meinem Berufsleben nur allzu gut. Hier heißt es immer, wenn man sich nicht meldet wird dies als Zustimmung gewertet. Daß man schlicht zugeworfen wird mit unnützen Informationen und nicht hinterherkommt, daß die wichtigen Dinge irgendwo vergraben sind, so daß man bei flüchtigem Lesen diese übersehen kann und daß man durch zu viel Arbeit das eine oder andere hinten anstellen muß und man dann zu spät davon Kenntnis erlangt, scheint oftmals ganz bewußtes Kalkül zu sein.

            Das macht es natürlich all denen einfach, die eine bestimmte Antwort haben wollen oder ein bestimmtes Bild von der Welt, einem Sachverhalt haben und dieses als das richtige ansehen. Von daher lehne ich diese Art der „Zustimmung“ ab. Es sei denn, ich möchte es mit einfach machen, dann hilft mir diese Definition sehr viel weiter. Möchte ich wertschätzend mit dem gegenüber, seinen Gedanken, Ansichten oder auch Kritik umgehen, dann muß ich mir die Mühe machen und auch ein Schweigen hinterfragen oder aktiv die Mitarbeit einfordern bzw. unterstützen. Doch das macht Arbeit und erfordert Mitarbeit.

            Gruß,
            Jens

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