Siri, ELIZA und ich

Mein Kollege verhält sich merkwürdig. Er spricht s e h r d e u t l i c h in ein schwarzes Kästchen – den ganzen Tag.

Wenn man Vollzeit arbeitet, verbringt man mit den Kollegen meist deutlich mehr Zeit als mit Mann und Kindern. Sitzt man dann auch noch lediglich zu zweit in einem Zimmer, entsteht nach Jahren eine ganz besondere Beziehung. Vorausgesetzt man findet sich nicht total doof.  Ich muss sagen, ich habe einen ziemlich netten Kollegen und ich arbeite gerne mit ihm. U.a. weil ich so viel von ihm lernen kann. Er ist sehr technikbegeistert und wenn ich gerade das erste Mal von etwas gehört habe (2009: Twitter!), benutzt er es schon zwei Jahre. So kann ich ihm viele Frage stellen und er beantwortet sie geduldig.

In letzter Zeit – genaugenommen seit dem 14. Oktober – redet er kaum noch mit mir. Überhaupt redet er total komisch. Am Anfang lediglich überbetont langsam und sehr, sehr deutlich – aber immerhin deutsch. Irgendwann hat er angefangen nur noch Englisch zu sprechen. Ein bißchen irritierend ist auch, dass er eigentlich alles was er sagt, zwischen vier und sieben Mal wiederholt.

Er hat sich ein iPhone 4S gekauft und im Grunde spricht er nur noch indirekt mit mir, denn wenn ich etwas frage, fragt er Siri und die antwortet mir.

Der Kollege kommt klatschnass ins Büro, ich: „Regnet es?“
Kollege: „Siri, regnet es?“
Siri: „Nein, für heute ist kein Regen vorhergesagt, derzeit ist es 3 Grad und bewölkt!“

Ich muss gestehen, am Anfang war ich ein bißchen neidisch, weil ich dachte Siri (bzw. das iPhone 4s) sei etwas, das ich unbedingt haben müßte, weil es eine Art Universallebensfernbedienung sei, mit dem man sich nun auch noch unterhalten könnte. In der Zwischenzeit ist dieses Gefühl gewichen. Wenn ich meinem Kollgen und Siri zuhöre, denke ich oft an ELIZA und habe mich deswegen auch Mal mit ihr über Siri unterhalten…

Wenn man bedenkt, dass es ELIZA seit 1966 gibt und dass dahinter nichts steckt, das irgendwie mit echter Künstlicher Intelligenz zu tun hat, dann ist es erstaunlich, wie wenig sich in diesem Gebiet in 45 Jahren getan hat. Klar ist Siri was sprachliche Semantik angeht, viel weiter und die Entwickler haben auch ein Paar witzige Antworten programmiert, aber all die seltsamen Konversationen, die im Netz kursieren zeigen am Ende: Siri ist auch nur ein Nabaztag ohne Ohren*.

Und am Ende wird auch mein Kollege erkennen: „Erst wenn der letzte Akku entladen, der letzte Speicherchip magnetisiert, das letzte Wort von Siri gesprochen ist, werden die Menschen feststellen, dass iPhones keine Kaffees zubereiten können!“

*Passt dazu: Kindererziehung mit dem Nabaztag und Gedanken zum eChild.

Autor: dasnuf

Aha! Google doch "dasnuf" Muhahahahaha!

3 Gedanken zu „Siri, ELIZA und ich“

  1. und siri ‚versteht‘ ihn wirklich so schlecht? 4-7x, das ist ja – falls das keine übertreibung ist UND er nicht so sehr nuschelt – echt ein contra fürs 4S… :(

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