Super-Papa nano auf 3 Sat

Am 18.5. lief auf 3Sat die Sendung „Super-Papa“ (30 min). Abgesehen vom Titel eine schöne Zusammenfassung zum Thema „moderne Väter“.

Aufgezeigt wird die Kluft zwischen wollen und tatsächlich umsetzen. Was 9 von 10 Männern wollen, tut am Ende nur einer: In Teilzeit arbeiten, um für die Familie da zu sein (und dann zum größten Teil mit einem 80%-Model).

(Ein bisschen süß sind die Passagen, in denen gesagt wird: Sie ist zwei Tage für die Kinder da, er einen (zwei Tage der Hort), sie macht den Haushalt … Wäsche waschen und so … er die Steuererklärung und ja, sie sind gleichberechtigt.)

16% der Väter gelten als überdurchschnittlich engagiert – viele davon haben ihr Arbeitspensum reduziert.

Interessant in diesem Zusammenhang das Projekt Teilzeitmann in der Schweiz, das Firmen und Einzelpersonen aufzeigen möchte, wie sich Teilzeit umsetzen lässt.

(Interessanterweise gehts nicht ohne Superheld-Metapher… im Clip dann aber sehr schön unspektakulär und ermutigend.)

Größtes Hindernis in Richtung Teilzeit ist laut Bericht nicht der Verzicht auf Geld oder Karriere (der mit Teilzeit leider verbunden ist) sondern dass die meisten Männer sich und ihre Männlichkeit noch über den Beruf definieren. Obwohl Frauen (mit)verdienen sehen sich viele Männer als Hauptversorger. Der Beitrag stellt heraus, dass Teilzeit

  • gut für die Gesundheit,
  • gut für die Bindung zu den Kindern und
  • gut für die Beziehung ist.

Der Rest der Sendung beschäftigt sich mit der Frage, ob es eine Korrelation zwischen hormoneller Ausstattung und Vatertyp gibt (angeblich ja) und in welcher Konstellation Männer besonders zufriedene Väter sind (in traditionellen Kernfamilien sind die am glücklichsten, als Alleinerziehende sind sie am gestresstesten).

Abschließendes Zitat „Wenn die Väter nicht erst präsent sind, wenn es ums Fußballspielen geht (sondern auch schon im 1. Lebensjahr), dann können sie eine absolut gleichwertige Bindung zu den Kindern aufbauen wie Mütter.“

Der Beitrag stellt auch heraus das Mütter mitverantwortlich sind und den gewillten Vätern auch den Säugling in den Arm drücken müssen (wobei mir in bestimmten Konstellationen immer noch schwer fällt mir vorzustellen, wie Mütter sich gegen Beteiligung wehren, z.B. mitten in der Nacht, wenn das Baby schreit: „NEIN! STEH NICHT AUF! ICH MACH DAS!“ oder morgens um 5 Uhr: „NEIN, LASS DAS! ICH will mit dem Kind aufstehen, immer!!!“ aber gut, anscheinend gibt es das).


Durch Hinweis in den Kommentaren auf eine weitere Sendung gestoßen: „Von Männern und Vätern„.

Hat mir sehr gut gefallen, weil eher deskriptiv und nicht so verallgemeinernd und ganz am Ende kam ein Gedanke, den ich auch schon oft hatte: Ein Vater bedauert, dass er die Kinder und die eventuell entstehenden Enkelkinder und deren Kinder nicht mehr begleiten können wird.

„Ich hab zu meinen Gefühlen gefunden, durch die Geburt und das Leben mit meinen Kindern, weil es eben jeden Tag, immer wieder ein Überprüfen von allem ist und man muss sich alles bewusst machen […] im Guten wie im Schlechten – es ist immer mit Arbeit verbunden und mit einer ständigen Arbeit an einem selber.

Wenn mein Leben aus ist, dann solls so sein, meine Angst ist ganz anders begründet, dass ich einfach irrsinnig gerne Zeuge wäre von dem ganzen Leben, das macht mir echt zu schaffen […] ich weiß, dass es seine Richtigkeit hat, aber ich würde gerne wissen, ob sie selbst Kinder kriegen, würde gerne wissen, wie sie ist mit 60 und wie ihre Kinder wieder sind, das ist dieser Kreislauf, der nie aufhört und was richtig dabei rauskommt, das kannst nicht mittkriegen…“

Autor: dasnuf

Aha! Google doch "dasnuf" Muhahahahaha!

31 Gedanken zu „Super-Papa nano auf 3 Sat“

  1. Liebe Patricia.
    Ich bin einfach wahnsinnig begeistert von dir. Ich find dich super. Das passt hier so wenig hin wie zu jedem andern Deiner Beiträge. Oder genauso sehr.
    So. Musste mal einfach gesagt werden (in Anlehnung an den Vortrag von Kübra Gümüsay auf der re:publica). Du inspirierst mich immer wieder, lässt mich über Dinge nachdenken, staunen, lachen,… Egal ob Familien-/Flüchtlings-/Gesellschaftspolitik, Hackfleischrezension, Serientipp, oder etwas, was einfach nicht einzuordnen ist (Deine „aus-den-Ohren-bluten-können-Superkraft“ ist hier ein geflügeltes Wort geworden),… Ich freu mich echt immer über jede Veröffentlichung von Dir.
    Und „der Wahrheit“ hilft in mancher Lebenslage: versüsst das Wäscheaufhängen, beschleunigt das Einschlafen, verkürzt Zugfahrten, liefert Stoff für Diskussionen,… Mein aktueller persönlicher kleiner Lieblingsmoment: Wie du „den Seehund machst“, irgendwo in der vorletzten Folge…
    Danke für alles.
    Herzliche Grüsse, Martina

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      1. Keine Sorge, lieber Markus, Ihr seid alle klasse! Ihr seid meine urbane Sauerstoffmaske, die mir immer wieder Schwung gibt, wenn mir das Landleben (notabene in der winzigen Schweiz) wieder mal zu eng und einsam wird. Mein geschätzter „Berliner Horizont“ (jaja, ich weiss, dass ihr gar nicht alle dort lebt)…

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  2. Ich habe den Eindruck, dass viel damit zusammen hängt, dass es nach der Geburt des neuen Kindes tatsächlich auch viele neue Aufgaben gibt. Für viele davon ist die Elternzeit gedacht: Baby rumtragen, Baby kuscheln, Baby wickeln etc. Ich bin sehr froh um diese Zeit. Trotzdem beobachten wir, dass damit bei vielen so einiges in Schieflage gerät. Weil wer zu Hause bleibt, schmeißt natürlich oft auch die anderen häuslichen Aufgaben. Ist ja auch in Ordnung. Allerdings wird es dann oft zur Gewohnheit und wird nicht in dem Maße wieder zurückverteilt wie es angemessen wäre, wenn beide wieder arbeiten.
    Hinzu kommt, dass sich ja auch die Babies an die hauptsächlich betreuende Person gewöhnen. Beim ersten Kind haben wir die Elternzeit genau 50/50 geteilt, mit einem Monat Überlappung. Und das war hart. Nicht, weil ich das Kind nicht abgeben wollte, aber 6 Monate Kinderbetreuung summieren sich: Gewöhnung, Kompetenz, Selbstsicherheit. Ich fand es schrecklich, dass eigene Kind unnötig lange schreien zu hören. Und ich finde es nachvollziehbar, dass viele dann doch lieber selbst nachts aufstehen. Aber: ich hab nicht grundsätzlich an der Kompetenz meines Freundes gezweifelt und deshalb sind wir in der Anfangszeit oft getrennte Wege gegangen. Ich, damit ich das Geschrei nicht hören musste, er, damit er sich nicht so beobachtet fühlte. Und auch das war eine wichtige Erfahrung: 10-minütiges Geschrei ist in der Vorstellung nie so nervenraubend wie in echt. Und, schwuppdiwupp, kann man sich auch kaum noch daran erinnern, was man eigentlich den ganzen Tag mit Baby gemacht hat.
    Seitdem (inzwischen mit 2 Kindern) haben wir die Zuständigkeiten je nach Notwendigkeit immer mal geändert, und mussten lernen, dass die die Übergänge jedes Mal hart sind, egal ob das Kind 6 Monate oder 3 Jahre ist. Es dauert halt immer bis sich alles wieder eingependelt hat. Aber für uns hat es sich auf jeden Fall gelohnt.

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  3. Das fängt echt aber schon im Vorbereitungskurs an (den besuche ich gerade). Wie wenig da einfach Vätern/Männern zugetraut wird, als wären das keine denkenden Menschen. Die Papas sind hier unbedarft und dort unbedarft. Und beim Wickeln machen sie oft dies und jenes falsch. Da wird schon vor der Geburt so ein Bild des „Volldepps“ erzeugt. Manchmal denk ich auch, dass die Partner da so reingedrängt werden. Bloss nicht zu viel mit Babysachen nerven. Frauenarztbesuche… nee, da wird ihm nur langweilig. Babybauchmassage… nee, hat er keine Lust drauf (sagt die Frau). Kinderklamotten einkaufen? Ach hat er ja eh keine Ahnung davon.

    Ich versteh einfach nicht, warum dann von mir erwartet wird, dass ich dann aber alles ganz intuitiv kann, weil ich die Frau bin. „Holt euch die Binden für das Wochenbett lieber selbst, die Männer stehen nur vorm Regal und wissen nicht, was sie machen sollen“ (wer stand gestern im DM und konnte vor lauter Überforderung nichts finden? ICH!)

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  4. Ich gehöre zu den Frauen, die ihren Männern das Baby und Kleinkind nicht so gerne anvertraut haben. Als Baby hat mein Ex unsere Tochter geschüttelt, als sie nachts nicht zu schreien aufhörte. Ich bin dann lieber selber aufgestanden. Als sie drei Jahre alt war, hat er sie alleine in einer vollen Badewanne sitzen lassen. Er saß derweil im Wohnzimmer vor dem Fernseher. Usw. Ich hatte zu dieser Zeit die Theorie entwickelt, dass die Menschheit ausgestorben wäre, wenn Männer statt Frauen sich um die Kinder gekümmert hätten.

    Will sagen: Wenn Frauen ihre Männer nicht mit den Kindern alleine lassen wollen, kann es auch Gründe dafür geben, die nicht bei den Frauen liegen.

    Inzwischen ist mein Ex ein ganz passabler Vater. Aber unsere Tochter ist auch jetzt 15 und man kann nicht mehr so viel falschmachen. :-)

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    1. o.O Ok, an verantwortungslose Menschen habe ich nicht gedacht. Das hängt dann aber nicht am Geschlecht… Maternal Gatekeeping (was hier immer wieder genannt wird) beschreibt ja eher das Phänomen, dass ein verantwortungsvoller Vater nicht ran gelassen wird.
      Einem Menschen, der solche Dinge tut, wie du sie schilderst, sollte man generell keine Babys überlassen.

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      1. Und genau das beste Zitat rausgefiltert. Das hat bei mir irgendwas gemacht.
        Auch die Beschreibung des ersten Vaters, der im Aufzug manchmal merkt, dass er noch nicht familientauglich ist und nochmal eine Runde um den Block fährt, fand ich sehr nachvollziehbar. Auf der anderen Seite find ich es schade, dass nicht wirklich allein erziehende Männer oder Homosexuelle gezeigt wurden. Wenn ich „Männer und Väter in der heutigen Zeit“ darstelle und was es bedeutet, „ein Mann zu sein“ gehört das irgendwie dazu.

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  5. „Väter […] können […] eine absolut gleichwertige Bindung zu den Kindern aufbauen wie Mütter.“
    Das finde ich sooo wichtig und würde Müttern so viel mehr Arbeit abnehmen als alle Wellness-Gutscheine zusammen. Genau deshalb bin ich für einen „Eltern-Dankesag-Tag“ statt Muttertag. Am Vatertag geht es ja eher darum, dass die männliche Hälfte der Bevölkerung spätestens mittags besoffen ist – das kann es ja auch nicht sein, was Männer oder Väter ausmacht, von daher sind beide Tage in meinen Augen verbesserungswürdig.
    Dieses „sich gegen Beteiligung wehren“ hat etwas mit dem Prinzip Idiot Dad oder „dumm stellen schafft Freizeit“ zu tun. Der Mann/Vater macht viele Dinge etwas anders als man selbst es tun würde und trotzdem ist das meistens nicht falsch. Kontrolle und damit ein Stück Macht abgeben, ist auch nicht so einfach.

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  6. Es nervt mich zunehmend, dass immer so auf „sie macht die Waesche, er die Steuererklaerung, und das ist so UNGERECHT!!!!111elf, weil ja die Steuererklaerung nur 1x im Jahr ist!!!“ herumgeritten wird.

    Ich finde Waesche vs. Steuererklaerung durchaus legitim.

    Ich wuerde freudestrahlend ganzjaehrig die Waesche allein machen (jetzt ist es meist so, dass er aufhaengt und ich abnehme; so ein Quatsch wie buegeln findet bei uns so gut wie nicht statt), wenn er mir dafuer meine Steuererklaerung abnehmen koennte (wir muessen jeder eine eigene machen).

    Klar ist der Gesamtzeitaufwand einer Steuererklaerung kleiner als ganzjaehrig Waesche. Ersteres blockiert mir aber 1-2 komplette Tage, zweiteres nur 2x die Woche je 10 Minuten, waehrend derer ich auch noch fernsehen/mit Kind oder Mann quatschen/telefonieren/whatever tun kann.

    Genauso _kann_ ich zwar die ganze Auto-Wartung auch selber machen, aber ich hasse es total, der Mann macht das hingegen gern. Beim Termine-Organisieren ist es genau andersrum. Wuerden wir das „gerecht“ aufteilen, waeren wir beide dauergenervt.

    Es ist doch alles eine Frage, wie das Paar das selber sieht – ungerecht ist es, wenn es sich fuer genau diese zwei Personen ungerecht anfuehlt. Nicht, wenn von draussen Draufzeigende das behaupten.

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      1. Nicht angegriffen, sondern genervt (von der allgemeinen Haeufung der Aussage in meiner Filterblase, 1x-im-Jahr-Aufgaben seien auf keinen Fall mit wiederkehrenden Haushaltsaufgaben vergleichbar und die wiederkehrenden irgendwie belastender/schlimmer/wertzuschaetzender).

        Weil es so viele wirkliche Ungerechtigkeiten gibt, dass man nicht noch irgendwelche dazuerfinden oder gar anderen andichten muss („Ein bisschen suess sind die Passagen….“).

        Tut mir leid, dass es mir nun grad hier und heute gereicht hat und der Kommentar dringend rauswollte.

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  7. Aber ganz verstehe ich es nicht: man lebt doch mit dem Vater des Kindes schon vor der Geburt ein, zwei Jahre (oder länger) zusammen. Und auch da fällt doch schon Hausarbeit an. Wenn es damals schon nicht gleichberechtigt funktioniert hätte, wäre ich gar nicht weiter gegangen.

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    1. Ich kann nur persönlich antworten: Ich war lange überzeugt, dass es als Frau normal ist mehr zu übernehmen. Bis zum 3. Kind hatte ich trotz 30 Stunden Job dafür auch die Energie.
      Dann ist mir die Energie ausgegangen und eine Umverteilung hat dann nicht mehr funktioniert.
      Deswegen kann man auch mit anderen Ideen/Vorstellungen starten und später scheitern und eben dann erst erkennen, dass eine gerechte 50/50 Aufteilung durchaus sinnvoll wäre.

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