Vater sein braucht Zeit

Vater sein braucht ZeitIch war auf einer Väter-Veranstaltung und obwohl ich es mir kaum vorstellen konnte, kam diese ganze fünf Stunden ohne Heldenmetapher aus. Das möchte ich lobend vorab erwähnen. Die Wetten standen im Vorfeld 4 zu 0 dagegen.

Das Thema Väter (und deren Einsatz im Familienalltag) treibt mich umher. Deswegen war ich sehr neugierig, was auf der vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend initiierten Veranstaltung „Vater sein braucht Zeit“ zu hören sein würde.

Das Programm war schonmal vielversprechend.

In einem kleinen Panel wurde über das Thema „Vatersein heute“ gesprochen. Es beteiligten sich Dr. Elke Ellner (Präsidentin des Bundesverbands der Personalmanager), Andreas Heimer (Prognos AG) und Stefan Reuyß (SoWiTra).

Danach ging es in die Workshops zu den folgenden Themen:

  • Elternzeit und Familienalltag – wie klappt das?
  • Politik für aktive Väter – Erfahrungen und Wünsche
  • Getrennt erziehen – gemeinsam Beruf und Familie vereinbaren
  • Vater sein im Beruf – wie kann das gehen?

Frau Schwesig konnte dann leider nicht kommen und ließ sich von Caren Marks vertreten (Parlamentarischen Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend), die das Konzept der Familienarbeitszeit vorstellte und bewarb und auch deutlich machte, dass es für Unternehmen letztendlich wirtschaftlich ist, familienfreundlich zu sein.

Zum Abschluss gab es eine weitere Gesprächsrunde zum Thema „Zeit für Väter“.

Vatersein braucht Zeit

Als Mutter auf einer Vaterveranstaltung

Im Vorfeld hab ich mich gefragt, wie es wohl ist als Frau zu einer explizit an Männer gerichtete Veranstaltung zu gehen. In meiner Fantasie würde ich ganz allein zwischen all den Männern stehen.

Dann musste ich über mich selbst lachen, denn:

a) ist es natürlich ein total gewohntes Gefühl: als Frau zu einer Veranstaltung zu gehen, bei der hauptsächlich Männer sind

und

b) waren da nicht hauptsächlich Männer – es ging schließlich um Kinder und Erziehungszeiten – offenbar für viele immer noch kein echtes Männerthema – tatsächlich würde ich denken, waren dort maximal 60 – 70% Männer (naja immerhin!).

Es gibt nicht DIE Väter

Das Themenspektrum war groß und deswegen sehr interessant.

Es gab sowohl die Väter, die leider unter gar keinen Umständen niemals nicht auch nur länger als und selbst das war sehr schwierig, 14 Tage Elternzeit nehmen können. Denn: sie sind unersetzlich. Niemand kann sich in deren Themen einarbeiten, niemand kann das wuppen, die Kunden wollen das auch nicht, die wollen überhaupt ständige Verfügbarkeit, die wollen nur ihn.

(Ich höre solchen Männern aufmerksam zu und beobachte ihr Gesicht dabei und stelle immer wieder fest: die glauben das wirklich. Sie glauben es von Herzen und auf eine bizarre Art leiden sie unter ihrer Unverzichtbarkeit. Doch sie nehmen ihr Schicksal hin. Auch wenn sie sonst eher so wirken, als würden sie in einem Meeting auch mal mit der Faust auf den Tisch schlagen um sich durchzusetzen. Dass ihnen nicht gestattet wird sich als Vater einzubringen, das ist eben so.)

Dann gab es die „Ich würde gerne mehr machen, aber ich befürchte Karriereknicke“-Männer, die sich aber immerhin einen Papa-Tag freigeschaufelt haben. Ein Papa-Tag ist ein Tag, an dem ein Mann in der Regel (es sei denn es steht etwas wichtiges an) um 15.30 Uhr frei nimmt, um sich um die Kinder zu kümmern. Solche Väter nehmen sich auch zu Sonderevents frei. Immer wieder wurde der Laternenumzug genannt. Die Sie-wollen-ja-Väter können zwar nicht am Bastelnachmittag freinehmen – den Laternenumzug, den lassen sie sich aber nicht nehmen.

Und ganz zuletzt gab es die Männer, die womöglich ein halbes Jahr und länger Elternzeit genommen haben, die alle Höhen und Tiefen der Care-Arbeit durchlebt haben und die gar nicht verstehen, was das Problem an einer aktiven Vaterschaft sein könnte. Klar gibt es Hindernisse und auch finanzielle Einbußen, aber das erleben Frauen seit Jahrzehnten und so hat man(n) das pragmatische Ziel gemeinsam an der Ebnung des Weges der Elternschaft zu arbeiten. Ohne ewige Lobhudelei, ohne Extraorden, ohne Superpapa-Status – einfach weil diese Männer es wollen – weil sie für ihre Kinder ernstzunehmender Elternteil sein wollen. Weil ihnen die Beziehung zu ihren Kindern wichtig ist.

Ergebnisse des Väterreports „Vater sein in Deutschland heute“ 2016

Interessant fand ich einige Ergebnisse des aktuellen Väterreports 2016, die genannt wurden.

So z.B. der Umstand, dass viele Männer ihre Wünsche aktiver Vaterschaft nicht in die Realität umsetzen, weil sie Karrierehindernisse fürchteten, die in der Realität tatsächlich gar nicht so bestehen.

Oder je länger Männer Elternzeit nehmen, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich an normalen Arbeitstagen um die Kinder kümmern, Zeit mit ihnen verbringen und in ihre Pflege eingebunden sind.

Sowie die Erkenntnis, dass familienfreundliche Unternehmen betriebswirtschaftlich erfolgreicher sind. Sie haben zufriedenere Mitarbeiter, geringere Fehlzeiten und eine höhere Produktivität.

Zusammenfassend kann man aber sagen: Wunsch und Wirklichkeit klaffen immer noch weit auseinander. Was sich Väter wünschen und was sie dann wirklich umsetzen wenn die Kinder geboren werden, steht auf zwei unterschiedlichen Blättern.

Ermüdende Argumente

Ich muss auch sagen, dass es mir sehr schwer fällt, einige Argumente, die immer wieder kommen, zu ertragen: So z.B. das Quality Time Argument

Immer wieder wird gesagt, dass es nicht auf die Menge sondern die Qualität der Zeit ankommt, die Eltern mit ihren Kindern verbringen.

Artikel wie „Wie Sie ein toller Papa mit nur 15 Minuten Zeit am Tag sein können“ geben dabei Tipps, wie man(n) seine täglichen 15 min wertvoll einsetzen kann.

Das ist schon sehr absurd.

In der Netflix Doku „Beginning of Life“ sagt eine Mutter (sinngemäß): „Wenn ich diesen Quatsch von Quality Time höre. Das sage ich einem Chef morgen auch. Ich arbeite jetzt jeden Tag nur 15 Minuten, aber das wirklich mit einer sehr hohen Qualität. Bei voller Bezahlung versteht sich.“

Daran muss ich immer wieder denken: Wie absurd es wäre, wenn man an anderen Stellen so argumentiert. Auch für eine Beziehung zum Kind ist es wichtig, dass man präsent ist. Und mir kann keiner erzählen, dass fünfzehn Minuten täglich das selbe Ergebnis bringen, wie wenn man mit den Kindern frühstückt, weiß was sie in ihre Brotdosen möchten, sie in die Schule bringt, abholt, mit ihnen spielt, bastelt, Hausaufgaben macht, Abendessen macht, ihnen zuhört, was sie beschäftigt, ihnen vorliest, sie ins Bett bringt, bei Kummer ein offenes Ohr hat, ihnen Wärmekissen bringt, wenn sie Bauchschmerzen haben etc.

Zumal auf der anderen Seite: die Väter, die sich jeden Tag nur einige Minuten Zeit für ihren Nachwuchs nehmen (können), denen ist natürlich nicht zuzumuten, dass sie mal Kotze aufwischen oder Kackwindeln wechseln. Das ist ja keine Quality Time. Quality Time ist von der Arbeit kommen und den zähnegeputzen Kindern im Schlafanzug 20 min was vorlesen und ihnen dann ein Bussi zu geben und zu sagen: Jetzt aber ab ins Bett. Papi schaut jetzt Auslandsjournal.

Ähnlich ermüdend das Argument, man(n) könne nicht in Elternzeit gehen, weil das erhebliche finanzielle Einbußen nach sich zöge. Der Höchstsatz ist ausserdem so niedrig. Ergo kann sich kein Chirurg und kein Pilot leisten in Elternzeit zu gehen… (muss ich noch erklären über was im Detail ich mich da aufregen kann? Wie konnten sich all die hochbezahlten Männer eigentlich vor 2007 Kinder leisten? – Achso, da mussten einfach ihre akademisch ausgebildeten Ehefrauen ihre Karrierewünsche zurück stecken? Alles wie immer also)

Hmpf.

Jetzt ist es mir doch wieder etwas entglitten.

Es gibt aber Hoffnung

Dabei gab es viele, sehr gute Aspekte bei der Veranstaltung.

So zum Beispiel der Gedanke, dass es einen Paradigmen-Wechsel geben muss, was die Rollenbilder angeht und dass es vielen (älteren) Personalern und auch Chefs schwer fällt diesen Paradigmenwechsel mitzumachen, weil sie eben jahrzehntelang eine andere Idee von Elternschaft/Vaterschaft hatten.

Das Neue anzuerkennen und zu fördern, bedeutet eben auch immer das eigne (vergangene) Leben in Frage zu stellen: Und wem fällt es da schon leicht festzustellen, dass er vielleicht das halbe Leben seiner Kinder verpasst hat, weil er die Karriere vorgezogen hat.

Viele merken das erst als Großväter.

Das Thema ist schwierig und es wurde auch immer wieder betont, wie viel sich in den letzten dreißig Jahren getan hat und dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Ich bin auch immer hin- und hergerissen zwischen der Frage: Muss ich Gabriel dankbar sein, weil er Elternzeit überhaupt als Spitzenpolitiker ins Gespräch bringt (auch wenn er sie natürlich nicht nehmen kann, weil ja Wahlkampf und so) oder darf ich das albern finden (weil er könnte ja auch einfach sagen: mein Kind wird geboren und ich möchte das alles miterleben und selbst wenn das bedeutet, dass ich einen Karriereknick erlebe… diese Zeit kommt nie wieder und ist durch nichts zu ersetzen).

Ist es im Sinne der Politik der kleinen Schritte die Super-Väter zu beklatschen oder passiert Veränderung nur, wenn es auch wirklich Veränderungsdruck und Fordernde gibt?

Am Ende sind ja viele Diskussionen nur für einen ganz bestimmten Teil der Gesellschaft überhaupt relevant. Elternzeit, Homeoffice, flexible Arbeitszeiten, feste Meetingzeiten… auf wie viele Berufe trifft das zu?

In der Stadt – in den ehemaligen ostdeutschen Gebieten sieht das mit der Kinderbetreuung ohnehin völlig anders aus (und damit auch die Möglichkeiten für Mann und Frau arbeiten zu gehen).

Frau Schwesig betont auch immer wieder wie katastrophal in Deutschland die Hortbetreuung ist. Selbst wenn Mann/Frau nach der Geburt relativ zügig wieder arbeiten gehen, wird die Einschulung des Kindes plötzlich ein Problem.

Was ist eigentlich mit den Polizisten, Krankenpflegern, Verkäufern im Einzelhandel, Industriearbeitern und Handwerkern? Und was mit den Hartz IV Empfängern, den dann noch Kindergeld und Elterngeld abgezogen wird?

Es bleibt kompliziert. Wenigstens ist es nicht hoffnungslos und ich freue mich, dass ich bei solchen Veranstaltungen immer wieder zwischen Männern stehe, die sich auch fremdschämen wenn irgendwo wieder ein Foto von einem Mann gepostet wird, der sich rühmt für seine Frau nachts auch mal das eigene Kind für zwei Stunden zu übernehmen und dann Männer darunter kommentieren: „UND TROTZDEM GIBT ES NOCH FRAUEN, DENEN DAS NICHT GENUG IST!“ oder Frauen schreiben: „Mein GöGa macht das auch. Weißt du noch Joachim? Vor zwei Monaten als ich Geburtstag hatte, bist du auch mal aufgestanden mit Susi.“

Auf die Ohren

img_9799Irgendwann habe ich Podcasts für mich entdeckt. Das Bücherlesen ist mit den Kindern leider fast aus meinem Leben verschwunden. Sicherlich eine Frage der Prioritäten – an der Zeit liegt es nicht. Ich glaube, ich habe drölzigtausend Stunden mit Serien verbracht.

Aber irgendwie beanspruchen Bücher eine andere Art von Aufmerksamkeit. Wenn die Kinder abends pennen, dann bin ich völlig matschig und wenn ich nicht gleich einschlafe, schaffe ich es gerade noch eine Serie zu starten.

Ich bin deswegen auch nicht böse, wenn mir Leser:innen meines Buchs freudig mitteilen, dass es bei ihnen im Bad neben dem Klo liegt. Das heisst für mich nur, dass mein Buch elternkompatibel ist. Ein, zwei Geschichten bekommt man im Alltag hin und dann gehts weiter. Ohne dass man sich fragt: „Hm? Wer war das nochmal? Und wie hängt der mit der zusammen? Und äh wessen Kinder ähhh?“

Was auch gut geht sind Podcasts. Tatsächlich aber nicht nebenher sondern direkt auf die Ohren beim Staubsaugen zum Beispiel oder wenn ich Wäsche aufhänge. Das liebe ich echt. Staubsaugen mit Kopfhörern. Ein Traum. Innerlich fühle ich mich ganz harmonisch, irgendwie abgeschnitten von allem und dann blicke ich hoch und sehe (seelisch in Zeitlupe) wie die Kinder sich Stofftiere um die Ohren hauen.

Ich höre selbst gerne den Lila-Podcast, dort werden aktuelle Themen oder Phänomene der Twittertimeline und aus den Nachrichten aus feministischer Perspektive besprochen. Unaufgeregt, sachlich und ich erhalte viele, neue (Denk-, Lese-, Hör-) Anregungen.

Gleichgerne höre ich den Leitmotiv Podcast, der sich in den einzelnen Episoden intensiv mit einer Gästin beschäftigt. Die letzte Folge ist ganz schön lange her… fällt mir da auf.

Ich habe mal in meine Timeline gefragt, was es an elterntauglichen Podcasts so gibt und folgende Antworten erhalten, die ich jetzt mal teile, bevor ich sie selbst alle durchgehört habe:

Da gibt es den „Daddies in Distress Podcast„. Angeblich ein Podcast für Väter. Hab’s aber schon ausprobiert: Als Mutter fallen einem beim Zuhören nicht die Ohren ab.

Das Schlaulicht ist ein Podcast für Kinder von 7 bis 99, in dem einzelne Phänomene unter die Lupe genommen werden. Es geht z.B. um Superhelden, Kohle, Star Wars, Gruseln, Haustiere und Werkzeuge.

Der Radiorebell Podcast: Hier spricht ein Vater mit seinem Sohn Jay-Jay und beschreibt den gemeinsamen Podcast so: „Der Blickwinkel meines Sohnes ist oftmals ein anderer. Nicht schlechter. Nicht besser. Anders.
Das ist für mich manchmal sehr lehrreich, frustrierend, euphorisierend und niederschmetternd, für Ihn aber durchgehend amüsant, hilfreich und spaßig. […]“

Sehr oft empfohlen wurde mir: The Longest Shortest Time – beschrieben als „The parenting show for everyone. Hosted by This American Life contributor and author Hillary Frank.“

Der Kidz-Podcast: „Alles rings um Kinder. Ob Pflegekinder, Menschen, die mit Kindern arbeiten, pädagogische Konzepte und Ideen rund um das Leben mit Kindern.“

Und genauer vorstellen werde ich demnächst den Eltern ABC Podcast aus der Schweiz, bei dem ich neulich mitgemacht habe.

Völlig unbekannt war mir bislang die Podcast Suchmaschine fyyd.

Wenn ihr weitere Tipps und Empfehlungen habt, freue ich mich über eure Kommentare. Vor allem dann wenn es um die Mütterperspektive geht. Die scheinen beim Podcasten noch nicht ganz so stark vertreten zu sein, scheint mir.

[Werbung] Ein Wochenende im 25hours hotel hafencity Hamburg

Im 25hours hotel hafencity bleiben keine Wünsche offen. Auch nicht bei den Kindern.

25hours hamburg hafencityImmer wenn ich in Hamburg bin, denke ich, ich müsste eigentlich mal länger nach Hamburg – womöglich sollte ich da mal Urlaub machen. So geht das seit Jahren – allerdings bleibt es dann doch meistens bei einem Wochenendtrip – so wie am vergangenen Wochenende.

Hamburg ist von Berlin aus in unter zwei Stunden mit dem Zug zu erreichen – alleine das macht Hamburg zu einem guten Wochenendziel. Das Geld für die Sitzplatzreservierung lohnt sich übrigens in jedem Fall. Ich glaube, viele Menschen pendeln zwischen Berlin und Hamburg und so sind die Züge v.a. Sonntag Abend auf der Rückreise sehr voll.

Wir sind Samstag gefahren und wurden dann zu meiner großen Freude vom 25hours hotel hafencity eingeladen, eine Nacht dort zu verbringen.

Ich kannte das 25hours hotel hafencity bereits von einem Kurzaufenthalt und war, ehrlich gesagt, schon Fan. Ich liebe das Design und das Schiffsthema, welches das gesamte Hotel durchzieht. Ich hatte bereits bei Berlinfreckles über die Kindergeeignetheit des Hotels gelesen und war gespannt, was Kind 2.0 und 3.0 sagen würden.

Das Personal des Hotels hatte im Vorfeld gesagt, dass sie natürlich versuchten familienfreundlich zu sein, dass sie jedoch nicht extra auf Familien bzw. Kinder ausgerichtet seien.

Das fand ich insofern witzig, weil ich es eben in den allermeisten Fällen die kleinen Details sind, die einen Ort kinderfreundlich machen und nicht die pompöse Hüpfburg, die man extra für die Kinder aufstellt.

Und wenn man eines ganz sicher sagen kann: In den Details stimmt im HafenCity wirklich alles (nicht nur für die Kinder).

Wir haben ein großes Zimmer mit Doppelbett bekommen, das durch zwei Zustellbetten aufgepimpt war. Als wir in das Zimmer kamen, war es schwer die Kinder fünf Minuten im Zaum zu halten, um schnell Fotos zu machen. Trotz der Zustellbetten, war noch viel Platz.

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Die Vorhänge wurden aufgerissen (das Zimmer hat bodentiefe Fenster an zwei Seiten und man kann auf den Hafen – das Hafenbecken (?) schauen) und hätte ich nicht gewusst, dass um die Ecke ein sensationell großer und schöner Spielplatz liegt, hätten wir die Kinder nicht mehr aus dem Zimmer bekommen.

So packten wir unsere mitgebrachten Picknicksachen und verbrachten den Abend am Spielplatz im Grasbrookpark, wo es sogar Tische gibt, an denen man essen kann und tagsüber einen mobilen Kaffeestand.

Kind 2.0 und Kind 3.0 gaben dem Spielplatz eine 1-, wobei Kind 2.0 sagte, das sei der tollste Spielplatz gewesen, auf dem es JEMALS war (und ich kann versichern, wir haben schon viele tolle Spielplätze gesehen…). Das Minus vergab Kind 3.0 weil das Klettergerüst an einigen Stellen zu anspruchsvoll für die Körperlänge eines Kindergartenkindes gewesen sei. Auf der anderen Seite heisst das natürlich, dass auch ältere Kinder auf diesem Spielplatz noch jede Menge Spaß haben können.

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Gegen 22 Uhr liefen wir zum Hotel zurück und schauten uns den Wohnzimmerbereich im 1. Stock des Hotels an. Dort gab es eine Eisenbahn, die Kind 3.0 , während Kind 2.0 und wir Erwachsenen Kicker spielten, aufbaute.

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Am Weg zum Aufzug legten wir noch einen kleinen Zwischenstopp ein, um den Kindern zu zeigen, wie man früher Computer gespielt hat. Dort steht ein funktionsfähiger Atari mit einigen Spielen.

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Zur Feier des Tages durften die Kinder zum Einschlafen noch „Bernd das Brot“ schauen und freuten sich, dass sie am nächsten Morgen beim Aufreißen der Vorhänge ein ziemlich großes Schiff vor dem Hotel entdeckten.

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Ich hatte schon auf dem Weg nach Hamburg von dem schönen Badezimmer im Hotel berichtet. Die Kinder verkündeten deswegen stolz, dass sie sich extra Sand auf den Kopf geworfen hätten, damit sie duschen könnten. Wäre jetzt nicht nötig gewesen, aber so konnten wir die Dusche also auch nochmal testen.

Gegen 10 Uhr wankten wir schließlich zum Frühstücksbuffet. Diese Uhrzeit war, wie wir dann feststellen konnten, die beliebteste Frühstücksuhrzeit. Nachdem im Innenbereich alles belegt war, fanden wir aber draußen noch Plätze.

Das Buffet im Hotel ist wirklich reichhaltig und vielseitig. Es bleiben keine Wünsche offen. Es gibt Brötchen, Brot, Croissants, Brezeln, Müsli, Käse, Fisch, Wurst und Schinken, Eier, Obst, Grießbrei, Säfte, Wasser, Tee und Kaffee.

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Kind 2.0 und 3.0, die eigentlich nie was für sich finden, wenn wir auswärts essen gehen, waren sehr zufrieden. Kind 3.0 und ich haben Weißwürste gegessen, die wirklich sehr, sehr lecker waren. Das Ganze wurde spartanisch mit einer Brezel abgerundet.

Auf dem Weg nach draußen haben wir dann noch das Bobby Car und das hoteleigene Laufrad entdeckt und Kind 2.0 und 3.0 waren sehr empört, dass wir das Hotel verlassen, ohne alles vorher ausprobiert zu haben.

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Fazit: Beide Kinder waren der Meinung, dass wir u n b e d i n g t nochmal zurück kommen müssten.

Ich kann dazu sagen: Ich stimme zu, ich liebe das Hotel und seine Details und auch seinen Service sehr. Die Preise sind allerdings so, dass so ein Wochenendtripp eher was Besonderes bleibt. Man dann aber sicher sein kann, dass es an nichts mangelt und man wirklich Freude an seinem Aufenthalt hat.


P.S. Kind 3.0 sagt, ich solle dringend noch ein Bild des Kotzeimers zeigen, das sei schließlich auch sehr kinderfreundlich, weil Kinder gelegentlich spontan erbrechen (oder muss es korrekt „erbrüchen“ lauten?)

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Morgen gehts im Blog weiter mit der Lego-Ausstellung, die wir im Anschluss besucht haben.

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25hours – die Liebe beruht auf Gegenseitigkeit <3

VR und die Einsatzmöglichkeiten

VR
Quelle: pixabay @fill

Auf der re:publica hätte ich ausreichend Möglichkeiten gehabt – dennoch habe ich noch nie eine VR-Brille aufgehabt… doch… halt! Doch, doch! Einmal hatte ich eine an.

Auf einer der vergangenen pictoplasma Ausstellungen hatte ich eine auf. Das war so: Man konnte sich anstellen, die Brille aufsetzen und dann zeigte einem die Brille durch einen Blick in einen virtuellen Spiegel das wahre Ich. Die Schlange war lang und alle ganz gespannt. Die Menschen zogen die Brille an, schauten vor sich in den Spiegel der Offenbarung, wedelten mit Armen und Beinen, lachten, drehten ihren Körper einige Male hin und her so als ob sie sich betrachteten und zogen dann die Brille wieder ab, um sie der nächsten wartenden Person zu überreichen.

Wenn die Menschen in der Reihe sich kannten, fragten sie sich gegenseitig: „Und, was warst du?“

„Ein Einhorn auf zwei Beinen!“

„Eine mächtige Gewitterwolke mit düsteren Augen.“

„Eine Art Gorilla mit sehr, sehr kräftigen Armen.“

Ich war schon soooo gespannt. Dann war ich endlich an der Reihe. Ich zog die Brille über und blickte mein Alter Ego im Spiegel an.

Ich war…

Ich war…

…ein dampfender Kackhaufen auf zwei sehr dünnen Beinen. En fröhlich dreinblickender, das will ich nicht leugnen, aber eben doch ein Kackhaufen. Ich tat was alle taten. Arme hoch, Arme runter, der Kackhaufen machte mich nach. Ich ging in die Knie, der Kackhaufen auch.

VR ist nicht immer schön
Die ernüchternde Wahrheit

Das war bislang meine einzige VR-Brillen-Erfahrung.

Seitdem gibt es lediglich in meiner Twittertimeline einen Schnittpunkt zu diesem Thema, die mir immer mal wieder Videos von Menschen zeigt, die in Todespanik mit VR-Brillen virtuelle Welten erkunden, sei es auf Planken über Hochhäuser, sei es inmitten der Zombie-Apokalypse.

Mir tun diese Menschen eigentlich eher leid, als dass ich über sie lachen könnte. Für viele scheint eine VR Erfahrung nicht von einer Erfahrung der Kohlenstoffwelt unterscheidbar zu sein. Sie schreien, krümmen sich und wimmern. Ich hab noch nie gesehen, dass sich jemand die Brille einfach abreißt. Meistens kommt eine weitere Person und erlöst den Menschen aus der virtuellen Realität.

Neulich gabs auch mal einen Beitrag bei Breitband zum Thema „VR Porn“. Das Thema finde ich total interessant. Würde ich das (wenn das mal wirklich ausgereift ist) ausprobieren? Ist das unmoralisch und gleichzusetzen mit Fremdgehen? Was ist, wenn das mehr Spaß macht als Sex in der Kohlenstoffwelt? Wie verändert das die Gesellschaft? Wenn alle immer genau die körperliche Nähe (und den Sex) haben können, die sich wünschen? Uiuiuiui…

Egal. Ich glaube ja nicht, dass ich mir diese Fragen in meinem Leben noch tatsächlich stellen muss.

Neulich dachte ich weiter über den Begriff Porn nach. Interessant ist ja, dass der Begriff Porn im Essenskontext unsexualisiert benutzt wird. Wenn man auf instagram nach #foodporn sucht, bekommt man einfach nur Essensfotos. Nicht mal ausschließlich geiles Essen. Also diese Art Essen, das im Alter vielleicht den Sex ersetzen kann – nein, Menschen fotografieren ihren Kantinenfraß und setzen das Hashtag #foodporn drunter.

Porn scheint hier also weiter gefasst zu sein. Es geht wohl mehr um Dinge, die einen in Ekstase versetzen, die einen glücklich machen, die einen total begeistern.

In dem Zusammenhang wiederum hab ich überlegt, welche Genres sich in den virtuellen Welten allgemein durchsetzen werden. Sex – klar – das ist total naheliegend. Extremsport – auch das verständlich – denn man kann dann einen Adrenalinkick ohne die tatsächliche Gefahr haben und dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen: ein weiteres Genre würde Elternporn sein!

Und zwar im unsexualisierten Sinne. Eltern haben ja keinen Sex (also mindestens die 40%, die ein Familienbett haben nicht und die andern sind auch zu müde…). Mit Elternporn sind eher Dinge gemeint, die man im echten Alltag mit Kindern nie hat, aber eigentlich UNBEDINGT haben will. Dinge, an denen man jeden Tag erneut scheitert.

Ich stelle mir das so vor: Ich setze die VR Brille auf und starte Das Morgenprogramm und das läuft dann so ab:

„Kinder! Anziehen!“

Kinder: „Ok, Mama.“

IST. DAS. NICHT. GEIL? Das Programm verkaufe ich für 89 Cent (dauert ja auch nicht sooo lange). Das würden doch alle kaufen, oder? Stellt euch das doch mal vor!

Oder Tisch decken:

„Kinder, Tisch decken!“

„Alles klar, Mama“ und 5 Minuten später ist der Tisch gedeckt.

Oder Zimmer aufräumen…, Zähne putzen…, ordentlich zu Tisch essen… die Möglichkeiten sind endlos. Endlos!

Ich werde reich! Ich habe eine Marktlücke entdeckt!

Ich muss das mal testen. Ohhh! Hach! Awww!

HEY! NEIN! LASSEN SIE DAS! NICHT DIE BRILLE ABNEHMEN! NEIN! EY!

Meine rpTEN

Seit ich die letzten Jahre zwischen Weihnachten und Neujahr am Chaos Communication Congress war, hatte ich ein bisschen die Lust auf die re:publica verloren.

Woran das jetzt genau lag, kann ich nicht sagen. Was mir auf jeden Fall besser dort gefällt, ist die kuschelige Stimmung. Obwohl da 10.000 Menschen sind, hatte ich auch nach vier Tagen nicht das Gefühl erstmal für zwei Wochen in das kanadische Hinterland ziehen zu wollen. Das ging mir nach anderthalb Tagen re:publica aber so.

Was mir am Chaos Communication Congress auch besser gefallen hat, ist die Möglichkeit und Vielfalt der Kinderbeschäftigung. Das ist aber letztendlich Äpfel mit Birnen vergleichen. Der Chaos Communication Congress findet ja in den Winterferien statt und da gibt es offensichtlich einen total anderen Kinderintegrationsbedarf. Daraus ist in den vergangenen Jahren sicherlich auch das irre vielfältige „Programm“ entstanden, das zumindest meinen Kindern das Gefühl gegeben hat, dass es sich um die großartigste Konferenz aller Zeiten handelt.

Ich habe meine Kinder dieses Jahr bewusst mit zur re:publica mitgenommen. Persönlich fand ich den re.play ein wenig, naja sagen wir, klein und unspannend – Kind 3.0 war aber zufrieden. Abends hat es eine gut gemeinte 2+ vergeben.

rpTEN Das Bällebad

Für Kind 2.0 (deutliches Schulalter), das ich am Nachmittag dazu geholt habe, gabs viel mehr Spannendes zu erleben. U.a. eine Fragesession mit Randall Munroe. Da es „Kids only“ hieß, waren da auch wirklich nur Kinder (und ihre Eltern), was unterm Strich hieß, dass sich ca. sieben Kinder mit Randall Munroe unterhalten haben.

[Ich hab insgesamt überhaupt sehr, sehr wenig Kinder auf der re:publica gesehen. Gefühlt zwanzig am Tag. Witzigerweise wurden die aber ständig fotografiert. Das Alter der Besucherinnen und Besucher schien mir überhaupt sehr homogen, so zwischen Ende Zwanzig bis Ende Vierzig. Jüngere und ältere waren eher wenig zu sehen.]

Kind 2.0 fand die Möglichkeit Randall Munroe Fragen stellen zu können so klasse, dass es sich gleich drei Mal angestellt hat. Es wollte wissen:

  • Was passiert wenn die Wüsten zur Antarktis werden?
  • Was passiert wenn Insekten riesengroß und Menschen winzig klein werden?
  • Sofern der Mond auf die Erde stürzt und alles Leben auslöscht – würde sich die Erdgeschichte und die Evolution dann wiederholen?

Die Antworten waren sehr unterhaltsam. Ich bewundere Randall Munroe für seinen Spaß und die Ernsthaftigkeit, sich den Kinderfragen zu widmen. Ich hab’s nicht recherchiert, ich denke aber, Randall hat keine eigenen Kinder. Wie sonst könnte man noch freiwillig Fragen beantworten können?

Wobei ich auch sagen muss, diese Kinder, die sind schon krass. Ein anderes Kind fragte: Wird Elon Musk die Welt retten?

Ich meine WTF? Woher kennen neunjährige Elon Musk?

Es gab jedenfalls für größere Kinder durchaus gutes re:publica Programm.

Im übrigen bin ich ab einem gewissen Alter dafür, die Kinder einfach mitzuschleppen – auch in Vorträge. Es ist ganz erstaunlich, wie informativ und unterhaltend Vorträge für Kinder sein können und was sie den Kindern mit auf den Weg geben.

Musterbeispiel dafür der Vortrag von Moritz Metz „Fliegende Computer und ihre tollkühnen Piloten“. Mehr dazu übrigens bei Deutschlandradio Kultur.

Kind 3.0 wollte im Saal sitzen bleiben und die anderen Teile von Moritz Metz Vortrag auch noch hören. Seit dem Vortrag werden bei uns Drohnen gemalt.

rpTEN Drohnen

Wir haben uns außerdem den Vortrag „Kinderbücher: inklusiv. queer. interkulturell. Aber wie?“ angeschaut:

Und dann festgestellt, dass wir an unserem Buchbestand dringend noch arbeiten müssen.

Aus Gründen haben wir uns auch den Vortrag von Marcus Richter „What’s in a game?“ angeschaut. Ich musste Kind 3.0 nur kurz bei The Walking Dead die Augen zuhalten.

Marcus Richter gibt da einen sehr guten Einblick in die Spielarten, die es neben den bekannten Formaten wie Ego-Shootern und MOBA noch gibt. Er stellte die These auf, dass es um das Wissen um die Vielfältigkeit von Computerspielen noch bescheiden bestellt ist (und hat recht).

Ich fand den Überblick sehr vielfältig und anschaulich und war sehr davon fasziniert, dass man Keynote mit einer Wii-Fernbedienung steuern kann.

Rae Grimm schreibt zu dem Vortrag:

Marcus Richter wirft nicht (nur) mit knallharten Fakten um sich, sondern spricht allem voran aus einem Bauchgefühl heraus und nennt ein paar Spiele wie Firewatch, Life is Strange oder The Walking Dead, mit denen ihr versuchen könnt, die Nicht-Spieler in eurem Leben für euer Lieblingshobby zu begeistern und sie ebenfalls sagen zu lassen: „Ich wusste gar nicht, dass Computerspiele so etwas können.“

Beim Thema Spielen geht es mir ein bisschen wie mit Snapchat. Ich denke immer, ich müsste mich da mal mit beschäftigen, um den Anschluss an meine Kinder nicht zu verlieren.

Nach dem Vortrag hätte ich jedenfalls gerne alle vorgestellten Spiele ausprobiert. Ging wohl nicht nur mir so.

Um nochmal den Bogen zum Anfang zu schlagen: Die re:publica dieses Jahr hat mir wieder sehr gut gefallen. Ich werde die nächsten Wochen damit verbringen Vorträge anzuschauen, die ich verpasst habe. Zum Beispiel den von Journelle „Das Internet hat mich dick gemacht“ oder den von Kübra Gümüsay „Organisierte Liebe„.

Über die Privatheit von Familienblogs

Auf der #denkst Familienbloggerkonferenz habe ich mit nur 54 Folien einen Vortrag zum Thema „Über die Privatheit von Familienblogs und die Frage: gehört das wirklich ins Netz?“ „Kinderfotos gehören ins Netz!“* gehalten.

Tweets dazu gibt es bei Twitter mit dem Hashtag #privatheit und #denkst.

*Zu meinem eigenen Erstaunen, hat sich meine Haltung zur Frage des Postens von Kinderfotos im Netz durch die intensive Beschäftigung mit dem Thema im Vergleich zum Vorjahr deutlich gelockert. Nach der 3. Überarbeitung habe ich den Vortragstitel geändert und die Inhalte entsprechend angepasst. Ich erwarte nun freudig die hitzige Diskussion.

Im Schwerpunkt habe ich mich mit Kinderfotos beschäftigt – bin am Ende aber noch auf die Frage der Texte über Kinder eingegangen.

Bevor ich überhaupt über die Argumente für und gegen das Posten von Kinderfotos gesprochen habe, habe ich mir ein paar Gedanken zu der motivationalen Lage gemacht.

Wir posten Fotos denn:

  • ­Bilder schaffen Nähe
  • ­Bilder sagen mehr als 1000 Worte
  • ­wir können den Moment festhalten
  • ­Freunde und Stolz teilen
  • ­mit den Bildern vermitteln wir Persönlichkeit und natürlich
  • ­erhöhen Bilder die Aufmerksamkeit bei Leserinnen und Lesern.

Wenn man sich Fotos von Kim Kardashians Sohn (2,9 Mio Likes!) anschaut, fragt man sich zu Recht: Was kann denn überhaupt das Problem sein? Wie könnte so ein niedliches Babyfoto ein Problem für irgendwen werden?

Ich stelle deswegen einige Beispiele vor, bei denen Fotos ein Problem wurden.

Es gibt z.B. ein niederländisches Aktionistenduo (Ellen Bijsterbosch und Tijmen Schep), die aus fremden Kinderfotos, die von Eltern bei flickr unter einer CC Lizenz eingestellt wurden, einen Tassenshop gemacht haben.

Ähnlich unschön ist es, wenn eigene Bilder auf einer viel geteilten Buzzfeed-, 9GAG- oder imgur-Liste landen. Wer will schon Teil auf der Liste 22 Akward Moments That Happen When You’re Bad With Kids oder 27 People Who Are Way Worse At Parenting Than You sein?

Nirvana Nevermind Cover Baby Spencer Elden ist heute 25 und muss sich immer noch anhören, dass er „the guy with the small penis“ ist. Das Album wurde bis heute 26 Mio verkauft…

Auch können Fotos total aus dem Kontext gerissen werden und unabhängig von den Nutzungsrechten missbraucht werden. Jüngstes Beispiel ist das blonde Kind in einer Runde indischer Kinder, das u.a. Steinbach dazu benutzt hat, um Ängste gegen Überfremdung zu schüren.

Schwarzseherisch kann man jetzt sagen: Alles, was ins Netz gestellt wird, kann potentiell missbraucht werden.

Das einzige, was außerdem gegen die GesichtserkennungsalgorithmenFacebook Profiling und Corporate data mining hilft, ist in letzter Konsequenz gar keine Fotos zu postenNetzwerke sind Wirtschaftsunternehmen, die am Ende immer das Ziel haben Profit zu machen. Es werden in der Regel riesige Datenmengen gesammelt und weiterverwertet (zB um auf den User abgestimmte Werbung zu schalten).

Netzwerke haben immer wieder Probleme die Sicherheit der personenbezognen Daten zu gewährleisten. Egal wie die Benutzereinstellungen sind, es gibt keine 100% Sicherheit, dass Daten nicht abhanden und ggf. missbraucht werden können.

Natürlich gibt es auch Fälle, in denen Kinderfotos Gutes bewirkt haben. Der Junge vom Success Kid Mem, Sammy Grinder, konnte z.B. 2015 über 90.000 $ crowdfunden, weil sein Vater Geld für eine Nierenplantation benötigte.

Ist das am nur die Ausnahme der Ausnahme? Will man wirklich keinerlei Risiken eingehen, bleibt weiterhin als letzte Konsequenz keine Kinderfotos im Netz zu posten.

ABER: Soll das Internet wirklich ein kinderfreier Raum werden?

In der Kohlenstoffwelt gibt es ja schon kinderfreie Orte oder Orte, die gerne kinderfrei wären.

The Barn Rostery hat erst mit angeblichen Brandschutzmaßnahmen (Pollern im Eingang) die Kinderwagen ausgeschlossen und dann Müttern das Stillen in der Fensterfront des Cafés untersagt.

Das Hotel Esplanade in Bad Saarow ist kinderfrei und damit nur Teil einer aktuellen Entwicklung.

Zwei asiatische Airlines rühmen sich kinderfreier Zonen und am Ende kann man sich den Science-Fiction Film „Children of Men“ mal anschauen. Da leben die Menschen in einer komplett kinderfreien Welt, weil seit 18 Jahren kein Kind mehr geboren wurde. Ich spoilere nicht zu viel wenn ich verrate, dass das keine schöne Welt mehr ist.

Ob Internet oder Kohlenstoffwelt – persönlich möchte ich keine kinderfreien Orte. Ich halte nichts von Exklusion. Deswegen habe ich mir die Argumente für das Posten von Kinderfotos mal angesehen. Ich lasse sie bewusst unkommentiert und hoffe, dass sie nicht sofort Reaktanz auslösen sondern Anlass bieten wirklich mal darüber nachzudenken, was für Kinderfotos im Netz spricht.

  • Alle machen das, das ist die Normalität

„Das Posten von Fotos im Netz ist gerade für junge Menschen so normal geworden, dass unsere Jungs uns ein paar Familienfotos der letzten Jahre, auf denen sie auch zu sehen sind, garantiert nicht vorwerfen würden.“*

Johnny Haeusler

  • Ich bin die Mutter/der Vater, ich entscheide auch andere Dinge für mein Kind, deswegen kann ich das auch entscheiden.

Das ist völlig richtig. Rechtlich gesehen können Eltern minderjähriger Kinder frei entscheiden, ob sie Bilder ins Netz stellen oder nicht. Die Kinder gelten als noch nicht einsichts- und geschäftsfähig, und das betrifft auch das Recht am eigenen Bild. Sobald das Kind die Risiken, die damit verbunden sind, selbst einschätzen kann, darf es aber mitentscheiden. Das ist in etwa im Alter von 12 bis 14 Jahren der Fall.

  • Ja, vielleicht sind die Kinder mal unzufrieden mit der Entscheidung, aber das wird in anderen Erziehungsthemen auch so sein, damit muss man leben.

„Das Kind könne ja noch nicht mal entscheiden, ob es das will, so der Tenor. Gegenfrage: Hat denn das Kind was zu sagen gehabt beim Eintritt in die Kinderkrippe?“*

Claudia Marinka

  • Gewisse Grenzen sind zu wahren – peinliche und entkleidete Fotos werden ohnehin nicht ins Netz gestellt, harmlose Fotos sind OK.
  • Das Risiko, dass „was Schlimmes“ mit den Bildern passiert, ist gering. Gemessen an der Anzahl aller hochgeladenen Bilder im Netz, ist die Anzahl der Fälle von Missbrauch verschwindend gering.
  • Bilder helfen den Alltag von Eltern zu vergleichen (Stichwort: Online-Eltern-Clan), deswegen sind sie hilfreich und gut.

„Die große Chance sozialer Medien, Kindern aus der Ausgrenzung wieder zurück in den Alltag zu holen, wird durch eine kulturhistorische Ablehnung des Bildes und paternalistische Haltung Eltern gegenüber vertan.“*

Caspar Clemens Mierau

Von Susanne Mierau stammt der Begriff des Online-Eltern-Clans. Fotos und Texte über Kinder helfen uns Teil einer Gemeinschaft zu werden. Sie helfen uns beim Austausch von Erfahrungen und Lebensrealitäten. Sie sind uns Rat und Einblick, wir teilen unsere Elternschaft dadurch und sind nicht mehr auf uns alleine gestellt. Für mich ist das neben dem Sichtbarkeitsaspekt, das wichtigste Argument für das Teilen von Fotos und Texten über Kinder.

Also: Am Ende ist die Frage gar nicht, ob oder ob nicht, sondern in welcher Art und Weise Kinderfotos im Netz gepostet werden.

Es gibt eine Menge Alternativen, wie man Fotos posten kann und trotzdem die Persönlichkeitsrechte der Kinder wahrt.

(Danke an @caschy, @heibie und @Mama arbeitet für die Beispielbilder)

Gar keine Fotos posten, kann also nicht der Weg sein. Kinder sind Teil unserer Gesellschaften und sollen deswegen auch sichtbar stattfinden.

Ein kleiner Exkurs zu behinderten Kindern: Ich wurde in den Kommentaren von einer Mutter eines behinderten Kindes darauf hingewiesen, dass die Situation hier nochmal eine besondere ist. Zum einen, weil es sein kann, dass die Kinder unabhängig vom Alter (z.B. aufgrund einer geistigen Behinderung) nie entscheiden werden können, ob sie Fotos von sich im Netz haben wollen und zum anderen weil Inklusion in der realen Welt schon so rar ist, dass das Nicht-Zeigen von behinderten Kindern das Internet zu einem weiteren Ort machen würde, der frei von Behinderungen gehalten wird.

Natürlich ist die Meinung über dieses Thema auch hier nicht bei allen die selbe.

Am Ende ist und bleibt es die eigene Entscheidung. Es gibt lediglich Entscheidungshilfen.

Zum Beispiel die Uni Basel forscht zu diesem Thema und dabei sind  zwei, wie ich finde, sehr gute und differenzierte Broschüren entstanden:
Der Entscheidungskreis für das Online-Stellen von Bildern und der Elternguide für das Online-Stellen von Fotos.

Ansonsten kann man sich durch die Tipps anderer hangeln, wie z.B. Béa Beste, die sagt:

„Better safe than sorry – aber „safe“ heißt nicht „nix machen“, es heißt „vorsichtig machen“*

Zusammengefasst hilft nur nachdenken, nachdenken, nachdenken. Und wenn die Kinder alt genug sind – einfach in die Entscheidung miteinbeziehen.

Sowie regelmäßig prüfen: Wer profitiert vom Posten der Kinderfotos? Und hier kann die Antwort eben ganz klar sein: Die Gesellschaft

Apropos Verantwortung! Bei der Frage um die Kinderfotos geht es nicht nur um das Posten sondern auch um die Frage was like ich eigentlich, was teile ich und was bewirkt das?

Da packe ich mich an die eigene Nase. Ich habe mir auch schon zweifelhafte Videos und Bilder angeschaut und gelikt oder geteilt. Ich bin dann Teil dieser viralen Verbreitung!

Es ist und bleibt also ein Lernprozess. Wir müssen den richtigen Umgang damit lernen. (Dass das geht, zeigt der Umgang mit den geleakten Promifotos. Es gibt in meiner Filterbubble nur sehr wenige Ausnahmen, die diese Fotos noch geteilt haben…)

Noch ein Wort zum Unterschied von Fotos und Texten. Texte sind für mich eher wie gemalte Bilder. Sie beschreiben etwas, geben aber kein 1 zu 1 Bild wieder. Ich glaube, es gibt auch weitere Unterschiede.

Bei Fotos ist die Usability des Missbrauchs besser. Es ist viel einfacher sie in einen anderen Kontext zu stellen, sie sind leichter zu teilen und man erreicht viel schneller eine höhere Reichweite.

Ich habe länger nach einem Beispiel eines Textes gesucht, der so wie die oben genannten Bilderbeispiele missbraucht wurde und nichts gefunden. Wer ein Beispiel kennt, möge es mir bitte sagen!

Ein guter Hinweis kam noch auf auf meine Frage: Sind Texte über Kinder im Netz was anderes als Fotos von Kindern? Wenn ja, warum?

Natürlich gibt es auch im Textbereich Beispiele von Texten über Kinder, die viele hunderttausend, vielleicht millionenfach gelesen worden sind und in diesem Zusammenhang bin auf die Bücher und Kolumnen von Jan Weiler gestoßen, der u.a. sehr erfolgreich über das Thema Pubertät schreibt.

Ich habe ihn gefragt, ob er glaubt, dass Bilder und Texte das selbe sind und wie seine Kinder sich mit seinen Texten fühlen. Er hat die Frage bejaht und klar gestellt “ [ich muss deutlich machen], dass ich keine Texte über meine Kinder veröffentliche.“ Er schreibe Texte über fiktionale Figuren. Natürlich habe er zwei Kinder, aber die hießen anders und seien anders als die Figuren seiner Geschichten. Er achte die Persönlichkeitsrechte seiner Kinder und schreibe nur über verallgemeinbare Prozesse oder Themen, niemals über individuelle Probleme seiner Kinder.

Auch würden sich seine Kinder mit den Texten wohl fühlen und kämen auch gelegentlich zu seinen Veranstaltungen.

Für mich ist das ähnlich. Meine Texte entsprechen den Fotos mit den Katzenköpfen. Sie sind ein Gemisch aus wahren und erfundenen Gegebenheiten – mir geht es um die prototypischen Situationen. Kind 1.0, 2.0, 3.0 sind Projektionsflächen – keine 1 zu 1 Darstellungen. Ich versuche immer Fokus auf mich und meine Sicht/Rolle als Mutter und dem Verarbeiten von Erlebten zu setzen.

Plus: In der Zwischenzeit sind alle Kinder in dem Alter, in dem ich Rücksprache halten kann, ob OK ist, was ich poste – was ich auch mache.

Am Ende gilt für Texte dennoch was ähnliches wie für Fotos

  • ­Wenn Peinlichkeiten enthalten sind, nicht posten.
  • Wenn die Kinder damit googelbar werden, nicht posten.
  • Wenn Persönlichkeitsrechte verletzt werden, nicht posten.

Zuletzt geht es um Respekt und Grenzen. Bei Jesper Juul habe ich zu vielen Erziehungsfragen gelesen, dass es hilft sich zu fragen: Würdet ihr das mit einem Erwachsenen/dem Partner/einer Freundin auch so machen?

Deswegen zusammenfassend: Natürlich ist es eine persönliche Entscheidung der Eltern, ob sie Bilder posten und ob sie Texte über ihre Kinder veröffentlichen. Das klingt banal, aber ich möchte das wirklich nochmal hervorheben, v.a. nachdem ich facebook Kommentare unter einem Pro Posten Artikel gelesen habe und entsetzt war.

Jede/r muss für sich regelmäßig die Haltung überdenken, denn die Rahmenbedingungen ändern sich, die Kinder ändern sich, die Welt ändert sich, man selbst ändert sich. Was in 10-15 Jahren sein wird, können wir nicht sagen: Schlimmstenfalls (in meinem Fall):

„Mama, war ich nicht süß genug oder warum hast du nie ein Foto mit Gesicht gepostet?“*

¯\_(?)_/¯

Wichtige Anregungen für meinen Vortrag kamen von:

Im Vortrag genannt als Entscheidungshilfen:

tldr:

Kinder sind Teil unserer Gesellschaft. Natürlich sollen sie auch im Internet stattfinden. Die Frage ist also nicht, OB man Kinderfotos postet oder nicht, sondern viel mehr – auf welche Art und Weise man das tun.

 


Feedback zum Vortrag und weitere Artikel zum Thema:


Weltkugelbahn: Wenn Kinderbilder im Netz Familien zusammen halten


Mama Notes: Mein Besuch auf der Elternbloggerkonferenz denkst
Mamis Blog: Denkst 2015

Meine Erziehungsnemesis

Ich erinnere mich an ein Entwicklungsgespräch im Kindergarten.

Erzieherin: „Hast du noch Fragen?“
Ich: „Ja, äh also, wie ist das bei euch mit dem Essen?“
Erzieherin: „Was meinst du?“
Ich: „Bleibt Kind 2.0 bei euch sitzen?“
*hysterisches Auflachen*

Dann erinnere ich mich an ein weiteres Entwicklungsgespräch im Kindergarten.

Erzieherin: „Hast du noch Fragen?“
Ich: „Ja, äh also, wie ist das bei euch mit dem Essen?“
Erzieherin: „Was meinst du?“
Ich: „Bleibt Kind 3.0 bei euch sitzen?“
*resigniertes Abwinken*

Diese beiden Dialoge fassen unsere gemeinsamen Mahlzeiten eigentlich ganz gut zusammen.

Egal ob Frühstück, Mittagessen oder Abendessen – es ist furchtbar. In meiner naiv romantischen Vorstellung dachte ich, gemeinsame Essen finden so statt: Wir setzen uns alle an den Tisch. Wir nehmen das Besteck in die Hand und essen. Während wir essen, erzählen wir uns vom Tag, wir lachen, gießen uns Saftschorle nach und am Ende lehnen wir uns zurück und plaudern noch ein bisschen mehr. Wir sind alle ganz entspannt.

Werbefernsehromantik, ja, ja. Ich bin wieder drauf reingefallen. Werbefernsehen hat mir eine unrealistische Vorstellung davon vermittelt, wie mein Leben mit Kindern sein könnte.

In Wirklichkeit sieht es so aus: Ich habe bis nachmittags gearbeitet, hole Kind 3.0 vom Kindergarten ab, wir gehen schnell einkaufen. Es ist 17.15 Uhr. Wir kommen zuhause an. Kind 2.0 ist schon da und mich überschwappt eine Welle heuteinderSchuldeunddieAnnahatdannnochaberdahatdannderTimblblblblblblbl schwaaahhhblablablabalbalbalblubblu.

Ich bin müde, total erschöpft, ich will eigentlich nur eines: meine Ruhe.

Ich packe die Einkäufe weg. Kind 3.0 hat jetzt auch was zu erzählen. Ohne Punkt und Komma. Es fällt mir schwer zuzuhören. Ich höre graues Rauschen wie Jen bei der IT Crowd wenn Moss etwas Technisches erklärt.

Ich fange an zu kochen. Die Kinder „spielen“ derweil im Kinderzimmer.

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Mit letzter Kraft schleppe ich mich an den Wohnzimmertisch und rufe „Essen ist fertig!“.

Die Kinder kommen. Kind 3.0 greift mit den Händen ins Essen.

Ich: „Kannst du bitte Besteck benutzen?“

Kind 3.0 verdreht die Augen. Kind 2.0: „Jetzt nimm das Messer, ey!“

Kind 3.0: „Du sollst nisch über misch bestimmen!“

Ich: „Richtig, aber bitte benutz doch das Besteck, Kind 3.0!“

Kind 3.0 wirft wütend die Hand voll Kartoffelpürree, die es gerade aufgenommen hat auf den Teller zurück. SCHLOZ. Soße spritzt auf den Tisch. Kind 3.0 steht auf und stempelt mit den vollgesabberten Händen folgende Gegenstände: Tisch, Stuhl, Türgriff Wohnzimmer, Türrahmen Wohnzimmer, Türgriff Küche, Türrahmen Küche, Ablage Küche, Spüle, unerklärlicherweise Wand, wieder Türgriff Küche, Türrahmen Küche, Türgriff Wohnzimmer, Türrahmen Wohnzimmer, Stuhl, Tisch.

Es „wischt“ die Soße auf.

In der Zwischenzeit hat Kind 2.0 das Essen aus dem Mund fallen lassen: „Ist ja ekelhaft. Ist das wieder so ein komisches vegetarisches Zeug?“

Ich: „Wollte ich mal ausprobieren.“

Kind 2.0: „Ich esse Jogurt!“

Kind 3.0: „Isch auch.“

Ich bin zu schwach Widerstand zu leisten. Jogurt wird geholt. Kind 3.0 ist derweil verloren gegangen.

Ich rufe: „Kind 3.0, bist du fertig mit dem Essen?“

Kind 3.0 aus der Ferne: „Neeee!“

Kind 2.0 fängt an zu singen.

Ich: „Nicht singen am Tisch!“

Kind 3.0 erscheint im Türrahmen und singt mit.

Ich nicke kurz ein. Als ich aufwache, hat Kind 3.0 die Füße auf dem Tisch abgelegt. Kind 2.0 übt Capoeira-Tritte. Eine Flasche Wasser segelt an mir vorbei.

Ich: „Bitte! Könnt ihr bitte leiser sein und normal essen?“

Ich atme durch. Ich zähle langsam im Geiste bis zehn. Ich reiße mich zusammen und frage in meiner lieblichsten Stimme: „Na, wie war es denn in der Schule?“

Kind 2.0: *murmelmurmel*

Kind 3.0: „Also im Kindergarten, da war der Robert und der Robert <insert 20 minütigen Monolog.>“

Kind 2.0: „ICH WILL AUCH MAL WAS SAGEN!“

Kind 3.0: „ABER ICH REDE!!!“

Kind 2.0: „ABER DU HÖRST JA NIE AUF.“

*Gerangel* *Stühle fallen um*

Die Kinder stehen auf.

Ich sitze alleine am Tisch. Einsam und alleine. Alles ist vollgeschmiert.

Ich: „Räumt ihr bitte ab?“

Kind 3.0: „DAS IST SKLAVEREI!“

Kind 2.0: „IMMER MUSS ICH ALLES ALLEINE MACHEN!!!1“

Tagein, tagaus, wochentags, wochenends. Immerzu. Immerzu.

Das gemeinsame Essen ist meine Erziehungsnemesis*. Völliges Versagen. Alles falsch gemacht. Täglich scheitere ich daran. Ich stehe auf, setze mich an meinen Rechner und schaue mir auf YouTube Clips glücklicher Familien beim Essen an.

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*Dafür schlafen meine Kinder immer um 20 Uhr. Immer. IMMER!

Mama, Mama, bist du so groß wie Prinzessin Leia?

Mein Handywecker klingelt. Neben mir liegt Kind 3.0. Mit rauer Stimme fragt es: „Was ist ein Großmoff?“ Moff? Keine Ahnung wovon das Kind spricht. Vermutlich redet es im Schlaf.

Ich streife die Decke zur Seite, setze einen Fuß auf den kalten Fußboden, Kind 3.0: „Wie ist Wilhuff Tarkin eigentlich Großmoff geworden?“ Ich brauche erstmal Kaffee.

„Kinder! Frühstück ist fertig!“
Kind 2.0: „Mama, Du bist kleiner als Aayla Secura“
„Ich äh ja, ich bin ja nicht besonders groß.“
Kind 3.0: „Und du lebst. Aayla Secura ist tot.“
„Oh“
Kind 2.0: „Ja, sie starb während der Klon-Kriege bei der Ausführung der Order 66.“
„Ich, äh, iss dein Brot.“

„ZÄHNEPUTZEN!“
Kind 2.0: „Kind 3.0 ist größer als R2D2.“
Kind 3.0: „Und isch kann schießen. PePeng! Peng! R2D2 ist ein Reparaturroboter, der kann nisch schießen.“
(R2D2 endlich mal jemand, den ich kenne…)
„Ja, ja, Kinder. Jetzt bitte Zähneputzen.“

„So, es ist Zeit sich anzuziehen. Warm anziehen. Es ist sehr kalt geworden.“
Kind 3.0: „Isch zieh misch nisch an. Isch bin ein Wookiee.“
„Auch Wookiees müssen sich anziehen…“
Kind 3.0, empört: „Gar nisch!“
„Was ist denn ein Wookiee? Ist das ein Ewok?“
Kind 2.0 verdreht schweigend die Augen.
„Is mir jetzt auch egal. ANZIEHEN!“

Am Nachmittag. Stimmen aus dem Kinderzimmer. Geschrei. Handgemenge.
Kind 2.0: „MAMAAAAA! Kind 3.0 hat gesagt, ich stinke wie die Gedärme eines Tauntauns!!!“
„Kind 3.0! Kind 2.0 stinkt nicht!“
Kind 3.0: „Wohl! Tauntaun-büüüäähhh!“
(Ich überlege kurz, ob eine erzieherische Intervention notwendig ist, dann wechsle ich lieber das Thema.)
„Wohin wollen wir dieses Jahr in den Urlaub fahren?“
Die Kinder im Chor: „Tatooine! Krayt-Drachen-Skelette anschauen:“
„Die gibts doch nicht echt.“
„Wohl.“
„Nein!“
„Doch, Mama!“
„Jetzt ist aber Schluss!“ Ich schlappe ins Bad und schließe die Tür.

Ich sitze am Klo.
„Mamaaaa????“
„Ist es ein Notfall? Ihr wisst – die Regel lautet: Nur wenn Blut fließt oder ein anderer Notfall eintritt, darf man mich stören…“
„NOTFALL MAMA!!!“
„Hmpf“
Ich wasche meine Hände. Gehe ins Kinderzimmer: „Was ist denn?“
Kind 3.0: „Wie schwer ist eigentlich Darth Vader?“

So geht das. Seit Wochen und ich habe keine Ahnung, wovon die Kinder sprechen und das faszinierende: Sie haben noch nie einen Star Wars Film gesehen. Aber sie wissen alles. Die Kinder in der Schule und im Kindergarten erzählen sich alle Details und flüstern die Legenden. Nur ich, ich hab keine Ahnung.

Deswegen habe ich die ganzen Star Wars Filme in Machete Order geschaut: IV, V, II, III, VI und I muss man nicht schauen.

Was ich gelernt habe:

  • Die Skywalkers schlagen sich gerne gegenseitig die Hände ab. Überhaupt Hand ab, Bein ab (auch bei AT-ATs) und Kopf ab, ist ein großes Ding bei Star Wars.
  • Einen Wookiee als Freund zu haben, ist eine gute Sache.
  • Wenn man als Frau ordentlich kämpfen will, trägt man flache Schuhe. Wenn man keine Schuhe trägt, dann braucht man wenigstens eine Kette um unliebsame Hutts zu erwürgen (Hutt ist nicht der Nachname von Jabba. Jabba ist ein Hutt. Sein korrekter Name ist Jabba Desilijic Tiure. Yoda hingegen ist der Nachname von Yoda. Der heißt nämlich Minch mit Vornamen und zu welcher Spezies er gehört, weiß man nicht so genau.)
  • Ob gut oder böse, erkennt man an der Farbe des Lichtschwerts. Wenn humanoide Lebensformen kein Lichtschwert tragen, ist es relativ schwer herauszufinden, ob sie böse (also „Sith“) sind. Man kann dann ein philosophisches Magazin mit der Frage „War Heidegger ein Sith Lord?“ befüllen.
  • Freundschaft und Liebe tragen jeden Film. Special Effects und Kostüme nicht.
  • Der erste Teil von Star Wars hieß ganz zu Beginn schlicht „Star Wars“. Erst als er ein Erfolg war, kam Episode V „The Empire Strikes Back“ ins Kino und aus dem ersten Teil wurde „Star Wars Episode IV: A New Hope“. Episode VI hieß übrigens eine kurze Zeit „The Revenge Of The Jedi“ und wurde unbenannt in „The Return Of The Jedi“. Da bereits Merchandise produziert und verkauft wurde, ist jeder, der irgendwas mit „Star Wars – The Revenge Of The Jedi“ besitzt jetzt sehr wohlhabend.
  • Apropos: Gerüchte besagen dass es ohne Star Wars Merchandise heute kein Lego mehr gäbe. Das ist einer intensiven 3 minütigen Recherche zufolge Unsinn.

Ich bin während der fünf Filme mehr als sieben mal eingeschlafen. Aber ich bin hart geblieben. Ich habe immer weiter gemacht. An Episode II und III kann ich mich trotzdem nicht erinnern. Seelenloser Müll. Um sich die ganzen Details zu merken, die die Kinder kennen, musste ich die Filme insgesamt 37 Mal stoppen und googeln.

Jetzt weiß ich alles und möchte ein Ewok-Baby adoptieren und es Han Solo nennen. Auch wenn es ein Mädchen ist.