[Werbung] Online lernen: scoyo-Testbericht

scoyo
Die drei Planeten der scoyo Lernwelt. Besonders schlimm hat es den Englisch-Planeten erwischt.

Kind 3.0 hat die Lernplattform scoyo getestet. Damit ihr euch selbst ein Bild machen könnt, findet ihr am Ende des Artikels einen Code für einen kostenlosen 14-Tage-Zugang.

Wollen und Sollen miteinander verbinden

Medienzeiten diskutiert man ja gerne mit Kindern. Es erschien mir deswegen naheliegend, das was die Kinder wollen (am Computer spielen) mit dem, was die Kinder sollen (für die Schule lernen) zu verbinden. Ich war sehr gespannt, wie unser zweiwöchiger Test mit der Lernplattform scoyo verlaufen würde. Damit die Kinder auch tatsächlich das lernen, was in der Schule relevant ist, ist die scoyo Lernplattform auf Schultyp, Klassenstufe und Bundesland abgestimmt. Für Klasse 1 bis 4 deckt scoyo die Fächer Mathe, Deutsch und Englisch ab. Für die Klassen 5 bis 7 gibt es zusätzlich Physik, Biologie und Kunst.

Tester in unserem Hause war Kind 3.0 (Schulstarter). Kind 3.0 hat sich  pro Woche ca. drei Mal 30 Minuten mit scoyo befasst. Mehr ist in unserem Alltag ehrlich gesagt auch nicht drin.

Ablauf des Tests

Man legt einen Lernaccount für das Kind an und einen für die Eltern, die so Statistiken einsehen können. Dann kann es auch schon losgehen mit dem Lernen! Ich habe Kind 3.0 in meiner Anwesenheit alles selbst machen lassen. Dabei habe ich schnell gemerkt, dass die Bedienung des Computers, das Finden der Tasten, die Steuerung mit der Maus in diesem Alter tatsächlich noch eine Hürde ist. Kind 3.0 spielt viel Minecraft – hat also durchaus Vorkenntnisse. Nichtsdestotrotz kann man ein Kind in dem Alter noch nicht alleine vor den Rechner setzen und erwarten, dass es sich komplett alleine durch die Lernwelt klickt.

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Re: Re: Re: Re: Antwort Anfrage zum Ausflug

Neulich hab ich etwas getan, das mich selbst immer total nervt: ich habe eine Mail an viele Personen mit reply all beantwortet. Als ich den Sendebutton drückte, überkam mich ein wohliger Schauer. Es war so aufregend, so prickelnd! Gleich würden mehrere Duzend Menschen gezwungenermaßen meine Antwort lesen müssen. Meine hocheigene wertvolle Meinung zum Thema. Ich stellte mir vor, wie sie eine Push-Notification erhalten „Neue Mail von Patricia Cammarata“. Sie geben den Code zur Entsprerrung ihres Mobilgerätes ein, wechseln ins Postfach und dann steht da:

Re: Wichtige Angelegenheit

Patricia Cammarata schreibt: Ja, finde ich auch

Unten die ursprüngliche Mail.

Ich warte nicht lange und schon antwortet die nächste Person im Verteiler. Eine nach der anderen. Alle sagen ja, bis auf eine. Re:Re:Re:Re:Re:Wichtige Angelegenheit

Der Mailtext bildet kleine Treppchen, die Betreffzeile schwillt an.

Siebenunddreißig Personen von achtunddreißig Personen sagen: Ja, ich bin dafür. Die achtunddreißigste Person meldet sich nicht.

Am nächsten Elternabend, gibt es den Punkt „Wichtige Angelegenheit“ auf der Agenda. Zum Abnicken. Immerhin waren siebenunddreißig Personen von achtunddreißig Personen dafür. Der Punkt wird vorgetragen, Person achtunddreißig kräuselt die Stirn und meldet sich zu Wort: „Davon weiß ich nichts und ehrlich gesagt: Ich finde das nicht gut.“ Es entsteht eine Diskussion, die rund 30 Minuten andauert. Alle sind genervt. Ich nippe an meinem Beruhigungswasser.

Die achtunddreißigste Person war nicht am Verteiler. Sie war nicht am Verteiler, weil es keinen Verteiler gibt. Es werden immer nur Einzelemailadressen zusammengeschrieben. Da war noch der Papa von Elsa und die Mama von Henriette und ach, die Mama von Sibylle… wie hieß die noch gleich?

Wie oft habe ich schon angeboten einen Verteiler zu erstellen, doch ach, es ist abgelehnt worden. Das sei so intransparent. Man sieht ja gar nicht an wen man schreibt. Das wäre ja nun auch nicht gut. Also bleibt es dabei. Jede Emailadresse wird einzeln in eine Mail geschrieben. Statistisch gesehen, werden auf fünfundzwanzig Menschen zwei vergessen. Gute Quote also in meinem Beispiel weiter oben.

Bislang habe ich mich eingesetzt für Verteiler und vermieden reply all Mails zu schreiben, aber ganz ehrlich: Probiert es mal aus. Es ist wahnsinnig befriedigend. Einfach auf jede Massenmail sichtbar an alle antworten. Vielleicht auch noch den Betreff ändern, so dass der Thread durcheinander kommt und auch wenn alles auf UTF 8 Encoding gestellt ist, die Sonderzeichen von Hand tippen. Denn wenn man selbst decodet, dann kommt das auch so an.

=C3=9Cbelst Gro=C3=9Fartig, oder?

Eine besondere Herausforderung ist es übrigens, dabei eine möglichst hohe Anzahl von Umlauten und Sonderzeichen zu benutzen. Das erschwert die Lesbarkeit zusätzlich. Man kann auch randomisiert Teile der Antwort löschen, so dass am Ende der Mail kaum noch Inhalt zu entnehmen ist. Das klappt am Besten, wenn man nur kleine Passagen löscht. Also nicht übertreiben.

Richtig Spaß bringt es auch, wenn man möglichst viele unterschiedliche Mailadressen benutzt. Sehr gut eignen sich unzuordenbare Mailadressen. Also nie irgendwas mit Namen sondern lieber Kleine_Pupsmaus@mail.de verwenden.

Wenn ihr weitere Tipps habt, freue ich mich.

Viele Gr=C3=BC=C3=9Fe
Patricia

Die Schulbrotchroniken

Ich schaue auf viele Jahre Erfahrung des Schulbrotschmierens zurück und doch – ich habe die Regeln des Verzehrs oder Verweigerns immer noch nicht erfasst. Am ersten Schultag packte ich zwei Stullen mit Salami in die Brotdose. Beide waren am Nachmittag aufgegessen. Also bekam das Kind am zweiten Tag ebenfalls zwei Salamibrote mit. Als ich am Nachmittag in die Brotdose schaute, hatte das Kind nur einmal abgebissen. Eine Rückfrage ergab, es hätte nicht geschmeckt – was für mich aufgrund der identischen Zubereitung im Vergleich zum Vortrag relativ unlogisch erschien. Was es denn in die Brotdose hinein haben wolle? Serenity-Piper, die neue Mitschülerin, die hätte Sushi bekommen. Eine kleine Variation freilich nur, aber das könnte ich doch auch mal machen? Das könne nicht sein! Sushi müsse gekühlt sein, das würde doch schlecht werden, hatte ich einzuwenden. Das würde wohl stimmen, aber die Brotdose von Serenity-Piper besäße eine Kühlautomatik. Batteriebetrieben.

Da wir eine solche Dose nicht hatten, gab es am dritten Tag Salami-Sticks, ein Paar Mozzarellabällchen am Spieß und ein gebuttertes Vollkornbrötchen. Das Kind aß das Vollkornbrötchen. Salami würde es nicht mögen und den Mozzarella hätte ich nunmal nicht gewürzt – auch hätte ich vergessen die Garnitur mit Basilikumblättern hinzuzufügen.

Für den nächsten Tag war ich relativ ratlos. Kind 1.0, der Internetrecherche schon lange mächtig, zog sich mit Kind 2.0 zurück und mir wurde dann folgender Link präsentiert (Bitte nicht klicken, wenn die Kinder mit dabei sind). Mit dem Totoro and Bear Calzone Bento könne ich ja mal einsteigen.

Totoro Calzone Bento, a photo by sherimiya on Flickr.
Totoro Calzone Bento, a photo by sherimiya on Flickr.

Nur den Brokkoli könne ich weglassen. Die Äpfel natürlich auch und naja so richtig lecker seien die Zuckererbsenschoten und der Mais auch nicht.

Ich bastelte also einen Hasen aus Brot.

Am Nachmittag saß der Hase immer noch in der Brotdose. „Ich kann nichts mit Augen essen, Mama“, lautete die Erklärung.

Ich setze mich in der Nacht dann nach getaner Hausarbeit an meinen Computer und absolvierte den Online-Kurs Brote ausstanzen für Anfänger, um perspektivisch gegen Ende des Jahres das große Bento-Box-Vordiplom zu machen und erzeugte* ich ein Mini-Bierschinken-Sandwich, welches ich aufwändig dekorierte**.

 

Bierschinken-Sternchen garniert mit pflückfrischen Basilikum auf Senfcreme
Bierschinken-Sternchen garniert mit pflückfrischen Basilikum auf Senfcreme

*Die Herstellung dieses ca. 1,5 x 1,5 cm großen Sandwiches hat ca. 120 Minuten in Anspruch genommen.

**Ein bisschen schade ist, dass das Schirmchen nicht in die Brotdose passt. Ich musste es für die Schule dann weglassen.

 

 

 

 

Bleibt am Ende nur eine Frage: Was macht man mit den „Resten“?

Bento2
Mutti-Bento

 

 

 

 

 

 

 

 

Mein außerordentlicher Dank für die Inspirationen gilt der Schulbrotselbsthilfegruppe auf Facebook.

Ich habe fertig

Das zweite Kind ist eingeschult und somit treten wir ein in eine neue Ära der Informationslosigkeit.
Kind 2.0 war tatsächlich schon immer relativ selbständig und auch ziemlich mutig und so führten wir bereits vor der Einschulung intensive Diskussionen, ob es wirklich nötig sei, Kind 2.0 zur Einschulung zu begleiten. Da unsere Argumente nicht zählten, blieb es am Ende bei einem freundlichen „WIR KOMMEN MIT UND BASTA!“
Am ersten echten Schultag dann, war Kind 2.0 ziemlich genervt, als wir es erneut begleiten wollten. Es wimmelte uns am Schultor ab. „Bitte, das ist doch voll peinlich, geht bitte einfach weiter!“
Mit zitternder Unterlippe und einem schüchternen Winken ließen wir das Kind ziehen. Es drehte sich kein einziges Mal um.
Am Nachmittag dann strömten die anderen Mütter an mir vorbei in die Schule. Ich stand hinterm Baum versteckt am Eingang als das Kind zur verabredeten Uhrzeit erschien.
„Hallo Mama“
„Hallo Kind, na wie wars?“ Ich hatte den ganzen Tag während der Arbeit Probleme mich zu konzentrieren. Mein Kind! Mein Baby! Mein Schnuffelchen! In der Schule! So groß! Die Zeit etc.
„Gut.“
Wir liefen ein Stück weiter. Ich wollte abwarten, ob es von selbst was erzählen würde. Ich räusperte mich.
„Erzähl doch mal!“
„Was denn, Mama?“
„Na wie wars? Wie ist die Lehrerin? Die Erzieherin? Wie läuft das mit dem Essen? Hast Du Dein Essen gegessen, Kind?“
Genervter Blick. „Hab ich Mama. Sollte ich doch auch.“
„Ja, hm schön! Und die anderen Kinder?“
„Die waren auch da.“
„Sind die denn nett?“
„Ja.“
„Hast Du schon eine Freundin oder einen Freund?“
„MAMA, ich bin erst einen Tag in der Schule, so schnell befreundet man sich nicht.“
„Verstehe. Und das Essen?“
Das Kind geht ein Paar Schritte schneller. Ich laufe hinterher. Auf einer Bank sitzen zwei Mädchen. Sie rufen „Hallo Kind 2.0!“
Meine Chance auf mehr Informationen! „Na? Seid ihr in einer Klasse?“
Drei entsetze Augenpaare starren mich an.
„MAMA, die sind in der VIERTEN!“
„Oh, ich äh ja, ich ähm wollte schon fragen, warum ihr so groß seid“ Ich laufe weiter. Hinter mir entschuldigt sich Kind 2.0 für mein Verhalten.
Zuhause legt es die Brotdose und die Trinkflasche auf die Spüle und packt für den nächsten Tag Hausschuhe, die es für den Hort braucht in den Schulranzen.
Die Erziehung ist hiermit abgeschlossen, würde ich sagen.

Schulgeldermäßigung durch kluges Patchworking

Neue Ehepartner für die richtige Schule.

Wer dachte, Kindergartenplatz finden sei Stress, der hat wohl keine schulpflichtigen Kinder. Die richtige Schule auszusuchen, gestaltet sich um ein vielfaches schwieriger.

Immerhin bekommt man auf jeden Fall einen Platz. Je nachdem wo man wohnt, hat man dann Glück oder nicht. Der Tag der offenen Tür an „unserer“ Schule war für mich eine Reise in die bunte Welt meiner Wessivorurteile über Ostschulen.

Die Direktorin verwies beispielsweise auf die vielen tollen Leichtathletikwettbewerbe, auf den Rechenwettbewerb, den Schachwettbewerb, den Schnelllesewettbewerb, den Buchstabierwettbewerb, den Englischwettbewerb, den Erfinderwettbewerb, den … ich hab leider an der Stelle schon nicht mehr richtig zugehört. Diverse Kindheitstraumata riefen mir bereits fröhlich „Haaallloooo“ zu. Bei den Bundesjugendspielen habe ich beispielsweise NIE, ich wiederhole NIE irgendetwas gewonnen. Mein Weitwurfrekord liegt bei 11 Meter. Allerdings musste ich dem Schüler, der das in die Liste eintrug, hinterher mein Taschengeld eines Monats vorbei bringen. Tatsächlich war mir der Ball hinten runter gefallen. …die Galerie der besten Schüler, die Jahresbestenauflistung und die Medaillensammlung außerschulischer Aktivitäten im Schaukasten vor dem Sekretariat.

Ich stellte mir vor, wie es wohl wäre, wenn es nicht nur eine Kategorie gäbe, in der man versagen könnte, sondern potentiell alle Kategorien dazu da sein könnten, um zu versagen.

Andere Schulen in der Umgebung stechen auch eher durch den barschen Umgangston ins Ohr. An mancher Stelle wünschte ich mir, dass die Kinder eher durch Schäferhunde als durch Fachpersonal bewacht würden. Die sind wenigstens noch kuschelig und stinken nur wenn sie nass werden.

Endlich haben wir eine Schule gefunden, deren pädagogisches Konzept gut klingt und die auch sonst einen erfreulich guten Eindruck macht, schon lässt uns das Thema Schulgeld erschaudern. Da wir beide berufstätig sind, müssten wir den laut Liste ausgewiesenen Höchstbetrag bezahlen. Plus einen Sonderbetrag für Zusatzleistungen, das Mittagessen, die Hortbetreuung und natürlich Unterrichtsmittelgrundausstattung und Lernmittel.

Ermäßigung gibt es nur, wenn man mehrere schulpflichtige Kinder beim gleichen Träger anmeldet. Für das erste Kind zahlt man 100% des Betrags, für das zweite 75%, für das dritte Kind nur 50% und das vierte – man höre und staune – wäre kostenneutral. Geht man von potentiellen (frei erfundenen und lachhaft niedrigen) 100 Euro aus, ergäbe das bei vier schulpflichtigen Kindern durchschnittlich 56,25 Euro pro Kind. Leider hat man selten vier Kinder gleichzeitig im schulfähigen Alter.

Um Geld zu sparen, muss man also tief in die Trickkiste greifen. Da reicht es nicht, den „Wohnort zu wechseln“. Das machen ja sehr viele. Einfach bei Freunden, die im Einzugsgebiet der Wunschschule leben, den Wohnsitz anmelden und schon ist man bei der Wunschschule angenommen.

Will man im oberen Fall Geld sparen, muss man sich zu allererst scheiden lassen und dann nach einem neuen Ehepartner suchen, der ebenfalls Kinder im Schulalter hat, die er/sie ebenfalls an der obigen, privaten Schule anmelden möchte. Diesen muss man dann heiraten und den Expartner bestätigen lassen, dass regelmäßig Unterhalt entrichtet wird. Das macht man dann mindestens vier Mal (oder aber man hat Glück und findet einen potentiellen Patchworkschulkooperationspartner mit Mehrlingen) und schon spart man gut 45% Schulgeld pro Kind!

Das ist großartig. Alternativ bleibt natürlich immer noch, dass die Frau den Job aufgibt und sich dem Hausfrauendasein widmet. Das wirkt sich positiv auf das Jahresbruttoeinkommen aus und mindert den zu entrichtenden Betrag alle 10.000 Euro um 20%.

Unverändert seit 1982

Wer wirklich mal einen Blick in die Grundschulzeugnisse wirft, wird feststellen, dass man in seiner Vorstellung irgendwie die schulische Vergangenheit idealisiert hat.

Wenn elterliche Vorstellungen und kindliche Schulleistungen aufeinander prallen, hilft es meist, die eigenen Zeugnisse hervorzukramen. Über mein Zeugnis der 1. Klasse musste ich heute schmunzeln. Irgendwie erkennt man schon den Hang zum Bloggen.

Wie war das bei Euch so?

Sterntaler wider Willen

Annette hatte vermutlich die allerbesten Eltern in der Schule – vermutlich der ganzen Stadt. Annette hatte nämlich Marmeladenbrote in ihrer Brotbüchse auf der Sara Key Mädchen abgebildet waren. Meine Eltern hatten mich nicht so lieb. Meine Brote waren in Brotpapier eingeschlagen und ich hatte Thunfischcreme drauf.
Heute in ca. 30 Jahren wird Kind 1.0 vermutlich etwas ähnliches in irgendeinem ultramodernen Infranet posten. Denn wir schlagen dessen Brote auch nur in Butterbrotpapier ein. Was anderes können wir uns nicht mehr leisten. Im ersten Schuljahr hat Kind 1.0 sieben Brotdosen verloren. Die Anzahl der Brotdosen mit unbekannten Verbleib verdoppelten sich im zweiten Schuljahr. Bis zum fünften Schuljahr ist die Zahl jedoch logarithmisch exponentiell gestiegen. Selbst wenn wir die Brotdosen bei Billigdiscountern gekauft haben, hatten wir ein Defizit von 56.765 Euro zu verbuchen. Plus 75.976 Euro für die verschwundenen Trinkflaschen.
Deswegen schlagen wir die „Brote“ in Butterbrotpapier ein und es bekommt Pfandflaschen mit, die wir in regelmäßigen Abständen austauschen.
Ich schreibe Brote in Anführungszeichen, weil Kind 1.0 schon lange keine echten Brote mehr mit bekommt. Denn wir packen ihm Pressspanplatten ein. Die mühevoll geschmierten Brote, hat es nämlich immer weggeworfen – egal was drauf war. Ihm nichts mitzugeben erschien uns lieblos. Also haben wir uns entschieden Holzstücke in Brotpapier zu verpacken.

Wenn man mal von den vergessenen Jacken, Helmen, Schlüsseln, Handys und Turnsachen absieht, spart das eine Menge Ärger.

(Wie man Informationen aus Schulkindern rauspresst, verrate ich übrigens hier.)

Meilensteine und Zeitpuffer

Ich möchte jetzt nicht unbedingt sagen, dass ich zu Panik neige. Ich hab halt nur gerne Zeitpuffer. Bin gerne so zwei, drei Stunden vor Abfahrt des Zuges am Bahnhof. V.a. wenn ich mir noch ein Brötchen für die Fahrt kaufen möchte. Die Auswahl ist groß und da ziehe ich es vor genug Zeit zu haben, um das Richtige auszusuchen.
Fährt der Zug um 10 Uhr ab, stehe ich um 5.00 Uhr auf. Man braucht schließlich einen zusätzlichen  Puffer falls zuhause etwas schief geht. Spätestens 7.00 Uhr verlassen wir also das Haus, was bedeutet, dass ich die Kinder um 6.00 Uhr wecke und dann ab 6.20 Uhr hysterisch anschreie, dass sie sich beeilen sollen, weil wir sonst den Zug verpassen.
Leider kam Kind 1.0 irgendwann in die Schule.
Leider fängt die Schule jeden Tag um 8.15 Uhr an – was für mich bedeutet, dass ich – ginge es nach meinem Gefühl – gerne um 6.00 Uhr das Haus verlassen würde.
Zwei Jahre haben wir das Kind nun angetrieben. Mach dies, mach das, mach es jetzt, mach es schneller. Dem Kind hat’s nicht so gut gefallen und irgendwie förderte das Ganze weder die Selbständigkeit noch den Willen selbst Verantwortung zu übernehmen.
Also haben wir dem Kind gesagt, dass es jetzt alles selbst machen müsse und auch selbst bestimme, wann es los gehe.
Jetzt heißt es jeden Morgen Höllenqualen erleiden.
Das Kind steht gewohnheitsmäßig um 6.15 Uhr auf, beginnt dann aber Comics zu lesen. Es liegt auf dem Bett und pult zwischen den Zehen, während ich mich in ein anderes Zimmer eingesperrt habe und leise in ein Kissen sage: „Du musst noch frühstücken, Zähne müssen geputzt werden, du bist noch nicht angezogen, sind deine Schulsachen gepackt, denk‘ daran – heute ist schwimmen, gleich ist es 7.45 Uhr…“

7.50 Uhr: Mir steht der Schweiß auf der Stirn, meine Hände zittern, das Kind nimmt den ersten Löffel Müsli zu sich. Es plaudert fröhlich vor sich hin.

7.55 Uhr: Das Kind beginnt die Zähne zu polieren.

7.58 Uhr: Es entscheidet sich heute zusätzlich Zahnseide zu benutzen. 8.00 Uhr, es zieht sich sehr langsam einen Socken über den Fuß.

8.06 Uhr: Es zieht einen weiteren Socken an. Mir tränen die Augen, meine Lippen sind blutig gebissen.

8.08 Uhr: Das Kind schaut mich entnervt an: „Können wir jetzt endlich gehen?“ Eltern sein, heißt eben meistens aushalten lernen und das schreckliche tolle: Kind 1.0 ist noch nie zu spät in die Schule gekommen, seitdem es alleine entscheidet wann es was tut.