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ArtPod “Imaginäre Reisen”

Mindestens einmal in der Woche schreit Kind 2.0 auf dem Weg in die Kita: “Maaamaaaa, schau mal daaaaa KUNST!!!” Wir begutachten dann das referenzierte Objekt und wägen gemeinsam ab, ob der Wind Müll nur exotisch angeordnet hat oder ob es wirklich einen menschlichen Erschaffer gibt. Eindeutig bestimmen lässt sich das nicht immer.

Auf Kunst im  Lebensraum ist Kind 2.0 durch Werke der Straßenkünstlergruppe bosso fataka aufmerksam geworden. Für sehr kurze Zeit konnten wir z.B. einen Stuhl bewundern, der an einer der Säulen am Frankfurter Tor befestigt war.

Ich habe von kunsttheoretischen Ansätzen keine Ahnung und kann nur schwer erklären, warum mir eine bestimmte Art von Kunst zusagt und v.a. auch warum ich sie für lebensnotwendig halte – aber den meisten Bezug habe ich zur zeitgenössischer Kunst. V.a. dann wenn sie erfahrbar und im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar ist. Zu meinen persönlichen Highlights gehört deswegen das von Hornbach gesponsorte Projekt in einem Haus in der Torstraße 166 und auch viele Ausstellungselemente unterschiedlicher Ausstellungen im Hygienemuseum Dresden (z.B. “Gehirn und Denken” oder “Glück – Welches Glück“)

In meiner Elternzeit hatte ich jeweils eine Museumsjahreskarte und habe die Kinder schon im Babyalter munter mitgeschleppt. Zu einer meiner schönsten Erinnerungen gehört eine Szene mit meinem damals 4 jährigen Patenkind, mit dem ich eine Ausstellung anschaute. Es fragte mich bei jeder Skulptur und bei jedem Bild: “Wie heißt die Kunst?” und “Warum hat der/die KünstlerIn das gemacht?”.

Ich weiß, dass v.a. letztere Frage nach der Intention, das typische Was-will-uns-der-Kunstschaffende-sagen, v.a. den Kunstschaffenden selbst auf die Nerven geht. Aber mir gefällt die Frage. Ich weiß es nämlich ebenso wenig wie das Kind, das fragt. Also unterhalten wir uns und stellen Hypothesen auf und ich finde, die kindlichen Ansätze sind völlig gleichberechtigt zu meinen Interpretationen und manchmal lenken sie meine Aufmerksamkeit zu ungesehenen und unbedachten Aspekten.

Wie für mich gemacht ist deswegen die Galerie ArtPod im Amerika Haus, die am 03.11.2012 ihre erste Ausstellung namens “Imaginäre Reisen” eröffnet hat:

ArtPod stellt in wechselnden Ausstellungen Arbeiten von international agierenden Künstlern aus, die sich auf das Experiment freuen, ihre künstlerische Neugier mit Kindern zu teilen. Die ausgewählten Werke zeichnen sich aus durch ihre Kraft, die Phantasie der Ausstellungsbesucher in Schwingung zu versetzen, Freude und Staunen hervorzurufen.

Die Ausstellung ist unfassbar großartig. Das ganze Konzept ist toll. Am Eingang können die Kinder sich einen Stempel aussuchen. Kinder und Stempel ist schon ein Mysterium für sich. Ich habe gesehen, wie ein ca. 13 jähriger Junge nach uns reinkam und sich richtig freute, dass er einen Eingangsstempel aussuchen durfte. Dann bekommen die Kinder erklärt, dass es Exponate gibt, die man anfassen darf (grüne Hand) und welche, die nur zum Anschauen bestimmt (rote durchgestrichene Hand) sind. Ich würde schätzen, dass das Verhältnis grün zu rot ca. 80 zu 20 ist.

Während der ganzen Ausstellung gibt es außerdem ReisebegleiterInnen. Ich vermute KunststudentInnen – ähnlich wie damals die MOMAnizer. Sie passen auf, dass im Enthusiasmus nicht gleich das ganze Kunstwerk zerlegt wird und ermuntern die Kinder (und Erwachsenen) andererseits die Ausstellungsstücke zu erfahren. Sie stellen Fragen oder lenken die Aufmerksamkeit auf ungesehene Details. Sie schlendern durch die Räume und Gänge und unterhalten sich mit den Kindern. Beispielsweise gibt es ein großes Holzschiff, das man herumschieben kann. Es sieht aus wie aus Papier gefaltet. Kind 2.0 saß darin und ruderte und ruderte. Einer der Ausstellungsbegleiter kam zu ihm und hat gefragt, wohin die Reise ginge. Man tauschte sich kurz aus und eine halbe Stunde später, als Kind 2.0 erneut im Boot saß, hielt man wieder Smaltalk. Wie sei es in Indien gewesen, was hätte Kind 2.0 erlebt – es entstand ein erstaunliches Gespräch.

Kind 3.0 stand im wesentlichen vor Begeisterung kreischend in einem Raum, der komplett zu einer Half-pipe verbaut war. Die Half-pipe war mit Hunderten von Pingpongbällen befüllt und diese wurden durch ein Gebläse im Kreis geschleudert. Die Kinder durften Bälle aus dem Kreislauf entnehmen und an unterschiedlichen Stellen wieder reinwerfen.

Das waren nur zwei von über 20 Objekten (22 Künstler in 12 Räumen). Die Kinder konnten sich frei bewegen und haben sich teilweise sehr lange an einzelnen Ausstellungsstücken erfreut. Als Erwachsene würde ich normalerweise nie 20 Minuten bei einem Objekt verbringen – aber ich fand das wunderbar, denn tatsächlich gibt es selbst an einem schnöden Holzstück viel zu entdecken.

Wir verbrachten gut drei Stunden in der Ausstellung. Ich schätze, ohne die Kinder hätten wir insgesamt zwanzig Minuten gebraucht. Aber genau das finde ich großartig. Ich bin regelrecht beseelt nach Hause gegangen. Ich weiß nach wie vor nicht, was mir so gut daran tut, aber es ist selten, dass ich so zufrieden bin wie am Ende dieses Nachmittags.

Deswegen: Wenn ihr Kinder habt oder mögt (es müssen ja gar nicht die eigenen sein) und wenn ihr Geduld und etwas für Kunst übrig habt, plant die Ausstellung bis zum 16.12.2012 ein.

Amerika Haus am Bahnhof Zoo
Hardenbergstr. 22-24, 10623 Berlin

 

03. November – 16. Dezember 2012
Öffnungszeiten: Mi, Do, Fr 14:00 – 17:00 (vormittags offen für Schulklassen
nach Anmeldung Tel: 0173-6079796 oder info@artpod.org), Sa – So 11:00 – 17:00

KünstlerInnen: Dominik Lejman (PL), Ellen Harvey (UK), Wolfgang Karl May (DE), Max Frey (AT), Egill Saebjornsson (IS), Ethan Hayes-Chute (US), Kirstine Roepstorff (DK), Michael Johansson (SE), Nina Braun (DE), Katharina Lackner (AT), Rebecca Raue (DE), Konrad Mühe (DE), Olafur Eliasson (DK), Stefan Saffer (DE), Andy Graydon (US), Thilo Frank (DE), Sophie Erlund (DK), Franz Hoefner und Harry Sachs (DE), Sebastian Hempel (DE), Hollie Chastain (US), Guy Ben-Ner (IL), Eduardo Basualdo (AR), Gaby Taplick (DE), Dustin Schenk (DE), David Krippendorff (DE)

Vielen Dank an Caroletta von Kinderzimmerkunst, die mich mit Ihrem Artikel zu dieser Ausstellung gebracht hat!

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[scooby doo]

Wir unternehmen ganz gerne Sachen mit den Kindern. Deswegen haben wir am Wochenende den neuen Scube-Park ausprobiert. Bei den Scubes handelt es sich um ca. sieben qm große Quader, in denen bis zu vier Betten Platz finden. Das attraktive an den Scubes ist ihr Standort. Die ersten ihrer Art stehen im Prinzenbad.
Zufällig gab es ein wirklich günstiges Angebot, das unserem gerne geizig bemessenen Budget sehr entgegen kam. Sollte sich zum selben Preis noch mal die Gelegenheit ergeben, würden wir die Sache gerne wiederholen.
Man bezieht während der offiziellen Öffnungszeiten des Prinzenbades einen der fünf (geplant waren ursprünglich vierzig) Scubes. Wir haben uns für den vordersten entschieden, weil der im Gegensatz zu den anderen im Schatten steht. Zu viert passt man locker rein. Sofern man seine Ansprüche vom Camping ableitet, hat man es dort auch bequem.
Da die Scubes erst kurze Zeit dort stehen, fallen einem relativ schnell ein Paar kleine Verbesserungen ein, die man vornehmen könnte. Ein Mückengitter vor dem immer geöffneten Belüftungsfenster. Einen Spiegel, ein kleine Möglichkeit Dinge abzulegen, eine Treppe oder zumindest eine Stufe zum obersten Bett und ein Fußabstreifer vor dem Eingang zum Beispiel.
Strom gab es im Gegensatz zur Information auf der Website leider noch keinen im Scube – jedoch war das kein Problem, weil der „Betreuer“ vor Ort nicht nur sehr freundlich sondern auch stets bemüht war, Lösungen für auftretende Problemchen zu finden.
Eine Kabeltrommel tuts glücklicherweise auch, wenn man z.B. seine bestromte Kühltruhe mitbringt.
Das Gelände der Scubes ist vom Rest des Prinzenbades durch einen Zaun abgetrennt. Das war sehr angenehm, denn die kleinen Kinder können das Gelände erkunden und spielen ohne dass sie verloren gehen oder irgendetwas passiert wenn man mal fünf Minuten in einem der Liegestühle oder in der Hängematte die Augen schließt.
Das Tor zum Prinzenbad samt dessen sanitärer Anlagen ist ausschließlich während der Öffnungszeiten geöffnet. D.h. die Duschen oder eine „richtige“ Toilette kann man nur zwischen 7 und 20 Uhr benutzen. Für den Rest der Zeit steht eine mobile Toilette auf dem Gelände.
Einmal benutzt, benutzt man die aber aufgrund des extremen Gestanks kein zweites Mal.
Auch fehlt es an Möglichkeiten mal einen benutzten Teller abzuspülen oder sich mal die Hände zu waschen. Allerdings muss man dazu sagen, dass in den nächsten Wochen wohl ordentliche Toiletten sowie eine Dusche gebaut werden.
Alles in allem trotzdem eine nette Abwechslung fürs Wochenende. Zwei Tage und eine Nacht dort fühlen sich an wie eine Woche und gleich nach dem Aufstehen schwimmen zu können, das vermittelt echtes Urlaubsgefühl.
Man muss aber ganz klar sagen, mit 2 Erwachsenen und 2 Kindern 94 Euro pro Nacht zu zahlen (wie auf der Website angegeben), das wäre gemessen an dem Standard der derzeit geboten wird, doch ein bisschen wild.
Gegen ein urbanes Gefühl (will heißen, alle 5 bis 10 Minuten fährt die ca. 30 Meter entfernte U 1 scheppernd vorbei) darf man auch nichts haben.
Zu dem vollen Preis könnte man vielleicht 2-3 von 5 möglichen Sternen vergeben. Für weniger verlangt man auch weniger und dann wären vier Sterne möglich. Ein Stern zur Bestnote kostet die fehlende Möglichkeit die Blase zu entleeren ohne dabei das Gefühl zu haben sterben zu müssen.
Ein extra Herzchen bringt der Umstand dass man Abends mit dem Mann außerhalb der eigenen vier Wände gemütlich bei Kerzenschein Wein trinken und dabei den wilden Kaninchen zuschauen kann, die das Areal des Prinzenbads übernehmen.
Ich glaube, jetzt war mir ganz kurz romantisch!

Scubes im Prinzenbad

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