Ich fühl mich so leer, ich fühl mich Brandenburg*

Häuschen im skandinavischen Stil
Symbolbild Häuschen im skandinavischen Stil Quelle: Snufkin @Pixabay

Wir sind bislang jeden Tag ein Stück um den See gelaufen. Eine Art Promenade oder einen richtigen Uferweg gibt es nicht. Es sind eher Trampelpfade, die vereinzelt von Privatgrundstücken, die direkt ans Wasser reichen, unterbrochen werden.

Ich finde erstaunlich, dass es so nah an Berlin einen so großen See gibt, der nicht komplett zugebaut ist.
Die paar Häuser, die hier stehen, weisen eine rätselhafte Architektur auf. Entweder sie sind aus dunklem Holz und erinnern mich an den Schwarzwald – nur dass sie aussehen wie eilig von Hand zusammengezimmert oder es sind völlig geschmacklose Prunkvillen, die wie aus einem Katalog bestellt aussehen. Ohne Charme, Charakter und Stil. Groß, kalt, pastellig, vier Säulen zum See.

Ich stelle mir vor wie wohlhabende Menschen gelangweilt in einem Fertigvillenkatalog blättern: Villa Rimini, 450.000 Euro, Villa Miracolo 570.000 Euro, Palazzo Pomposo 320.000 Euro.

Ein Stückchen näher zu unserem Feriendomizil gibt es Häuschen im skandinavischen Stil (steht zumindest auf der Immobilienanzeige). Sie kosten nur 220.000 Euro. Wenn man so wie ich, die Berliner Immobilienpreise gewöhnt ist und dann sieht, dass man für nur 220.000 Euro ein 90 qm großes, neues Häuschen direkt an einem See haben kann, dann beschleicht einen der Gedanke: Ach, so ein Häuschen… ach was, ZWEI Häuschen… das könnte man sich locker leisten. Nullprozentfinanzierung (denn kein Schwein schafft es bei den Lebenshaltungskosten auch noch Geld anzusparen), schon in 40 Jahren abgezahlt und dann hat man es schön hier, wenn man alt ist bzw. es bleiben einem mit etwas Glück noch ein bis zwei Jahre, die man das Häuschen schuldenfrei genießen kann, bevor man stirbt.

Symbolbild Winterdienst in Brandenburg Quelle: Pixaline @Pixabay

Es hat geschneit und alle Wege sind geräumt. Wirklich alle. Ich schaue gegen 6 Uhr morgens aus unserem Schlafzimmerfenster, selbst der Weg neben unserem Parkplatz ist geräumt. Der Gehweg, die Straße, die Hauptstraße sowieso, der Trampelpfad zum Bäcker.

Wie machen die das?
Bzw. wie kann es sein, dass die Berliner Unternehmen, die für den Winterdienst in der Hauptstadt zuständig sind, es nie gebacken bekommen?
Geräumte Gehwege! In Berlin walzt man die Schneedecke platt und dann streut man wie irre Kies (oder wie das heißt) drüber.
Das macht man jeden Morgen an dem es schneit. Wie eine Lasagne aus geplättetem Schnee und Streu.

Wenn es taut, ist alles voller Matsch und es liegen Tonnen an Streu herum. Ist der ganze Schnee verschwunden, kommen Männer mit Laubbläsern (ich schwöre, ich habe das wirklich mehrere Male gesehen!) und pusten den Streu maximal ineffizient an die Wegesränder, von wo aus er irgendwann verschwindet.

Vielleicht könnte die Berliner sich ja mal einen Winderdienst Experten aus Brandenburg ausleihen und die machen dann ein Bootcamp zum Thema Schnee.
Wahrscheinlich haben die Brandenburger einfach die geilere Technik. Echtzeitkarten mit automatisch ausgelösten Räum-Alarmen, wenn die Temperatur unter 4 Grad fällt.
Ich denke, der Brandenburger Winterdienst sitzt wie anderswo die Feuerwehr in einem Winterdienstquartier und wenn die Wetter-App Schneegefahr meldet, dann springen alle von ihren Plätzen direkt in die Stiefel, um die die Schneehosen schon drapiert sind und fahren mit ihren Räumfahrzeugen los.
Elektroräumfahrzeuge müssen es sein, denn ich habe hier noch nie ein Geräusch gehört.

Überhaupt. Diese Stille hier macht mich völlig verrückt. Zum Glück haben wir die Kinder dabei, die ständig rumschreien, weil sie im Schnee spielen. „Schau mal, Mama. Mama, Mama, Mama! MAAAAMA.“
Ich denke an meine Mutter mit ihrem Spruch: „Für jedes Mama ne Mark und ich bin Millionärin!“

Aber im Ernst, außer unseren Kindern macht hier niemand Krach. Die Menschen nicht, die Fahrzeuge nicht (weil es einfach keine gibt), kein Laut aus den winterschlafenden Häusern, in den Restaurants sind wir alleine.
Einmal flog eine Kohlmeise auf unsere Terrasse. Die Kinder waren ganz aufgeregt. „NATUR! MAMAMAAAAA! KOMM! SCHAU MAL EIN VOGEL!“ Er macht „piep“, es klang wie ein sehr rabiates PIEP. Wahrscheinlich hat er die Kinder geschimpft weil sie so laut waren.

Abends, gegen 24 Uhr, wenn wir ins Bett gehen, öffne ich nochmal das Fenster um Sauerstoff rein zu lassen und horche in die Nacht. Es ist wirklich NICHTS zu hören. Keine entfernte Straße, nicht mal die Straßenlaternen summen.

Zwei Tage gefällt mir das, doch dann fängt es an mich nervös zu machen. Was ist hier eigentlich los? Wo sind die Menschen? Wo sind die Geräusche? Wahrscheinlich werden alle Touristen, die länger als zehn Tage hier sind von irgendeinem Wesen (dem großen Brandenburg Golpsch!) geholt und verschlungen, dann ist wieder Ruhe.

Ich denke an den Liedtext Auszeit von Marteria

Ja ich vermiss diese Stadt
Hab‘ die Bikinis und Frisbees so satt
Morgens beim Aufstehen hilft mir ein Krahn
Ich träum‘ von ’nem Haus mitten auf der Autobahn
Der Abend dämmert, hier schreien keine Lämmer
Kein Druck, keine Pressluft die hämmert
Kann diese Ruhe nicht gebrauchten
Dreh das Radio auf, such den lautesten Sender
Brauch ’n Kiez voll mit Jugendbanden
Kann nur schlafen, wenn neben mir Flugzeuge Landen

Quelle: Marteria „Auszeit“

Ja, das gilt auch für mich. Ich bin Stadtmensch. Diese Ruhe hier ist kaum auszuhalten.

Whirlpool
Symbolbild Whirlpool Quelle: derRenner @Pixabay

Apropos Ruhe. Wir haben einen Whirlpool. Völlig irre so ein Teil. Eine Eckbadewanne mit 300 Liter Fassungsvermögen. Macht pro Bad 2 Euro 10 Cent wenn ein Liter Wasser 0,7 Cent kostet.
Der Whirlpool hat zwei unterschiedliche Düsen. Blubberdüsen und Jetdüsen, ich nenne sie mal Jetdüsen, weil sie sind so laut wie ein Jet.
Außer uns hat bestimmt niemand in Brandenburg jemals gewagt die Jetdüsen ein zweites Mal anzustellen.

Meine App zeigt tatsächlich 110 Dezibel.

Trotz meiner ersten, nicht so erfreulichen Whirlpoolerfahrung versuche ich es ein zweites Mal mit dem Whirlpool.
Die Düsen brauchen 3000 kW die Stunde, denke ich als ich ins Wasser gleite. Aber was kostet die Welt! Ich habe Urlaub. Heute gönne ich mir einfach den ohrenbetäubenden Krach. Schließlich arbeite ich 30 Stunden die Woche. Irgendwie muss ich mein Geld auch wieder unter die Leute bekommen.

Ich stelle die Jetdüsen also auf volle Pulle. WAHNSINN. Druckmäßig passiert fast nichts, zur Massage völlig ungeeignet, aber der Lärm lockt unser geräuschintensives Kind 3.0 an den Pool.
„YEAAAHHHHHH! HUUUHUUUU! JUHHUUUUUUU!!!!“ schreit es, würde ich messen, vermutlich weitere 20 dB lauter als der Pool.
„WAS IST DAS?“
„EIN WHIRLPOOL!“
„FÜR WAS BRAUCHT MAN DAS?“
„KEINE AHNUNG!!!“
„YEEEAAAAHHHHHHHHHHH. HHHUUUUUUUUIIIHHUUUUUUU!!!“

Während ich also mit schmerzenden Ohren im Whirlpool sitze, denke ich mir, wenn ich irgendein CEO eines Startups wäre, ich würde versuchen rauszubekommen, wer das Marketing für Whirpools gemacht hat.
Das ist doch eine irre Sache. 110 dB ist der Irrsinn laut, bewirkt rein gar nichts, einfach nur LAUT und irgendwer auf diesem Planeten hat es geschafft, das als Wellness zu verkaufen.

Wellness! Muss man sich mal vorstellen. Das ist so als wenn man ein Gerät erfindet, dass einen in den Magen schlägt und es dann für 150 Euro (ist ja nur To Go) an alle Welt als der neuste heiße Scheiss am Wellnessmarkt verkauft. (Immerhin so ein Schlag in den Magen ist viel entspannender als das was man heutzutage jeden verdammten Morgen in den Nachrichten liest).
Ich schreibe mir als Merker auf einen Zettel „Whirlpool Marketing Genie recherchieren“.

Findling
Symbolbild Findling Quelle: katzengraben @Pixabay

Ein anderes Marketinggenie arbeitet in der Touristenbehörde Brandenburgs. Nachdem wir nämlich drei Tage um den See gelaufen sind, denke ich mir: Man könnte ja auch mal was anderes machen und googele „Ausflüge kindertauglich Brandenburg“ und stoße auf eine Seite, die mir eine Wanderung durch die Rauenschen Berge anpreist. Nur zweieinhalb Kilometer vom Waldparkplatz zum Aussichtsturm. Super. Da machen wir.

Es gibt nämlich nicht nur den Aussichtsturm von dem aus man angeblich den Berliner Fernsehturm sehen kann, sondern es gibt auch ACHTUNG zwei Steine.

Ja, Sie haben richtig gelesen. Steine. Große Steine zugebenermaßen – aber es werden tatsächlich Steine als Sehenswürdigkeit angeboten.

Auf der Seite Touristischesuperlative.de lese ich, dass es sich bei einem der beiden Steine um den größten landliegenden Findling Brandenburgs handelt.
Die Steine heißen großer und kleiner Markgrafenstein. Wobei der kleine Markgrafenstein der größere der beiden Steine ist. Natürlich war ursprünglich der größere der beiden Steine der große Markgrafenstein – aber wie Menschen so sind, musste der große Markgrafenstein natürlich zerteilt werden, damit man irgendwas nutzloses herstellen konnte – in dem Fall die große Granitsteinschale im Lustgarten.

Zusammen mit diesem abgeschlagenen Teil wäre der Reststein 800 Tonnen schwer, und – jetzt halten Sie sich bitte fest – damit wäre der Findling auch der größte landliegende (was ist das eigentlich? Was sind wasserliegende Findlinge und kann man die auch besichtigen?) Findling nördlich von Berlin!!!

Jetzt aber ist der kleinere der Markgrafensteine der größte. Umbenannt wurde er trotzdem nicht. Obwohl er viel größer ist, heißt er für immer kleiner Markgrafenstein.

Wie sich der kleine Markgrafenstein damit fühlt, der ja nun seit vielen Jahren der faktisch größere der beiden Steine ist, vermag ich mir nur vorzustellen.
Da kriecht man Jahrhunderte mit einer Moräne von Schweden bis Brandenburg, immer der kleinere der beiden Steinbuddys, hat sich schon damit abgefunden – ich bin eben nur 280 Tonnen schwer – und dann kommt DIE Chance und der Angebergranitklotz, der einem vermutlich nur die ganze Zeit gefolgt ist, um sagen zu können: „WUHUUU, schaut mich an, ich bin ja viel größer!“ wird um 550 Tonnen verkleinert… und dann bleibt man trotzdem für IMMER der kleine Markgrafenstein.
Also das ist kein schönes Schicksal.

Egal wie, wir stapfen durch den Schnee zu den beiden Steinen und machen pflichtbewusst ein Foto.

Ich glaube, damit haben wir im Urlaub alles erreicht was geht.


*Zitat aus dem Lied „Brandenburg“ von Reinald Grebe

[Werbung] Ein Wochenende im 25hours hotel hafencity Hamburg

Im 25hours hotel hafencity bleiben keine Wünsche offen. Auch nicht bei den Kindern.

25hours hamburg hafencityImmer wenn ich in Hamburg bin, denke ich, ich müsste eigentlich mal länger nach Hamburg – womöglich sollte ich da mal Urlaub machen. So geht das seit Jahren – allerdings bleibt es dann doch meistens bei einem Wochenendtrip – so wie am vergangenen Wochenende.

Hamburg ist von Berlin aus in unter zwei Stunden mit dem Zug zu erreichen – alleine das macht Hamburg zu einem guten Wochenendziel. Das Geld für die Sitzplatzreservierung lohnt sich übrigens in jedem Fall. Ich glaube, viele Menschen pendeln zwischen Berlin und Hamburg und so sind die Züge v.a. Sonntag Abend auf der Rückreise sehr voll.

Wir sind Samstag gefahren und wurden dann zu meiner großen Freude vom 25hours hotel hafencity eingeladen, eine Nacht dort zu verbringen.

Ich kannte das 25hours hotel hafencity bereits von einem Kurzaufenthalt und war, ehrlich gesagt, schon Fan. Ich liebe das Design und das Schiffsthema, welches das gesamte Hotel durchzieht. Ich hatte bereits bei Berlinfreckles über die Kindergeeignetheit des Hotels gelesen und war gespannt, was Kind 2.0 und 3.0 sagen würden.

Das Personal des Hotels hatte im Vorfeld gesagt, dass sie natürlich versuchten familienfreundlich zu sein, dass sie jedoch nicht extra auf Familien bzw. Kinder ausgerichtet seien.

Das fand ich insofern witzig, weil ich es eben in den allermeisten Fällen die kleinen Details sind, die einen Ort kinderfreundlich machen und nicht die pompöse Hüpfburg, die man extra für die Kinder aufstellt.

Und wenn man eines ganz sicher sagen kann: In den Details stimmt im HafenCity wirklich alles (nicht nur für die Kinder).

Wir haben ein großes Zimmer mit Doppelbett bekommen, das durch zwei Zustellbetten aufgepimpt war. Als wir in das Zimmer kamen, war es schwer die Kinder fünf Minuten im Zaum zu halten, um schnell Fotos zu machen. Trotz der Zustellbetten, war noch viel Platz.

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Die Vorhänge wurden aufgerissen (das Zimmer hat bodentiefe Fenster an zwei Seiten und man kann auf den Hafen – das Hafenbecken (?) schauen) und hätte ich nicht gewusst, dass um die Ecke ein sensationell großer und schöner Spielplatz liegt, hätten wir die Kinder nicht mehr aus dem Zimmer bekommen.

So packten wir unsere mitgebrachten Picknicksachen und verbrachten den Abend am Spielplatz im Grasbrookpark, wo es sogar Tische gibt, an denen man essen kann und tagsüber einen mobilen Kaffeestand.

Kind 2.0 und Kind 3.0 gaben dem Spielplatz eine 1-, wobei Kind 2.0 sagte, das sei der tollste Spielplatz gewesen, auf dem es JEMALS war (und ich kann versichern, wir haben schon viele tolle Spielplätze gesehen…). Das Minus vergab Kind 3.0 weil das Klettergerüst an einigen Stellen zu anspruchsvoll für die Körperlänge eines Kindergartenkindes gewesen sei. Auf der anderen Seite heisst das natürlich, dass auch ältere Kinder auf diesem Spielplatz noch jede Menge Spaß haben können.

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Gegen 22 Uhr liefen wir zum Hotel zurück und schauten uns den Wohnzimmerbereich im 1. Stock des Hotels an. Dort gab es eine Eisenbahn, die Kind 3.0 , während Kind 2.0 und wir Erwachsenen Kicker spielten, aufbaute.

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Am Weg zum Aufzug legten wir noch einen kleinen Zwischenstopp ein, um den Kindern zu zeigen, wie man früher Computer gespielt hat. Dort steht ein funktionsfähiger Atari mit einigen Spielen.

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Zur Feier des Tages durften die Kinder zum Einschlafen noch „Bernd das Brot“ schauen und freuten sich, dass sie am nächsten Morgen beim Aufreißen der Vorhänge ein ziemlich großes Schiff vor dem Hotel entdeckten.

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Ich hatte schon auf dem Weg nach Hamburg von dem schönen Badezimmer im Hotel berichtet. Die Kinder verkündeten deswegen stolz, dass sie sich extra Sand auf den Kopf geworfen hätten, damit sie duschen könnten. Wäre jetzt nicht nötig gewesen, aber so konnten wir die Dusche also auch nochmal testen.

Gegen 10 Uhr wankten wir schließlich zum Frühstücksbuffet. Diese Uhrzeit war, wie wir dann feststellen konnten, die beliebteste Frühstücksuhrzeit. Nachdem im Innenbereich alles belegt war, fanden wir aber draußen noch Plätze.

Das Buffet im Hotel ist wirklich reichhaltig und vielseitig. Es bleiben keine Wünsche offen. Es gibt Brötchen, Brot, Croissants, Brezeln, Müsli, Käse, Fisch, Wurst und Schinken, Eier, Obst, Grießbrei, Säfte, Wasser, Tee und Kaffee.

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Kind 2.0 und 3.0, die eigentlich nie was für sich finden, wenn wir auswärts essen gehen, waren sehr zufrieden. Kind 3.0 und ich haben Weißwürste gegessen, die wirklich sehr, sehr lecker waren. Das Ganze wurde spartanisch mit einer Brezel abgerundet.

Auf dem Weg nach draußen haben wir dann noch das Bobby Car und das hoteleigene Laufrad entdeckt und Kind 2.0 und 3.0 waren sehr empört, dass wir das Hotel verlassen, ohne alles vorher ausprobiert zu haben.

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Fazit: Beide Kinder waren der Meinung, dass wir u n b e d i n g t nochmal zurück kommen müssten.

Ich kann dazu sagen: Ich stimme zu, ich liebe das Hotel und seine Details und auch seinen Service sehr. Die Preise sind allerdings so, dass so ein Wochenendtripp eher was Besonderes bleibt. Man dann aber sicher sein kann, dass es an nichts mangelt und man wirklich Freude an seinem Aufenthalt hat.


P.S. Kind 3.0 sagt, ich solle dringend noch ein Bild des Kotzeimers zeigen, das sei schließlich auch sehr kinderfreundlich, weil Kinder gelegentlich spontan erbrechen (oder muss es korrekt „erbrüchen“ lauten?)

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Morgen gehts im Blog weiter mit der Lego-Ausstellung, die wir im Anschluss besucht haben.

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25hours – die Liebe beruht auf Gegenseitigkeit <3

Es ist nirgendwo so schön wie daheim – schon gar nicht im Urlaub

Korsika ist uneingeschränkt zu empfehlen.

Mit Abschluss unseres letzten Urlaubs haben wir uns geschworen, nie wieder Urlaub zu machen. Das lässt sich schon an den Bildern erahnen. Ich will jetzt nicht behaupten, dass ich das schon wusste bevor wir losfuhren, aber sagen wir mal, es schwante mir bereits.

Erstens: Ich hasse Hitze. Alles was 23 Grad überschreitet, ist für mich unerträglich. Ich vegetiere dahin, ich halte es nicht aus. Ich hasse schwitzen. Ich hasse Sonne. Ich hasse extreme Helligkeit. ICH wollte nach Norwegen! Aber ich bin kompromissbereit und anpassungsfähig und weil alle unbedingt in den Süden wollten – BITTE DANN EBEN SCHWITZEN!

Zweitens: Ich möchte jetzt nicht sagen, ich hätte Vorurteile gegen das französischsprachige Ausland, aber sagen wir so: In meiner Jugend war mir während diverser Frankreichaufenthalte bereits aufgefallen, dass man es sehr genau mit der Aussprache nimmt und dass, wer den Subjonctif nicht hundert prozentig beherrscht, meistens nicht beachtet oder gar bedient wird. So auch diesen Urlaub. Da kann man sieben Jahre Französisch in der Schule gehabt und immer 14 Punkte geschrieben haben – einen nasalen Laut verschluckt – und der Kommunikationspartner kennt keine Gnade. Auch nicht bei Kindern. Wenn die aus Versehen „un baguette“ statt „une baguette“ bestellen, dann lautet die Antwort „QUOI???!???“ Wenn das Kind dann winselnd mit einem Euro winkt, mit dem Finger die Zahl Eins anzeigt und auf die Baguettes in der Auslage deutet, gibt es dennoch kein Erbarmen. Es wird mit dem Besen aus der Boulangerie gescheucht.

Drittens: Campen mit fünf Kindern in einer Altersspanne von Baby bis Pubertät ist ein Alptraum! Nächstes Mal nehmen wir unsere wii, die Playstation und alle sonstigen elektronischen Unterhaltungsgeräte mit. Das haben die anderen Campingplatzbesucher auch so gemacht. Immer war irgendwem schrecklich langweilig, oder jemand hatte Hunger oder Durst oder alles gleichzeitig. Dann musste es für Kind A Apfelsaftschorle sein, das nächste bestand auf Quittensaft und Kind C und D wollten unbedingt Spreequell medium, weil das andere Mineralwasser nicht schmeckt. Wenn dann alle hatten, was sie wollten, stieß Kind E seine Saftschorle um und es begann das Geputze. Hinterher hatte man eine Ameisenautobahn quer über den Essensplatz.

Zur Krönung kostete Eis 3 in Worten DREI Euro und zwar pro Kugel. Oder man gönnte sich das günstige Magnum für 4,90 – sofern es denn ein Stileis sein sollte. Folglich mieden wir die Zivilisation und haben gelernt, dass man eigentlich einen Eisschrank kauft und diesen zu Beginn des Urlaubs mit selbst erworbenen Eis bestückt, das man portionsweise raus geben kann.

Wenn man an den Strand wollte (20 Meter Entfernung), brauchte man dafür 1,5 Stunden. Denn man musste die Kinder ja vorher noch eincremen (!!!). Zu Beginn wurde das Eincremen noch mit Geheule begleitet, doch dann lieh ich mir ein Smartphone eines anderen Urlaubers und zeigte den Kindern das Bild des LKW-Fahrers, der vergaß seine dem Sonnenlicht ausgesetzte Körperhälfte täglich mit SF 50 zu schützen.

Viertens: Campen generell ist total doof. Es sei denn, man steht auf den natürlichen Look und zwar v.a. was den Anblick sanitärer Anlagen angeht. Nicht selten habe ich mir gewünscht noch oder schon wieder im Windelalter zu sein oder einfach an furchtbaren Verstopfungen zu leiden und einfach nach 21 Tagen… aber lassen wir das.

Auch Kochen war furchtbar. Entweder alles war voll korsischen Staub oder aber man kochte versehentlich Teile der regionalen Fauna und Flora mit.

So blickten wir traurig und sehnsüchtig zu den Mobile Homes, die ausschließlich von Parisern angemietet wurden. Zur Hauptsaison kosten die nämlich rund 1.000 Euro die Woche. Jemand, der in Paris wohnt, mag denken: „Ah bon marché!“ – für uns waren sie in dieser Preislage leider völlig unerschwinglich.

Fünftens: Man zwang mich v.a. im Landesinneren zu sportlichen Aktivitäten. Sport hasse ich allerdings fast noch mehr als Sonnenlicht. Während der Flußwanderungen bohrten sich mehrere Äste in meine Oberschenkel und hinterließen eitrige Wunden. Meine Knie schlug ich mir blau und blutig als ich eines der Kinder, das versehentlich abgerutscht und ins Wasser gefallen war, retten musste. Stechmücken und Käfer, deren Bisse beinahe 14 Tage juckten, gaben mir den Rest.

Ich könnte die Liste noch unendlich fortführen, aber es genügt sicherlich festzustellen, dass die Kinder ab dem 14. Urlaubstag nicht mehr zu überreden waren, an den Strand zu gehen. Sie vermissten ihre gewohnte Umgebung so sehr, dass sich die Kleinsten lieber im Straßendreck einer als Terrain de Jeux ausgegebenen Brachfläche wälzten, als schwimmen zu gehen.

Die Rückfahrt dauerte dann statt der geplanten 10 Stunden bis zum ersten Zwischenstopp 22 Stunden. Vor Erschöpfung fuhren wie aus Versehen in Mailand rein, statt um Mailand herum und mussten in der Schweiz halten und für fünf Kaltgetränke unseren gemeinsamen Jahresbonus ausgeben. Danach brüllten die Kinder auf den Rücksitzen ausdauernd bei ca. 160 dB.

Nächstes Jahr also Brandenburg. Maximal.

(Dieser Eintrag ist frisch nach der Rückkehr erstellt. Das ist mein wahres Ich. Der Humor kommt erst in 14 Tagen.)

Aktuelles zum Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern

Urlaub im Osten ist tatsächlich genauso, wie man sich Urlaub im Osten vorstellt. Man fährt durch beschauliche Dörfer, die von dämlichen NPD-Parolen gepflastert sind und fragt sich, wie man sich wohl als ausländischer Tourist fühlen würde, wenn man doch offensichtlich als deutscher Tourist schon so wenig willkommen ist.
Zwar bietet der Osten so manch landschaftliche Attraktion und auch die Vielfältigkeit der Natur ist nicht zu verachten. Wo sonst sieht man beispielsweise Seerosen, Eisvögel, Kraniche und Wasserschlangen?
Auch sind die Städtchen alle hübsch hergerichtet, jedenfalls in den sogenannten Zentren, doch man darf sich von der pittoresken Optik nicht täuschen lassen.
Der Tourist als solches ist ein unwillkommener Eindringling in den betriebsamen Alltag.
Es gibt verschiedene Wege, wie man mit dem Problem-Touristen umgehen kann. Wenn man reich ist, so genügt es, eine schicke Yacht zu kaufen und auf Regen und Sturm zu warten. Wenn dann Windstärke 5 den kleinen Touristenhausbooten zu schaffen macht, so rast man einfach frontal auf sie zu oder aber man überholt sie in waghalsigen Manövern, wobei es besonders wichtig ist, dass man das Hausboot ordentlich rammt und ans Ufer drückt.
In Parchim hat man sich eine günstigere Methode einfallen lassen, den lästigen Tourismusparasiten los zu werden.
Man baut einfach einen Wasserwanderplatz, kassiert die Liegegebühr und dann wenn die ekelhaften Familien von anderswo schlafen, löst man die Seile, gibt dem Boot einen Tritt in die richtige Richtung und hofft darauf, dass die Elde die störenden Hausboote in die Ostsee – oder wenigstens auf den Fleesensee treibt.
Einzelne Touristen kann man zu Land übrigens auch mit dem Traktor überfahren und wenn einem das zu aufwändig ist, gibt es immer noch die baumgesäumten Landstraßen, die ein prächtiges Jagdrevier bieten.
So dauert es sicherlich nicht lange und die ungeliebten Fremden sind bald aus dem Bundesland verschwunden.

Urlaubsphantasien

Dieses Jahr werde ich erstmalig nach drei Jahren der Enthaltsamkeit wieder einen Urlaub machen. Eine Woche haben wir uns ein Boot geliehen. Mit diesem Boot werden wir durch beschauliche Landschaften tuckern. Mit dabei die Schwiegereltern und natürlich das Kind. Ich stelle mir das so vor:

Ich sitze auf dem Sonnendeck, lese, manchmal schlafe ich auch. Die Schwiegermutter steuert uns sicher durch die Gewässer. Der Schwiegervater grillt den ganzen Tag Würstchen. Wenn ich ein Mal mit dem Finger schnippe, kommt das Kind und hält mir ein Würstchen vor den Mund. Ich muss nur abbeißen. Wenn ich zwei Mal schnippe, kommt mein Freund und massiert mir den Rücken.

[Zurücklehnen, langes Seufzen]

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Prototypische Unterhaltung am Morgentisch

– Wir könnten im September eine Woche Urlaub in Paris machen.
– Hmpmmmmm
– Paris ist so schön!
– Ja, da gibts Häuser und Häuser und Häuser.
– Na hör mal, die ganzen Museen und überhaupt Paris ist einfach wunderschön.
– … ja und wenn wir wieder kommen, dann erzählen wir allen, wir hätten geheiratet.
– Dann brauchen wir aber auch Ringe.
– Quatsch. Der S-Bahn-Ring um Berlin soll uns genügen…

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