Wer joggt, liebt Podcaster

Weil ich vollmundig versprochen habe, beim nächsten Firmenlauf mitzumachen, gehe ich jetzt alle drei bis vier Tage laufen. Wer in meinem Blogarchiv die Worte „Joggen“ oder „Sport“ eingibt, wird feststellen, dass ich bislang nur Hohn für diese Art Freizeitgestaltung übrig hatte.
In der Zwischenzeit schaffe ich 5 km – aber entgegen aller Voraussagen, stellt sich nichts ein, das unter Spaß zu subsumieren wäre. Vom sagenumwobenen Runners-High gar nicht erst zu sprechen.  Im Großen und Ganzen bleibt es ätzende Quälerei.
Was mir am Laufen gefällt, ist die Flexibilität. Ich kann laufen wann ich will, ich kann die Kinder mitnehmen, ich kann laufen wo ich will. Und dass ich Podcasts hören kann, finde ich großartig. Im Alltag komme ich fast nie dazu oder die Kinder sind so laut, dass ich die Hälfte nicht verstehe.
Also lade ich mir vor dem Laufen einen Podcast runter und dann laufe ich los.
Während ich also so laufe, fiel mir meine Diplomarbeit ein. Ich habe über Liebe geschrieben.
Ein ganz interessanter Aspekt war für mich, dass völlig unspektakuläre Dinge beim Prozess des Verliebens eine Rolle spielen. Ein wichtiger Faktor ist zum Beispiel die räumliche Nähe. Ist ja auch einleuchtend. Die Wahrscheinlichkeit sich in den Nachbarn im Studentenwohnheim zu verlieben, ist ungleich höher als sich in den Freund vom Freund zu verlieben, der in Stockholm wohnt.

Auch gibt es Untersuchungsreihen die nahe liegen, dass Verlieben eigentlich etwas ist wie eine Fehlinterpretation von physiologischer Erregung.
Der Mensch versucht offensichtlich körperliche Zustände auf seelische Zustände zu attribuieren. Wenn man also merkt, dass das Herz stärker klopft oder das Blut in Wallung ist, dann sucht man unbewusst nach dem nächsten naheliegenden Grund. Hat man also gerade Kaffee getrunken, „weiß“ man: Ah, das Herzklopfen kommt vom Kaffee.
Leider irren sich solche Mechanismen gelegentlich oder sie funktionieren unsauber.
So sind Experimentalpsychologen auf die Idee gekommen, Männer über eine schwindelerregend hohe, klapprige Hängebrücke laufen zu lassen. Auf der Hälfte der Brücke stand eine attraktive Mitarbeiterin, die vorgab den Ablauf des Experiments zu prüfen. Sie bot den Männern ihre Telefonnummer an, falls es nachher noch Fragen gebe.

Das selbe hat man mit einer soliden Brücke gemacht. Siehe da. Die erste Gruppe rief signifikant öfter bei der Mitarbeiterin an und versuchte sich mit ihr zu verabreden. Sie hatten ihre körperliche Erregung misinterpretiert. Quasi derart „ah mein Herz klopft, dann muss ich diese Person sehr attraktiv finden“.

Daran musste ich neulich beim Laufen denken. Physiologisch bin ich nämlich höchst enerviert beim Laufen. Das Blut wallt, die Lunge bläht und transportiert Sauerstoff wie irre, mein Kopf ist auch nach dem Joggen zwei Stunden puterrot.

Ich frage mich also, ob das Langzeitauswirkungen hat. Also ob ich irgendwann zarte Verliebtheitszustände erleide, wenn ich die Stimmen der Podcaster höre, während ich fröhlich vor mich hinjogge.

Erschwerend kommt hinzu, dass ich kluge und gebildete Männer wirklich wahnsinnig toll finde. Der Podcaster als solches bietet außerdem ein verzerrtes Bild seiner selbst. Logischerweise referiert er über seine Spezial- und Interessensgebiete. Oft hat er ungeheures Fachwissen in einer beneidenswerten Tiefe zu seinen Themen vorzuweisen. Wenn er also in einem Podcast spricht, erscheint er viel klüger und viel gebildeter als er vermutlich in seiner Gesamtheit ist. Und ich denke mir dann: Ach so ein gebildeter Mensch! Wenn der zum Thema Kuhreiher schon so viel weiß! Meine Güte! Was weiß er dann zu generellen Themen alles! Und bestimmt viel mehr als ich! SO KLUG! Ahhh! <3! <3! <3!

Ähm ja und wenn ich es mir so überlege,  joggen ist doch ziemlich toll.

 

Update:

Podcast-Sammlung (Was nicht im Blog ist, ist nie mehr auffindbar)

SozioPod
Einschlafen-Podcast
Opa Harald erzählt
This American Life
Radiolab
Cocktailpodcast
Filmcast
Filmspotting
Kontroversum
Fireberg & Iceberg
Penaddict
Roderick On The Line
Geek Friday
One Bad Mother
Wer redet ist nicht tot

Über weitere Empfehlungen freue ich mich.

Autor: dasnuf

Aha! Google doch "dasnuf" Muhahahahaha!

32 Gedanken zu „Wer joggt, liebt Podcaster“

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  2. Und? Warst du inzwischen beim Firmenlauf? Ich war diese Woche in Nürnberg, ich laufe schon länger, aber bislang immer allein durch den Wald. Und jetzt zum ersten Mal zusammen mit 16.200 Menschen 6 Kilometer, rein ins Frankenstadion … Das hat schon was. Das war mein bisher einziges Runners High, ansonsten ist das, glaube ich, ein Mythos. Ach ja, und ich liebe Podcasts, aber eher beim Autofahren, beim Laufen brauche ich Musik, je abwechslungsreicher desto besser (danke, Spotify!) …

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  3. Wichtig ist, dass meine Anstrengung meine wird. Sie erscheint mir nicht aufgezwungen, sondern – so abgeschmackt das Wort im bürgerlichen Zeitalter auch klingt – freiwillig. Wenn ich will, drossle ich das Tempo und beginne zu schlendern, bleibe stehen oder setze mich ins Gras. Und wenn mir andersrum danach ist, spurte ich los oder springe über Gräben oder hüpfe blöd herum. Und wenn ich niederfalle, was selten ist, falle ich weich. Ich rieche und höre. Und meine Augen blicken, vor allem der linke Argus, der mit den Null Dioptrien. Er späht nach Pilzen und Beeren. Rotkappen. Parasol. Eierschwammerl. Heidel. Him. Brom.

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  4. Wenn das keine Motivation ist, einen Podcast zu machen, dann weiß ich auch nicht.

    Ach übrigens: meiner ist zwar auch mit Reden, aber eigentlich vor allem mit Musik, die ich vorstelle nämlich, da hätte man also beides – allerdings Metal ist da eher nie drin (sorry forse Eigenwerbung, aber konnte nicht widerstehen).

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  5. Interessant, sehr interessant, das mit den körperlichen Zuständen und dem Verlieben. Könnte erklären, warum ich den geheiratet habe, den ich geheiratet habe. Neee, gejoggt habe ich damals nicht, und ich werde es auch nicht wieder tun. Das ist vorbei, seitdem ich damals im Schwimmverein als Konditionstraining „Waldlauf“ machen musste. Was hältst du denn von Schwimmen? Dabei kann man allerdings keine Podcasts hören. :)

    Grüsse, Christine

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    1. Schwimmen ist GAR nichts für mich. Nach 50 Metern drohe ich unterzugehen. Unerträgliche Langeweile UND im Wasser schwitzen. Nichts für mich…

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      1. Komm Du mal hier hin, da schwitzt nix im Wasser. Und mehr als 50m mußt Du auch nicht zurücklegen um das Becken vom Bach-Einlaß bis zur Seerosen-Kläranlage zu durchmessen. Dafür gibt’s für Kinder alle Größen ein Planschbecken mit Kaulquappen drin. ;-)

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  6. FÜNF Kilometer? Ich schleiche ehrfürchtig von dannen, „unfassbar“ murmelnd. Fünf Kilometer. Oder nein, ich bin wieder da: du hast Zauberschuhe, oder? Oder??

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    1. Ich dachte auch, ich schaffe niemals 5 km. Aber es ist erstaunlich: Man schafft 5 km sehr einfach.
      Ein Freund läuft 2 mal die Woche 16-20 km. Einfach so. Ohne Pause und ohne sonderlich erschöpft zu sein danach…
      Das mit dem Laufen ist schon sehr erstaunlich.

      (Hihi, aber danke für die Motivation)

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  7. Nur mal aus Interesse, falls es sich zur Nachahmung eignet: Wie nimmst Du die Kinder mit zum Laufen? Laufen die mit? Halten die das durch? Ab welchem Alter? Oder machen die was anderes, parkst Du die in der Zwischenzeit auf einem Spielplatz an der Strecke? Wieder: Ab welchem Alter?

    Danke für Aufklärung
    Kirsten

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    1. Sobald die Kinder sicher Fahrrad fahren können, kann man sie meiner Ansicht nach mitnehmen. Ab 4? So fahren sie einfach voraus oder neben her.
      Wenn sie dann älter sind, also so, dass man es ok findet sie 6-8 Minuten alleine zu lassen, dann kann man sie am Spielplatz absetzen. Das hab ich selbst noch nicht gemacht, aber schon oft gesehen. Praktischerweise gibt es hier einen Spielplatz direkt an der Laufstrecke. Da joggen die Eltern dann ihre Runden und sagen den Kindern jede Runde „hallo“.

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  8. „Ein ganz interessanter Aspekt war für mich, dass völlig unspektakuläre Dinge beim Prozess des Verliebens eine Rolle spielen. Ein wichtiger Faktor ist zum Beispiel die räumliche Nähe. …“
    Ich glaube, in Zeiten des Internets ist das nicht mehr ganz so. Es sei denn, du definierst räumliche Nähe anders (Chatroom). Aber das nur am Rande. Ich laufe nicht, habe aber vor kurzem, nach 10 Jahren, wieder angefangen Fahrrad zu fahren. Irgendwelche Hochgefühle habe ich danach nicht (auch wenn es nur drei oder vier Kilometer sind), im Gegenteil. Aber der Zeitfaktor bis ich wieder normal atmen kann und mich wohl fühle verringert sich ständig. ;-)
    Also, durchhalten!

    Liebe Grüße

    cat

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  9. „Ich frage mich also, ob das Langzeitauswirkungen hat. Also ob ich irgendwann zarte Verliebtheitszustände erleide, wenn ich die Stimmen der Podcaster höre, während ich fröhlich vor mich hinjogge.“ Mein Lieblingsabschnitt.

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  10. Ich hab mal in einer Läufer-Zeitschrift gelesen, dass man erst nach 3-6 Monaten ein gutes Gefühl beim Laufen bekommt (mindestens 3x wöchtentlich). Der Runner’s High kommt auch erst mit der Zeit. Bei hatte es auch etwas gedauert. Bei kurzen Läufen unter 5km merke ich davon meistens nichts. Ab 10km kann ich damit rechnen.

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  11. Runner’s High hatte ich höchstens ein einziges Mal: Als ich aus dem Stand ungeübt mal 10 km gelaufen bin (nachts um 2, einfach aus Frust). Nach der Wanne und dann im Bett wusste ich, was diese Endorphine sind, von denen immer alle reden. Man schwebt vor Glück und als tatsächliches körperliches Gefühl so 2cm über der Matratze. Nachher hatte ich das nie wieder. Aber deswegen würd ich auch nicht laufen, da sind Drogen sicher einfacher.

    Ansonsten hör auf die Metaller in diesem Blog! :D \m/

    Eigenwerbung, nicht klicken: http://www.youtube.com/watch?v=nDFDPsHaYig

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  12. oh, super Idee mit dem Podcasts! Ich lauf eher still, wenn ich mal Musik dabei höre dann nur klassische ohne alllzu deutlichen Rhythmus – neige nämlich dazu, den Laufschritt dem beat (wenn vorhanden) anzupassen was bei mir immer zu Seitenstichen führt.

    Viele andere Läufer, die ich kenne schwören hingegen auf anheizende, schnelle Musik – ich würd mal unken, das ist individuell unterschiedlich. Ergo ausprobieren, was einem am meisten liegt.

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  13. Runner’s high gibt es bei mir ab und zu, am besten in Kombination mit Musik. Hat allerdings bis zum ersten high bestimmt 6 Monate Training gebraucht, also nicht zu schnell aufgeben;) Inzwischen habe ich aufgehört beim Laufen Podcasts oder Musik zu hören, es ist sehr therapeutisch, mal für 2 oder 3 Stunden mit sich allein zu sein und die Stille im Wald zu genießen;)

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    1. Geht/Ging mir genauso :-)
      Allerdings brauchte ich mehr als 6 Monate Training. Mittlerweile ist es aber so, dass ich meine euphorischsten Laufmomente meistens dann habe, wenn ich länger nicht laufen war, dann zwei-/dreimal wieder gelaufen bin zum Wiederreinkommen und wenn ich dann das erste Mal wieder 7 oder 8km schaffe. Ist eine gute Ausrede, immer mal wieder für eine gewisse Zeit zu pausieren … ;-)

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  14. Das Runners-High setzt bei mir übrigens auch erst ab Kilometer 7 oder so ein. Bei Kilometer 10 ist damit dann aber auch Schluss. Ich frag mich zudem, ob Podcasts so das Richtige zum Joggen sind – wegen des Rhythmusgefühls, das man beim Laufen ja schon irgendwie braucht, und sei’s nur für die Atmung. Vielleicht solltest du’s mit Metal versuchen. Ich zumindest hatte hinterher nie das Gefühl, in James Hetfield verliebt zu sein.

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    1. interessant. Ich hingegen – zu 99,99% nicht laufend, wenn schon eher fahrradfahrend – neige hingegen immer sehr dazu nach musikalischen Genuss von Metal mindestens ein bisschen in James Hetfield verliebt zu sein. Funktioniert übrigens auch bei Black Sabbath, Iron Maiden etc.

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    2. Also ich hör auch oft Podcasts beim Joggen. Aber es stimmt: um wirklich performant zu laufen braucht man eigentlich Musik. Und ich empfehle euch jetzt hiermit die besten drei Mixtapes die es zum Joggen gibt: Blood Bros 1,2 und 3. Jeder, der auch nur ein bisschen an den 80ern geschnuppert hat wird dadurch um mindestens 40% schneller. Dafür stehe ich: mit meinem Namen.

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