[Werbung] Kinder und der Tod

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Quelle: Unsplash.com/@jwwhit

Vor vier Jahren ist eine Freundin von mir von einem Tag auf den anderen aus meinem Leben verschwunden. Jäh aus dem Leben gerissen. Einfach weg. Das war vermutlich das erste Mal, dass meine Kinder mit dem Thema Tod konfrontiert wurden. Sie mussten mich weinen sehen, sie mussten sehen, wie der Alltag völlig durcheinander geriet und ich nicht mehr wusste welcher Wochentag ist oder wann Essenszeit war. Glücklicherweise war gleich ein Freund zur Stelle, der für uns da war und sich um die Kinder und mich gekümmert hat.

Ich habe mich einerseits schlecht gefühlt, weil ich meine Kinder mit meinem Zustand emotional überfordert habe, aber ich konnte den Schock, die Trauer und die Wut nicht verstecken. Andererseits fand ich es schon immer wichtig, dass der Tod Teil des Lebens ist. Ich wollte eigentlich nichts verbergen.

Mir war schon vorher aufgefallen, dass Anfang und Ende des Lebens in unserer Gesellschaft keinen richtigen Platz (mehr) haben. Die Geburt eines Kindes findet meistens im sterilen Krankenhaus statt. Bestenfalls ist der Vater des Kindes noch dabei. Einen frischgeborenen Säugling sieht man meistens das erste Mal im Leben, wenn man selbst Mutter wird. Viele Themen rund um die Geburt, sind weiterhin Tabus. Von Schmerzen, Schreien, Blut, Schleim, Dammrissen und Kindspech will in der Regel niemand etwas sehen und hören. Erst wenn das Neugeborene entrunzelt ist und schon ein bisschen Speck angesetzt hat, macht man Fotos und lässt die Welt wissen: Wir haben ein Kind bekommen! (Von den geschminkten und zurecht gemachten Müttern nach der Geburt gar nicht erst zu sprechen.)

Das Ende des Lebens verstecken wir noch mehr. Menschen verschwinden einfach. Sie werden beerdigt und sind weg.

Offenbar ist das Thema Tod für die meisten so beängstigend, dass man lieber so tut als gäbe es den Tod gar nicht. Vor allem Kinder hält man fern. Ich war bislang auf wenigen Beerdigungen, aber alle bis auf eine fanden ohne Kinder statt. Meine Kinder waren die einzigen, die dabei waren.

Auch über vieles was dem Tod voraus geht, wird nicht gesprochen – obwohl sehr viele ähnliches erleben – z.B. wenn sie ein geliebtes Familienmitglied durch eine schwere Krankheit in den Tod begleiten. Jede Familie muss in Ermangelung von Austausch alles erstmalig erleben und entscheiden. Meistens gibt es auch keine Patientenverfügung oder Vorsorgeverfügung an der sich die Angehörigen orientieren können. Kinder bleiben bei all diesen Themen außen vor. Tote sieht man im Fernsehen – nicht aber im tatsächlichen Leben.

Ich halte das für falsch. In einem Interview mit einer Bestatterin habe ich mal gelesen:

Interviewer: Hat ihr Beruf ihre Einstellung zum Tod verändert?
Bestatterin: Nein, zum Tod nicht, aber zum Leben.

Dieser kurze Dialog fasst für mich sehr gut zusammen, wieso ich es wichtig finde, den Tod auch in das Leben zu lassen. Wenn mir die Endlichkeit meines Seins bewusst ist, gehe ich mit dem Leben ganz anders um. Hoffentlich zumindest. Das versuche ich auch meinen Kindern zu vermitteln. Sie sollen nach Möglichkeit natürlich keine Angst haben, aber es soll klar sein, dass unser Leben – das Leben als solches – das Leben eines jeden einzelnen – wertvoll ist und dass wir es nicht verschwenden dürfen. Dafür muss man nicht „carpe diem“ schreiend durch die Gegend rennen und Großes vollbringen. Mir hilft der Gedanke an den Tod v.a. die kleinen Dinge wertzuschätzen. Wärmender Sonnenschein auf der Haut, mein Kind beim Spielen beobachten, die gemeinsamen Gespräche über den Tag abends im Bett. Verbitterung, Verbissenheit und das Nachtragendsein haben weniger Platz in meinem Leben.

Durch die Beschäftigung mit dem Tod kann man sehr viel über das Leben/für das Leben lernen. Dafür lese ich z.B. das Blog von Thanatos Bestattungen in Berlin und folge dem dazugehörigen Twitter-Account. Es gibt auch interessante Bücher wie „Fragen Sie Ihren Bestatter: Lektionen aus dem Krematorium“ von Caitlin Doughty, die ich empfehlen kann. Auch das Blog Sterben üben hat mich schon viel zum Nachdenken und Innehalten gebracht.

Mir hat das geholfen mit meinen Kindern einen Umgang zum Thema Tod zu finden. Es gibt einige Dinge, die ich aus diesen Texten ziehen konnte.

Sehr schön fand ich z.B. die Feststellung, dass man mit Kindern über das Thema „Was kommt nach dem Tod“ wunderbar auf Augenhöhe sprechen kann – denn niemand weiß, was nach dem Tod kommt. Meine persönliche Vorstellung ist deswegen genauso legitim wie die meines Kindes. Man kann sich deswegen wunderbar gegenseitig zuhören und auch einfach sagen, dass man es nicht weiß.

Ich finde es auch wichtig, dass man nicht erst über den Tod spricht, wenn er ins eigene Leben tritt. Meistens ist man dann mit seinen eigenen Gefühlen, mit persönlicher Trauer und Verlust beschäftigt, was vieles erschwert. So haben wir z.B. schon immer Kinderbücher, die sich mit dem Thema Tod befassen.

Wenn jemand stirbt, stelle ich es meinen Kindern frei, ob sie mit auf die Beerdigung kommen wollen. Ich sage ihnen auch, dass ich glaube, dass es hilft im Kreise der Lieben Abschied zu nehmen, auch wenn es traurig ist und bestimmt einige weinen.

Ich selbst habe gar keine Angst vor Toten. Das erste Mal als ich einen Toten gesehen habe, hatte das sogar was Beruhigendes für mich. Wenn jemand stirbt, muss man die Person auch nicht sofort vom Bestatter abholen lassen. Ich finde es ist eine weitere Stufe Abschied, einen Toten einige Zeit bei sich zu behalten. Etwas, das den Abschied in Summe erleichtert. Ich stelle meinen Kindern auch hier frei, ob sie jemanden, der gestorben ist, sehen wollen.

Es gibt überhaupt sehr viel in das man Kinder zum Thema Tod miteinbeziehen kann. So kann man als Familie z.B. einen Sarg selbst bauen oder einen gekauften bemalen (gleiches gilt natürlich für Urnen).

Ich glaube, am Ende ist es für alle sehr viel gesünder, wenn der Tod einen nicht wie einen riesigen Fels erschlägt, sondern man sich dem Thema Schritt für Schritt annähert und das eben bevor es akut wird.

Es klingt vielleicht wie eine Kalenderweisheit, aber der Tod gehört zum Leben. Das sollen meine Kinder wissen.

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76 Gedanken zu „[Werbung] Kinder und der Tod“

  1. Wer mal aus Versehen in Kassel ist, dem kann ich zu diesem Thema auch das Museum für Sepulkralkultur empfehlen. Um zu sehen, wie man früher mit dem Tod umging oder auch in anderen Kulturen. Und auch sonst sehr viele vergangene und aktuell Bräuche rund um den Tod. Irre Interessant

    1. „Der Tod und Kinder“ war auf der Agenda, dann hatten wir aber einen Sterbefall und mir war es zu frisch, um darüber zu sprechen. Wir haben das Thema deswegen nach hinten geschoben.

  2. Der Tod, sein Auftreten, sein gesamtes Mysterium sind so groß – ich glaube, wem betroffen dabei nicht die Worte verloren gehen, in dem lebt selbst nicht mehr viel… Und von noch etwas bin ich überzeugt: würden wir den Tod nicht mit aller Kraft verdrängen: wir würden anders leben. Meinst du nicht auch?

    1. Klar würden wir anders leben. Ich lebe komplett anders seit ich eigentlich täglich an den Tod und auch an meine toten Freundinnen und Bekannten denke.
      Deswegen halte ich persönlich das Verdrängen für falsch.

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