[Werbung] Konzentrier‘ Dich doch mal!

Heute in einer Woche (5. Juni 2019) werde ich in Bochum mit Max Kade, seines Zeichens pädagogischer Leiter des Nachhilfeinstituts Studienkreis, über Konzentration sprechen. Das Gespräch wird ab 20.30 Uhr live auf dem Facebook-Profil von Studienkreis GmbH mitzuverfolgen sein. Schaut gerne rein und stellt selbst eure Fragen.

Ich habe mich gefreut schon im Vorfeld meine Fragen stellen zu können, denn v.a. im Kontext digitaler Medien, höre ich immer wieder, dass es schlecht bestellt ist um die Konzentrationsfähigkeit unserer Kinder und Jugend.

Max Kade, pädagogischer Leiter des Nachhilfeinstituts Studienkreis

Herr Kade, Konzentration. Was ist das eigentlich? Ist Konzentration dasselbe wie Aufmerksamkeit?

Kade: Die beiden Themen gehören eng zusammen, werden in der aktuellen Forschung aber häufig als zwei verschiedene Dinge betrachtet. Üblicherweise bezeichnet man mit Konzentration den willentlichen Fokus der Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Gegenstand oder eine Aufgabe. Davon zu unterscheiden ist die Fähigkeit ganz unterschiedliche Reize schnell aufzunehmen und zu verarbeiten, man könnte am ehesten Wachsamkeit dazu sagen. In der Fachsprache wird dies auch Vigilanz genannt. Vigilanz plus Konzentration sind dann die entscheidenden Ausprägungen der Aufmerksamkeit.

Ich habe den Eindruck, dass Konzentration themenabhängig ist. Meine Kinder können z.B. stundenlang konzentriert Pokemon malen oder Harry Potter lesen und gleichzeitig sagt mir deren Lehrerin, sie hätten Konzentrationsprobleme. Von anderen Eltern höre ich ähnliches. Wie kann das sein?

Kade: Die Fähigkeit zur Konzentration ist zum einen nicht immer gleich hoch und zum anderen themen- bzw. situationsabhängig. Ob ich mich auf etwas konzentrieren kann, hängt mindestens von vier Faktoren ab: von der Sache selbst, von meiner Stimmung, von meinen Fähigkeiten und von der Umgebung. Insbesondere mein Interesse an einer Sache, speziell meine eigene emotionale Beteiligung, beeinflusst meine Konzentrationsfähigkeit stark. Was auch erklärt, dass bei Harry Potter eine größere Konzentrationsfähigkeit besteht als beim Vokabellernen.

Gerade wenn man über Kinder und digitale Medien liest, begegnet einem oft die Aussage, dass die Konzentrationsspanne sich in den letzten Jahren durch den Konsum von YouTube & Co. drastisch reduziert hätte. Ist da was dran?

Kade: Die Forschungslage zu diesem Punkt ist nicht ganz eindeutig. Es gibt eine Befragung unter Lehrern, die als Ergebnis eindeutig die Einschätzung haben, dass die Konzentrationsfähigkeit heutiger Schüler abgenommen habe. Schaut man sich aber die Ergebnisse genauer an, sieht man, dass vor allem ältere Lehrer diese Einschätzung haben. Von den jüngeren Lehrern sehen dies deutlich weniger so. Fest steht: Das Potenzial zur Ablenkung ist speziell durch digitale Medien zweifellos größer geworden als früher. Und wenn man weiß, dass Ablenkung ein Hemmfaktor für eine gelingende Konzentration ist, dann kann man zumindest die Tendenz zu einer Verschlechterung nicht ausschließen. Diagnostizierte Konzentrationsstörungen haben auf jeden Fall zugenommen. War man früher einfach faul oder dumm, braucht es heute eher eine Diagnose.

Wie fördert man Konzentration oder genauer – wie fördert man Konzentration für Themen, die einen vielleicht nicht brennend interessieren? Das ist ja eine Anforderung, die uns allen im Alltag immer wieder begegnet und von denen v.a. Kinder in der Schule betroffen sind. 

Kade: Konzentration ist eine Fähigkeit, die trainiert werden kann und muss. Als Mensch bringe ich diese Fähigkeit nicht a priori mit, sondern sie ist Teil der Reifung und des Einübens, bspw. in Bezug auf eine aufgeschobene Bedürfnisbefriedigung. Das bedeutet, dass ich nicht automatisch erwarten kann, dass sich ein Kind länger auf einen „uninteressanten“ Gegenstand konzentrieren kann.
Man tut sich leichter, wenn man ein Verständnis dafür hat, warum ein Gegenstand doch eine Relevanz hat. Zudem fällt es Menschen leichter sich zu konzentrieren, wenn es gewissen wiederkehrende Elemente („Rituale“) beim Lernen gibt, wie gleiche Zeit, Vorgehen, Belohnung, etc.). Und besonders hilfreich ist es, mögliche Ablenkungen zu reduzieren. Dazu gehören visuelle Ablenkungen (Chaos auf dem Schreibtisch und im Zimmer), akustische Ablenkungen (Musik, Handy, Lärm, Geschwister) und innere Ablenkungen (Ärger, Druck, Anspannung, unangenehme Gedanken). Die größte Chance auf konzentriertes Lernen besteht also bei einer entspannten Grundverfassung in einer ablenkungsarmen Umgebung mit einem interessanten Lerngegenstand.
Und es gilt auch, zur Konzentration gehört es nicht, dass man Stunden auf einem Platz verharrt, der Körper braucht zwischendurch immer mal wieder etwas Bewegung.

So wie die eigenen Eltern mir, sage ich meinen Kindern gelegentlich auch gerne: „Geht doch mal an die frische Luft“, wenn sie den ganzen Tag lesen, malen oder vor dem Tablet sitzen. Macht man das intuitiv, weil es einen Zusammenhang zwischen körperlicher Betätigung und Konzentration gibt? Oder sind andere Faktoren wichtiger?

Kade: Dieser Rat gehört eindeutig in die Kategorie befolgenswerter Vorschläge. Der Körper braucht zum gesunden Funktionieren ein Grundmaß an Bewegung, an Sauerstoff und auch an gesunder Ernährung. Dazu zähle ich in erster Linie Wasser, aber auch Nahrungsmittel, wie Eier, Fisch, Nüsse. Außerdem bringt das „an der frische Luft sein“ zumeist wertvolle soziale Kontakte und neue Eindrücke, die Kinder auch wieder brauchen, um in Lernsituationen mehr Möglichkeiten zum Andocken zu haben und sich deshalb auch wieder besser konzentrieren können. Und kein Mensch kann dauerhaft konzentriert sein, sondern im Idealfall wechseln immer Phasen von Anspannung mit denen der Entspannung ab.

Wenn ein Kind etwas zappelig ist, sind viele mit dem Schlagwort ADHS dabei. Was können Sie besorgten Eltern mit auf den Weg geben? Welche Konzentrationsspannen sind je nach Alter normal z.B.?

Kade: Zunächst einmal gilt, dass Zappeligkeit ein Zeichen von Kindern und Jugendlichen ist und – auch wenn es nervt – erst einmal als Teil einer gesunden Entwicklung gewertet werden darf. Auch wichtig ist, dass entwicklungsbedingt unterschiedliche Zeiten konzentrierten Arbeitens möglich sind. Für 5-7- Jährige bis 15 min, für 7-10-Jährige bis 20 min, 10-12-Jährige bis 25 min. Und für 12-16-Jährige ca. 30 min.
Andererseits stellt ADHS je nach Schweregrad eine unter Umständen massive Beeinträchtigung der Lebenssituation des Kindes und der Familie dar. Die Diagnose kann dazu aber nur ein ausgebildeter Facharzt oder Psychologe stellen. Meine Empfehlung wäre also eine doppelte: Wenn Sie wirklich den Verdacht haben, dass bei ihrem Kind eine sogenannte „hyperkinetische Störung“ (nach ICD 10) vorliegt, sollten Sie das unbedingt prüfen lassen. In der weit überwiegenden Zahl der Fälle handelt es sich allerding um alters- und umweltbedingte Verhaltensweisen, die unzählige Generationen vor Ihnen schon aushalten mussten und auch in Zukunft werden aushalten müssen

Kann man Konzentration trainieren und wenn ja, wie? Ist das bei Kindern anders als bei Erwachsenen?

Kade: Ja, Konzentration kann man trainieren. Zunächst sollte man sich angewöhnen, sich nicht mit mehreren Dingen gleichzeitig zu beschäftigen. Denn unser Gehirn ist für das sogenannte Multi-Tasking schlecht geeignet. Das gilt für Kinder ebenso wie für Erwachsene.  Also immer eine Aufgabe nach der anderen erledigen und währenddessen alles andere möglichst ausschalten. Leider sind wir Erwachsenen, was das angeht, häufig schlechte Vorbilder für unsere Kinder. Die Phasen konzentrierten Lernens und Arbeitens sollten auch nicht zu lang sein. Die Konzentrationsspannen sind bei jüngeren Kindern, wie schon gesagt, kürzer als bei Jugendlichen oder Erwachsenen. Je jünger das Kind ist, desto häufiger sollten Pausen eingelegt werden. Lernpausen können Kinder und Jugendliche je nach Alter mit unterschiedlichen Konzentrationsübungen füllen, am besten mit solchen, bei denen man sich bewegt. Schöne Beispiele für Konzentrationsübungen ohne viel Bewegung sind Mandalas ausmalen, auf Fantasiereise gehen, oder Knobelaufgaben lösen. Auch das Spielen eines Musikinstruments schult die Konzentration. Bei Kindern genauso wie bei Erwachsenen. Viele Übungen hat der Studienkreis in seinem Ratgeber „Besser konzentrieren“ zusammengefasst, den es in unseren Niederlassungen gratis zum Abholen gibt oder im Internet als Download. Förderlich für die Konzentration, wenn auch zugegebenermaßen nicht mehr so recht up to date, ist auch das gute alte Auswendiglernen von Texten.

Vielen Dank, Herr Kade, ich freue mich auf unser Gespräch. Speziell über die These dass „das an der frische Luft sein zumeist wertvolle soziale Kontakte und neue Eindrücke“ bringt, die der Konzentrationsfähigkeit helfen, möchte ich gerne sprechen. Mir kam nämlich sofort in den Sinn, dass beide Kriterien auf zahlreiche Computerspiele zutreffen. Ich vermute jedoch, dass viele Eltern Computerspiele nicht unbedingt als Förderer von Konzentration sehen würden.

Liebe Leserinnen und Leser, ich kann eure Fragen nach Bochum mitnehmen. Deswegen:

Was interessiert euch zum Thema Konzentration? Wie fördert ihr die Konzentration eurer Kinder? Beobachtet ihr eine Änderung in euren Kindern wenn sie viel digitale Medien nutzen?

 

Wenn euch das Format gefällt, schaut euch doch die Diskussion um gerechte Noten mit Alu von Grosseköpfe an oder zu Lernen in der Pubertät Nina Massek von Frau Mutter.

6 Gedanken zu „[Werbung] Konzentrier‘ Dich doch mal!“

  1. Bei uns werden die Hausaufgaben in der Schule gemacht und die Abende lassen wir lernfrei. Insofern haben wir keine Probme mit Konzentration.

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