Meine Töchter und Söhne sind Schneewittchen

Kaum hat man die Jugend überstanden, befindet man sich in der Postadoleszenz. Nur einmal den Lebenswecker gesnoozt und schon ist alles dahin. Zumindest die Schönheit. Die Haare grau, die Haut schlaff, die Aura schwächlich, man schrupft ein und gleichzeitig erhöht sich das Gesamtvolumen. Älterwerden ist kein Spaß.
Es kommt das Alter der Zipperlein. Der nie endende Schnupfen, die große Erschöpfung. Alles siecht dahin.
Da stehe ich morgens an meinem Spiegel, habe aufgegeben mir die ergrauten Haare aus dem Schopfe zu zupfen, weil es einfach zu viele sind. Wochenlang habe ich recherchiert welche Augencreme die beste sein könnte, doch meine Falten lässt sie nicht verschwinden. So stehe ich da und betrachte mein Gegenüber.
Das Kinnläppchen wächst. Die Ohren ebenfalls und auch die Nasenspitze scheint sich zu vergrößern. Vielleicht ist auch beides gleich groß geblieben und der Rest ist eingefallen – wer weiß das schon?
Während ich so dastehe und mich mitleidig begutachte, hüpft eines meiner Kinder ins Badezimmer. Es wirft sich mir an den Hals und ich spüre die blütenzarte Haut. Wie Rosenblätter, weiß und makellos. Das Kind küsst mich überschwänglich und sein seidenes Haar streift mein Gesicht. Es riecht so frisch und jung, so kraftstrotzend und wach.
Kein Gramm Fett, der Körper so muskulös wie der einer Gazelle. Straff und wunder-, wunderschön.
Ich halte meinen Kopf unter kaltes Wasser und fühle mich wieder normal.
Am Frühstückstisch habe ich mich wieder gefangen. So ist das Leben. Es vergeht und wir werden alle älter. Sicherlich gibt es irgendwelche Vorzüge am Älterwerden – auch wenn sie mir gerade nicht einfallen wollen – muntere ich mich auf.
Zum Glück war ich auch zu Jugendzeiten nie eine von denen, die durch ihre strahlende Schönheit ins Auge fielen. Das macht vieles leichter. Immerhin habe ich noch mein Wissen und oft hat man mir bescheinigt, ich sei witzig.
Wenigstens das! Wenigstens das kann mir keiner nehmen. Meinen Humor. Der wird eher noch besser, tiefgründiger, more sophisticated , feiner eben.

Doch dann kommt der Tag, an dem die Kinder eigene Witze machen. Erst unbeholfen absurde (“Ein grünes Auge springt über ein Haus!”), dann nacherzählte – doch dann oh weh – eigene – eigene – eigene – bei denen es auch nicht hilft die Lippen aufeinander zu pressen und die Ohren zuzuhalten. Sie kommen erst selten, dann immer öfter und schließlich täglich. Mehrere Male am Tag gar und dann ist es aus.

"Was soll ich kochen?" Kind 1.0 "Lasagne oder Köttbullar - jedenfalls irgendwas mit Pferd"
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  1. Pterry sagt:

    Schneewittchen ist ein ganz schön brutaler Vergleich, wenn man die Originalfassung bedenkt, in der die Königin die Organe verspeist, die ihr der Jäger bringt.

    Vorteile des Alters: Ein entfernter Bekannter von mir ist dieses Jahr im Skiurlaub dumm gestürzt und hat sich paar Rippen und nen Wirbel angebrochen. Wenn er jünger gewesen wäre und seine Wirbel nicht altersgemäß versteifter, hätte er nen Nervenschaden davon getragen.

    Kinder können auch unfreiwillig ganz schön komisch sein.

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  2. Modeste sagt:

    So etwas Ähnliches dachte ich heute morgen auch. Gestern wurde nämlich der J. vierzig, und hatte eingeladen. Da saßen sie dann alle, die alten Freunde. Wir kamen mir alt vor. Kein schönes Gefühl.

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  3. Da ich Ihnen ja einige beträchtliche Jahre altersmäßig voraus bin, kann ich nur sagen, es stimmt, was Sie hier schreiben: “Immerhin habe ich noch mein Wissen und oft hat man mir bescheinigt, ich sei witzig.
    Wenigstens das! Wenigstens das kann mir keiner nehmen. Meinen Humor. Der wird eher noch besser, tiefgründiger, more sophisticated , feiner eben.” Ich mache jetzt auch nur noch “in Humor”.

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  4. SvenR sagt:

    Ich sag’ ja immer, wer nicht alt werden will, der muss jung sterben, und das ist ja nun wirklich keine Alternative. Was mir am Alter (44,5) am besten gefällt, dass ich drei gesunde mittelwohlerzogene wunderhübsche Kinder habe, die aus dem gröbsten raus sind – selber laufen, sprechen essen usw. Ich würde gerne das ein oder andere Zipperlein weniger haben, aber durch meine eigene Jugend, Berufswahl und Ausbildung noch mal durch müssen, nein, das wöllte ich nicht.

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  5. Gregor sagt:

    Die alten zeigen den jungen die Welt von gestern und die jungen zeigen den alten die Welt von morgen, Vergangenheit+Zukunft=Gegenwart

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