Sein Geheimnis

Teller mit einem Kloß, Sauerkraut und Schweinebraten

Als ich mit meinem Erstgeborenen vor ca. zehn Jahren in Franken war, wurde es von einem anderen Kind angesprochen, ob es wohl noch nicht so gut sprechen könnte, da es das R noch nicht so gut rollen würde. Seitdem lernt das Kind fränkisch und wird demnächst sein DFDFS* machen, das es mindestens mit C1 abschließen möchte.

Erste Kenntnisse konnte ich vermitteln (»Ich heiße Patricia. Haddes B und haddes D«), da ich elf Jahre meines Lebens vor Ort gelebt habe. Ich kann Fränkisch sehr gut verstehen, allerdings kann ich es leider nicht so gut sprechen. Meine Eltern hatten es mir damals nicht erlaubt und ich habe für jedes »fei« eine Schelle bekommen, so dass ich zu großen Teilen beim Hochdeutsch geblieben bin. Lediglich eine als-und-wie-Verwechselung konnte ich vollständig in meinen aktiven Sprachschatz integrieren. In Berlin kann ich auch jedem vormachen, dass ich fränkisch kann. In Franken bin ich schon beim »Grüß Gott« enttarnt**. Letztendlich konnte ich dem Kind bei seinen ambitionierten Zielen nicht weiterhelfen und es musste zur Vertiefung der Kenntnisse auf Fachliteratur zurückgreifen. Es hat dafür u.a. alle vier Asterix-Bände auf Oberfränkisch auswendig gelernt (mein Lieblingswerk ist »Asterix bei die Bieramiden«).

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Der Spaghetti-Puttanesca-Körper

Ich bin ehrlich. Als ich vor ca. 11 Monaten angefangen habe regelmäßig ins Gym zu gehen, hatte ich die leise Hoffnung ein bisschen abzunehmen. Gar nicht so sehr, um einem bestimmten Schönheitsideal zu entsprechen – sondern eher, weil ich gehofft habe, wieder besser in meine Klamotten reinzupassen. Denn, ich hab mir diese Worte schon als Stickerei an die Wand gehängt: Wenn der Herr wollte, dass ich schlank bin, hätte er gemacht, dass ich scheiße koche.*

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Eichhörnchen und Schlüssel

Ich schreibe gerade an einem umfangreicheren Werk und weil es mein Midlifecrisis-Projekt ist, erlaube ich mir andere Luxuseskapaden, die mir dabei helfen könnten. Ich lasse mich zur Zeit z.B. virtuell von Harlan Coben coachen. Warum ich ausgerechnet Harlan Coben ausgewählt habe, weiß ich nicht genau, aber er ist richtig, richtig gut. Er sagt zum Beispiel »Only writing is writing« und meint damit, dass man für seine Geschichten nicht allzu viel recherchieren und sich auch keine elaborierten Pläne machen sollte, da man so dem eigentlichen Ziel – dem fertiggestellten Buch – nicht bzw. nur langsam näherkommt.

Zwei Wochen hat mir das sehr geholfen. Wann immer ich durch Gartenarbeit oder aufwändigem Kochen prokrastinieren wollte, sagt Harlan Cobens Stimme in meinem Kopf »Only writing is writing« und schon sitze ich am Rechner und tippe die nächsten zehn Seiten in das Textverarbeitungsprogramm.

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The Odyssey

Ich bin immer noch alleine im Wald. Aber weil ich sonst unter unerträglicher FOMO gelitten hätte, bin ich eine Stunde im strömenden Regen in die nächstgelegene Stadt gefahren, um The Odyssey OV in der Startwoche anschauen zu können. Wenn ihr nichts über den Film wissen wollt, müsst ihr jetzt aufhören zu lesen.

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Über Elefanten und Zecken

Ich liebe es ja alleine zu sein. Vor allem, wenn ich ein Projekt voran bringen möchte. Denn wenn ich eines gut kann, dann wie besessen an einer Sache, die mich begeistert, zu arbeiten. Ich stehe um 5 Uhr auf, werfe meine 120 dB laute Kaffeemühle an und bereite mir einen Flat White, esse drei Käsestullen und dann setze ich mich an meinen Rechner und tippe bis mein Körper vermeldet, dass ich dringend wieder etwas essen müsste. Meistens ist es dann 8 Uhr und ich nehme mein zweites Frühstück ein, um mich dann wieder in meine Arbeit zu vertiefen. Dabei bin ich oft genervt, denn ich kann nicht so schnell tippen wie ich denken kann. Glücklicherweise fällt mir dann irgendwann wieder ein, dass man heutzutage auch diktieren kann. Folglich diktiere ich meine Gedanken in mein Gerät, um dann festzustellen, dass ich zu viel atme und die Stimme an den seltsamsten Stellen im Satz nach unten geht und zack sieht mein Text aus wie Arno Schmidts Gelehrtenrepublik. Um 12 mache ich mir dann Mittagessen. Etwas leichtes, bekömmliches: z.B. Schweinebraten und Klöße. Das Problem ist nur, wenn man alleine ist, kann man ja nicht nur zwei Klöße kochen, also muss ich 12 Klöße essen. Sechs Stück zu Mittag und die anderen als Nachmittagssnack vor der Kuchenpause und die letzten drei zum Abendbrot.

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Mein dunkles Geheimnis

Gestern war ich Lebensmittel einkaufen und als ich mir so das Gemüseregal anschaute, wurde mir plötzlich klar: Es ist fast Mitte Juni! Und Juni bedeutet: es gibt bald keinen Rhabarber mehr und bald ist Johannistag und dann gibt es auch keinen Spargel mehr!
Katastrophe! Obwohl ich nämlich Spargel liebe, habe ich dieses Jahr erst zwei Mal Spargel gegessen.

Schlimmer als keinen Spargel essen können, ist für mich aber nicht bewusst abgespargelt zu haben. Die Vorstellung es ist einfach kein Spargel mehr verfügbar und ich habe verpasst mich psychisch darauf einzustellen: schrecklich.

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Sommer in Berlin

Mein Freund hat schon sehr großes Glück mit mir. Manchmal machen wir nämlich Dinge, die er sich wünscht. Zum Beispiel wenn in Berlin endlich der Sommer eingekehrt ist und die Abende lau sind, die Blätter noch grün und eine milde Brise weht. Wenn die ganze Stadt unterwegs ist, jede*r hat ein Wegbier in der Hand, alle sitzen in Straßen-Cafés und Parks. Die Sonne geht erst um 21.30 Uhr unter, die Linden blühen und verbreiten diesen leicht obszönen, süßlichen Geruch und die Schlangen vor den Eisläden gehen einmal um den Block.
An solchen Abenden, wenn das Leben pulsiert und es Zeit ist die Tischtennisschläger rauszuholen, an solchen Abenden spielen wir in der Küche Brettspiele.

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