
Gestern war ich im Volksbad schwimmen und ehrlich, ich habs nur gewollt, weil ich einmalige Erlebnisse sammle. Die FOMO in mir ist stets stark. Ich versuche in Berlin alles zu erleben, was nur ausnahmsweise da ist, was besonders, was temporär ist.
Also saß ich zwei Wochen vor dem Rechner und habe versucht Tickets zu bekommen. Die braucht man für den Eintritt, allerdings sind die kostenlos – sie markieren nur ein Zeitfenster, so dass nicht tausend Leute gleichzeitig im Bad sind.
Nachdem das Thermometer auf 20 Grad sank, klappte es endlich.
Ich packte mir ein dickes Handtuch, meinen Bikini und eine Flasche heißen Tee ein und zog los.
Als ich da war, war ich in aller erster Linie erstmal erstaunt. Das Becken ist groß. 25 m lang, 5 m breit und 1,3 m tief. Es gibt zahlreiche Warmduschen vor Ort, Umkleiden und Schließfächer. Der Ort ist fantastisch. Mitten in der Stadt, vor einem Theater, Sicht auf den Fernsehturm.
Die Stimmung war ausgelassen und fröhlich. Alle schauten ein bisschen selig und lächelten sich freundlich zu, als sie frierend aneinander vorbeischwammen.
Es war wunderschön. Es hat mich an meine Kindheit – oder vielleicht an den Anblick meiner Kinder als die noch klein waren – erinnert, wenn man schwimmen war und irgendwann versucht die Kinder aus dem Wasser zu holen, weil die Lippen blau sind und die Zähne klappern und sie auf die Frage: »Kommt ihr jetzt mal raus?« antworten »Abbbbbbr mmmmir ist ggggggar nininicht kk kk kkkkalt!«
„Ein kalter Glücksmoment“ weiterlesen