Ein kalter Glücksmoment

Gestern war ich im Volksbad schwimmen und ehrlich, ich habs nur gewollt, weil ich einmalige Erlebnisse sammle. Die FOMO in mir ist stets stark. Ich versuche in Berlin alles zu erleben, was nur ausnahmsweise da ist, was besonders, was temporär ist.
Also saß ich zwei Wochen vor dem Rechner und habe versucht Tickets zu bekommen. Die braucht man für den Eintritt, allerdings sind die kostenlos – sie markieren nur ein Zeitfenster, so dass nicht tausend Leute gleichzeitig im Bad sind.
Nachdem das Thermometer auf 20 Grad sank, klappte es endlich.
Ich packte mir ein dickes Handtuch, meinen Bikini und eine Flasche heißen Tee ein und zog los.

Als ich da war, war ich in aller erster Linie erstmal erstaunt. Das Becken ist groß. 25 m lang, 5 m breit und 1,3 m tief. Es gibt zahlreiche Warmduschen vor Ort, Umkleiden und Schließfächer. Der Ort ist fantastisch. Mitten in der Stadt, vor einem Theater, Sicht auf den Fernsehturm.

Die Stimmung war ausgelassen und fröhlich. Alle schauten ein bisschen selig und lächelten sich freundlich zu, als sie frierend aneinander vorbeischwammen.

Es war wunderschön. Es hat mich an meine Kindheit – oder vielleicht an den Anblick meiner Kinder als die noch klein waren – erinnert, wenn man schwimmen war und irgendwann versucht die Kinder aus dem Wasser zu holen, weil die Lippen blau sind und die Zähne klappern und sie auf die Frage: »Kommt ihr jetzt mal raus?« antworten »Abbbbbbr mmmmir ist ggggggar nininicht kk kk kkkkalt!«

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Ich wurde entdeckt!

Im Februar 2025 bin ich eines nachts um 2 Uhr erwacht und hatte eine Romanidee. Auf der dachte ich eine ganze Weile drauf rum und als die Uhr 4 zeigte, entschied ich mich die Idee aufzuschreiben, um endlich wieder einschlafen zu können.

Als ich am nächsten Morgen in die Notizen schaute, hatte ich die Erwartung, dass das, was ich des Nächtens aufgeschrieben hatte, ungefähr so genial war, wie all die Ideen, die man sich bekifft in der festen Überzeugung aufschreibt, die Weltformel gefunden zu haben.

Doch ich wurde überrascht: auch beim erneuten Lesen fand ich die Idee gut.

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Sein Geheimnis

Teller mit einem Kloß, Sauerkraut und Schweinebraten

Als ich mit meinem Erstgeborenen vor ca. zehn Jahren in Franken war, wurde es von einem anderen Kind angesprochen, ob es wohl noch nicht so gut sprechen könnte, da es das R noch nicht so gut rollen würde. Seitdem lernt das Kind fränkisch und wird demnächst sein DFDFS* machen, das es mindestens mit C1 abschließen möchte.

Erste Kenntnisse konnte ich vermitteln (»Ich heiße Patricia. Haddes B und haddes D«), da ich elf Jahre meines Lebens vor Ort gelebt habe. Ich kann Fränkisch sehr gut verstehen, allerdings kann ich es leider nicht so gut sprechen. Meine Eltern hatten es mir damals nicht erlaubt und ich habe für jedes »fei« eine Schelle bekommen, so dass ich zu großen Teilen beim Hochdeutsch geblieben bin. Lediglich eine als-und-wie-Verwechselung konnte ich vollständig in meinen aktiven Sprachschatz integrieren. In Berlin kann ich auch jedem vormachen, dass ich fränkisch kann. In Franken bin ich schon beim »Grüß Gott« enttarnt**. Letztendlich konnte ich dem Kind bei seinen ambitionierten Zielen nicht weiterhelfen und es musste zur Vertiefung der Kenntnisse auf Fachliteratur zurückgreifen. Es hat dafür u.a. alle vier Asterix-Bände auf Oberfränkisch auswendig gelernt (mein Lieblingswerk ist »Asterix bei die Bieramiden«).

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Der Spaghetti-Puttanesca-Körper

Ich bin ehrlich. Als ich vor ca. 11 Monaten angefangen habe regelmäßig ins Gym zu gehen, hatte ich die leise Hoffnung ein bisschen abzunehmen. Gar nicht so sehr, um einem bestimmten Schönheitsideal zu entsprechen – sondern eher, weil ich gehofft habe, wieder besser in meine Klamotten reinzupassen. Denn, ich hab mir diese Worte schon als Stickerei an die Wand gehängt: Wenn der Herr wollte, dass ich schlank bin, hätte er gemacht, dass ich scheiße koche.*

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Eichhörnchen und Schlüssel

Ich schreibe gerade an einem umfangreicheren Werk und weil es mein Midlifecrisis-Projekt ist, erlaube ich mir andere Luxuseskapaden, die mir dabei helfen könnten. Ich lasse mich zur Zeit z.B. virtuell von Harlan Coben coachen. Warum ich ausgerechnet Harlan Coben ausgewählt habe, weiß ich nicht genau, aber er ist richtig, richtig gut. Er sagt zum Beispiel »Only writing is writing« und meint damit, dass man für seine Geschichten nicht allzu viel recherchieren und sich auch keine elaborierten Pläne machen sollte, da man so dem eigentlichen Ziel – dem fertiggestellten Buch – nicht bzw. nur langsam näherkommt.

Zwei Wochen hat mir das sehr geholfen. Wann immer ich durch Gartenarbeit oder aufwändigem Kochen prokrastinieren wollte, sagt Harlan Cobens Stimme in meinem Kopf »Only writing is writing« und schon sitze ich am Rechner und tippe die nächsten zehn Seiten in das Textverarbeitungsprogramm.

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The Odyssey

Ich bin immer noch alleine im Wald. Aber weil ich sonst unter unerträglicher FOMO gelitten hätte, bin ich eine Stunde im strömenden Regen in die nächstgelegene Stadt gefahren, um The Odyssey OV in der Startwoche anschauen zu können. Wenn ihr nichts über den Film wissen wollt, müsst ihr jetzt aufhören zu lesen.

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Über Elefanten und Zecken

Ich liebe es ja alleine zu sein. Vor allem, wenn ich ein Projekt voran bringen möchte. Denn wenn ich eines gut kann, dann wie besessen an einer Sache, die mich begeistert, zu arbeiten. Ich stehe um 5 Uhr auf, werfe meine 120 dB laute Kaffeemühle an und bereite mir einen Flat White, esse drei Käsestullen und dann setze ich mich an meinen Rechner und tippe bis mein Körper vermeldet, dass ich dringend wieder etwas essen müsste. Meistens ist es dann 8 Uhr und ich nehme mein zweites Frühstück ein, um mich dann wieder in meine Arbeit zu vertiefen. Dabei bin ich oft genervt, denn ich kann nicht so schnell tippen wie ich denken kann. Glücklicherweise fällt mir dann irgendwann wieder ein, dass man heutzutage auch diktieren kann. Folglich diktiere ich meine Gedanken in mein Gerät, um dann festzustellen, dass ich zu viel atme und die Stimme an den seltsamsten Stellen im Satz nach unten geht und zack sieht mein Text aus wie Arno Schmidts Gelehrtenrepublik. Um 12 mache ich mir dann Mittagessen. Etwas leichtes, bekömmliches: z.B. Schweinebraten und Klöße. Das Problem ist nur, wenn man alleine ist, kann man ja nicht nur zwei Klöße kochen, also muss ich 12 Klöße essen. Sechs Stück zu Mittag und die anderen als Nachmittagssnack vor der Kuchenpause und die letzten drei zum Abendbrot.

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Mein dunkles Geheimnis

Gestern war ich Lebensmittel einkaufen und als ich mir so das Gemüseregal anschaute, wurde mir plötzlich klar: Es ist fast Mitte Juni! Und Juni bedeutet: es gibt bald keinen Rhabarber mehr und bald ist Johannistag und dann gibt es auch keinen Spargel mehr!
Katastrophe! Obwohl ich nämlich Spargel liebe, habe ich dieses Jahr erst zwei Mal Spargel gegessen.

Schlimmer als keinen Spargel essen können, ist für mich aber nicht bewusst abgespargelt zu haben. Die Vorstellung es ist einfach kein Spargel mehr verfügbar und ich habe verpasst mich psychisch darauf einzustellen: schrecklich.

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