Der Spaghetti-Puttanesca-Körper

Ich bin ehrlich. Als ich vor ca. 11 Monaten angefangen habe regelmäßig ins Gym zu gehen, hatte ich die leise Hoffnung ein bisschen abzunehmen. Gar nicht so sehr, um einem bestimmten Schönheitsideal zu entsprechen – sondern eher, weil ich gehofft habe, wieder besser in meine Klamotten reinzupassen. Denn, ich hab mir diese Worte schon als Stickerei an die Wand gehängt: Wenn der Herr wollte, dass ich schlank bin, hätte er gemacht, dass ich scheiße koche.*

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Eichhörnchen und Schlüssel

Ich schreibe gerade an einem umfangreicheren Werk und weil es mein Midlifecrisis-Projekt ist, erlaube ich mir andere Luxuseskapaden, die mir dabei helfen könnten. Ich lasse mich zur Zeit z.B. virtuell von Harlan Coben coachen. Warum ich ausgerechnet Harlan Coben ausgewählt habe, weiß ich nicht genau, aber er ist richtig, richtig gut. Er sagt zum Beispiel »Only writing is writing« und meint damit, dass man für seine Geschichten nicht allzu viel recherchieren und sich auch keine elaborierten Pläne machen sollte, da man so dem eigentlichen Ziel – dem fertiggestellten Buch – nicht bzw. nur langsam näherkommt.

Zwei Wochen hat mir das sehr geholfen. Wann immer ich durch Gartenarbeit oder aufwändigem Kochen prokrastinieren wollte, sagt Harlan Cobens Stimme in meinem Kopf »Only writing is writing« und schon sitze ich am Rechner und tippe die nächsten zehn Seiten in das Textverarbeitungsprogramm.

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The Odyssey

Ich bin immer noch alleine im Wald. Aber weil ich sonst unter unerträglicher FOMO gelitten hätte, bin ich eine Stunde im strömenden Regen in die nächstgelegene Stadt gefahren, um The Odyssey OV in der Startwoche anschauen zu können. Wenn ihr nichts über den Film wissen wollt, müsst ihr jetzt aufhören zu lesen.

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Über Elefanten und Zecken

Ich liebe es ja alleine zu sein. Vor allem, wenn ich ein Projekt voran bringen möchte. Denn wenn ich eines gut kann, dann wie besessen an einer Sache, die mich begeistert, zu arbeiten. Ich stehe um 5 Uhr auf, werfe meine 120 dB laute Kaffeemühle an und bereite mir einen Flat White, esse drei Käsestullen und dann setze ich mich an meinen Rechner und tippe bis mein Körper vermeldet, dass ich dringend wieder etwas essen müsste. Meistens ist es dann 8 Uhr und ich nehme mein zweites Frühstück ein, um mich dann wieder in meine Arbeit zu vertiefen. Dabei bin ich oft genervt, denn ich kann nicht so schnell tippen wie ich denken kann. Glücklicherweise fällt mir dann irgendwann wieder ein, dass man heutzutage auch diktieren kann. Folglich diktiere ich meine Gedanken in mein Gerät, um dann festzustellen, dass ich zu viel atme und die Stimme an den seltsamsten Stellen im Satz nach unten geht und zack sieht mein Text aus wie Arno Schmidts Gelehrtenrepublik. Um 12 mache ich mir dann Mittagessen. Etwas leichtes, bekömmliches: z.B. Schweinebraten und Klöße. Das Problem ist nur, wenn man alleine ist, kann man ja nicht nur zwei Klöße kochen, also muss ich 12 Klöße essen. Sechs Stück zu Mittag und die anderen als Nachmittagssnack vor der Kuchenpause und die letzten drei zum Abendbrot.

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Mein dunkles Geheimnis

Gestern war ich Lebensmittel einkaufen und als ich mir so das Gemüseregal anschaute, wurde mir plötzlich klar: Es ist fast Mitte Juni! Und Juni bedeutet: es gibt bald keinen Rhabarber mehr und bald ist Johannistag und dann gibt es auch keinen Spargel mehr!
Katastrophe! Obwohl ich nämlich Spargel liebe, habe ich dieses Jahr erst zwei Mal Spargel gegessen.

Schlimmer als keinen Spargel essen können, ist für mich aber nicht bewusst abgespargelt zu haben. Die Vorstellung es ist einfach kein Spargel mehr verfügbar und ich habe verpasst mich psychisch darauf einzustellen: schrecklich.

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Sommer in Berlin

Mein Freund hat schon sehr großes Glück mit mir. Manchmal machen wir nämlich Dinge, die er sich wünscht. Zum Beispiel wenn in Berlin endlich der Sommer eingekehrt ist und die Abende lau sind, die Blätter noch grün und eine milde Brise weht. Wenn die ganze Stadt unterwegs ist, jede*r hat ein Wegbier in der Hand, alle sitzen in Straßen-Cafés und Parks. Die Sonne geht erst um 21.30 Uhr unter, die Linden blühen und verbreiten diesen leicht obszönen, süßlichen Geruch und die Schlangen vor den Eisläden gehen einmal um den Block.
An solchen Abenden, wenn das Leben pulsiert und es Zeit ist die Tischtennisschläger rauszuholen, an solchen Abenden spielen wir in der Küche Brettspiele.

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Teenager vs. Fast-Boomer

Die Schlagzeile „15-Jähriger klaut Linienbus – und fährt Freundin zur Schule“ im vergangenen Monat ist mir im Kopf geblieben. Ich fand das irgendwie lustig und herzig – vielleicht auch weil alles gut ging, der Bus keine Kratzer hatte und keine Menschen verletzt wurden. So lässt sich dieser Vorfall leicht romantisieren und natürlich bin ich sehr froh, dass nicht eines meiner Kinder diese Idee hatte.

Allerdings dachte ich, als ich das erste Mal von diesem Vorfall las: „Teenager, man muss sie einfach lieben!“ und das meine ich nicht ironisch.
Ich liebe sehr vieles am Teenagergemüt. Die überschäumende Energie, der Experimentierdrang, der Glaube, dass es kein Limit gibt, dass alles möglich ist. Die Scheißegalhaltung manchen Dingen gegenüber und der Wille alles anders zu machen und auf den Kopf zu stellen. Ich liebs einfach.

Und hier passt das Wort Ambiguitätstoleranz auch so schön. Also die Fähigkeit Widersprüche und mehrdeutige Informationen zu ertragen. Denn natürlich finde ich all das auch manchmal gleichzeitig anstrengend und nervig und es macht mir angst. Denn wenn Jugendliche manchmal glauben „Ach, das sind nur 6 Meter, da spring ich einfach runter“, dann kann das natürlich auch richtig schief gehen.

Als Mutter fühle ich mich oft herausgefordert und kann mich schlecht zurückhalten nicht ständig meine Bedenken zu etwas zu äußern. Auf der anderen Seite arbeite ich aber auch wirklich hart daran, nicht alles zu kommentieren, schlecht zu machen oder zu entmutigen, denn nur weil ICH etwas nicht kann, nur weil ICH etwas für unwahrscheinlich halte, heißt das ja noch lange nicht, dass eine andere Person, das nicht kann oder möglich machen kann.

Das Gegenteil vom Teenager-Mindset ist ja dieses Behördenklischee: „Das haben wir noch nie so gemacht! Also machen wir es für alle Zeiten auf diese und keine andere Weise!“ (oder fangen gar nicht erst an) und das geht mir sehr auf den Senkel. Wenn man Möglichkeiten auslotet und sich nur Bedenkenträgern gegenüber sieht, die alle Argumente kennen warum etwas NICHT funktioniert.

Vielleicht finde ich das auch so ermüdend weil in mir vieles schon so geschwächt und schlaff ist. Vielleicht habe ich Angst, dass Bedenkenträger meinen letzten Hauch Lebensfrohsinn zertreten und vielleicht finde ich es deswegen so toll mich mit Teenagern zu unterhalten, für die alles lowkey und easy finden.
Ich wünsche mir auch von Herzen innerlich zu spüren „10 km joggen? Das schaffe ich ohne Vorbereitung!“, „Abschlussprüfung Englisch? Da fange ich zwei Tage vorher an zu lernen.“, „Job? Da gehe ich morgen hin und frage“. Wie gut muss sich das bitte anfühlen?

Eines meiner Kinder hört gerne „Muse“ und ich kanns total verstehen. Ich hab mir „Origin of Symmetry“ angehört und es kaum 5 Lieder ausgehalten. Dieser Soundteppich erschlägt mich regelrecht, all die Ebenen und dann all die Gefühle, die die Stimme und die Texte übertragen. Puh. Aber ich bin ja auch schon alt und alles an mir ist ausgedünnt: meine Haut, mein Nervenkostüm, meine Haarzellen im Innenohr.

Ich bin dann froh und traurig gleichzeitig. Froh, weil ich nicht mehr so viele Gefühle haben muss und nicht alles so intensiv sein muss und traurig weil es eben nicht so ist und alles relativ gleichbleibend in ruhigen Gewässern läuft.

Wahrscheinlich ist es für meine Kinder unglaublich nervig, aber ich höre ihnen gerne zu und sie sind ein Faszinosum. Ich bestaune und bewundere sie und ich bin wirklich voller Liebe für das, was sie geworden sind. Es wird mir schwer fallen irgendwann ein Alltagsleben ohne sie zu finden. Denn irgendwann werden sie ja ausziehen und dann lese ich nur noch von Teenagern in Zeitungen und amüsiere mich über den Ideenreichtum und das Selbstbewusstsein. Denn ich würde mir nicht zutrauen einen Bus von Mainz nach Karlsruhe zu fahren.