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Es gibt einen neuen Trend in der Blogwelt – das Ausplaudern und Berichterstatten des Privatlebens inklusive aller pikanten Details.
Natürlich war ich beim Lesen zunächst entsetzt. Nur wenige Zeit später klickte ich jeden Tag auf die Seiten und verfolgte das Geschehen. Selbstverständlich nicht ohne geistig den Kopf zu schütteln und mich zu fragen: Warum tun die das?
Zwar habe ich keine Antwort auf diese Frage gefunden, doch möchte ich zur Feier des Tages auch mal was Persönliches schreiben. Es ist nämlich genau ein Jahr her, als ich meinen jetzigen Freund zu einem Kuss überreden konnte.
Ich hatte den Herren schon Monate vorher kennen gelernt und es war die ungefähr siebenunddreißigste Verabredung. Der junge Mann hatte sein Interesse noch in keiner Weise bekundet und ich konnte lediglich durch die Häufigkeit und Länge der mit mir verbrachten Zeit schließen, dass er mich evtl. sympathisch finden könnte.
Innerhalb von zwei Monaten haben wir uns vom freundlich distanzierten Händedruck zu einer Begrüßungsumarmung hochgearbeitet. Nach weiteren zwei Monaten haben wir uns mal einen Kuss auf die Wange gedrückt. Es war einer dieser verrutschten Küsse, die eigentlich auf dem Mund landen sollen, dann aber doch nicht entschlossen genug sind und sich mit einer schleimigen Spuckespur an einer anderen Zielposition manifestieren.
Es war der 16. August 2004 als er mir beiläufig vorschlug, wir könnten uns im Park treffen und ein kleines Picknick abhalten. Nichtsahnend packte ich noch meine Lieblings Peng-Peng-Schläger ein, schließlich muss man sich im Park auf irgendeine Art und Weise beschäftigen. Das Peng-Peng-Spielen gestaltete sich ein wenig schwierig, da ich vergessen hatte, dass der junge Mann nicht räumlich sehen kann. So wurde ich wie ein Hündchen quer durch den Park gejagt und als ich erschöpft genug war, durfte ich mich hechelnd auf die Decke setzen. Dort gab es Ciabatta und getrocknete Tomaten. Mein Da-noch-nicht-Freund packte sogar ein kleines Behältnis mit selbst angerichteten Dressing aus, um den Rucculasalat zu veredeln.
(Das löste einen kurzen Moment des Schreckens aus >>OHGOTT! Ist er schwul?>Daskannjawohlnichwahrseinso viel Schönes erlebt.
Ich würde das gerne um weitere fünfzig Jahre verlängern.
Mit 80 verlasse ich Dich vermutlich wegen eines 76jährigen, der noch Zähne und einen elektrischen Rollstuhl hat, aber ich werde mir Mühe geben, die Jahre bis dahin nicht zu lang erscheinen zu lassen, Dir vorher Deine Söhne Polytetrafluorethylen, Pneumatosis und Deine Tochter Galactic gebären, immer freundlich zu Deiner Familie sein, weiterhin über Kalauer lachen, Dich nie „Häschen“ in der Öffentlichkeit nennen, uns eine Spülmaschine kaufen, damit Du Dich nicht für meine mangelnden Geschirrreinigungsfähigkeiten schämen musst und mich stets bemühen, dem Drang Deines Sternzeichens nachzukommen und mindestens einmal im Monat die Wohnung verlassen.

Herzlichst
Deine Freundin

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Gerade wurde ich Ohrenzeuge folgender Konversation:
– Sag mal, wie fühlt sich denn eigentlich ein weiblicher Orgasmus an?
– Hm. Ich denke, das ist schwierig zu vermitteln. Stell dir vor, du hast ne Lebensmittelvergiftung. Es geht dir hundelend, endlich, ENDLICH ist es soweit! Du läufst zum Klo und übergibst dich. Die fünf Sekunden nach dem Übergeben, das ist das Gefühl des weiblichen Orgasmus.

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Es ist passiert.
Nach nur drei Monaten hat mir die freundliche Zeit online Redaktion hat mir den Preis zukommen lassen. Sechs Hörbücher darf ich mir runterladen.
Morgen fotografiere ich mich als Beweis für meine Freunde mit dem Infozettel über den Gewinn und meinem 56K Modem.

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Die Wohnungssuche nervt zwar, bringt dennoch schöne Momente mit sich. So stehen am Sonntag um 13 Uhr ca. 10 Leute in der Brunnenstraße und warten auf den Makler. Statt des einen kommen vier.
Die beginnen damit sich gegenseitig zu befragen: „Darf ich mal fragen, von welcher Firma sie kommen?“ „Von wem haben sie den Auftrag?“ „Eigentlich betreuen wir exklusiv dieses Objekt!“ „Ach ja? Wie soll das denn gehen? Die Wohnungen in der 3. Etage haben wir auch schon vermittelt!“ „Das kann doch gar nicht sein, die stehen doch leer“ „Gar nicht und ich gehe jetzt mit meinen Kunden in die Wohnung“ „Nein“ ICH gehe jetzt nach oben!“ „NEIN ICH!“
Während sich die Makler gegenseitig an die Gurgel gehen, unterhalten sich die Mietinteressenten und stellen fest, dass es unterschiedliche Provisionen, Miet- und Nebenkostenpreise gibt. Einer der Wartenden versucht den Maklerstreit zu schlichten. Ein fünfter Makler kommt hinzu, schnappt sich die gelangweilt Dastehenden und nach einer halben Stunde können wir endlich die Wohnung anschauen. Die hat leider knapp 2 Meter hohe Decken und die Fenster beginnen auf Kniehöhe und enden so, dass man auf eine weisse Wand schaut, wenn man aufrecht steht.

Jetzt werden wir Zettelchen aushängen und Belohung aussetzen. Wer uns zu einem unterschriebenen Mietvertrag hilft bekommt ein Paar hundert Euro bar auf die Hand. Als Dank.

Wir suchen nach wie vor: 4 Zimmer-Altbauwohnung, nur in Ausnahmefällen Erdgeschoss (z.B. Garten, Hinterhof…) sonst Etagenwohnung. Küche muss groß genug für Tisch und Stühle sein. Bad nach Möglichkeit mit Fenster. Balkon muss sein – ohne den ziehe ich nicht um.
Bezirke: Prenzlauer Berg, Pankow, Mitte evtl. Friedrichshain oder Wedding (kommt auf die Lage an, da die KiTa gut erreichbar sein muss)
Holzboden wäre schön.
Kosten: ca. 800 warm.

Wir sind beide Akademiker, beide berufstätig bei seriösen Arbeitgebern, mietschuldenfrei, schuldenfrei im allgemeinen, spielen keine lauten Instrumente, hören nie laut Musik, haben nicht mal einen Fernseher, schreien uns nie an, machen keine Partys, haben keine wechselnden Geschlechtspartner und sind auch sonst sehr lieb.

Hier eine Auflistung meiner Verfehlungen der letzten 30 Jahre.

– Bei der Beichte habe ich oft Dinge erfunden, damit ich dem Pfarrer etwas beichten kann. Ich habe jedes zweite Mal gestanden, dass ich das Mal davor gelogen habe. Meine zehn Vaterunser habe ich aber brav gebetet.
– Meiner Mitschülerin Isabell W. habe ich ein 30 cm Holzlineal geklaut.
– Meiner Mitschülerin Jutta H. habe ich zwei Barbiekleider entwendet.
– In der Teenagerzeit habe ich gelegentlich hinter dem Rücken meiner besten Freundin gelästert.
– Als wir das 4. Mal umzogen, habe ich in der neuen Klasse verbreitet, mein Vorname sei „Anders“. Zudem erfand ich Geschichten, um mich interessant zu machen.
– Meiner Stiefmutter habe ich zum Geburtstag einen Blumentopf geschenkt, der bis auf die dünne Humusschicht an der Oberfläche, mit Fliegeneiern gefüllt war.
– Meine Schwester habe ich mehrere Male an den Haaren gezogen.
– Meinem ersten Freund habe ich gesagt, dass der Sex toll sei.
– Als ich 18 war, habe ich auf einer Party aus Versehen auf einen geschlossenen Klodeckel gekotzt. Der Klodeckel war mit einem fluffigen Pelzüberzug in Mintgrün verschönert.
– Zur Abi-Zeit hatte ich zwei Freunde gleichzeitig.
– Seitdem gibt es keine weiteren Verfehlungen.
– Ich lüge oft.

Hobbys: Treppenhaus putzen, Mülltonnen rausstellen, anderer Leute Altpapier aus dem Flur räumen, Türen um 20 h (bei Bedarf auch früher) zuverlässig abschließen, Ich übernehme gerne leichte Hausmeistertätigkeiten, kaufe am Wochenende für ältere Mitbewohner ein.
Außerdem trage ich in der Wohnung auf den wertvollen Holzböden Filzpantoffeln und weiße Handschuhe damit ich die frisch gestrichenen Wände nicht beschmutz!

Wohnungsangebote an mich.

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Es gibt Tage, da sterben Menschen und an anderen werden sie geboren. Wenn man diese Menschen kennt, dann werfen diese Ereignisse ein seltsames Licht auf das eigene Leben.
Als ein kleiner Punkt auf dem Faden des Lebens, schaue ich verängstigt in die Zukunft. Sie ist unsichtbar. Seltsamerweise beunruhigt diese Ungewissheit mehr als die verblassende Erinnerung an die Vergangenheit. Die entsteht in jeder Sekunde neu und erzeugt eine kleine Perlenkette der Erinnerungen. Manche Perlen hat man vielleicht gar nicht erlebt sondern nur erzählt bekommen und doch werden sie sichtbar. An manchen Stellen der Kette sind die Perlen eng aneinander gereiht und wenn man eine betrachtet, erscheint aus dem Nichts gelegentlich eine weitere, bis dato verloren geglaubte. An anderen Stellen ist nur der schwarze Faden.
So wie die Erinnerung verblassen auch die Gegenstände, die ein Menschenleben begleiten. Dinge verschwinden. Wir verschenken, wir schmeißen weg und verlieren, wir ersetzen und verkaufen und am Ende bleibt nichts.
Mir gefällt die Vorstellung, dass Materie nicht verloren geht und die Kohlenstoffatome, die mich formen vielleicht einmal ein Dinosaurier waren, ein anderer Mensch, eine Blume und dass sie, wenn ich auch nicht mehr bin, etwas neues werden, was sich nicht an mich erinnern kann.

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Aufgewachsen bin ich am Land. Es gibt Leute, die behaupten das Dorf in dem ich meine Kindheit verbracht habe, ist eine große Kreisstadt. Die große Kreisstadt hatte eine Bibliothek. Als ich in die Schule kam, meldete ich mich dort an. Die Bücherei hatte eine eigene Ecke mit Kinder- und Jugendliteratur.
Als ich 14 wurde, hatte ich jedes Buch, das es dort gab, gelesen.
Natürlich gab es, als ich klein war, noch nicht diesen Hightechschnickschnack-Scheckkarten-Quatsch. Wenn ich ein Buch ausleihen wollte, musste ich es in ein Heftchen eintragen. Das zeigte ich der streng dreinschauenden Bibliothekarin und sie notierte dahinter, wann ich es wieder bringen müsste und trug es aus, wenn ich es abgab. Bis ich die Bibliothek durchgelesen hatte, vergingen drei ganze Ausleihbücher. Vor einigen Umzügen, ich glaube es war der von Bamberg nach Berlin, schmiss ich die Heftchen weg. Jetzt bereue ich das. Zu gerne hätte ich meine Jugendliteruhr gewusst.
Ich kann mich erinnern, dass ich großer Hohlbeinfan war. Mein liebstes Buch war (zumindest in der Pubertät) die Heldenmutter. Ich denke, das lag aber v.a. daran, dass ich scharf auf den haarigen Skutra war und es eine Passage gibt, in der Dago der Zauberer, Lyra auf die Brüste starrt. Überhaupt habe ich diese ganzen Bücher nur gelesen, weil ich hoffte, dass an irgendeiner Stelle Schweinekram käme. An den Schweinekram kann ich mich bis heute bestens erinnern. Rahmenhandlung, Buchtitel und Autoren habe ich vergessen.
So eine Jugend ohne Internet war ne üble Sache. 600 Seiten lesen für einen Absatz Zunge in den Hals stecken. Schlimm!

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Hüfthosen und die Jugend von heute, das passt im Grunde gar nicht zusammen. Ich echauffierte mich an anderer Stelle sicherlich bereits darüber. Dabei stört mich weniger, dass man bei dem ein oder anderen Model schon deutlich unter die Schamhaargrenze schaut. Es soll jeder Frau gewährt sein ihre Genitalien an jedem Ort öffentlich zur Schau zu tragen. Viel mehr sind es die Speckrollen, die mich optisch abstoßen.
Meine Generation ist wenigstens noch mit den magersüchtigen Topmodels aufgewachsen. Wir kasteein uns, hungern und treiben Sport oder aber wir tragen diese Hosen nicht. Davon will die vergnügungssüchtige Jugend von heute nichts wissen!
Letztes Jahr in meiner unglücklichen Phase war ich irgendwann mal so dünn, dass ich entschied auch eine Hüfthose zu benötigen. Dieses Jahr passe ich noch rein. Doch ist es aus ästhetischen Gründen notwendig sehr aufrecht zu gehen (das strafft den Hüftspeck) und den Bauch einzuziehen. Andernfalls hängt der Bauch nach dem Mittagessen wie eine Schürze über die Hose. Da gelobe ich es mir doch wie heute einen altmodischen, sehr dehnbaren Rock zu tragen, den ich mir bis unter die Brust ziehe und dann mit meinem aufgeblähten Mittagsbauch befülle.
Ich warte nun täglich darauf, dass mich jemand fragt: Oh, Frau Nuf, sind sie schwanger?
Denn dann könnte ich antworten mit: Ne, nur fett geworden.

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Ich bin ja recht lernfähig. So habe ich mir schon einiges an Vokabular angeeignet, um im elitären Kreis der Blogger nicht unangenehm aufzufallen. Neulich benutze ich beispielsweise das Wort Blogsphäre und ließ mir in einem Gespräch unter vier Augen erläutern was es mit diesem mysteriösen RSS-Feed auf sich hat.
In die Top 10 schaffe ich es dennoch nicht. Ich wurde nicht mal gefragt, ob ich an der Bloggerdiplomarbeit partizipieren möchte (Was ich aus Coolness, Zeit- und sonstigen Gründen natürlich ablehnen würde!). Dass ich absolut unwichtig bin und wahrscheinlich nur meine Mama hier liest und unter verschiedenen Namen kommentiert, merke ich daran, dass ich noch nie einen Spam-Kommentar hatte.
Spam-Kommentatoren machen sich allerdings auf ganz anderer Ebene für mich bemerkbar. Die wichtigen Blogs, jene welche Spamfilter einbauen müssen, werden für mich zu Blogs in denen ich nie mehr kommentieren kann. Da steht: Tippen Sie die Zeichen aus dem Feld ab, um Ihren Kommentar abzuschicken.
Ich versuche das tapfer. Ist das eine sechs? Ne? Mist. Vielleicht ein kleines B? Hm?
Großes I oder die Ziffer eins?

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Ein O? Eine Null oder gar eine acht? 2, 7, 3 oder 9?
Was gegen Spammer hilft, hilft auch gegen mich.