Die Hackfleischbesprechungen, Teil 3

hackepeter3

NP, 1 Kilo gemischtes Hack
In drei gehirnförmig anmutenden Komplexen liegen gute zwei Kilo gemischtes Hackfleisch auf einer unkategorisierbaren Oberfläche.
Je zwei Petersiliebüschel trennen die drei Hackfleischquader. Im Vordergrund liegen zwei ungeschälte Zwiebeln.
Abweichend von den üblichen Verzierungen durch aufgeschnittene Zwiebeln begnügt sich der Fooddesigner auf diesem Bild mit der bloßen Andeutung von geschmacklichen Kontrasten.
Das Zentrum der Aufmerksamkeit verschiebt sich somit unmerklich in Richtung Zwiebel und lässt den Hackfleischberg im Hintergrund verschwinden. Mit zusammengekniffenen Augen fixiert der Bildbetrachter die Liliengewächse im Vordergrund und stößt somit auf ein nahezu offenes Geheimnis.
Die Zwiebel, bekannt als Fleischweichmacher bleibt geschlossen und verliert ihren Nutzen wenn zähes Fleisch einfach zerhächselt wird. Dennoch bleibt sie als Atavismus im Bild und erinnert uns daran nicht selbst zu gesellschaftlichen Atavismen zu werden, sondern uns zu öffnen, uns anderen zu enthüllen und so unseren Nutzen zum gesellschaftlichen Leben beizutragen. Die Petersilie zeugt von Frische und möchte uns daran erinnern, dass jedes Individuum in der Lage ist ‚Frische’ in eingefahrene Strukturen und Formen zu bringen.
Ein leiser Appell zur Teilnahme an unseren Mitmenschen, sie in unseren gesellschaftlichen Hackfleischberg aufzunehmen.

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  1. Faustus sagt:

    Ich finde diese Serie ja großartig. Aber ich wundere mich, dass Sie genau in diesem Arrangement die mitschwingenden erotischen Komponenten außer Acht gelassen haben… Gerade die Komposition von der 1 mit den Zwiebeln, aber auch die grüne Schambehaarung… Offenkundig, finden Sie nicht?

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  2. *Zweiblum sagt:

    Sehr geehrte Frau nuf, Sie treffen den Nagel auf den Kopf.
    Ein wichtigel Element wollten wir dennoch erwähnen: Geradezu sakral wird die Mahnung “Nur in Fillialen mit SB-Fleisch-Abteilung” mit förmlich spürbar drohendem Zeigefinger in die Komposition integriert.
    Nur in Fillialen mit “Selbst-Bekenntnis-Fleisch-Abteilung”… die Mahnung zur Reflexion, zur Besinnung schwingt hier mit und ist angesichts der bereits auf den Aktionsflächen dargebotenen Weihnachts-Lebkuchenware tatsächlich die Einstimmung auf das abendländische Fest der Nächstenliebe.
    Hierin sehe ich übrigens auch die Parallele zur Petersilie als Synonym für den Christbaum, die Zwiebeln als organisch gewordene Food-Interpretation einer Weihnachtsbaumkugel. Der für eine Nahrungspräsentation eher ungewöhnliche, gelbe Hintergrund ist die Reminiszens an den Kometen, der die heiligen drei Könige nach betlehem zur Krippe führte, was uns nun zum eigentlichen Bildinhalt, dem deutlich in Krippenform arrangierten Hackfleisch bringt: Eher abstrahiert kann man mit etwas Phantasie das Chriostuskind erkennen, welches seelig lächelnd (der kopf vorne links) in seinem Bettchen liegt, beschützt durch die fürsorgliche 1.95, die – wie könnte es anders sein – für den Verkündigungsengel, die 9 Apostel (zwölf Apostel, natürlich minus Judas und minut Thomas und Philippus, die waren doof) und die drei heiligen Könige (inklusive Elefant und Kamel) stehen.

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