Nach meiner Party am Samstag konnte ich mich zufrieden zurück lehnen. Ich hatte meine Jugend zurück erobert.
Gewöhnlich gehe ich nicht auf Partys. Das Abends-Weggehen ist für mich im Grunde ein abgeschlossenes Kapitel. Zu meinem 30. Geburtstag musste ich jedoch eine Ausnahme machen. Auch an diesem Tag war ich gegen 22 Uhr ausreichend müde um umgehend in das Reich der Träume überzusiedeln. Da ich es aber für unhöflich hielt als Gastgeber um zehn Uhr das Weite zu suchen, hielt ich es tapfer bis zum Ende aus. Da passierte etwas, was ich die letzten fünf Jahre nicht mehr erlebt hatte: Die Sonne ging auf. Von vier Uhr Früh bis sieben Uhr drückte ich also begeistert mein Gesicht an die Fensterscheibe und zeigte mit dem Finger in den Himmel, um den letzten Partygästen die frohe Botschaft immer und immer wieder zu verkünden: Es ist hell geworden! Es ist hell geworden.
Schließlich machte ich mich dann im Ponygalopp mit rotierender Handtasche auf den Weg nach Hause und sang dabei zur Melodie von Grönemeyers Gib mir mein Herz zurück: Ich hab’ mein-e Jug’nd zurück, ich brauch deine Faltencreme nich …
Kategorie: Ex-nuf
Container für die „alten“ Beiträge
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Meine Sternzeichen-Aszendent-Kombination macht mich höchst geeignet EU-Projekte zu koordinieren. Gerne halte ich siebenhundertsechsunddreißig Regeln ein, um entstandene Kosten für den Steuerzahler transparent nachzuweisen.
Ähnlich gerne dokumentiere ich mein Privatleben. Als ich früher noch Theater spielte, kopierte ich alle Zeitungskritiken und umrandete akribisch die Stellen, an denen ich erwähnt wurde. Alle meine Erfolge heftete ich nummeriert in meinem Ordner „Nufs Leistungen“ ab.
Gerne würde ich das nun machen, nachdem ich diesen Zeitdingenspreis gewonnen habe. Das Dumme daran ist nur – die Zeiten sind zu modern als dass sich für meine Enkel ordentlich nachweisen ließe, dass Oma Nuf mal etwas gewonnen hat (also neben der Reise nach Legoland).
Wie soll man Internetartikel festhalten? Hätte ich ein Kopiergerät, versuchte ich es mit Flatscreen auf selbigen legen und kopieren. Doch ohne Kopiergerät, sind meine Möglichkeiten begrenzt.
Danke an alle Teilnehmer.
Wolfgang Harrer, San Francisco
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Die nächsten Tage werde ich übrigens ein gewagtes Experiment wagen. Ich werde mich vier ganze Tage von meinem Rechner wegbewegen und Urlaub machen. Gewöhnlich komme ich für diese Zeitspanne mit 20 Kilo Gepäck aus. Nun verkündet mein Freund, dass wir mit dem Roller fahren werden, was den Umfang meiner Kleidungs- und Schönheitsartikelmitnahmemöglichkeiten stark einschränkt.
Bei meinem letzten Rucksackurlaub nahm ich mir bereits fest vor, nur das Wichtigste einzupacken. Als ich den prall gefüllten Rucksack vor mir sah, rief ich: Tschackaaaaa! ICHBINEINEAMEISE, ICH TRAGE PROBLEMLOS DAS SIEBZIGFACHE MEINES EIGENEN KÖRPERGEWICHTS, schnallte die Tasche auf meinen Rücken und kippte wie ein Baum um. Erst wedelte ich kräftig mit meinen Armen und Beinen, um wieder nach oben zu kommen, da ich nach einer halben Stunde keine nennenswerten Veränderungen meiner Position bewirken konnte, entschloss ich mich zu meinem Handtelefon zu greifen, meinen Nachbarn anrufen, damit er mich, zu diesem Zeitpunkt wie ein Käfer auf dem Rücken liegend, aus meiner misslichen Lage befreien konnte.
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Nachtrag zur Party.
Ich habe viele sehr schöne Geschenke bekommen. Das nützlichste ist jedoch die Haarke, die hier auf den ersten Blick aussieht wie die weiterentwickelte Version der beliebten Alufolienschutzkopfhülle, die verhindert, dass Außerirdische unsere Gedanken lesen.
Es handelt sich jedoch nicht um oben Beschriebenes sondern um ein Werkzeug welches soziale Interaktion, die ich ohnehin, sobald sie körperlich wird, nicht sehr schätze, überflüssig werden lässt.
Die Erfinderin schreibt:
Sehr, sehr cooles Geschenk. Kaufen hier.
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Toiletten und ich werden nie Freunde werden. Wir schauen nun schon seit vielen Jahren auf eine Geschichte voller Missverständnisse Peinlichkeiten.
Bislang dachte ich mein Portugalerlebnis sollte das grauenerregendste im Kontext der sanitären Anlagen sein. Gestern wurde ich jedoch eines Besseren belehrt.
Während meines Urlaubs in Portugal machte ich eine unerfreuliche Bekanntschaft mit einer Genitaldusche, die aufgrund ihrer unsachgemäßen Bedienung, zu einer Ganzkörperdusche mutierte. Nach Abschluss meines Toilettengangs wollte ich alle Spuren beseitigen und suche nach der Spülung. Statt der benötigten Spülung entdecke ich einen kleinen Wasserhahn, den ich arglos aufdrehe. Ich schaue gerade in die Toilettenschüssel als mit viel Druck ein Wasserstrahl aus einem kleinen Schlauch in der Schüssel herausspritzt. Ich versuche auszuweichen, was mir aufgrund der beengten Räumlichkeiten nur sehr begrenzt gelingt. Um den Wasserstrahl zu stoppen nestle ic nach dem Wasserhahn. Dabei drehe ich in die falsche Richtung und erhöhe den Wasserdruck so dass er an die gegenüberliegende Holztür spritzt, abperlt und mich zusätzlich von der Rückseite einweicht. Nach einem zweiten Versuch ist der Toilettenbrunnen endlich abgestellt. Ich trete tropfend aus der Toilette und versuche mir meinen Weg würdevoll durch die Bar an meinen Platz zu bahnen.
Nach einer solchen Misere gibt es zwei Verhaltensalternativen. A die Bar fluchtartig verlassen oder B sich hinsetzen und warten, bis der letzte Gast, der diese Katastrophe beobachtet hat, gegangen ist.
Alternative B wählte ich gestern. Da verließ ich, nachdem ich mich frisch gemacht hatte, flitbereit die Toilette, um meinen Begleiter durch mein in Form gebrachtes Äußeres besonders zu beeindrucken. Ich hatte mir nach dem Toilettengang den Lippenstift nachgezogen und kam brustgeschwellt mit dem Hinterteil wackelnd aus den sanitären Anlagen auf meinen Verehrer zu, der erst breit lachte und dann, als ich ihn ebenfalls anlächelte, schallend in Lachen ausborst. Er deutete prustend auf mich. Ich drehte mich um und erblickte hinter mir, der Bewegung meines Gesäßes folgend, eine lange Toilettenpapierschnur hin und her schweben.
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Gesicht zeigen! und Dorothee Wenner haben 2002 eine Dokumentation namens „Unser Ausland“ gemacht. Dafür wurden zehn Experten aus zehn Ländern über Deutschland befragt. Sie waren angehalten, zu berichten, was ihnen hierzulande auffällt – was also typisch deutsch ist.
Es fiel mehrere Male das Wort Gemütlichkeit. Gemütlichkeit gibt es in anderen Ländern anscheinend nicht und die Interviewten hatten ihre liebe Mühe, ihren Freunden und Angehörigen zu erklären, was diese Gemütlichkeit sein soll.
Meinen italienischen Verwandten kann ich dieses Konzept ebenfalls nicht begreiflich machen. Als ich das letzte Mal dort war, wollte ich gemütlich Latte Macchiato trinken gehen. In Deutschland läuft das so ab: Man schlendert zum Lieblingscafé, bestellt einen Latte Macchiato und nippt dann ca. zwei Stunden an selbigem. Mit Hilfe eines zweiten Latte kann man diese Unternehmung zu einer abendfüllenden Veranstaltung ausdehnen.
In Italien sieht das so aus: Man steigt ins Auto und fährt in die nächste Cafébar. Das Auto parkt man quer auf dem Bürgersteig und rennt dann in die Bar. Man bestellt einen Kaffee, bekommt einen Espresso, trinkt ihn in zwei Zügen noch an der Bar aus und rennt zurück zum Auto. Mein Plan, mich zum Kaffee trinken auf einen Stuhl niederzulassen, stieß auf große Verwunderung.
Damit man nicht nach zwanzig Minuten wieder nach Hause muss, gibt es verschiedene Alternativen wie man den Speedespresso ausdehnen kann. Als Vorarbeit muss man sich über Jahre hinweg gegen Koffein immunisieren. Man kann folglich bis zu fünf Espressi an einem Abend trinken und danach trotzdem müde ins Bett fallen. Fünf Espressi à zwanzig Sekunden sind natürlich trotzdem nur hundert Sekunden. Dehnbar ist das ganze Unterfangen lediglich durch die Wahl möglichst weit auseinander liegender Cafés. Man fährt von Espresso zu Espresso mindestens eine halbe Stunde durch den irrwitzigen Straßenverkehr, parkt vor der Tür, rennt rein, schüttet den Kaffee herunter und springt erneut ins Auto. Ratz Fatz ist es Mitternacht.
Der geübte Italiener wählt zum Schonen seines Herzens eine andere Variante: Man geht in möglichst großen Gruppen Kaffee trinken. Alle fahren mit dem eigenen Auto und nach jedem Espresso diskutiert man ausführlich an welchem Ort man den nächsten trinken könnte. Dann springen alle in ihre Autos und fahren irgendwo hin. An dem Café angekommen, das man für das nächste hält, wartet man zehn Minuten und beginnt die Freunde anzurufen, da sie nicht auftauchen.
Sollte es in Ausnahmefällen passieren, dass während der Diskussion ein Konsens über die nächste Lokalität gefunden wird, so zieht sich die Aktion dennoch in die Länge, da ja nicht ALLE gleichzeitig vor dem ausgewählten Café parken können. Man fährt also um die Blocks, um einen Parkplatz zu finden, streitet sich hier und da mit anderen Gruppen, die Parkplätze suchen, bis man schließlich aufgibt und mit den Handys die Freunde anruft, um sich auf ein anderes, strategisch besser gelegenes Café, zu einigen.
Mit ein bisschen Übung kann man so Wochen verbringen.
Ich war entsetzt über diese Ungemütlichkeit und versuchte meine Verwandtschaft davon zu überzeugen, dass wir uns nach deutscher Art gemütlich hinsetzen könnten.
– Wäre es nicht schön, wenn wir uns zum Kaffee trinken hinsetzen könnten?
– Nein, warum denn?
Damit war das Thema Gemütlichkeit abgehackt.
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Meiner Leserstatistik zufolge, ist heute irgendwas passiert. Nach einer kleinen Recherche konnte ich herausfinden, dass ich in der Kategorie „Leben/Vermischtes“ den Zeit Blogaward gewonnen habe.
Ich finde es gut, Preise zu gewinnen, ohne darüber in Kenntnis gesetzt zu werden. So wie andere das machen, so mit Gewinner informieren, dass is ja auch langweilig. Für mich heißt der Preis, dass ich selbstverliebter, irrelevanter, humorloser und abtörnender als all die anderen bin. Ein bisschen erfüllt mich das mit Stolz, alles andere wäre gelogen.
Toll finde ich, dass ich ein Hörguthaben gewonnen habe. In welcher Höhe bleibt genauso geheim, wie unbekannt blieb, wann der Blogaward beendet sein würde. Die Zeit mag es augenscheinlich mysteriös.
Spaß werde ich beim Runterladen des Hörguthabens mit meinem 56k-Modem zweifelsohne haben!
So und nun mein Dank an meine ersten drei Leser: N., Katrin und Zweiblum. In den ersten Monaten meines Blogs musste ich sie noch regelmäßig zwingen meine Artikel zu lesen, heute tun sie es hoffentlich freiwillig.
Allen anderen hoffe ich gelegentlich ebenfalls Freude zu bereiten. Denn tatsächlich schreibe ich, weil ich mir wünsche, dass meine Texte gelesen werden.
Darüber hinaus danke ich meinen Eltern, die meinen Blog hoffentlich nie entdecken.
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Dieser °%/&$&%§“$§ Tag findet sein erbauliches Ende in der Absage der 90qm-Terrassen-Wohnung.
