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In letzter Zeit … mit dem unaufhaltsamen Fortschreiten meines Alters sozusagen … mache ich mir öfter Gedanken über Schönheit. Dies ist zudem ausgelöst durch den Sachverhalt, dass ich stets als „nicht schön aber ganz interessant“ kategorisiert wurde. Wohl wissend, dass jegliche Schönheit und wahrscheinlich auch optische Interessantität irgendwann schwindet, habe ich mich bereits in meiner frühsten Teenagerzeit daran gemacht nach gewissen Auswegen zu suchen. Sei es drum. Mir ist aufgefallen, dass bestimmte, alsgemeinhin für sehr attraktiv gehaltene Frauen leider in den meisten Fällen indirekt proportional zu ihrer Schönheit ein gewisses Defizit an Bildung und Abstraktionsvermögen aufweisen. Meine These ist jene: Es handelt sich um ein schnödes Zeitproblem. Ich, die es mangels organisatorischerFähigkeiten nicht mal schafft, regelmäßig den Müll rauszutragen, habe das mal ausgerechnet. Zu bewältigen ist folgendes Programm: zwei bis drei Mal mindestens eine Stunde Fitnessstudio (Anfahrt, umziehen, duschen, Heimfahrtmit einer weiteren Stunde berechnet), zwei Mal pro Woche Solarium (pauschal je eine Stunde), einmal monatlich Frisör (mit Strähnchen pro Sitzung 4 Stunden), einmal pro Monat Nagelstudio (2 Stunden), shoppen und Sonderangebote erjagen (weitere pauschale 6 Stunden pro Woche), Frauenzeitschriften lesen, im Internet nach Trends und Tipps suchen (3 Stunden pro Woche), mit Freundinnen austauschen (6 Stunden pro Woche), schminken und Haare waschen (täglich 2 Stunden), Kosmetikerin aufsuchen (3 Stunden monatlich) … macht also insgesamt 157 Stunden pro Monat, die in Schönheit investiert werden. Zum Vergleich, die 38 Stunden-Woche kostet nur 152 Stunden im Monat. Nun: wann sollen diese wunderhübschen Dinger denn Zeit haben sich um etwas anderes als ihr Aussehen zu kümmern?

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Wenn ich von meinem Arbeitsplatz schräg nach unten sehe, erblicke ich den Potsdamer Platz. Das ist zugegebenermaßen bisweilen recht ablenkend. Oft muss ich ob meiner Fehlsichtigkeit länger als durch meinen Arbeitgeber beabsichtigt aus dem Fenster starren. Genau in der Mitte der Betonwiese stehen mehrere als amerikanische Polizisten verkleidete Herren. Sie haben Glück. Heute scheint die Sonne, sonst müssten sie mit ihren schwarzen Sonnenbrillen zweifelsohne wie Maulwürfe auf ihr Klientel zurumpeln. Nun denn. Ich erblicke also die uniformierten Männer und lese „Probesitzen“. Hm. Worauf? Auf einem der Cops? Ich spiele kurz mit dem Gedanken nach derArbeit probesitzen zu gehen. Sicherlich ist es möglich, sich einen der jungen Herren auszusuchen. Ich konzentriere mich wieder auf meine Arbeit. Einige Zeit später streift mein Blick wieder den Stand in Sichtweite. PROBESITZEN. Für was mögen sie wohl werben? Weitere vier Stunden (!) später fällt mir ein weiteres Detail auf. Neben den freundlichen Herren steht einstilisiertes Gefängnis. Hab ich glatt übersehen. Uniformierte Jünglinge interessieren mich anscheinend mehr als gegitterte Hohlräume. Probesitzen im Gefängnis also. Ich kneife meine Augen zusammen und versuche das Rätsel zu entschlüsseln. Neue IKEA-Werbestrategie? GEZ-Warnstand? Wirbt hier die BVG gegen schwarzfahren? Ich werde es wohl erst erfahren, wenn ich 13. Stockwerke und 500 Meter zu dem Stand überwinde … in der Zwischenzeit bin ich dankbarfür weitere Hypothesen.

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Manchmal wenn ich von der Arbeit nach Hause komme und den ganzen Tag die Fenster geöffnet hatte, habe ich das Gefühl, dass der ganze Lärm der Straße in meiner Wohnung gefangen ist. Ich frage mich, wie ich ihn wieder rausscheuchen könnte. Wahrscheinlich kann auch hier nur die Technik helfen und ich muss ihn mit meinem Staubsauger einsaugen.

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Am Freitag Abend habe ich zwei Entdeckungen gemacht: Erstens … meine einzige ernstzunehmende Problemzone ist mein Gehirn und zweitens … wer in Kreuzberg mal wirklich einen ungewöhnlichen Ort aufsuchen möchte, der begebe sich umgehend in das „zum schwarzen Eber“. Der Laden wird in kürzester Zeit die In-location in Berlin. Sie verkaufen dort chilenischen Rotwein mit Drehverschluß und die Musik spendet MTV. Die Tätowierungen der Mittrinker sind wirklich originell und einzigartig. Keine Tribals, keine Arschgeweihe. Die sanitären Anlagen zeichnen sich durch ohrenbetäubenden Zironengeruch aus. Die Barhocker haben endlich mal Rückenlehnen und der Barkeeper kann mit seinem Zahnarzt per Mail Termine machen. Es wird reichen sein enormes Gebiß zu fotografieren und an selbigen zu schicken. Schade, dass das Etablissement bereits gegen ein Uhr schließt.

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Super! Ich dachte schon, die Geschichten gehen mir aus. Aber neeeeein! Mein Leben kann einfach nicht normal verlaufen. Also: mein Mitbewohner/Kollege/Alles-in-einem und ich steigen in der 18. Etage in den Aufzug und drücken Etage 13. Der Aufzug setzt sich in Bewegung, hält in der 13. Leider geht die Tür nicht auf. Stattdessen geht das Lichts aus, der Aufzug sackt ab. Während der Fahrt geht der Alarm los, aber das hat meinen Schrecken nicht wirklich zusätzlich verstärkt. Mein Mitbewohner hatte auch so etwas Beunruhigendes im Blick und als er dann auch noch seine Hand auf meine Schulter legt, dachte ich wirklich: super, jetzt sterbe ich. Nein! Eigentlich dachte ich: SCHEISSE! Die Geschichte ist insofern nicht wirklich spannend, weil man das Ende erraten kann. Der Aufzug kam im Erdgeschoss quitschend zum Stillstand. Ich lebe. Unten wusste ich lange nicht, ob ich jetzt weinen oder lachen soll. Ich hab mich dann entschlossen einfach gar nichts zu tun und wie eine Statue rumzustehen und den Fahrstuhl vorwurfsvoll anzusehen. Was mich erschüttert ist, mein letzter Gedanke wär also ein Schimpfwort gewesen. Mehr nich. Nix mit mein Leben zieht an meinem geistigen Auge vorbei oder hach plötzlich ist mir klar, was wichtig ist und was nich. Meine Freundin fragte mich ungerührt: Was hast Du denn vorgehabt? Noch ein abschließendes Wort zum Weltfrieden zu verfassen?

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Schon wieder Geld beim Wetten verloren und zudem noch mein Weltbild aus der Verankerung gerissen. Ich dachte immer Junikäfer seien die hübschen, roten, schwarz gepunkteten Käferlein, über die sich alle freuen, wenn sie einem beispielsweise ins Auge fliegen. Dem entgegen hielt ich Marienkäfer für die dicken, unsympathischen Brummer. Die Hummeln unter den Käfern. Gleichzeitig dachte ich Marienkäfer und Maikäfer seien das selbe Insekt. Leider verhält sich alles ganz anders. Marienkäfer sind die Lieben. Maikäfer die braunen Dickerchen. Und um es abzukürzen: meinen Recherchen zufolge, habe ich in meinem Leben noch nie einen Junikäfer gesehen. Nachdem ich das jetzt ein für alle Mal geklärt habe, bin ich bereit mich zu vermehren. Meinen Kindern werde ich zumindest nicht mehr solche Halbwahrheiten vermitteln. Die bekommen gleich zur Geburt eine Insektenenzyklopädie.
P.S. Ich arbeite übrigens gerade an einer ausgefeilten psychologischen Theorie, wieso man manche Krabbeltiere niedlich findet und andere abscheulich.

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Das Mittelalter wölbt sich über den Gürtel der Geschichte wie ein Bierbauch. Heute ist es zu spät für Aerobic oder Hüttenkäse-Diät, um das Mittelalter abzuspecken. Die Geschichte wird auf alle Zeiten Shorts in Größe 48 tragen müssen. (auch geklaut)
Fiel mir aber so ein, weil ich heute meinen ersten halben Tag im neuen Job hatte. Dieses „siezen“ ist ein merkwürdiges Ritual und ich muss mich immer so zusammenreißen, um nicht zu kichern. Wir sind alle gleich alt und es ist ziemlich absehbar, dass wir uns nicht ewiglich mit diesem komischen Wort auf Distanz halten werden – warum also antiquiert an dem Ritual festhalten? Noch merkwürdiger ist bei genauerem Nachdenken, das Phänomen, dass Männer sich im Geschäftskontext dünne Stoffstücke um den Hals knoten.

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Dieser Samstag begann mit einer Katastrophe. Nach nur vier Stunden Schlaf klingelte mein Wecker, weil ich meine Putzfrau erwartete. Dem Tode näher als dem Leben, quäle ich mich aus meinem Bett, um meinen ganzen Krempel im Schrank zu verstauen (damit sie überhaupt Platz zum Putzen hat). Eine halbe Stunde später fällt mir ein: sie hat Urlaub. Leider hab ich mir nicht gemerkt wann sie wiederkommt. Da ich schon mal wach war, wollte ich die Zeit nutzen und ausnahmsweise einkaufen gehen. Einkaufen um diese Uhrzeit ist eine böse, böse, böse Idee. Zwischen zehn und vierzehn Uhr gehen nämlich nur frustrierte Karrierefrauen mit Arschlochkindern einkaufen (Tschuldigung, das mußte ich von einem anderen Blog klauen, aber es ist so unsäglich passend). Da wird man halbverschlafen angerempelt oder immer und immer wieder mit dem Kinderwagen angefahren. Wenn man die Dame irritiert ansieht, erntet man Todesblicke. Sie zicken sich gegenseitig an und vergiften die Luft. Ihre Kinder schreien schrill und sitzen in den Einkaufswägen wie in kleinen Gefängnissen und rütteln an den Metallgittern. Schrecklich! Ich bin schnell wieder nach Hause und dann sofort ins Bett. Heute Abend treffe ich mich mit jemanden, den ich fünf Jahre davon überzeugen musste, dass er mich unbedingt mal kennen lernen will. Er bringt seine Freundin mit und hat sich gewünscht, dass wir uns ununterbrochen anzicken. Ich werde mir einfach vorstellen, dass sie eine dieser Frauen von heute morgen ist. Ich sollte Vorschläge für die Abendgestaltung machen. Da ich nicht kreativ bin, muss ich auf eine externe Anregung zurück greifen: Ringbahntrinken. Das geht so: Man nimmt zwei Würfel und eine Münze mit und steigt an einer beliebigen Station in die Ringbahn ein, würfelt und fährt so viele Stationen wie Augen gewürfelt wurden. Man verlässt den Bahnhof, wirft eine Münze. Kopf bedeutet rechts und Zahl links. Daraufhin kehrt man in die erste Kneipe ein, die einem begegnet und trinkt ein Bier. So fährt man fort bis man irgendwann an der Ausgangsstation wieder angekommen ist. Ich hab ein bißchen Angst, dass ich nie mehr zurück komme.