Urlaubsphantasien

Anfang der 2000er, als ich noch keine Kinder hatte, bin ich mit meinem Freund nach Kroatien gefahren. Drei Wochen lang. Wir haben jeder zehn Bücher eingepackt. Wir hatten uns auf zehn beschränkt, weil wir mit dem Rucksack unterwegs waren. Als wir ungefähr in der Hälfte des Urlaubs in Dubrovnik ankamen, waren alle Bücher gelesen und wir tauschten sie in einem Antiquariat gegen neue.
Daran musste ich denken, als ich heute ca. sieben Kubikmeter Krempel zusammenpackte, weil wir über das Wochenende an die Ostsee verreisen. Zu dritt. Kind 3.0, Kind 2.0 und ich.
Nachdem ich alles zusammengepackt hatte, stand ich vor dem Bücherregal und streckte meine Hand nach einem der ungelesenen Bücher aus, die sich dort stapeln. Eine ganze Reihe hat sich in der Zwischenzeit gefüllt.

Mich überkam eine unendliche Sehnsucht nach einem kinderlosen Urlaub. Einen Urlaub in dem nichts vorgeplant ist, in dem man nicht kochen muss, schon nachmittags Wein trinken kann, sich von Museum zu Museum schleppt, im Schatten so lange liest, bis die Augen schwer werden und man sie einfach schließen kann.
Abends lange wach bleiben ohne in dem Bewusstsein zu leben, dass man am nächsten Morgen um 6 Uhr einen Preis dafür zu zahlen hat.
Man könnte sein gesamtes Geld in kleinen Restaurants verprassen und essen auf was man Lust hat, man könnte sich womöglich unterhalten ohne dass jemand schreit „ICH MUSS KACKEN!“. Eine durchgängige Konversation führen. Ein unvorstellbarer Gedanke. Oder einfach nichts sagen und aufs Meer schauen.

19 Gedanken zu „Urlaubsphantasien“

  1. Liebe Patricia,

    ich bin ganz bei dir. Aber sowas von.

    Nach jedem „Urlaub“ bin ich kurz vor dem Zusammenbruch, weil meine Kinder dort, wo sie strukturlos in den Tag leben, auch noch streiten, was das Zeug hält, und ich mit ihnen zusammen in den Supermarkt muss, um die Lebensmitteleinkäufe zu erledigen. Ich mache das nicht mehr. Kein Urlaub mit Kindern. Zuhause ist es entspannter und ich hab’s drei Sommer hintereinander wirklich versucht, sogar mit Grosseltern dabei und mal mit Eurocamp in Italien. War alles Mist.

    Herzliche Grüsse, Christine

    1. Ohje. So schlimm war es bei uns dann doch nicht. Ich mag Urlaub mit Kindern gerne. Da habe ich auch Anlass mal wieder ins Freibad zu gehen oder jeden Tag ein Eis zu essen … nur ohne, stelle ich mir eben auch schön vor.
      (Ich war aber noch nie alleine mit den 3en unterwegs. Das macht bestimmt nochmal einen großen Unterschied)

  2. Ich kann das so gut verstehen, diese Sehnsucht nach den von dir beschriebenen Punkten. Wir hatten im vergangenen Jahr ein ganzes Wochenende für uns allein, ohne Kinder, ohne all die Momente, vor denen man zu Hause manchmal weglaufen will und es nicht kann. 200km trennten uns von den Kindern.

    Tag 1 war Entspannung pur, am zweiten Tag blickten wir beim Frühstück auf eine vierköpfige Familie und erkannten uns irgendwo wieder. Dann lächelten wir uns an und genossen den Tag, machten dass, worauf wir gerade Lust hatten. Manchmal schwiegen wir auch einfach für einen Moment und hörten der Stille zu.

    Das sollte man eigentlich öfter machen, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen.

  3. Nur die Ruhe bewahren, das kommt alles schneller als man denkt (und einem lieb ist)! Ich habe mich auch immer auf die Zeit gefreut, ohne Kinder in den Urlaub zu fahren. Jetzt kann ich es und manchmal vermisse ich sie dabei! Aber auch nur manchmal ;-)!
    Es geht alles vorbei, jede Phase im Leben. Genieße sie, sie kommt nie wieder.

    Liebe Grüße
    Birgit

  4. Nach 23 Jahren Urlaub mit Kindern (oder keinem Urlaub und nur Kinder) wird es dieses Jahr soweit sein: mein erster echter, richtiger Urlaub ohne Kinder.

    Wir bekamen nämlich unsere Kinder sehr früh – in meinem letzten Urlaub ohne Kind war ich selbst noch das Kind.

    Also: dieses Jahr habe ich meinen ersten Erwachsenenurlaub ganz ohne Kinder. Keine Rücksicht mehr auf die Schlafgewohnheiten des Nachwuchses (früher standen sie mitten in der Nacht auf, heute gegen Mittag), keine Diskussionen um das Essen (früher Pommes, kein Fisch, heute Pommes, kein Fisch), kein Gejammer wegen Schlange stehen und endlich geht es an den Strand, wann ich will, wie lange ich will und wo ich will.

  5. Sieben Jahre ohne.
    Urlaub.
    Weil.
    Ich warte ab, bis sie alle groß genug sind für Interrail und all das Zeugs,
    das sie SELBER machen können.
    (allerdings habe ich mich vor wenigen Tagen sagen hören, dass wir dieses Jahr alle zusammen am Meer sein werden. Ich setze einfach auf die Erderwärmung).

  6. es wird nicht mehr lange dauern, dann wirst du vor einem kleinen roadster mit geöffnetem dach stehen und unter den zornigen blicken eines deiner kinder milde lächelnd süssigkeiten an deine enkelinnen und enkel verteilen. eines der kleinen fragt, ob es mit auf die reise in den süden darf. du neigst mit einem verständnisvollen blick den kopf und erklärst auch all seinen geschwistern, dass du doch nur einen platz im auto frei hast und es einfach ungerecht wäre, nur ein einziges kind mitzunehmen. das kind blickt ein wenig traurig aber nickt schliesslich gefasst. du verteilst abschiedsküsse und steigst in den wagen, startest den motor und fährst winkend in sonnenrichtung … [hier einfach lieblingsfilmmusik einsetzen]

  7. ******************KOMMENTAROMAT**********************
    Genau!
    *****************/KOMMENTAROMAT**********************

  8. Nun ja…
    mit schulpflichtigem Kind und lediglich 14 Tagen Osterferien haben wir es dieses Jahr gewagt.
    Getrennt gemeinsam in Thailand geurlaubt.
    Ich flog alleine. Verbrachte die Zeit abwechselnd mit Shopping, Beach, Büchern (Ich las tatsächlich jeden Tag ein komplettes Buch), Hängematte, Schlafen und so. Ich sammelte Beweise für meine Theorie, dass Chips und Bier über einen längeren Zeitraum durchaus als vollwertige Nahrung angesehen werden können. Nach 14 Tagen (Beginn der Schulferien) folgte der Gatte mit dem Goldkind. Wir trafen uns im Süden Thailands auf einer relativ einsamen kleinen Insel. Urlaubten dort 14 Tage alle drei gemeinsam. Leider musste ich aus Vorbildgründen (Sie verstehen?!) mein Chips-Bier-Experiment abbrechen und mich (wie dem Kind immer gepredigt) von gesundem Gemüse ernähren. Ich flog allein mit dem Goldkind zurück, während der Gatte weitere 14 Tage allein verbrachte. Ich vermute, er hat niemals seine Unterwäsche gewechselt, sich nicht rasiert, mein Chips-und-Bier-Experiment fortgesetzt und Tag und Nacht vor Einsamkeit geweint. Aber das ist nur rein spekulativ.
    Somit hatten wir Erwachsenen 4 Wochen Urlaub, davon jeweils 2 Wochen allein. Das Goldkind hatte 14 Tage mit uns beiden zusammen.

    Perfekt.
    Für uns.

    Liebe Grüsse
    Hari

  9. Geht mir genauso. Mit Gepäck ist es wie mit Gas, es füllt komplett den verfügbaren Raum. Deswegen haben wir auf dem Weg zur Ostsee (drei Tage) exakt einen Kofferraum voll dabei, und in Frankreich (zwei Wochen) genau die 40 kg (also 20 + 20), die die Lufthansa erlaubt. Dürften wir weniger mitnehmen, würden wir mit weniger auskommen. Gefehlt hat übrigens noch nie was.

    (Aber was den kinderlosen Urlaub angeht: Ich setze da auf Oma. Noch dieses Jahr. Ein langes Wochenende Paris mit J. und ohne F.).

  10. ja, das kennen wir. Derzeit lese ich nur noch relativ ungestört auf dem Klo, wenn es dort abschließbar ist. Ansonsten geht es kaum noch ;-)

  11. So isses. Diese Sehnsucht nach einem freien Leben. Hatte ich oft und habe ich immer noch. Das kommt von der Überlastung … zu wenig Zeit für sich selbst… in den Tag hinein leben..
    Inzwischen bin ich Großmutter.
    Keine Kinder? Das Enkelkind ruft nicht an und wünscht sich ein Lebkuchenhaus im Sommer?
    Man muss sich keine Gedanken/Sorgen machen um miemanden?
    Immer Urlaub. Nur ich selbst im Mittelpunkt… langweilig.
    Nicht für mich.
    Wobei: Ich weiß, dass ein glückliches Leben nicht von Kindern abhängt.
    Du hast welche oder du hast keine – irgendwas ist immer (Tucholsky).

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