In guten Absichten

Da sind sie wieder, die guten Absichten, die die Straße zur Hölle plastern.*

Heute wurden zwei Superväter mit je 5.000 € für ihr Engagement in der eigenen Familie ausgezeichnet. Es ist die 11. Preisverleigung dieser Art. Geehrt werden Väter, die durch Flexibilität und Partnerschaftlichkeit glänzen. Schirmherrin der Aktion ist Familienmisterin Schwesig.

Die Details sind eigentlich nicht wichtig. Es wurde nichts außergewöhnliches vollbracht. Es wurden lediglich zwei Männer geehrt, die das tun, was Millionen von Frauen schon seit hunderten von Jahren tun. Sie haben sich um ihre Kinder, ihre Familie gekümmert und ihrer Partnerin ermöglicht arbeiten zu gehen.

*slow clap*

Der Preis verfolgt drei Ziele:

1. Stärkung der Leistungs- und Wettbewerbskraft von Wirtschaft und Unternehmen

Der Spitzenvater des Jahres verständigt sich mit der Mutter und findet mit ihr gemeinsam eine Lösung, wie beide Beruf und Familie unter einen Hut bringen können. […] Unternehmen können mit Spitzenvätern sowohl strategisch als auch operativ sicherer planen.

2. Tendentielle Erhöhung des Anteils von Zweiversorgerehen

Dank der praktizierten Partnerschaft in Ehe und Familie kann jeder Elternteil wirtschaftliche Selbstständigkeit erlangen und zum Familienunterhalt beitragen. Mutter und Vater sind in der finanziellen Lage, die Altersvorsorge zu gestalten und der verbreiteten Altersarmut insbesondere bei vielen allein stehenden älteren Frauen, vorzubeugen […]

3. Ausdehnung des väterlichen Einflusses auf die Entwicklung des Kindes

Das Projekt […] strebt danach, die Wichtigkeit der Rolle des Vaters für die Entwicklung des Kleinst-, Klein- und Schulkindes ins öffentliche Bewusstsein zu rufen. Das Projekt bricht mit der traditionellen Vorstellung, dass für die ersten Monate und Lebensjahre allein die Mutter zuständig ist. […]

Gute, sehr sinnvolle Ziele, richtig?

Es geht also darum, so auch die Schirmherrin Bundesfamilienministerin Schwesig: „Vorbilder [zu ehren], die eine moderne Familienkultur leben, die sich immer mehr Paare wünschen. […] Es geht darum Familienarbeit partnerschaftlich zu teilen.“

Ihrem Grußwort ist zu entnehmen:

„Die Auszeichnung „Spitzenvater des Jahres“ zeigt jedes Jahr wieder, dass es sich lohnt, Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht nur als ein Thema für Frauen zu verstehen, sondern auch Männer zu ermutigen, sich mehr Zeit für die Familie zu nehmen. Familien gewinnen dadurch mehr Zeitsouveränität und Lebensqualität. Unternehmen wiederum können sich auf diese Weise als attraktive Arbeitgeber positionieren.“

Warum kann man sich nun trotzdem darüber aufregen (also außer weil man halt als Feministin sowieso immer was zu meckern hat und deswegen so laut und wütend ist)?

Der Preis ist ein Schlag ins Gesicht aller Frauen, die sich seit Jahren völlig preislos um Kinder und Familie kümmern (von den Alleinerziehenden gar nicht erst zu sprechen). Der Preis verhöhnt außerdem all die anderen Männer, die genau das  tun, was oben beschrieben wird und dafür keine 5.000 Euro bekommen.

Aber die Absichten dahinter sind doch gut!

Ja – nur die Umsetzung ist wirklich schlecht. Ein einfacher Weg gute Beispiele herauszustellen wäre z.B. Familien zu ehren und nicht nur die Männer.

-> Gedankensprung

Ich habe vor Kurzem einen Fragebogen zu Erziehern in Kindergärten zugeschickt bekommen.

Ob ich mir mehr männliche Erzieher wünsche?

Ja!

Wie man sie zu motivieren wären? Es folgt eine Multiple-Choice Liste, auf Platz 1: Mehr Geld.

Klar, mehr Geld wäre super. Dann würden Männer bestimmt auch so unattraktive und anstrengende Jobs übernehmen.

Innerlich verdrehe ich wieder die Augen.

Auch hier: Guter Vorsatz – mehr Männer in den Care-Bereich und wie: mit mehr Geld. Is klar, dass die Frauen vielleicht auch mehr Geld verdient hätten, dass es um eine allgemeine Aufwertung dieses Jobs gehen müsste etc. pp. dazu lese ich nichts.

-> Gedankenspung Ende

Schon seit der Gabriel Debatte um die offensive Väter treibt mich wirklich die Frage umher: Es muss doch einen Weg geben, der Männer motiviert ohne gleichzeitig die bereits geleistete Arbeit von Frauen zu entwerten?

(So sehr ich mir auch wirklich, wirklich wünschen würde, das Männer nicht erst motiviert werden müssten… aber gehen wir mal gutherzig davon aus, dass es ganz, ganz viele Männer/Väter gibt, die wirklich, wirklich wollen – aber nicht wissen wie und einfach nicht können…)

Deswegen würde ich gerne Ideen sammeln. Habt ihr welche?

 


 

*Auf Deutsch heisst das Sprichwort eigentlich „Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert“ – auf Englisch „The road to hell is paved with good intentions“.


 

Weitere Leseempfehlungen:

Superväter – ney!

Zitat aus dem Artikel:

„Und so wird der Preis zur Patriarchatsabwrackprämie: Bezahlen wir den Menschen doch Geld dafür, dass sie ein ohnehin völlig überholtes Familienmodell über Bord werfen. Eine Entschädigung für die armen Menschen, die sich an etwas Neues gewöhnen müssen. Das lässt sich nämlich auch spitzenmäßig vermarkten.“

Superväter? – yay!

Zitat aus dem Artikel:

„Seien wir ehrlich: Noch sind wir nicht so weit, dass siebeneinhalb Stunden Kinder- und Hausarbeit ein realistischer Durchschnittswert für den in Deutschland lebenden Mann sind.

Wenn wir so weit sind, können wir den Spitzenväter-Preis gerne abschaffen.“

Ein Interview mit einem der diesjährigen Preisträger:

SPIEGEL ONLINE: Herr Neumann, Sie dürfen sich jetzt offiziell „Spitzenvater“ nennen. Freuen Sie sich?

Neumann: Ja, aber ich tue mich etwas schwer damit, einen Preis für etwas Selbstverständliches entgegenzunehmen. Es gibt wahrscheinlich Väter, die diese Auszeichnung mehr verdient hätten.

Autor: dasnuf

Aha! Google doch "dasnuf" Muhahahahaha!

82 Gedanken zu „In guten Absichten“

  1. Meine Idee: Den Superpapapreis postwendend an die nächstbeste Mama weiterreichen, die genau den gleichen Job macht.
    Was für ein Murks.

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  2. Ich würde sagen, wir als Eltern/ Familie haben Arbeit, Haushalt, Kinder ganz gut auf beide verteilt und abgesehen von der täglichen Überlastung, die wohl fast jede Familie kennt, fühlen wir uns wohl damit. Also im Gegensatz zum Traditionsmodell gehe ich gerne (auch bald wieder Vollzeit) arbeiten und mein Mann genießt es, viel Zeit mit den Kindern zu verbringen.
    Wir haben beide den gleichen Beruf und arbeiten im Moment beide Teilzeit. Mein Mann hat einen Tag in der Woche frei, ich habe drei Tage frei. Seit Anfang Februar wurde ich zweimal gebeten an freien Tagen zu unterrichten (dafür habe ich Plusstunden bekommen) und zweimal wurde ich an freien Tagen zu Konferenzen geladen (ohne dafür Stunden anherechnet zu kriegen).
    Mein Mann hatte seit Anfang Februar höchstens eine handvoll freier Tage, an denen er nicht zu beliebiger Tageszeit in der Schule zu erscheinen hatte. Gerne auch von 8 – 16 Uhr, immer ohne gutgeschriebene Stunden.
    Für ihn hat sich Teilzeit wirklich nicht gelohnt und wird im kommenden Jahr wieder beendet.

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  3. Ich habe deinen Post schon vor einiger Zeit gelsen.
    Kann ich nur voll zustimmen!
    Gestern erreichte uns nun ein Brief von der Vatermutter, die den Zeitungsartikel mit den Preis uns zuschickte und eine Glückwunschkarte an meinen Mann als bester Vater der Welt, samt Preisgeld. Nett für meinen Mann, der gerade seine Elternzeit beginnt, Geld können wir auch immer gebrauchen.
    Aber, ich werde niemals einen Preis dafür bekommen, dass ich noch immer den Hauptteil der Erziehungsarbeit leiste. Und es wird auch keine andere Frau jemals einen Preis dafür bekommen. Das hört sich neidisch an…
    Aber es stösst mir sauer auf, dass das was eigentlich normal sein sollte, immer besonders gelobt wird (beim Vater) und bei der Mutter als vom Himmel gefallen hingenommen wird.

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  4. Eine Motivation für die Väter wäre vielleicht, wenn die Frauen ihre finanziellen Ansprüche herunterschrauben würden. Will sagen: Wer welche familiären Aufgaben übernimmt, sollte nicht am Geld festgemacht werden. Der Typ verdient mehr? Gut, dann verdient er ab jetzt halt weniger – weil er verkürzt arbeitet, den nächsten Karrieresprung nicht mitnimmt, aber auch nicht mehr für 2/3 des Familieneinkommens zuständig ist. Auf lange Sicht gesehen dürfte das der Gleichberechtigung gut tun. Weil für die Frau plötzlich auch Karrieresprünge in Frage kommen, weil – statt sie halb und er ganz – beide mit einer 2/3-Stelle klar kommen. Aber auch: Weil sich die Familienfinanzen nicht am größeren, sondern am kleineren Einkommen orientieren. Das könnte in der Praxis Mieten statt kaufen, Tschechien statt Mittelmeer und Aldi-Obst statt Bio heißen. Aber die Familie/Partnerschaft ist damit keine Wirtschaftseinheit mehr, sondern eine Einheit freier, unabhängiger Partner.

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    1. Ja und nein.
      Ja, weil mir persönlich z.B. Geld nicht so wichtig ist. Rein rechnerisch wird es wahrscheinlich sogar so sein, dass zwei 25 oder 30 Std Jobs in Summe mehr Geld einbringen als ein 40 Std Job. Weiterer positiver Effekt: Man ist flexibler, arbeitet vielleicht zeitversetzt und hat ggf. viel mehr Zeit für die Kinder.
      Nein, weil ich anzweifle, dass es meistens der weibliche Anspruch ist.
      Ich kenne es aus meiner eigenen Kindheit und auch aus meinem eigenen Leben jetzt, dass mir Zeit miteinander immer viel wichtiger war als „viel“ Geld.
      Leider musste ich mir dann so Sachen anhören wie, es sei unmöglich für Männer einen Vollzeit in einen Teilzeitjob zu wandeln.

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      1. Ja, das ist ein weites Feld. Aber ist es nicht tatsächlich eher die Ausnahme, dass sich Frauen mit Männern liieren, die von vornherein weniger verdienen oder geringere Gehaltsaussichten haben als sie? Wenn dann Kinder dazukommen, ist klar, wessen Gehalt verzichtbarer ist.
        Für die Teilzeitarbeit für Männer: steter Tropfen höhlt den Stein. Im öffentlichen Dienst beispielsweise haben Männer die gleichen Chancen auf Teilzeit wie Frauen. Je mehr die Erkenntnis, dass Teilzeit tatsächlich auch von Männern praktiziert werden kann (ohne dass sie plötzlich zum Schatten ihrer selbst werden), durch die Freundeskreise sickert, desto mehr werden diese Daseinsform für normal und erstrebenswert halten – und auch einfordern. Hoffe ich doch! Frauen müssen natürlich den Druck gleichbleibend hoch halten.

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  5. Die umgekehrte Logik wäre also: Vorstandsgehälter zu kürzen damit mehr Frauen einsteigen? … Auch ne Art von Regulierung …

    Mir ist allerdings auch aufgefallen bzw. hat meine Mutter das immer gesagt: „Sobald man eine Arbeit bezahlt machten das Männer gerne. Fensterputzer, Koch …“

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  6. Pingback: Klaudia bloggt...
  7. Eine ideale Lösung für das „Problem“ wird es nicht geben, aber ich habe das Gefühl, dass hier mal wieder an der falschen Stelle versucht wird etwas zu ändern.
    Viel eher sollte sich die Frage gestellt werden, warum viele Männer keine oder wenn dann nur sehr wenig Elternzeit nehmen. Ja manchmal liegt es einfach an den Männern, die nicht wollen, aber viele Männer haben auch einfach Angst ihren Job zu verlieren, komisch angesehen zu werden und sich Sprüche anhören zu müssen – von Kollegen, von Chefs…
    Und ist genau das nicht auch der Grund, warum Frauen es so viel schwerer haben, in die gleichen Positionen zu kommen, wie ihre mänlichen Kollegen? Zumindest, wenn sie sich für Familie und Kinder entscheiden?
    Ich habe vor kurzem ein sehr spannendes Gespräch mit einem frisch gebackenem Vater gehabt, dessen Firma offenbar etwas verstanden hatte. Für ihn war es kein Problem in Elternzeit zu gehen, den seine Firma toleriert nicht nur, dass Väter zu Hause bleiben, nein sie fördert dies auch noch: Jeder Mitarbeiter, der auf der Karriereleiter weiter kommen will, muss dazu Bausteine sammeln. Das kann ein Auslandsaufenthalt sein, kann aber genau so gut auch Elternzeit sein, denn so das Argument: Wer es schafft sich um sein Kind zu kümmern und den Familienalltag zu managen, lernt dabei mehr als er in jedem Führungskräfte-Seminar lernen kann.
    Ich denke, wenn man schon Preise vergeben möchte, dann doch an Firmen, die genau das tun, was diese Firmer tut: Frauen und Männer gleich behandeln, Familienfreundliche Lösungen finden, aufzeigen und fördern.

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    1. zu deinem Gedanken, Firmen auszuzeichnen die genau das tun, was man gesellschaftlich erwartet…

      Gleiches Problem. Ich arbeite in einem Großbetrieb (> 10000 MA weltweit, > 1000 am Standort) und auf dem Papier sind „wir“ sehr MitarbeiterInnen und Familienfreundlich. Tatsächlich sind wir in den meissten Funktionen deutlich unterbesetzt und das führt dann dazu, das MitarbeiterInnen dann doch irgendwie emails bearbeiten, obwohl sie krankgeschrieben oder eben in Elternzeit sind. Fragt man dann den Teamleiter: Ja, was soll ich denn tun, wenn die Leute so gerne arbeiten…

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  8. Patentrezept habe ich keins. Ich mache halt das, was ich so mache: Darüber sprechen und schreiben, vom Glück (und den Anstrengungen), von der Bereicherung und von der Selbstverständlichkeit. Und es ansonsten einfach vormachen, an meinem Arbeitsplatz (der da glücklicherweise sehr entspannt mit umgeht) selbstverständlich die Kinderzeiten (inkl. Co-Krankheit, Betreuung) etc. ansprechen, einfordern und durchsetzen, es meinen Kindern und anderen Vätern vormachen (mein unvollkommenes Beispiel), Freunde motivieren und ihnen zusprechen, wenn sie mehr Zeit mit ihren Kindern haben wollen, und alle auslachen, die behaupten, sowas könnten oder sollten Männer nicht. Es ist mühsam, aber wer, wenn nicht wir, sollte den Job machen?

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  9. Hm. Ist Zustand: typische Frauenberufe (neudeutsch: Carearbeit) sind schlecht bezahlt und schlecht angesehen. Wenn Menschen (also v.a. Frauen) sie in den letzten Jahrzehnten dennoch übernommen haben, kann das zwei Gründe haben: die Personen sind zu gering qualifiziert (haben also nicht die Wahl ob sie NeurochirugIn oder AltenpflegerIn werden möchten) ODER den Menschen war es egal wenig zu verdienen (weil es eben Carearbeit ist). Wenn es ihnen bisher „egal sein konnte“, so kann es auch dafür zwei Gründe geben: das sind einfach „bescheidene“ Menschen, die keinen Wert auf Status/Auto/Urlaub/Eigenheim/Altersvorsorge usw. legen ODER: die einen Partner haben, der die Gehaltslücke auffüllt. Inzwischen sind Frauen so gut qualifiziert, dass sie sich tatsächlich für einen Beruf zwischen Nasaingenieurin oder Erzieherin entscheiden können. Sie entscheiden sich immer noch für die Erzieherin. Das bedeutet, dass Frauen, wollen sie mit Kindern nicht in die Armut abrutschen (v.a. in Städten) immer noch einen Partner „brauchen“ der mehr verdient. Nun werden zwei Männer mit einem Preis ausgezeichnet. Frage: welchen Beruf haben die Partnerinnen der Männer? Ich schätze es sind KEINE Erzieherinnen! Ich folgere daraus, dass es durchaus ein großes (ja!) Interesse gibt, eine partnerschaftliche Beziehung zu führen (auch nachdem Kinder da sind), dass es immer immer immer am Geld scheitert. Deshalb finde ich tatsächlich, dass : „mehr Männer in den Care-Bereich und wie: mit mehr Geld.“ ein ziemlich guter (der einzige?) Ansatz ist. Das Frauen davon auch profitieren ist schön, bisher war es ihnen ja egal…
    BTW 1: Ich bin Erzieherin
    BTW 2: mein Traum wäre es, dass mein Partner und ich in einigen Jahren die Plätze tauschen, und er dann 50% arbeiten kann und ich auf 100% erhöhe (und mittelfristig das Ziel jeweils zwischen 70 und 80 Prozent zu arbeiten).
    BTW3: Schön ist dann, dass wir uns auch die Altersarmut teilen dürfen! Darauf freue ich mich schon sehr (ironie off..)

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  10. „Celebrate Success“ oder die Idee erwünschtes Verhalten positiv zu verstärken und publik zu machen finde ich grundsätzlich richtig. Und ja, es wirkt ein wenig linkisch wie versucht wird zu motivieren.

    Man könnte es ja auch mal so sehen, dass der Preis im Grunde genommen zeigt wie wertvoll die elterlichen Dinge sind – aber da man die Männer nicht dazu bekommt dieses wertvolle Arbeit zu tun, muss extra darauf hingewiesen werden. Indirekt wird dadurch die Frau geehrt und alle Männer außer dem einen Spitzenvater kriegen eine Klatsche.

    Die Arbeit im Beruf, Überstunden und Geldverdienen als 100% Tätigkeit (Wochenende mal ausgenommen) wird dadurch deklassiert, der „Mann“ der sich den elterlichen Aufgaben nicht stellt, ist dadurch weniger wert geworden. In Familien in denen diese Aufgabenverteilung aber die harmonischste ist würde ich nicht wollen, dass sich etwas ändert. Lieber eine harmonische Beziehung mit Ungleichgewicht in der Elternrolle, als Gleichgewicht mit Disharmonie. Dafür sind Scheidungen und Streitereien zu traumatisch für alle Beteiligten.

    Trotzdem wünsche ich mir, dass wir Männer beim Kinderwunsch auch gleichzeitig die damit verbundenen elterlichen Pflichten im Auge haben und diese dann auch wahrnehmen. Ich stimme zu, dass hier die Vorbilder fehlen. Außerdem wird es zu wenig thematisiert, was es bedeutet Eltern zu sein. In Filmen und Geschichten werden in der Regel nur Klischees verkloppt, die Lebenswirklichkeit der lebenslangen Verpflichtung wird da nicht ausreichend dargestellt (#regrettingelternhood).

    Als ich von der Aktion las dachte ich mir bei dem Foto: Der Vater sieht etwas unglücklich mit dem Preis aus. Als hätte man ihn dafür geehrt sich morgens die Zähne zu putzen. Dann habe ich mich gefragt wie man wohl nominiert wird – und dann fand ich es einfach zu uninteressant um das herauszufinden.

    Im Nachhinein…vermutlich wäre es wirklich am besten gewesen das Thema nicht mit Geld zu dotieren, sondern bspw. mit einem Näh- oder Tischlerkurs. Oder Literatur über Erziehung oder…einfach nur dem ersten Platz, einem Zeitungsartikel, einem Interview fertig. In dem die Zutaten herausgearbeitet werden, was Mann noch so lernen muss um ein guter Elter zu werden.

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  11. Ist die Gleichberechtigung in diesem Bereich schon erreicht? Und in der Mitte der Gesellschaft angekommen? Wohl nein!
    Warum „basht“ Ihr die Leute, die sich genau dafür einsetzen?
    Das Thema braucht weiter mehr Öffentlichkeit. Klar kann man drüber diskutieren, ob so ein Preis der richtige Weg ist.
    Denkt doch lieber drüber nach, wer hier wirklich Euer „Feind“ ist. Und attackiert nicht Eure Mitstreiter, die sich ebenfalls engagieren aber vielleicht zu Maßnahmen greifen, die Euch nicht passen.
    Ich weiß zB nicht, ob Eure Blogbeiträge, die wiederholen, wie selbstverständlich die Gleichberechtigung ist, das Thema weiter in die Mitte der Gesellschaft bringen. Für zu viele Menschen, trifft das noch nicht zu. Hier brauchen wir noch andere Ansätze.

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    1. Du darfst mich gerne duzen. Pluralis Majestatis ist nicht nötig.

      Warum ich „bashe“, schreibe ich oben. Ich finde Wege, die Männer/Väter loben/herausstellen und dabei gleichzeitig Frauen/Mütter entwerten, falsch und suche nach Alternativen, weil ich verstanden habe, dass die Absichten gut sind.

      Im Übrigen finde ich wirklich, dass ich mir im Grunde mehr Mühe gegeben habe, den Preis und die Motivation dahinter darzustellen als die Presse(abteilung).

      Mit Sätzen wie „Der vierfache Vater übernimmt im Haushalt Aufgaben, die üblicherweise von Hausfrauen erledigt werden, hieß es.“ und „Aufgewachsen mit sieben Schwestern kennt sich Christoph nicht nur wunderbar mit Hautcremes aus, er weiß auch um die Stärken des sogenannten schwachen Geschlechts.“ und „Wirkt situationsbedingt bei der Kinderbetreuung und -förderung mit.“, wurde dem Preis echt kein Gefallen getan.

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      1. Ich stimme Dir darin zu, dass die Umsetzung so holprig und plump, geradezu dumm ist, wie solche Preisverleihungen nun mal sind.
        Was ich aber nicht verstehe, ist Dein Punkt der Abwertung von Frauen. Vielleicht habe ich eine andere Auffassung als Du, aber ich finde nicht, dass wenn mein Nachbar für irgendwas Geld bekommt, meine Leistung abgewertet wird. Nur weil eine(r) ausgezeichnet wird, bedeutet das nicht, dass alle nicht-ausgezeichneten nichts wert sind, gerade bei Symbolveranstaltungen wie dem Preis hier. Ich finde es eine sehr pessimistische und zynische Sichtweise, die Auszeichnung anderer als eigene Abwertung zu empfinden.
        Und ich glaube ich schrob schonmal unter einer Weisheitfolge: Gleichberechtigung ist noch lange nicht in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Plumpe Symbolpolitik ist eines von vielen Mitteln, diejenigen zu erreichen, die nicht feministische Elternliteratur lesen und großstädtisch mit offenem Verstand durchs Leben gehen. Durch häufige Konfrontation mit dem Thema, sei es Gabrielgelaber, sinnfreie Preise oder Fernsehtalkrunden, festigt sich der Gedanke, dass Männer mehr im Haushalt und der Familie tun können, als Geld verdienen und Bier trinken. Denn genau das tun noch eine nicht zu unterschätzende Zahl von Männern in Familien.
        Und ein Punkt, den Malik im Redebedarf aufgegriffen hat: Woher kommt dieser Beißreflex gegen Männer im Feminismus? Warum werden so gerne Menschen angegriffen, die zwar auf der gleichen Seite stehen, aber nicht zu hundert Prozent die eigene Ansicht teilen? Oder es manchmal sogar tun, aber nicht einem benachteiligten Geschlecht angehören? Vor ein paar Tagen wieder wurden Witze in meine Timeline gespült, in der sich Frauen ausdrücklich über männliche Feministen lustig gemacht haben. (Wahrscheinlich bist Du ein bisschen die falsche für diese spezielle Frage, aber mich würde trotzdem Dein Standpunkt dazu interessieren)

        Ich würde meine Nerven schonen, und mir nicht jede schlecht umgesetzte Aktion so zu Herzen nehmen. :)

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      2. Zum Plural: Ich habe Dich hier mit all jenen in einen Topf geworfen, die in der Jommentarsektion begeistert Beifall klatschen… (:

        Zur Sache: Die sehe ich weiter anders. Klar gibt es bessere und schlechtere Versuche. Nicht jeder Versuch ist perfekt. Daher kann man natürlich Verbesserungsvorschläge machen.

        Ich störe mich an der Schärfe und Agressivität, mit der hier Leute auf der eigenen Seite angegriffen werden.

        Als Betroffener, der keine 5000 EUR bekommt, fühle ich mich keineswegs „verhöhnt“. Und dieser Preis ist höchstens ein „Schlag ins Gesicht“ der Betreuungsgeld-Verfechter.

        Es gibt zu wenige Unternehmen und Institutionen, die sich offen und medienwirksam für Gleichstellung einsetzen. Wir brauchen weiterhin eine stärkere Auseinandersetzung mit dem Thema. Gerade auch in der Tagespresse.

        Es gibt es hier mal jemanden, der sich für das Thema einsetzt. Und prompt wird er „gebasht“, weil er nicht voll ins schwarze trifft.

        Euer Bashing führt doch nur dazu, dass sich potentielle weitere Unternehmen 3x überlegen, mit einer ähnlichen Kampagne zu starten.

        Ich finde das wirklich extrem kontraproduktiv und sehr, sehr schade.
        Die „Traditionalisten“ lachen sich ins Fäustchen…

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      3. Versteh mich nicht falsch: inhaltlich verstehe ich Dich voll und ganz.

        Aber mit diesem Bashing wird das Thema Gleichstellung zu einem „Minenfeld“.

        Dort können sich nur noch PR-beratene Grosskonzerne hineinwagen. Kleine „Provinzler“ werden im Internet so oft gebasht, weil sie sich womöglich etwas ungeschickt anstellen.

        Dabei müssten Gleichstellungsansätze noch viel mehr erleichtert werden. Hier ist man längst noch nicht am Ziel.

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  12. Ja, als ich das gelesen habe, ist mir doch tatsächlich kurz ein böses Wort entschlüpft.
    W.T.F.????
    Demnächst gibt’s noch 5000 Euro fürs Atmen.

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  13. Ich glaube das ist so ein Henne-Ei Problem, es fehlen häufig einfach die „Vorbilder“.

    Anekdote: Ich arbeite seit fast 12 Jahren in einem mittelständischen Unternehmen mit 15-20 Mitarbeitern. Als ich damals dort angefangen habe, herrschte eine totale Anwesenheitskultur. Wer vor 17 Uhr nach Hause gegangen ist wurde schief angesehen, Überstunden (bezahlt) waren vor wichtigen Veranstaltungen gerne gesehen, Urlaub musste man ewig vorher einreichen usw. usf.

    Vor 6 Jahren wurde dann der erste Mitarbeiter Vater und wollte doch tatsächlich 2 Monate Elternzeit nehmen! Zudem musste er plötzlich alle paar Wochen früher gehen oder später kommen, das war damals eine gefühlt große Sache. Inzwischen haben drei weitere Mitarbeiter Kinder und haben sowohl Elternzeit genommen als auch die üblichen Veränderungen der Arbeitszeit mit Krankheit, Sommerfesten usw. Ein Mitarbeiter arbeitet auf 30 Stunden Basis, ein zweiter macht (altersbedingt) zu zwei Dritteln Homeoffice. Ich persönlich mache seit der Geburt meiner Tochter keinerlei Überstunden mehr.

    Und siehe da: Die Arbeit wird trotzdem erledigt, unsere Kunden sind nicht weg gelaufen und wirtschaftlich steht die Firma auch gut da. Ich sehe hier eine klare Entwicklung zum positiven, aber es dauert und wird vielleicht erst mit der nächsten Generation so weit sein, wie man es sich heute schon wünschen würde.

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  14. da ich den Artikel gut finde, wünsche ich mir ein zweites T für „intentions“ auch wenn mir die Bedeutungs-Verschiebung, die durch das s hin zu „tension“ gut gefällt

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  15. Mit der gleichen Argumentation kann man auch die Stipendien für Frauen im Informatik-Studium streichen; hunderttausende Menschen in Deutschland quälen sich jährlich durch alle möglichen Studiengänge, aber einige wenige Frauen sollen für etwas finanziell belohnt werden, wonach eigentlich jeder selbst streben sollte?

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    1. Das würde korrekt sein, wenn es neben dem Supervater-Preis gleichzeitig hunderte von Preisen für Mütter und Frauen für ihr Engagement als Mutter und Frau geben würde. Sind da welche bekannt?

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