Die Hackfleischbesprechungen, Teil 2

Wie versprochen, fahre ich heute fort mit den Besprechungen von Hackfleischbildern.

Real_Schweinemett

REAL, 1 Kilo Schweinemett, pikant gewürzt
Verschwindend klein neben einer gigantischen, groben Bratwurst platziert, liegt eine rohe Schweinefleischbulette, die wie ein Brötchen gemustert von einzelnen Zwiebelringen garniert ist.
Die Schweinebulette besetzt einen viereckigen, reinweißen Porzellanteller.
Zu Zeiten Freuds wäre eine solche Darstellung vermutlich verboten worden. Ein wenig schauderlich wirkt sie selbst in heutigen Zeiten in denen jede sexuelle Abart bereits in mindestens einer Talkshow ausführlichst und detailgetreu einer großen Öffentlichkeit zu Gehör gebracht wurde.
Der Kreis, hier als vier Zwiebelringe zu sehen, gilt seit Anfang des 20. Jahrhundert als Symbol für das weibliche Geschlechtsorgan. Auch die etymologische Herkunft des Wortes Porzellan, welche auf die Bezeichnung der Kaurischnecke zurückgeht, die auf italienisch “porcellana” genannt wird und somit zurück greift auf den Vulgärausdruck für das weibliche Geschlechtsorgan, spielt auf das Weibliche an.
Die übergroße Bratwurst am Rande des Bildes wirkt zunächst bedrohlich und unterdrückerisch, kann jedoch nicht in das Hackfleisch ‚eindringen’, da dieses durch den Porzellanteller geschützt ist.
Somit steht die Frau in der Gesellschaft wenngleich isoliert dennoch gestärkt und eigenständig.
Die Brötchenmusterung versinnbildlicht, dass die Boulette Frau von heute ihre sprichwörtlichen Brötchen selbst verdienen kann und somit ihren eigenen Wurst Mann steht. Das Schweinemett steht somit an der Schwelle zur Bratwurstwerdung.

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13 Kommentare, twittern, sharen, plussen

  1. Maggi sagt:

    Wobei sich dank des gewählten Bildausschnitts die weißlich schimmernden Zwiebelringe durchaus auch als Ejakulat der Bratwurst interpretieren lassen. So summiert sich zur Frustration des Nichteindringenkönnens noch eine Ejaculatio Praecox als komparatives Moment.

    Bitte weiter besprechen.

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  2. Finja sagt:

    Ich glaube, ich werde nie wieder Hackfleisch kaufen können, ohne an diesen Eintrag zu denken…

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  3. Karsten sagt:

    Ich lach mich schlapp! Bitte noch mehr Hackfleischbesprechungen, das ist ganz großes Kino.

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  4. bebal sagt:

    Grandios

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  5. stormwitch sagt:

    köstlich!

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  6. Jörn sagt:

    “Ejaculatio Praecox als komparatives Moment” fügt sich wunderbar in diese vorzügliche Hackfleischbesprechung ein. Herrlich!

    @ stormwitch: Spielen Sie jetzt auf die Besprechung oder auf das Schweinemett?

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  7. <°((( ~~< sagt:

    Huh! Jetzt sehe ich dieses Bild mit ganz anderen Augen.
    Die Symbolik von Werden und Vergehen in einem Kilo Mett für 2,99.

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  8. djmq sagt:

    Ich habe mich ja schon oft mit Hack auseinandergesetzt, aber diese Reihe ist eine wahre Bereicherung der Debatte. Toll.

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  9. *Zweiblum sagt:

    Sehr geehrte Frau nuf,
    Sie erkennen den wahren diskussionswürdigen Wert der Hackfleischpräsentation an sich, verrennen sich meiner Ansicht nach aber in der Analyse dieses zweiten Teiles Ihrer hoffentlich noch langlebigen Serie: Korrekt interpretieren Sie die Form der Zwiebelringe und das Porzellan als weibliches Element in diesem Arrangement – jedoch versinnbildlicht die Boulette eindeutig ein männliches Attribut. Dies wird durch die Wurst – den Hackfleischpenis – als Aussage gefestigt, wobei der verwendete Kunstdarm wohl keine andere Interpretation als ein Präservativ zulässt. Dieses Element ist zwar nicht gerade subtil, weist aber somit auf die eigentliche Thematik hin: Transsexualität.
    Wir haben hier als das Abbild eines in einem Frauenkörper gefangenen Mannes vor uns – das mit der Wurst als Legende als männlich zu verstehende Met-Laibchen hat eine runde, eine feminine Form – eingehüllt in eine weibliche (Porzellan-)Hülle.
    Ein femininer Mann gefangen in einer weiblichen Hülle, die Striemen der Selbstkasteiung deutlich auf seinem gekrümmten, ja gar gepressten Laib eingeritzt. Das Zwiebelring-Ejakulat dienst als Betonung der Contradictio: Gleichsam Sehnsucht nach Expression – Ejakulat als Essenz männlicher Selbstdarstellung – als auch die durch das Kondom präventierte Erfüllung im orgiastischen „Mann-sein“.
    Diese Darstellung erschüttert und hallt lange nach. Der Fleischer hat hier ein epochales Werk geschaffen, welches dem Betrachter lange in Erinnerung bleiben wird.

    Ein bisher vernachlässigtes Detail sei hier noch erwähnt: Die hinter dem Schälchen arrangierte Blume: Eine Orchidee – geradezu die Versinnbildlichung der Weiblichkeit. Sie rückt in den Hintergrund, gerät in Vergessenheit, wird verdrängt. Haben wir es mit einem baldigen Coming-out zu tun, oder wird der Charakter zerbrechen, Opfer des eigenen Porzellan-Gefängnisses?

    Hinweis zum Schluss: in diesem Exkurs wurde der Ausdruck „Hackfleisch“ der Einfachheit halber als Sammelbegriff für “Halb und Halb”, “Hackepeter”, “Met”, und weiterer gewolfter Würzfleischprodukte genutzt, ohne den für sich stehenden Kategorien oder den Fleisch verarbeitenden Gewerken Unrecht tun zu wollen.

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  10. Olaf sagt:

    Also ich kann mir nicht helfen, aber ich sehe eine mit Zwiebelringen garnierte Boulette und halt daneben eine Bratwurst.

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  11. dasnuf sagt:

    Ja, es gibt auch Leute, die sehen bei Mondrian einfach bunte Kästchen…

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  12. Bruce sagt:

    Von wegen Zwiebelmöse:
    das ist ein unschuldiger falscher Hase
    in einem falschen Hasenrevier.

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  13. Pingback: Die Hackfleischbesprechungen, Teil 1 | Das Nuf Advanced

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