This is us

Ich gebe zu dass ich seriensüchtig bin. Ich habe mal versucht mitzuschreiben, was ich so alles schaue, aber nach ca. 4 Wochen war mir das zu anstrengend.

(Seit Januar z.B. Travelers, Please Like Me, Good Girls Revolt, Fleabag, Awake, Iron Fist, You are wanted, Broadchurch 3. Staffel, Lovesick…)

Ausserdem gruselt mich die Vorstellung, dass ich dann eine Statistik erstellen kann, die mir sagt: Sie haben fünf Schrillionen Stunden ihres Lebens vor ihrem Rechner mit Serien verbracht.

Wie wird das vor meinen Enkeln klingen? „Eure Oma hat 28.000 Stunden Serien geschaut.“ Gehaltvoller klänge es natürlich, wenn ich sagen könnte: „Ich habe 3.840 Bücher gelesen.“

Aber sei es drum. Ich kann später ja auch noch lügen.

Ich schaue also Serien. Mittelgute zur Entspannung (Travelers, Designated Survicor, Touch), gute mit Freude (Broadchurch, River, The Killing, Orange is the new Black, The Americans), wunderbare mit gespanntem, aufrechten Rücken (The Good Wife, Top of the Lake, Goliath, Black Mirror) und dann noch großartige wie Please like me, Fleabag oder aktuell This is us.

Ich habe vor einiger Zeit bei Felix von This is us gelesen und angefangen die Serie zu schauen. Seitdem schaue ich jeden Tag zwei, drei Folgen und meistens muss ich irgendwann Rotz und Wasser heulen.

This is us ist eine Familiengeschichte. Sie startet irgendwann in den 70ern mit einem Paar, das Drillinge erwartet. Bei der Geburt stirbt eines der Kinder, zeitgleich wird ein ausgesetztes Kind im Krankenhaus abgegeben. Die Familie nimmt dieses Kind auf.

Ab da begleitet man die fünf über die verschiedenen Zeitebenen hinweg.

Soweit so unspektakulär erstmal. Die Großartigkeit der Serie liegt in den Details. Ich habe ungelogen noch nie eine Serie (oder einen Film) gesehen, in der das Zwischenmenschliche so fein beobachtet ist und dabei so gnadenlos „echt“ dargestellt wird. Die Dialoge sind so warmherzig, „so menschlich, so herzerweichend […] — und das alles auch noch ohne pathos und holzhammer, sondern ganz subtil und sanft.“

Die Menschen scheitern ohne Happy End, sie treffen unwiderrufbare Entscheidungen,  sie tun einander weh, sie finden auf quälende Fragen keine Antworten. Dem gegenüber steht all die Liebe, das Glück eines Moments, die Wärme, das Dazulernen, das Andersmachen, das immer wieder Neuanfangen.

Ich weiß nicht genau, wie ich es beschreiben soll. Die Serie berührt mich so sehr, weil sie darauf verzichtet Folge für Folge hundertfach gesehenen hollywoodähnlichen Relief zu verschaffen. Es gibt da zum Beispiel zwei Brüder, die einfach nicht zusammen kommen. Sie wollen das vielleicht beide im Herzen (der eine mehr, der andere weniger), aber sie schaffen es nicht. Der eine, weil er sich so sehr zurückgesetzt fühlt und der andere, weil er einfach stehen gelassen wird, egal wie viele Annäherungs- und Versöhnungsversuche er startet. Sie haben Momente der Nähe aber es gibt nie den großen Clash und dann ist alles für immer gut.

Oder die übergewichtige Schwester, die egal wie sie sich anstrengt an sich selbst scheitert, die schon lange verstanden hat, dass sie selbst der Hebel ist, dass es um Selbstliebe geht und bei der es trotzdem nicht einfach „Klick“ macht und alles wird gut. Nicht mal als sie jemanden findet, der sie, genauso wie sie es sich immer gewünscht hat, von ganzen Herzen liebt.

Der Trailer ist leider sehr cheesy und gibt eigentlich die Tiefe der Serie überhaupt nicht wieder.

Die Serie läuft auf NBC. Im Mai kommt This is us auf Pro Sieben.

P.S. Wer gerne Podcasts hört, dem wird vielleicht auf YouTube auch das Aftershow Format zur jeweiligen Sendung gefallen.

Autor: dasnuf

Aha! Google doch "dasnuf" Muhahahahaha!

46 Gedanken zu „This is us“

  1. GENIAL! :D
    Hab es soeben gesehen (man kann es nach dem Sendetermin eine Woche online sehen). In 45 min dermaßen viele Emotionen, Wahnsinn.
    Ich weiß gar nicht genau, was ich dazu schreiben soll, weil sehr spät und mein Hirn noch voll von der tollen Serie..

    Patricia, vielen lieben Dank für diesen Tipp!
    Alle anderen – u n b e d i n g t ansehen!!11!

    :)

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  2. Eine ausgefallene Frage: Kennen Sie die junge Frau, die einen grünen Mantel trägt und sich das Handy in der Hülle vor das Gesicht hält?
    Ich meine sie zu kennen – hat sie zwei Töchter und die ältere heißt Svea?
    Ich bin gespannt, ob es nun Zufälle gibt oder nicht.

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  3. Ich muss das mal an dieser Stelle einwerfen, weil ich so unfassbar begeistert von der Serie bin:

    Call the Midwife

    Auf Netflix und kostenlos in der Mediathek von ZDF..

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  4. D.h. ich kann das in Deutschland nicht gucken, wenn ich nicht zu diesem VPN gehöre?
    Der Link sagt bei mir nämlich: Sorry, this video is not available from your location.

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  5. Oh ja, ganz großartig! Was die Serie meiner Meinung nach neben all dem, was du schon geschrieben hast auch noch so toll macht, ist die Figurenentwicklung. Besonders Kevin finde ich da superspannend.

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  6. Das wär schön. Wenn das wirklich eine Serie ist, in der nicht ständig alle nach spätestens einer Folge sich wieder vertragen. Ich glaub nämlich inzwischen, das mich das manchmal fürs echte Leben versaut, wenn ich das ständig sehe. Und im echten Leben gibt es unausräumbaren Streit. Jahrelange oder vielleicht lebenslange Funkstille. Verletzungen, die nicht einfach heilen. Also werd ich mal schauen, wenn das auf ProSieben ankommt, ob es was für mich ist, danke für den Tipp!

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  7. „This is us“ steht ganz oben auf meiner Liste, obwohl mir das gerade wohl viel zu nahe gehen wird.

    Ich mache bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit (also auch hier) Werbung für „The Expanse“, die derzeit einzige echte SciFi-Serie mit Raumschiffen , Space Battles und anderem awesome stuff. Ehrlich, mindestens die beste Serie seit Battlestar Galactica, wenn nicht gar TNG.

    Better call Saul und Fargo gehen demnächst in Runde 3. The Night of und Westworld waren noch ein paar meiner Highlights.

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    1. The Expanse fand ich grauenhaft (langweilig) und kein Vergleich zu BSG.
      Better call Saul hat mich schon in der 2. Staffel gelangweilt und Westworld fand ich auch sehr gut.

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  8. Hmmmm, wir würden dem Tipp ja gerne folgen, aber wie kann man es denn zum jetzigen Zeitpunkt legal in Deutschland schauen? :-/
    Hast du da einen Tipp?

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  9. „Im Mai kommt This is us auf Pro Sieben.“

    Ich bin gespannt, befürchte aber das wird (wieder mal) viel zu „edgy“ für’s breite Publikum. Mal sehen ob Pro7 die erste Staffel auf dem gleichen Sendeplatz durchhält oder bei schlechten Quoten nach 2-3 Wochen sofort wieder umdisponiert. Ich bin ja inzwischen um jede Serie froh die direkt bei Netflix, Amazon oder einem Pay TV Sender landet, da weiß man wenigstens woran man ist.

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