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Das Krebsweibchen als solches ist sehr häuslich. Ich liebe es z.B. für andere zu kochen und ich mag es gar nicht, mein Häuschen zu verlassen. Deswegen freute mich die gestern ausgesprochene mündliche Zusage zu unserer neuen Wohnung riesig. Da hätte ich nämlich Platz für einen großen Esstisch und einen Balkon, auf dem ich im Sommer immer sitzen kann. Nie mehr müsste ich raus, nie mehr zöge das Argument: Ist doch so schönes Wetter draußen!
Die Wohnung hat zwei große und zwei kleine Zimmer, Holzdielen, hohe Decken, ist ruhig gelegen und trotzdem sehr zentral. Wir zahlen weniger als geplant und es gibt sogar einen Gasherd, was ein ordentliches Kochen für mich als Halbitalienerin überhaupt erst möglich macht.
Wenn es Frühling wird, werde ich mein ganzes Geld nicht mehr für unnützen Tand wie Schuhe, Ohrringe und Kleidung ausgeben sondern die Hälfte meines Nettogehalts in Blumen und Kräuter investieren. Ich kaufe mir dann eine grüne Schütze, gelbe Gummihandschuhe, Gummistiefel und stehe pünktlich nach der Arbeit mit Rechen und Schaufelchen an meinen Blumenkästen, dünge, gieße und bepflanze was das Zeug hält.
Es wird so toll!
Außerdem habe ich derzeit nur noch 4 Teller und 3 Gläser. Vom Besteck fallen die Griffe ab und Zusatzausstattung wie Weingläser oder Schüsselchen besitze ich erst gar nicht. Und warum? Weil ich vor 14 Jahren ausgezogen bin und mir seitdem nichts mehr gekauft habe. Denn ich warte mein ganzes Leben darauf endlich in eine große Wohnung zu ziehen und dann den perfekten, akribisch zusammengesuchten und farblich aufeinander gestimmten Haushalt anzulegen.

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Man sollte eben verbieten exotische Früchte zu importieren. Diese Geschichte erinnert mich an einen Besuch bei meiner untrierzüchtenden Schwester.
– Ach ja, uns ist da ein Tausendfüßler entlaufen…
– Ih!
– Der brauch es schön warm. Ich nehme deswegen an, dass er bereits tot ist. Wenn nicht, fass ihn besser nicht an.
– Wieso?
– Er ist hochgiftig.
– …
– Aber keine Sorge, du kannst davon nicht sterben. Man ist dann nur gelähmt.
– Wie erfreulich.
Seltsam, dass diese Konversation die Lust auf ein kuschelig warmes Bett, welches auf dem Boden lag, total einschränkte.

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Wie lautet das Fremdwort für eine Kombination sich gegenseitig ausschließender Bedeutungen?
Wenn meine Nonna das sehen würde!
Ich erinnere mich, wie ich als ca. 5 jährige mal nach Ketchup verlangte. Meine Oma verstand kein Wort. So etwas gibt es nicht in Sizilien, mein Kind. Ich erläuterte. Meine Oma: Ahhhhhhhhhh!, schmiss eine Tomate in den Mixer und löffelte mir das Püree auf den Teller.

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Jedes Mal, wenn ich daran vorbei fahre, frage ich mich: Welche Botschaft will mir der Werbe- und Kommunikationswissenschaftler mit der Gestaltung dieses Bildes übermitteln?
Da ist der wühlmausgesichtige Oskar Lafontaine, Hagen der SPD, auf der schwarzen Seite. Die Finsternis drückt von hinten auf ihn und lässt seinen weißen Haarkranz wie einen Heiligenschein erstrahlen.
[Erinnern wir uns an die Nibelungen. Dort rammt Hagen (Oskar) dem Siegfried (Gerhard) den Dolch in die verwundbare Stelle, doch es dauert nicht lange bis er von Kriemhild schwertschwingend (Angie?) danieder gemetzelt wird.]
Luxusoskar hat sich den Platz links im Bild erkämpft.
Jeden Morgen, wenn ich mit dem Fahrrad an dem Plakat vorbei fahre, stelle ich mir die Fotosession vor.
Fotograf: So Herr Lafontaine und Herr Gysi, wenn sie sich bitte nebeneinander stellen würden?
Oskar: Ich steh aber links!
Gregor: Nix da! ICH steh links!
Oskar: Gar nicht! ICH steh lihhhinks!
Gregor: Oskar, wir haben das aber anders abgesprochen. Du hältst dich nicht an die Vereinbarungen.
Oskar: Ich geh mit deinem Privatleben an die Presse, wenn du mich nicht links stehen lässt, werter Genosse!
Photograf: Meine Herren! Bitte keinen Streit!
Gregor: Ist schon in Ordnung, ich steh ja gerne rechts.

Zurück zur Plakatgestaltung: Gysi, der zwar nur 3 cm kleiner als Oskar ist, musste sich offensichtlich neben Lafontaine knien. Hinter ihm ist heller Tag. Er reibt seine Finger in italienischer Manier, als bezichtige er jemanden links vor Oskar stehend des Arschlochseins. Sein Gesicht verzieht er dabei wie Alfred Biolek in seiner Kochshow wenn er Scheußliches probiert hat, dem bemühten Kochgast jedoch nicht die Laune verderben will und deswegen: „Hmmmmm ohhhh LECKER!!!“ grunzt.
Gysi schaut Lafontaine nicht an und gemeinsam höre ich sie rufen „Wir predigen nicht Wasser und trinken selbst Wein. Wir predigen Wein!“

Das Verhältnis von Schwarz zu Weiß beträgt etwas mehr als 2/3 zu weniger als 1/3 – folgt also dem goldenen Schnitt. Soll mir das helfen die Verbindung zwischen selbstdarstellungssüchtigen Unsympath und rhetorikgeschulten Retrofreund ästhetisch und somit gut zu finden?

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