Der Teutoburger Wald

Der Teutoburger Wald ist eigentlich wie der Brandenburger Wald nur ein bisschen hügeliger. Zusätzlich gibt es eine markante Sandstein-Felsformation zu bewundern. Wie alle in einer Landschaft unerwarteten Felsbrocken hat die der Teufel dahin geworfen. So behauptet es jedenfalls die Sage.
Als meine Kinder wissen wollten, was ich am Wochenende mache und ich ihnen mitteilte, dass ich im Teutoburger Wald wandern werde, sagte eines: „Grüß mir den Hermann“ und das andere hielt ein Kurzreferat über die Varusschlacht.
„Varusschlacht? Nie gehört.“
„Oha, Mama. Da wurde ein Achtel des Gesamtheeres des Römischen Reiches vernichtet, weil das Gebirge so unübersichtlich und voller Schluchten war und die Bäume dort so dicht standen, dass die Römer total lost waren.“
Ich staune dann immer nicht schlecht, was die aus dem Effeff so wissen. Meine Kinder beruhigen mich dann immer und sagen, dass die Schulbildung eine breite Allgemeinbildung bietet und ich mir keine Vorwürfe machen muss, wenn ich in meinem Alter bereits 90% der Inhalte bereits vergessen habe. Für mich komme es auf ganz andere Sachen an.

Das beruhigt mich dann und sie haben ja recht. Jetzt mit ü50 studiere ich z.B. den Wetterbericht, wenn ich irgendwo hin fahre und bin sehr stolz, dass ich für alle Wetterlagen gewappnet bin. Dieses Mal hat sich das auch wirklich bezahlt gemacht, denn die beiden Tage war wettermäßig alles dabei: Sonne, Nieselregen, Wind, Hagel und starker Regen. Aber rich wie ich bin, hatte ich sogar 2 Paar Wanderschuhe dabei, für jeden Tag Wollsocken, eine Regenjacke, einen Schal, eine Mütze und ein ausgeklügeltes System übereinandergeschichteter Klamotten.

Allgemeinbildung gleich Null, aber kalt war mir nicht!

Außerdem war ich sehr stolz auf mich. Denn ich war mega gechillt. Darin übe ich mich in letzter Zeit. Normalerweise würde ich so einen Kurztrip bis ins letzte Detail durchplanen. Gleichzeitig finde ich innerlich, dass bestimmte Dinge total sinnvoll sind und andere überhaupt nicht. Aber in den letzten Jahren musste ich feststellen, dass meine innere Logik gar nicht so etwas wie ein physikalisches Gesetz ist, sondern etwas dehnbares und andere Menschen andere Logiken in sich tragen. Das habe ich gelernt zu akzeptieren. Wenngleich ich innerlich noch sehr judgy bin und denke „Naja, wie ICH es machen würde, ist BESSER, aber hey chill!“.

Ich weiß nicht, ob ich es schon mal geschrieben habe (und meine Kinder würden vielleicht auch ungläubige Gesichter ziehen, wenn sie das hören), aber ich bin vor einigen Jahren dazu übergegangen auf viele Fragen, die mir das Leben (oder andere Menschen stellen) nicht sofort zu sagen „WAAAAS? Auf gar keinen Fall!“ sondern „Warum eigentlich nicht?“

Tatsächlich hat das mein Leben sehr verbessert. Viele schöne Erfahrungen hätte ich nicht gemacht, wenn ich nicht mehr „Ja“ sagen würde als früher.
So habe ich z.B. „Ja“ zu einem Hotel gesagt, das nicht direkt an der Wanderroute sondern im nächsten Dorf war. Unlogisch, weil man da ständig Bus fahren muss und der Bus nur einmal in der Stunde fährt. Schön, weil es da Frühstück gab und das beste Bett seit Jahren. Toll auch, weil ich festgestellt habe, dass es in dieser Gegend überproportional viele Busfahrerinnen gibt und interessant, weil ich sonst beim Wandern nie das Denkmal von Dr. Trampel gesehen hätte.

Es war ein tolles Wochenende mit wunderbaren Gesprächen, viel Wetter und ohne Muskelkater. Auch hier macht sich der regelmäßige Kraftsport bemerkbar. Die Beine und Knie taten trotz der täglichen 20.000 Schritte nicht weh.

Übrigens auch sehr lustig: Selbst in meinen Träumen bin ich jetzt kräftiger. Wenn ich irgendwo abrutsche kann ich mich hochziehen. Ich kann mich an Klippen halten und gerate auch in steilem Gelände nicht außer Atem.

Teutoburger Wald Ultra werde ich aber nicht werden. Mein Herz habe ich der sächsischen Schweiz geschenkt.

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