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Wer hat Angst vorm Frühstücksdrachen?

Am zweiten Morgen ist uns der entscheidende Durchbruch gelungen. Wir haben eine Tasse Kaffee erhalten, obwohl der Frühstücksdrachen (kurz FD) schon ausdruckslos die letzten vier Liter aus dem großen Kaffeespender des Frühstücksbuffets in den Ausguss geschüttet hatte.
Um den Wagemut dieser beherzten Aktion ermessen zu können, muss ich zu Tag eins zurück kehren.
Frühstück von acht bis zehn. Der Herr an der Rezeption heißt uns uns ab neun Uhr bereit zu halten. Gesagt getan. Um 09.03 Uhr betreten wir die Gaststätte. Außer uns gibt es nur einen weiteren Gast. Sie ist fast fertig mit dem Essen und schaut uns an, als ob wir wahnsinnig wären um diese Uhrzeit hier noch zu erscheinen. Wenige Minuten später, als der Frühstücksdrachen erscheint, wissen wir warum. Der FD, eine Frau unbestimmten Alters, deren Körpergewicht sich zu 70% auf die unteren Extremitäten konzentriert, erscheint in der Küchentür. Ihre gelb blitzenden Augen erspähen uns in Bruchteilen von Sekunden. Mit dem bratwurstdicken Zeigefinger deutet sie auf den gedeckten Platz. Wir setzen uns. Sie kommt näher. Jeden Schritt kann man auf der Oberfläche des mit Orangensaft gefüllten Glases verfolgen, die sich im Rhythmus der sich nähernden Schritte kräuselt.
Jetzt steht sie vor uns. Wir schauen sie an. Sie schaut uns an. Endlos lange Sekunden vergehen. Ich starre ihr entsetzt auf die Barthaare. Ihre Nasenflügel beben. Dann nehme ich mir ein Herz und frage mit meiner kindlichsten Stimme: Werte Herrscherin über das Frühstücksland, erlesene Dekoratörin der Frühstücksplatten, flinke Wurstplattenauffüllerin und Käsescheibchenabschneiderin, wäre es wohl möglich so etwas wie einen Milchkaffee zu erhalten, auf dass uns die köstlichen Brötchen noch leichter die Kehle herabgleiten?
Der FD bläst verächtlich Luft aus den Nüstern und grunzt knapp: Kaffee
Ich nicke und halte ihr zittrig meine Tasse hin.
Sie winkt ab und sagt in einem Ton, der keinen Widerspruch erlaubt: „Ich mache gleich einen Pott!“ und gibt mir damit unmissverständlich zu verstehen, dass sie mich töten wird, wenn ich versuchen sollte, mehr zu verlangen.
Danach verschwindet sie. Sie lässt uns mit einem üppigen Frühstück und einer Oldies-CD alleine (Evergreens wie: Papa Kalt, Klingel meine Glocke, Der einfache Simon sagt: Klatsch Deine Hände in die Luft).
Um 09.56 Uhr materealisiert sie an der Theke, stellt die Musik aus und starrt uns hasserfüllt über eine Zeitung hinweg an.
Als ich es wage, ein weiteres Brötchen aufzuschneiden, treten ihr kleine Dampfdruckwölkchen aus den Ohren. Um 10 Uhr 00 Minuten 00 Sekunden kommt sie an unseren Tisch, nimmt jeden einzelnen Gegenstand in die Hand und fragt: „Essen sie das noch?“
Als ich versuche zu scherzen: „Nein, den Teller esse ich heute mal nicht“, ernte ich einen Blick, der mein Blut gefrieren lässt. Wir verlassen rückwärts kriechend das Restaurant.
In der Nacht liege ich wach und schwöre mir, mich am nächsten Morgen nicht erneut einschüchtern zu lassen.
Alle Vorsätze verpuffen als ich höre, dass sie Xavier Naidoo aufgelegt hat. Sie steht stoisch in der Küchentür und hebt ihre grünlich verfärbte Oberlippe nur so wenig, dass ich ihre scharfen gelben Zähne sehen kann. Heute will sie sich uns nicht so lange Gefallen lassen und schüttet schon um halb zehn die letzten Liter Kaffee weg.
Wie viele, die mich persönlich kennen, wissen, hört bei Koffeinmangel am Morgen der Spaß bei mir auf.
Ein kurzes Diskussionsduell gewinne ich und sie fletscht ein letztes Mal die Zähne und verlangt meine Tasse, die sie gallespuckend auffüllt.
Ich schätze der Kaffe morgen, wird vergiftet sein.

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Wer hat Angst vorm Frühstücksdrachen?

Am zweiten Morgen ist uns der entscheidende Durchbruch gelungen. Wir haben eine Tasse Kaffee erhalten, obwohl der Frühstücksdrachen (kurz FD) schon ausdruckslos die letzten vier Liter aus dem großen Kaffeespender des Frühstücksbuffets in den Ausguss geschüttet hatte.
Um den Wagemut dieser beherzten Aktion ermessen zu können, muss ich zu Tag eins zurück kehren.
Frühstück von acht bis zehn. Der Herr an der Rezeption heißt uns uns ab neun Uhr bereit zu halten. Gesagt getan. Um 09.03 Uhr betreten wir die Gaststätte. Außer uns gibt es nur einen weiteren Gast. Sie ist fast fertig mit dem Essen und schaut uns an, als ob wir wahnsinnig wären um diese Uhrzeit hier noch zu erscheinen. Wenige Minuten später, als der Frühstücksdrachen erscheint, wissen wir warum. Der FD, eine Frau unbestimmten Alters, deren Körpergewicht sich zu 70% auf die unteren Extremitäten konzentriert, erscheint in der Küchentür. Ihre gelb blitzenden Augen erspähen uns in Bruchteilen von Sekunden. Mit dem bratwurstdicken Zeigefinger deutet sie auf den gedeckten Platz. Wir setzen uns. Sie kommt näher. Jeden Schritt kann man auf der Oberfläche des mit Orangensaft gefüllten Glases verfolgen, die sich im Rhythmus der sich nähernden Schritte kräuselt.
Jetzt steht sie vor uns. Wir schauen sie an. Sie schaut uns an. Endlos lange Sekunden vergehen. Ich starre ihr entsetzt auf die Barthaare. Ihre Nasenflügel beben. Dann nehme ich mir ein Herz und frage mit meiner kindlichsten Stimme: Werte Herrscherin über das Frühstücksland, erlesene Dekoratörin der Frühstücksplatten, flinke Wurstplattenauffüllerin und Käsescheibchenabschneiderin, wäre es wohl möglich so etwas wie einen Milchkaffee zu erhalten, auf dass uns die köstlichen Brötchen noch leichter die Kehle herabgleiten?
Der FD bläst verächtlich Luft aus den Nüstern und grunzt knapp: Kaffee
Ich nicke und halte ihr zittrig meine Tasse hin.
Sie winkt ab und sagt in einem Ton, der keinen Widerspruch erlaubt: „Ich mache gleich einen Pott!“ und gibt mir damit unmissverständlich zu verstehen, dass sie mich töten wird, wenn ich versuchen sollte, mehr zu verlangen.
Danach verschwindet sie. Sie lässt uns mit einem üppigen Frühstück und einer Oldies-CD alleine (Evergreens wie: Papa Kalt, Klingel meine Glocke, Der einfache Simon sagt: Klatsch Deine Hände in die Luft).
Um 09.56 Uhr materealisiert sie an der Theke, stellt die Musik aus und starrt uns hasserfüllt über eine Zeitung hinweg an.
Als ich es wage, ein weiteres Brötchen aufzuschneiden, treten ihr kleine Dampfdruckwölkchen aus den Ohren. Um 10 Uhr 00 Minuten 00 Sekunden kommt sie an unseren Tisch, nimmt jeden einzelnen Gegenstand in die Hand und fragt: „Essen sie das noch?“
Als ich versuche zu scherzen: „Nein, den Teller esse ich heute mal nicht“, ernte ich einen Blick, der mein Blut gefrieren lässt. Wir verlassen rückwärts kriechend das Restaurant.
In der Nacht liege ich wach und schwöre mir, mich am nächsten Morgen nicht erneut einschüchtern zu lassen.
Alle Vorsätze verpuffen als ich höre, dass sie Xavier Naidoo aufgelegt hat. Sie steht stoisch in der Küchentür und hebt ihre grünlich verfärbte Oberlippe nur so wenig, dass ich ihre scharfen gelben Zähne sehen kann. Heute will sie sich uns nicht so lange Gefallen lassen und schüttet schon um halb zehn die letzten Liter Kaffee weg.
Wie viele, die mich persönlich kennen, wissen, hört bei Koffeinmangel am Morgen der Spaß bei mir auf.
Ein kurzes Diskussionsduell gewinne ich und sie fletscht ein letztes Mal die Zähne und verlangt meine Tasse, die sie gallespuckend auffüllt.
Ich schätze der Kaffe morgen, wird vergiftet sein.

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Tag Drei

Ich bin mir nicht sicher, ob ich es überhaupt noch schaffe an dem vom FD vergifteten Kaffee zu sterben. Mein Muskelkater wird mich zweifelsohne schon vorher dahinraffen. Meine Beine fühlen sich an, als habe jemand meine Muskeln entfernt und sie gegen schmerzleitende Holzscheite getauscht. Der Kilometerzähler am Fahrrad meines Freundes zeigte für die letzte Radtour FÜNFUNDVIERZIG Kilometer. Ich war mir bis Gründonnerstag nicht mal sicher, ob ich es überhaupt schaffen könnte einen ganzen Kilometer ohne Pause zurück zu legen.
Mich an einem Tag (!) 45 Kilometer (!) auf einem Fahrrad (!) in der freien Natur (!) und sieben Stunden (!) an der frischen Luft zu bewegen, kann nicht gesund sein.
Nach einer mehrstündigen Debatte leuchtete dies auch meinem Freund ein und wir entschlossen uns lediglich zu frühstücken, einkaufen zu gehen, zu schlafen, Mittag zu essen und dann einen kleinen Spaziergang zu machen.
Um es kurz zu machen: Der Spaziergang erstreckte sich über drei Stunden und dies ist einmal mehr den unsäglichen Wanderkarten zu schulden. Auch diesmal gelang es uns nicht, die gelbe Wanderlinie zu finden und ihr konsequent zu folgen. So irrten wir durch den Sumpf, suchten erfrorene Molche und bewunderten Eichhörnchen. Eichhörnchen sind im Übrigen die lebendiggewordene Süßhaftigkeit. Ein entzücktes „süüüüß“ entfährt mir nur sehr selten. Beim Anblick eines Eichhörnchen will ich meiner alltäglichen Blindheit gegenüber den Wundern des Alttags entgegen permanent in die Hände klatschen und Synonyme für „Oooch ist das niedich!“ quietschen.
Der Abwechslungsgrad der Abendgestaltung auf dem Lande sinkt mit der Verweildauer dramatisch. Wir haben alle Kinofilme gesehen. Wir haben unsere mitgebrachten Bücher zuende gelesen. Wir haben gegessen, sind mehrere Male durch die Stadt gelaufen, haben uns mit Einheimischen unterhalten, kennen sogar über 50% beim Vornamen und haben alle örtlichen Denkmäler besichtigt und fotografiert.
In einem letzten verzweifelten Versuch einer Abendgestaltung imitiert mein Freund nun seit zwei Stunden in der Hoffnung mir eine Freunde zu machen ein balzendes Eichhörnchen.
Er klickert mit der Zunge und lässt seinen imaginären Puschelschwanz wedeln. Ich frage mich, wie lange er das noch durchhält. Ich habe das Licht bereits ausgeknipst und schreibe diese letzten Zeilen im Dunkeln …

Der Ausflugtag nach Waren mit der Knoblauchsoße des Teufels und die zweite Radtour samt der überaus amüsante Rückfahrt folgt demnächst.

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Tag Drei

Ich bin mir nicht sicher, ob ich es überhaupt noch schaffe an dem vom FD vergifteten Kaffee zu sterben. Mein Muskelkater wird mich zweifelsohne schon vorher dahinraffen. Meine Beine fühlen sich an, als habe jemand meine Muskeln entfernt und sie gegen schmerzleitende Holzscheite getauscht. Der Kilometerzähler am Fahrrad meines Freundes zeigte für die letzte Radtour FÜNFUNDVIERZIG Kilometer. Ich war mir bis Gründonnerstag nicht mal sicher, ob ich es überhaupt schaffen könnte einen ganzen Kilometer ohne Pause zurück zu legen.
Mich an einem Tag (!) 45 Kilometer (!) auf einem Fahrrad (!) in der freien Natur (!) und sieben Stunden (!) an der frischen Luft zu bewegen, kann nicht gesund sein.
Nach einer mehrstündigen Debatte leuchtete dies auch meinem Freund ein und wir entschlossen uns lediglich zu frühstücken, einkaufen zu gehen, zu schlafen, Mittag zu essen und dann einen kleinen Spaziergang zu machen.
Um es kurz zu machen: Der Spaziergang erstreckte sich über drei Stunden und dies ist einmal mehr den unsäglichen Wanderkarten zu schulden. Auch diesmal gelang es uns nicht, die gelbe Wanderlinie zu finden und ihr konsequent zu folgen. So irrten wir durch den Sumpf, suchten erfrorene Molche und bewunderten Eichhörnchen. Eichhörnchen sind im Übrigen die lebendiggewordene Süßhaftigkeit. Ein entzücktes „süüüüß“ entfährt mir nur sehr selten. Beim Anblick eines Eichhörnchen will ich meiner alltäglichen Blindheit gegenüber den Wundern des Alttags entgegen permanent in die Hände klatschen und Synonyme für „Oooch ist das niedich!“ quietschen.
Der Abwechslungsgrad der Abendgestaltung auf dem Lande sinkt mit der Verweildauer dramatisch. Wir haben alle Kinofilme gesehen. Wir haben unsere mitgebrachten Bücher zuende gelesen. Wir haben gegessen, sind mehrere Male durch die Stadt gelaufen, haben uns mit Einheimischen unterhalten, kennen sogar über 50% beim Vornamen und haben alle örtlichen Denkmäler besichtigt und fotografiert.
In einem letzten verzweifelten Versuch einer Abendgestaltung imitiert mein Freund nun seit zwei Stunden in der Hoffnung mir eine Freunde zu machen ein balzendes Eichhörnchen.
Er klickert mit der Zunge und lässt seinen imaginären Puschelschwanz wedeln. Ich frage mich, wie lange er das noch durchhält. Ich habe das Licht bereits ausgeknipst und schreibe diese letzten Zeilen im Dunkeln …

Der Ausflugtag nach Waren mit der Knoblauchsoße des Teufels und die zweite Radtour samt der überaus amüsante Rückfahrt folgt demnächst.